Tatütata, die neue StVO ist da

  • Ich merke, ich habe gestern nur sehr kursorisch gelesen.

    Durch die Beiträge hier wird mir erst bewusst, wie sehr sich die StVO für uns Radfahrende dadurch in der Praxis zum Schlimmeren wenden könnte. :(

    „Zeigen wir dem staunenden Ausländer einen neuen Beweis für ein aufstrebendes Deutschland, in dem der Kraftfahrer nicht nur auf den Autobahnen, sondern auf allen Straßen durch den Radfahrer freie, sichere Bahn findet.“ (Reichsverkehrsministerium, 1934)

  • ......

    aber ich kam darauf, weil in der Begründung gegen die Einführung eines Rechtsabbiege-Grünpfeils für Radfahrer steht, dass auf Radwegen sowieso die Fahrbahnampel niemals gelten würde. Das ist aus meiner Sicht nicht korrekt.

    Ah, ok, Entschuldigung, ich stand etwas auf dem Schlauch.


    Man müsste den/die Verfasser des Schriftstücks fragen, was abgesetzt ist, und bekommt dann wahrscheinlich 3 verschiedene Antworten.


    Zumindest, wäre da keine Kombischeibe in der Fußgängerampel, wäre das Bild eine gute Begründung für einen Radler-Abbiegepfeil.

    Mit Kombischeibe wirds ziemlich vertrackt, denn wo soll der Radler-Abbiegepfeil dann hängen?

  • Wegen des querenden Fußverkehrs beispielsweise?

    Da wird dann einfach aufgepasst und diese Fußgänger passieren dann dann den Radweg..

    Da typischerweise die Fußgängerampel eher auch Grün schaltet und auch eher wieder auf Rot, würde das Zeitfenster für den Radfahrer ja noch weiter verringert, zumal wie hier dann auch noch angefahren und ein paar Meter zur nächsten Ampel erst noch gefahren werden muss und man mit Pech gleich wieder bei Rot landet.

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass das die Absicht ist.

    Und wäre ein Halten gewünscht, hätte man einfach mit etwas Farbe eine Haltelinie hingezeichnet.


    Im Radverkehr gibt es soviel Unklarheiten. Deswegen wird es auch keine autonomen Fahrräder geben, da diese keine Stadt durchfahren können, ohne nach wohl nur wenigen Kreuzungen nicht mehr weiter können, ohne gegen irgendwelche Regeln zu verstoßen.

    Wer steigt vom Rad ab, wenn ein Umleittungsschild auf dem Radweg steht und weicht nicht über den angrenzenden Gehweg ab, damit meine ich auch nur die 20 cm des Lenkers, die den Gehweg überstreichen.

  • Am 14.02. ist das Thema auf der Tagesordnung des Bundesrats. Soweit ich sehen kann, ist die problematische Änderung des §45 Abs.9 nicht in der Drucksache, aber in den Ausschussempfehlungen (und zwar vom Aus­schuss für Um­welt, Na­tur­schutz und nu­klea­re Si­cher­heit).

  • Warum interessieren sich Radfahrer überhaupt dafür, wie schnell auf Autobahnen gefahren werden darf? Mir ist das z. B. völlig egal. :rolleyes:

    Jedes Limit, das ernsthaft zu einer signifikanten Reisezeitverlängerung auf der Autobahn beitragen würde*, könnte den Ausweichverkehr auf attraktiver werdende Landstraßenstrecken verstärken (jedenfalls dann, wenn man nicht gleichzeitig auch das Tempolimit auf der Landstraße senkt...). Das wiederum würde das angestrebte Ziel einer Senkung der Unfallrisiken ad absurdum führen und sich insbesondere auch radverkehrs-feindlich auswirken.


    *) Bei 130 sehe ich diese Gefahr noch nicht, eher so bei 100 oder 110...;)

  • Durch die Beiträge hier wird mir erst bewusst, wie sehr sich die StVO für uns Radfahrende dadurch in der Praxis zum Schlimmeren wenden könnte. :(

    Früher wurde das aber ehrlicher kommuniziert

    <X

    "I've noticed that the majority of traffic 'safety' campaigns seem to focus on everything except the bull in the china shop - the automobile." copenhagenize.com

  • Jedes Limit, das ernsthaft zu einer signifikanten Reisezeitverlängerung auf der Autobahn beitragen würde*, könnte den Ausweichverkehr auf attraktiver werdende Landstraßenstrecken verstärken (jedenfalls dann, wenn man nicht gleichzeitig auch das Tempolimit auf der Landstraße senkt...). Das wiederum würde das angestrebte Ziel einer Senkung der Unfallrisiken ad absurdum führen und sich insbesondere auch radverkehrs-feindlich auswirken.


    *) Bei 130 sehe ich diese Gefahr noch nicht, eher so bei 100 oder 110...;)


    Es wäre sowohl aus sicher der Sicherheit als auch als Sicht des Umweltschutzes sehr zu begrüßen, wenn auf Landtraßen das Tempo gesenkt würde. Das Optimum für geringen Verbrauch liegt bei PKW meistens um die 70 km/h...


    Der weit grössere Vorteil für den Verbrauch ist aber vermutlich auch der Grund, warum so viele PKW Fahrer etwas gegen diese Beschränkung haben. Überdimensionierte Motoren verlieren Ihren Sinn, wenn man nicht mehr schnell fahren kann. Kleinere Motoren ohne grosse Leistungsausbeuten würden weniger verbrauchen und zwar bei jeder Fahrt.

    1969: Ingenieure leiten ein Projekt und der erste Mensch betritt den Mond.

    Über 40 Jahre später: Juristen und Verwaltungsleute leiten Projekte und scheitern an einem einfachen Flughafen in Berlin.

  • Das ist so nicht ganz richtig. Gerade in dem Geschwindigkeitsbereich zwischen 70 bis etwa 150 brauchen große Motoren im Teillastbetrieb normalerweise dank deutlich größerer Gesamtübersetzung nicht nennenswert mehr Sprit wie die Kleinen. Das sieht im Ort natürlich ganz anderes aus und unter Vollast auch


    Eine Beschränkung auf der Autobahn von 120 bis 130 und auf der Landstraße von 80 würde die Verbräuche der Autos imho deutlich positiver beeinflussen, als das BMVI uns glauben machen will.

  • Dazu kommt, dass dadurch wahrscheinlich weniger gebremst und beschleunigt wird, da die Tempounterschiede geringer sind. Wenn man auf der linken Spur mit 130 fährt und es schert hinter einem LKW jemand mit 110 aus (ich geh jetzt mal davon aus, der macht das ordnungsgemäß und schert nicht in den Sicherheitsabstand hinein aus) reicht es etwas vom Gas zu gehen. Würde man 200 fahren müsste man bremsen und damit Energie vernichten.

  • Ganz was anderes, zur neuen StVO. Ich bemerke, das sehr viele Autofahrer deutlich mehr Platz lassen beim überholen seit Jahresbeginn.

    So bissl ging es schon mit der Diskussion mit dem Abstand los, aber die letzten 5-6 Wochen finde ich, es gibt deutliche Änderungen im Verhalten.

    Zum Beispiel kommt es außerorts selbst bei breiter Straße und sehr weit rechts fahren meinerseits öfters vor, das Autofahrer bei Gegenverkehr nicht, oder mit deutlich verminderter Geschwindigkeit überholen. Das kam früher eher einmal im Monat vor, inzwischen fast täglich.

  • Warum sollten sie das tun? Aus Empathie und Herzensgüte?

    Das kam früher eher einmal im Monat vor, inzwischen fast täglich.

    Deine Beobachtungen wurden meines Erachtens durch Wunschdenken verfälscht. ;) Ich habe seitdem die Sache hin und wieder in den Medien auftaucht, eher das Gefühl, dass es die Leute vor einer möglichen Festschreibung von Mindestabständen noch einmal ordentlich krachen lassen wollen...


    Überholabstände sind in den allermeisten Fällen Zufallsprodukte. Es gibt Tage, da könnte ich mich über 20 Engüberholer aufregen - und dann ist auch mal ein paar Tage gar nix.

  • Ich will nicht gegen den 7ten Sinn argumentieren. Das war eine sehr sinnvolle Einrichtung. Aber in meinem Bekanntenkreis ist die Anzahl derer, die einen echten Fernseher benutzen inzwischen auf die Rentnergeneration beschränkt. Es gibt auch keinen sinnvollen Zeitpunkt mehr: nach der Tagesschau und vor dem Tatort (oder so) ist einfach für einen viel zu kleinen Teil der Bevölkerung ein wichtiger Teil des Tages.


    Das Format ist leider wahrscheinlich tot. Eine andere Form der aufgedrängten Verkehrserziehung ist nötig. Ich finde die Aufkleber auf Bussen und Taxis einen recht gelungenen Schritt - die sieht jeder Verkehrsteilnehmer irgendwann.

  • Ich habe auf meinen Wegen leider auch keinen Unterschied festgestellt. Es gab schon immer vorbildliche Überholer, die komplett auf die Gegenspur ausgewichen sind. Aber immer noch genug von der Sorte, die offenbar keine Angst um ihren Lack haben.

    Sobald diese unsägliche Bundesdrucksache in der Bildzeitung angekommen ist, dürfte sich die letztere Gruppe ohnehin bestätigt sehen: Radfahren auf der Fahrbahn ist per se Nötigung, und die sind sowieso alle geistig zurückgeblieben und müssen von den kompetenten Kfz-Führern 'erzogen' werden.

    Das Lob an Aufkleber auf Bussen im Raum Karlsruhe kann ich leider auch nicht teilen. Die richten sich bereits ausschließlich an Radfahrer: Bleibt gefälligst aus dem Toten Winkel draußen, in den ich euch gerade gedrängt habe...

  • "Im allgemeinen Verkehrsgeschehen sind bereits vielfach nebeneinander Rad fahrende feststellbar, welche die Behinderung des übrigen Verkehrs nicht berücksichtigen beziehungsweise bewusst in Kauf nehmen.", heißt es in dem Papier auf Seite 2. https://www.bundesrat.de/Share…_blob=publicationFile&v=1


    Das erinnert mich an die empörte Schilderung eines Bekannten (ein Fast ausschließlich Nur-Autofahrer - ja auch solche Bekannten habe ich), der mir von solchen nebeneinander Rad fahrenden berichtete, die er als ein ganzes Rudel erlebt habe, das die Behinderung des übrigen Verkehrs bewusst in Kauf genommen habe.

    Ich habe ihm dann dazu gratuliert, dass er jetzt erstmals eine Critical-Mass-Veranstaltung miterlebt habe und ihn herzlich mit seinem Fahrrad (ja, er hat eines!) zur nächsten Critcal Mass eingeladen, so dass er die auch mal aus Radfahrer-Sicht miterleben könne.

  • Ganz was anderes, zur neuen StVO. Ich bemerke, das sehr viele Autofahrer deutlich mehr Platz lassen beim überholen seit Jahresbeginn.

    Mein Eindruck (der natürlich täuschen kann) ist eher, dass das an der Jahreszeit liegt:

    „Wow der fährt bei dem Mistwettter/bei der Kälte Fahrrad? Respekt!“

    Was dann auch an einem respektvollerem Abstand resultiert.

    Im Frühjahr dagegen ist es genau andersrum. „Jetzt fahren sie wieder diese Sch... Radfahrer.“

    Ja, ich bin Kampfradler! Nein, ich fahre nicht aggressiv!
    Denn ich kämpfe mit den Waffen des Wortes, des Papiers und des Toners, meine Verbündeten sind die Regeln und Normen der StVO und VwV-StVO.


    Radfahren ist nicht gefährlich, Radwege schon!

  • Mein Eindruck (der natürlich täuschen kann) ist eher, dass das an der Jahreszeit liegt:

    „Wow der fährt bei dem Mistwettter/bei der Kälte Fahrrad? Respekt!“

    Was dann auch an einem respektvollerem Abstand resultiert.

    Im Frühjahr dagegen ist es genau andersrum. „Jetzt fahren sie wieder diese Sch... Radfahrer.“

    Hmm, scheint dann was lokales zu sein. Hab jetzt die Woche extra mal mitgezählt, genau ein mal, heute, ein LKW der nicht vom Gas wollte als gleichzeitig ein ebensolcher entgegenkam.

    Dieses Jahr ist bei uns ja ganz gutes Wetter über den Winter, obwohl, -> welcher Winter.

    Und gerade wenn Schnee liegt ist die Reaktion der Autofahrer oft alles andere als herzlich. Da wird (vor allem außerorts) auch mal wild gehupt, Vogel gezeigt, wenn das überholen wegen Neuschnee nicht gut geht.

  • Nun hat sich der Verkehrsausschuss, der Ausschuss für Innere Angelegenheiten, der Rechtsausschuss und der Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit geäußert und einen Großteil der Änderungsverordnung zur Ablehnung oder Verwässerung empfohlen: Drucksache 591/1/19

    Mir fällt gerade noch ein, was hier auf jeden Fall fehlt:

    Die Erhöhung der Bearbeitungsgebühr für den Halter, wenn der Fahrer nicht ermittelt werden kann!


    Das sind aktuell 23,50 €.


    Wenn nun die Bußgelder für falsches Parken regelmäßig 55 € oder mehr betragen, wird sich diese Grenze schnell herumsprechen. Man braucht als Halter einfach keine Auskunft über den Fahrer zu erteilen und schon zahlt man weniger als die Hälfte.