Beiträge von Th(oma)s

    Nicht zu Ende gedachte Idee: Das Fahren eines Autos wird immer komplexer und die Anforderungen an die Fahrer*innen steigen, aber die Ausbildungszeit und -qualität wird reduziert.

    Was uns auf der Straße ärgert und gefährdet, lernt man nicht in der Fahrschule. Kinderstube kann man durch nichts ersetzen außer durch Kinderstube.

    [Alkoholunfälle an Himmelfahrt]

    JFTR:In diesem Jahr bisher drei Kandidaten für Alkohol-Tote an Himmelfahrt (3x Alleinsturz außerorts und aus „ungeklärter Ursache“ vom Weg abgekommen, teils in Radler-Gruppe), aber ohne Erwähnung einer Alkoholisierung als Ursache. Keine Vorfälle mit KFZ am 14.5., ergo auch nichts mit betrunkenen KFZ-Führern.

    Ne neeeeeee, das kommt, weils ja kaum Hauptstraßen ohne Radwege gibt. Und da fährt auch niemand, wegen den vielen Autos, biste verrückt.

    Schrödingers Hauptstraße: alle fahren drauf herum und lamentieren über die rücksichtslosen Autofahrer, die sie immer gefährden, aber wenn man eine statistische Auswertung macht, die zeigt, dass es da keine Unfälle gibt, will plötzlich niemand dort unterwegs gewesen sein.

    ist eigentlich auf Grund der doch geringen Fallzahlen bei den tödlichen Unfällen ein Unterschied zu erwarten, wenn man die Zahl der Schwerverletzten nähme?

    Die Fallzahlen und die Relationen der Werte in den einzelnen Rubriken zueinander sind über die Jahre hinweg (abgesehen von einem insgesamt abnehmenden Langzeittrend) immer sehr stabil gewesen. Von daher kann man jedenfalls beruhigt davon ausgehen, dass es sich beim Ergebnis 2025 nicht um einen zufälligen günstigen Ausreißer handeln dürfte.

    Leider ist die amtliche Unfallstatistik recht eindimensional, weil die einzelnen Parameter immer nur strikt voneinander getrennt präsentiert werden. Angaben zur Radinfrastruktur oder zur Straßenkategorie am Unfallort gibt es sogar überhaupt nirgends. Vergleichbare Auswertungen für Verletzte lassen sich darum selbst unter Verwendung der ansonsten recht brauchbaren Opendata aus dem Unfallatlas nicht machen.

    Im letzten Jahr insgesamt 3 tödliche Fahrradunfälle mit KFZ auf Hauptstraßen ohne "Infrastruktur" in allen 82 deutschen Großstädten zusammen (1x Vorfahrtnahme durch PKW aus T30-Zone mit Stopschild kommend in Augsburg, 1x rechtsabbiegender LKW gg. Gehwegradler in Berlin, 1x Motorrad gegen linksabbiegenden Radler in Halle/Saale).

    Die "gefährliche Fahrbahn" ist nur ein populärer Mythos. Das gilt angesichts der insgesamt niedrigen Werte auch für das von den Medien anlässlich der "jeder 6. Verkehrstote war Radfahrer"-Meldung des Statistischen Bundesamtes einmal mehr kolportierte Zerrbild vom "immer gefährlicher werdenden Stadtverkehr".


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    Stell dir vor, da will ein Radfahrer als Mitnahmeeffekt erreichen, dass der Gehweg den Fußgängern vorbehalten bleibt, und der erste Fußgänger beschwert sich und begründet das mit seiner musikalischen Karriere.

    Am Ende sitzen alle (also auch sich ausdrücklich als "Fußgänger" bzw. "Radfahrer" identifizierende Personen) geistig immer nur hinterm Lenkrad ihres PKW.

    [Liste mit Filmen, in denen Radfahrer im Straßenverkehr getötet werden.]

    Es ist mal wieder soweit:

    Tatort: Könige der Nacht - hier anschauen
    Fernsehfilm Schweiz 2026 Eine Pizzalieferung in Zürich zu später Stunde, eigentlich Routine für die Fahrradkurierin Moya Alemu (Nambitha Ben-Mazwi). Dabei…
    www.ardmediathek.de

    Das übliche Dreigestirn: Fahrradkurierin, im Längsverkehr (allerdings von vorne...) gerammt, dunkel, Schweizer Tatortautoren auch nicht phantasievoller.

    Beim Linksabbieger hat es dann ja schonmal nicht genügend sensibilisiert.

    Seit wann soll „Infrastruktur“ Linksabbieger für entgegenkommenden Radverkehr „sensibilisieren“ und wie muss ich mir das dann vorstellen? Wenn überhaupt, kann Infra Auffahrunfälle von hinten verhindern. Ein Teil dieses Effekts beruht bei Streifen auf der „Glättung“ der Radfahrer-Fahrlinie durch die Peilhilfe der Trennmarkierung, was bei einem so schmalen Streifen unzweifelbar besonders intensiv der Fall sein dürfte.:evil: Der zweite Teil der Wirkung besteht in der Vermeidung von Fehlerquellen beim Aus- oder Einscher-Timing. Das wäre aber jedenfalls unabhängig von der Streifenbreite. Da zudem der gerade im Fokus stehende schmale Streifen Längsparker daneben weder legal noch illegal zulässt, ist vorliegend noch nicht einmal mit Gefahren durch Dooring zu rechnen.

    Gibt mehrere Supermärkte, daher muss es nicht zwangsläufig hier gewesen sein, aber wie jemand hier auf diesem überbreiten Schutzstreifen übersehen werden kann 8o8o

    Mir ist nicht ganz klar, welche Rolle der Streifen für den Fehler des entgegenkommenden Linksabbiegers spielt, ebenso, wie ich nicht verstehe, was der Streifen damit zu tun haben soll, wenn ein Autofahrer beim Einfahren in die Fahrbahn den am Boden liegenden Radler zu spät bemerkt.

    Wo wurde denn darüber berichtet, dass Fahrradfahren für Frauen in den Niederlanden am gefährlichsten ist?

    Nirgendwo, das war blanker Sarkasmus in Analogie zum real publizierten Unsinn über die vermeintlich zunehmenden Gefahren für deutsche Radler.

    Die Auslegung, die Stagnation der absoluten Zahlen in Deutschland sei auf mehr Pedelec und mehr Senioren zurückzuführen, ist übrigens nicht von der Hand zu weisen. Nur die kommunizierte Schlussfolgerung "...und das liegt alles nur an der katastrophalen Infrastruktur in Deutschland, weil unsere Politik beim Radwegebau mal wieder komplett versagt!" ist ganz offensichtlich unzutreffend:

    edit: Beitrag erschien schon am 22.04.2026, ist mittlerweile aber über umwege lesbar

    Es haben ja auch andere Quellen darüber berichtet. Am besten, man schaut in die Originalveröffentlichung der ETSC.

    Darin findet man u.a. auch das hier:

    Deutsche Qualitätsmedien so: "Warum Radfahren für Frauen in den Niederlanden am gefährlichsten ist!".:evil:

    Was man ja von Verkehrswende-Apologeten immer wieder hört, wenn das steigende Fahrradrisiko im Fietsparadijs™ relativiert werden soll: "Ja, in NL ist die Infrastruktur so einladend, da fahren (und verunglücken leider entsprechend) auch die ganz Alten!"

    Seht ihr auch alle den riesigen Altersunterschied zu den Deutschen Opfern?

    Next Level des irreführenden "Radfahren? Gefääährlich!!"-Framings. Die deutschen Medien springen begeistert drauf an und berichten heute über den "neuen" (hüstel, die Daten reichen nur bis 2024...) Report der ETSC, einem EU-weiten Verbund nationaler Verkehrssicherheitsorganisationen. Irreführende Trend-Analysen, unzulässige Schlussfolgerungen, das ganze verwässert durch die gemeinsame Auswertung der uneinheitlich erhobenen nationalen Statistiken und auf dieser Basis die üblichen sachlich unbegründeten Forderungen an die Politik (Radwege, Tempo 30 und Radwege). Seufz.

    Improving the safety of cycling in Europe (PIN Flash 50)
    Cyclists remain among the most vulnerable road users. Unlike occupants of cars, vans and lorries, cyclists have little physical protection. As a result,…
    etsc.eu

    "Gefährliche Innenstädte: 2025 kamen mehr Fahrradfahrer im Straßenverkehr ums Leben"

    https://www.dieharke.de/politik/regional/63-tote-radfahrer-in-niedersachsen-warum-innenstaedte-zum-gefaehrlichsten-ort-im-verkehr-werden-5DWUKJTPKVCMPPL6Z5BIQBPN4I.html

    Muss sich extra erwähnen, dass im Artikel (und auch in der PM der Polizei NI) mit keinem einzigen Wort auf die Verteilung "innerorts : außerorts", geschweige denn "Dorf/Vorort : Innenstadt" und erst recht nicht auf die Häufigkeit von irgendwelchen Gegnern und vermeintlich Innenstadt-typischen Unfallszenarien eingegangen wird? Nein, muss ich nicht. Dumm klickt gut.

    Passend dazu hat dieser Tage das CBS die aktuelle Vorjahresstatistik für die Niederlande veröffentlicht. Fahrradtote steigen von 246 auf 281 (+14%, abgesehen von den 290 in 2022 der zweithöchste Wert seit 1990). Radfahrer sind dort jetzt mit großem Abstand die häufigste gestorbene Verkehrsart. Was hierzulande wohl los wäre, sollte das einst so kommen?