[„RiMs“]
Und diese Verkehrsplaner behaupten, es sei eine sichere Radverkehrsführung. Sie werden ihre Planung ja wohl kaum damit begründen, dass sie sagen: "Es ist anders gemacht als in den Niederlanden und es ist für Fahrradfahrer deutlich gefährlicher als in den Niederlanden, aber das stört doch keinen großen Geist."
RiMs sind eine Zeit lang auch in NL Stand der Technik gewesen, wurden aber in den letzten drei Jahrzehnten wohl dort nicht mehr gebaut bzw existierende Markierungen wieder zurückgebaut. Dass eine empirisch ermittelte mangelnde Verkehrssicherheit der Grund für diesen Modenwechsel gewesen wäre, ist allerdings nirgendwo (außer als Legende in der deutschen Verkehrswende-Bubble) zu finden. Das gleiche gilt im Übrigen auch für die angeblich sicherheitstechnisch überlegene „holländische Schutzkreuzung“ mit ihren mehrere Meter in die Nebenstraße gerückten Fahrbahnfurten. Das BASt-Gegenstück in NL (SWOV) hat Anfang der 2000er eine ausführliche Erörterung des Rechtsabbieger-Konflikts publiziert. Darin sind aber weder Diskussionen von Für und Wider einzelner Führungsvarianten noch konkrete Empfehlungen für die bauliche Kreuzungs-Ausführung enthalten.
Die Uni Berlin hat im Auftrag der BASt eine Studie angefertigt, die die Verkehrssicherheit von RiMs im vorher-nachher-Vergleich untersucht hat. Dabei kam heraus, dass die Unfallrate sich gegenüber der vorherigen Hochbordführung nicht gravierend ändert. Je nachdem, ob die Radspur eingefärbt war oder nicht lag sie mal leicht unter mal leicht über dem Ausgangswert. Unfälle mit RiM resultierten dabei aber weitgehend aus Fehlnutzung der Kreuzung durch Radfahrer mittels (Geister-)Radeln auf dem Bürgersteig. Vom Ergebnis wurde in den Medien allerdings nur einseitig der nachteilige Effekt bei ungefärbten Furten als ultimativer Beweis für die Gefährlichkeit der ungeliebten Führung präsentiert. Wenn dann noch zB Changing Cities mit gestellten Gruselbildern gegen RiMs stänkert, kann die behauptete Lebensgefährlichkeit natürlich schnell zur selbsterfüllenden Prophezeihung geraten.
Zusammenfassung: nachdem das „build it and they will come“ in D irgendwie unbefriedigend funktioniert hat, wird „build it the Dutch way, and they will come like the Dutch came“ propagiert. Der Witz daran ist, dass NL seinen starken Radverkehr in den 1980er Jahren gewonnen hat (worauf hin er seitdem stagniert) und zwar mit genau den Radführungen, die von der deutschen Verkehrswendeszene heute als unsicher, unwirksam und typisch deutsch diffamiert werden.