Beiträge von Th(oma)s

    Hätte wahrscheinlich heißen müssen "nach Angaben des Pkw fuhr die Radfahrerin von rechts aus einem Feldweg auf die Hauptstraße. Ob dies zutrifft, müssen Sachverständige klären, da die Radfahrerin verstarb und sich nicht mehr zum Unfallhergang äußern kann. Zeugen werden gesucht"

    Die Frage „wer kam von wo“ ist anhand des Schadbildes an den Fahrzeugen und der sonstigen Spurenlage sehr leicht zu klären. Das Beiziehen eines Sachverständigen gehört bei Todesfällen zur Vorschrift und ist kein Anzeichen dafür, dass die Beamten der Unfallaufnahme den offensichtlichen Hergang anzweifeln. Ich habe auch noch nie erlebt, dass der Gutachter hinterher gesagt hätte „achnee, vertan, der Radfahrer kam ja doch gar nicht aus dem Feldweg sondern wurde durch Verletzung des vorgeschriebenen Mindestabstandes beim Überholen von hinten angefahren“.

    GMaps zeigt eine gestrichelte Fahrradroute entlang der K31, die am Ortsausgang Helmstadt auch mit Wegweisern weggeleitet wird. Sie trifft hier wieder auf die Kreisstraße.

    PS „nach Angaben des PKW“, ernsthaft? Und sich dann über die Diktion von Pressemeldungen aufregen. Tsts.😈

    Aber er war eben bekannt, über ihn wurde in der Öffentlichkeit gesprochen. Und mit solchen Aktionen ist man dann eben schnell so beliebt wie Knöllchen-Horst.

    Der Bekanntheitsgrad dürfte auch damit zusammenhängen, dass N. offenbar ständig auf der selben Strecke unterwegs war. Man findet nichts dazu, ob er einer geregelten Arbeit nachgegangen ist, aber er hatte jedenfalls seeehr viel Zeit fürs Radeln, zu allen möglichen Tages- und Nachtzeiten. Laut Blog 9.0000km Jahresfahrleistung mit eher geringem Schnitt, auf praktisch der immer gleichen Strecke - der Mann muss sich täglich insgesamt ~2h auf dieser L574 aufgehalten haben. Jetzt stell dir noch dazu vor, dass er da nicht einfach nur in Alltagskleidung rauf und runter fuhr, sondern Warnweste und meist kurze Hosen trug, immer mit 2 prall gefüllten Packtschen und oft mit Anhänger fuhr, ständig am Straßenrand stand zB um Fotos zu machen oder Müll aufzusammeln, mit Poolnudel und anderen Abstandhaltern fuhr, plakativ Schlenker machte wenn er im Rückspiegel jemanden wahrnahm, gestikulierte. Das Dorf, in dem er mit 43 Jahren noch bei seiner Mutter wohnte, und die Ortschaften im Umland haben nicht viele Einwohner und mit Durchgangsverkehr ist in der Ecke nicht zu rechnen, so dass die meisten der Menschen, denen er auf der Straße begegnete, ihn auch unabhängig davon persönlich gekannt haben dürften.

    Nach der mit größter Pietät geäußerten Formulierung in einem im Netz verfügbaren Nachruf zu urteilen, muss er durch seine bedingungslose Beharrlichkeit (nach dort zitierter eigener Aussage „im Autismusspektrum“) manchmal auch für seine Freunde aus der Fahrradszene sehr anstrengend gewesen sein.

    Soweit ich das gestern bei den Redebeiträgen und im Gespräch mit Radfahrern aus der Region verstanden habe, ist das gar kein Radweg; ich habe auch über weite Strecken keine blauen Schilder gesehen.

    Die fehlende Benutzungspflicht ist irrelevant für die Frage, ob im Nachhinein gehetzt wird. Dafür reicht (genau wie für die Übergriffe durch den autofahrenden Mob live auf der Strecke) die Existenz (bzw. der bloße Anschein) von begleitender "Infrastruktur" aus.

    Soweit ich das aus Natenoms Blogbeiträgen sehen kann, erstreckt sich die fundamentale Kritik an der Radführung entlang der L574 hauptsächlich um den Abschnitt zwischen dem Ortsausgang Pforzheim und dem Dorf Huchenfeld. Hier wurde ein steiler und über Teile unbefestigter Forstweg, der quasi direkt auf der Falllinie der 170 Höhenmeter verläuft, mit kleinen grünweißen Wegweisern zur Radstrecke erklärt, während sich die Fahrbahn (ohne konkret begleitende Radinfrastruktur...) mit gemäßigterer Steigung- über mehrere Serpentinen nach oben windet. Von Huchenfeld über Schellbronn nach Neuhausen scheint die Steigung nicht mehr ganz so heftig zu sein, und es gibt einen begleitenden recht ordentlich scheinenden asphaltierten Weg (den Natenom selbst in seinem Blog wiederholt als "Radweg" bezeichnet hat) entlang der Fahrbahn. In genau diesem Abschnitt ereignete sich der Unfall.

    Ich hab hier drüben ein paar Fotos hochgeladen und die (für eine Fahrraddemonstration meines Erachtens beinahe schon üblichen) Erlebnisse geschildert:

    Die Verkehrswende-Agitation ist im Fall Natenom in der Zwickmühle. Man prangert nicht ungestraft den Tod eines radwegignorierenden Fahrbahnradlers an, nachdem man jahrzehntelang "Radweg tut Not!" als alleinseligmachende Lösung für die Radverkehrssicherheit gepriesen hat. Daran ändert auch das jetzt ebenfalls halbherzig gerügte Fehlen von Tempolimits und Abstandskontrollen nichts, denn das bedeutet zwischen den Zeilen doch eigentlich auch nichts anderes als "Radweg her, verdammt nochmal, dann sind wir auch still, versprochen".

    Wie ist eigentlich dein persönlicher Eindruck vom Zustand des Radwegs neben der L547?

    Flächenverbrauch ist doch nur eins der Probleme. Bezüglich des Klimaschutzes muss man die CO2-Äquivalente eines Radwegbaus vergleichen mit der Einsparung durch aufs Fahrrad verlagerte Fahrten. Je weniger es davon gibt, desto später oder nie amortisiert sich ein Radwegbau bezüglich des Klimaschutzes.

    Zur ersten Abschätzung kann man davon ausgehen, dass der von einem Projekt verursachte CO2-Fußabdruck direkt proportional durch die Baukosten abgebildet wird. Der Kilometer neu angelegter Radweg kostet minimum 250.000€, bei Brücken, Tunneln etc ein Mehrfaches (ja, ich weiß, es ist weit weniger als bei einer Autobahn. Das ist aber egal, weil die „Autobahn“ nebenan ja quasi schon vorhanden ist). Lassen wir den zusätzlich zum Fahrbahnunterhalt notwendigen Mehraufwand für Zinsen, Reinigung, Grünschnitt, Winterdienst erstmal beiseite und rechnen optimistisch mit 50 Jahren Haltbarkeit bis zum vollständigen Neubau, dann betragen die jährlichen Kosten 5000€/km. Ein km Verbrennerfahrt verursacht ca. 10ct Spritkosten, so dass sich der Weg ökologisch rentiert, wenn (nur wegen seinem Bau) 50.000 Passagen jährlich aufs Fahrrad verlagert werden. Das entspräche ca. 122 Pendlern, die komplett umsteigen und diesen Weg dann ausnahmslos, also 220-mal im Jahr, auf Hin- und Rückfahrt benutzen müssten. Wenn ich bedenke, dass ich selbst auf meinem Weg vom Wohndorf in die benachbarte Großstadt (trotz brauchbarem Radweg nebendran) quasi der einzige Radfahrer bin, kann ich mir ausmalen, wie gering die Chancen sind, Radwege an Landstraßen ökologisch zu amortisieren, die Relationen deutlich mehr als 10km außerhalb der Städte verbinden.

    Gekürztes Transkript: […]

    Was für ein Haufen bangemachendes, motorisierte Gewalt entgegen aller scheinheilig vorgeschobenen Entrüstung zum Normalzustand erklärendes und sie damit nur legitimierendes Geschwafel. Unerträglich.

    Offensichtlich hat im allgemeinen Empörungs-Sturm jetzt die dpa den Überblick über das Geschehen verloren. Gestern präsentieren praktisch alle großen Newsplattformen eine dpa-Meldung, die Natenom eine Woche nach seinem Tod noch einmal sterben lässt.

    Die Süddeutsche hat den Fehler mittlerweile bemerkt und den Artikel wieder vom Netz genommen.

    Daß Tattergreise mit einem gefahrgeneigten Gegenstand nachts halbblind durch die Gegend rasen, ist kein Naturgesetz.

    Dass man das nicht tolerieren mag, hat aber rein gar nichts mit der Frage zu tun, ob die gefährdeten Subjekte mit Muskelantrieb oder Motor unterwegs sind. Es hat noch nicht einmal was damit zu tun, ob die muskelgetriebenen Fahrzeuge auf oder neben der Fahrbahn (auf der Furt eines sicheten (hüstel) Radwegs) gefährdet werden.

    Was in dem von Malte zitierten taz-Artikel zwischen den Zeilen zu lesen ist, läuft meines Erachtens darauf hinaus, um das mal ziemlich krass auszudrücken, dass Natenom und viele andere Fahrradfahrer*innen und Fußgänger*innen keine Unfallopfer geworden wären, wenn die unfallbeteiligten Autofahrer*innen gewusst hätten, bzw. entsprechend nachgeschult worden wären,

    Natenom wäre auch gestorben, wenn vier Meter Seitenabstand Vorschrift gewesen wären, und diese auch durch Nachschulung und Sanktionierung durchgesetzt und beachtet würden. Zu etwas, das man nicht sieht, kann man keinen Abstand vergrößern.

    Überholabstände sind vollkommen untauglich als Prädiktoren fürs Unfallrisiko.

    Was bringt es einen Weg mitten durch den Wald fernab der Straße in Ordnung zu bringen. Wenn es dunkel ist, dann fährt man wegen der sozialen Sicherheit sowieso die Straße lang… Ergo ist das Gerede bzgl. dieses angeblichen Radwegs sinnlos…

    Ja, das Gerede ist sinnlos. Nein, es ist nicht sinnlos, weil der Radweg schlecht ist. Es ist sinnlos, weil der Unfallverursacher so nicht hätte fahren dürfen. Punkt. Ganz egal, ob ein (sehr kleiner) Teil der durch seine Fahrweise Gefährdeten (inclusive seiner Person selbst) Fahrzeuge mit Muskelantrieb benutzt, und deswegen neben der Fahrbahn hätte fahren müssen/können/dürfen.

    Radweg ist immer Diskriminierung, und wenn es nur eine Diskriminierung der Nicht-Radfahrer wäre, weil denen die Sicherheit des Sonderweges neben der Straße versagt bliebe.:evil:

    .... und es bei 100 km/h belässt, weil da fährt ja eh nur ein einziger Radler auf der Fahrbahn ...

    Was viele dabei übersehen: bei den zum Unfallzeitpunkt gegebenen Sicht- und Lichtverhältnissen sind nirgendwo in Deutschland "100" erlaubt, insbesondere gibt es da auch Null Unterschied, der von der Frage abhinge, ob es möglich ist, dass Fahrräder auf der Fahrbahn vorkommen könnten.

    Ich glaube, daß es zumindest jene beeinflußt, die parallel den Dudelfunk in ihrem Blecheimer laufen lassen, wo regelmäßig die Durchsagen über die Standorte der "Abzocker" durchgegeben werden, um an den entsprechenden Stellen dann doch mal die gewohnten 70 auf 52 zu drosseln.

    Ich glaube in aller Bescheidenheit, dass ich eine durchaus überdurchschnittliche Auffassungsgabe habe. Dennoch bin ich sogar beim konzentrierten Abhören der Stau-Ansagen auf einer Fernfahrt komplett damit überfordert, mir beim einmaligen Anhören der Durchsagen die mich betreffende Autobahn-Nummer, Fahrtrichtung und Abschnitte zwischen Anschlussstellen zuverlässig zu merken. Noch weniger Chancen auf eine konkrete Zuordnung Ansage:Fahrweg habe ich, wenn ich beim Fahren in der Stadt im Lokalradio die hastig heruntergerasselten Blitzerwarnungen anhöre.

    will die Diskussion ja gar nicht unterbrechen 😅 aber mal zwischendurch


    https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/43777/5704818


    https://www.waz.de/region/rhein-u…d241550502.html

    Gibt es hier jemanden, der ernsthaft glaubt, Persönlichkeiten die "Rasen" wollten, würden sich morgens mit der Schere über die Tageszeitung hermachen und den Ausschnitt mit den Blitzerstellen herausschneiden, um dessen Inhalt anschließen auswendig zu lernen bzw. sich den Schnippsel als Spickzettel ins Portmonnee zu stecken oder ans Armaturenbrett zu heften? Menschen mit einer derartigen exekutiven Begabung rasen nicht.

    Tja, und da stellt sich die Frage, wie man so jemanden rechtzeitig aus dem Verkehr zieht. Bevor S-Pedelc und Mofafahrer dran glauben müssen.

    Es gibt zu meiner Überzeugung keinen eng definierten "so jemanden". Wir alle sind leider -zu überraschend geringfügig unterschiedlichen Anteilen und aus jeweils unterschiedlichen Anlässen- von Zeit zu Zeit Dr. Jeckyll und von Zeit zu Zeit Mr. Hyde. Wer sich für einen fehlerfreien Supermann hält, dem noch nie ein Blackout passiert ist, und dem das deswegen auch künftig nie passieren kann, der sitzt dem Trugschluss auf, dass seine bisherige Unfallfreiheit beweisen würde, dass er noch nie grobe Fehler gemacht hätte. Schwere Verkehrsunfälle bedürfen regelmäßig der Verkettung vieler ungünstiger Umstände, weswegen es sich insgesamt denn doch um sehr seltene Ereignisse handelt. Daher ist ein vollendeter Verkehrsunfall ganz offensichtlich einem riesigen Zufallsfaktor unterlegen, womit eine persönliche Beteiligung daran weniger persönliches Verschulden ist als schlicht und ergreifend Pech (zur falschen Zeit am falschen Ort...).

    Das bedeutet nicht, dass der Zufallsfaktor eine Naturkonstante wäre, die man nicht doch günstig beeinflussen könnte. Aussieben von prädestinierten "Unfällern" ist halt nur kein Hebel dafür, weil es solche "Unfäller" einfach nicht gibt. Die effektivste Stellschraube heißt stattdessen "Geschwindigkeit senken".

    und schon wirste an der nächsten Kreuzung/Einmündung/Querung umgenietet, weil

    • [...]

    Tja...

    • das KFZ mit Hispeed durchrauscht, weil ja dank Radweg vermeintlich kein niedriges Limit mehr nötig ist.

    Außerorts eben nicht . Tödliche Vorfahrtsfehler kommen dort mit und ohne Radweg etwa gleich oft vor und RA sind (anders als innerorts!) extrem selten. Dem gegenüber steht aber eine astronomische Zahl von Überholunfällen.

    "Astronomisch" ist außerorts doch die Zahl der schweren Überholunfälle, an denen gar keine Fahrräder beteiligt sind.

    Verkehrssicherheit ist unseparierbar.