Diesen Fall am 4.2.2022 in Bremerhaven hatte ich zunächst entsprechend der Pressemeldung der Polizei als "Autofahrer verliert Kontrolle und überfährt deshalb Radfahrer auf rechtem Radweg" verbucht. So lautete wohl auch noch die Anklage, bei der auch behauptet wurde, dies sei die Folge von verbotener Smartphonebenutzung gewesen.
Heute lese ich, dass im Revisionsprozess gemäß Zeugenaussagen und Gutachten der Radfahrer in Wahrheit von einem Grundstück/Parkplatz aus nachrangig die Fahrbahn querte, als der Lieferwagen nur noch ca. 30m entfernt war. Der Autofahrer wurde freigesprochen, obwohl er innerorts mindestens 61 fuhr, weil der Ansicht des Gerichts zufolge die Kollision und nachfolgend wohl auch der Tod des Radfahrers auch bei vorschriftsmäßigem Tempo nicht abwendbar gewesen wäre. Demnach war auch das Abkommen von der Fahrbahn nach rechts keine Folge der Handynutzung, sondern im Gegenteil Beleg dafür, dass keine Ablenkung vorlag, weil der Ausweichreflex sonst gar nicht möglich gewesen wäre.
Hier die Unfallstelle aus Blickrichtung Autofahrer. Der Radler kam von links vom Parkplatz des Ärztehaus. Am Geländer rechts, wo der Verunglückte zu liegen kam, lehnt das Geisterrad:
Man erkennt gut, dass das Foto aus dem zweiten Link oben bloß ein Symbolbild ist, das tatsachenwidrig nahelegt, dass es um einen Auffahrunfall geht (das nur, falls sich immer noch jemand fragt, warum die Leute das Fahrbahnradeln eigentlich immer so fürchten…).
Angenommen, der Radler wäre paar Meter weiter hinten von dem Weg entlang des Markfleth gekommen (im Streetview die Stelle, wo die Fahrbahn nass ist). Welches Tempolimit hätte eigentlich dort gegolten?