Beiträge von Th(oma)s

    Achso: an einem LSA-gesicherten Überweg. Bei einer Querung. Und einem Rotlichtverstoß durch den Autofahrer.

    Das scheint nicht sicher. Der Beschreibung zufolge gehe ich davon aus, dass die LSA für alle Beteiligten Grün zeigte. Der Unfallverursacher verstieß allerdings grob gegen diverse Gebote zur Fahrstreifenwahl beim Abbiegen, die u.a. genau aus dem Grund existieren, um so einen Unfall zu verhindern. Der Heißsporn im BMW glaubte wohl, dass er vor dem wartenden Vordermann abbiegen könnte, weil er wahrscheinlich die Fußgänger gesehen hatte, die den Vordermann noch aufhielten - aber dabei eben die Radfahrerin nicht bemerkt hatte, die fahrend natürlich viel schneller in seine Fahrlinie kreuzen konnte.

    Wie meinst du das? Vielleicht so: "Die Männer können ja nichts dafür?"

    Exakt. Mann zu sein ist für das Unfallrisiko so wie permanent mit 0,2 Promille Alkohol unterwegs zu sein. Du kannst dir zwar den Umstand, dass du gerade einen sitzen hast, bewusst machen und versuchen, dich zusammenzureißen, aber die Promille-Kohorte wird dennoch statistisch (!) nie so gut abschneiden können, wie eine Kohorte nüchterner Probanden.

    Darüber hinaus gibt es natürlich auch noch zahllose weitere Risikofaktoren, worunter allerdings auch wieder einige fallen, die Folge einer biologisch unterschiedlichen Risikowahrnehmung und Risikobereitschaft sind. Wenn Frauen sich gegen den Beruf des Lastwagenfahrers entscheiden, liegt das ganz sicher nicht daran, dass ihnen in ihrer Kindheit irgendjemand beigebracht hätte, dass sich sowas für ein Mädchen nicht geziemen würde. Die Folge ist, dass Frauen, was LKW-Unfälle anbetrifft, eine quasi weiße Weste aufweisen.

    Bei der Kampagne "Fahr wie eine Frau" geht es darum, darauf aufmerksam zu machen, dass Männer mit einer gefährlich hohen Risikobereitschaft Auto fahren, so dass es häufiger zu tödlichen Unfällen kommt. [weiterer Unsinn zum Thema "Männer morden mit Motoren" weggeschnitten]

    Die Genderschere hat *nichts* mit typisch männlicher "PS-Protzerei" zu tun. Beweis: die heftige Genderschere existiert auch beim unmotorisierten Verkehrsmittel Fahrrad. Sie ist unabhängig von möglichen geschlechterabhängigen Confoundern wie Ortslage, Radwegenutzung, Sport/Alltag, Unfallschuld oder Unfallhergang*.

    *) die einzigen starken Abweichungen vom ansonsten gegebenen 3:1-Verhältnis finden sich bei Alleinstürzen (zu 85-90% Männer) und beim LKW-Rechtsabbieger-Konflikt (leicht über 50% Frauen).

    In der Tabelle fehlt eine Aufgliederung nach Branchen, um beurteilen zu können, ob der Appell, wie eine Frau zu arbeiten, weil diese umsichtiger und weniger risikobereit arbeiten und deshalb seltener tödlich verunglücken, Sinn macht.

    Beim Straßenverkehr hat auch keiner Skrupel, von einer Gleichverteilung der Exposition für beide Geschlechter auszugehen.

    Weder in Frankreich noch in Deutschland oder Dänemark wird jedoch eine solche Kampagne umgehend einen durchschlagenden Erfolg erzielen. Aber wie heißt es so schön: "Steter Tropfen höhlt den Stein."

    Die Geschlechter-Schere wird sich nie schließen. Hase und Igel. "Ik bin al do!" wird die Frau rufen. Egal, wie brav der Mann bei mehr Kontrolldruck und mehr Erziehung wird, die Frauen werden sich mühelos mitbessern.

    Heute kommt Destatis mit einer Pressemitteilung zum Geschlechterverhältnis bei Verkehrsunfällen.

    Männer verunglücken häufiger und schwerer im Straßenverkehr als Frauen
    Männer verunglücken deutlich häufiger im Straßenverkehr als Frauen. Im Jahr 2025 waren 58,2 % oder 217 000 der im Straßenverkehr Verunglückten männlich, wie…
    www.destatis.de

    Wird groß von allen Medienplattformen aufgegriffen, und wie nicht anders bei dem schönen Aufreger zu erwarten, auch fleißig kommentiert. Das Narrativ geht dabei irgendwie so: "Männchen am PKW-Steuer töten unbescholtene Weibchen". Was diese Erzählung übersieht: männliches Geschlecht schießt sich -vollkommen unabhängig vom benutzten Verkehrsmittel- bei Unfällen immer als allererstes selber ins Knie. Da das weltweit und auch außerhalb des Straßenverkehrs auftritt, haben wir es jedenfalls offensichtlich mit einem Phänomen zu tun, das man wohl nicht geschlechterspezifisch mit mehr polizeilichem Kontrolldruck, höheren Strafen und schärferen Bußgeldern lösen kann.

    von hinten überfahren? :/

    oder seitlich gestreift / Außenspiegelkontakt?

    „(Dr)Überfahren“ wohl eher nicht. Bei Krankenhaus und Schäden an Rad und Auto aber wahrscheinlich auch mehr als Spiegel eingeklappt. Was aber jedenfalls eindeutig scheint: kein aktives Überholen mit bewusst oder fahrlässig zu klein gewähltem Seitensbstand.

    Zur genannten Uhrzeit ist es jetzt längst stockdunkel…

    Diesen Fall am 4.2.2022 in Bremerhaven hatte ich zunächst entsprechend der Pressemeldung der Polizei als "Autofahrer verliert Kontrolle und überfährt deshalb Radfahrer auf rechtem Radweg" verbucht. So lautete wohl auch noch die Anklage, bei der auch behauptet wurde, dies sei die Folge von verbotener Smartphonebenutzung gewesen.

    Bremerhaven: Radfahrer (68) von Lieferwagen tödlich verletzt
    Ein 68-jähriger Radfahrer ist am Freitagvormittag bei einem Unfall in Bremerhaven-Lehe tödlich verletzt worden.
    www.nord24.de

    Heute lese ich, dass im Revisionsprozess gemäß Zeugenaussagen und Gutachten der Radfahrer in Wahrheit von einem Grundstück/Parkplatz aus nachrangig die Fahrbahn querte, als der Lieferwagen nur noch ca. 30m entfernt war. Der Autofahrer wurde freigesprochen, obwohl er innerorts mindestens 61 fuhr, weil der Ansicht des Gerichts zufolge die Kollision und nachfolgend wohl auch der Tod des Radfahrers auch bei vorschriftsmäßigem Tempo nicht abwendbar gewesen wäre. Demnach war auch das Abkommen von der Fahrbahn nach rechts keine Folge der Handynutzung, sondern im Gegenteil Beleg dafür, dass keine Ablenkung vorlag, weil der Ausweichreflex sonst gar nicht möglich gewesen wäre.

    Pedelec-Unfall: Freispruch wegen fahrlässiger Tötung
    Der Fahrer fuhr innerorts 61 statt 50 km/h; der Pedelecfahrer kam ohne Halt aus einer Praxisausfahrt. Warum fehlender Kausalitätsnachweis zum Freispruch führte.
    www.strafrechtsiegen.de

    Hier die Unfallstelle aus Blickrichtung Autofahrer. Der Radler kam von links vom Parkplatz des Ärztehaus. Am Geländer rechts, wo der Verunglückte zu liegen kam, lehnt das Geisterrad:

    Street View · Google Maps
    Ort in Google Maps noch intensiver erleben.
    maps.app.goo.gl

    Man erkennt gut, dass das Foto aus dem zweiten Link oben bloß ein Symbolbild ist, das tatsachenwidrig nahelegt, dass es um einen Auffahrunfall geht (das nur, falls sich immer noch jemand fragt, warum die Leute das Fahrbahnradeln eigentlich immer so fürchten…).

    Angenommen, der Radler wäre paar Meter weiter hinten von dem Weg entlang des Markfleth gekommen (im Streetview die Stelle, wo die Fahrbahn nass ist). Welches Tempolimit hätte eigentlich dort gegolten?:evil:

    Nachdem heute der Ballon d'Or durch ist, auf zum nächsten Wettbewerb. Sollte das hier:

    Tödliche Fahrradunfälle – Ein lebloser Körper

    tatsächlich als Preisträger die Wahl gewinnen, wird sich der SPIEGEL bzw. dessen Mobilitäts-Redaktion aber gewaltig ärgern. Ein Jahr vorher war Holger Dambeck und ein Rechercheteam wohl an einem ganz ähnlichen Beitrag für das Magazin dran. Das weiß ich, weil er sich im August 2023 mit mir in Verbindung gesetzt hatte, nachdem sie im Zuge der Recherchen auf meine Website und die Unfall-Datenbank gestoßen waren. Nach dem Austausch mehrerer Mails und einem ausführlichen Telefongespräch war die Sache aber wohl offensichtlich wieder abgeblasen worden.

    Was sollte der Schelm eigentlich Böses denken?

    Er könnte auf die Idee kommen, dass das Weglassen einer wichtigen Kontrolle beim Experiment kein Versehen ist, sondern wahrscheinlich einen Zweck erfüllt. Nämlich zu verhindern, dass der Verkehrsversuch vielleicht ergibt, dass der Sicherheitsvorteil von Langsamfahren überhaupt nix mit der Frage zu tun hat, ob Radverkehr auf der gemeinsamen Fahrbahn oder in einem Schutzstreifen stattfindet.

    Möglicherweise wird das Schutzstreifen-außerorts-Experiment in Sachsen nicht daran scheitern, dass es zu unfallträchtig ist, sondern dass es mit einem niedrigen Tempolimit verbunden ist.

    Möglicherweise ist die Möglichkeit von Radverkehr auf der Fahrbahn gar kein Anlass, ohne Radverkehr auf der Fahrbahn ständig langsam fahren zu müssen. Oder umgekehrt: möglicherweise gibt es bereits ohne dass man offene Magengeschwüre kriegt, weil man ständig an Fahrräder auf der Fahrbahn denken muss, ausreichend gute Gründe fürs Langsamfahren bei (scheinbarer?) Verkehrsstille.

    Nur ist die Schlussfolgerung "Alt = unfähig zum (sicheren) Autofahren" eben so nicht korrekt.

    Die Schlussfolgerung "Unfall = erwiesene Unfähigkeit" ist nie korrekt, egal welche Altersgruppe, welches Geschlecht, welche Nationalität, welche Verkehrsart, welche Automarke, welche Schlüpferfarbe.

    Warum diese triviale Tatsache so wichtig ist? Weil die Antithese "kein Unfall = erwiesene Superkräfte" ebenfalls nicht stimmt. Jeder von uns ist praktisch immer ein Dr. Jekyll, aber das stete Bewusstsein, dass in jedem von uns auch ein Mr. Hyde wohnt, der nur darauf wartet uns zu überraschen, kann dazu beitragen, dass man weiterhin mit der gebotenen Demut am Verkehr teilnimmt und nicht vor lauter Selbstgerechtigkeit triefend sein eigenes Risiko unwillkürlich vergrößert.

    Vielleicht hat D wesentlich weniger Schutzstreifen als NL?

    Ich dachte, Deutschland wäre das Land mit den ganzen Mordstreifen? Das ist jedenfalls die Erzählung, die im Netz kursiert:

    Dutch Cycling Embassy
    Have you ever looked at a map of Europe through its bike infrastructure? 🚲 Every line on this map shows a cycle track, lane, or shared path. Where does your…
    www.facebook.com

    NL hat zudem wesentlich weniger Einwohner zum Unfälle bauen zur Verfügung, nämlich nur 1/5 von Deutschland, und angesichts der knapp doppelten jährlichen Radfahrleistung je Einwohner verbleibt unter dem Strich noch ein Korrekturfaktor F von rund 2,5 für die Analyse der Risikoparität (mit [Anzahl NL] x F =?= [Anzahl D]).

    In den NL dürfen Schutzstreifen auch außerorts markiert werden. In D nur innerhalb geschlossener Ortschaften. Das legt die Vermutung nahe, dass es in den NL deutlich mehr Kilometer Schutzstreifen gibt (mindestens anteilmäßig betrachtet) als in Deutschland.

    Auf außerörtlichen Strecken (zumal solchen, die in NL keinen dezidierten Radweg besitzen) ist verglichen mit dem innerörtlichen Betrieb der Hund begraben. Weswegen es dort auch nur entsprechend selten zu Konflikten kommen kann.

    In den Niederlanden gibt es auf weniger stark vom Verkehr belasteten Straßen Schutzstreifen, die in jedem Fall bei PKW-Begegnungsverkehr vom PKW befahren werden müssen, weil es keine andere Möglichkeit für das aneienander vorbeifahren gibt. Dieses Konzept gilt auch für außerorts auf Landstraßen mit Tempolimit 60 km/h.

    Das bezweifle ich nicht. Angesichts der regelmäßig auch auf Schutzstreifenstraßen passierenden tödlichen Fahrradunfälle muss man allerdings zugeben, dass die von dir angeführten Unterschiede keine Vorteile sind. Deutschland hat *wesentlich* weniger Schutzstreifen-Tragödien als NL.

    Der Unterschied ist eigentlich nur, dass hierzulande schon ohne Unfall alles auf den Barrikaden ist, während die Niederländer auch hinterher gelassen bleiben.

    Schauplatz:

    Street View · Google Maps
    Ort in Google Maps noch intensiver erleben.
    maps.app.goo.gl

    „Mordstreifen“ in Amsterdam? Nicht, dass ich da eine kausale Beziehung zwischen Streifen und Unfall suggerieren will. Ich finde es nur einmal mehr erstaunlich, wie oft man denn doch im angeblichen Fietsparadijs(R)[TM] auf Schutzstreifen stößt.

    uiui, OWI für 15 € ist schon ein Zeitungsartikel Wert. Demnächst werden die Ticker der Zeitungen hochlaufen, wenn jeder MIV-Geschwindigkeitsverstoß einen Artikel Wert ist.
    KI wird das zwar sicher meistern, aber dürften ja sicher mehrere pro Sekunde sein.

    1) (Ich erkenne nirgends ein Kind auf dem kursierenden Blitzer-Bild).

    2) Man sieht auch keine Gefällstrecke

    3) angesichts der für 44km/h seeeehr entspannten Körperhaltung handelt es sich wegen 2) offensichtlich um ein Pedelec…

    4) … das ebenso offensichtlich frisiert sein muss

    5) Also keine OWi, sondern Straftat