Die Statistiken sind schwer zu beurteilen, wenn nicht deutlich wird, wieviele (oder ob überhaupt) zusätzliche Fahrradfahrten und auf welchen Strecken sie unternommen werden und welche Entfernungen dabei zurückgelegt werden.
Als ob diese Skrupel jemals jemanden interessieren würden, so lange der absolute Trend fürs offenbar erwünschte Alarmieren steigt. Tatsächlich kommt der Einwand „aber die Faaahrleistung!!“ nur, sobald die Unfallzahlen zurückgehen.
Meine Vermutung ist, dass Pedelecs das Tempo beim Fahrradfahren verschärft hat und dass sich das negativ auswirkt auf die Unfallstatistik in der Form, dass Alleinunfälle zugenommen haben.
Meiner Beobachtung nach fahren Pedelecnutzer nicht schneller als normale Radfahrer. In meinem Hellfeld, bei den Todesfällen, korrelieren die Unfall-Zuwächse mit dem Elektroantrieb IMO bloß. Kausal scheint mir erstens das höhere Durchschnittsalter der Pedelecnutzer mit seinen Auswirkungen auf Kognition und Physis „schuld“ an der scheinbar ungünstigen Entwicklung bei den Elektrorädern und zweitens der Umstand, dass mit Pedelecs der Aktionsradius steigt, wodurch die Exposition der Radfahrer gegenüber schnellen KFZ außerorts zunimmt. Eine weitere Rolle mag „Unsafety in Beginner Numbers“ spielen, weil viele erst durchs Pedelec ermutigt neu/wieder einsteigen.
Der typische tödliche Pedelecunfall betrifft eine Person 75+, die aus einer Nebenstraße bzw. einem Feld- oder Waldweg kommend die Vorfahrt des schnellen KFZ-Verkehrs auf der Landstrße übersieht. Sofern bei Alleinunfällen in Unfallberichten die Geschwindigkeit thematisiert wird, geht es ums Bergabfahren. Da läuft man aber auch schon mit dem normalen Fahrrad Gefahr, für die Fahrfähigkeiten zu schnell zu rollen.
Die Abwanderung der Seniorenkohorte zum Pedelec hat außerdem die Konsequenz, dass der entsprechend anfälligere Teil der Fahrradkohorte heute dort fehlt - was die Diskrepanz zur Pedelec-Kohorte automatisch nochmals größer scheinen lässt.