Beiträge von Th(oma)s

    - Radwege sind sicherer (was innerorts bei fahrbahnbegleitenden RVA überwiegend falsch ist)

    - Auf der Fahrbahn bist Du unsicher, es ist gefährlich, das KFz kann gar nicht anders als Dich gefährden (was überwiegend genauso falsch ist)

    Ganz vornedran gehört Irrtum Nr. Null: „Fahrradunfall gleich Kollision mit Autos“. Im vergangenen Jahr war der Alleinsturz mit 44% die alles dominierende Todesursache von Radfahrern innerorts (123 von 280). Weit abgeschlagen PKW mit nur 31% (87 von 280) darunter durch Auffahren/Überholen innerorts: einer (0,3%).

    Nein, du erklärst nicht alle Fahrradfahrer*innen für zu doof, sondern "nur" diejenigen, die Fahrradwege benutzen und das nicht nur notgedrungen, weil sie der Anordnung einer Benutzungspflicht folgen, sondern gerne, weil sie sich darauf wohlfühlen.

    Wieder falsch. Auch auf Radwegen haben ja die allermeisten nie einen ernsten Unfall.

    Es ist ein lohnenswertes und schönes Ziel, mehr Menschen für das Fahrradfahren zu begeistern. Aber du erreichst das nicht daurch, dass du sie für "zu doof" erklärst!

    Die Betonung der Rolle der Radfahrer-Schuld erklärt eben nicht pauschal alle Radfahrer für zu doof, sondern nur die konkret verunfallte Kohorte. Subjekte der Gefährdung sind damit gerade nicht mehr ausnahmslos alle Radfahrer gleichermaßen. Das klassische Radwege-Kampaigning arbeitet genau anders herum, indem es einseitig und fälschlich die vom KFZ-Verkehr (speziell in dessen Erscheinungsform als von hinten auflaufender Überholer) ausgehenden Gefahren maßlos dramatisiert und damit alle Radfahrer zum hilf-/schutz-/machtlosen potentiellen Opfer erklärt. Persönliche Fehler auf Seiten der Radfahrer kommen in dieser irreführenden Perspektive allenfalls als etwas vor, für dessen Beseitigung der fürsorgliche Staat durch Finanzierung einer "fehlerverzeihenden Infrastruktur" Sorge zu tragen habe. Willkommen in der verkehrspädagogischen Hängematte!

    Paradoxerweise bewirkt diese Art des einseitigen Kampaignings gleichzeitig auch noch eine kontraproduktive Erosion der Sitten bei den Autofahrern: wenn ich ständig erzählt bekomme, dass meinesgleichen rücksichtslos und egoistisch wäre, dann sinkt auch meine im Alltag das soziale Wohlverhalten bestimmende persönliche Hemm- und Schamschwelle fürs Vordrängeln und Mobben auf Dauer deutlich.

    Die haben absolut zu Recht den Wunsch nach einer für sie sicheren Umgebung.

    Sie haben zunächst nur ein Recht auf eine *objektiv* sichere Umgebung. Leider führt aber die mit dem Radwege-Kampaigning untrennbar verbundene Dämonisierung des überholenden Automobils dazu, dass sich arglose Laien grundlos auf der Fahrbahn fürchten und unbedingt auf Radwege flüchten wollen, wo sie die ihnen dort begegnenden spezifischen Fallen entweder gar nicht erst mitkriegen oder (und da sind wir schon wieder bei der je nach gefühltem persönlichen Zutun stark variierenden Risikowahrnehmung) wähnen, dass sie diese jedenfalls durch ihre überragenden Geistesgaben rechtzeitig antizipieren und ausgleichen könnten. Zum tödlichen Rechtsabbiegerunfall gehören zB selbstgerechte Drunterkommentare à la "ich wäre ja nie so dumm und würde mich neben einen LKW stellen" unweigerlich dazu wie der Daumen zur Fahrradklingel.

    ja, das eine ist in harten Worten formuliert: Doofheit. Da ist eine Sicherungseinrichtung, deren technische Funktionsfähigkeit feststeht. Und die Entscheidung war: ich setze mich darüber hinweg. Der Verlust auf Grund einer solchen Entscheidung ist für mich etwas völlig anderes als ein Verlust auf Grund einer tödlichen Krankheit.

    Alkohol, Übergewicht, Rauchen sind die Killer Nr. 1. Sie töten langsam - ist aber auch alles eher "doof" und eigene Entscheidung, oder?

    Auf die Fragen, ob ein Verkehrstod durch eigenes Verschulden tragischer ist als durch fremdes Zutun, und ob es außerdem darauf ankommt, ob die Person geradelt ist oder zu Fuß/mit eigenem PKW unterwegs war, bist du leider nicht eingegangen.

    Edit:

    Ein weiterer Aspekt: die Bahn hatte eindeutig Vorfahrt. Gleichwohl war sie zu schnell, um bremsen zu können. Bei einem schnellen (aber im Rahmen des erlaubten befindlichen) KFZ würden jetzt alle nach Tempolimit und Entschleunigung schreien, von wegen Visionzero und so. Die Schuldfrage darf gar nicht erst gestellt werden, weil das ja Victimblaming wäre. Bei einer Eisenbahn ist es auf einmal unstreitig doch nur die pure Doofheit des Toten. Seltsam, oder?

    Ich persönlich halte die Betonung, dass Fahrradunfälle (auch mit KFZ oder als Alleinsturz) weitestgehend eigene Doofheit sind, für einen Faktor, der durchaus würdig ist, breiter kommuniziert zu werden. Die meisten Menschen halten sich selber für unfehlbare Superhelden. Wenn man ihnen vermittelt, dass sie dem Straßenverkehr gar nicht machtlos ausgeliefert sind, dann könnte das dazubeitragen, dass mehr Menschen öfter Rad fahren, und das ist doch unser aller Ziel hier, oder?

    T50-Zone gesehen in BaWü. Die Rechtsprechung dazu ist wohl noch nicht im Süden angekommen.

    Ich hatte ca. 2010 mal die neue Anordnung einer T70-Zone im hiesigen Industriegebiet bei der StVB gerügt. Sie haben mir als Antwort geschrieben, dass die sachlich unzuständige Baubehörde die Schilder eigenmächtig bestellt und errichtet hätte (die Schilder gibt es offiziell auch gar nicht, sie sind aber als Scherzartikel im Versandhandel als originelles (hüstel) Geschenk für "runde" Geburtstage verfügbar). Binnen Tagen waren die Schilder tatsächlich wieder weg. Mit gleicher Mail hatte ich angefragt, wie ich mit den Zweirichtungs-Z.240 umgehen solle, die zeitgleich am schon länger bestehenden, je zur Hälfte rot und grau gepflasterten einseitigen Bürgersteig aufgetaucht waren. Insbesondere wollte ich wissen, ob ich auf dem in Fahrtrichtung rechts gelegenen Weg auf dem roten/linken vermeintlichen Radweg-Teil oder wegen Rechtsfahrgebot und Z.240 nur auf dem grauen/rechten Teil des Bürgersteiges fahren dürfte. Ferner hatte ich gefragt, falls nur der rote Teil zum Radfahren freigegeben sei, wer bei Gegenverkehr auf dem schließlich nur grade mal 1 Fahrrad schmalen Bereich Vorrang hätte. Hierzu schrieb die StVB nur als Antwort, dass sie dazu erst noch mit der Baubehörde Rücksprache nehmen wolle (will sagen: "die Blauschilder sind auch nicht von uns") und sich dann wieder bei mir melden wollte. Auf die Rückmeldung warte ich noch heute. :evil:

    Das sehe ich aber auch schon bei „Sicherer Radweg“, oder meinetwegen „Sichere Infrastruktur“. Insofern muß „fehlerverzeihend“ ja eine Steigerung sein. Einfach nur Ersatz, Neu gegen Alt, dürfte es nicht sein, weil das Attribut Sicher nun auch noch nicht so lange in Gebrauch ist. Oder.

    Der „sichere Radweg“ war seinerzeit die PR-Antithese zur angeblich „gefährlichen Fahrbahn“, so wie die „gute Butter“ die Überlegenheit des Michfetts gegenüber der (schlechten) Margarine herausstreichen sollte. Nachdem sich die Fahrradsegregation verkehrsplanerisch als unumstrittener Standard in ausnahmslos allen Köpfen etabliert hat, geht es aber jetzt darum, den Menschen irgendwie zu verklickern, warum es trotz (wegen) der schönen Wegelchen überall immer noch so oft so schwer kracht. Hauptquelle dieser verbalen Degenfechterei ist das Marketing der angeblichen holländischen Wunder-Schutzinselchen-Kreuzungen durch den „Darmstadt-fährt-Rad“-Architekten Timm Schwendy.

    „fehlerverzeihende Infrastruktur“, aha, so so. „Sichere Infrastruktur“ reicht nicht mehr.

    Das mit dem „fehlerverzeihend“ ist doch das ideale Schlupfloch für alle Infrastrukturfreunde. Radwegeunfälle passieren dann nicht mehr wegen der prinzipiellen Schwächen von Infra, sondern weil die vorhandene Infra eben mal wieder nicht „fehlerverzeihend“ genug war. Die Illusion, es gäbe überhaupt sowas, resultiert aus dem kompletten Ignorieren der Tatsache, dass Alleinstürze in NL häufiger vorkommen und tödlicher verlaufen als in D.

    Nachtrag:

    Habs überflogen und in der Zusammenfassung ist da durchaus eine deutliche Andeutung darauf:

    „is significantly associated“ = es existiert eine Korrelation, keine Kausalität. Wahrscheinlich ist es ja kausal eher anders herum gelaufen: „they came and then they built it“. Beschauliche, „weiße“ Verwaltungs- und Universitätsstädte haben eher fahrradfreundliche Bedingungen, und ebenso haben sie eher eine Wählerschaft, die Infrastruktur-freundliche Verwaltungen ins Amt hievt, als industriell geprägte Arbeiterstädte mit vorwiegend farbigen Habenichtsen.

    Rennradfahrer rammt fahrbahnquerende Fußgängerin.

    POL-BN: Bonn-Beuel: Verkehrsunfall zwischen Rennradfahrer und Fußgängerin - 79-Jährige lebensgefährlich verletzt - Zeugen gesucht
    Bonn (ots) - Ein folgenschwerer Verkehrsunfall ereignete sich am Donnerstagabend (13.08.2026), gegen 20:45 Uhr, auf der Friedrich-Breuer-Straße in Bonn-Beuel.…
    www.presseportal.de

    „Zur Rekonstruktion des genauen Unfallgeschehens wurde ein spezialisiertes Verkehrsunfallaufnahmeteam aus Köln hinzugezogen. Zudem wurde die GPS-Uhr des Radfahrers zur Datenauswertung sichergestellt.“

    Da will ich mal was nachsehen und erwische gleich ein Prachtexemplar. Bin ich blind oder steckt der automatische Schuldzuweiser drin? Wer findet ihn als erster…

    Wer auch immer die Schuld hat, der langjährige Trend für Rad vs. PKW bzw. LKW ist gut fallend.

    Besonders krass ist der Rückgang bei Todesfällen, wo es 2025 einen neuen Fahrrad-Bestwert mit 5 Toten gab (4 mit KFZ, 1 Alleinsturz), und nach knapp 2/3 vom laufenden Jahr 2026 erst 2 Opfer (1 Rad vs Rad, 1 LKW-Radweg-Rechtsabbieger).

    Relativierungen zum Radverkehr:

    • es ist ein radelndes Kind alle 54 Minuten
    • es ist ein radelndes schwerverletztes Kind alle 260 Minuten
    • es ist ein radelndes schwerverletztes Kind mit MIV-Gegner alle 520 Minuten
    • es ist ein radelndes getötetes Kind mit MIV-Gegner alle 90.000 Minuten
    • in Dänemark (7% der deutschen Einwohner) wären es demnach bei gleichem Risiko nur jeweils 1/14 der obigen Werte, also zB nur ein radelndes getötetes Kind mit MIV-Gegner alle 1,2 Millionen Minuten.

    Einordnung der tödlichen Unfälle in den langjährigen Trend:

    Kinderunfälle 2025
    Dreizehn radfahrende Kinder kamen im Jahr 2025 in Deutschland ums Leben Im vergangenen Jahr 2025 wurde über 13 tödliche Fahrradunfälle mit Kindern unter 15…
    radunfaelle.wordpress.com

    Problem wirds erst, wenn das MIV-Volk meint, es ist hier alleine unterwegs.

    "Das Problem" existiert immer gänzlich unabhängig von der Frage, ob Radverkehr auf der Fahrbahn möglich/erlaubt/verboten ist. Unter schnellen KFZ auf der Landstraße leiden vor allen anderen schnelle KFZ-Nutzer.

    Anmerkung: von den 189 Radfahrern auf der Landstraße in 2023 starben nur 25 auf Landstraßen ohne Radweg im Längsverkehr (18x mit PKW von hinten angefahren, 2x mit Motorrad von hinten angefahren, 2x Zusammenstoß im Gegenverkehr, 2x Radfahrer Linksabbieger mit KFZ von hinten, 1x Autofahrer Kontrolle verloren und gg Radfahrer geschleudert). Bei den Fußgängern dürfte die Zahl der Längsverkehrstoten auf Straßen ohne Gehweg unter einer Handvoll liegen*.

    *) Edit: ich habe zur Bestätigung dieser Aussage im gerade parat liegenden Opendata-File von 2025 nachgesehen. Darin sind insgesamt 22 Fälle von tödlich verletzten Fußgängern mit PKW oder Motorrad im Längsverkehr verzeichnet. 3 Fälle davon liegen auf Autobahnen bzw. Kraftfahrstraßen, 1x Landstraße mit an der Unfallstelle gemeinsamem Geh- und Radweg, und 12 Unfallorte lagen im bebauten Gebiet. Verbleiben also 6 Fälle von getöteten Fußgängern im Längsverkehr auf Landstraßen ohne Gehweg im letzten Jahr. Davon wird 3x "dunkel" und 2x "Dämmerung" als Lichtverhältnisse angegeben. Der einzige Unfallort, wo es zwischen schnellem KFZ und Fußgänger im Längsverkehr bei Tageslicht geknallt hat, liegt bei Bad Rodach tief im geschlossenen Wald an der Grenze zwischen Bayern und Thüringen.

    Nichts als Müll perpetuieren, und den Eltern sind ihre eigenen Kinder soweit egal, das sie nichtmal eine Minute über das nachdenken, was sie da tun.

    Dieses „vier von zehn“ bezieht sich einerseits auf die Altersgruppe unter zehn, die noch auf dem Gehweg fahren muss (darf), und die an allen Stellen, wo es zu Konflikten mit KFZ kommen kann, ohnehin gemäß StVO absteigen muss. Das ist so, als würde der ADAC lamentieren, dass vier von zehn 16-Jährigen noch nicht sicher Auto fahren können. Außerdem reden wir hier vom Ergebnis einer Umfrage des ADAC unter Eltern, die die Fertigkeiten ihrer Kinder subjektiv einschätzen sollten.

    Andererseits klagen befreundete Sportlehrer am Gymnasium auch, dass vier von zehn Kindern keine Rolle vorwärts mehr schaffen. Das Problem ist wie immer nicht das Fahrrad.

    Radfahrer tötet Autofahrer? (Ja, ich weiß, die Wucht des Aufpralls gemeinsam mit dem Design der Felgen des Mercedes und dem Fahreralter weisen darauf hin, dass es mehr als einen Faktor gegeben haben dürfte...).

    Radfahrer als Auslöser: Mercedes kracht gegen Bäume - Mann kämpft um Leben, Mitfahrer tot
    Ein Unfall auf der Isenburger Schneise in Frankfurt am Main hat am späten Mittwoch das Leben eines Menschen gekostet. Drei weitere Personen wurden verletzt. |…
    www.tag24.de

    Die Unfallstelle liegt außerorts und besitzt eine Bedarfsampel, die anscheinend ohne Drücken ganz erlischt. Da der Mercedes ungebremst in den Honda reingerauscht ist, dürfte der fahrbahnquerende Radfahrer, der das fatale Haltemanöver der Hondafahrerin mitten auf der Kreuzung ausgelöst hatte, die Anforderungstaste entweder gar nicht gedrückt haben, oder zumindest nicht abgewartet haben, bis die Fahrbahnsignale auf rot gesprungen waren.