Beiträge von Th(oma)s

    Relativierungen zum Radverkehr:

    • es ist ein radelndes Kind alle 54 Minuten
    • es ist ein radelndes schwerverletztes Kind alle 260 Minuten
    • es ist ein radelndes schwerverletztes Kind mit MIV-Gegner alle 520 Minuten
    • es ist ein radelndes getötetes Kind mit MIV-Gegner alle 90.000 Minuten
    • in Dänemark (7% der deutschen Einwohner) wären es demnach bei gleichem Risiko nur jeweils 1/14 der obigen Werte, also zB nur ein radelndes getötetes Kind mit MIV-Gegner alle 1,2 Millionen Minuten.

    Einordnung der tödlichen Unfälle in den langjährigen Trend:

    Kinderunfälle 2025
    Dreizehn radfahrende Kinder kamen im Jahr 2025 in Deutschland ums Leben Im vergangenen Jahr 2025 wurde über 13 tödliche Fahrradunfälle mit Kindern unter 15…
    radunfaelle.wordpress.com

    Problem wirds erst, wenn das MIV-Volk meint, es ist hier alleine unterwegs.

    "Das Problem" existiert immer gänzlich unabhängig von der Frage, ob Radverkehr auf der Fahrbahn möglich/erlaubt/verboten ist. Unter schnellen KFZ auf der Landstraße leiden vor allen anderen schnelle KFZ-Nutzer.

    Anmerkung: von den 189 Radfahrern auf der Landstraße in 2023 starben nur 25 auf Landstraßen ohne Radweg im Längsverkehr (18x mit PKW von hinten angefahren, 2x mit Motorrad von hinten angefahren, 2x Zusammenstoß im Gegenverkehr, 2x Radfahrer Linksabbieger mit KFZ von hinten, 1x Autofahrer Kontrolle verloren und gg Radfahrer geschleudert). Bei den Fußgängern dürfte die Zahl der Längsverkehrstoten auf Straßen ohne Gehweg unter einer Handvoll liegen*.

    *) Edit: ich habe zur Bestätigung dieser Aussage im gerade parat liegenden Opendata-File von 2025 nachgesehen. Darin sind insgesamt 22 Fälle von tödlich verletzten Fußgängern mit PKW oder Motorrad im Längsverkehr verzeichnet. 3 Fälle davon liegen auf Autobahnen bzw. Kraftfahrstraßen, 1x Landstraße mit an der Unfallstelle gemeinsamem Geh- und Radweg, und 12 Unfallorte lagen im bebauten Gebiet. Verbleiben also 6 Fälle von getöteten Fußgängern im Längsverkehr auf Landstraßen ohne Gehweg im letzten Jahr. Davon wird 3x "dunkel" und 2x "Dämmerung" als Lichtverhältnisse angegeben. Der einzige Unfallort, wo es zwischen schnellem KFZ und Fußgänger im Längsverkehr bei Tageslicht geknallt hat, liegt bei Bad Rodach tief im geschlossenen Wald an der Grenze zwischen Bayern und Thüringen.

    Nichts als Müll perpetuieren, und den Eltern sind ihre eigenen Kinder soweit egal, das sie nichtmal eine Minute über das nachdenken, was sie da tun.

    Dieses „vier von zehn“ bezieht sich einerseits auf die Altersgruppe unter zehn, die noch auf dem Gehweg fahren muss (darf), und die an allen Stellen, wo es zu Konflikten mit KFZ kommen kann, ohnehin gemäß StVO absteigen muss. Das ist so, als würde der ADAC lamentieren, dass vier von zehn 16-Jährigen noch nicht sicher Auto fahren können. Außerdem reden wir hier vom Ergebnis einer Umfrage des ADAC unter Eltern, die die Fertigkeiten ihrer Kinder subjektiv einschätzen sollten.

    Andererseits klagen befreundete Sportlehrer am Gymnasium auch, dass vier von zehn Kindern keine Rolle vorwärts mehr schaffen. Das Problem ist wie immer nicht das Fahrrad.

    Radfahrer tötet Autofahrer? (Ja, ich weiß, die Wucht des Aufpralls gemeinsam mit dem Design der Felgen des Mercedes und dem Fahreralter weisen darauf hin, dass es mehr als einen Faktor gegeben haben dürfte...).

    Radfahrer als Auslöser: Mercedes kracht gegen Bäume - Mann kämpft um Leben, Mitfahrer tot
    Ein Unfall auf der Isenburger Schneise in Frankfurt am Main hat am späten Mittwoch das Leben eines Menschen gekostet. Drei weitere Personen wurden verletzt. |…
    www.tag24.de

    Die Unfallstelle liegt außerorts und besitzt eine Bedarfsampel, die anscheinend ohne Drücken ganz erlischt. Da der Mercedes ungebremst in den Honda reingerauscht ist, dürfte der fahrbahnquerende Radfahrer, der das fatale Haltemanöver der Hondafahrerin mitten auf der Kreuzung ausgelöst hatte, die Anforderungstaste entweder gar nicht gedrückt haben, oder zumindest nicht abgewartet haben, bis die Fahrbahnsignale auf rot gesprungen waren.

    Abbiegeunfall, aber ganz anders:

    POL-UL: (UL) Langenau - Radlerin von Fahrzeug erfasst / Am Freitagvormittag erlitt eine Fahrradfahrerin in Langenau tödliche Verletzungen.
    Ulm (ots) - Der Unfall ereignete sich kurz nach 9 Uhr in der Bismarckstraße. Die 62-jährige Radfahrerin befuhr die Bismarckstraße in Richtung Wörthstraße. Um…
    www.presseportal.de

    Ein LKW hatte scheinbar abgebremst, um links abzubiegen. Die Radlerin überholt ihn auf seiner linken Seite, wohl um ebenfalls in die selbe Nebenstraße abzubiegen. Der LKW fuhr an und überrollte dabei die Radlerin neben/vor sich. Schauplatz: Wohngebiet, nach den älteren Streetview-Bildern T30-Zone mit linksseitig Gehweg & "Rad frei". Nach aktuellerem Luftbild und auch entsprechend der auf Mapillary erkennbaren Beschilderung an der Einmündung in die Hauptstraße handelt es sich aktuell aber um eine "Fahrradstraße" mit rot eingefärbten Kreuzungsflächen mit Rad-Piktogrammen drauf.

    Die Fahrbahn wäre deutlich schmaler als LKW + Fahrrad + "einsfuffzich".

    Da der LKW aus dem Stand anfuhr, dürfte er jedenfalls noch nicht mehr als Schrittgeschwindigkeit gehabt haben. Dieses explizite Limit für LKW innerorts gilt jedoch gemäß §9 StVO auch nur beim *Rechts*abbiegen...

    Da Radwege vermeintlich auch den Fußverkehr wachsen lassen: Korrelation ist keine Kausalität. Im Übrigen ist die implizite Behauptung, die Studie würde die Effekte durch einen vorher-nachher-Vergleich nachweisen falsch. Die Autoren postulieren mögliche Effekte, wenn alle Städte wie Kopenhagen wären.

    https://www.pnas.org/doi/pdf/10.1073/pnas.2422334122?download=true

    [„RiMs“]

    Und diese Verkehrsplaner behaupten, es sei eine sichere Radverkehrsführung. Sie werden ihre Planung ja wohl kaum damit begründen, dass sie sagen: "Es ist anders gemacht als in den Niederlanden und es ist für Fahrradfahrer deutlich gefährlicher als in den Niederlanden, aber das stört doch keinen großen Geist."

    RiMs sind eine Zeit lang auch in NL Stand der Technik gewesen, wurden aber in den letzten drei Jahrzehnten wohl dort nicht mehr gebaut bzw existierende Markierungen wieder zurückgebaut. Dass eine empirisch ermittelte mangelnde Verkehrssicherheit der Grund für diesen Modenwechsel gewesen wäre, ist allerdings nirgendwo (außer als Legende in der deutschen Verkehrswende-Bubble) zu finden. Das gleiche gilt im Übrigen auch für die angeblich sicherheitstechnisch überlegene „holländische Schutzkreuzung“ mit ihren mehrere Meter in die Nebenstraße gerückten Fahrbahnfurten. Das BASt-Gegenstück in NL (SWOV) hat Anfang der 2000er eine ausführliche Erörterung des Rechtsabbieger-Konflikts publiziert. Darin sind aber weder Diskussionen von Für und Wider einzelner Führungsvarianten noch konkrete Empfehlungen für die bauliche Kreuzungs-Ausführung enthalten.

    Die Uni Berlin hat im Auftrag der BASt eine Studie angefertigt, die die Verkehrssicherheit von RiMs im vorher-nachher-Vergleich untersucht hat. Dabei kam heraus, dass die Unfallrate sich gegenüber der vorherigen Hochbordführung nicht gravierend ändert. Je nachdem, ob die Radspur eingefärbt war oder nicht lag sie mal leicht unter mal leicht über dem Ausgangswert. Unfälle mit RiM resultierten dabei aber weitgehend aus Fehlnutzung der Kreuzung durch Radfahrer mittels (Geister-)Radeln auf dem Bürgersteig. Vom Ergebnis wurde in den Medien allerdings nur einseitig der nachteilige Effekt bei ungefärbten Furten als ultimativer Beweis für die Gefährlichkeit der ungeliebten Führung präsentiert. Wenn dann noch zB Changing Cities mit gestellten Gruselbildern gegen RiMs stänkert, kann die behauptete Lebensgefährlichkeit natürlich schnell zur selbsterfüllenden Prophezeihung geraten.

    Zusammenfassung: nachdem das „build it and they will come“ in D irgendwie unbefriedigend funktioniert hat, wird „build it the Dutch way, and they will come like the Dutch came“ propagiert. Der Witz daran ist, dass NL seinen starken Radverkehr in den 1980er Jahren gewonnen hat (worauf hin er seitdem stagniert) und zwar mit genau den Radführungen, die von der deutschen Verkehrswendeszene heute als unsicher, unwirksam und typisch deutsch diffamiert werden.

    was die "Theorie" bei der Ausbildung Verkehrsplanung beinhaltet, kann man sich ja mal bei der TU Dresden angucken:

    https://tu-dresden.de/bu/verkehr/stu…-sonst/was/move

    Dort verlinkt ist ein Clip zum Lehrgegenstand Radverkehr. Die darin getätigten Aussagen klingen definitiv nicht danach, dass die Studierenden mit irgendwas à la "deutsche Radwege sind Champions League" indoktriniert würden. Im Gegenteil, da wird sehr unverblümt das ADFC-Credo vom Guten Radweg à la Fietsparadijs nachgebetet.

    Der Autor kritisiert Verkehrsplaner, die behaupten, die deutschen Radwege seien sicherer als die niederländischen, oder zumindest so sicher, dass es keinen Grund gäbe, sie zu verbessern und die Radwegeinfrastruktur weiter auszubauen.

    Diese Verkehrsplaner gibt es gar nicht, das ist lediglich ein Strohmann des Bloggers.

    Im weiteren beschäftigt sich der Film unter anderem damit, dass der Vergleich zwischen Deutschland und den Niederlanden hinkt, weil der Vergleich nicht berücksichtigt, dass die Radnutzung in beiden Ländern jeweils eine andere ist, was dazu führt, dass die längeren Strecken, die in den Niederlanden auf dem Rad zurückgelegt werden, nicht in der Statistik berücksichtigt sind, die belegen soll, dass in den Niederlanden mehr Radfahrtote pro Kilometer zu beklagen sind.

    Entgegen dieser Darstellung beträgt die mittlere Länge einer Radfahrt gemäß den nationalen Erhebungen tatsächlich in NL nur gut die Hälfte einer Radfahrt in Deutschland. Das liegt wohl daran, dass in Deutschland ein höherer Teil der Radverkehrsleistung auf längeren Pendelstrecken, Radreisen und -touren erbracht wird als in NL, während man in NL eher in der verkehrsberuhigten Innenstadt zum Nahversorger radelt. Damit geht einher, dass in Deutschland wohl auch ein größerer Teil der Radfahrten außerorts absoviert wird, wo das Risiko eines tödlichen Vorfahrtfehlers gegenüber schnell fahrenden KFZ ungleich höher ist als innerorts. Leider lässt sich diese Theorie nicht endgültig statistisch belegen, weil in den Niederlanden Unfallhergänge bzw Örtlichkeiten nicht systematisch erfasst werden.

    Und dann wäre da ja auch noch "Safety in Numbers" (SiN). Die stärkere Präsenz von Radfahrern im Straßenbild soll angeblich die Unfallgefahr senken, indem andere Verkehrsteilnehmer stärker sensibilisiert werden, dass mit Radverkehr zu rechnen ist. Darüber hinaus beruht SiN gerade beim Führen eines kippeligen Balance-Fahrzeuges auch wesentlich auf mehr Sicherheit durch Fahrpraxis und bessere Fahrzeugbeherrschung. Beides zusammen weckt die Erwartung, dass bei nominell gleicher baulicher Qualität die Niederlande deutlich im Vorteil sein müssten, bei den vermeintlich schlechteren Radwegen in Deutschland müsste der Effekt sogar noch deutlicher ausfallen. Oder anders herum: wenn die NL bei vermeintlich besseren Radwegen trotz SiN im Hintertreffen sind, dann sind selbst ausgesucht gute Radwege als Sicherheitskonzept grandios gescheitert.

    in seinen anderen Videos hat er immer explizit von „subjektiver Sicherheit“ evtl.auch von „gefühlter Sicherheit" gesprochen, nie einfach nur von Sicherheit. Er weiß es also ganz genau,

    Ich glaube nicht, dass so viele Menschen so zynische Demagogen sind. Meist handelt es sich wohl um Personen, die sich selber wider besseres Wissen betrügen wollen. IOW: der Typ hat einen heftigen Radfahrerminderwertigkeitskomplex und sublimiert diesen, indem er sich selber einredet, es bestünde in Wahrheit doch eine geheime Kongruenz zwischen gefühlter und realer Verkehrssicherheit.

    Der macht seinen Schein nicht in Verkehrsklimbim, sondern in Apologetik.

    Der war gut.:P

    "Schluss mit den vielen Verletzungen durch Stürze auf den Boden! Wir fordern, dass die Politik endlich das Ziel 'Vision Zero G-Force' in die StVO schreibt und umgehend Mittel für mehr Radwege bereitstellt, die den schrittweisen Ausstieg aus der Schwerkaft bis 2036 einleiten sollen"

    YT-Link

    Wo hat er denn diesen Unsinn her:

    Die Relation stimmt zwar in etwa, aber die Größenordnung ist mal eben um knapp drei Stellen zu hoch. Es sind real 9 Tote pro *Milliarde* km in D und 14 in NL. Außerdem wird diese Benchmark außer von mir AFAICS von niemand anderem überhaupt vorgebracht. Tatsächlich ist das Wissen um die internationale Verkehrssicherheit auf dem -damals schon fragwürdigen, aber viel besser ins Konzept passenden- Stand von vor 20 Jahren stehen geblieben. Es kann also folglich auch nicht stimmen, dass die Information unter „deutschen Verkehrsplanern“ Common Sense wäre, und dass diese deshalb unter Berufung darauf der Politik und den Verwaltungen irgenwelche bauliche Antithesen zum Fietsparadijs andrehen würden.

    Und das wird so bleiben, solange es keine persönlichen Konsequenzen zumindest für die Amtsleiter hat.

    Von wem sollten die Konsequenzen auch ausgehen? Wenn alle Dinge des öffentlichen Lebens unter Bürgern sowie den in deren Auftrag agierenden Gliedern der staatlichen Gewalten so einhellig auf Zustimmung treffen würden wie die Aussagen „Radfahrer runter von der Fahrbahn“ plus „alles, was nicht offensichtlich Fahrbahn ist, ist irgendwie Shared Space“, könnte man Parteien und Parlamente mangels Kontroversen sofort abschaffen.

    Das ist vermutlich die selbst durchgeführte Erhebung von Dr. Ian Walker?

    Ja, und er hat sich sogar später selbst widerlegt.

    Ich bin der Meinung, dass die Aussage zum Überholabstand zwischenzeitlich mehrfach widerlegt wurde. :/

    Die Varianz im Überholabstand schwankt um nicht mehr als paar Zentimeter*, und dass das Zufall und nicht Absicht ist, erkennt man daran, dass die mittleren Abstände in der zweiten Studie in keinster Weise systematisch von den gewählten Art des Outfits des Testradlers (Dr. Walker) abhängen. Unfallstatistisch hätte es sogar auch dann keine Relevanz, wenn es tatsächlich eine Korrelation zwischen Abstand und Outfit gäbe. Die besorgniserrend schweren Auffahrunfälle resultieren aus „Nichtüberholen“ infolge Nichtwahrnehmens, so dass alles, wo der auflaufende KFZ-Führer bewusst irgend einen Abstand gewählt hat, aus logischen Gründen als Unfallauslöser ausscheidet, weil der Überholer das nur tun kann, wenn er das Fahrrad vor sich ausreichend früh sicher als solches identifizieren konnte.

    *) der Elefant im Raum ist der Befund, dass die beste Korrelation in der ersten Studie, die wegen der vermeintlichen Abhängigkeit der Abstände von Helm (kleiner) bzw. blonder Perücke (größer) in den Massenmedien für Furore sorgte, diejenige zwischen Fahrradabstand zur Bordsteinkante und gewährtem Überholabstand bestand. Je dichter Walker am Rand blieb, desto mehr Platz bekam er im Mittel von den Überholern. Zwischen größter und kleinster Distanz bestand eine Differenz von ca. 25 cm (was ein Mehrfaches der vieldiskutierten Helm-Perücken-Varianz ist).