Beiträge von Th(oma)s

    Ich glaube, der "wirklich wahre" Unterschied zur Schweiz besteht darin, dass

    ...die Schweiz (ebenso wie das übrige Ausland, in dem angeblich dank der höheren Geldstrafen alles so viel besser läuft als hierzulande) im Gegensatz zu Deutschland weder ein Punkteregister für Verkehrstaten führt, noch das Instrument der Androhung einer MPU zur Verfügung hat.


    Übrigens: im vergangenen Jahr hat sich die Zahl der im Verkehr getöteten Radler in der „Zu schnell? Rübe ab!“-Schweiz fast verdoppelt. In „wir kriegen mal wieder noch nichtmal einen neuen viel zu laschen Bußgeldkatalog auf die Kette“-Deutschland sank sie leicht um 4%. :evil:

    Aber da es logarithmisch ist, liegt zwischen Car und Public Transport immerhin offenbar eine Zehnerpotenz. Könnte bedeuten, dass die Leute mit PT einfach im Schnitt viel weitere Strecken zurücklegen als mit Car? Wär irgendwie einleuchtend....

    Im Grundsatz lautet die Aussage „es gibt eine Beziehung zwischen Transportmittel und zurückgelegter Strecke“. Was offen bleibt ist die Frage nach Ursache und Wirkung, ob also die Menschen weite Wege machen, weil sie ein Auto haben, oder ob sie ein Auto nutzen, weil sie weite Wege vorhaben.

    Jedenfalls ist die aus dieser Korrelation abgeleitete Aussage „Liebe Fernpendler, wenn ihr ab morgen das Fahrrad für eure 60km nehmt, spart ihr ganz doll viel CO2 ein“ sowohl sachlich richtig, wie auch gleichzeitig praktisch Blödsinn.

    Eigentlich müsste man den Menschenzurufen: „Sucht euch Nahziele. Zieht um, wenn nötig. Urlaub gibts nur noch im eigenen Bundesland. Geht nicht zum Studieren nach auswärts. Heiratet in eurem Dorf, damit ihr später keine weiten Verwandtenbesuche machen müsst. (...und welches Verkehrsmittel ihr dann dafür noch nutzt, ist eigentlich ziemlich egal...).

    Nicht zu vergessen, dass die deutsche Einheit zu einem großen Teil aus der Rentenkasse finanziert wurde und immer noch wird.

    Wobei allerdings am Defizit nicht das Nicht-Einzahlen der Rentnerbis 1990 schuld ist. Die Rentenversicherung zahlt ja keine Rücklagen aus, die während des langen Erwerbslebens gebildet wurden. Sie reicht einfach nur die monatlich eingehenden Beiträge 1:1 an die Schar der Anspruchsberechtigten weiter.


    Das Problem der Rentenversicherung nach der Wiedervereinigung war, dass durch Arbeitslosigkeit, Niedriglöhne, Frühverrentung und Abwanderung von jungen Leuten in den Westen im Osten auf zu viele Empfänger zu wenig aktive Einzahler kamen/kommen.

    Statt den Täter "aus der Gesellschaft zu entfernen", sollte man dann vielleicht doch eher mit einer Verhaltenstherapie ansetzen. Diese auch begutachtet und begleitet. Also nicht nur Zettelchen vorweisen können "hat teilgenommen".

    Die in D übliche "Therapie" besteht in der Anordnung einer MPU, wenn Zweifel an der psychischen Eignungsfähigkeit eines Verkehrsteilnehmers bestehen. Dieses Instrument (also m.E. schon die Drohung damit...) scheint durchaus über die Gesamtpopulation betrachtet (und nur die ist für die Prognose des zukünftigen Geschehens einzig relevant!) zu wirken. Vordergründig steht Deutschland damit im internationalen Schwanzvergleich bei der Bestrafung von Verkehrstätern immer als harmloser Papiertiger da. Aber der MPU-Ansatz wirkt tatsächlich in der Breite erstaunlich effektiv: entgegen aller Unkenrufe über die vermeintlich seit Olims Zeiten stetig abnehmende Verkehrsmoral sinken die Zahlen der jährlich verfügten MPUs kontinuierlich, wobei die Quote der Durchfaller ziemlich konstant bleibt.

    "Build it, and they will come!" :evil:

    Heute schreibt der Tagesspiegel einen (kostenpflichtigen) Kommentar über diesen „Radweg“. Auch in den Drunter-Kommentaren zum TS-Artikel über den Unfall gibt es viele Stimmen, die Unverständnis über den angeblichen Gehwegstatus äußern. Auf der Facebookseite zum TS-Artikel berichtet ein Kommentator, dass er noch am Morgen des Unfalltages in der Oderstraße von Autofahrern angehupt, bepöbelt und abgedrängt wurde, weil er nicht auf dem „Radweg“ fuhr.

    Ich habe Vorträge gehalten mit dem Titel "Vorsicht Radweg!" und darin gezeigt, welche Gefahren erst durch den Radweg entstanden sind, die es auf der Fahrbahn gar nicht gäbe, aber in den Köpfen steckt ganz tief drin "Radweg = sicher".

    Die Nummer mit der Sicherheit ist eigentlich bloß der philosophische Überbau über dem wahren Motiv "natürliche Faulheit"(*). Infolgedessen wirst du dieses Gespenst nicht durch rationale Argumente die Verkehrssicherheit betreffend besiegen können.


    *) Öffentlicher Straßenverkehr basiert auf Kooperation, weswegen man als Fahrbahn-Radfahrer ständig versucht ist, sich maximal abzustrampeln, um die Kraftfahrer nicht noch mehr als so schon aufzuhalten. Das strengt körperlich sehr an und frustriert dennoch psychisch, weil man ja selbst bei Puls 190 den Autos nicht wegfahren kann. Wer das nicht auszuhalten lernt, überträgt den antizipierten Unwillen der ausgebremsten Kraftfahrer hinter sich auf die Unterstellung, den Leuten würde wegen des provozierenden Langsamfahrens (vollkommen zu recht...) der Kragen platzen, was sie zu gefährlichen Kurzschlusshandlungen veranlassen könnte. Daher auch die genau so populäre wie grundfalsche Gleichsetzung des Unfallrisikos beim Radfahren mit dem Längsverkehrsrisiko im Mischverkehr und der offenbar unausrottbare Irrglaube, das Fahren neben der Fahrbahn sei trotz aller Fallen am Ende doch viel sicherer als Fahrbahnradeln.

    Was könnte man noch tun? Lohngedumpte Sicherheitsdienstleister, die die Radfahrer vom Gehweg runterprügeln? Stacheldraht? Allen, die dort auf dem Gehweg fahren, Vorträge über Unfallstatistiken halten?

    Ein wichtiger Schritt wäre, den Teufelskreis aus Gefühlen und offizieller Bestätigung der Gefühle zu durchbrechen.


    10 Unsicherheitsgefühle

    20 Radwegenachfrage

    30 Radwegebau

    40 durch Baumaßnahme als begründet bestätigte Unsicherheitsgefühle

    50 goto 20


    Das geht nicht, wenn man an der einen Stelle mal 100m Radweg halbherzig zurückbaut, aber dafür gleich um die Ecke die Einrichtung von 1km neuen Radwegen öffentlich als Meilenstein der Verkehrssicherheit feiert.


    Ein weiterer Schritt könnte auch sein (wenn man denn unbedingt Safety in Numbers torpedieren möchte, indem man durch eine Mahnwache die Leute mit der Nase darauf stößt wie waahnsinnig gefährlich doch das Radfahren ist) wenigstens darauf zu verzichten, den Schauplatz entgegen dem wahren Hergang plakativ mitten auf die Fahrbahn zu verlegen.

    Th(oma)s : Auch die neueren Mapillary-Aufnahmen zeigen viele "Radweg"- Benutzer.

    Ich erkenne an, dass die Stadt sich redliche Mühe gegeben hat, die Radfahrer auf die Fahrbahn zu lenken: Rot-Weiße- Absperrbake, gefällte Baumstämme und außerdem noch ein Z.239. Bonus-Hindernis: Container und Baustelle auf dem Hochbord.

    Allein, die Anziehungs- und Lenkungskraft der Markierungen hinter der Überleitungsstelle ist ganz offensichtlich immer noch sehr hoch, wie auch die vielen Reifenspuren im Gemüse neben dem Pflaster zeigen.

    "Build it, and they will come!" :evil:

    Schrieb ich schon, ich wohne dort um zwei Ecken? Ich fahre dort recht häufig längs. Auf der Fahrbahn. Gehupt hat da noch niemand.

    Ich habe keine Zweifel daran, dass die Stadt auf Anfrage deine Lesart bestätigen wird.


    Man darf gespannt sein, wie das Gericht im anstehenden „Fahrlässige-Tötungs“-Prozess den im Raum stehenden Vorwurf der Gehwegbenutzung bewerten wird.


    Mach doch mal eine spontane Umfrage auf der Oderstraße und erkundige dich bei Fußgängern, Radfahrern und ausgestiegenen Autofahrern freundlich danach „könnten Sie mir bitte sagen, wo man hier radfahren soll?“. Darüber hinaus könntest du überlegen, wie groß das Risiko wäre, dass dich bei Benutzung des Hochbordra^h^hGehweges in der Oderstraße die Polizei (Fahrradstaffel...) verwarnen würde.


    Wie groß ist eigentlich der Anteil der radelnden Fahrbahnmeider an der Stelle? Bei den (älteren) Streetview-Aufnahmen ist er AFAICS 100%.

    Der angebliche Radweg ist ein ehemaliger Radweg, der in südlicher Richtung bereits an der Ecke Oderstraße/Emser Straße seit einigen Jahren gesperrt und dem Gehweg zugeschlagen ist.Von dort in nördliche Richtung ist es ein Zweirichtungsradweg. Ich wohne dort um zwei Ecken und komme da immer wieder vorbei.

    Angebliche Straßenteile gibt es nicht. Elemente wie Bordsteinkanten, farbiges Pflaster und gemalte (oder wie hier ins Pflaster integrierte weiße Markierungen) sorgen dafür, dass sich Straßenteile von selber anordnen. Da kann die Stadt noch so viele Gehwegschilder aufhängen - wenn sie die farbliche Markierung nicht wegmacht, bleibt das für die Leute auch ein Radweg. Bei Zweifeln an meiner Auslegung, erkundige dich einfach beim nächsten Huper nach der Rechtslage®.

    Offenbar wieder auf einem "sicheren", hier nicht benutzungspflichtigen Hochbord-Radweg.

    ...weit hinter parkenden Fahrzeugen mit einer Pflasterung, die auch noch Zweirichtungsverkehr nahelegt. Igitt.


    Edit:

    Der PM der Berliner Polizei zufolge fuhr die Dame auf dem rechten "Gehweg" der Oderstraße (Mapillary zeigt auch dort einen farblich gekennzeichneten "Intarsienradweg") in südlicher Richtung auf die Siegfriedstraße zu. Beim Queren der Fahrbahn der Siegfriedstraße wurde sie vom in gleicher Richtung fahrenden LKW überrollt, der in die Siegfriedstraße nach rechts/Westen abbog. Die Fahrbahn der Siegfriedstraße ist durch einen abgesenkten Bordstein von der Oderstraße getrennt.

    Hatte übermorgen den Fluxkompensator angeworfen und bin soeben aus der Zukunft zurückgekommen. Neben dem neuesten Sportalmanach habe ich diesmal auch die Ergebnisse des ADFC Klimatest 2020 mitgebracht:

    1) In $Stadt sind die Radwege in mangelhaftem Zustand, verdreckt und zugeparkt, man kann dort nicht mit Kindern radfahren, das Fahrrad ist nicht gleichberechtigt, denn es fehlen überall Radwege und das Radfahren macht üüberhaupt keinen Spaß.

    2) Beste Fahrradstadt 2020 ist Bremen

    Mission Completed!


    Wollt Ihr jetzt auch die Ergebnisse aus dem Sportalmanach wissen? :D

    Kumuliert ist Schweden natürlich noch etwas schlechter wegen der hohen Zahlen in der ersten Welle. In der zweiten Welle waren sie sogar besser. Auch inzwischen sind dort die Todeszahlen stärker gesunken, als hier.

    Etwa 2/3 der Covid-Opfer in Deutschland wurden vor ihrem Ableben nicht im Krankenhaus behandelt, was u.a. daran liegt, dass sehr viele unserer Senioren eine Patientenverfügung zur Ablehnung lebenserhaltender Maßnahmen unterschrieben haben. Welche Auswirkung hat dieser gewollte Verzicht auf die Sterberate, und wie ist die Verteilung in dieser Hinsicht im Ausland?

    Ich gratuliere jedem, der bis hierhin durchgehalten hat. Ihr seid wirklich interessiert! Und meine hier niedergeschriebenen Ansichten sind natürlich überspitzt und oft mit einem Augenzwinkern gemeint. Aber es regt mich so unheimlich auf, wenn ich im Jahr 2021 solche Veröffentlichungen in der Tagespresse entdecken muss, die bei den allermeisten Verkehrsteilnehmern noch Öl ins Feuer gießen bzw. ihre Ansichten von einer kraftfahrzeuggeprägten Fortbewegungswelt noch unterstreicht.

    Der kritisierte Text zeigt, dass dessen Autoren nicht den Hauch einer Ahnung haben, warum Verkehrsunfälle mit Radfahrern passieren.


    Spoiler: es ist *nicht* der Längsverkehr in den Städten, und darum ist das ganze Gesülze über mangelhafte/fehlende bauliche Trennung, zu enge Straßen und daraus resultierende geringe Überholseitenabstände müßig.

    3,6 % mehr Fahrradunfälle bei 33 % mehr Radverkehrsaufkommen bedeutet: relativer Rückgang um 22,1 %.

    Da der Anstieg der bei Alleinunfällen Verletzten mit +250 größer ausfiel als der Anstieg aller verletzten Radfahrer mit +204, ist netto die absolute Zahl der Rad-vs-Gegner-Kollisionen mit Verletzten um 2% (-46) *gefallen*.

    • zweitens ist die STVO für alle, die nicht grade tief im Wald wohnen, von ziemlich lebensbestimmender Wichtigkeit. Das gehört nicht in die Hände von Hausmeistern.

    Welcher § der StVO erlaubt den Leuten denn derzeit die Gefährdung Dritter, insbesondere von Radfahrern, so dass man sich von einem korrigierenden Eingreifen des Parlaments überhaupt was versprechen könnte?


    Das Problem ist nicht das „Gesetz“ und erst recht nicht ein einzelner Verkehrsminister.

    Am Verfahren würde sich meistens kaum was ändern ...

    Wenn der Bundestag Interesse daran hätte, das Verfahren zu ändern, bräuchte er nur die Ermächtigungsgrundlage zum Erlass von Verordnungen im Straßenverkehrsgesetz per Gesetzesänderung zu kassieren.


    Im UK besteht der „Highwaycode“ zu wesentlichen Teilen aus Grundsätzen, die weder vom Parlament noch von der Regierung beschlossen wurden, sondern nur auf dem britischen Präzedenzfallrecht beruhen. Trotzdem gleichen die UK-Vorschriften unserer StVO so sehr, dass man jederzeit problemlos als Deutscher im UK als Verkehrsteilnehmer mitmachen kann (wenn man erstmal die Sache mit dem Linksverkehr kapiert hat).


    Will sagen: ich glaube nicht, dass eine Parlaments-StVO im Gesetzesrang großartig anders aussehen würde als die jetzige Ministerien-Verordnung