Beiträge von Th(oma)s

    [Fahrrad-Risiko im Kreisverkehr]

    Eines kann man sich jedefalls abschminken: nämlich dass die Niederländer irgendwie besser wüssten, wie Kreiverkehr geht, und dass man deshalb bloß die niederländische Strickmasche kopieren müsste, um auch in Deutschland Kreisverkehre sicherer zu machen. Das ist genau so eine naive Illusion wie die von Radwegefreunden vorgebrachte Hypothese, es gäbe spezielle "niederländische Kreuzungen" (ohne Kreisbahn) mit immanent größerer Fahrrad-Sicherheit.

    roaddanger

    Mein Einwand, dass man ja auch mal hinterfragen könnte, warum der Autofahrer der Meinung sei, die sollte auf dem Gehweg fahren (der bis vor 3 Jahren mit "Gehweg, Radverkehr frei" garniert, und bis vor 10 Jahren noch mit einer BPflicht versehen war.

    Man müsste eher hinterfragen, was einen autofahrenden Biedermann zu dem grotesken Irrtum bringt, dass die Verhinderung einer popeligen 15€-Ordnungswidrigkeit in seiner Zuständigkeit läge, und dass dafür tätliche Angriffe ein legitimes Mittel wären. Aber auch hier käme man schnell drauf, dass die Ursache für den Irrtum das Konzept "Radweg" und insbesondere dessen verlogene Sicherheits-Begründung ist.

    wenn die Sicherheit des Radfahrers oberstes Ziel ist, nicht aber dessen Geschwindigkeit und Komfort, dann ist die Lösung ganz einfach, dann mußt du halt langsam und vorsichtig auf Radwegen fahren.

    Auch langsam und vorsichtig geht noch besser auf der Fahrbahn. Eigentlich. Die Suggestion, die Fahrbahn wäre nur was für robuste und physisch starke männliche Radler, nominiert langsame/„schwache“ Radlerinnen beiderlei Geschlechts den Autofahrern gegenüber als natürliches Mobbingsubjekt, was wiederum den Antennen der radelnden Sensibelchen natürlich auch nicht entgeht. Insoweit gerät schon die abstrakte Überlegung „Soll ich das wirklich ausprobieren?“ zum psychischen Stressfaktor für diese Gruppe.

    Genau auf solche Aussagen zielt meine Kritik: Man kann sich über Radverkehrspolitik vortrefflich streiten. Aber dafür muss man doch nicht so weit gehen, dem ADFC-Bundesvorsitz zu unterstellen, dass er sich für den Bau von Fahrradwegen in bestimmten Straßen ausspricht, obwohl angeblich längst abschließend geklärt sei, dass es keine "sicheren Radwege" gäbe.

    Der Punkt ist, dass die Floskel "sicherer Radweg" genau wie das neuerdings sehr häufig auftauchende "sichere Kreuzungen" von den Erleuchteten als Code für eine neue Generation vermeintlich besserer, weil idiotensi^h^h^h "fehlerverzeihender", Sonderwege verwendet wird. Bislang fehlt allerdings jede Evidenz für die versprochenen Effekte.

    Ich halte die Idee, nach jedem schweren Radwegunfall eine neue Radwegvariante ausprobieren zu wollen, für ähnlich rational wie die Methode, seine Chancen auf Sechs Richtige beim Lotto zu erhöhen, indem man ganz bewusst die Gewinnreihe vom letzten Wochenende nicht mehr ankreuzt.

    Aber selbst dann, wenn die Methode wider Erwarten doch funktioniert, wäre es angesichts des gigantischen Altbestandes dringend geboten, von dessen Benutzung aktiv abzuraten und insbesondere gegen die Benutzungspflicht dafür vorzugehen. Und genau das wird durch die semantische Doppelbödigkeit der Floskel "sicherer Radweg" verhindert.

    Auch wenn als Frage formuliert, wird mit diesem Zitat der Vorwurf in den Raum gestellt, dass der örtliche ADFC-Vorsitzende genau wüsste, dass es keine sicheren Radwege gäbe, sie aber trotzdem fordert zum Nachteil der Radfahrenden.

    Im Gegenteil: ich räume ein, dass der lokale Fürst womöglich gar nicht weiß, was er da nachplappert. Die Führungsetage auf Bundesebene schon.

    Zynisch, also menschenverachtend, ist es, Radwege als Sicherheitsgewinn zu vermarkten, denn sie sind das exakte Gegenteil.

    Die Frage ist, ob auf allen Ebenen (örtlicher ADFC-Vorsitzender, Lokalredakteur, Leser der Interviews und Pressemitteilingen) überhaupt klar ist, dass die Phrase „sichere Radwege“ gar kein naiver Pleonasmus ist, sondern dass sie im Gegenteil bedeuten soll: „Uns ist vollkommen klar, dass alles, was wir bis gestern gefordert haben, totaler Bockmist war. Aber wir glauben fest daran, dass es nur genug Geld und guten Willen braucht, dem abzuhelfen.“

    Selbst, wenn das so wäre, würde schon allein die gigantische Länge des schon existierenden Altbestandes dafür sorgen, dass das Töten ungebremst weitergeht. Leider sehe ich auch nicht, inwiefern Änderungen an Details Probleme heilen könnten, die ihre Ursache im Konzept selbst haben.

    Ich behaupte, dass den allermeisten nicht klar ist, dass sie da anhalten müssen.

    Ich behaupte, die Rechtslage ist ihnen einfach bloß gleichgültig. Die Möglichkeit, ungeahndet an roten Ampeln durchzurollen ist wie viele andere radlerische Regelverstöße (kein Licht, Rechtsüberholen auf Sonderwegen, Geisterradeln auf Sonderwegen, Wildparken auf Sonderwegen) eine der Belohnungen für die Benutzung der separierten Extrawurst. Und weil dem so ist, hat René dafür Verständnis[TM] (außer, es ist gerade Fahrrad-Kontrollwoche, und man will zu PR-Zwecken möglichst viele Strafzettel zusammenkriegen).

    Eine Fahrradinfra ist aber nicht altersspezifisch "sicher" oder nicht.

    In Deutschland hohes Alter der verkehrstoten Radfahrer. Deutsche Radwegeagitation so: „Mimimi, Deutschlandkannesnicht, Infrastruktuuuur!“

    In NL hohes Alter der radelnden Verkehrsopfer. Deutsche Radwegeagitation so: „Guck an. Die NL-Radinfra ist so inklusiv, da radeln ja sogar die Alten! Aber Deutschland kriegt mal wieder nix auf die Reihe.“

    Sie drehen es sich, wie sie es brauchen.

    und in Garmisch-PArtenkirchen ein Alleinunfall?

    Miese Infrastruktur! Von alleine stürzen Radfahrer ja nie, und für all ihre Kollisionen mit Gegner können sie natürlich auch nie was - es muss immer jemand anderes verantwortlich gewesen sein. </sarcasm>

    Diese Sichtweise sorgt zuverlässig dafür, dass Interessenten sich nicht selbst ermächtigen und einfach fröhlich losradeln, sondern dass sie immer schön ängstlich und unmündig bleiben und devot abwarten, bis ihnen einer von den Großen gnädig das "Go" gewährt.

    Wie oben schon erwähnt· fehlt für Evidenz simpel die Fallzahl. Wenn in 10 Jahren im Profisport unter 30 Leute tödlich verunfallen, davon dann über 2/3 wohl jenseits des Wirkbereichs einens Fahrradhelms, dann lässt sich daraus sowieso keine Aussage für irgendetwas stellen, weder dafür, noch dagegen.

    Wenn ein Personenkreis, der zusammen sicher mehrere hundert Millionen km im Jahr radelt, am Ende so wenige Opfer aufweist, dass mögliche Helmeffekte im Grundrauschen untergehen, dann kann man ruhigen Gewissens sagen, dass die betriebene Tätigkeit inhärent sicher ist, und darum auch keine besonderen Schutzmaßnahmen erfordert, die man bei anderen Alltagstätigkeiten gleich geringen Risikos zu recht für vollkommen absurd halten würde.

    Zumindest scheinen wir uns ja darin einig zu sein, dass beim Mountainbike-Rennsport die Helme einen gewissen Unfallschutz gewährleisten. Darüber hinaus sind beim Mountainbike-Rennsport allerlei Protektoren für Rücken, Brust, Ellbogen, Knie, Handgelenk usw. im Einsatz.

    Der MTB-Sport ist ein Kind des Fahrradhelms. Die vielen Opfer dabei sind folglich zu 100% Schuld des Helms. Musterbeispiel für Risikokompensation.

    Ärzte und Statistik😈

    [...]

    Dass es aber bereits an der für besondere Schutzmaßnahmen erforderlichen besonderen Gefährdung für Radfahrerköpfe mangelt, hatte ich oben ja schon gesagt.

    Hier mal ein Ausschnitt aus der amtlichen Todesursachenstatistik 2015 für Deutschland. Dass Radfahrerköpfe ganz besonders gefährdet sind, seht ihr doch auch alle, oder? ODER??

    Beachtet dazu die Anzahl an Kopf-Toten durch Unfallereignisse insgesamt außerhalb des Straßenverkehrs (wozu auch Stürze zu Fuß auf der Straße zählen, soweit Fußgänger stolpern/Treppen herunterfallen etc., ohne dass Fahrzeuge daran beteiligt sind; gelbe Umrandung).

    Es gibt genau 2 Motive, die verantwortlich dafür sind, dass Helme ausgerechnet beim Fahrrad empfohlen werden:

    1) Innerhalb der verschiedenen Verkehrsarten stellt der Radverkehr den höchsten Prozentsatz (nicht aber: die höchste Absolutzahl!) an Opfern, die isoliert an Kopfverletzungen sterben. Bei Fußgängern und KFZ-Nutzern spielt allerdings der Bereich "Polytrauma" eine wesentlich größere Rolle (wo dann neben dem in aller Regel geschädigten Kopf auch noch andere Regionen lebensbedrohlich verletzt werden). Beim Radverkehr ist im Ergebnis also gar nicht der Kopf in besonders großem Maße gefährdet, sondern die anderen Körperregionen sind nur in der Regeln viel weniger schlimm betroffen als bei anderen Verkehrsarten - ein Grund mehr, das Radfahren als besonders sichere Tätigkeit herauszustellen, anstatt mit unsinnigen Helmkampagnen den gegenteiligen Eindruck zu promoten. Von der viel weniger schädlichen externen Wirkung des Verkehrsmittels auf andere Verkehrsteilnehmer als bei KFZ-Nutzern mal ganz abgesehen.

    2) Fahrradhelme sind Bestandteil der ewigen psychologischen Kriegführung zwischen Autofahrern und Radlern. Ohne den Antrieb seitens der um ihre Haftung besorgten Kraftfahrerschaft und ohne das "Autos? Gefääährlich!!!"-Kesseltreiben der Verkehrswendeagitation wären Fahrradhelme unineressant bzw. bestenfalls Privatvergnügen ohne Erwägungen für eine gesetzliche Regelung.

    Selbstverständlich kann ein getragener Helm im Falle eines Unfalls Kopfverletzungen verhindern oder reduzieren, da haben die Unfallärzte natürlich Recht.

    Ärzte und Statistik😈

    Die Ärzte übersehen, dass die Helmquote ihrer Unfallopfer nicht groß anders ist als die Helmquote der exponierten Grundgesamtheit auf der Straße - was nicht sein darf, wenn der Helm tut was er angeblich soll. Ebenso ist den Ärzten entgangen, dass die Quote der Todesursache „Kopfverletzung“ an allen Todesursachen bei Radfahrern heute trotz 45% Helmquote noch exakt so ist wie zu Beginn der 90er Jahre, als noch niemand Helm trug. Auch das dürfte nicht sein, wenn man von einem Netto-Nutzen der Helme ausgeht.

    Dass es aber bereits an der für besondere Schutzmaßnahmen erforderlichen besonderen Gefährdung für Radfahrerköpfe mangelt, hatte ich oben ja schon gesagt.

    Bei deinem Beitrag bleibt unklar: Sprichst du dich für eine Helmtragepflicht für alle Fahrradfahrer*innen aus, oder forderst du die Rücknahme der Helmtragepflicht bei der Tour de France und anderen Fahrradrennen? Und möchtest du auch für Motorradfahrer*innen die Helmtragepflicht aufheben?

    Ich fordere in erster Linie den Ausstieg aus dem Angstkampaigning.

    Radfahren ist als aktive Tätigkeit viel zu gesund, als dass man Menschen mit dem zur Helmwerbung zwingend erforderlichen Grusel-Kopfkino-Theater vergraulen dürfte. Es ist außerdem als Tätigkeit für den Kopf (und nebenbei gesagt: auch für die restlichen Verkehrsteilnehmer!) viel zu ungefährlich, als dass man Radfahrern ein lästiges Utensil überhelfen sollte, das man bei anderen Alltagstätigkeiten gleichen Risikos auch nicht zu brauchen glaubt. Zumal dessen Nettowirkung nach Verrechnung von Schutzeffekt und Risikokompensation so dünne ist, dass am Ende auf der Bevölkerungsebene nicht mehr als ein Nulleffekt verbleibt.

    Es ist übrigens eindeutig erwiesen, dass -seit Motorradfahrer Helmpflicht haben- die tödlichen Fahrradunfälle deutlich zurückgegangen sind. Vorsicht mit Korrelation und Kausalität.:evil:

    Schließlich fahren die 30 bis 40 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit zum Teil über mehrere Stunden. Und bei Abfahrten werden Spitzengeschwindigkeiten nahe an die 100 km/h erreicht.

    Für den Impact auf den Kopf ist die horizontale Komponente des Kräfteparallelogramms unerheblich. Der Effekt auf den Kopf resultiert aus der vertikalen Komponente, die wiederum bei langsamer Fahrt nicht anders ist als bei Rennradtempo oder bei einem MotoGP-Rennmotorrad. Wenn überhaupt, haben Rennradfahrer aufgrund ihrer gebückten Position bessere Karten beim Sturz, weil die Erdbeschleunigung auch nur entsprechend kürzer auf den Körper einwirken kann.

    hier ist von Rechtsabbieger die Rede:

    Hier die Unfallstelle, beide Kontrahenten kamen aus der Blickrichtung heraus auf die Kreuzung zugefahren. Sowohl die Industriestraße als auch der Arm gegenüber sind kurz hinter der Kreuzung jeweils mit einer Ortseingangstafel gekennzeichnet (Ergolding bzw Landshut). Die B299 selbst scheint demnach außerorts zu liegen, da zudem bis ins Freiland im Straßenverlauf keine Ortsausgangstafel (bzw Eingangstafel in der Gegenrichtung) mehr steht.

    Preisfrage: bestand hier nach StVO für den LKW-Führer Pflicht zum Abbiegen mit Schrittgeschwindigkeit?:/ (Disclaimer: ja, ich weiß, das ist in der Praxis irrelevant).