Woche vom 23.11. bis 29.11.

  • Hier im Landkreis werden jetzt frische Bäume abgeholzt, damit Mountainbiker nicht fahren können. Ich verstehe beide Seiten in gewisser Weise, bin aber gerade im hier beschriebenen Fall deutlich auf der Seite der Mountainbiker:


    https://www.br.de/nachrichten/…ege-zu-blockieren,SH5HQJE


    Und können wir das nicht einfach dadurch lösen, dass Grundeigentümer von einer Haftung für nicht vom Grundeigentümer errichteten Anlagen entbunden werden? Fertig, danke?

  • Und ich dachte das wäre der Fall aus Hamburg-Bergedorf. Scheint wohl überall das Thema zu geben.

    Also wenn ich auf einem Trampelpfad abseits der "offiziellen" Wege durch den Wald gehe und mir dort ein Ast auf den Kopf fällt, dann haftet der Waldbesitzer?

    Wenn ich das richtig lese muss man um sich der Haftung zu entziehen als Waldbesitzer sich nur "bemühen" die Schanzen unbrauchbar zu machen, obwohl man genau weiß, dass dann schnell wieder andere Routen genutzt werden. Ist ja eigentlich kontraproduktiv, da dann ja noch mehr Waldfläche "genutzt" wird.

    Müsste es nicht reichen, solche Wege mit einem Schild als "verboten" zu kennzeichnen?

  • Also wenn ich auf einem Trampelpfad abseits der "offiziellen" Wege durch den Wald gehe und mir dort ein Ast auf den Kopf fällt, dann haftet der Waldbesitzer?

    Soweit ich weiß, normalerweise nicht.


    Das ist ein historischer Kompromiss: Die meisten Wälder sind Privateigentum. Trotzdem ist der Allgemeinheit gestattet, sie zu begehen. Im Gegenzug ist die Haftung eingeschränkt.

    Müsste es nicht reichen, solche Wege mit einem Schild als "verboten" zu kennzeichnen?

    Das Problem ist, dass dann wieder jemand anderes solche Schilder als reines Lippenbekenntnis missbrauchen könnte.


    Beispielsweise der Betreiber eines Kiosks in der Nähe der Strecke. Der Graubereich ist riesig.


    Und wenn dann jemand stürzt, findet sich bestimmt irgendein Anwalt, der vor Gericht argumentiert, dass die Strecken zur Tourismusförderung stillschweigend geduldet wurden. Und mit etwas Pech für den Staat findet sich sogar ein Richter, der dem folgt.

  • spricht rechtlich eigentlich etwas dagegen, wenn Gemeinden an geeigneter Stelle (Rettungswege, Eigentumsverhältnisse) einen MTB-Bereich ausweisen?


    Ich mein:

    nach dem Aufkommen von Skatebords bekamen wir Skateanlagen.

    Mit dem Hype um Slacklines gab es plötzlich Slackline-Pfosten auf/in Grünflächen

  • Bei uns in der Gegend wird die Haftung des Waldbesitzers gerade diskutiert. Es gab hier von ein paar Tagen einen fiesen Unfall, wo ein Baum auf einem asphaltierten Waldweg auf einen 12-jährigen Jungen gestürzt ist.

    https://rp-online.de/nrw/staed…lebensgefahr_aid-54679985


    Aktuell wird untersucht wie die Wurzel des umgestürzten Baum war, und - nachdem weitere umsturzgefährdete Bäume ausgemacht wurden - ob das ein fahrlässig war, oder einfach ein nicht vorhersehbarer Sturmschaden eingetreten ist.


    Der Junge liegt immer noch in kritischem Zustand im KH.

  • Zitat von § 836 BGB

    (1) Wird durch den Einsturz (...) eines anderen mit einem Grundstück verbundenen Werkes oder durch die Ablösung von Teilen (...) des Werkes ein Mensch getötet, der Körper oder die Gesundheit eines Menschen verletzt oder eine Sache beschädigt, so ist der Besitzer des Grundstücks, sofern der Einsturz oder die Ablösung die Folge fehlerhafter Errichtung oder mangelhafter Unterhaltung ist, verpflichtet, dem Verletzten den daraus entstehenden Schaden zu ersetzen. Die Ersatzpflicht tritt nicht ein, wenn der Besitzer zum Zwecke der Abwendung der Gefahr die im Verkehr erforderliche Sorgfalt beobachtet hat.

    und

    Zitat von § 94 BGB

    (1) Zu den wesentlichen Bestandteilen eines Grundstücks gehören die mit dem Grund und Boden fest verbundenen Sachen, insbesondere Gebäude, sowie die Erzeugnisse des Grundstücks, solange sie mit dem Boden zusammenhängen. Samen wird mit dem Aussäen, eine Pflanze wird mit dem Einpflanzen wesentlicher Bestandteil des Grundstücks.

    sind recht eindeutig. Der BGH lässt jedenfalls den Baumbesitzer haften.

  • Schild aufstellen, Radweg fertig, alle stolz: Radweg an der Saarstraße fertig


    Wenn der 2,5 Millionen Euro teure Umbau in etwa so weitergeht, wie auf dem Bild zu erkennen, gewinnt mal wieder nur der Kraftverkehr, der auf der Fahrbahn freie Fahrt genießt. Radfahrer und Fußgänger können derweil auf dem untermaßigen gemeinsamen Fuß- und Radweg aneinander geraten.


    Und gleich nächste Woche lesen wir dann beim Hitradio, dass sich der Seniorenbeirat ganz zu recht beschwert.

  • Sind Radstreifen außerorts nun sinnvoll oder nicht?

    Eine fünfjährige Studie in Niedersachsen wird abgebrochen, obwohl es kein klares Ergebnis gibt.

    Meine Vermutung ist, dass es nicht gewollt ist, dass Radfahrer auf der Fahrbahn fahren auch nicht wenn dort ein Radstreifen ist.

    https://www.ndr.de/nachrichten…tfernen,ndrinfo11550.html

    Leider ist die Sendung nur bis 4.12.2020 sichtbar, also beeilen.

  • Eben, kein klares Ergebnis, das lässt an der Sinnhaftigkeit zweifeln.

    Überraschend ist aber m.E., dass hier in Baden-Würstchenberg erst vor paar Monaten ähnliche Versuche gestartet wurden an abgelegenen Landstr., alle etwas zu weit weg für mich ...

  • Die Sinnhaftigkeit ist aus Sicht der Radfahrenden ganz klar gegeben. Denn die Radfahrerkolleg*innen vor Ort haben eine Initiative gegründet, die sich für den Erhalt der Fahrradstreifen außerorts stark macht. Darin sehe ich ein eindeutiges Indiz dafür, dass der Erhalt der Fahrradstreifen aus Sicht der betroffenen Radfahrer Sinn macht.

    Warum das Bundesverkehrsministerium den Versuch bereits nach 5 Jahren abgebrochen hat? Darüber kann man spekulieren. Gut möglich, dass das Bundesverkehrsministerium deshalb den Versuch abgebrochen hat, weil die Radfahrstreifen bei den Radfahrern gut ankamen: "Seit der Fahrradstreifen da ist, ist es sehr viel entspannter zu fahren ..." (Minute 0.36) oder "Niedersachsen will das fahrradland Nummer Eins werden. Das die Fahrradstreifen jetzt entfernt werden, ist ein Rückschritt für das werdende Fahrradland Nummer Eins." (Minute 0:50) Zitate von betroffenen Radfahrer*innen aus dem NDR-Beitrag https://www.ndr.de/nachrichten…tfernen,ndrinfo11550.html

  • "Die Schutzstreifen auf der K 641* würden von den Leuten in Heckenbeck und Bad Gandersheim sehr gut angenommen, sagt Ulrich Schäfer. Die Radler fühlten sich dort sicherer. Schäfer ist Sprecher einer kleinen Gruppe von Aktivisten mit dem etwas sperrigen Namen „Bürgerinitiative für den Erhalt der Fahrradschutzstreifen entlang der K6 41“." zitiert aus taz vom 19.9.2020:

    "Fahrradstreifen erfolgreich abgewickelt"

    https://taz.de/Fahrradstreifen…ich-abgewickelt/!5711186/


    Und die Radler fühlen sich dort nicht nur sicherer, sondern sie fahren dem taz-Bericht zufolge dort auch sicherer: "Obwohl die Zahl der Unfälle zurückgegangen ist, will das Bundesverkehrsministerium das Modellprojekt beerdigen", heißt es in dem angegebenen Artikel.


    * in dem taz-Artikel geht es um dieselbe Straße wie in dem bereits weiter oben verlinkten NDR-Bericht. https://www.ndr.de/nachrichten…tfernen,ndrinfo11550.html


    Wenn sich da eine Anzahl Fahrradfahrer vor Ort für eine gute Radverkehrsinfrastruktur stark macht, warum sollte ich denen gleich unterstellen, sie könnten nicht zwischen echter Sicherheit und "gefühlter" Sicherheit unterscheiden.


    Aber selbst wenn man den Eindruck hat, dass da die Fahrradaktivisten vor Ort sich für eine problematische Radverkehrsinfrastruktur aussprechen, dann sollte man doch wenigstens sichere und umsetzbare Alternativen benennen können. Dem taz-Bericht zufolge passiert jetzt folgendes: "Und wenn es nach dem Bundesverkehrsministerium geht, sollen sie (die Fahrradschutzstreifen) ganz verschwinden – und Autos sollen dort, auf der Kreisstraße 641 zwischen dem Dörfchen Heckenbeck und der kleinen Stadt Bad Gandersheim, wieder schnell fahren dürfen." Das ist mal ganz sicher erstens kein Sicherheitsgewinn und zweitens wird es absehbar dazu führen, dass dort weniger Radfahrer lang fahren werden.

  • Wenn sich da eine Anzahl Fahrradfahrer vor Ort für eine gute Radverkehrsinfrastruktur stark macht, warum sollte ich denen gleich unterstellen, sie könnten nicht zwischen echter Sicherheit und "gefühlter" Sicherheit unterscheiden.

    Schutzstreifen sind keine Infrastruktur.

    So wie Lebensmittel mit "light" auch nicht gesund sind.


    Du gehst davon aus, dass die Schutzstreifen "gut" sind.

    Aus dieser Perspektive betrachtet ist "Schutzstreifen weg" natürlich: nicht gut.

    Nachvollziehbar. Aber die Ausgangssicht ist schon voreingenommen.


    Dem taz-Bericht zufolge passiert jetzt folgendes: "Und wenn es nach dem Bundesverkehrsministerium geht, sollen sie (die Fahrradschutzstreifen) ganz verschwinden – und Autos sollen dort, auf der Kreisstraße 641 zwischen dem Dörfchen Heckenbeck und der kleinen Stadt Bad Gandersheim, wieder schnell fahren dürfen." Das ist mal ganz sicher erstens kein Sicherheitsgewinn und zweitens wird es absehbar dazu führen, dass dort weniger Radfahrer lang fahren werden.

    Am "wieder schnell fahren" sind nicht abgekratzte Schutzstreifen schuld.



    Im Übrigen finde ich es grenzwertig, wenn "Fahrradstreifen" geschrieben wird und "Schutzstreifen" gemeint sind.

  • Und die Radler fühlen sich dort nicht nur sicherer, sondern sie fahren dem taz-Bericht zufolge dort auch sicherer: "Obwohl die Zahl der Unfälle zurückgegangen ist, will das Bundesverkehrsministerium das Modellprojekt beerdigen", heißt es in dem angegebenen Artikel.

    Der entscheidende Faktor an der Sache dürfe der Umstand sein, dass bei Markierung der Streifen obligatorisch auch Tempo 70 angeordnet werden muss. Welchen positiven/negativen Einfluss die Markierung von Fahrradfirlefanz gehabt hat, können wir leider gar nicht wissen, weil es an systematisch untersuchten Vergleichsstrecken nur mit Limit fehlt.

  • Wenn sich da eine Anzahl Fahrradfahrer vor Ort für eine gute Radverkehrsinfrastruktur stark macht, warum sollte ich denen gleich unterstellen, sie könnten nicht zwischen echter Sicherheit und "gefühlter" Sicherheit unterscheiden.

    Hanlon's Razor. Ich möchte an das Gute im Menschen glauben. Den Zynismus, Menschenleben für Partikularinteressen zu opfern, unterstelle ich nur dem ADFC, weil Stork sich auf Twitter verplappert hat.

    Aber selbst wenn man den Eindruck hat, dass da die Fahrradaktivisten vor Ort sich für eine problematische Radverkehrsinfrastruktur aussprechen, dann sollte man doch wenigstens sichere und umsetzbare Alternativen benennen können.

    Mischverkehr, sicher und aus dem Stand umsetzbar.

    … und zweitens wird es absehbar dazu führen, dass dort weniger Radfahrer lang fahren werden.

    Und wieder das unbelegte ADFC-Dogma.