Hamburg - Unfälle mit Radfahrern

  • POL-HH: 210914-1. Verkehrsunfall mit einem lebensgefährlich verletzten Fahrradfahrer in Hamburg-Lurup
    Hamburg (ots) - Unfallzeit: 13.09.2021, 14:05 Uhr; Unfallort: Hamburg-Lurup, Böttcherkamp/Binsenort Montagnachmittag wurde ein Fahrradfahrer nach einem…
    www.presseportal.de

    Abbiege-Unfall in Hamburg -Radfahrer lebensgefährlich verletzt
    Wieder ist ein Radfahrer bei einem Unfall mit einem abbiegenden Auto schwer verletzt worden. Am Montagmittag kam es in Lurup zu einen folgenschweren Unfall.…
    www.mopo.de


    Zitat

    ... kam es bei diesem Abbiegevorgang zum Zusammenstoß mit einem 46-jährigen Fahrradfahrer, der den Gehweg des Böttcherkamps ebenfalls in Richtung Bornheide befuhr und in diesem Moment den Binsenort kreuzte.

    Durch die Kollision stürzte der Fahrradfahrer und erlitt eine lebensgefährliche Kopfverletzung. Nach der Erstversorgung durch eine Rettungswagenbesatzung wurde der Mann unter notärztlicher Begleitung in ein Krankenhaus gebracht. Bei ihm besteht weiterhin Lebensgefahr.

    Die Spezialisten des Verkehrsunfalldienstes Innenstadt/West übernahmen die Unfallaufnahme und leiteten gegen die Mercedes-Fahrerin ein Ermittlungsverfahren ein.


    Gehweg? Radweg? Streetview von 2009:


    Google Maps
    Find local businesses, view maps and get driving directions in Google Maps.
    www.google.de


    Google Earth Pro von 2019 ist undeutlich.

    Aber die Entfernung des parallelen Weges von der Bordsteinkante der Fahrbahn ist für solche Unfälle ideal - und entspricht dem in Darmstadt hochgelobten "Dutch Design" ...

  • Relevant wäre die Kreuzung vorher, wo beim [url=https://www.google.de/maps/@53.5894918,9.8677152,3a,75y,340.42h,90t/data=!3m7!1e1!3m5!1sAaRcJ7gwQ5Xt2D-oGAc5qw!2e0!6shttps:%2F%2Fstreetviewpixels-pa.googleapis.com%2Fv1%2Fthumbnail%3Fpanoid%3DAaRcJ7gwQ5Xt2D-oGAc5qw%26cb_client%3Dmaps_sv.tactile.gps%26w%3D203%26h%3D100%26yaw%3D348.07806%26pitch%3D0%26thumbfov%3D100!7i13312!8i6656]2009er Streetview[/url] noch kein Kreisel war und die ehem. getrennten Geh-/Radwege der Flurstr. zu "Gehweg, Schleichradler frei" umgeschildert wurden, die des Böttcherkamps aber, trotz Tempo-30-Zone in relevanter Richtung, aber nicht, waren also, auch dank Furten "vollwertige" *hüstel" Radwege, wenn auch ohne Schild ohne Benutzungspflicht. Bei Mapillary gibt's keine brauchbaren Bilder in der Ecke. Nach Google Luftbildern ist der Knoten mit der Flurstr. aber nun verkreiselt mit Zebras, wobei man zumind. ostwärts noch alte rote Radwege sieht ... Der rechtliche Zustand könnte knifflig sein ...

  • Müsste ein holländisches Kreuzungsdesign nicht so aussehen:


    Die markanten Haifischzähne fehlen völlig auf der google-streetview-Aufnahme. Und vermutlich ist das Verkehrsaufkommen und die Bedeutung der Straße zu gering für Radwege und ein holländisches Kreuzungsdesign.

  • Mal abgesehen von der Tatsache, dass, soweit ich das bis jetzt beobachten konnte, in den Niederlanden alle Arten und Unarten von Kreuzunggsdesign vorhanden sind, wie bei uns auch, ist das, was da bei uns als "holländische Lösung" verkauft wird nicht von Haifischzähnen abhängig, sondern es geht um das deutliche zurücksetzen der Geh- und Radwege inkl einer "Eckeninsel". Um maximal schlechte Sicht auf die schwächeren Verkehrsteilnehmer zu verwirklichen.

    Konnte in "Holland" da auch keine besondere Häufung feststellen, aber erstens bin ich da nicht sehr oft in den Niederlanden unterwegs gewesen, dann sogar meistens in Holland, ab und an in Venlo und Eindhoven.

  • Muss ich passen, aber eine konfliktfreie Ampelschaltung habe ich von der "ich baue eine Kreuzung nach Holland-Art"-Fraktion bis jetzt nicht wirklich vernommen.


    Dann bräuchte man ja auch nicht umbauen, mit guter Ampelschaltung gäbe es die Probleme gar nicht, aber die Leistungsfähigkeit der Kreuzungen sinkt halt drastisch.

    Und das will ja auch keiner. Lieber Autofahrer, die Halsgymnastik machen und so 180° Blickfeld erreichen.

  • Tatsächlich ist mir ein Fall hier aus Kiel bekannt, bei dem Abbiegerampeln eingerichtet wurden, um die Phasen zwischen Rad-Geradeaus und Kfz-Rechtsabbieger zu trennen. Bleibt aber die Ausnahme. In NL gibt es das zumindest gefühlt häufiger, aber auch eben nicht immer.


    Das bringt natürlich an nicht-signalisierten Kreuzungen (, welche die Mehrheit sind) nix. Im Idealfall wird der Radweg abgerissen. Wenn nicht, dann bringen auch die Verschwenkungen wenig, wenn Kfz trotzdem im dritten Gang um die Kreuzung kommen.


    Ich bin sowieso dafür, nicht Radwege zu verschwenken/abzusetzen, sondern die Fahrbahn. Soll doch der MIV um die Kreuzung kurven.

    (Aber nicht in diesem Fall. Dieser "Radweg" gehört restlos entsorgt)

  • Ist das angebliche niederländische Kreuzungsdesign nicht eigentlich Geometrie UND andere konfliktfreie Ampelschaltung, wovon in Schland vermutlich nur die ausbremsende Geometrie übrig bleibt?

    So ganz genau darf man da nicht hingucken. Unbedeutende Details wie etwa Ampeln stören auf den hübsch gestylten Musterlösungen nur. Dafür tauchen gerne schonmal handwerkliche Schnitzer wie 50cm schmale Mittelinseln auf. Rechts abbiegen darf man den Pfeilen zufolge auch nur aus 2 der 4 Kreuzungsarme. :evil:



    Abgesehen davon entstehen die vermeintlich schützenden "Inseln" allein dadurch, dass der Radweg auf Fahrbahnniveau bleibt, wodurch sich auf der Innenseite der Linse eine 2. Bordsteinkante ergibt. Von der für die Sicherheit entscheidenden Fahr- und Sichtlinie her ist der Radwegverlauf aus der Vogelperspektive betrachtet aber absolut identisch zu dem, was man auch bei unzähligen deutschen Prä-80er-Jahre-Kreuzungen noch findet.

  • So ganz genau darf man da nicht hingucken. Unbedeutende Details wie etwa Ampeln stören auf den hübsch gestylten Musterlösungen nur. Dafür tauchen gerne schonmal handwerkliche Schnitzer wie 50cm schmale Mittelinseln auf. Rechts abbiegen darf man den Pfeilen zufolge auch nur aus 2 der 4 Kreuzungsarme. :evil:

    Dadurch, dass die Radwege auf Fahrbahnhöhe sind, braucht man Rollirampen, aber deren Einbau hat man in der Skizze irgendwann aufgegeben, weil sie so viel Platz vom Gehweg fressen, dass Rollis auch dann ins Loch abbiegen, wenn sie das gar nicht wollen ... :evil:

    Abgesehen davon entstehen die vermeintlich schützenden "Inseln" allein dadurch, dass der Radweg auf Fahrbahnniveau bleibt, wodurch sich auf der Innenseite der Linse eine 2. Bordsteinkante ergibt. Von der für die Sicherheit entscheidenden Fahr- und Sichtlinie her ist der Radwegverlauf aus der Vogelperspektive betrachtet aber absolut identisch zu dem, was man auch bei unzähligen deutschen Prä-80er-Jahre-Kreuzungen noch findet.

    Eben.

    Ich weiß nicht, ob ich es hier schon mal erzählte.

    Als ich Anfang 2016 die Wohnung meiner Mutter in Bremerhaven (hinterm Hbf) auflöste, erzählte mir die ältere Nachbarin mal, dass sie mal mit ihrem Mann radend heimfuhr, er ein Stückchen hinter ihr, aber dass sie ihn bei Ankunft daheim vermisste.

    Er blieb "dank" eines Rechtsabbiegers unfreiwillig die vorletzte Ampelkreuzung davor zurück, die von West nach Ost fahrend voll 80er geometrisch einer NL-Kreuzung stark ähnelt ...

    --> Krankenhaus. Als ich in BHV fertig war, war er zum Radeln noch nicht wieder genügend hergestellt ...

    In BHV sind fast alle Radwege entschildert, mir konnte da also nix passieren, aber mit um die 80 ... *seufz*

  • Ich finde auf diesen Skizzen immer das Argument "Sichtbeziehung" faszinierend. Oben auch wieder. Wie soll der Autofahrer oben einen Radfahrer sehen, der sich noch am Zebrastreifen befindet?

    Genau dort ist ein echter toter Winkel, den man nur mit üblen Verrenkungen einsehen kann.


    Ich stand vor ein paar Jahren mal in ähnlich schlechtem Winkel mit dem Auto hier an der südlichen Ausfahrt (im Dunkeln). In der Anfahrt habe ich einen Radfahrer überholt. Also habe ich angehalten, um ihn durchzulassen. Er kam aber nicht. Ich habe mehrere Sekunden gebraucht, ihn zu finden: er hatte wenige Meter neben mir an einer roten Ampel angehalten. Und genau in diesem erbärmlich schlecht einsehbaren Bereich will dieses Konzept die Radfahrer führen.


    Für meinen Hintermann war die Situation hingegen offensichtlich. Er hat sich also gewundert, warum ich nicht weiterfahre und hat entsprechend ausdauernd gehupt.

  • Das mit der Sichtbeziehung mag gut gemeint sein. Das Ziel ist wohl, dass sich ein "geradeaus" fahrender Radfahrer eher im Sichtbereich eines rechts abbiegenden Autofahrers befindet, als wenn die Radspur parallel geführt wird (Schulterblick).

    Eine Gleichberechtigung von Auto- und Radverkehr für die Fahrtrichtung "geradeaus" ist dann aber aus meiner Sicht nicht mehr sicher.

    Am Punkt des möglichen Zusammentreffens ist für den Autofahrer der Abbiegevorgang praktisch abgeschlossen, und es wird bereits wieder beschleunigt. Wie soll ein Standard-Autofahrer dazu gebracht werden, quasi nach dem Abbiegen noch einmal anzuhalten, wenn der Radweg auf Fahrbahnniveau ist?

    Da kann man sich die zweiten Bordsteine gleich ganz sparen, die Radwegquerung sechs Meter in die Querstraße zurückverlegen und für den Radverkehr kleine [Zeichen 205] aufstellen.

  • Bitte Vorsicht bei dieser Argumentation, ich denke das ist einer der Fälle an denen unterschiedliche Kreuzungen nicht miteinander verglichen werden dürfen.


    Zwei theoretische Fälle:


    1) Typische Nürnberger Kreuzung: Verhältnis Auto zu Fahrrad etwa 100 zu 1, durchgängiger Strom an Autos, gelegentlich ein einzelnes Rad. Dann ist das obige Design sicher schlechter, weil der ankommende Radler eben aus dem "Spiegel" des Autos herausgeführt wird.


    2) hypothetisches Bild der Holländer: 100 Radler, 1 Auto. So lange ein durchgehender Strom an Radfahrern über diese Kreuzung schwankt, möglicherweise gar nicht alle Radler bei einer Ampelphase über die Kreuzung kommen, muss der Autofahrer um die Kurve, das Fahrzeug 90° drehen und dann anhalten. Danach sieht er tatsächlich besser, ob eine Lücke in der Rad-Kolonne auftaucht.


    Deswegen ist es auch so gruselig, wenn ein solches Design 1 zu 1 auf eine beliebige Kreuzung übertragen wird und dann jemand schreibt "in Holland gab es nach diesem Umbau weniger Unfälle".

  • Deswegen ist es auch so gruselig, wenn ein solches Design 1 zu 1 auf eine beliebige Kreuzung übertragen wird und dann jemand schreibt "in Holland gab es nach diesem Umbau weniger Unfälle".

    Es gibt in NL ja gar keine systematische Auswertung von Tote-Winkel-Unfällen in NL in Abhängigkeit von der Führungsform an der Kreuzung. Es gibt auch AFAICS keinen historischen wissenschaftlichen Diskurs mit entsprechend verbindlicher Festlegung in amtlichen Baurichtlinien über die beste Führungsform für Radfahrer an Kreuzungen. Da besteht AFAICS genau so eine örtlich und historisch unterschiedlich gewachsenes Durcheinander der Führungsformen wie hierzulande.


    Das BASt-Gegenstück SWOV hat zuletzt 2015 eine längere Erörterung über die Tote-Winkel-Problematik (Opfer-Zahlen darin bis 2013) veröffentlicht. Auf die Relevanz der Fahrlinie bzw. Schutzkreuzungen als Heilmittel wird dort genau Null mal (!) eingegangen.


    Was es aktuell gibt, ist eine Studie mit 1 Woche (!) Video-Verkehrsbeobachtungen vor/nach Umbau von Einzelkreuzungen, die anhand von Verhaltensanalysen und Zählung vermeintlicher "Close Shaves" zu der Auffassung gelangt ist, dass es weniger "Konflikte" nach Ausweitung der Verschwenkungen gibt. Abgesehen von den Fragen, ob man diese vermeintlichen Konflikte wirklich so ohne weiteres linear auf Unfälle und Tote hochrechnen kann, und ob eine Beobachtungen von vorwiegend PKW-Fahrrad-Konflikten zuverlässig Auskunft über die spezifischen Probleme mit abbiegenden Schwerlast-LKW geben können, ist anzumerken, dass diese Studie erst vor paar Wochen veröffentlicht wurde, und somit 3 Jahre *nach* dem Zeitpunkt erscheint, an dem die Nervensäge aus Darmstadt damit begonnen hat, arglosen deutschen Radwegfans sein Konzept der holländische Schutzkreuzung als lääängst etablierten "Best-Practice"-Standard in NL zu vermarkten.

  • Ich bin sowieso dafür, nicht Radwege zu verschwenken/abzusetzen, sondern die Fahrbahn. Soll doch der MIV um die Kreuzung kurven.

    Da bin ich auch dafür. Kannst Du bitte mal kurz darlegen, wie das funktionieren soll, ohne auch den Radweg zu verschwenken? Danke!


    ...Ich weiß nicht, ob ich es hier schon mal erzählte.

    Als ich Anfang 2016 die Wohnung meiner Mutter in Bremerhaven (hinterm Hbf) auflöste, erzählte mir die ältere Nachbarin mal, dass sie mal mit ihrem Mann radend heimfuhr, er ein Stückchen hinter ihr, aber dass sie ihn bei Ankunft daheim vermisste.

    Das muss ja wahre Liebe gewesen sein.


    Mit der Kreuzungsgestaltung wie oben wird es wohl nichts.

    Das grundlegende Problem sind nicht die Sichtbeziehungen, sondern die Wahrnehmungsfähigkeit des Autofahrers. Er hat im Kreuzungsbereich viele Dinge geistig zu verarbeiten:


    - Ampeln: Welcher Signalgeber gilt überhaupt für meine Fahrtrichtung?

    - Markierungen: Wo ist überhaupt meine Spur?

    - Verkehrszeichen: Was bedeuten die für mich in meiner konkreten Situation?

    - ggf. Wegweiser: Ist dort irgendwo mein Ziel mit aufgeführt?

    - Möglicherweise wirkt Werbung auf die Wahrnehmung des Autofahrers ein.

    - Nebenbei gibt es im Kreuzungsbereich Verkehrsaufkommen, auf das zu achten ist.


    Nachdem man das alles geschafft hat, biegt man rechts ab, und wenn es dann ein knirschendes Geräusch gibt, weiß man, was man vergessen hat. Warum wohl?


    Lösungsmöglichkeiten:


    - getrennte Signalisierung

    - Führung des Radverkehrs innerhalb der Fahrbahn zwischen Rechtsabbieger und Geradeausverkehr

    - konsequente Absetzung des Radweges, dann jedoch vorfahrtsrechtliche Unterordnung des Radverkehrs.

  • Lösungsmöglichkeiten:


    - getrennte Signalisierung

    Denkbar. Reduziert natürlich die Kreuzungskapazität, ob das also im Autoland akzeptabel ist. Selbst wenn man die Grünzeiten für Radler minimieren würde ...

    - Führung des Radverkehrs innerhalb der Fahrbahn zwischen Rechtsabbieger und Geradeausverkehr

    Theoretisch gut, aber in der Praxis nicht omatauglich, die trauen sich da nicht hin ...

    - konsequente Absetzung des Radweges, dann jedoch vorfahrtsrechtliche Unterordnung des Radverkehrs.

    Nicht omatauglich, die werden da völlig überfordert, die müssen dann an Vollkreuzungen nicht nur auf Verkehr von rechts und links achten, sondern auch auf Abbieger von vorne und von hinten.

    "Von hinten" ist übrigens der Grund, warum der heutige Fußgängervorrang des § 9 von einem Gericht irgendwann 50er Jahre an Ampelknoten "eingeführt" wurde begründet aus dem damaligen §-1-Äquivalent ... Später dann auf andere Kreuzungsarten und wohl auch Radler ausgeweitet.