Woche 22 vom 28. Mai bis zum 3. Juni 2018

  • Auszug aus obigem Streitgespräch:


    X: Dass die Radfahrer gut erkennbar sind, ist tatsächlich elementar. Deswegen unterstützen wir auch die Radfahrstreifen auf den Straßen. Viele fühlen sich auf den Hochbordwegen sicherer, das ist aber objektiv nicht der Fall. Sie werden schlechter an Kreuzungen gesehen, und es gibt dazu noch Konflikte mit Fußgängern.


    Lau: Wir fordern eine normale Fahrspur für Radfahrer auf den Straßen, wie es sie auch für Autos gibt. Es sind ja immer mehr Radfahrer unterwegs und immer mehr mit Lastenrädern, und Radfahrer müssen sich zudem gegenseitig gefahrlos überholen können. Heute ist es so, dass mit 50 Zentimetern Abstand Lkw mit Tempo 60 an Ihnen vorbeibrettern. Das ist hochgefährlich. Wenn mit Tempo 30 und 1,50 Metern Abstand überholt würde, wäre das ein großer Sicherheitsgewinn.


    Y: Stets eine Autospur für Radfahrer – das ist mitten in einer bebauten Stadt nicht machbar. Wir müssen die Belange aller Verkehrsteilnehmer berücksichtigen. Ich halte von so überzogenen Forderungen gar nichts.


    Frage an die Gemeinde:

    Wer von X und Y ist

    - Radverkehrskoordinatorin der Stadt Hamburg und ehemalige ADFC-Landesvorsitzende

    - ADAC-Vertreter

    ?

  • X ist jedenfalls offizielle ADAC-Meinung.

    Auf Radfahrstreifen muss man nicht mal einen Bordstein hoch :-)


    Im Ernst:

    1) Die, die es wissen wollen, wissen, dass Radfahrstreifen sicherer sind als Hochbordradwege, dass sich objektive und subjektive Sicherheit unterscheiden. Das gilt selbst für den ADAC. Vom ADFC hört man so etwas nicht. Es würde ja möglicherweise zu weiteren Fragen führen. Die es dann wissen wollen, wissen, dass Mischverkehr noch sicherer ist.

    2) Das habe ich aber selbst vom ADAC noch nicht vernommen. Sie begrüßen, ja unterstützen, dass wenigstenns irgendeine Radverkehrtinfrastruktur vorhanden ist. Das sollte nach meiner Meinung, Radfahrern zu denken geben.


    3) Inzwischen denke ich soagr, dass der ADAC im Vergleich zum ADFC die besser Interessenvertretung für Radfahrer ist. Der neigt gelegentlich zur Rationalität und lässt immerhin das Kostenargument und eben eigenschränkt die Sicherheit gelten.

  • Das „zur Sache“ des ADAC zur Radwegebenutzungpflicht ist bekannt?

    ADAC - zurSache: Radwegebenutzungspflicht


    Ich habe meist einen Ausdruck davon dabei, als Rückseite zu einem hoffentlich höflich genug formulierten Anschreiben, um es den üblichen Verdächtigen hinterm Steuer mitzugeben (Aber nur, wenn der Radweg, den ich nicht benutze, nicht benutzungspflichtig ist.) Erspart lange Diskussion, die eh zu nichts führen.

    Ja, ich bin Kampfradler! Nein, ich fahre nicht aggressiv!
    Denn ich kämpfe mit den Waffen des Wortes, des Papiers und des Toners, meine Verbündeten sind die Regeln und Normen der StVO und VwV-StVO.


    Radfahren ist nicht gefährlich, Radwege schon!

  • Das „zur Sache“ des ADAC zur Radwegebenutzungpflicht ist bekannt?

    Die Position des ADFCs ist bekannt?

    Zitat von Matthäus

    An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Kann man denn Trauben lesen von den Dornen oder Feigen von den Disteln?

    Die Abschaffung der Benutzungspflicht ist erst nach hartem Drängen der verkehrspolitisch Interessierten in das Radverkehrtpolitische Programm aufgenommen worden. Nur was wurde danach getan? Der ADFC hat sich bejubeln lassen, weil er durch die Verbandsanhörung zur Senkung der gesetzlichen Hürden für die Anordnung der Benutzungspflicht (ausserorts und Radfahrstreifen) beigetragen hat. Zustimmung gab es auch schon vorher bei der praktischen Abschaffung der Hürden bei Schutzstreifen. Die Strategie dahinter scheint mir klar: Radverkehrtinfrastruktur bekommen wir leichter, wenn deren Zweck, dem Autofahrer freie, sichere Bahn zu gewähren, juristisch sichergestellt werden kann.

    Die Abschaffung der Benutzungspflicht steht in meinen Augen nur im Programm, weil es sonst zu viel Angriffsfläche geben würde. Inhaltlich lebt der ADFC das Gegenteil.


    Der ADAC scheint mir dagegen ehrlich.

  • Wenn der zu seiner Entlastung jetzt behauptet, die Karre hätte von selber so beschleunigt und lies sich nicht bremsen, sehe ich dunkle Wolken für Porsche heraufziehen.

    Könnten sich mit Toyota und Audi kurzschließen, wie teuer das in Amiland werden kann....

  • Eben auf Sueddeutsche.de gefunden (auch wenn es schon zwei Wochen alt ist):


    Mitten in ... Amsterdam

    Die Berliner Familie macht Urlaub in Amsterdam, der Stadt, die auf der ganzen Welt als Fahrradparadies bekannt ist. Wo alle Menschen entspannt auf blumengeschmückten Hollandrädern unterwegs sind und man nicht befürchten muss, dass einem ein Berliner Autofahrer erst die Vorfahrt nimmt und dann wüst hinterherschimpft. Als die Berliner Familie eine Straße überquert, rast eine junge Radlerin vorbei und zwar so, dass die Kinder beinah unter die Räder gekommen wären, hätten die Eltern sie nicht zurückgerissen. Freundlich (man ist schließlich im Urlaub, nicht in Berlin) weist die Berliner Familie darauf hin, dass ihre Ampel grün ist, die der Radfahrerin hingegen rot. Die Radlerin zischt: "But you are in Amsterdam!" Dann rast sie weiter, nicht ohne einem noch wüst hinterherzuschimpfen. So schnell wird man vertrieben aus dem Fahrradparadies.

  • Der »Langenhorner Bürger- und Heimatverein« hat eine Diskussion zum Thema »Konzept Langenhorn 2050« veranstaltet - Bürger konnten Wünsche zum Thema Verkehr äußern. Das Blättchen des Vereins zitiert einen Bürgerwunsch in Text und Bild.


    »Mehr Platz für Autos, ÖPNV ist überfüllt + katastrophal«


    Da fällt mir nur der Spruch von Einstein mit dem Universum und der menschlichen Dummheit ein ...

  • Mitten in ... Amsterdam

    Ich war in den letzten Tagen in Noordwijk an Zee. Samstag vormittag Ausflug nach Leiden: die Innenstadt quillt über von Menschen zu Fuß und Rad. Die Radfahrer halten nach Autofahrerart ungerührt drauf, wenn vom Bürgersteig aus Fußgänger den Radweg oder die Fahrbahn betreten. In einem Straßenkaffee mit Bestuhlung auf dem Bürgersteig bekam ich von einem der vorbeifahrenden Radler einen Hartschalenkoffer mit Karacho gegen meine Stuhllehne geschwungen.


    Eine beeindruckende Er-fahrung war der neue Radweg durch die Dünen die Küste entlang. Da wurde parallel zum alten Wanderweg ein separates, perfekt glattes Asphaltband mit ca. 3 m Breite angelegt. Anders als der Fußweg praktisch ohne nennenswerte Höhenunterschiede, und die wenigen engeren Kurven waren vorbildlich mit Warntafeln und Rüttelmarkierungen gesichert. Die Strecke wurde v.a. rudelweise von Radsportlern im Team-Einheitslook und von ältlichen Paaren auf Pedelecs benutzt. Man darf gespannt sein, wie der Weg auf Dauer mit der speziellen Dynamik des sandigen Untergrundes zurechtkommt.


    Sowohl bei der An- wie bei der Abreise sind wir über den Amsterdamer Autobahnring gefahren. Wenn dieser gigantische MIV-Lindwurm auf teils sechzehnspurigen Fahrbahnen das ist, was trotz maximal ausgereizter Radförderung am Ende an Autoverkehr doch noch übrigbleibt, dann ist die Fahrrad-gestützte Verkehrswende alles, aber keine Verkehrswende...

  • Dem letzten Absatz kann ich voll und ganz zustimmen. Erzähl das aber mal einem der neuen "Radaktivisten". Da wird gar nicht drauf eingegangen sondern schnell wieder auf die "Kinder"-Leier abgestellt. Eine der wichtigsten - wenn nicht gar die wichtigste Branche - in den Niederlanden ist die Logistik. Deshalb auch die weiterhin immensen Investitionen in Schnellstraßen und Autobahnen. Die hierdurch erforderlich werdenden, komplexen und teuren Brücken- und Tunnelbauwerke für den Radverkehr, werden dann als super Lösung für den Radverkehr verkauft, auf den die Welt neidisch blicken darf.

  • Rabiat auf ihren Wegen bestehnde Radler gab es schon vor Jahrzehnten in Konstanz. Aber nur so bekommt man es den Fußgängern beigebogen, die weißen Linien auf dem Hochbord zu beachten.

    Bei Rot über die Fahrradampel geht dagegen gar nicht. Auch nicht im Radlerparadies.