Helmpflicht

  • Hallo


    Grundsätzlich besteht ja keine Helmpflicht abgesehen bei Kindern. Ich wollte deswegen mal nachfragen. Ich bin letztens Fahrrad gefahren und meine kleine Tochter saß hinten im Fahrradanhänger. Dabei trägt sie auch ein helm, den hat sie aber dann irgendwann abmachen können ohne meines Wissens und dann hat das ein Polizist bemerkt an dem ich vorbei gefahren bin und mich angehalten. Er hat mich zwar nur darauf hingewiesen und mir direkt mal mit einem bussgeld gedroht. Helmpflicht

    Kann er das eigentlich???

  • Kann er, darf er aber nicht.

    Es gibt keine Helmpflicht für Radfahrende gleich welchen Alters.

    Ich verstehe auch nicht, wie du darauf kommst, Kinder müssten einen tragen. Dein Link erklärt doch in jeder 2. Zeile das Gegenteil.

    „Zeigen wir dem staunenden Ausländer einen neuen Beweis für ein aufstrebendes Deutschland, in dem der Kraftfahrer nicht nur auf den Autobahnen, sondern auf allen Straßen durch den Radfahrer freie, sichere Bahn findet.“ (Reichsverkehrsministerium, 1934)

  • Ich habe vor ein paar Jahren mal jemanden von der Straße aufgelesen, der mit Helm angefahren wurde. Einer der Helfer war zufällig Gesichtschirurg und konnte schon mal eine Gehirnerschütterung und einen Kieferbruch diagnostizieren. Immerhin ist wohl dank dem Helm die Brille heil geblieben.

    Egal ob vorn oder hinten, Kopfverletzungen sehen immer übel aus...


  • Ich finde es ist und bleibt ein Thema welches wirklich umstritten ist.

    ... durch Fussaufstampfen umstritten gehalten wird.


    Fahrradhelme kann man nicht rational begründen.

    1) Fangen wir mit der Gefährdung beim Radfahren an. Die ist schlicht und einfach nicht gefährlicher als andere Tätigkeiten oder Verkehrsteilnahmen, bei denen selbstverständlich kein Helm getragen wird. Warum das beim Radfahrern, damit meine ich nur beim Radfahren, anders sein sollte, kann ich nicht begründen.

    2) Mit Helm trägt man, wegen der Risikokompensation ein erhöhtes Risiko.

    3) Es ist immer noch nicht gelungen, den Schutz wissenschaftlich fundiert zu belegen, obwohl die Studien von teilweisen für den Helm sehr günstigen Fragestellungen ausgehen. Wenn der Helm schützt, macht er es minimal, sonst wäre die Schutzwirkung leicht nachzuweisen.

    4) ... keine Lust mehr, zu warm. Es wären auch noch jede Menge indirekten Auswirkungen zu nennen.


    Es bleibt also die Frage, warum der Fahrradhelm so vehement propagiert wird .... Der Schutz, kann es nicht sein.

  • Nicht dass ich alles gut fände, was aus den Niederlanden kommt. Ich hatte ja an anderer Stelle schon berichtet, dass die Niederlande für mich in Sachen vorbildliche Radverkehrsinfrastruktur einen Knacks bekommen haben.

    Aber es stimmt doch sehr nachdenklich, dass in Deutschland so vehement von Seiten der Ordnungskräfte und von verschiedenen anderen interessierten Seiten für den Fahrradhelm geworben wird, zum Teil sogar die Helmpflicht offen eingefordert wird. Und bei vielen, die sich für das Helmtragen beim Fahrrad fahren stark machen, kann man wohl davon ausgehen, dass sie nur aus taktischen Gründen nicht offen zugeben, dass es ihnen ganz recht wäre, wenn die Helmpflicht käme. Ebenso bei denen, die sich jetzt scheinheilig "erst mal" nur für die Helmpflicht bei bestimmten Gruppen stark machen. Zum Beispiel Kinder oder Pedelec-Radfahrer.

    In den Niederlanden dagegen gilt, dass auch Mopedfahrer bis 50 ccm und max. 45 km/h keinen Helm tragen müssen. Wenn das Radfahren tatsächlich so gefährlich ist, dann müsste das doch für das Mopedfahren erst recht gelten. Passieren denn in den Niederlanden deutlich mehr gefährliche Unfälle mit schweren Verletzungen bei den Mopedfahrern? Wird dort die Helmpflicht für Mopedfahrer diskutiert. Davon habe ich bisher noch nichts gehört.


  • Es ist halt das Einzige, das man propagieren kann, ohne sich wirklich um Lösungen zu kümmern.

    Lösungen wofür?


    Das ist eine wirklich interessante Frage, über die es sich zu sinnieren lohnt. Und in Anbetracht der Vehemenz, mit der die Helm-Apologeten den Helm rechtfertigen, müssen Helme eine wichtigen Zweck erfüllen, der aber nicht die Sicherheit sein kann, weil es da für Radfahrer keine signifikantes Problem gibt.

  • Passieren denn in den Niederlanden deutlich mehr gefährliche Unfälle mit schweren Verletzungen bei den Mopedfahrern? Wird dort die Helmpflicht für Mopedfahrer diskutiert. Davon habe ich bisher noch nichts gehört.

    Auf meiner Seite mit dem Risikovergleich D-NL habe ich als Plausibilitätscheck auch die Zahlen für Mofas u. Kleinkrafträder verglichen. Demnach gibt es einen noch sehr viel deutlicheren Nachteil der NL für diese Fahrzeuggruppe als bei Fahrrädern.

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    Der Risikovergleich steht und fällt mit der Bezugsgröße "Fahrleistung". Anders als bei Fahrrädern kann man bei Krafträdern wegen des obligatorisch vorhandenen Wegstreckenzählers jedenfalls diesen Parameter kaum in Zweifel ziehen. Als mögliche Gründe für den Unterschied kommen daher nur in Frage:

    Mofa-/Mopedfahrer werden wegen der fehlenden Helme in NL schwerer verletzt

    Mofas/Mopeds werden wg. der Helmpflicht in D für andere Fahrtzwecke genutzt

    Mofas/Mopeds werden wg. der Helmpflicht in D von anderen Fahrergruppen genutzt

    Mofa-/Mopedfahrer sind wegen der Pflicht/Erlaubnis zur Sonderwegbenutzung in NL stärker gefährdet

    Das Verhältnis (Mofas:Kleinkrafträder) ist in beiden Ländern unterschiedlich


    Hab ich was übersehen?

  • Die Landfläche in den Niederlanden ist als eng begrenzt anzusehen. Vielleicht empfindet man es dort als Entlastung, wenn ein gewisser Anteil Einwohner den tödlichen Abflug macht.

    In Deutschland ist man eher besorgt, es könnten die Deutschen aussterben. Da achtet man mehr auf jeden Einzelnen.


    Wer Ironie findet, darf sie behalten. Ich gehe mehr von Zynismus aus.

  • Mofa-/Mopedfahrer sind wegen der Pflicht/Erlaubnis zur Sonderwegbenutzung in NL stärker gefährdet

    Wie ist das eigentlich in Deutschland geregelt mit Pflicht/Erlaubnis?

    In den Niederlanden gilt, dass Mopeds mit blauem Kennzeichen außerhalb geschlossener Ortschaften auf dem Radweg fahren müssen. Innerhalb geschlossener Ortschaften dürfen sie das aber nicht. Da müssen sie die Straße benutzen. Mir ist allerdings auch ein solches Schild aufgefallen, dass ich aus Deutschland gar nicht kenne:


    Und wie ist das Schild in Deutschland zu verstehen, dass den Radweg für Mofas frei gibt. Entsteht daraus eine Plicht, den Radweg mit dem Mofa zu benutzen? So wie es früher ja mal eine Pflicht für Radfahrer gab, den Fußweg zu benutzen, wenn der mit dem Zusatz Radfahrer frei gekennzeichnet war?


    Könnte es sein, dass die Sonderwegbenutzungspflicht auch in Deutschland gilt, nämlich immer dann, wenn der Radweg außerorts mit dem Zusatz Mofas frei gekennzeichnet ist? Sind Radwege außerorts in Deutschland eigentlich sehr häufig so ausgeschildert wie auf dem zweiten Foto?

  • Zitat von § 2 Abs. 4 S. 6 StVO

    Außerhalb geschlossener Ortschaften darf man mit Mofas und E-Bikes Radwege benutzen.

    Man darf, man muss aber nicht.


    In den Erläuterungen zu Radwegschildern steht:

    Zitat von Erläuterungen zu Zeichen 237


    3. Ist durch Zusatzzeichen die Benutzung eines Radwegs für eine andere Verkehrsart erlaubt, (...)

    Daraus lese ich ebenfalls keine Benutzungspflicht, sonst stünde dort "angeordnet" oder so etwas ähnliches.

  • Innerorts sehe ich solche Schilder sehr selten, aber außerorts hängen sie noch massenweise.

    Das Zusatzschild ist seit der StVO von 2007 außerhalb geschlossener Ortschaften überflüssig, hier dürfen Mofas generell Radwege mitbenutzen. Eine Benutzungspflicht ergibt sich daraus aber nicht. Ebenso wenig igO, wo das Schild eine Freigabe anzeigt. Das wäre sonst auch verwirrend, wenn das Zusatzzeichen 'Mofa frei' eine andere Bedeutung hätte, als 'Fahrrad frei' bei Fußwegen.

  • Zum Thema Helme: Zwei meiner Jungs sind bis jetzt mit dem Rad bzw. Laufrad unterwegs. Es gab bis jetzt keinerlei Stürze, dafür bleiben aber beide des öfteren mit dem Helm an Ecken und Hauswänden hängen. Ich finde den vergrößerten Kopfumfang also selbst bei Kindern irgendwie kontraproduktiv...

    Ich selbst hatte bisher (35 Jahre Fahrpraxis) noch nie einen Unfall, bei dem es Kopfkontakt gegeben hätte.

    - Habe mir mit drei oder vier den Lenker in den Rachen gerammt: Helm hätte nichts genutzt.

    - Bin in der Schulzeit von einer abgelenkten Autofahrerin angekarrt worden: Nichts passiert, nur ein leichter Achter. Dafür ist ihr der Hintermann drauf g- - - Während dem Studium: Auf einem linksseitigen Radweg Fußweg (ich war auch mal unwissend und bequem) aus einer Seitenstraße angefahren. Leichter Achter, bin danach nicht wie geplant bis nach Hockenheim, sondern nach Heidelberg gefahren.

    - Einmal auf dem Heimweg von der Arbeit: Versucht, freihändig das T-Shirt wieder anzuziehen. An der Sonnenbrille hängen geblieben, im Blindflug in einem Maisfeld gelandet. Nichts passiert, weder mir noch dem Rad.

    Das mit dem Helm habe ich mal ein paar Tage ausprobiert, und fand es extrem nervig.