Woche 46 vom 15. bis 21. November 2021

  • Ich kann gar nicht soviel fressen, wie ich kotzen möchte. Widerlich.

    Bei zwei Punkten versagt die Rechtsprechung hier mal wieder:

    Den Begriff der konkreten Gefährdung haben sie ja schon bis zur Unkenntlichkeit entstellt, indem sie nur noch "Beinahe-Unfälle" als Gefährdung werten.

    Das Gericht legt jetzt selbst diese abstrus hohe Anforderung noch enger aus: einem Radfahrer während der Fahrt eine reinzuhauen und ins Schlingen zu schicken, wird nicht als "Beinahe-Unfall" gewertet. Das verstehe, wer will.


    Und dann die gefährliche Körperverletzung. Dabei exkludiert die Rechtssprechung anscheinend jegliche Folgen, die nicht zum direkten Kontakt gehören.

    Wenn ich also bei der Besichtigung einer Schlucht jemandem eine reinhaue und er deshalb wie von mir beabsichtigt herunter fällt, wird vor Gericht nur der Schlag gewertet, nicht der Sturz. Zumindest, wenn sie das genauso behandeln wie den Straßenverkehr.


    Das ist doch nur noch irre!

  • BaWü: Seniorinnen und Senioren können Führerschein gegen ÖPNV-Ticket tauschen

    https://www.spiegel.de/auto/ba…2d-469a-bd32-18f879cec571

    Habe den Artikel angeklickt und dabei einen interessanten Hinweis auf der verlinkten Seite zu einem anderen Spiegel-Artikel gefunden:

    "Mehr zum Thema: Risiken: Wie ziehe ich meinen Vater aus dem Verkehr, Herr Spannhorst?"

    Klickt man den Link, dann landet man auf einen kostenpflichtigen Artikel, den ich dann aber kostenfrei hier gefunden habe:

    https://magazin.spiegel.de/EpubDelivery/spiegel/pdf/142149761

    Darin heißt es unter anderem:

    "Ich glaube, wir müssen da Freiheit und Sicherheit abwägen. Außerdem gibt es Hinweise, dass in Ländern, in denen älteren Menschen das Autofahren verboten wird, die Fahrradunfälle zunehmen." (Spiegel 5/2016)


    Wenn das zutrifft, dann würde das bedeuten, dass die SeniorInnen das Fahrrad benutzen statt das Auto, wenn ihnen der Führerschein entzogen wird. Und dann bauen sie mit dem Fahrrad vermehrt Unfälle. Ganz am Ende des Spiegel-Artikels wird der ÖPPNV thematisiert: "Wir versuchen auch zu zeigen, dass es Alternativen zum Auto gibt, die Bahn zum Beispiel." (ebenda)


    Es müsste aber nach meiner Beobachtung im Bekannten und Verwandtenkreis eigentlich so sein, dass die Benutzung des ÖPNV (und des Fahrrades) das ganze Erwachsenen-Leben über ein Teil der regelmäßig gepflegten persönlichen Alltagskultur ist. Das verbessert erheblich die Chancen für einen Ausstieg aus der "automobilen Gesellschaft" im Alter, wenn es aus gesundheitlichen Gründen nahe liegt, nicht mehr Auto zu fahren und auch das Fahrrad fahren zunehmend schwieriger wird. Und natürlich gehört ein gutes ÖPNV-Angebot dazu. Vermutlich bedenken das zu wenige, bei der Wohnortwahl. Und leider wird auch vielerorts zu wenig von staatlicher Seite eingegriffen. Neubauwohngebiete beispielsweise dürften eigentlich nur dann zugelassen werden und nur mit einer so dichten Bebauung, dass ein auskömmlicher ÖPNV stattfinden kann. Und der muss dann auch eingerichtet werden. Und der darf nicht zu einem dauerhaften Hoch-Zuschussgeschäft werden.


    Dann klappt es auch besser mit der Benutzung des ÖPNV im Alter. Ein Jahresfreikarte für den ÖPNV dagegen ist für die meisten kein Anreiz zur dauerhaften Führerscheinabgabe. Besonders dann nicht, wenn kaum ÖPNV vorhanden, oder die Benutzung des ÖPNV nicht Teil der persönlichen Alltagskultur ist. Zumindest ist das meine Beobachtung in der Region Hannover wo es dieses Angebot Führerscheinabgabe gegen Jahresticket auch gibt: "Ab dem 1. April (kein Scherz!) startet der GVH nun eine Aktion für Senioren, die den Anreiz, auf Bus und Bahn umzusteigen, noch erhöht: Wer zur Zielgruppe gehört und dauerhaft auf seinen Führerschein verzichtet, bekommt die Seniorennetzkarte des GVH für ein ganzes Jahr geschenkt und kann damit zeit- und zonenunabhängig in der gesamten Region Hannover mobil sein." Üstra-Internetseite vom 31.3.2021

    Details


    Na immerhin wird durch dieses Angebot denjenigen, die ohnehin schon das Thema Autofahren ad acta gelegt haben, ein kleiner Bonus beschert. Auf den leider diejenigen keinen Anspruch haben, die ihr ganzes Leben schon autofrei und führerscheinfrei mobil waren. :(

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    oder besser in den YT-Strang, Malte ?

    „Zeigen wir dem staunenden Ausländer einen neuen Beweis für ein aufstrebendes Deutschland, in dem der Kraftfahrer nicht nur auf den Autobahnen, sondern auf allen Straßen durch den Radfahrer freie, sichere Bahn findet.“ (Reichsverkehrsministerium, 1934)

  • Dabei wird in der Grafik drunter auf Greenpeace hingewiesen als Datenquelle, Stand 2018. Dazu findet man bei Greenpeace

    Irgendwie widerspricht das den Daten, die man normalerweise so lesen kann. mit ~200 Toten im Jahr.

    Die "Studie" hatte ich mir genauer angesehen, als sie rauskam. Wie Die aufgefallen ist, die Zahlen sind einfach ... merkwürdig.


    Die Statistiken in den Niederlanden und Dänemark weisen (praktisch) keine Schwerverletzten sondern nur Tote aus. In den deutschen kommen auf 1 Toten Pi mal Daumen 10 Schwerverletzte. In den genannten Quellen ist das eindeutig so ausgewiesen. Obwohl sie mit den Zahlen gearbeitet haben, sie sich also angesehen haben müssen, ist das bei Greanpeace niemanden aufgefallen. Und das ist die positive Deutung. Greanpeace ist schlicht nicht neutral.


    Wobei hier von Toten pro Millionen Fahrten geschrieben wird, ich dachte eine gängige Größe sein pro Milliarden Kilometer.

    Risiken werden üblicherweise zeitlich normiert. Da die erwartete Zeit aber einen großen Einfluss auf die Wahl des Verkehrsmittels hat, hat sich die Normierung über die Anzahl der Wege eingebürgert. Dem liegt die Annahme zugrunde, dass man unabhängig vom Verkehrsmittel in etwas gleich lang unterwegs ist.

    Dass es auch aus anderen Gründen sinnvoll sein kann, liegt daran, dass mitunter der Anfang und das Ende den größten Teil zum Risiko beitragen. Wenn man erst auf der Autobahn ist, ist man relative sicher unterwegs, dort werden aber die Kilometer gerissen. Bei Flügen wird es noch deutlicher. Starts und Landungen dominieren beim Risiko extrem, wie weit man dazwischen fliegt, ist unerheblich. Das Spaceshuttle hat enorme, kaum vorstellbare Entfernungen zurückgelegt. Auf dieser Grundlage ist es das deulich sicherste Verkehrsmittel. Dennoch werden Austronauten angehalten, vor dem Start ein Testament zu machen. Bei 135 Flügen waren 2 tödlich verlaufende dabei.

  • 120 km/h statt erlaubter 70km/h: Philipp Amthor soll für 4 Wochen seinen Führerschein abgeben.


    Amthor: „Natürlich reklamiere ich dabei keine Sonderrechte auf zu schnelles Autofahren, aber es ist auch nicht unanständig, einen Bußgeldbescheid gerichtlich überprüfen zu lassen. Das steht jedermann zu. In jedem Fall gilt: Zu schnelles Fahren ist immer unnötig und sollte nicht relativiert werden.“


    Warum zahlt er dann nicht einfach das Bußgeld und gut ist? Irgendein Amigo wird ihn doch in den vier Wochen sicherlich fahren, oder er probiert es mal mit der Bahn.


    120 km/h in Tempo-70-Zone: CDU-Politiker Amthor soll Führerschein abgeben
    Weil er deutlich zu schnell gefahren sein soll, hat das Amtsgericht Pasewalk den CDU-Bundestagsabgeordneten verurteilt. Zu dem Prozess kam es, weil Amthor das…
    www.faz.net

  • 120 km/h statt erlaubter 70km/h: Philipp Amthor soll für 4 Wochen seinen Führerschein abgeben.

    Damit zeigt er Volksnähe. Jeden Sommer fahre ich durch seinen Wahlkreis. Dort gibt es sowohl viele Blitzer als auch vor jeder Wahl reichlich NPD-Plakate. Der Slogan "Gegen Blitzer-Abzocke!" gehört da zum Repertoire.


    Übrigens: In Pasewalk bin ich auch schon geblitzt worden. :( Aber nicht ganz so schnell wie er.

  • 120 km/h statt erlaubter 70km/h: Philipp Amthor soll für 4 Wochen seinen Führerschein abgeben.

    Alle Landstraßen mit Tempolimit 60 km/h ausstatten und in die Autos einen Intelligenten Geschwindigkeitsassistenten einbauen, der zuverlässig verhindert, dass das Fahrzeug über das geltende Tempolimit hinaus beschleunigt werden kann. Wenn Phillip Amthor schon gegen sein Fahrverbot klagen will, dann sollte er doch bitteschön so klagen, dass es auf eine Unterlassung der Verantwortungsträger in Politik und Verwaltung hinausläuft, weil die nicht schon längst den verbindlichen Geschwindigkeitsassistenten zur Pflicht gemacht haben.

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    In Minute 43:30 heißt es dann: Spaß haben und gleichzeitig mobil sein. Eigentlich ganz einfach, wenn es den Raum dafür gibt.

    Da ist den Filmemachern wohl ein Fehler unterlaufen, sie haben die falschen Filmaufnahmen ausgewählt. Denn es werden Fahrradfahrer*innen gezeigt. In Deutschland ist es aber so, dass diese Aussage, "Spaß haben und gleichzeitig mobil sein", nur für Autofahrer gilt. Leider. :(

    Deshalb hätten da eigentlich Bilder von der A9 bei Garching hingehört, hier eines das man auf Wikipedia findet:

    Autobahn – Wikipedia
    de.wikipedia.org


    Immerhin wird an einigen wenigen Stellen die enorme Flächen-Inanspruchnahme durch den Autoverkehr thematisiert. Aber leider, leider ist der Tenor, dass an schlechten Radverkehrsanlagen angeblich nur phantasielose Politiker Schuld seien. Dabei zeigt doch gerade der fehlende Radweg an der L168 in Sommerland (SWH), dass Problem. (Minute 7:01) Der Radweg an der vielbefahrenen Landstraße wird behördlich verweigert, weil dort die Autobahn 20 gebaut werden soll. Das ist nur konsequent, denn wer will schon auf einem Radweg an der Autobahn langfahren? Der Autobahnbau selbst aber wird nicht in Frage gestellt.

    Auch Tempo 100 auf der Landstraße wird zwar angesprochen (7:40), aber ebenfalls nicht grundsätzlich in Frage gestellt. Dabei könnte zum Beispiel Tempo 60 durchaus eine Verbesserung bringen.

  • Genau da stellt sich doch die Frage, ob der Fibsi tatsächlich so dämlich ist, noch dazu bei vorhandenem Foto. Als Person des öffentlichen Lebens.

    Ne, die stellt sich nicht. Da hat Pepschmier schon recht. Amthor kennt sein Wählerklientel gut genug, um zu wissen: Asozialität ist Konsens dort und kommt gut an, solange es gegen Minderheiten, Migranten, sozial Schwache oder abstrakte "die da oben" geht.


    Genau deshalb popularisiert der das.

  • Michael Haberland vom Verein "Mobil in Deutschland" hat das weiland genauso gemacht, als er gegen die Popup-Bikelanes in München geklagt hat: erst ganz großes Kino vor der Verhandlung und wichtigtuerisch in die Kamera lächeln, zur Verkündung des (ablehnenden) Urteils dann aber schon fahnenflüchtig geworden.

    Es ging ihm nur darum, seiner Klientel zu zeigen "schaut - ich tu was für euch gegen diesen 'Mist'". Und hinterher sagt er dann, er will in "Revision" gehen (erstmal käme die Berufung, aber gut, wer will sich in dieser Position schon mit rechtlichen Details aufhalten).

  • Weil ich gerade drüber gestolpert bin:

    FAZ zu Radverkehr


    Dabei wird in der Grafik drunter auf Greenpeace hingewiesen als Datenquelle, Stand 2018. Dazu findet man bei Greenpeace

    Irgendwie widerspricht das den Daten, die man normalerweise so lesen kann. mit ~200 Toten im Jahr.

    Ah, der alte Greenpeace-Hoax ist offenbar nicht totzukriegen.