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    Unfall in Brandenburg: Auto kracht beim Überholen in Mopeds - vier Tote

    Vor kurzem habe ich mir mal ein Video einer perfekt inszenierten AfD-Simson-Fahrt in Sachsen-Anhalt reingezogen. Da schwärmte der Spitzenkandidat doch vom individuellen Freiheitsgefühl, welches die Menschen trotz Willkürstaat (ich habe es mal übersetzt) früher auf ihren Mopeds hatten, und welches sie ihnen wieder zurückgeben wollen. Was genau er damit meinte (Vielleicht die Rückkehr des Willkürstaats?), blieb unklar.

    Aber angesichts solcher Unfälle könnte man fragen, ob sie sich nun für Tempo 80 auf Landstraßen einsetzen wollen. Das hätte zumindest einen Bezug zum "Wahlversprechen".

    Gib mir doch bitte einen Hinweis darauf, dass ich Tempo 70 außerorts okay fände.

    Ich kann mich sehr gut daran erinnern, dass ich mehrfach geschrieben habe, dass ich als Tempolimit außerorts 60 km/h okay fände, aber nicht Tempo 70.

    Okay, ich hatte so 60-70 km/h in Erinnerung. Jedenfalls weniger als die 80 km/h aus meiner Kindheit.

    Willst du damit sagen, dass der Überholer nur deshalb überholt hat, weil es ihn gestört hat, dass andere sich an Tempolimits halten?

    Ob es im konkreten Fall so war, kann ich nur vermuten. Aber Autofahrer, die sich generell an Tempolimits halten, können in der Regel einiges über das Unverständnis bis hin zum Drängeln anderer berichten.

    mh. mal abwarten, was bei rumkommt.

    Am Montagnachmittag war ich mal dort, habe keine den Unfall nachzeichnenden Markierungen auf der Straße gesehen. Am Dienstag habe ich den ehem. Vorsitzenden des Radverkehrsbeirats getroffen, er wusste auch nicht mehr, meinte aber, dass der Mobilitätsbeirat den endgültigen Unfallbericht bekommen wird.

    Da die Radfahrerin ja übersehen wurde, halte ich es nach wie vor am wahrscheinlichsten, dass sie gegen die Fahrtrichtung auf dem Gehweg unterwegs war. Was mir aber am Montagnachmittag auffiel: Weit überdurchschnittlicher Autoverkehr (Stau) auf der Kollegiengasse in Richtung Leutragraben. Das hing mit der temporären Sperrung des Fürstengrabens zusammen, die inzwischen aufgehoben ist, aber auch am Unfalltag bestand. Dadurch sind viele entlang der Unfallstelle gefahren, die dort eher nicht langkommen. Dort sind traditionell sehr viele Fußgänger unterwegs und queren dementsprechend selbstbewusst die Fahrbahn(hälften).

    Am nächstgelegenen Laternenmast befanden sich Blumen, Kerzen und ein Link zum Crowdfunding, welches die Cousine der Verunglückten gestartet hatte.

    Wo genau sie fuhr, wird ja nicht geschrieben-

    Laut Polizeimeldung auf dem Gehweg: "Zur gleichen Zeit querte eine 41-jährige Fahrradfahrerin die Einmündung der Kollegiengasse." Im Video des MDR sieht man das Hinterrad am rechten Rad des LKWs und die Gabel in der Mitte liegen. Sie muss also linksseitig gefahren sein.

    Wenn doch im öffentlichen Aufschrei nur die Gefährlichkeit des linksseitig neben der Fahrbahn Fahrens deutlich thematisiert würde ..

    Angesichts des Schadbildes an Rad und PKW, der Endlage des PKW weit links der Fahrbahmitte und der Lage der Unfallstelle am Ausgang der Kleingartenanlage am Ortsrand mit gepollertem Übergang zum jenseits der Fahrbahn gelegenen Radweg war es wohl eine gescheiterte Fahrbahnquerung.

    Sehe ich auch so. Auf dem Weg zum Radweg umgefahren, Gabel nach rechts weg gebogen, hinteres Schutzblech noch an Ort und Stelle, also von der Seite umgefahren. Die Uhrzeit passt auch dazu, dass er aus der Gartenanlage gekommen ist. So wie Windschutzscheibe und Dach aussehen, kann das Polizeiauto schneller als 70 km/h gewesen sein.

    Mein erster Gedanke beim Lesen der Meldung war, dass der Radfahrer auf dem Gehweg (linksseitig) gefahren ist.

    In Anbetracht der gewohnten Qualität der Pressemeldungen kann man nur sagen: "Nichts genaues weiß man nicht." :/

    Ich kann zumindest bezeugen, dass es am Montagabend dunkel und nass war; leichter Sprühregen. Ob der Radfahrer Licht an hatte, bleibt für uns im Dunkeln. ;)

    Wir würden (vollkommen zu Recht) das Opfer einfach nur nach Strich und Faden blamen.

    Im Prinzip Ja. Wenn man dort davor steht, denkt man: "Mann, der muss ja einen völligen Blackout gehabt haben." So etwa auch die Kommentare der drei Passanten, die mir beim Fotografieren zugeschaut haben. Dem Möbelmarkt einen Vorwurf zu machen, lag da erstmal fern.

    Aber zu sagen: "Der wollte schlau sein und abkürzen. Siehste was dabei rauskommt." liegt mir ebenfalls fern.

    Auch ich bin überrascht über die stattliche Zahl der geplanten Radwege. Das interessanteste sind vielleicht noch die feingliedrigen Prioritätsangaben in der Vorhabenliste.

    Mein Gegenvorschlag lautet ja immer noch: Eine große Säge besorgen und alle Autos der Länge nach durchschneiden. Die Beifahrerseite wird ja eh nicht benötigt und dass man auf 2 Rädern fahren kann, ist hinlänglich bewiesen. Kommt denn keiner bei euch auf die naheliegenden Ideen?

    Dank Deiner anschaulichen Formulierungen antworte ich inzwischen auf Beschwerden überholender Autofahrer gern mit: "Wenn Sie mehr Platz zum Überholen brauchen, müssen Sie Moped fahren." Ist nicht der schlechteste Einstieg ins Gespräch.

    stell dir vor, du arbeitest bei der Polizei und schreibst eine Pressemeldung zu einem tödlichen Fahrradunfall, bei dem der Radfahrer im Dunkeln eine Abkürzung über ein nicht weiter abgezäuntes Grundstück (Möbelhaus) nimmt und leider die ungesicherte Laderampe herunterstürzt.

    War vorhin auf dem Heimweg dort und habe mir die Stelle angesehen:

    Das weiß-rote Absperrband ist von der Polizei nach dem Unfall angebracht worden.

    Hier die Kante, die der 50-jährige Radfahrer gestern 16:30 Uhr hinabgestürzt ist:

    Beim Fotografieren traf ich eine Mitarbeiterin des Möbelmarkts. Sie sagte mir die Uhrzeit, und dass zwei Mitarbeiter erste Hilfe geleistet haben, leider ohne Erfolg. Der Mann hatte eine große Platzwunde am Kopf, ist also auf den Kopf gefallen. Insofern hätte ein Helm sein Leben möglicherweise gerettet. (Gleichwohl mir die unspezifische belehrende Formulierung im Polizeibericht zuwider ist.)

    Im Nachgang habe ich einer fahrradaktiven Bekannten davon berichtet, sie hat die Vermutung geäußert, dass die schlechten Bedingungen auf dem ungeplanten Ja-Nein-Vielleicht-Radweg nebenan diese "Flucht" über das Firmengelände begünstigt haben. Anstatt des von der Polizei vermuteten Abkürzens kann es sich also auch um ein Ausweichen gehandelt haben. Ich will morgen mal ein aktuelles Foto von der Haltestelle machen.

    Die Berichterstattung geht weiter:

    Ein schrecklicher Artikel, schon die Überschrift "offensiv freigeben .. für Radfahrer" missachtet die StVO. Dass dann (in einer Teilüberschrift und mit der Stimme des angeblich neutralen Verkehrsteilnehmers) den Radfahrern, die gemäß §2 StVO und aus Rücksicht ggü. Fußgängern auf der Fahrbahn fahren, unterstellt wird, §1 StVO zu missachten, ist der blanke Hohn. Wieder wird eine Haltung kultiviert, die Radfahrenden auf der Fahrbahn mangelnde soziale Kompetenz unterstellt und sie umso mehr zur Zielscheibe aggressiven Verhaltens macht.

    Dankbar bin ich aber für die Sachinformationen, die der Radverkehrsbeiratsvorsitzende Lutz Jacob eingebracht hat. Das war auch schon im ersten OTZ-Artikel der Lichtblick.

    Es gibt einige Straßen in Jena, wo aufgrund der KfZ-Verkehrsbelastung eine Separation von KfZ- und Radverkehr gemäß ERA vorgesehen wäre, aber aus Platzgründen entweder gar keine oder keine benutzungspflichtigen RVA existieren. Insbesondere an solchen Straßen betrachtet auch die Jenaer Polizei regelmäßig Gehwege als gem. Geh- und Radwege und bestärkt damit die Erwartung mancher Kraftfahrer, dass Radfahrer gefälligst "von der Straße verschwinden" sollen.

    Ich gehe nicht davon aus, dass die Frau gegen das Rechtsfahrgebot verstoßen hat. Indem sie dort auf der Fahrbahn gefahren ist, hat sie sich an die StVO gehalten. Gerade weil sie sich an die StVO gehalten hat, ist sie Opfer einer bzw. mehrerer Straftaten geworden.

    Die Pressemitteilung der Polizei steht dem begangenen Unrecht des Autofahrers kaum nach:

    LPI-J: Verkehrskonflikt eskaliert
    Jena (ots) - Am Sonntagabend befuhren eine Radfahrerin und ein silberfarbener PKW Mercedes in Jena die Kahlaische Straße stadtauswärts. Hierbei kam es…
    www.presseportal.de

    "Verkehrsrechtlicher Konflikt" als Euphemismus für Nötigung.

    Kein Wort darüber, dass sich die Radfahrerin hier korrekt an die StVO gehalten hat und der Autofahrer eine Straftat nach der anderen begangen hat.

    Schockierend!

    Zur Beiratssitzung bin ich erst später eingetroffen, weil die Unfallstatistik weiter hinten in der Tagesordnung stand. Habe also den Bericht der Frau verpasst und mich nur gefragt, zu welcher Gruppe die sympathische Frau gehört, die ich dort zum ersten Mal sah.

    Heute wird im Beirat die Unfallstatistik 2022 vorgestellt. Hier ein Schmankerl aus dem Polizeibericht:

    Der Beamte meint doch tatsächlich, dass [Zeichen 240] [Zusatzzeichen 1012-31] so weit von der Einmündung entfernt steht, dass alle Radfahrer innerhalb 5 m absteigen müssen. :/

    wirklich, die meldende Person sieht ein "Achtung Radverkehr" als "Verbot des Radverkehrs" an!

    Die Bürger unserer Stadt sind eindeutig traumatisiert von den Anti-Radfahrer-Kampagnen des Jenaer Nahverkehrs.

    Die Haltestelle Paradiesbahnhof ist mit 4 riesigen [Zeichen 254] zwischen den Gleisen "abgesichert". Und eine Haltestelle vor dem "verwirrenden" [Zeichen 138-10] wurde der Radverkehr von vornherein wirksam aus dem Gleisbereich verbannt. Da kann es schon mal vorkommen, dass schwache Seelen meinen, die hätten hier was auf die Fahrbahn gemalt, um Leute wie mich davon abzuhalten, bereits im Haltestellenbereich auf der Fahrbahn zu fahren. ;(

    Wenn der Kreis die Spur des *linken* Vorderrads kennzeichnet, müsste sich das Auto doch mit den rechten Reifen schon recht weit im Schotter befunden haben?

    Ja, so war es.

    Falls das die Fahrlinie war, würde ich davon ausgehen, dass die Fahrerin das Opfer rechts überhaupt nicht bewusst wahrgenommen hat.

    Sehe ich auch so.

    Zur Geschwindigkeit: die Lage von Fahrrad und Kind nur wenige Meter hinter dem Kollisionspunkt sowie das Fehlen jeglicher Bremsspuren spricht angesichts der Tatsache, dass das Auto den Knallzeugen zufolge offenbar erst nach dem Crash gebremst wurde, IMO nicht dafür, dass erheblich schneller als 50 gefahren wurde.

    Die Stelle, an der nach Aussage des Großvaters das Auto zum Stehen kam, lässt auf einen Bremsweg von 12-15 m schließen. Es gab 3 Einschläge auf der Frontscheibe. Die Geschwindigkeit wird sicher unterhalb von 60 km/h gelegen haben, vielleicht knapp über 50?

    Ist auf dem Dorf passiert und wird deswegen wahrscheinlich keine hohen Wellen schlagen. Nicht mal eine Mahnwache, denn die nächstgelegenen ADFC-Ortsgruppen sind 60 km entfernt. Ich hatte heute Mittag hier berichtet. Hier ein paar Details zum Unfallhergang, der doch sehr nachdenklich stimmt.

    Foto vom 19.6., 18 Tage nach dem Unfall. Der Kreis markiert die Position des linken Vorderrades des Peugeot 508 (vermutlich beim Beginn der Bremsspur). Der Junge stand direkt am Fahrbahnrand mit rotem Fahrrad, rotem T-Shirt, rotem Basecap. Vermutlich ragte das Vorderrad auch schon auf die Fahrbahn. Das Auto fuhr Richtung Westen, der Sonne entgegen, etwa 2-3 Stunden vor Sonnenuntergang. Es ist anzunehmen, dass die Fahrerin (46 J.) nicht die ganze Zeit so hart am Fahrbahnrand gefahren ist, sondern aufgrund der am linken Straßenrand wartenden Mädchen einen kleinen Schlenker nach rechts machte. Ob sich der Junge dann in Panik noch bewegt hat, bevor das ungebremst auf ihn zufahrende Auto in traf? Die Großeltern hörten den Unfall im Garten: Zuerst hat es geknallt, dann haben die Bremsen gequietscht. Der Großvater (hinten im Bild) klagte, dass vor seinem Haus regelmäßig deutlich schneller als 50 km/h, vll. 70, 80 km/h gefahren wird, in beide Richtungen. Schließlich ist die Straße dort schnurgerade und lädt zum schnellen Fahren ein. Dabei gibt es dort nicht einmal einen Gehweg.

    Th(oma)s , da die Autofahrerin angesichts der Kinder am linken Fahrbahnrand anstatt zu bremsen einfach nach rechts ausgewichen ist, obwohl sich am rechten Fahrbahnrand ebenfalls ein Kind befand, wäre meine persönliche Einschätzung bei Hauptschuld zumindest kein "r". Wg. § 3 Abs. 2a StVO würde ich sogar "g" eintragen.

    lm Gespräch mit den beiden Großeltern gestern bemerkte ich auch, dass nicht nur das individuelle Versagen, sondern der Zustand unserer Gesellschaft unseren Schmerz vergrößert. (Weil es als völlig normal empfunden wird, im "sicheren Auto" schneller zu fahren als es die Sichtverhältnisse und die Bedürfnisse ungepanzerter Verkehrsteilnehmer es erlauben.) Sie stimmte mir zu.

    Der erste Pfeil nach rechts markiert die Stelle, wo nach der Kollision das Fahrrad lag, der zweite Pfeil bzw. die Blumenvase, wo der Junge lag und der Vater ihn zuletzt im Arm hatte.