Woche 11 vom 9. bis zum 15. März 2020

  • Da wollte ich mir aufgrund der Beschreibung im Text mal die Örtlichkeit virtuell anschauen, und schon beim ersten Mapillary-Zufallstreffer war so eine beschriebene Situation sichtbar: https://www.mapillary.com/map/im/ha7BaPq0wx4ikjfvNHEYTg (natürlich könnte es auch eine andere Stelle gewesen sein, aber das ist schon sehr eindrücklich)


    Dabei muss man dazu ja noch im Kopf behalten, dass das ein älteres schmaleres Fahrzeug von wahrscheinlich 1,6 bis 1,8 m Breite ist im Gegensatz zu einem überbreiten SUV mit 2,0 bis 2,2 m; dass der Fahrer halbwegs sauber geparkt hat und nicht noch weiter rechts; dass die Türen bei einem Fünftürer deutlich kürzer sind als bei einem Dreitürer; und dass das Kind die Tür noch gar nicht ganz geöffnet hat. Trotzdem wäre bei dieser geringen Spurbreite, dem rechts verlaufenden unmarkierten hohen Rinnstein und dem komplett verbotenen (auch für den Lenker) Gehweg ein Befahren dieses "Radwegs" nicht mal mit viel gutem Willen erlaubt, geschweige denn anzuraten - zumal die breite und einwandfreie Fahrbahn daneben sichere Fahrt ermöglicht. Mit einem Pedelec mit 25 bei maximalen 30 sogar problemlos nahe an der Maximalgeschwindigkeit.


    Leider trifft es bei solchen Unfällen sehr oft ältere Leute. Ich vermute, das liegt weniger an der verringerten Reaktionsgeschwindigkeit (bei so einer Tür kann man eh nichts mehr machen) und mehr an deren Sozialisierung: einerseits die blinde Befolgung der von früher her verinnerlichten Regeln "rechts fahren, Autos nicht aufhalten, Radwegpflicht überall", die längst nicht mehr gelten; andererseits die Annahme gegenseitiger Rücksichtnahme bei völlig Fremden (analog zu Trickbetrügern mit "Niemand würde sich als Polizist ausgeben, wenn er keiner ist, das ist ja verboten!" dann "Niemand würde eine Tür öffnen ohne sich umzuschauen und zu warten, das ist ja verboten!"). Beides zusammen führt dann zu blindem Gottvertrauen und bedingt durch Rücksichtslosigkeit anderer zu eigentlich vermeidbaren Unfällen.


    Im Prinzip bräuchte man da einen neuen "7. Sinn" speziell auf ältere Verkehrsteilnehmer zugeschnitten. Vielleicht auch nur in günstiger, als Flyer beim Kauf eines Pedelecs und zweimal jährlich an belebten Plätzen (ähnlich der Verkehrswacht-Aktionen, die schon stattfinden, nur eben in wirkungsvoll).


    Dass die Polizei die Leute weiter in ihrer gefährlichen Fahrweise bestärkt, statt aufzuklären, und die Fehler der Autofahrer durch verharmlosende Ausdrücke wie "Unachtsamkeit" zu Kavaliersdelikten erhebt, ist natürlich nochmal eine ganz andere Baustelle...

  • Zitat

    Dabei muss man dazu ja noch im Kopf behalten, dass das ein älteres schmaleres Fahrzeug von wahrscheinlich 1,6 bis 1,8 m Breite ist im Gegensatz zu einem überbreiten SUV mit 2,0 bis 2,2 m;

    Ich fahre ja (wenn nötig) einen kleinen Bus und bin deswegen eher auf der extrem breiten Seite unterwegs. Trotzdem ist die Furcht vor den "neuerdings überbreiten Fahrzeugen" gerne übertrieben. Ich habs gerade mal nachgeschaut: der neue Ford Focus ist mit 2,01m unterwegs, das Vorgängermodell (ich glaube, dieses ist dort zu sehen) war bei 1,99m Breite (inclusive Spiegel).


    Die Audi SUVs (waren gerade leicht auszuwählen, mir egal welche Marke) sind zwischen 2,02m (Q3) bis zu 2,21m (Q7) unterwegs. Da war die Schätzung absolut richtig.

  • Im Prinzip bräuchte man da einen neuen "7. Sinn" speziell auf ältere Verkehrsteilnehmer zugeschnitten. Vielleicht auch nur in günstiger, als Flyer beim Kauf eines Pedelecs und zweimal jährlich an belebten Plätzen (ähnlich der Verkehrswacht-Aktionen, die schon stattfinden, nur eben in wirkungsvoll).

    Ich weiß nicht, ob das jemals Thema beim 7. Sinn gewesen ist. Aber ich habe inzwischen schon mehrere Autofahrer (und Beifahrer) darauf angesprochen ob sie denn wüssten, was "holländisch Aussteigen" oder noch besser "holländischer Griff" bedeutet.


    Eigentlich sollte das Pflicht-Thema im Schulunterricht werden und im Fall einer Reaktivierung der Sendung der 7. Sinn unbedingt thematisiert werden.


    Der Vorteil dieser Sendung der 7. Sinn war ja der, dass fast die ganze Republik gleichzeitig die selbe Sendung gesehen hat. Bei drei Programmen öffentlich rechtlich und sonst nix geht das! Und oft wurde dann am nächsten Tag bei der Arbeit unter Freunden, am Stammtisch usw. darüber gesprochen. Heutzutag guckt jeder sein ganz eigenes Programm. Da fällt der gewohnheitsmäßige Austausch weg.


    Aber immerhin, der "holländische Griff" lebt im Internet: Sucheingabe bei you tube: "Holländischer Griff" und schon kommen gleich mehrere brauchbare Filme dazu: z. B.:

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    Es ist zwar richtig, dass man als Radfahrer nicht zu sehr drauf vertrauen sollte, das Autofahrer (und Beifahrer) beim Türenöffnen aufpassen. Aber die müssen es einfach lernen und immer wieder dran erinnert werden. Schließlich ist es zuallererst die Pflicht des Autonutzers zu schauen ob grad kein Radler kommt. Oder ein Auto: Siehe diesen Zusammenschnitt des running Gag "Autotür abgefahren" bei Kottan ermittelt.

    Ziemlich hässlich ist die Szene in dem es den Radfahrer erwischt.

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    Abgesehen davon bin ich für den verpflichtenden Einbau von Schiebetüren! https://www.autoscout24.de/ass…07/peugeot-1007-m-02.webp


    Ich kenne jetzt keine Statistik, die bestätigt, dass Schiebetüren sicherer sind, aber falls meine Vermutung zutrifft, sollte das ebenso angeordnet werden, wie man seinerzeit Autotüren verboten hat, die hinten angeschlagen waren.

    https://upload.wikimedia.org/w…/58/Fiat_Multipla_600.jpg


    Die erhielten dann irgendwann den Titel "Selbstmördertüren" und wurden 1961 in Deutschland verboten. Fahrgäste die versuchten eine versehentlich geöffnete Tür gegen den Fahrtwind wieder zuzudrücken, wurden aus dem Fahrzeug geschleudert. Damals gab's ja noch keinen Gurt.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Selbstm%C3%B6rdert%C3%BCr


    Aber so ist das im Automobilbau. Technische Innovationen und Unfalltheoretische Erkenntnisse werden zuerst zur Steigerung der Fahrzeuginsassen-Sicherheit umgesetzt und gesetzlich vorgeschrieben. Fußgänger- und Radlerschutz kommen erst sehr viel später.

  • Ich fahre ja (wenn nötig) einen kleinen Bus und bin deswegen eher auf der extrem breiten Seite unterwegs. Trotzdem ist die Furcht vor den "neuerdings überbreiten Fahrzeugen" gerne übertrieben. Ich habs gerade mal nachgeschaut: der neue Ford Focus ist mit 2,01m unterwegs, das Vorgängermodell (ich glaube, dieses ist dort zu sehen) war bei 1,99m Breite (inclusive Spiegel).


    Die Audi SUVs (waren gerade leicht auszuwählen, mir egal welche Marke) sind zwischen 2,02m (Q3) bis zu 2,21m (Q7) unterwegs. Da war die Schätzung absolut richtig.

    Das war evtl. etwas unglücklich verallgemeinert, ich hatte dabei die großen SUVs wie X5, Q7 und Cayenne im Kopf und nicht die kleineren. Und natürlich hast du Recht, was die auch ansonsten größer gewordenen anderen Fahrzeuge angeht. "Überbreite" war gemeint in Bezug auf das häufige Verbot der linken Spur für Fahrzeuge über 2,00 bzw. 2,20 m in Autobahnbaustellen (und das entsprechende Verbotsschild). Da war es früher problemlos für alle Kfz möglich, links zu fahren, was heute je nach Modell nicht mehr automatisch erlaubt ist.


    Der Ford müsste ein Focus Turnier 2001-2004 sein, damit ist er tatsächlich 1998 mm breit (mit Spiegeln), im Vergleich zu einem wuchtig erscheinenden Porsche Cayenne mit 2194 mm eigentlich tatsächlich eher wenig Unterschied. Eventuell hatte ich da mehr an ältere Fahrzeuge gedacht, weil die Form so nach 90er-Jahre ausgesehen hat und ich da eher 1800 mm Breite im Kopf hatte (aber bei Toyota, nicht bei Ford, da war es wohl auch beim ersten Modell 1998 mm).

  • Ich glaube, die Verallgemeinerung schadet nicht. Autos sind breiter geworden, keine Frage. Sieht man in jedem Parkhaus. Der Zeitpunkt ist aber vielleicht einfach schon viel weiter in der Vergangenheit.


    Mein erstes eigenes Auto war ein Peugeot 205. Schon der darauf folgende Fiesta aus den 90ern war erheblich breiter, ohne einen ernsthaften Gewinn im Innenraum - fand ich damals. In meiner Autogeschichte geht damit das Breitenwachstum aber schon irgendwie in den frühen 90ern los. Und das ist dann schon fast 30 Jahre her, auch wenn ich das manchmal nicht wahr haben will.

  • Mal abgesehen davon,,das die Autos kontinuierlich mit der Massenverbreitung gewachsen sind, vorher, also zwischen 1900 und 1950 waren die Dinger sehr unterschiedlich groß.


    Inder 50er waren Autos wie Käfer, die Isetta, der MS-Kabinenroller natürlich klein. Bis Anfang der 90er waren Autobreiten <1,70m bei der unteren Mittelklasse normal (Golf, 3er, 190er) und etwa 1,80 bis maximal 1,90m in der Oberklasse.

    Danach ging es bis zum Anfang dieses Jahrhunderts bei Golf und Co. auf etwa 1,75, die Oberklasse hat sich bei 1,90m stabilisiert. Bis heute, ab 2010 ist die Mittelklasse auch bei ~1,80m angekommen. Natürlich ohne Spiegel, denn die werden eben (offiziell) nicht mitgemessen bei der Breite.

    So schlimm ist der Wachstum eigentlich nicht, da stechen die großen SUV schon raus, am Anfang mit etwa 1,90m inzwischen sind 2m durchaus drin.

  • So schlimm ist der Wachstum eigentlich nicht, da stechen die großen SUV schon raus, am Anfang mit etwa 1,90m inzwischen sind 2m durchaus drin.

    Irgendwann stößt man dann auch unter Ausnutzung aller Tricks (wie elektrisch einklappbare Rückspiegel) an bauliche Grenzen.


    Entscheidender Faktor bei der Aversion gerade gegen die SUV dürfte deren *Höhe* sein. Andere Autos, selbst breite Oberklasselimousinen vergangener Tage, fahren dir doch gefühlt unter dem Lenker durch. Die aktuellen Straßenpanzer machen sich aber genau da noch sehr breit, wo du deine Ellenbogen hast.

  • Die Autos sind übrigens etwa genauso an Höhe gewachsen, wie an Breite, rund 10cm, was den optischen Eindruck verschärft, dass die alten Autos viel kleiner waren. Von den vielen Van & SUV-artigen Modellen, die es früher nicht gab, mal ganz abgesehen. Auch Motorraum und Kofferraum ist in die Höhe gewachsen.

    Dadurch sind die Autos auch unübersichtlicher.

  • Hat nur am Rande mit Radverkehr zu tun. Aber eine eindrückliche Dokumentation, wie Kriegstreiberei, Ideologie und Modernisierungswahn eine ganze Stadt (hier am Beispiel Berlin) faktisch planieren.


    Tagesspiegel interaktiv: Berlins verlorene Mitte


    PS: Ich kenne kein Haus, das jünger ist als 80 Jahre und mir dennoch gefällt - nicht eines.

  • Ich hatte letztens, als ich mir dem Bus unterwegs war, nebeneinander einen Original-Mini und einen Mini der aktuellen Generation gesehen. Hätte ich fotografieren sollen. Es war ein Bild wie Pat und Patachon, der Größenunterschied ist enorm.

    Gibt es im Netz:

    https://www.sueddeutsche.de/au…neuen-voraushat-1.2968371

    https://www.mini.de/de_DE/home/news/60years60stories.html


    Zitat

    Neben dem modernen Mini, 3,82 Meter lang, 1,73 Meter breit, 1,41 Meter hoch, wirkt das Vorbild wie ein Spielzeug. Ganz verschüchtert steht es da. Dass der Ur-Mini 77 Zentimeter kürzer ist als sein Nachfolger, ist noch gar nicht mal das Augenfälligste. Viel eindrücklicher ist seine 1,41 Meter schmale Gestalt und, dass er mit 1,35 Meter Höhe einem erwachsenen Mann gerade mal bis zur Brust reicht.

    Doch kaum hat man das dünne Türchen geöffnet und sich auf die spartanisch gepolsterten Sitzchen hinabfallen lassen, sieht die Welt ganz anders aus - luftig, weiträumig, hell.

    ...

    Dagegen fühlt man sich im neuen Mini in die Enge getrieben hinter kleinen Fenstern, massivem Armaturenträger und allerlei Schickimicki-Architektur, Farbdisplays und Instrumenten, darunter einem riesigen in der Mitte samt "Lichtinszenierung mittels LED-Ring für optisches Feedback auf Bedienung zahlreicher Funktionen", wie der Pressetext verspricht.

  • Ich hatte letztens, als ich mir dem Bus unterwegs war, nebeneinander einen Original-Mini und einen Mini der aktuellen Generation gesehen. Hätte ich fotografieren sollen. Es war ein Bild wie Pat und Patachon, der Größenunterschied ist enorm.

    Ist jetzt kein Original aktueller Mini sondern ein noch größerer Auto-Wahnsinn neben einem Oldtimer-Mini:


    Was mich besonders nervt ist das Park-Verhalten vieler SUV-Fahrer (und anderer Autofahrer):

    Trotz mehrspuriger Fahrbahn wird der Radweg zugeparkt.


    Falschparker in verkehrsberuhigter Zone behindern Fußverkehr.

  • Ich würde mal vermuten, das da nichts "gezogen" wurde. sondern es sich um einem Effekt einer Schleppkurve handelt.

    Die Unfallstelle liegt nicht in einer Kurve/Kreuzung. Sie befindet sich vor dem Haupteingang zu einem Klinikgelände auf der linken Straßenseite. Möglicherweise hat die Radlerin am Fahrbahnrand (oder auf dem Gehweg?) gehalten, um dort nach links abzubiegen. Dabei hatte sie wahrscheinlich das Vorderrad schon nach links eingeschlagen. Der von hinten kommende Bus fuhr währenddessen die an dieser Stelle gelegene Haltestelle an. Siehe dazu auch das Bild in diesem Bericht.


    Rätselhaft bleibt aber in der Tat der mechanische Prozess dieses "unter-den-Bus-Ziehens". Gerade Linienbusse zeichnen sich doch durch eine rundum geschlossene fugenlose Außenhülle aus. Es wäre daher eigentlich zu erwarten, dass bei einem Zusammenprall das getroffene Objekt eher zur Seite gestoßen wird.


    Edit: Dieser ergänzenden Polizei-Pressemeldung zufolge hat die Radfahrerin wohl mit ihrem MTB auf den Bus gewartet. In Offenbach nehmen Linienbusse scheinbar auch Fahrräder mit. Das würde bedeuten, sie hätte dann auf dem nicht allzu breiten Bürgersteig gestanden und das Fahrrad dabei vermutlich im rechten Winkel zur Bordsteinkante gehalten.

  • Wenn der Bus gerade die Haltestelle angefahren haben sollte, war womöglich sein Vorderrad mehr oder weniger nach rechts eingeschlagen und ist somit nicht mehr bündig zur Karosse, wodurch ein Fahrrad-Vorderrad im Radkasten des Busses eingefangen werden könnte ...