Beiträge von Alf

    Mit Tempo-30-Zone würden sich zusätzlich noch die Vorfahrtsregeln auf rechts-vor-links ändern.

    Gerade mit der erwähnten "rechts-vor-links"-Regelung tut sich der durchschnittliche Radfahrer in Fahrradstraßen sehr schwer. Ich beobachte regelmäßig, dass dies von den Radfahrern schlichtweg ignoriert wird. Die meisten Radfahrer glauben, sie hätten in Fahrradstraßen immer Vorrang. Dies ist wohl dem Umstand geschuldet, dass in den Medien, der Presse usw. immer wieder vom Vorrang für Radfahrer in Fahrradstraße berichtet wird. Dabei ist genau das Gegenteil der Fall. Wenn es keine Lichtzeichenanlagen und keine vorfahrtsregelnden Schilder gibt, gilt auch in der Fahrradstraße "rechts vor links". Und natürlich hat dann auch ein von rechts kommendes Auto dann Vorrang.


    Wer mag mal eine Umfrage unter den Radfahrern starten? Nehmt Euch mal das Ziel vor, 100 Radfahrer zu den Vorfahrtsregeln in Fahrradstraßen zu befragen. Das Ergebnis wird erschrecken.

    Der geballte Unverstand seitens der Straßenverkehrsbehörde geht in München munter weiter. An der bekannten Baustelle Landsberger Straße ist der Radweg, nachdem die Halteverbotsschilder ja erfreulicherweise vom Radweg entfernt wurden, nun komplett dicht:



    Das weiter oben berichtete Entfernen der Halteverbotsschilder diente hier anscheinend nur der Ermöglichung anstehender Arbeiten auch auf dem Radweg und nicht etwa dem Radverkehr selbst. Traurig, traurig...



    So, wie es aussieht, ist der benutzungspflichtige Radweg momentan also nicht nutzbar. Man könnte dies sogar noch rechtzeitig an der vorherigen Kreuzung erkennen und auf die Fahrbahn ausweichen, wenn man den Blick nach vorne schweifen lässt. Aber wie verhält sich der ahnungslose Radfahrer? Natürlich genau so, wie die StVB es von ihm erwartet und der Kraftfahrer es gerne von ihm hätte:



    Für die Mehrheit unserer Gesellschaft wäre es sowieso begrüßenswert, wenn man Radfahren gleich ganz verbieten würde. Nicht nur hier, sondern pauschal überall. Anders kann man es einfach nicht deuten, wenn selbst hinter der Baustelle der Radweg mit Baken zugestellt wird:



    Diese ganze Separierung kotzt mich einfach nur an. Wenn Radfahrer einfach nur die Fahrbahnen benutzen würden, gäbe es diesen ganzen Bockmist doch gar nicht erst. Die baulich bisher vorhandenen Radfurten könnte man dann ja ruhig belassen, weil man auf denen ja schön am Stau vorbeifahren kann. Aber einerseits dem Radfahrer vorzuschreiben, "Du musst HIER fahren!" und ihm dann andererseits eine lange Nase zu zeigen und zu sagen "NÖÖ, doch nicht!", das ist schon mehr als frech.


    Aber wie man sieht, ist es im selben Maße gesellschaftlich akzeptiert wie z. B. Geisterradeln und Rotlicht ignorieren. Es schert sich einfach niemand darum. Und genau deswegen probiere ich es auch einmal aus. Ich packe morgen 40 Umzugskartons und stelle sie auf die Trambahngleise (für alle Nichtbayer: das ist die Straßenbahn.) Vielleicht weicht die dann ja auch über den Gehweg aus.

    In Anlehnung an Maltes Beitrag bezüglich Überlastung von Radverkehrsanlagen sowie auch in Ergänzung an mein weiter oben abgegebenes Versprechen...

    Dass dort momentan kein Radfahrer unterwegs ist, liegt an der Tageszeit. Am Vormittag sind alle Pendler bereits am Arbeitsplatz. Morgens ist dort teilweise die Hölle los. Ein Ampel-Umlauf reicht da nicht, um die Massen zu bewältigen. Die Tage mache ich mal ein schönes Foto davon.

    liefere ich hier noch einen Schnappschuss der besagten Kreuzung Landsberger Straße/Donnersbergerbrücke/Trappentreustraße in München.


    +


    Man erkennt unschwer den bereits bekannten roten Bauzaun.


    Das auf dem Foto festgehaltene Radverkehrsaufkommen ist für einen Werktag morgens gegen 8:00 völlig normal. Hier sind eher noch recht wenig Radfahrer unterwegs. Ein oder zwei Umläufe später kann die Traube doppelt so groß sein.


    Lustig wird's dann, wenn ein Geisterradler auf der ohnehin viel zu schmalen Furt auf sein selbst eingeräumtes Recht pocht und voll draufhält. So kann es durchaus leicht zu Situationen kommen, die man normalerweise nur von Gedenkveranstaltungen nach tödlich verlaufenden Abbiegeunfällen aus Hamburg kennt: Es liegt alles auf dem Asphalt.


    Der Blick in Fahrtrichtung sieht dann im weiteren Verlauf so aus:



    Auch dies ist völlig normal. Obwohl dies ein g e m e i n s a m e r Geh- und Radweg ist, lässt sich der Fußgängerstrom beider Richtungen an die Seite drängen. Es wird so getan, als sei dies ein g e t r e n n t e r Geh- und Radweg. Es hat sich halt so eingebürgert und ist in nahezu allen Köpfen fest verankert, obwohl es niemals so angeordnet war. Lustig wird es dann, wenn ich als Fußgänger den Radfahrern auf der linken Seite entgegenkomme, also bergab gehe, weil ich mir sage, dass es nicht verkehrt sein kann, wenn ich in meiner Gehrichtung stets möglichst weit rechts bleibe. Auf einem Waldweg würde ich mich schließlich auch nicht links einordnen.


    Ich hasse diese Donnersbergerbrücke, muss sie aber regelmäßig nutzen, um zum S-Bahnhof zu gelangen.

    Na, dann lade ich einmal herzlich zu einem Ortstermin nach München in die Marschnerstraße ein. Diese 1,1 km lange Fahrradstraße ist beidseitig mit Kraftfahrzeugen beparkt.

    Und in der Praxis sieht die Marschnerstraße in München dann so aus:



    Ich weiß wirklich nicht, was das Wort "Fahrrad" vor der Bezeichnung "Straße" beschreiben soll...

    Ich habe nun den ganz klaren Beweis, dass die Landeshauptstadt München hier mitliest, denn:



    ...die Verkehrszeichen sind allesamt auf den Parkstreifen gewandert. Waaaaaahnsinn!!!!!!!!!


    Da fühlen sich natürlich auch gleich die Geisterradler angesprochen:


    "Gegenseitige Rücksichtnahme im Straßenverkehr ist das oberste Gebot für mehr Verkehrssicherheit."


    Das halte ich für falsch. Das sicherste wäre, wenn sich alle Verkehrsteilnehmer an die Vorgaben der StVO halten, welche nach dem allerersten Paragraphen noch so kommen.

    In München-Pasing kann der geübte Radfahrer einmal unter Beweis stellen, wie langsam er rollen kann, ohne dabei umzukippen:


    Das Gericht sah dieses Erfordernis ... als nicht gegeben an, weil die Kleefelder Straße für einen Begegnungsverkehr zwischen dort durch Zusatzzeichen erlaubt fahrenden Kraftfahrzeugen und entgegenkommenden nebeneinander fahrenden Radfahrern viel zu eng sei.


    Na, dann lade ich einmal herzlich zu einem Ortstermin nach München in die Marschnerstraße ein. Diese 1,1 km lange Fahrradstraße ist beidseitig mit Kraftfahrzeugen beparkt. An einem völlig normalen Montag-Vormittag habe ich dort einmal insgesamt 139 abstellte Fahrzeuge auf der Fahrbahn gezählt. Und das allerbeste ist, dass der verbleibende Platz einen Begegnungsverkehr zwischen PKW und Fahrrädern streckenweise unmöglich macht. Von LKW wie z. B. die erwähnten Müllwagen will ich hierbei einmal gar nicht reden. Da zieht der ahnungslose Radfahrer oftmals freiwillig den kürzeren und verdrückt sich zwischen die parkenden Fahrzeuge oder weicht auf den Gehweg aus. Tut er es nicht, bekommt er es mit dem renitenten Unverständnis der mehrspurigen Kraftfahrzeuge bzw. deren Führer zu tun. Auf sowas kann man als Radfahrer gerne verzichten. Daher meide ich inzwischen diese Fahrradstraße und fahre auf der parallel verlaufenden Alten Alle. Wesentlich bequemer!

    Oh wie schön, das Blauschild ist wieder da!



    Meine vor über zwei Wochen an die Landeshauptstadt München verfasste Mail ist weiterhin nicht beachtet worden. Währenddessen wird das eingerichtete und mittlerweile gültige Halteverbot ebenfalls nicht von jedem beachtet. Macht nix, so hat der renitente Kraftfahrer wenigstens einen gesicherten Parkplatz vor der Tür. Denn sanktioniert wird ein solches Verhalten wie selbstverständlich nicht.


    Ich frage mich, warum man die Schilder jetzt nicht auf den Parkstreifen stellt. Dann ist der Radweg frei und das Parken dort noch schwieriger.


    Hier einmal die Situation aus der Gegenrichtung:



    Dass dort momentan kein Radfahrer unterwegs ist, liegt an der Tageszeit. Am Vormittag sind alle Pendler bereits am Arbeitsplatz. Morgens ist dort teilweise die Hölle los. Ein Ampel-Umlauf reicht da nicht, um die Massen zu bewältigen. Die Tage mache ich mal ein schönes Foto davon.


    Ach so, und das hier ist die nächste Baustelle, die sich an der zuvor genannten fast nahtlos anschließt:



    Das 241 hinter der Baustelle ist wohl überflüssig, da vor der Baustelle schließlich nichts umgewidmet wurde. Die Radfahrerfurt wird lediglich verschwenkt.


    Vor einiger Zeit stand da aber noch ein 240 vor der Baustelle, was nun aber wirklich absoluter Quatsch war.



    Mein dazugehöriger Kontakt zur Landeshauptstadt hat dazu geführt, dass der Baustellenbetreiber eins auf die Finger bekommen hat. Und im selben Atemzug begründete man mir das 240er damit, dass der Radweg temporär immer mal wieder kurzzeitig gesperrt würde und der Radverkehr über den dann *zack* eingerichteten gemeinsamen Geh- und Radweg geführt wird. Das Schild jedesmal hinzustellen und wieder wegzuräumen kann nun wirklich niemand verlangen.

    Zwischenbilanz nach zwei Wochen: Die Verkehrszeichen stehen weiterhin auf dem Radweg.


    Doch dafür ist nun der Radweg ab Trappentreustraße zumindest bis Bergmannstraße nicht mehr benutzungspflichtig. Ob das Blauschild jedoch absichtlich entfernt wurde oder nur versehentlich im Rahmen der ständig ändernden Baustellenabsperrung abhanden gekommen ist, weiß ich nicht. Muss ich aber auch nicht wissen, gelle?



    Aber es ist schon spannend, wie die Radinfrastruktur so einfach plötzlich endet. Was mir natürlich nur recht sein kann. Aber alle anderen Radler quetschen sich allen ernstes um diese heißen Ecken herum:



    In Gegenrichtung, wo natürlich kein Radverkehr zugelassen ist, was aber auch nicht jeden Radler interessiert:



    Interessant dürfte zudem auch sein, dass bislang noch kein einziger Fußgänger aus dem Rohbau jemals wieder aufgetaucht ist. Wahrscheinlich werden sie gleich zum Innenausbau des Büroturms verpflichtet...


    Tipp 1: Zusatzzeichen [Zusazzeichen 1000-32] muss um 90 Grad gedreht werden oder - wenn es nicht gedreht wird - gegen ein [Zusatzzeichen 1000-33] getauscht werden.


    Tipp 2: aus der Einbahnstraße in falscher freigegebener Richtung kommend fehlt für Radverkehr das VZ "vorgeschriebene Fahrtrichtung geradeaus und rechts", denn aus deren Sicht gesehen darf nach links wegen [Zeichen 267] nicht eingefahren werden.

    Ich habe nun die Landeshauptstadt München per Mail angeschrieben:



    Sehr geehrte Damen und Herren,

    in der Landsberger Straße ist für die Zeit vom 4. Juli bis 20. September zwischen Trappentreustraße und Bergmannstraße stadteinwärts auf der Fahrbahn und auf dem Parkstreifen ein Halteverbot angeordnet. Dies wird mit insgesamt 20 Verkehrszeichen auf 200 Metern bekannt gegeben. Diese Menge ist schon beachtlich, jedoch wohl erforderlich, um wirklich sicherzustellen, am 4. Juli mit den Arbeiten – welchen auch immer – beginnen zu können.


    Aufgestellt sind diese Verkehrszeichen jedoch ausnahmslos auf dem benutzungspflichtigen Radweg, so dass die ohnehin schmale Furt in der Breite nochmals beschnitten wird. Ein ggf. erforderliches Ausweichen auf den Gehweg wäre nicht nur illegal, sondern auch kaum möglich bzw. sogar extrem riskant, da der Gehweg wiederum auf einem höheren Bord verläuft. Außerdem sind die verwendeten Beton-Fußplatten nicht konform positioniert, sondern jeweils um 90 Grad verdreht, was dazu führt, dass die Schilder bei entsprechender Windlast auf den Radweg bzw. den Radfahrer fallen.


    Der Radverkehr ist auf diesem Teilstück der Landsberger Straße auf dem benutzungspflichtigen Radweg daher momentan besonderen Gefahren ausgesetzt.


    Ich möchte daher dringend anregen, die 20 temporär aufgestellten Verkehrszeichen vom benutzungspflichtigen Radweg zu entfernen und stattdessen auf dem Gehweg, welcher wesentlich breiter ist, zu positionieren.


    Alternativ schlage ich vor, die Benutzungspflicht des Radwegs aufzuheben und den Radverkehr gleich direkt auf der Fahrbahn abzuwickeln. Radfahrer würden durch die anstehenden Arbeiten also dort nicht gefährdet. Für die Abwicklung auf der Fahrbahn spricht zudem die Tatsache, dass unmittelbar vor dieser Engstelle der seit Monaten bestehende Neubau eines Bürohochhauses ohnehin den Rad- und Gehweg erheblich einschränkt. Und auch hinter der Engstelle reiht sich schon die nächste Baustelle ein, bei welcher ebenfalls der Radverkehr erfreulicherweise auf einem Fahrstreifen der Fahrbahn abgewickelt wird.


    Die Landsberger Straße wird also in dieser Richtung also ohnehin von zwei auf einen Fahrstreifen verengt. Und gerade im Berufsverkehr staut es sich auf der Fahrbahn sowieso oft bis zur Barthstraße oder noch weiter zurück. Also würde es für den Kraftverkehr keine weiteren Auswirkungen haben, ab der Trappentreustraße stadteinwärts eine temporäre Protected Bike Lane einzurichten, um den Radverkehr sicher und gleichberechtigt zu führen. Vorteil wäre hierbei, dass für die bevorstehenden Arbeiten – was auch immer hier im Raum steht – der dann gesperrte Radweg mitbenutzt werden könnte.


    Mit freundlichen Grüßen

    "Um auf der Straße zu fahren, ist mir mein Leben zu lieb. Notfalls weiche ich auf die Gehwege aus."


    Aha, sehr interessant. Dass sich gerade auf dem Gehweg Gefahrenpunkt an Gefahrenpunkt reiht, checkt er wohl nicht. Oder meint er jetzt etwa seine Fahrt mit dem LKW?


    Und noch interessanter wäre die Frage, ob er sich selbst als LKW-Fahrer denn auch als Gefahrenquelle für Radfahrer auf der Fahrbahn ansieht. Und wenn ja, warum. Und was er denkt, dagegen zu tun.


    In der Landsberger Straße in München wird für die Zeit vom 4. Juli bis 20. September mit VZ 283 ein temporäres Halteverbot eingerichtet, welches mittels Zusatzschild auch auf dem Parkstreifen gelten soll.



    Hierfür sind auf einer Strecke von 200 Metern insgesamt 20 solcher Schilder mit dreifachem Betonfuß hingestellt worden:


    Und wo platziert man dann diese Schilder logischerweise?

    Geenaaaau! Auf dem benutzungspflichtigen Radweg! Aaaaahhrrrrgggg!!!!!!!



    Der ohnehin schmale Radweg wird dadurch nochmals weiter eingeengt, wobei ein Auffahren auf den Gehweg an vielen Stellen nicht so einfach möglich ist. Versucht der Radfahrer es illegalerweise doch, droht möglicherweise ein bitterer Sturz.



    Ich meine, das ganze ist mal wieder sowas von typisch. Radwege werden als Aufstellfläche für temporäre Verkehrsschilder missbraucht, ohne sich um die Folgen zu scheren. Warum bitteschön kann man die Dinger nicht einfach auf den Gehweg stellen? Der ist zumindest wesentlich breiter.


    Die Landsberger Straße stellt eine überregionale Magistrale in West-Ost-Richtung auch für den Radverkehr dar. Morgens sind dort eine hohe Anzahl von Radfahrern unterwegs. Wie muss man eigentlich drauf sein, um auf darauf zu kommen, diese Schilder auf dieses komische parallel zur Fahrbahn verlaufende Asphaltband zu stellen?


    Meine Mail an das Kreisverwaltungsreferat München geht noch heute raus.

    Wie ist das denn, wenn man nur eine 10€ Verwarnung hat, wenn man da die Fahrereigenschaft leugnet, zahlt man dann trotzdem diese 23,50€ oder darf das nicht höher sein als das Verwarngeld?

    Es gibt drei Möglichkeiten:


    1. Die Verwarnung wird zurückgezogen. Es muss nichts bezahlt werden.

    2. Die Verwarnung wird bezahlt. Es bleibt bei 10 Euro. Gebühren kommen keine hinzu.

    3. Die Verwarnung wird nicht bezahlt. Dann geht die Sache automatisch in ein Bußgeldverfahren über, wo dann Gebühren und Auslagen fällig werden, sofern nicht Widerspruch eingelegt wird und das ganze möglicherweise vor Gericht landet. Dann kommt es schließlich auf den Ausgang des dortigen Verfahrens an.

    So, mein Rad ist wieder sauber.


    Aufgrund meines Urlaubs hatte sich die Regulierung zunächst um eine Woche verzögert. Doch am darauf folgenden Montag bin ich mit meinem verschmutzten Fahrrad wieder zum Bahnhof gefahren und habe es demonstrativ genau dort abgestellt, wo die Verschmutzung herbeigeführt wurde. Da ich die Telefonnummer vom Bauleiter ja aus der schriftlichen Antwort bekommen hatte, habe ich ihm kurzerhand per WhatsApp mitgeteilt, dass ich am Montag Nachmittag aus der S-Bahn steigen und das Angebot annehmen werde, die weitere Vorgehensweise vor Ort zu besprechen. Er war einverstanden.


    Also bin ich am Nachmittag erst einmal zu meinem Fahrrad. Dort habe ich es überraschenderweise in einem einigermaßen gereinigten Zustand vorgefunden:



    Der Bauleiter war zu diesem Zeitpunkt bereits seit einer halben Stunde im wohlverdienten Feierabend. Nur ein weiterer Mitarbeiter der Baufirma war noch da, war über den Fall aber voll im Bilde. Er sagte, gerne hätte man das Fahrrad auch noch gründlicher gereinigt, wenn ich es nicht angeschlossen hätte. So aber hätte nur eine grobe Reinigung durchgeführt werden können. Mir wurde vorgeschlagen, dass ich am nächsten Tag das Fahrrad wieder vorbei bringe und direkt vor den Baucontainern platziere. Auch um fünf Uhr in der früh wird schon gearbeitet, so dass das Fahrrad direkt in Empfang genommen werden könne.


    Also gesagt, getan! Am nächsten Morgen Fahrrad postiert. Es war jedoch wieder ein anderer Mitarbeiter vor Ort, der sich meiner annahm. Den Bauleiter gibt es dort wohl gar nicht. Egal. Mir wurde zugesichert, dass das Fahrrad am Abend sauber geputzt abholbereit wäre. Ich bräuchte mir keine Sorgen machen, das Fahrrad würde nicht abhanden kommen. Auf Nachfrage erfuhr ich, dass die Baufirma gar nicht selbst das Fahrrad eingesaut hatte, sondern ein Sub-Unternehmer, der das Arbeitsmaterial der Baufirma benutzt. Der Sub stellt anscheinend lediglich die Arbeitskraft. Ich erklärte trotzdem noch kurz mein Bügelschloss mit Zahlencode, damit das Fahrrad nicht doch noch wegkommt und setzte mich in die S-Bahn.


    Abends empfing mich dann ein fast perfekt geputztes und angeschlossenes Fahrrad.



    Und ich hatte nicht den Eindruck, als hätte man den scharfen Strahl eines Hochdruckreinigers draufgehalten. Nein, da muss sich jemand intensiv und ganz genau mit der Reinigung auseinander gesetzt haben. Der Rahmen, der Korb, die Speichen und Felgen: Alles war wieder blitzblank sauber. Ich war schwer beeindruckt. Da zu diesem Zeitpunkt kein Mitarbeiter greifbar war, trat ich meine Fahrt nach Hause an. Zwar bemerkte ich einige Schleifgeräusche, zu Hause angekommen musste ich dann aber nur abgeplatzten Lack von der Innenseite des Schutzblechs entfernen. Die Schutzbleche sind ohnehin unterhalb des Lacks großflächig verrostet, so dass es nicht verwundert, dass dort überall der Lack abblättert.


    Heute morgen wiederum hatte ich auf dem Bahnsteig insgesamt drei Mitarbeiter der Baufirma getroffen. Man erkannte mich sofort und begrüßte mich freudestrahlend. Hätte nur noch das Bier am Morgen gefehlt und wir hätten zwischen Betonplattenstapel und Absperrzäunen angestoßen. Zwar begann man dann, sich über mein Fahrrad nun etwas lustig zu machen: Es würde Schrott darstellen, andererseits würden über Facebook schon Höchstpreise dafür geboten. Gaudi hin und her. Man zwinkerte mir zu und ich bedankte mich nochmal für die Reinigung. Auch teilte ich nochmals mit, dass ich sehr positiv überrascht bin über den ganzen Ablauf der Regulierung. So verschwand ich in der kurz darauf einfahrenden S-Bahn. Ach ja, ich fragte noch gezielt nach, ob nun der Sub das Fahrrad gereinigt hätte. Nein, das wäre die Baufirma selbst gewesen. Man hätte die Reinigung anscheinend sehr freudig genossen. Keine Ahnung, was man damit gemeint hat. Das ganze Thema muss die Stimmung auf der Baustelle wohl extrem angehoben haben.


    Na, jedenfalls ist für mich die Sache nun erledigt. ich werde stets dieses Erlebnis in Erinnerung behalten, wann auch immer ich an meinem Heimatbahnhof ein- oder aussteige. Und das wird wohl geschätzt noch bestimmt zehntausend Mal der Fall sein. Lustige Sache!


    Ich sag mal, es ist schon doch ein Unterschied, ob es nun meinen 60.000-Euro-SUV betreffen würde (wenn ich denn einen hätte), oder eben ein schrottiges, aber dennoch zuverlässiges und funktionsfähiges Bahnhofsfahrrad, was bei eBay vielleicht für maximal 55 Euro weggehen würde. Daher habe ich mich dazu entschlossen, auch nicht den offiziellen Weg über (mecker, mecker...) Sachverständigen, Fahrradwerkstatt, möglicherweise Gericht usw. zu gehen. Die Baufirma hat ihrerseits so süß mitgewirkt und war wirklich um mein Fahrrad und mich echt besorgt. Das belohne ich dann auch mit meiner vollsten Zufriedenheit. Irgendwo muss man ja auch noch Mensch bleiben.