E-Scooter rollen heran

  • Gefunden bei SPIEGEL ONLINE: Deutschland rüstet sich für den E-Scooter-Boom


    Hat jemand diesen Verordnungsentwurf zufällig mal gefunden? Die Idee, dass diese Teile bis 20 Kilometer pro Stunde auf Radwegen fahren dürfen, ist ja mal wieder grandios, wenn die meisten älteren Radwege gerade mal für 15 Kilometer pro Stunde ausgelegt waren. Und irgendwie bleibt der fade Beigeschmack, dass es bei diesem ganzen E-Scooter-Ding primär um lukrative Geschäftsmodelle als um Mobilität geht, und zwar in einer Art und Weise, die noch nicht einmal in der Automobilindustrie derart ausgeprägt ist. Die meisten Roller landen ja offenbar bereits nach drei Monaten als nicht weiterverwertbarer Sondermüll auf der Deponie — herzlichen Glückwunsch, das ist ganz bestimmt die Zukunft unserer Mobilität.


    Während ich elektrisch unterstützte Räder ja noch einigermaßen gutheißen kann, weil sie für eine bestimmte Gruppe von Verkehrsteilnehmern eine Alternative zum Auto darstellt, ist mir bei diesen ganzen elektrisch angetriebenen Rollern, Segways und Skateboards der ökologische Fußabdruck viel zu groß. Da klinge ich vielleicht etwas sehr verbittert, aber: Brauchen wir diesen Kram wirklich? Können wir mit den Rohstoffen nicht etwas sinnvolleres anstellen?

  • Nunja, ich hab die Dinger vor Jahren in Barcelona im Einsatz gesehen. Aber keine Sharingroller, sondern wohl Privatbesitz der Nutzer. Und das lief ganz geschmeidig. Vor allem Geschäftsleute haben damit ihre Wege in der City zurückgelegt. Wie rücksichtsvoll das abläuft, ist wohl eine Funktion aus Sozialisierung, Mentalität und Verfolgungsdruck.

    Private Roller werden wohl eher nicht wild abgestellt werden.

    Und bei den Sharingrollern steht doch der letzte Nutzer immer fest. Wer da störend abstellt, könnte belangt werden. Man könnte auch Zonen einrichten, in denen die Roller abgestellt werden dürfen. Wo nötig.

  • Ich fahre ja seit einigen Jahren überwiegend Tretroller, statt Fahrrad. Windstill in der Ebene fahre ich ziemlich genau die 20 km/h. Auch (verbotener Weise) auf dem Radweg oder auf der Fahrbahn. Meine Erfahrungen sind viel positiver im Vergleich zum Fahrrad. Ich denke das liegt daran, dass man deutlich langsamer ist und viel kleiner. Evtl. wird man deswegen als weniger bedrohlich wahrgenommen.

    Zur Haltbarkeit: Diese kleinen Räder (10 Euro pro Stück) halten wirklich nur 3 Monate. Die darf man regelmässig tauschen. Mit Pech sind die Lager (2 Euro pro Stück) nach einer(!) 70km-Tour auf deutschen Radwegen ausgeschlagen. Mit ausgeschlagenen Lagern kann man noch fahren, aber es wird immer wackeliger. Der Steuersatz ist auch mit einem vom Fahrrad nicht vergleichbar und deutlich kürzer haltbar. Deswegen habe ich mir einen "großen" Roller mit 16/20"-Rädern angeschafft. Da sind jetzt nach 2,5 Jahren zum ersten Mal neue Naben notwendig. (Die Naben halten damit genauso lang wie zwei Sätze Reifen.)


    In Köln ist letzte Woche so ein Tretrollerfahrer (mit Motor und Alkohol im Blut) tödlich verunglückt: http://www.general-anzeiger-bo…BCckt-article3977227.html


    Grundsätzlich sehe ich das gleiche Problem wie bei den Pedelecs: Jemand ohne Tretroller/Fahrrad-Erfahrung kann sich draufstellen und mit 20/25 km/h losfahren. Das geht insbesondere bei den Senioren nicht gut.


    Wegen dem Abstellen: Auch wenn der letzte Nutzer feststeht, das Ding kann jeder bewegt habe. Oder werden die angekettet?

  • Keine Angst Malte, die gesetzlichen Hürden sind in Deutschland mal wieder so engstirnig gesetzt, dass der Hype an uns vorbeiziehen wird. 2 unabhängige Bremsen machen ja Sinn, aber Blinker vorne UND hinten, Versicherungspflicht + Kennzeichen und Führerschein.

    Mit der gleichstellung mit Kraftfahrzeugen kommt noch ein entscheidender Nachteil dazu - die Mitnahme im ÖPNV ist nicht möglich. Damit fällt der einzige wirklich sinnvolle Einsatzzwecke für die erste + letzte Meile in Kombination mit ÖPNV weg.

    Zudem werden die Dinger mit der Begrenzung auf 20 zur Bremse auf Radwegen. Warum nicht in Anlehnung an Pedelecs 25km/h und kein Nummernschild? Ist für mich irgendwie inkonsistent die Regelungen...

  • Warum nicht in Anlehnung an Pedelecs 25km/h und kein Nummernschild? Ist für mich irgendwie inkonsistent die Regelungen...

    Vom Ergebnis her schon. In der inneren Logik her nicht unbedingt: Bei einem Pedelec muss der Fahrer einen Teil der Antriebsenergie selbst aufbringen. Damit ist es eine Mischung aus Fahrrad und Kraftfahrzeug. Die E-Scooter hingegen sind Kraftfahrzeuge. Wo jetzt die Blinker herkommen (die ja ein S-Pedelec nicht braucht), weiß ich aber auch nicht.


    Allerdings frage ich mich auch, wie man das alles am Ende noch überwachen soll. Das ganze Wissen, welches Fahrzeug nun was darf oder nicht, kann man ja praktisch nicht mehr im Kopf parat haben.

  • Da die Dinger vor allem elektrisch getrieben werden und schneller als 6 km/h sind, sind sie per Definition KFZ. Damit gelten auch die entsprechenden Paragraphen der StVzO. Da sie nicht mehr unter die private Haftpflichtversicherung fallen, ist eine Versicherungspflicht sinnvoll bis zwingend notwendig. Blinker brauchen sie, da man schlecht eine Hand vom Lenker nehmen kann, um die gewünschte Fahrtrichtung anzuzeigen. Die Dinger haben wohl wenig konstruktionsbedingten Geradeauslauf und werden bei höheren Geschwindigkeiten eventuell zunehmend flatterig. Da nimmt niemand mehr eine Hand vom Lenker, um seinen Richtungswunsch anzuzeigen. Vor allem kein Gelegenheitsfahrer.

    Was den ÖPNV angeht, da kann sich was tun. Immerhin sind die Dinger ohne Benzin und ohne heißen Auspuff, so dass die bisherigen Ausschlussgründe wegfallen. Änderung der Satzung und schon stimmt der Laden.

  • Das ist ja ganz allgemein ein Problem mit Akkus hoher Kapazität. Sogar ein prinzipielles. Zumindest nach meinem Halbwissen: In den Akkus ist mWn irgendeine Art Folie verbaut. Und um so dünner sie ist, um so höher ist die Kapazität des Akkus. Also haben die Hersteller einen starken Anreiz, immer an die Grenze des Zulässigen zu gehen. Und wenn diese Folie versagt, passiert genau das aus dem Video.

    Samsung hat da ja erst jüngst ein Waterloo erlebt.


    Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, wie man dieses grundsätzliche Problem lösen kann.

  • Das ist wie die Wahl zwischen Pest und Cholera... Entweder ein relativ sicherer Energiespeicher, der einen separaten Oxydator (Sauerstoff aus der Luft) braucht, dafür aber bei der Verwertung giftige Abgase erzeugt (Benzin), oder ein emissionsfreies Medium, das die gesamte gespeicherte Energie im Fehlerfall spontan und unaufhaltbar in Hitze umwandeln kann (Batterie).

  • Tja, auch manche Rollstühle haben Akkus. Das Ding ging übrigens beim Laden hoch.


    Ja Laden ist kritisch. Das heißt aber nicht, dass so ein Akku nicht auch ohne Ladegerät mal hochgehen kann. Eine zu starke Entladung kann theoretisch auch reichen oder schlicht eine mechanische Beschädigung. Wenn die Bahn dann derartige Geräte nicht in den Zügen haben will, ist dass sehr verständlich. Wobei dies theoretisch auch für Fahrräder mit E-Motor und Akku dann so sein müsste....


    Das Problem ist dann allerdings die Fahrlässigkeit, was hier so alles verkauft werden kann, ohne das gefährliche Produkte aus dem Verkehr gezogen werden. So ein Billigschrott sollte hier eigentlich gar nicht verkauft werden, die Kontrollen dazu sind aber ein Witz. Da wird lieber das Markenrecht geschützt, als das Leben der Bürger. Wobei die Bürger da auch selbst schuld sind, zu viele bestellen einfach jeden Mist, Hauptsache billig.


    Off Topic: Man rede mal mit Leuten die sich mit Hochfrequenztechnik auskennen. Sehr viele Produkte strahlen Hochfrequenzsignale (Funkwellen) ab, weil dort Bauteile aus Kostengründen gespart wurden. Man sieht oft auf den Platinen noch wo die Spulen/Kondensatoren dafür hin gehört hätten, die waren für die Zulassung vermutlich in den ersten Chargen drin. Danach wird dann billig,billig produziert und somit andere Geräte, welche Funkwellen empfangen sollen, beeinflusst. Nur es kommt so gut wie nie jemand da drauf, das das Radio, die Fernbedienung, ... so schlecht arbeitet, weil die billige LED Lampe deren Empfang stört.

    1969: Ingenieure leiten ein Projekt und der erste Mensch betritt den Mond.

    Über 40 Jahre später: Juristen und Verwaltungsleute leiten Projekte und scheitern an einem einfachen Flughafen in Berlin.

  • Nur es kommt so gut wie nie jemand da drauf, das das Radio, die Fernbedienung, ... so schlecht arbeitet, weil die billige LED Lampe deren Empfang stört.

    Das war vor ein paar Jahren noch ein ganz großes Thema in meinem Hamburger Fahrradumfeld, weil selbst teurere Scheinwerfer nahmhafter Hersteller so viel Geschwurbel aussendeten, die dann den Betrieb kabelloser Tachos unmöglich machten:/

  • Wie richtig gesagt wurde, ging das Ding beim Laden hoch. Wie bereits so manches Pedelec. Man kann alles noch ein bisschen schlechter und somit billiger bauen, und damit zeitweise Erfolg am Markt haben. Wenn es nicht überwacht wird.

    Die Einstufung als KFZ und die Zulassung zum Straßenverkehr würden aber bewirken, dass die Dinger bestimmte Bedingungen erfüllen müssen und dies ggf. auch überprüft wird. Damit kann man unsichere Konstruktionen vom Markt nehmen. Bauartzulassung und so. Sicherheit des Akku gegen Beschädigung, Unfall und Abbrand wären da bestimmt ein Thema, wie bei E-Autos auch. Dann kosten die Scooter halt ein paar Euronen mehr. Dafür sind sie dann weitgehend sicher.

  • Wie richtig gesagt wurde, ging das Ding beim Laden hoch. Wie bereits so manches Pedelec. Man kann alles noch ein bisschen schlechter und somit billiger bauen, und damit zeitweise Erfolg am Markt haben. Wenn es nicht überwacht wird.

    Die Einstufung als KFZ und die Zulassung zum Straßenverkehr würden aber bewirken, dass die Dinger bestimmte Bedingungen erfüllen müssen und dies ggf. auch überprüft wird. Damit kann man unsichere Konstruktionen vom Markt nehmen. Bauartzulassung und so. Sicherheit des Akku gegen Beschädigung, Unfall und Abbrand wären da bestimmt ein Thema, wie bei E-Autos auch. Dann kosten die Scooter halt ein paar Euronen mehr. Dafür sind sie dann weitgehend sicher.


    Damit sorgt man dann auch dafür, dass es keine Alternative für die "letzte Meile" oder kurze innerstädtige Strecken gibt (ausser die Füße). Wenn du die überregulierst und man am Ende sogar noch eine Fahrerlaubnis benötigst, schreckt dass doch einfach nur ab oder sorgt dafür, dass sich die Leute einfach nicht drum kümmern und beim Dealer unterm Ladentisch holen. Eine Vernünftige technsiche Prüfung vom TÜV oder so muss natürlich sein, keine Frage.



    Ich sehe im Frankfurter Raum ständig irgendwelche E-Skate/Kick/Wasserauchimmer-Boards und finde die saupraktisch. Was da allein an Taxifahrten/Platz im ÖPNV jeden Tag gespart wird..

    Und was in einem Tesla an Ressourcen drin steckt, davon könnte man vermutlich hunderte von den Dingern bauen. Die brauchen keinen Platz, passen in den Rucksack bzw. stehen am Arbeitsplatz, sind (wenn auf, sagen wir mal, 25 km/h begrenz) genau so schnell wie ein Rad.


    Und die Akkus sollten wohl in den meisten Fällen ganz stinknormale 18650er von Panasonic/Sony/... sein, wahrscheinlich die meistverwendeten und geprüften Akkus dies es so gibt (Davon stecken auch jede Menge im Tesla, zumindest in den älteren) schliesslich stecken sich die Dinger millionen Menschen jeden Tag in den Mund. Kein Vergleich zu hochgezüchteten Handyakkus oder Chinanachbauten zum Beispiel.

  • Ich verstehe Deinen Post komplett gar nicht.

    Die Dinger fahren mit Motorantrieb, sind schneller als 6 km/h, also sind sie KFZ. Das ist bereits jetzt so. Nur sind sie bisher mangels Bauartzulassung nicht Zulassungs- und versicherungsfähig. Bauartzulassung gibt es noch keine, weil es keine Kriterien dafür gibt.

    Nur das soll jetzt geändert werden.

    Und wenn die Bauartzulassung erteilt werden soll, werden die Kriterien geprüft werden. Wenn dann bereits geprüfte Bauteile, wie etwa Akkus, verwendet werden, erleichtert das ggf. die Bauartzulassung.


    Ich sehe nicht, wie hier die Alternative für die letzte Meile verhindert wird. Was verhindert wird, ist, dass jeder Depp so ein Ding zusammenbraten und auf den Markt bringen kann, mit dem sich die Leute dann den Hals brechen oder ihre Mitmenschen gefährden können. Und ja, für so ein KFZ braucht es dann auch eine Fahrerlaubnis. Wer Auto- oder Motorroller fahren darf, wird auch diese Dinger fahren dürfen. Wer noch keine FE für ein KFZ hat, wird eine machen müssen, eventuell abgespeckt wie die Mofaprüfbescheinigung.

  • Und warum nicht etwas pragmatischer rangehen? Jetzt mal fernab von allen Paragraphen und Einstufungen die derzeit existieren:

    Die Dinger sind so schnell wie ein Tretroller ohne Antrieb (zumindest auf der Ebene) und langsamer als ein Fahrrad. Warum Führerschein und Zulassung für etwas, das nicht gefährlicher ist als ein Skateboard, Roller oder Fahrrad, nur bequemer?


    Einfach ne technische Prüfung für Fahrzeuge die elektrisch Personen oder Waren >20kg transportieren und diese auf meinetwegen 20km/h beschränken. Wer die nich hat, darf nicht einführen oder verkaufen. Wer sich das selber basteln will wird eh nicht verhindert, schau dich mal auf YT zum Thema selbstgebaute eBikes um ;)

  • Weil die Dinger im Straßenverkehr geführt werden sollen und man nicht möchte, dass man erst ein paar Hundert Tote und Schwerverletzte extra hat, bevor man anfängt, zu regulieren. Pragmatisch geht nur im kleinen Rahmen, der hier aber nicht gegeben ist. Und mit so einem Teil kommen auch Menschen auf Geschwindigkeiten von 20 km/h, die das aus eigener Kraft nie hinbekämen und daher auch keine Erfahrung oder Geschick dafür mitbringen. Die muss man wenigstens rudimentär darauf vorbereiten.

  • Und warum nicht etwas pragmatischer rangehen? Jetzt mal fernab von allen Paragraphen und Einstufungen die derzeit existieren:

    Die Dinger sind so schnell wie ein Tretroller ohne Antrieb (zumindest auf der Ebene) und langsamer als ein Fahrrad. Warum Führerschein und Zulassung für etwas, das nicht gefährlicher ist als ein Skateboard, Roller oder Fahrrad, nur bequemer?


    Einfach ne technische Prüfung für Fahrzeuge die elektrisch Personen oder Waren >20kg transportieren und diese auf meinetwegen 20km/h beschränken. Wer die nich hat, darf nicht einführen oder verkaufen. Wer sich das selber basteln will wird eh nicht verhindert, schau dich mal auf YT zum Thema selbstgebaute eBikes um ;)

    Dann müsstest du allerdings auch gleich die Versicherungspflicht für schnelle Krankenfahrstühle fallen lassen. Das sind Krankenfahrstühle, die schneller als 6 km/h fahren. Kann ja wohl nicht angehen, dass Leute mit Elektro-Rollern einfach so mit 20 km/h rumdonnern dürfen, während Menschen mit einer Gehbehinderung, die einen Krankenfahrstuhl benutzen der schneller als 6 km/h fährt, den versichern müssen. Diese Elektro-Roller braucht es nicht und ich habe größtes Verständnis dafür, wenn die bei Kontrollen aus dem Verkehr gezogen werden.