Woche 28 vom 11. bis zum 17. Juli 2022

  • und ein Radfahrer verstorben:

    Kreis Bamberg: Radfahrer stürzt und stirbt noch an der Unfallstelle
    Scheßlitz - Am Samstag ist im Landkreis Bamberg ein 51-jähriger Fahrradfahrer tödlich verunglückt. Ein Notarzt versuchte den Mann noch vor Ort zu reanimieren -…
    www.nordbayern.de


    wobei nach ersten Erkenntnissen ohne Fremdeinwirkung. Es könnte demnach sein, dass der Tod auch in jedem anderen Verkehrsmittel eingetreten wäre. :|

  • erwartbares Urteil vom AG Erfurt zu einem Unfall Radfahrer <> Fußgänger auf Gehweg + "Radfahrer frei"


    https://www.nordbayern.de/ratg…i-einem-unfall-1.12323707

    Ist doch eine gute Begründung, warum man sich der Nutzung solcher "Radwege" verwehren sollte.


    Zwei Dinge irritieren mich bei dem Artikel aber:

    1. "[...] In dem Fall ging es um einen Unfall auf einem Gehweg, der mit einem Zusatzschild auch für Radfahrer und Radfahrerinnen freigeben war. Es gab aber weder baulich noch farblich markierte eigene Bereiche."


    Wie ist die Lage bei Gehwegen, bei denen es eine farbliche Trennung gibt, die aber dennoch eindeutig als Gehweg mit Radverkehrsfreigabe gekennzeichnet sind? Z.B. in Jena hier: https://www.mapillary.com/app/…52963&dateFrom=2022-03-12 oder hier: https://www.mapillary.com/app/…52963&dateFrom=2022-03-12

    Ist die rote Fläche dann plötzlich Lava für Fußgänger und man kommt in Mithaftung, wenn man sorglos darauf läuft?


    2. "[...] Mit nach eigenen Angaben 12 bis 14 km/h war der Radfahrer für die Umstände vor Ort zu schnell unterwegs, befand das Gericht, und überdies zu nah an den Ausgängen der Grundstücke gefahren. Dass er über den Lenker gegangen war, sei auch Indiz für ein zu hohes Tempo."

    Mal abgesehen davon, dass die Geschwindigkeitsangabe zweifelhaft klingt, denn bei dem Tempo müsste man sicherlich eine äußerst komische Schwerpunktlage haben, um überhaupt über den Lenker fliegen zu können; war nicht ein anderes Gericht zu dem Schluss gekommen, dass Geschwindigkeiten unter 10km/h beim Fahrrad das Risiko des Umkippens bedeuten würden und 15km/h ein angemessen langsames Tempo (in verkehrsberuhigten Bereichen??) ist?

  • Wie ist die Lage bei Gehwegen, bei denen es eine farbliche Trennung gibt, die aber dennoch eindeutig als Gehweg mit Radverkehrsfreigabe gekennzeichnet sind?

    Im zweiten Bsp. ist die Beschilderung falsch. Deswegen wollte ich der StVB nochmal eine Erinnerungsmail schreiben.


    Aber auch im ersten Bsp. würde der Fußgänger wahrscheinlich eine Teilschuld bekommen, da er ja damit rechnen muss, dass der rote Bereich von Radfahrern für einen Radweg gehalten wird. Was ja auch manche Kraftfahrer einzufordern versuchen. ...

  • Ein verwandtes Thema ist der Überholabstand zu Fußgängern. Das betrifft dann auch die Fahrbahn nebenan:

    https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/126722/5269241

    Für Österreicher ist hier natürlich lebendsgefährlich mit den Zebras, die wissen ja nicht, dass das nur heißt "Fußgänger gib obacht, nur wenige Autofahrer sind geneigt zu halten".

    In Österreich malen die Zebras auch auf Umgehungsstraßen mit ZHG 70-80. Und da halten die Autos dann auch.

  • Aus dem Artikel:

    Zitat

    An Kreuzungen etwa verunglücken Radfahrende besonders häufig und schwer, wenn sie von rechtsabbiegenden Fahrzeugen übersehen werden. Helfen würden Kreuzungen nach niederländischem Vorbild, bei denen Radfahrende weitgehend getrennt vom Autoverkehr über die Kreuzung geführt werden und Schutzinseln zusätzliche Sicherheit verschaffen.

    Hat das die ZEIT hineingedichtet oder hat das Brockmann wirklich gesagt? Der war doch bislang sehr skeptisch bezüglich der niederländischen "Sicherheitskreuzung"


    Th(oma)s : Hast du vielleicht Unfallzahlen aus Kopenhagen? Dort geht man an Kreuzungen genau in die andere Richtung und löst oftmals die Separation vorher auf. Der Radweg geht dann 20-30m vor der Kreuzung in eine Kombispur über, die sich rechtsabbiegende Kfz und geradeausfahrende Radfahrer teilen. Konflikte beim Rechtsabbiegen sind da ausgeschlossen, aber mögliche Konflikte bleiben beim Wechsel der Kfz auf die Abbiegespur. Meiner Beobachtung nach hat das sehr gut funktioniert, aber in Kopenhagen ticken die Leute hinter dem Lenkrad auch anders als in Deutschland und das Verhältnis Fahrräder : Autos ist ein ganz anderes als hier.



  • Da hat die Zeit halt beim ADFC geschaut und entsprechende Informationen aus Darmstadt gefunden, die Stein und Bein schwören, dass es das "niederländische" Modell gibt, überall natürlich, und das es wirkt. Wobei es durchaus Vorträge gibt, wo dieser Kreuzungstyp von jemanden mit niederländischen Pass favorisiert und als Optimum dargestellt wird. Was ich noch nicht gefunden habe, sind belastbare Zahlen dazu.


    Auch wenn ich nur begrenzt in NL fahre, sehr häufig hab ichs dort noch nicht gesehen, die NL-Kreuzung.



    PS: da zum Beispiel nachzulesen: die meisten hier sind halt LTS4-Radler

  • Auch wenn ich nur begrenzt in NL fahre, sehr häufig hab ichs dort noch nicht gesehen, die NL-Kreuzung.

    Bereits aus den Skizzen aus Darmstadt ist eigentlich klar, dass die Sichtbeziehung zu Abbiegern erbärmlich ist. Das bestreiten die Vertreter dieser Kreuzung natürlich vehement.


    Und dann war ich neulich mit dem Rad in Amsterdam und bin einige dieser Kreuzungen gefahren. Und nicht weiter überraschend: die Abbieger haben mich reihenweise nicht gesehen und mir die Vorfahrt genommen.


    Diese Art von Kreuzung ist in meinen Augen gefährlicher Unsinn.

  • Konflikte beim Rechtsabbiegen sind da ausgeschlossen, aber mögliche Konflikte bleiben beim Wechsel der Kfz auf die Abbiegespur. Meiner Beobachtung nach hat das sehr gut funktioniert, aber in Kopenhagen ticken die Leute hinter dem Lenkrad auch anders als in Deutschland und das Verhältnis Fahrräder : Autos ist ein ganz anderes als hier.

    würde ich so in der Form nur dann unterschreiben, wenn kein Vorbeifahren rechts für den Radverkehr und auch kein "überholen" links für anderen Verkehr möglich ist.

  • Wie gesagt: In Kopenhagen funktioniert das prima. Wenig Gedrängel, keine spürbare Aggression. Und insgesamt deutlich weniger Autos und viel mehr Fahrräder auf den Straßen als z.B. in Hamburg. Ich musste schon eine Weile an einer solchen Stelle stehen bleiben, um überhaupt potenzielle Konfliktsituationen zu sehen. Das hat aber immer funktioniert: Autos sind erst nach rechts auf die Abbiegespur gefahren, wenn eine ausreichend große Lücke zwischen den Radfahrern war und Radfahrer haben sich nicht rechts daran vorbeigedrängelt, sondern sind allenfalls links an den wartenden (stehenden) Autos nach vorne gefahren. Also auch nicht wie bei unseren ARAS rechts an den wartenden Kfz vorbei, sondern links.


    Daher die Frage, ob das nur ein persönlicher und nicht-repräsentativer Eindruck ist, dass das gut funktioniert oder ob es dort tatsächlich wenige Unfälle gibt. Ich habe gelesen, dass solche Kombispuren auch in der nächsten ERA beschrieben sein sollen. Im Prinzip ist es ähnlich wie die Fahrradweichen, nur dass Rechtsabbieger den geradeaus verlaufenden Radfahrstreifen nicht komplett queren, sondern dass alles eine einzige breite Fläche ist. Das hat den Vorteil, dass man als geradeaus fahrender Radfahrer dann auch nicht rechts von abbiegenden Kfz überholt wird.


    Die Sichtbeziehungen sind da jedenfalls einwandfrei, solange Radfahrer nicht von hinten schneller als der stockende Kfz-Verkehr in den Bereich fahren. Aber in der Situation sehen Radfahrer von hinten sehr gut, was vor ihnen passiert. Damit es funktioniert, darf niemand auf sein vermeintliches Vorrecht bestehen, das es auch nach deutschem Recht an einer solchen Stelle nicht gibt. Wer mit dem Kfz auf die Abbiegespur wechselt, darf dabei niemanden gefährden und wer mit dem Fahrrad den Straßenteil wechselt, auch nicht. Es hat also niemand Vorrang, sondern alle müssen aufeinander aufpassen.

  • Auch wenn ich nur begrenzt in NL fahre, sehr häufig hab ichs dort noch nicht gesehen, die NL-Kreuzung.

    Verwundert nicht.

    Kannte bis "kürzlich" auch nur das vom UDV.

    Bei einer Gemeinderatsanfrage wurde auch das Thema NL-Kreuzung aufgebracht.

    Die Stadt hat dann was anderes (FGSV?) ausgegraben, nachdem dieser K-Typ in NL weder besonders häufig sei, noch in irgendeiner Art in den NL auf Wirksamkeit verifiziert.

    Das vom UDV habe ich zusätzlich eingespeist, trotzdem scheint die Stadt das doch mal testweise zu planen ( / planen zu müssen?) *seufz*

  • Th(oma)s : Hast du vielleicht Unfallzahlen aus Kopenhagen?

    Bisschen was gibt es im Mobilitätsbericht 2022. Man muss dazu sagen, dass die Dänen Verkehrsopfer ganz anders erfassen als die deutsche Polizei. So gibt es zb paradoxerweise stets geringere Zahlen für leicht- als für schwerverletzte Verkehrsopfer zu verzeichnen. Darüberhinaus sind die wenigen Seiten im Mobilitätsbericht, die sich mit Verkehrsunfällen befassen, eher eine einzige Nebelkerze als brauchbare Analyse, die man mit deutschen Statistiken vergleichen kann. Immerhin findet man im zweiten Teil die Aussage, dass 11% aller Radunfälle Rechtsabbiegekonflikten entspringen - das ist, wenn das so gemeint ist, wie ich die relative Angabe interpretiere, eine mit deutschen Statistiken verglichen überraschend hohe Zahl.


    Ich habe außerdem jedesmal, wenn ich beim unregelmäßigen Googlen nach tödlichen Radunfällen in CPH von einem Rechtsabbieger lese, die Seite gebookmarkt. Da habe ich im Schnitt 1-2 Einträge jährlich - das ist pro Einwohner auf dem Niveau von Berlin, das ja bei ungefähr gleicher Radfahrleistung ca. 5x größer ist als CPH.


    Für ganz Dänemark gibt es auf der Homepage des Verkehrsministeriums eine Seite zu Rechtsabbiegerunfällen. Da stehen für die letzten Jahre im Schnitt 3-4 Todesopfer p.a. drin. Da DK 14x kleiner ist als D, liegt das -bei quasi gleicher Radfahrleistung wie in D- weit über dem Niveau von Deutschland.

  • Für ganz Dänemark gibt es auf der Homepage des Verkehrsministeriums eine Seite zu Rechtsabbiegerunfällen. Da stehen für die letzten Jahre im Schnitt 3-4 Todesopfer p.a. drin. Da DK 14x kleiner ist als D, liegt das -bei quasi gleicher Radfahrleistung wie in D- weit über dem Niveau von Deutschland.

    Ich habe Kopenhagen anders empfunden als den Rest von Dänemark, durch den ich gefahren bin. Insgesamt war ja auf den Strecken, auf denen ich unterwegs war, nicht viel los. Nach Kopenhagen und auch auf dem Rückweg bin ich viel auf der Landesstraße 151 gefahren, die parallel zur Autobahn verläuft, über die der Fernverkehr abgewickelt wird. Auf den Nebenstrecken war sowieso wenig Verkehr. Insofern habe ich da keine Konflikte erlebt, weil es meistens schon an möglichen Konfliktpartnern mangelte.


    In Kopenhagen habe ich Autofahrer als sehr rücksichtsvoll empfunden. Aber da fahren natürlich auch mal Auswärtige, die die Gepflogenheiten nicht kennen. Wenn die auf Kopenhagener Radfahrer treffen, die sich einerseits weitestgehend regelkonform verhalten, das aber auch bei den Autofahrern als selbstverständlich voraussetzen, kann es natürlich brenzlig werden. Mir hat gerade vorgestern ein Bekannter vorgejammert, wie schlimm es für ihn war, mit dem Auto in Kopenhagen zu fahren, weil da überall Radfahrer waren (und vermutlich weil die sich nicht überall devot untergeordnet haben).


    Spannend wäre es, wenn es für Dänemark etwas Vergleichbares wie den Unfallatlas gäbe, wo man Unfallorte sehen kann. Die Kombispuren gibt es ja nicht an jeder Kreuzung.

  • Gesetzesänderung für mehr Mobilitätswende? – Puls Magazin (dmt-puls.de)


    Kommt jetzt die nächste Attacke auf §45 (9)? Wenn man die Anordnung von Tempo 30 erleichtern möchte, muss man nicht §45 (9) ändern sondern §3 (3) 1. und 30km/h zur Regelgeschwindigkeit innerorts machen. Die Verkehrsbehörden müssten dann begründen, wenn an einer Straße auch 50km/h erlaubt werden soll.


    Auch sonst enthält der Artikel einige Fehler. Dass die Flüssigkeit des Kfz-Verkehrs über alles gestellt wird, mag zwar immer noch gängige Praxis sein, aber das Gegenteil steht in der Vorschrift.

    Zitat

    Die Flüssigkeit des Verkehrs ist mit den zur Verfügung stehenden Mitteln zu erhalten. Dabei geht die Verkehrssicherheit aller Verkehrsteilnehmer der Flüssigkeit des Verkehrs vor. Der Förderung der öffentlichen Verkehrsmittel ist besondere Aufmerksamkeit zu widmen.


    Die Einrichtung von Radfahrstreifen erfordert keinen Nachweis einer besonderen Gefahrenlage, denn Radfahrstreifen sind in §45 (9) 3. explizit ausgenommen. Man darf auch Radwege bauen, ohne eine besondere Gefahrenlage nachzuweisen. Die dürfen dann aber nicht benutzungspflichtig sein. Hier wäre vielmehr Aufklärung nötig, dass durch den Bau solcher unnötigen Radwege die besondere Gefahrenlage erst geschaffen wird.

  • Da hast Du und der ADFC einfach unterschiedliche Positionen.

    - Du willst sicheres radln

    - Der ADFC will so viel Radweg wie irgend möglich, und da hätte man halt, dass da in §45 steht:


    besondere Beschränkungen und Verbote des fließenden Verkehrs dürfen nur angeordnet werden, wenn auf Grund der besonderen örtlichen Verhältnisse eine Gefahrenlage besteht, die das allgemeine Risiko einer Beeinträchtigung der in den vorstehenden Absätzen genannten Rechtsgüter erheblich übersteigt. 4Satz 3 gilt nicht für die Anordnung von

    1. Schutzstreifen für den Radverkehr (Zeichen 340),
    2. Fahrradstraßen (Zeichen 244.1),
    3. Sonderwegen außerhalb geschlossener Ortschaften (Zeichen 237, Zeichen 240, Zeichen 241) oder Sonderwegen innerhalb geschlossener Ortschaften ((Zeichen 237, Zeichen 240, Zeichen 241 und Zeichen 237 in Verbindung mit Zeichen 295),


    Damit wären dann jeglicher Fahrrad-Sonderwegen Tür und Tor geöffnet und schwupps, schön werden überall die blauen Lollis sprießen und 90cm breite Schutzstreifen werden die Straßen zieren.