Woche 37 vom 13. bis 19. September 2021

  • Die Satire ist schon immer von der Realität eingeholt worden.

    „Zeigen wir dem staunenden Ausländer einen neuen Beweis für ein aufstrebendes Deutschland, in dem der Kraftfahrer nicht nur auf den Autobahnen, sondern auf allen Straßen durch den Radfahrer freie, sichere Bahn findet.“ (Reichsverkehrsministerium, 1934)

  • Im Dezember 2017 ging die Story vom Hirsch Bambi, der mit Warnweste im Südharz gesichtet wurde, durch die Bunten Seiten der Gazetten. Die Tochter des Ziehvaters gehört zum erweiterten Freundeskreis, der sich jedes Jahr zu Silvester zu einer Brockenwanderung trifft. Sie erzählte damals, dass der Vater den Junghirsch verletzt im Garten gefunden und mit der Flasche aufgezogen hatte. Um ihn beim Versuch des Auswilderns vor den Gefahren des unbekannten Straßenverkehrs zu schützen, hatte er dem Tier kurzerhand einen reflektierenden Gurt angelegt.


    Bei dem aktuellen Fall hat der Autofahrer aber erkennbar die Weste erst nachträglich zur Markierung über das liegende Tier gelegt, bevor er abgehauen ist.

  • Die rund 200 PS und rund 200 km/h Höchstgeschwindigkeit nutzen der Fahrerin oder dem Fahrer des Hyundai-SUV auch nichts beim Ausparken aus diesem engen Stellplatz am Fahrbahnrand.

    Isa dagegen könnte der Fahrerin oder dem Fahrer zumindest dabei helfen, mit dem Fahrzeug nicht zu schnell zu fahren.


    Der Link von Pepschmier führt zu einem Artikel in dem das Einhalten von Tempolimits mal wieder zur Charakterfrage erklärt wird. Das ist meines Erachtens die falsche Betrachtungsweise.

    Ab 2022 kommt ISA: "2022 schlägt die Stunde für einen großen Schritt: "Einer der spannendsten Aspekte ist der Intelligente Geschwindigkeitsassistent, der den Fahrern hilft, die Tempolimits einzuhalten", sagte der Brite Matthew Baldwin, der bei der EU-Kommission als Koordinator für Verkehrssicherheit und nachhaltige Mobilität tätig ist, vor wenigen Tagen in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Das Zauberwort heißt ISA, eine Abkürzung für Intelligent Speed Adaption (intelligente Geschwindigkeitsregelung)."

    Quelle: "Sicherer unterwegs: ISA warnt, wenn der Fahrer zu schnell ist" von DETLEF DREWES, 8.8.2020 auf nordbayern.de

    Sicherer unterwegs: ISA warnt, wenn der Fahrer zu schnell ist
    Brüssel - Ab 2022 beginnt in der EU die schrittweise Einführung von Geschwindigkeitsreglern. Lkw und Pkw sollen durch solche Assistenzsysteme sicherer werden.…
    www.nordbayern.de

    Möglicherweise werden zukünftig Artikel über das zu schnelle Fahren nicht so sehr alleine darauf abheben, ob ein Autofahrer "brav" unterwegs ist: "Fahrer der B-Klasse von Mercedes-Benz sind besonders brav unterwegs. B-Klasse-Fahrer haben nur halb so häufig Flensburg-Punkte wie die Kfz-Versicherten im Gesamtschnitt." Zitat aus dem von Pepschmier verlinkten Artikel.


    Leider wird ISA nicht verpflichtend eingeführt. Es wird zwar die Pflicht, dass das Assistenzsystem ab 2022 in Neufahrzeugen im Fahrzeug verbaut sein muss, aber es gibt zumindest vorläufig keine Pflicht, es auch anzuwenden. Zur Begrünung schreibt nordbayern.de: "Ursprünglich war sogar von einer Zwangsbremsung die Rede, doch diesen Plan hat man mit Blick auf dann riskante Überholmanöver aufgegeben. Tatsächlich dürfte die ISA den Fahrer zunächst optisch und akustisch warnen, wenn er zu schnell unterwegs ist – ehe dann die Motorleistung gedrosselt wird."

    Das von nordbayern.de verwendete Wort "Zwangsbremsung" ist irreführend und soll eine vernünftige Diskussion über ISA torpedieren, indem auf schäbige Art und Weise negative Emotionen geweckt werden. Erst im zweiten Satz des Zitates wird korrekt dargestellt, dass ISA keine Zwangsbremsungen ausführt, sondern die Motorleistung so drosselt, dass ein schnelleres Fahren nicht möglich ist. Das ist ganz etwas anderes als eine Zwangsbremsung.

    Würde man die emotionalisierende Betrachtungsweise von Nordbayern.de übernehmen, dann müsste man von jedem Fahrzeug sagen, dass es eine Zwangsbremsung ausführt, nämlich genau an der Stelle, an der die Motorleistung kein weiteres Beschleunigen mehr zulässt. Hat jemand schon mal davon gelesen, dass ein Leichtkraftrad mit einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h als ein Fahrzeug bezeichnet wird, das mit einer Zwangsbremse ausgestattet ist? Oder wird bei einem Ferrari mit 1000 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 350 km/h von einer eingebauten "Zwangsbremse gesprochen"?

    Quelle: https://www.auto-motor-und-spo…1000-ps/technische-daten/ In dem verlinkten Artikel lese ich jedenfalls nichts von einer "Zwangsbremse".


    Vielleicht wird bei der Berichterstattung über das Einhalten von Tempolimits zukünftig nicht mehr so sehr über die Charaktereigenschaften der Fahrer bestimmter Automodelle spekuliert, sondern mehr über die Qualität der ISA-Technik. Hilfreich wäre es, wenn diese Technik dann auch konsequent angewendet werden würde, nämlich in der Form, dass sie nicht einfach mal so eben abgeschaltet werden kann.

  • https://efahrer.chip.de/news/p…unruehmlich-heraus_105887


    Deckt sich irgendwie mit meinen täglichen Begegnungen. :)

    Ist bei mir überhaupt nicht so. Das ist dann aber auch eine wichtige Erinnerung daran, anekdotische nicht mit statistisch valider Evidenz zu verwechseln.

    Bei mir ploppten nämlich sofort BMW und AUDI auf.

    „Zeigen wir dem staunenden Ausländer einen neuen Beweis für ein aufstrebendes Deutschland, in dem der Kraftfahrer nicht nur auf den Autobahnen, sondern auf allen Straßen durch den Radfahrer freie, sichere Bahn findet.“ (Reichsverkehrsministerium, 1934)

  • Bei uns hätt ich das auch so gesehen, erst Audi dann AMG, danach M-GmbH, beiden Letztere vor allem vor allem von der:"hätte gerne" und "Schaut so aus- Klientel" vertreten. Und das, obwohl im Münchner Umland die Porsche-Dichte nicht gering ist. Aber das liegt wahrscheinlich auch daran, Porsche ist natürlich erst mal 911 und flache Konsorten. Da sitzen meist Fahrer*innen drin, die eher des spontanen Ablebens, denn der Geschwindigkeits-Übertretung verdächtig sind. Dass dank Cayenne inzwischen viele "Zuffenhausener" im unauffälligen SUV-Allerlei unterwegs sind, unterschätzt man sicher.

  • Ist bei mir überhaupt nicht so. […]

    Bei mir ploppten nämlich sofort BMW und AUDI auf.

    Audi war doch auch die genannte größte Risikomarke.


    In meinem persönlichen Erleben sind Audi-Fahrer vor allem die größten Sadisten. Die haben es nie einfach nur eilig. Es bleibt stets noch genug Zeit für Nickeligkeiten mir gegenüber: „schau her, hier bin ich, und ich bin wichtiger als wie du!“.

    BMV-Nutzer haben es zwar auch eilig, aber sie verhalten sich mir gegenüber eher gleichmütig. Sie halten jedenfalls nie ganz bewusst böswillig drauf, bloß um einen auf dicke Hose zu machen.


    Keine Ahnung, ob solche Charakterzüge sich tatsächlich im Punktekonto abbilden können.


    Audi & Lackfarbe schwarz & durch 6 oder 9 teilbare Schnapszahl im Kennzeichen = Asshole-Bingo!:evil:

  • Muss ich wirklich Spurious Correlations nochmal verlinken?


    15 Insane Things That Correlate With Each Other
    Why do these things correlate? These 15 correlations will blow your mind. (Is this headline sensationalist enough for you to click on it yet?)
    www.tylervigen.com


    Mein persönlicher Favourit wäre immer noch der Zusammenhang zwischen "Pro Kopf Käse Konsum" und "Menschen die sich in ihrem eigenen Bettlaken verheddern und ersticken".


    Als Gegenfragen hätte ich dann erst mal: sind das Fahrzeuge die häufiger in Fuhrparks unterwegs sind? Sind das Vertreter? Blonde Damen, die die Kinder zum Fußball fahren? Könnte es einen anderen Zusammenhang als Automarke und Punktekonto geben?

  • Gar nicht spurious. Automarke war schon zu meiner Sturm-und Drang-Zeit im Pleiozän ein Erkennungsmerkmal. Wer nicht bis 3 Zählen konnte, musste als Ausgleich mit 18 unbedingt nen BMW haben, am besten mit Heckspoiler. Intellektuelle tuckerten eher mit R5, Käfer oder Ente rum. Giftgas-Ausstoß war damals wie heute kein Thema.


    Mein kürzlicher Apell an die Geschäftsleitung, man möge doch, wenn man schon offensives Greenwashing auf der Firmenhomepage betreibt, den Fuhrpark der Geschäftsleitung von Pest-Audis auf möglichst kleine e-Autos umstellen, wurde gnädig ignoriert. Vermutlich bin ich jetzt auf der "Watchlist", ein potentieller Underperformer, der die Insignien der Macht in Frage gestellt hat.

  • BMV-Nutzer haben es zwar auch eilig, aber sie verhalten sich mir gegenüber eher gleichmütig. Sie halten jedenfalls nie ganz bewusst böswillig drauf, bloß um einen auf dicke Hose zu machen.

    Wie gesagt: anekdotische Evidenz und so. Die tun bei mir genau das. AUDI-Fahrer nie, aber ich hörte es oft von anderen.

    Porsche-Fahrer (außer SUV) bedrängen mich auch als Autofahrer nie. Das Gefühl, man könnte, wenn man will, macht gelassen und souverän. ;)

    „Zeigen wir dem staunenden Ausländer einen neuen Beweis für ein aufstrebendes Deutschland, in dem der Kraftfahrer nicht nur auf den Autobahnen, sondern auf allen Straßen durch den Radfahrer freie, sichere Bahn findet.“ (Reichsverkehrsministerium, 1934)

  • Nu ja, ich bin etwas älteren Datums. Ich habe also auch noch Zeiten erlebt, in denen man mit einem DKW 3/6 durch die Gegend tuckerte, BMW einerseits Barockengel und andererseits Isettas auf der Straße hatte, VW mit Käfer (und 411) übersetzt wurde.


    Dann kamen Ford Capri, Opel GT und Golf GTI, ach ja, und das Auto mit gleich zwei Filmen zum liefergelegten Image mit Fuchsschwanz. Die blieben aber mehr oder minder Exoten zwischen Fiesta und Granada, Kadett und Omega, Polo und Passat.


    Aber ihr Marken-Image deutlich verändert haben die Bayern mit ihren 02ern, aus denen die 3er entstanden, und eben die Auto Union / Audi, die zwar vorher schon die Rennsemmel Prinz TT und den RO 80 von NSU ins Portfolio übernommen hatten, aber nach den ersten betulichen Audi 50 (der Vater/ältere Bruder des Polo), Audi 60 und Audi 100, die auf den Häkelklorollenbesitzer abzielten, auf "Vorsprung durch Technik" umsattelten.

    Die zielten bewusst auf eine Klientel, für die Tempolimits "pro Achse" galten. Da könnte man sagen, da haben sich Klientel und Markenimage gefunden.



    Disclaimer: Der Autor hat auch schon mal Audi und BMW bewegt. Als Leihwagen (bestellt war Golf).

  • Parken Überall — The Very German Culture War No One Likes To Talk About
    After receiving threats of violence for reporting illegally parked cars, the author examines what drives German car culture to…
    medium.com

  • "Ich hatte Leute, von denen ich dachte, dass sie völlig rational waren, sofort wütend auf mich, als sie entdeckten, dass ich illegal geparkte Fahrzeuge meldete.", heißt es in dem Bericht.

    Ich befürchte, dass es notwendig ist, eine Organisation aufzubauen, die die Ordnungswidrigkeiten-Anzeigen so auf den Weg bringt, dass nicht Nachbarschafts-Streitigkeiten die Folge sind.

    Leider bin ich zu wenig bewandert in der Thematik, um diesen Weg konkret benennen zu können. Aber das was der Autor schreibt, geht so gar nicht, denn es ist außerordentlich belastend für ihn. Und es muss doch möglich sein, dass man sich gegen Falschparker verteidigt, und die Schergen der Autofahrerschaft ins Leere laufen zu lassen.