Die dreistesten Unfallursachenausreden

  • Dass eine reflektierende Weste die Sichtbarkeit erhöht, wirst du wohl nicht abstreiten wollen.

    Doch, das streite ich ab, mindestens, wenn ich die Rahmenbedingungen sinnvoll setze.


    Eine aktive Fahrradbeleuchtung kann man aus mehreren hundert Metern Entfernung sehen. Die Beleuchtungsstärke des reflektierbaren Lichtes hat sich da aber schon deutlich abgeschwächt (geht mit der Entfernung im Quadrat).


    Anders sieht es mit der Aufmerksamkeit aus. Die kann durch Wahnwesten auf einen gezogen werden. Das sind dann aber Bedingen, bei denen die Sichtbarkeit als gegeben angenommen werden kann.


    Was unter dem Strich bleibt: Es ist wie immer die Risikokompensation. Es wurden bei Untersuchungen keine Vor- aber auch keine Nachteile der Wahnwesten festgestellt.

  • Der Weg ist also einsehbar, du hast ein Rücklicht (aktiv), einen Rückstrahler (passiv), vllt sogar noch welche an jedem Pedal und tauchst im Lichtkegel des von hinten herannahenden Fahrzeuges auf. Und weil das alles nichts nützt, trägst du eine Warnweste.

    Ok.


    Versteh ich nicht.

    aktivierst du beim Auto auch den Warnblinker, wenn du auf der Landstraße langsamer als Vmax fährst? Weil: da müsstest du ja auch Angst haben, dass dir hinten einer reinfährt. :/

    Wenn das überspitzte Formulieren heute in ist: Waren die Warnwestenverweigerer schon mal draußen?


    Die zugelassene Rückleuchte und der bescheuerte rote Rückstrahler sind gegenüber den Reflexelementen der typischen Arbeitsjacke unsichtbar. Da jetzt auf der Warnweste herumzureiten, statt auf der vertanen Chance die Fahrradbeleuchtung im Rahmen der abnehmbaren LED Lichter vernünftig zu überarbeiten finde ich seltsam.

  • ich fahre regelmäßig "im Dunkeln" auf Kreis-, Land- und Bundesstraßen.

    Die Situationen mit KFZ-Verkehr unterscheiden sich nicht von denen bei strahlendem Sonnenschein oder bei bedecktem Himmel.


    Wer eng überholen will, überholt eng. Wer meint, mit 120 im Blindflug über eine Kuppe schießen zu müssen, macht das unabhängig von den Lichtverhältnissen. Und wer pennt, der pennt. Den holt auch keine Warnweste vor der Stoßstange da raus.


    legal installlierbares Rücklicht ist hell genug, um auch aus mehreren 100m deutlich gesehen zu werden. Wenn man denn will.

  • Und nun die Mottenpest:


    https://www.mopo.de/hamburg/mo…ine-knautschzone-37998114


    Es fängt schon mal mit bewiesener Ahnungslosigkeit an:

    Zitat

    Kein Abstand: Die Radspur ist zugeparkt, die Radlerin muss auf die Straße ausweichen.

    Dann kommt die Umstülpung der StVO ins Gegenteil:

    Zitat

    Bis dahin bleiben Radfahrern nur wenige Möglichkeiten, einen Unfall zu verhindern. Stehen sie neben dem Lkw an der roten Ampel: Blickkontakt zum Fahrer suchen! Nähert man sich auf seinem Fahrrad von hinten, dem abbiegenden Lkw lieber die Vorfahrt lassen.

    Beim Thema Dooring steht nur ein Ratschlag an die Autofahrer - der "holländische Griff". Es steht nicht der Ratschlag an die Radfahrer, mindestens einen Meter Abstand zu halten.

    Und dann noch ein Abschnitt zum Thema Geisterfahrer, der geschrieben ist, als gäbe es keine benutzungspflichtigen Zweirichtungsradwege.

    Ach ja, und der "Leuchtkram" (sic) wird natürlich auch empfohlen.

  • Die Situationen mit KFZ-Verkehr unterscheiden sich nicht von denen bei strahlendem Sonnenschein oder bei bedecktem Himmel.


    Wer eng überholen will, überholt eng. Wer meint, mit 120 im Blindflug über eine Kuppe schießen zu müssen, macht das unabhängig von den Lichtverhältnissen. Und wer pennt, der pennt. Den holt auch keine Warnweste vor der Stoßstange da raus.


    legal installlierbares Rücklicht ist hell genug, um auch aus mehreren 100m deutlich gesehen zu werden. Wenn man denn will.

    Vor allem stumpfen die Leute ab, bzw. gewöhnen sich daran. Dann wird alles, was nicht leuchtet wie ein Kaufhof zu Weihnachten als nicht relevant abgetan.


    Typisches Beispiel: wer in den skandinavischen Ländern unter Tags mal mit dem Auto ohne Licht fährt, selbst Mittags bei strahlendem Sonnenschein und um die Mitsommerzeit, hat den Status "Parkend"

  • Der Weg ist also einsehbar, du hast ein Rücklicht (aktiv), einen Rückstrahler (passiv), vllt sogar noch welche an jedem Pedal und tauchst im Lichtkegel des von hinten herannahenden Fahrzeuges auf. Und weil das alles nichts nützt, trägst du eine Warnweste.

    Ok.


    Versteh ich nicht.

    aktivierst du beim Auto auch den Warnblinker, wenn du auf der Landstraße langsamer als Vmax fährst? Weil: da müsstest du ja auch Angst haben, dass dir hinten einer reinfährt. :/

    NEIN, ich trage keine ADFC Warnweste. :D

    Sehr wohl habe ich Speichenreflektoren, Rücklicht mit Rückstrahler. Reflektoren an Pedalen und Fahrradschuhen. Reflektionsstreifen an der schwarzen Radhose, weiteres reflektierendes auf der schwarzen Fahrradjacke vorne wie hinten. JA, ich leuchte wie ein Tannenbaum, wenn ich angestrahlt werde.


    Und ich rede hier weder von Bundes-, noch Land-, oder Kreisstraßen. Hier steht mitunter km-lang nicht eine einzige Straßenlaterne das sind einsame Feldwege. Wenn du hier tot überm Zaun hängst, wirst du nach 'ner Woche gefunden.

    Ich fühle mich besser weil ich weiß dass ich so besser gesehen werde. Alles andere inkl. Stylepolizei interessiert mich nicht. :)

  • meine Packtasche(n) am Rad haben so Reflexelemente. Die kann ich mir aber nicht aussuchen. Und so seh ich das mit Klamotten auch. Meine Gore-Wear-Flausch-Hose (so eine enge Laufhose), die ich bei kühlerem Wetter aufm Rad anziehe, hat auch solche Reflexelemente.

    Ich glaub, meine Jacke auch.


    Das Geraffel trage ich aber bzw. häng mir das ans Rad, weil ich die Funktion "Wärme" (oder Stauraum) benötige. Gäbs das Zeug ohne Reflexelemente, würd ich mir das dennoch (also ohne Elemente) kaufen.

    Und gerade bei den Packtaschen gibt's seit ein paar Jahren dieses "High Visibility"-Zeug. Das würd ich nicht kaufen, weil es eben Alternativen gibt, mit denen ich mich nicht weniger sicher fühle.


    Übrigens: als Fußgänger außerorts dächte ich durchaus nach, meine Sichtbarkeit zu erhöhen. Weil ich eben kein aktives Licht hab. Andererseits müsste ich außerorts ja auch auf der linken Seite gehen, so dass ich zur Not auf KFZ noch reagieren kann... hm

  • Ich bin nicht so modebewusst, mir ist das vergleichsweise egal. Auf dem Rad trage ich keine Warnweste, außer ich fahre ein Brevet auf dem sie vorgeschrieben sind. Ich sehe aber Kinder mit Warnweste erheblich früher als die ohne - das geht leicht, weil mein Arbeitsweg entlang dem Schulweg führt. Das gilt gleichermaßen für ein Radl mit ordentlichem Licht wie für ein Auto.


    Nun sag ich mal so: einen Nutzen sehe ich daraus noch nicht direkt. Kinder sind aber auf dem Schulweg erstaunlich berechenbar. Die folgen dem Fußweg, springen nicht auf die Straße - alles kein Problem. Früher sehen ist daher kein echter Vorteil, aber auch sicher kein Nachteil. Ist halt schön, wenn ich andere Verkehrsteilnehmer so früh wie möglioch wahrnehme. Ich begrüße auch das permanente Fahrtlicht an Autos.


    Daher die Frage: Wenn Reflexelemente an Outdoor-Kleidung verpflichtend wären, würde das ausreichen um dich auf eine Demonstration zu schicken? Sporthosen, Winterjacken, Wanderschuhe - alles müsste in Zukunft im Scheinwerfer leuchten. Wäre das echt ein Nachteil?


    Ich sehe auf dem dunklen Pegnitzradweg halt leider viel zu viele Jogger, die in schwarz auf schwarz mit schwarzen Haaren und dunklem Schuh unterwegs sind. War noch nie ein Problem - meine Radlampe leuchtet weit genug. Aber warum nicht etwas mehr Sichtbarkeit fördern? Radfahrer mit Reifenpanne sehe ich halt wirklich erst, wenn Mensch oder Rad im Scheinwerfer sichtbar sind - mit den Reflexelementen an den typischen Ortliebtaschen oder einer Arbeitsjacke ist das Streulicht halt schon 100m vorher ausreichend. Diese eine Situation (jaja, in 10 Jahren ein mal und gefährlich war es auch nicht) hatte ich eben.


    Und deswegen motze ich halt. Ich mag die Propaganda mit "eine Weste rettet Leben" nicht. Das ist Käs. Aber ich hätte schon gerne mehr Menschen in meiner Flußau, die ich leicht sehen kann. Echter Zwiespalt - ich stehe derzeit auf der Seite von "mach doch anderen das Leben leichter, wenn es nicht weg tut". Und mich schmerzt die gelbe Arbeitsjacke nicht. Billig, praktische Taschen, gutes Innenklima.

  • ich persönlich halte (Schul-)kinder übrigens für überhaupt nicht berechenbar, weshalb ich als Verkehrsteilnehmer (Auto, Rad) da in jedem Falle langsamer werde und noch mehr Abstand halte. :/


    Würde ich demonstrieren gehen, wenn es Gesetzesentwurf zu verpflichtenden Reflexelementen auf Klamotten rauskommt? Ohne zögern: ja!

  • ich persönlich halte (Schul-)kinder übrigens für überhaupt nicht berechenbar, weshalb ich als Verkehrsteilnehmer (Auto, Rad) da in jedem Falle langsamer werde und noch mehr Abstand halte. :/

    Echt? Das mag an der Region liegen - oder an der Tageszeit. Früh sind bei mir die Kids praktisch automatisiert Richtung Schule unterwegs - da weicht auch keiner vom Weg ab um andere zu begrüßen. Ich bin aber halt in Franken, nicht im Rheinland. Auch die Kids sind bei uns nicht so extrovertiert.


    Zitat

    Würde ich demonstrieren gehen, wenn es Gesetzesentwurf zu verpflichtenden Reflexelementen auf Klamotten rauskommt? Ohne zögern: ja

    Finde ich auch eine extrem spannende Antwort. Verstehe ich überhaut nicht, aber interessant.

  • Und deswegen motze ich halt. Ich mag die Propaganda mit "eine Weste rettet Leben" nicht. Das ist Käs. Aber ich hätte schon gerne mehr Menschen in meiner Flußau, die ich leicht sehen kann. Echter Zwiespalt - ich stehe derzeit auf der Seite von "mach doch anderen das Leben leichter, wenn es nicht weg tut". Und mich schmerzt die gelbe Arbeitsjacke nicht. Billig, praktische Taschen, gutes Innenklima.

    Ich bin da auch zwiegespalten. Ich hatte mir vor zwei Jahren mal eine Sportjacke zum Laufen gekauft und musste zehn Minuten mit dem Verkäufer diskutieren, warum ich denn so unvernünftig wäre, keine grellgelbe Jacke mit reflektierenden Elementen zu kaufen, sondern stattdessen auf einer neonblauen Jacke mit reflektierenden Elementen bestand.


    Obwohl ich es für vernünftig halte, sich im Straßenverkehr sichtbar zu bewegen, widerstrebt es mir, mich wie ein Tannenbaum zu kleiden, wenn ich laufen gehe oder gar nur zum Einkaufen oder zum Bäcker. Ich bewege mich hier innerhalb von Wohngebieten und bin knallhart der Meinung: Hier müssen Kraftfahrer nunmal mit Fußgängern rechnen ihre Geschwindigkeit entsprechend reduzieren. Das funktioniert natürlich nicht, trotz teilweise komplett zugeparkter Kreuzungsbereiche wird hier nicht derart vorsichtig gefahren, dass bevorrechtigte Fußgänger rechtzeitig gesehen werden.


    Aber es widerstrebt mir innerlich, für einen abendlichen Spaziergang eine Warnweste anzuziehen. Ich hätte viel lieber eine gesellschaftsweise Akzeptanz für das so genannte Sichtfahrgebot. Solange aber medial lediglich betont wird, nichtmotorisierte Verkehrsteilnehmer müssten bitte selbst für ihre Sicherheit sorgen, habe ich da wenig Hoffnungen. Und insofern hilft es mir im Zweifelsfall auch nicht weiter, wenn mich jemand beim Joggen über den Haufen fährt — allerdings bin ich mir nunmal nicht sicher, dass es mit Warnweste nicht passiert.

  • Ich frage mich halt, wo das enden soll mit den Reflektoren-Vorschriften. Winterjacke für draußen mit Reflektoren fände ich einerseits okay, andererseits werden doch Berufsgruppen wie Abfallentsorger oder Bauarbeiter etc., die sich berufsbedingt besonders exponieren müssen im Verkehrsgewimmel irgendwann verschluckt werden von den vielen "zivilen" Warnwestenträgern.


    Und dann frage ich mich: Was ist an einem lauen Spätherbstabend, wo mir ein leichtes Strickjäckchen reicht zum Radfahren, dass ich sonst normalerweise eher drinnen anziehe, um im Winter Heizkosten zu sparen und die Umwelt zu schonen. Da käm' ich mir schon ein bisschen komisch vor, wenn ich in der Wohnung mit Reflektorenbewehrten Strickjäckchen rumlaufen müsste, weil es solche ohne Reflektoren nicht mehr gäbe.

    Und wenn ich in einer lauen Sommernacht nur im T-Shirt mit braungebrannten Armen mit dem Fahrrad fahre? Müssen T-Shirts dann auch Reflektoren haben? Oder wird dann eine Reflektor-Schärpe zur Pflicht?

    Als ich den Fahrradfahrer auf dem Foto sah, wurde mir klar, wo das alles enden kann. Denn warum nur Reflektoren, wenn man die Kleidung selbst doch zum Leuchten bringen kann? Siehe unten!

    Und warum nur Kinder, wo Erwachsene doch manchmal noch viel unberechenbarere "Winkel" schlagen?

    Die Radfahrerei und das Zufußgehen, darf nicht an die Bedürfnisse der Autofahrer angepasst werden. Umgekehrt ist jedoch noch jede Menge Luft! Tempo 30 Regelgeschwindigkeit innerorts, Tempo 15 in Wohngebieten! Intelligenter Geschwindigkeitsassistent, der das zuverlässig überwacht. etc., etc.!

    Hier das irre Radfahrerleuchte-Teil:

  • Das funktioniert natürlich nicht, trotz teilweise komplett zugeparkter Kreuzungsbereiche wird hier nicht derart vorsichtig gefahren, dass bevorrechtigte Fußgänger rechtzeitig gesehen werden.

    Da würde auch kein Reflektor der Welt helfen. Erstens, weil das parkende Auto Sicht und Licht abschirmt und zweitens, weil man beim typischen Abbiegeunfall von außerhalb des Lichtkegels kommt. Ohne Anstrahlen keine Reflektion.


    Das wird sowieso noch lustig. Wir rüsten unsere Straßen und die Fahrzeuge zunehmend auf LED-Technik um. Bei ersterem ist es aus Umweltschutzgründen sogar gewollt, dass Streulicht deutlich reduziert wird. Bei den Fahrzeugen hat man bereits festgestellt, dass eine maximale Hell-Dunkel-Grenze ziemlich doof ist, weil u.a. auch Verkehrsschilder aus Reflektoren bestehen und nicht mehr zu erkennen waren. Deshalb baut man da extra wieder Streulicht ein.

  • Ich verstehe das Drama immer noch nicht.

    Es geht in dem Artikel doch ausschließlich um eine Empfehlung. Warum muss man sich deswegen über eine kommende Pflicht und mögliche Mitschuld beim Unfall in Rage reden / schreiben?

    Geht's nur ums Aufregen an sich oder um eine Ablenkung, damit man sich nicht mit den Mainstream-Aufregern beschäftigen muss?


    PS: Ich trage selbst nie eine Warnweste und bei vielen Fahrten nichtmal einen Helm, flippe aber nicht gleich aus, wenn mir jemand empfiehlt, daran etwas zu ändern ...

  • Es geht in dem Artikel doch ausschließlich um eine Empfehlung. Warum muss man sich deswegen über eine kommende Pflicht und mögliche Mitschuld beim Unfall in Rage reden / schreiben?

    Geht's nur ums Aufregen an sich oder um eine Ablenkung, damit man sich nicht mit den Mainstream-Aufregern beschäftigen muss?

    Ich wollte mich eigentlich gar nicht in Rage schreiben und ich will mich auch gar nicht argumentativ an diesem einen Artikel aufhängen. Aber einer der Aspekte, der mich an unserem Straßenverkehr so sehr stört, ist diese ständige Verlagerung der Verantwortung weg vom Kraftverkehr hin zu nichtmotorisierten Verkehrsteilnehmern. Diese Verlagerung betreiben wir schon seit einigen Jahrzehnten und sie gipfelt mittlerweile darin, dass es regelmäßig Empfehlungen gibt, man möge sich bitte als nichtmotorisierter Verkehrsteilnehmer mit einer Warnweste ausstatten.


    Bei gefühlt jeder Debatte zur Verkehrswende, egal ob online, im Verkehrsausschuss oder bei irgendwelchen Planungsworkshops, müssen die Befürworter der Verkehrwende erst einmal mühsam die Privilegien des Kraftverkehrs ausdiskutieren. Ich erinnere mich an unzählige Debatten zu verschiedenen Straßenplanungen in Hamburg, bei denen wir als Fahrradfraktion Bedenken bei irgendwelchen Kreuzungen angemeldet haben, etwa hinsichtlich der Sichtverhältnisse oder bezüglich so genannter freilaufender Rechtsabbiegestreifen, gingen unsere Wortmeldungen in den üblichen Erwiderungen unter, dass Radfahrer ja auch mal auf die Vorfahrt verzichten oder absteigen und schieben könnten — oder aber wenigstens eine Warnweste tragen könnten. Die eigentlich problematische Infrastruktur wurde aber dennoch gebaut und wird auch die nächsten vierzig Jahre überdauern.


    Will sagen: Wir bekommen auf Dauer keine Städte, die auch für nichtmotorisierte Verkehrsteilnehmer fehlertolerant und sicher sind, wenn wir die Verantwortung für die Sicherheit nichtmotorisierter Verkehrsteilnehmer auf ebenjene selbst abschieben, anstatt die Infrastruktur zu verbessern und die Verantwortung für Unfälle vernünftig zu regeln.


    Und ja, bei mir hat diese ganze Debatte auch eine persönliche Ebene, weil ich selbst schon nach Unfällen kluge Ratschläge von der Polizei erhalten habe, doch Bitteschön eine Warnweste zu tragen — obwohl mich beide Male der Kraftfahrer zuvor gesehen hat. Damit ist im Endeffekt auch niemandem geholfen außer dem Unfallverursacher am Lenkrad, der endlich aufatmen kann, dass die Polizei von sich aus „übersehen“ ins Protokoll schreibt, statt in Richtung Vorsatz zu ermitteln.

  • Warnweste/Tannenbaum ist wie Helm.


    Es beginnt. Mit zunehmender Thematisierung und Schwerpunktsetzung sind wir dann bei eine Helmtragepflicht und Warnwestentragepflicht auf dem Rad.

    Und alles hat harmlos begonnen mit "man sollte .... tragen. Zur eigenen Sicherheit!"


    Wenn es denn wirklich so wäre, und damit ein deutlicher Sicherheitsgewinn einherginge, würd ich da möglicherweise auch anders drüber nachdenken.

    Aber so bleibt's einfach eine (wenn vllt. auch gut gemeinte) Ablenkung vom eigentlichen Thema: Rücksicht


    Und die geht von "oben nach unten". Mit Warnweste und auch Helm wird aber kommuniziert, dass die Verantwortung beim Rad Fahrenden liegt. und das ist bei gegenwärtiger gesetzlicher Lage falsch. Die Wahrnehmung "da draußen" ist vielfach eine andere.

    Und die kommt auch durch solche Beiträge und Zeitungsartikel zustande.

  • Warum muss man sich deswegen über eine kommende Pflicht und mögliche Mitschuld beim Unfall in Rage reden / schreiben?

    Kennst du das BGH-Urteil vom 17.06.2014 Az. VI ZR 281/13 ?


    Da hätte beinahe eine Radfahrerin Mitschuld bekommen, weil ein Auto sie überfahreneine Autofahrerin sie gedoort hat. Einzig, weil noch(!) nicht die Mehrzahl der Leute einen Helm trägt, wurde das abgelehnt.


    Wenn es genug Leute tun würden, wäre es sozialadäquates Verhalten und würde eine Mitschuld begründen. Obwohl im Urteil drin steht, dass ein Helm das erlittene Schädel-Hirn-Trauma "wohl nicht verhindert" hätte.

  • Folgendes hab ich am Fahrrad und auch am Motorrad beobachtet: wenn ich viel Reflektierende Dinge am Fahrzeug oder an Klamotten habe reduzieren sich Überholabstände vom Dezimeterbereich in den Zentimeterbereich. Wenn ich dagegen einen nichtrefektierenden Baseballschläger oder eine nichtreflektierende Axt locker am Gürtel trage gehen die Überholabstände in den Meterbereich.

  • Mit den ganzen Helm und Warnwesten "Empfehlungen" stellt man die Tätigkeit Rad fahren zusätzlich als gefährlicher hin als sie in der Realität ist. Was mitunter vom Rad fahren abschreckt, weil wann hat man sonst Warnweste und/oder Helm an?

    Und meiner Meinung nach sind Reflektoren und Licht oberhalb Lenker-/Sattelhöhe zwar ganz nett, aber wirklich sehen bzw. wahrnehmen tut man diese nicht. Die gehen in der Stadt einfach unter neben den restlichen Lichtquellen und Ausserorts kann man die miest nicht zuordnen, da es zu weit oben ist. Gerade heute morgen ist vor mir ein Radfahrer mit einem Helm mit integrierten Licht + Blinker gefahren. Ist zwar ganz nett, aber dass geblinke am Helm nahm ich erst wahr, als er bereits nach links ausscherte (ohne den Abbiegevorgang sonst noch anzuzeigen mit dem Arm). Aber irgendwie waren andere Mitmenschen (vor allem Auto fahrende) immer so fasziniert von solchen Helmen und ich finde sie einfach nur überflüssig :D



    Ich persönlich hanhabe es so wie DMHH, wenn es die Ausrüstung gerade nur mit reflektierenden Elementen gibt, dann ist es halt so. Wobei mich die reflektierende Elemente weniger stören, sondern die grellen Farben. Ich habe mich mal ziemlich genervt, als beim lokalen Händler die warmen und wasserdichten Handschuhe nur noch in Neongelb angeboten wurden. Und auch die Regenjacke gab es plötzlich nur noch in rot, wobei ich blau bevorzugt hätte. Ich fahre Fahrrad und bin nicht ein Strassenbauarbeiter oder Pannendienstmitarbeiter oder Polizist, die tatsächlich auf eine höhere Aufmerksamkeit bei der Tätigkeit angewiesen sind.

    Eine Warnweste habe ich jetzt aber seit ca. einem Jahr dabei, falls ich mal wieder als Ersthelfer an einem Unfall z.B. den Verkehr regle.