E-Fuels und EU-weites Verbot von Verbrennungsmaschinen ab 2035

  • bzw. wird es eh nur ein kleiner Anteil sein, der als H übrig bleibt, das kriegt man ja nur bei halbwegs guter Pflege und Originalzustand und immerhin ist der Erhalt von Altgegenständen Ressourcenschonung ggü. Neubau.

    Ich frage mich allerdings, wer das kontrolliert mit der guten Pflege, besonders dann, wenn ich solche "historischen Fahrzeuge" auf dem Bürgersteig parken sehe, wie dieser Kadett im Wiesbadener Westend:

    Keine Ahnung, ob dieser Opel Kadett B mit H-Kennzeichen von ca. 1970 noch von jemandem als Alltags-FAHRzeug benutzt wird. (Es fehlt immerhin der Außenspiegel und das Auspuffrohr wird sehr provisorisch nur von einer dünnen Kette gehalten.)

    Fest steht jedenfalls dieser Kadett blockiert als "Alltags-STEHzeug" den Bürgersteig auf dem er parkt. Und von "Guter Pflege" ist da nichts zu sehen.

    Das Foto ist von Ende 2022 und da stand er schon geraume Zeit dort herum. Mal sehen, ob er bei meinem nächsten Wiesbaden-Besuch immer noch da steht.

  • Wie ich schon geschrieben habe: So lange es um ein paar wenige Fahrzeuge geht, die gelegentlich mit E-Fuels betrieben werden, sollte es kein Problem darstellen. Trotzdem brauchen wir Wasserstoff dringender für andere Dinge als dafür, dass Lindner & Co Porsche fahren können.

    Besonders ärgerlich: Immer mehr Wohnmobile mit H-Kennzeichen parken in den Straßen und werden zu einem mehr oder weniger festen Stadtteil-Mobiliar:

    Ich befürchte, es wird nicht um ein "paar wenige" historische Fahrzeuge gehen.

    Lindners Förderpolitik für Historische Fahrzeuge im Alltagsgebrauch führt schon heute dazu, dass fast annähernd so viel Oldtimer unterwegs sind wie Elektroautos:

    "In den vergangenen 10 Jahren hat sich der Bestand von Oldtimern in Deutschland fast verdreifacht. Zum 1.1.2022 registrierte das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) 648.403 Fahrzeuge, die erstmals vor mindestens 30 Jahren zugelassen wurden." aus: HISTORISCHE FAHRZEUGE IN DEUTSCHLAND, 21. Juni 2022, Oldtimerbestand: Kein Ende des Wachstums in Sicht

    amz.de

    Dabei kommen jetzt die vielen Autos aus den besonders produktionsstarken Jahren der Automobilindustrie in das Alter, das sie zu H-Fahrzeugen machen können. Kommt es nun zu einer ähnlichen Debatte wie derzeit bei den Atomkraftwerken? FDP und CDU/CSU werden polemisieren, es würden wertvolle technische Errungenschaften vernichtet, falls es jemand wagt, die Steuerbefreiung für Oldtimer anzutasten.

    Zum Vergleich "Das Kraftfahrt-Bundesamt hat die Angaben zum Pkw-Bestand veröffentlicht. Demnach waren am 1. Januar 2022 genau 618.460 Elektro-Pkw in Deutschland zugelassen."

    electrive.net

    Immerhin: Inzwischen hat der Fahrzeugbestand an reinen E-Autos den Bestand an Historischen Fahrzeugen leicht überflügelt.

    Einmal editiert, zuletzt von Ullie (19. April 2023 um 16:03) aus folgendem Grund: Bild ergänzt

  • Im Prinzip wohl der TÜV, für das H braucht man wohl zudem ein Gutachten, aber nach Details darfst mich nicht fragen ...

    Wenn ich solche Autowracks wie das oben gezeigte mit H-Kennzeichen auf dem Bürgersteig stehen sehe, dann interessieren mich auch nicht mehr so sehr die Details. ;)

  • Lindners Förderpolitik für Historische Fahrzeuge im Alltagsgebrauch führt schon heute dazu, dass fast annähernd so viel Oldtimer unterwegs sind wie Elektroautos:

    "In den vergangenen 10 Jahren hat sich der Bestand von Oldtimern in Deutschland fast verdreifacht. Zum 1.1.2022 registrierte das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) 648.403 Fahrzeuge, die erstmals vor mindestens 30 Jahren zugelassen wurden." aus: HISTORISCHE FAHRZEUGE IN DEUTSCHLAND, 21. Juni 2022, Oldtimerbestand: Kein Ende des Wachstums in Sicht

    amz.de

    Naja, Oldtimer und H-Kennzeichen sind eigentlich zweierlei Dinge und selbst wenn man sich nur die Grafik anschaut, sollte einem die entsprechende Fußnote auffallen.

    Die aus den frühen 90ern "nachwachsenden" Oldtimer werden meiner Beobachtung nach immer seltener mit H-Kennzeichen zugelassen, weil es mit den da schon üblichen Systemen "moderner Abgasreinigung" eben keine Steuervorteile mehr mit sich bringt. Beispiel: Für einen 1991er Opel Kadett 1.6i mit Kat und Kaltlaufregler fallen jährlich schlanke 108 EUR KFZ-Steuer an; grüne Plakette für die Umweltzone gibt's sowieso. H-Kennzeichen mit pauschal 192 EUR wäre entsprechend die schlechtere Wahl. Also warum nicht bis zum Ende der technisch möglichen Lebensdauer verwenden, anstatt die Umwelt durch Entsorgung und Neuproduktion zu belasten? Nach der Logik müsste man auch jedes noch funktionierende Haushaltsgerät entsorgen, wenn es ein bestimmtes Alter erreicht hat, nur weil es vermeintlich mehr Energie verbraucht, als ein modernes EU-reguliertes Modell.

    Wobei der Effizienzgewinn im Bereich der KFZ ohnehin überschaubar sein dürfte, denn das, was durch effizientere Motoren heute eingespart werden könnte, wird durch Verdopplung des Leergewichts "kompensiert".

  • Naja, Oldtimer und H-Kennzeichen sind eigentlich zweierlei Dinge ...

    Das sehe ich auch so, dass das zweierlei Dinge sind. Das H-Kennzeichen wird vergeben für alle möglichen Fahrzeuge, die ein bestimmtes Mindest-Alter haben, ohne danach zu fragen, wieviele davon hergestellt wurden.

    Nachfolger des legendären Ford T, von dem rund 15.000.000 gebaut wurden, war der Ford A von dem Ende der 20er-Jahre, Anfang der 30er immerhin rund 4.000.000 gebaut wurden, weshalb es wohl nicht so ungewöhnlich ist, dass man hin und wieder einen davon vor die Linse bekommt, wie den hier in Wilhelmshaven. Und der hat immerhin rund 90 Jahre auf dem Buckel. Da sehe ich trotz der hohen Auflage eine gewisse Berechtigung für ein H-Kennzeichen.

    Auflagenstärkster Fahrzeugtyp war wohl der VW-Käfer, von dem über 20.000.000 gebaut wurden. Warum selbst die neueren Modelle ein H bekommen, erschließt sich mir nicht.

    Und bei den zahlreichen Wohnmobilen mit H-Kennzeichen geht es doch längst nicht mehr um die Pflege historischen Fahrzeugbestandes.

    Also warum nicht bis zum Ende der technisch möglichen Lebensdauer verwenden, anstatt die Umwelt durch Entsorgung und Neuproduktion zu belasten? Nach der Logik müsste man auch jedes noch funktionierende Haushaltsgerät entsorgen, wenn es ein bestimmtes Alter erreicht hat, nur weil es vermeintlich mehr Energie verbraucht, als ein modernes EU-reguliertes Modell.

    Das hat ja niemand verlangt, auch der Bundesrechnungshof nicht, dass alle älteren Fahrzeuge verschrottet werden müssen. Vielmehr geht die Forderung dahin, die allzu großzügig vergebenen Steuervorteile zu streichen. Und sicher ist es in vielen Fällen richtig, den alten Kühlschrank weiterzunutzen, anstatt einen neuen zu kaufen. Aber für meinen Kühlschrank muss ich keine KFZ-Steuer zahlen. ;)

  • Die Hauptsätze der Thermodynamik gelten immer und Energie kann sich nicht vermehren.

    Die Hauptsätze der Thermodynamik sagen vor allem eines: mit Kreislaufwirtschaft generierst du keine Überschüsse für irgendwelche Transferleistungen (Rente, Krankenhäuser, Pflege, Schulen und Unis, Kultur, Sport, Tourismus, Sozialhilfe, Arbeitslosengeld, Entwicklungshilfe, Militärhilfe für die Ukraine - und last but not least, Fördermittel für die Finanzierung von "Erneuerbaren" Energien).

  • Das H-Kennzeichen wird vergeben für alle möglichen Fahrzeuge, die ein bestimmtes Mindest-Alter haben, ohne danach zu fragen, wieviele davon hergestellt wurden.

    Ich denke, man sollte einfach akzeptieren, dass die Grenze für "alt" mit den Jahren mitwandert und irgendwann auch das als "historisch" oder "vintage" eingestuft wird, dessen Markteinführung man selbst noch erlebt hat.

    Aber für meinen Kühlschrank muss ich keine KFZ-Steuer zahlen. ;)

    Und genau da sollten Lindner und Habeck ansetzen.

  • Tja. Unsere geradezu erotische Einstellung zum Automobil ist ja auch eine Inkarnation der Forderung, dass sich nichts ändern dürfe. Wir können uns überhaupt nicht vorstellen, mit einem Elektroauto zu fahren, wir können uns keine Ladelösungen ausdenken und halten uns ständig mit den immergleichen Debatten auf von wegen das Stromnetz breche zusammen, weil jeden Abend 30 Millionen Elektroautos gleichzeitig auf volle Reichweite aufgeladen werden müssen und das bitte mit 350 kW, damit der Ladevorgang nur fünf Minuten dauert, obwohl die Nacht acht Stunden hat. Was. Für. Eine. Dämliche. Debatte. Jeden. Tag.


    Und ich habe den Eindruck: In anderen Ländern hat man diese großen Bedenken nicht. Elektromobilität ist woanders schon bei Elektromotorrädern und Elektromotorrollern angekommen, die mit austauschbaren Akkus ausgestattet sind. Und das schon seit zehn Jahren — während hierzulande gestandene Biker mit Tränen in den Augen berichten, ohne den Sound ihrer Verbrennungsmaschinen wären sie keine ganzen Männer mehr. Alter Falter.


    Grundsätzlich halte ich nichts von diesem ständigen Geraune, Deutschland ginge den Bach runter und bekomme bald Entwicklungshilfe aus Bangladesch, aber andererseits: Unsere Einstellung zur Elektromobilität ist derart rückständig und innovationsablehnend, da haben wir es womöglich gar nicht besser verdient als so richtig auf die Nase zu fallen.

    Dazu heute auch Sascha Lobo im SPIEGEL:

    (S+) Sascha Lobo über Auto-GPT und E-Fuels: Technik, über die wir jetzt wirklich streiten sollten
    Die nächste Stufe der künstlichen Intelligenz wurde noch vor Kurzem für frühestens 2050 prognostiziert, jetzt sind plötzlich schon Umrisse erkennbar. Aber wir…
    www.spiegel.de
  • Ich denke, man sollte einfach akzeptieren, dass die Grenze für "alt" mit den Jahren mitwandert und irgendwann auch das als "historisch" oder "vintage" eingestuft wird, dessen Markteinführung man selbst noch erlebt hat.

    Trotzdem muss es möglich sein, für die Vergabe von H-Kennzeichen die Altersgrenze heraufzusetzen. Nicht alles, was alt ist, ist zugleich wertvoll und erhaltenswert. Besonders dann nicht, wenn es Krach macht, stinkt, die Umwelt verschmutzt und das Unfallrisiko im Straßenverkehr erhöht, weil zum Beispiel Fahrassistenzsysteme fehlen, die heute selbstverständlich sind.

    Und genau da sollten Lindner und Habeck ansetzen.

    Wie jetzt? Lindner und Habeck sollen meinen alten Kühlschrank hoch versteuern und alte Autos sollen weiter steuerlich begünstigt werden?

  • Das ändert nichts an der Physik: So lange das Land, in dem die E-Fuels hergestellt werden, seinen eigenen Energiebedarf nicht zu 100% aus Erneuerbaren deckt, muss man entscheiden ob die dort verfügbare Energie für E-Fuels genutzt wird oder für etwas anderes.

    Andererseits: wenn E-Fuels als Autosprit thermodynamisch vermeintlich „unmöglich“ sind, sind sie auch als E-Kerosin oder E-Schiffsdiesel genauso thermodynamisch „unmöglich“.

    Und solange noch irgendwo irgendwelche fossilen Energieträger verbrannt werden, ist es im Hinblick auf die weltweite CO2-Bilanz vollkommen schnurz, ob E-Fuels ggf bisschen fossiles Kerosin, fossilen Schiffsdiesel, fossiles Gas, fossilen SpaceX-Raketentreibstoff oder halt fossilen Sprit ersetzen.

  • eFuels sind nicht unmöglich, die Frage ist, wo sind sie sinnvoll.

    Wichtig wäre, dass die nicht subventioniert werden, dann regelt der Rest der Markt.

    Ziel der FDP ist es momentan relativ offensichtlich, eFuels , "total technologieoffen", in sehr absehbarem Zeitraum zu subventionieren.

  • Und solange noch irgendwo irgendwelche fossilen Energieträger verbrannt werden, ist es im Hinblick auf die weltweite CO2-Bilanz vollkommen schnurz, ob E-Fuels ggf bisschen fossiles Kerosin, fossilen Schiffsdiesel, fossiles Gas, fossilen SpaceX-Raketentreibstoff oder halt fossilen Sprit ersetzen.

    "Und solange noch irgendwo..." An welche Länder denkst du da? China, Russland, Ungarn?

    Was mich ohnehin bei der ganzen Sache wundert:

    Wird als Raketentreibstoff nicht Wasserstoff verwendet?

    Und gibt es nicht auch heute schon Verbrennermotoren, die statt Diesel oder Benzin einfach Wasserstoff verbrennen? Wozu dann E-Fuels in den Tank, wenn auch Wasserstoff möglich ist? Zumindest bei LKWs müsste das doch gehen, weil dort die Tanks schwerer sein dürfen als bei einem Flugzeug.

  • "Und solange noch irgendwo..." An welche Länder denkst du da? China, Russland, Ungarn?

    Alle Länder. Oder kennst du eines, das heute dekarboniert ist oder es wenigstens absehbar in den nächsten 20 Jahren sein wird? Mit "dekarbonisiert" meine ich dabei nicht, dass der Anteil des CO2-Ausstoßes, der durch Mobilität, Heizung und Stromerzeugung zustande kommt, CO2-frei abzulaufen hat, sondern dass auch Stahlerzeugung, Kunstdüngerproduktion, Zementindustrie und alles was sonst noch Prozesswärme (Glas), Kohlenwasserstoffe (Kunststoffe) oder H2 (Ammoniak) für chemische Synthesen benötigt, ohne CO2-Bildung erfolgt. Solange dieses Ziel nicht erreicht ist, könnte man E-Fuels auch nehmen, um Kalk zu rösten oder eine Thomasbirne zu heizen - das hätte dann für die Netto-CO2-Bilanz der Welt die selbe Klimawirkung wie das Verbrennen in Altautos, Flugzeugen oder Schiffen.

  • Und gibt es nicht auch heute schon Verbrennermotoren, die statt Diesel oder Benzin einfach Wasserstoff verbrennen? Wozu dann E-Fuels in den Tank, wenn auch Wasserstoff möglich ist? Zumindest bei LKWs müsste das doch gehen, weil dort die Tanks schwerer sein dürfen als bei einem Flugzeug.

    Wasserstoff ist schneller verflogen als du "Dampfdruck" sagen kannst. Die Moleküle sind zudem so winzig und so wenig zu Wechselwirkungen geneigt, dass sie durch die allermeisten Materialien einfach hindurch diffundieren können. Um H2 über längere Strecken zu transportieren, musst du es in Platinschwämmen absorbieren oder unter extrem hohem Druck verflüssigen. Beides ist aus naheliegenden Gründen aufwendig und sehr teuer. Und "Teuer" ist immer auch ein Ausdruck dafür, dass irgendwo an ganz anderer Stelle im Wirtschaftskreislauf unter CO2-Produktion Entropie vernichtet werden muss, um die benötigte Kaufkraft zu schöpfen.

  • Und gibt es nicht auch heute schon Verbrennermotoren, die statt Diesel oder Benzin einfach Wasserstoff verbrennen? Wozu dann E-Fuels in den Tank, wenn auch Wasserstoff möglich ist? Zumindest bei LKWs müsste das doch gehen, weil dort die Tanks schwerer sein dürfen als bei einem Flugzeug.

    E-Fuels, egal ob mit oder ohne Kohlenstoff drin, haben einen niedrigen Wirkungsgrad. Man sollte die nur dort verwenden, wo es tatsächlich Sinn macht.

    Wenn Güter über längere Strecken zu transportieren sind, dann idealerweise auf der Schiene mit Oberleitung. Auf Nebenstrecken auch mit dem Akku-Zug. Dafür muss aber das Bahnsystem grundlegend erneuert und ausgebaut werden.

    Die letzten Kilometer an Start+Ziel kann man dann Akku-LKWs verwenden.

    Die Akkus sollten möglichst klein dimensioniert werden, weil die Herstellung wieder resourcenintensiv ist.

    Solange Dummheit als plausible Erklärung ausreicht, sollte man keinen Vorsatz annehmen.