• Natürlich hat eine hohe Inzidenz keine Vorteile.

    Die wesentlichen Botschaft ist Insbesondere, dass eine hohe Inzidenz keine wirtschaftlichen Vorteile hat. Es ist eben NICHT billiger oder schonender für die Wirtschaft, eine hohe Inzidenz zuzulassen.


    Es gibt nach diesen Studien objektiv betrachtet absolut keinen Grund, die Inzidenz oberhalb einer sehr niedrigen Schwelle weiter wachsen zu lassen. Keinen.


    Der einzige Grund für hohe Inzidenzwerte ist das subjektive Gefühl der Menschen, dass sich der Lockdown bei hohen Zahlen auch "lohnt". Das ist aber ein rein subjektiver Irrtum. Denn das Verhalten einer Exponentialfunktion kann man nicht intuitiv erfassen. Da helfen nur die Fakten und Zahlen. Das haben die Studien gemacht und sind für die Politik zu einem vernichtenden Ergebnis gekommen.

  • als 25.000 Neuinfektionen + 700 Tote täglich. ... und das Wissen, dass bei einem medizinischen Notfall mit KH-Aufenthalt dort so richtig schlimm ist, weil Personal am Limit ist.

    Eigentlich sollten irgendwann Richtung Jahresmitte die Impfungen alle Ü60 und anderer Risikogruppen so weit gegriffen haben, dass Todeszahlen, schwere Fälle und KH-Überlastungen nahezu Geschichte sind, so dass auch hohe (wenn auch niedrigere als jetzt) Neuinfektionszahlen nur noch in sehr geringem Maß gefährlich sind, allenfalls im Bereich anderer Krankheiten, die wir ja alle vorher auch hingenommen haben (und noch viel mehr s. Straßenverkehr *seufz*), dann dürfte es schwierig werden, noch Schließungen aufrecht zu erhalten.

  • Die Frau meines Kompagnons arbeitet als Intensivmedizinerin.
    Sie sieht die Lage aktuell als bedrohlich an, weil der Personalmangel immer schlimmer wird.
    Alleine bei ihr in der Klinik haben in den letzten 4 Wochen 6 Pflegekräfte die Kündigung eingereicht, bzw. sind wg. Burnout Langzeitkrank.
    Das System an sich ist nicht am Limit, wohl aber die Menschen die es am Laufen halten. Da helfen auch mehr Gehalt oder Goodies nichts, sondern einzig und allein die Wiedereinführung des Zivildienstes, bzw. eine umfassende ehrenamtliche Ausbildung um zumindest unterstützendes Personal in Notsituationen rekrutieren zu können, so wie es in der Bundeswehr mit der Reservere läuft.

  • Es gibt nach diesen Studien objektiv betrachtet absolut keinen Grund, die Inzidenz oberhalb einer sehr niedrigen Schwelle weiter wachsen zu lassen. Keinen.

    Auch das ist richtig. Wenn die Inzidenz einmal niedrig ist, dann ist es günstiger das zu verteidigen, als damit zu warten bis man tief im Schlamassel steckt.

    Wir sind aber derzeit nicht bei einer niedrigen Inzidenz, sondern müssten erstmal einen erheblichen Aufwand betreiben, um dahin zu kommen (falls das im Winter überhaupt praktikabel ist). Das ist eine andere Situation.

  • Wenn ich den Stufenplan richtig verstehe, soll es Lockerungen künftig in Abhängigkeit des Inzidenzwertes geben. Wenn die Infektionen steigen, wird wieder eine Stufe zurückgegangen und wenn der Wert über 100 steigt, zurück auf die Maßnahmen, die am 08.03. gelten.


    Was ich nicht verstehe: Aktuell steigen die Infektionszahlen und da es bis zum 08.03. weitere Öffnungen geben wird, ist nicht damit zu rechnen, dass die Zahlen mit den aktuell geltenden Maßnahmen von alleine sinken werden. Wenn man später ab einem Wert über 100 also zurück auf die Maßnahmen vom 08.03. geht, werden die Werte weiter ansteigen, solange die Impfquote noch so gering ist, dass sie keine nennenswerte Auswirkung auf das Infektionsgeschehen hat. Gleichzeitig steigt der Anteil der B117-Mutation weiter an, was eher für eine Verschärfung der Lage spricht.


    Die einzigen Faktoren, die dafür sprechen, ist die Tatsache, dass bis dahin ein großer Teil der Hochrisikogruppe geimpft sein wird und damit zumindest bei gleichem Inzidenzwert die Zahl der schweren Verläufe und Todesfälle abnehmen wird. Das Andere ist die Hoffnung, dass die Infektionen im Frühjahr auch von alleine zurückgehen.

  • Du beschreibst es genau richtig. Und ich verstehe es auch nicht.


    Lauterbach bringt es ganz gut auf den Punkt:

    Wir haben jetzt ein paar Wochen lang ein paar leichte Lockerungen. Und im April gehen die Zahlen wieder durch die Decke.


    Die Vergangenheit hat gezeigt, dass diese Krankheit nicht von alleine verschwindet oder harmloser wird. Eher wird es aktuell immer schlimmer. Also ist der einzig sinnvolle Weg, die Neuinfektionen erst zu kontrollieren und erst dann vorsichtig zu lockern, wenn das halbwegs gelungen ist. Sonst verpuffen die teuer erkauften Erfolge gleich wieder.


    Die Pandemie endet nicht, nur weil MPs es beschließen.

  • Hm, und wenn ich das jetzt beschließe?


    Ich will so gern Ende April 'ne Fahrradtour machen. Allein. So mit auf Campingplätzen pennen und halt von HH nach B radeln, in aller Ruhe.


    Wenn schon meine ganzen Cons ausfallen und ich meine Großeltern nicht sehe, kann dann nicht bitteschön wenigstens das was werden?


    Aber vermutlich nicht. Dabei habe ich gerade erst neu entdeckt, dass ich gern eine Fahrradtour plane und dass mir das wirklich Spaß bringt. Ey.

  • Lauterbach bringt es ganz gut auf den Punkt:

    Lauterbach ist ein Dummschwätzer. Der hat letzten Sommer alle 2 Wochen vor der 2. Welle gewarnt. Im Mai: "Wenn wir jetzt öffnen gibts 2. Welle". Im Juni: "Wenn jetzt Menschen in den Urlaub fahren gibts die 2. Welle." Im Juli: "Wenn die Menschen demonstrieren gibts die 2. Welle."


    Passiert ist freilich erstmal nichts, sondern erst im September (also als es saisonal langsam richtung Herbst ging) gingen die Zahlen signifikant nach oben. Soviel zu Lauterbach und seinen Panikprognosen.

  • Wir sind aber derzeit nicht bei einer niedrigen Inzidenz, sondern müssten erstmal einen erheblichen Aufwand betreiben, um dahin zu kommen (falls das im Winter überhaupt praktikabel ist). Das ist eine andere Situation.

    Der jetzt nötige Aufwand ist der gleiche, der nötig gewesen wäre, um die Zahlen von Anfang an zu stabilisieren. Wir haben halt im Herbst und vor Weihnachten einfach nur auf Pump gelebt.


    Im Grunde ist in dieser Pandemie ohnehin ein sehr teures Bündel von Maßnahmen nötig, um die Zahlen halbwegs konstant zu halten. Ob man sich bei 200 oder bei 10 stabilisiert, dürfte sich bei den Gesamtkosten kaum bemerkbar machen.


    Aber dazu müsste man die Pandemie tatsächlich steuern: durch aktive Suche nach dem Punkt, an dem ein Maßnahmenbündel die Zahlen halbwegs konstant hält. Das wäre dann auch der preiswerteste Weg durch die Krise.


    Dazu müsste man eine Liste von Maßnahmen erstellen. Von "preiswert" bis "teuer". Ist der R-Wert über 1, werden die Maßnahmen schrittweise in genau dieser Reihenfolge eingeführt, bis er unter 1 ist. Dann hört man auf und lockert vorsichtig, bis der R-Wert knapp unter 1 ist.


    Unsere Politik hingegen hat die Achterbahnfahrt gewählt: Nach Prinzip Hoffnung lockern, bei steigenden Zahlen untätig bleiben und weiter hoffen. Und dann den dicken Hammer rausholen. Das dürfte ein sehr teurer Weg durch die Krise sein. Denn die Grenzkosten der Kontaktvermeidung sind nicht konstant. Die ersten paar Kontakte sind noch sehr preiswert zu vermeiden, die letzten sind sehr teuer.

  • Lauterbach ist ein Dummschwätzer.

    Das machst Du es Dir zu einfach. Denn die Aussagen von Lauterbach gehen auch in die Entscheidungen der Politik ein. Wenn er warnt und die zweite Welle bleibt erstmal aus, sagt das Recht wenig. Dazu müsste man sich genauer anschauen, was er gefordert hat und was gemacht wurde.

    Und Mitte Juli hat die zweite Welle schon begonnen.

    Nein, bei 200 kannst du nämlich das gesamtgesellschaftlich preiswerteste Mittel (nämlich Infizierte in Quarantäne zu schicken) nicht mehr effizient anwenden, weil du die gar nicht mehr effektiv nachverfolgen und finden kannst

    Guter Punkt. Noch ein Grund mehr, die Zahlen zu senken und nicht hoch zu belassen.

    In Berlin hat die Kontaktverfolgung schon bei 30 kaum noch funktioniert.

  • Was hält Dich davon ab?
    Ich für meinen Teil halte mich an nahezu alle Regeln, egal wie unsinnig sie mir erscheinen mögen.
    Was ich mir aber definitiv nicht nehmen lasse, ist meine Freiheit. Also meine Freiheit mich an der frischen Luft zu bewegen.
    Beim ersten Lockdown war mir diese unsinnige Beschränkung nicht mit dem Fahrrad ins 500m entfernte SH fahren zu dürfen schon ein extremer Dorn im Auge.
    Ich werde in diesem Jahr definitiv ausgedehnte Radtouren an/Richtung Ostsee machen. Ganz ohne Kontakte, touristische Hotspots oder generell Dinge, die auch nur im Ansatz andere Menschen durch mein Dasein gefährden könnten. Ich nehme von mir aus auch Schnelltests mit.
    Irgendwann ist Schluß mit lustig. Und das fängt bei mir an, wenn mir als denkender Mensch der Individualsport verboten werden soll.

  • Ein m. E. sehr lesenswerter Beitrag zum Datenschutzproblem beim Einsatz vom bspw. "Microsoft Teams", aber auch dessen Vorteilen an Schulen - während der Pandemiezeit und darüber hinaus:

    https://www.golem.de/news/micr…-bei-uns-2102-154295.html

    „Zeigen wir dem staunenden Ausländer einen neuen Beweis für ein aufstrebendes Deutschland, in dem der Kraftfahrer nicht nur auf den Autobahnen, sondern auf allen Straßen durch den Radfahrer freie, sichere Bahn findet.“ (Reichsverkehrsministerium, 1934)

  • Naja, wenn die Campingplätze dicht sind, dann kann ich sie nicht nutzen :D


    Und ohne Campingplatz habe ich kein Strom für mein Uralthandy und ohne Uralthandy werde ich nicht alleine eine Fahrradtour machen.


    Außerdem wäre mir Wildzelten über mehrere Nächte doch etwas zu krass.


    Deswegen hätte ich so gern Campingplätze...

  • Nathanael Über www.warmshowers.org findest Du gut private Unterkünfte oder Zeltmöglichkeiten in privaten Gärten. Habe ich gerade erst 2 Nächte genutzt und hatte extrem freundliche Gastgeber.



    Auch wenn die Risikopatienten zu einem großen Teil geimpft sind wird bei einer weiteren Ausbreitung auch die absolute Zahl der schweren Verläufe bei allen anderen Personen steigen. Dazu kommen natürlich auch noch die - freiwillig oder unfreiwillig - nicht geimpften Risikopatienten.

    Ich befürchte, wir werden da etwa Ende April böse mit aufwachen.

  • sehr lesenswerter Beitrag zum Datenschutzproblem beim Einsatz vom bspw. "Microsoft Teams"

    Das eigentliche Problem ist doch, dass Teams o.ä. faktisch die einzige für die Schulen sinnvoll nutzbare Lösung sind.


    Da können die Experten für Datenschutz (zurecht) jammern wie sie wollen.


    Es wäre wünschenswert, dass der Staat eine anständige, sichere und einfach zu bedienende Lösung zur Verfügung stellt. Tut er aber nunmal nicht.


    Also gibt es nur "Teams oder nix".

  • "Konzept" bedeutet, dass wir nicht einfach zuschauen, wie die Pandemie ihren Lauf nimmt. Womit ist dadurch die Regierung diskreditiert?

    Weil mit der Forderung nach einem Konzept der Regierung unterstellt wird, sie würde der Pandemie ihren Lauf lassen. Bei allen Fehlern, die dabei gemacht wurde, würde ich dem widersprechen.


    Prio 1: Niedrige 7-Tages-Inzidenz unter 10.

    Bereits im letzten Jahr sind Studien durchgeführt worden, ob hohe Inzidenzen irgendwelche Vorteile haben. Die Antwort ist klar und deutlich: nein.

    Eine niedrige Inzidenz ist der preiswerteste Weg durch die Pandemie. Und so lange die nicht erreicht oder zumindest in Sichtweite ist, wird nicht gelockert.

    Doch, ich sehe einen sehr deutlichen Vorteil von hohen Inzidenzen: Die verstehen auch Richter. Es gibt immer jemanden, der klagt. Und bei niedrigen Inzidenzen ist Notwendigkeit nicht augenfällig.


    Aber ich stimme Dir vollkommen zu, dass nicht auf die Höhe der Zahlen geschasst werden sollte, sondern auf deren Änderung.


    Es wäre wünschenswert, dass der Staat eine anständige, sichere und einfach zu bedienende Lösung zur Verfügung stellt. Tut er aber nunmal nicht.

    Nicht offiziell. Inoffiziell laufen über die Uni-Server (also nicht über US-Server) einige Zoom-Meetings. Darf offiziell aber keiner wissen, habe ich also nicht gesagt.

  • Die einzigen Faktoren, die dafür sprechen, ist die Tatsache, dass bis dahin ein großer Teil der Hochrisikogruppe geimpft sein wird und damit zumindest bei gleichem Inzidenzwert die Zahl der schweren Verläufe und Todesfälle abnehmen wird. Das Andere ist die Hoffnung, dass die Infektionen im Frühjahr auch von alleine zurückgehen.

    Ich hatte gestern oder vorgestern den Corona-Podcast auf NDR-Info gehört. Darin warnte Drosten ausdrücklich davor, sich falsche Hoffnungen zu machen, was die Wirkung des Frühlings angeht. Er sagte es spräche in der aktuellen Lage nichts dafür, darauf zu hoffen, dass durch das wärmer werdende Wetter die Inzidenzwerte von selbst zurückgehen würden. Wenn es eintrifft, wovor Drosten und andere Virologen warnen, dann kann es leicht sein, dass die vor allem von Seiten des Einzelhandels, des Gastgewerbes und der Reiseveranstalter erhobenen Forderungen nach Lockerungen zum Bumerang werden, wenn sie umgesetzt werden.

    Mein Eindruck ist, dass diese Gefahr aktuell unterschätzt wird.


    Und ich finde es schade, dass nicht mehr Menschen ganz einfach das machen, was derzeit gefahrlos möglich ist, zum Beispiel eine ToGo-Kaffee so trinken, dass er seinem Namen gerecht wird. (Nämlich im Gehen.) Viele Cafés und Restaurants bieten einen Straßenverkauf an und nach meiner Beobachtung führt das nicht zu Zusammenballungen von Menschengruppen. Es ist zwar nicht dasselbe, wie im Café sitzen oder im Biergarten, aber immer noch besser als gar nix machen und nur zu hause abhängen.


    Anstatt das zu machen, was möglich ist, wird von einigen so getan, als sei es ganz und gar notwendig sofort wieder die Cafés und Gaststätten und den gesamten Einzelhandel zu öffnen, zu reisen und, und, und

  • Mal angenommen, die Pandemie wäre ein Waldbrand, so in kalifornischen oder australischen Dimensionen. Würde es dann jemanden geben, der allen Ernstes fordern würde "bitte nicht alle zum Löschen abkommandieren, bitte nicht dazu auffordern, auf Waldspaziergänge mit brennender Zigarette zu verzichten, und sobald weniger als 10 % der Landesfläche brennt, hören wir auf zu löschen"?

    Nee, da würde man ranklotzen, was die Wasservorräte hergeben, und die Spaziergänger mit Zigarette wären schneller abgeräumt als sie "der Geschmack von Freiheit und Abenteuer" sagen könnten.