Tolle Radwege in Schleswig-Holstein

  • Nö. Schieben braucht mehr Platz. Also lieber langsam fahren.

    Dafür stellt schieben aber die Verhältnisse eindeutig dar: Ich schiebe mein Rad, also klingle ich dich nicht plötzlich an einer ungünstigen Stelle beiseite und fahre dir auch nicht in die Hacken. Das halte ich an einigen Wanderwegen oder in vielen Teilen der Lüneburger Heide für eine wertvolle Art der nonverbalen Kommunikation.

  • Man meint bestimmt "langsam reiten!". Also, für den Fall natürlich, dass Reiter das VZ 257-51 ignorieren. Genauso, wie man in Gegenrichtung erwartet, dass Radfahrer das [Zeichen 250] ignorieren.


    Und nur, weil es auf dem Zusatzzeichen steht, können Fußgänger nicht automatisch irgendeinen Vorrang erhalten. Man kann sich das zwar vielleicht wünschen, aber es ist rechtlich eigentlich wohl kaum wirksam. Das ergibt sich nur aus der Widmung des Weges oder eventueller anderer Verkehrszeichen, z. B. [Zeichen 239] oder [Zeichen 242] oder auch [Zeichen 325.1] . Selbstverständlich gilt aber ganz klar - wie überall woanders auch, § 1 StVO.


    Und das [Zusatzzeichen 1022-10] kann sich auch nicht auf das VZ 257-51 beziehen, weil Radfahrer keine Reiter sind.


    Warum ist im Leben nur immer alles so schwer?

  • Dafür stellt schieben aber die Verhältnisse eindeutig dar: Ich schiebe mein Rad, also klingle ich dich nicht plötzlich an einer ungünstigen Stelle beiseite und fahre dir auch nicht in die Hacken. Das halte ich an einigen Wanderwegen oder in vielen Teilen der Lüneburger Heide für eine wertvolle Art der nonverbalen Kommunikation.

    Was das Sitzenbleiben auf dem Rad aus Gründen des schmaleren Lichtraumprofils betrifft, so finde ich es oft nicht leicht, besorgten Fußgängern zu kommunizieren, dass ihnen keine Gefahr droht wenn sie es mit mir zu tun haben. Nonverbal wird es meistens nichts. Also spreche ich die Leute mitunter an, wenn sie nicht gerade grimmig gucken. Muss aber auch auf meine Tochter Rücksicht nehmen, wenn sie dabei ist. Die ist gerade in einem Alter, wo die Eltern ganz peinlich sind. ;)

  • Unpopuläre Meinung: die richtige Alternative auf dem Land sind reduzierte Geschwindigkeiten mit flächendeckenden Geschwindigkeitskontrollen und empfindlichen, einkommens-/vermögensabhängigen Strafen.

    Für mich nicht nachvollziehbar. Wieso baut man die Straßen dann erst so, dass diese hohen Geschwindigkeiten überhaupt erst möglich sind?

    Warum baut man Autos nicht gleich so, dass sie nicht schneller fahren können?


    Warum dieser ganze Umstand mit Kontrollen und Strafen?


    Zitat

    Nur, wenn man sich als Autofahrer darauf verlassen kann, dass der Entgegenkommende die vorgeschriebene Geschwindigkeit einhält, ist sicheres Überholen langsamerer Fahrzeuge ohne endloses Warten möglich und wird akzeptiert.

    Das ist gerade die grundlegende und gefährliche Fehlannahme.

    Kontrollen und Strafen führen garantiert nicht dazu, dass man sich auf irgendetwas verlassen kann. Weder durch Geldstrafen, Haftstrafen noch der Todesstrafe ist das bislang auch nur annähernd erreicht worden.


    ...Deswegen überholen sie z. B. Radfahrer auch ohne Sicht, weil sie wissen, dass selten einer entgegen kommt. Wenn jetzt aber irgendein Depp statt mit 70 mit 100 entgegenkommt, geht diese Rechnung nicht mehr auf und es kracht.

    Da kommt einen garantiert kein Depp entgegen, sondern da überholt ein solcher.


    Mit einer sicheren EInhaltung der Maximalgeschwindigkeit könnte man Überholverbote vor Kurven ziemlich genau berechnen und passgenau setzen.

    In Kuren herrscht bereits ohne Verkehrszeichen Überholverbot. Und das ist auch wirklich passgenau, ohne dass man irgendetwas berechnen muss.


    ... Das würde den Flow verbessern und den Stress reduzieren.

    Was als Stress empfunden wird, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Daher können Behörden Stress nicht reduzieren.



    ... und spätestens nach 5 oder 6 mal hat man das im Gefühl.

    Das wäre ja geradezu fatal, das nach Gefühl zu entscheiden. Das ist ja genau der Fehler, der heute stattfindet. Überholen kann man dann, wenn man sich sicher ist, nicht wenn man Gefühle hat.

    Und was passiert bis zu diesem fünften oder sechsten Mal? Baut man dann fünf oder sechs Unfälle bis man es im Gefühl hat?

  • Ein Erklärungsversuch:


    1) An den, den ich in der Kurve beim Überholen treffe:

    Zitat

    Pleased to meet you

    Hope you guessed my name

    But what's confusing you

    Is just the nature of my game


    2) An die Richter, die über den "Unfall" urteilen:


    Zitat

    Have some courtesy

    Have some sympathy, and some taste

    Use all your well-learned politnesse

    Or I'll lay your soul to waste


    Songtext von Sympathy For The Devil © Mirage Music Int. Ltd. C/o Essex Music Int. L, Mirage Music Ltd.

  • Okay, Eckernförde, da waren wir ja schon mal, da kann man ja mal öfter hin:



    Dann gibt’s hier noch eine Bedarfsampel aufgrund einer Arbeitsstelle, die ich ganz interessant finde. Es gibt also einen baulich vorhandenen Radweg, der übrigens für beide Richtungen betrieben wird, und einen baulich vorhandenen Gehweg, beide eigentlich breit genug, trotzdem kommt man hier erstens noch mal mit der Benutzungspflicht vorbei und dann sollen die lieben Radfahrer bitte absteigen:



    Trotzdem gibt’s dann aber sogar einen separaten Signalgeber für Radfahrer, was ja einigermaßen witzlos ist, denn sobald ich auf dem Rad dem Sattel entsteige, bin ich ja gar kein Radfahrer mehr, insofern ist der schöne Signalgeber, mit dem man sich ja tatsächlich ein bisschen mehr Mühe gemacht hat, eher witzlos:



    Naja, und jetzt am Wochenende gab es auch das hier noch. Keine Ahnung, was das mal werden soll:


  • Die Kombination aus VZ239 und VZ240 würde ich ganz klar als nichtig ansehen (wobei die zugrundeliegende verkehrsrechtliche Anordnung vermutlich anders aussieht):

    Zitat von § 44 VwVfG

    (2) Ohne Rücksicht auf das Vorliegen der Voraussetzungen des Absatzes 1 ist ein Verwaltungsakt nichtig,

    4.den aus tatsächlichen Gründen niemand ausführen kann;

    Gleichzeitig Radfahrer und Fußgänger ist ein wenig schwierig :D

  • Next level in Wentorf bei Hamburg. Kreisverkehre sind ja immer ein Quell der Überraschung für den lieben Radfahrer, denn eigentlich hat er entlang der Kreisfahrbahn Vorfahrt im Sinne von § 8 StVO, während Fußgänger nur gegenüber dem ausfahrenden Kreisfahrbahnverkehr kraft § 9 Abs. 3 StVO Vorfahrt haben.


    In Wentorf macht man erst einmal aus dem benutzungspflichtigen Fuß- und Radweg einen freigegebenen Gehweg mit Schrittgeschwindigkeit…



    … um dann Radfahrer und Fußgänger gemeinsam über diesen Fußgängerüberweg zu leiten. Und was wissen wir von der Polizei? Mit dem Rad auf gar keinen Fall und niemals über Zebrastreifen fahren. Der normale Kraftfahrer dürfte das hier auch entsprechend interpretieren, beziehungsweise an die Weisheit glauben, dass Radfahrer hier zwar fahren dürften, aber keine Vorfahrt hätten. Nun ja.



    Das geht auch noch eine Umdrehung lustiger:



    Natürlich kann man auch einfach auf der Fahrbahn fahren, um diese ganzen Probleme zu umkurven, aber ich durfte mich gestern davon überzeugen, dass man Fahrbahnradelei hier auch nicht so schön findet.


    Und dann gibt es eben weite Überlandstraßen, mit etwas, das durch die Windschutzscheibe nach einem bestens ausgebauten und breiten Radweg aussieht. In der einen Richtung ist das ein nach § 2 Abs. 4 StVO für den Radverkehr freigegebener Weg, in der anderen Richtung ein freigegebener Gehweg mit Schrittgeschwindigkeit.



    Wie gesagt: Man kann auch einfach auf der Fahrbahn bleiben, aber dann hat man halt nicht so eine schöne Erfahrung.


    Und solche Stellen sind für mich dann ein Indiz dafür, dass die Behörde auch gar nicht weiß, was sie hier eigentlich beschildert. Momentan befinde ich mich auf dem linksseitigen Weg mit Freigabe für den Radverkehr, der daraufhin zu einem linksseitigen Gehweg für Freigabe und Schrittgeschwindigkeit für den Radverkehr wird, anschließend kommt wieder die Freigabe aus § 2 Abs. 4 StVO ohne Geschwindigkeitsbegrenzung.



    Und sobald diese Beschilderung folgt, ist eh alles egal, dann wird aus der Freigabe aus § 2 Abs. 4 StVO plötzlich ein freigegebener Gehweg in beide Richtungen. Konsistent ist hier nichts.


  • Da bist Du nicht zufällig über Hamburg-Bergedorf dorthin gelangt? Über die B207, die in Richtung Wentorf bergauf auf 1,5 km mit [Zeichen 239] [Zusatzzeichen 1022-10] beschildert ist?


    (Hamburg-Bergedorf war 1982 bis 2002 mein Wohnort)

    Na klar bin ich da langgefahren. Das war ja auch schon so ein Spaß, bei dem ich mir mehrfach die Hupe angehört habe.

  • Na klar bin ich da langgefahren. Das war ja auch schon so ein Spaß, bei dem ich mir mehrfach die Hupe angehört habe.

    Dann kennst Du nun die Wentorfer Straße bzw. deren Benutzer.


    Vor vielen Jahren war dort Richtung Wentorf noch ein [Zeichen 241-30] auf dem Hochbord. Da der Radweg aber sehr schmal war, hat man die Wahl der Verkehrsfläche nun dem Radfahrer selbst überlassen. Blöd nur, wenn in der Hauptverkehrszeit überhaupt keine Überholmöglichkeit besteht und sich Autos, Busse und Lastwagen fast kilometerweit hinter einem stauen. Das löst bei nicht wenigen Kraftfahrern wirklich ganz massive Aggressionen aus, dass kann ich bestätigen. Auf dem Gehweg ist es aber nicht wirklich entspannter, da es dort bei Fußverkehr einfach viel zu eng ist, auch wenn man aufgrund der anfänglichen Steigung nicht über die vorgeschriebene Schrittgeschwindigkeit hinauskommt. Da geht es auf der Fahrbahn wirklich zügiger voran, weil der Druck im Nacken natürlich Kräfte entfaltet.


    Lustig, dass Du ausgerechnet dort entlang gefahren bist.

  • Naja, und jetzt am Wochenende gab es auch das hier noch. Keine Ahnung, was das mal werden soll:

    Nach zehn Tagen gab es eine Rückmeldung zu meiner Mängelmeldung: Das Ordnungsamt schaut sich das mal an.


    Vermutlich ist dieser Unsinns schon längst von der Baufirma abgeräumt worden. Naja.


    Da lobe ich mir ja doch noch den Mängelmelder der Stadt Lüneburg, dort gibt es in der Regel binnen 24 Stunden eine ausführliche Antwort und die Behebung der Mängel erfolgt ebenso schnell.

  • Ich war in der letzten Woche mit dem Omnium in Kopenhagen. Dazu an anderer Stelle mehr, aber hier schonmal einige Highlights vom Teil der Strecke auf deutschem Hohheitsgebiet.


    Dieses Bild fasst eigentlich schon alles ganz gut zusammen:


    Was macht die kluge Verkehrsbehörde, wenn ein Weg, der vorher mit [Zeichen 240] beschildert war, nicht einmal für ein [Zeichen 239] [Zusatzzeichen 1022-10] taugt? Der Weg war vorher durchaus in brauchbarem Zustand und leicht abschüssig. Keine Ahnung, wie das im Dunkeln ausgegangen wäre, wenn ich mit Schwung in die Auswaschung gefahren wäre (jaja, ich weiß: "Sichtfahrgebot")

    150m später ging es dann wieder mit [Zeichen 240] weiter.


    Kreative Furtmalerei in Heiligenhafen (war da nur für's Foto drauf)


    Danach ging es über die Fehmarnsundbrücke nach Fehmarn, wo man ja gerüchteweise so toll Radfahren kann


    An dieser Stelle habe ich überlegt, auf der anderen Straßenseite auf dem Seitenstreifen zu fahren, aber dahinter zeichnete sich bereits eine Baustelle ab. Das potenzielle Hupkonzert wollte ich mir dann doch nicht geben, zumal ich auch nicht sicher war, ob der Abschnitt nicht vielleicht eine Kraftfahrstraße ist.


    Auf Fehmarn gab es tatsächlich schöne Nebenstrecken ohne Radweg und an der Straße nach Burg einen glatt asphaltierten, außergewöhnlich breiten Radweg. In Burg selbst aber wieder das übliche Chaos. Hier nur ein Beispiel, wo man zuvor auf der Fahrbahn fährt und dann entdecken soll, dass nach dem Abbiegen auf der linken Seite ein [Zeichen 241-30] auf einen wartet. Ich habe das Schild "leider" erst zuhause beim Anschauen der Fotos entdeckt.


    Auch danach war es mit den "tollen Radwegen" auf Fehmarn nicht so weit her.


    Auf der Rückfahrt gab es die meisten Highlights im Landkreis Rendsburg-Eckernförde. Hier nur zwei Beispiele

    Diese Gehweg-Ruine war in beiden Richtungen mit [Zeichen 240] beschildert und ich habe den Weg auch nur für das Foto kurz betreten.


    An der B77 gab es dann mehrfach solche Abschnitte, wo beim Bau des Radweges der Asphalt ausgegangen sein muss. Und niemand hat offenbar es bisher gemerkt.

  • Danach ging es über die Fehmarnsundbrücke nach Fehmarn, wo man ja gerüchteweise so toll Radfahren kann

    An dieser Stelle habe ich überlegt, auf der anderen Straßenseite auf dem Seitenstreifen zu fahren, [...] zumal ich auch nicht sicher war, ob der Abschnitt nicht vielleicht eine Kraftfahrstraße ist.

    Letzte Festlandzufahrt keine Beschilderung, auch nicht paar Bilder weiter. wo noch der Radweg kreuzt. Gegenrichtung Gegenseite Radfahrverbot weiter ins Festland rein.

    Letzte Inselzufahrt auch nix, Stück weiter Beginn eines Radwegs, der auch von der Hauptfahrbahn abzweigt, allerdings landet der Radweg hier wieder auf dem Seitenstreifen, In Openstreetmap ist dieser Radweg bissele komisch getaggt vom selben Mapper erstmals gemappt, der auch "bicycle=no" aus bicycle=yes gemacht hat am nahezu selben Tag, von dem auch ein Teil der mapillary-Bilder stammen, ich glaube, der muss mal dazu befragt werden ...

  • keine Beschilderung, auch nicht paar Bilder weiter. wo noch der Radweg kreuzt. Gegenrichtung Gegenseite Radfahrverbot weiter ins Festland rein.

    OK, dann ist also der einzige legale Weg, mit dem Fahrrad nach Fehmarn zu fahren, der Seitenstreifen und im Baustellenbereich die Fahrbahn (oder Fahrrad auf dem Fahrradträger am Auto). Auf dem schmalen Weg daneben soll man ja absteigen und schieben und nicht Radfahren. Ob das aber so geil ist, ohne Überholmöglichkeit über die gesamte Fehmarnsundbrücke auf der Fahrbahn zu radeln, sei mal dahingestellt. Mag das jemand ausprobieren und berichten? :)