Woche 10 vom 04. bis 10. März 2019

  • Puh, schwierig. Hat jemand den Link zum kompletten Video? Die Radfahrer sollen mit 32/33 km/h den LKW rechts überholt haben bzw. neben den LKW gefahren sein. Kurz vor der Baustelle bremsen sie auf unter 20 km/h runter. Beim dritten Radfahrer stehen 13 km/h unmittelbar vor der Baustelle auf dem Tacho.

  • Wer ordnet sowas an? Der "Schutzstreifen" gehört entfernt; eine sichere Benutzung erscheint mir nicht möglich zu sein, ist alles viel zu schmal.

    Solange Dummheit als plausible Erklärung ausreicht, sollte man keinen Vorsatz annehmen.

  • Das komplette Video habe ich nicht mehr gefunden. Der Ablauf kurz beschrieben: Zwei Radfahrer (Kameramann + Vordermann) überholen den LKW rechts und ziehen dann nach links rüber. Ein ziemlich waghalsiges Manöver. Trotzdem sollte man diese beiden bei der Beurteilung der Situation möglichst ignorieren.

    Denn es gibt noch einen dritten Radfahrer. Und der macht ganze Zeit überhaupt gar nichts falsch und kommt trotzdem fast unter die Räder. Es ist mir rätselhaft, warum der LKW-Fahrer dabei straffrei bleibt.


    Die Stadt hat in dem Fall schnell reagiert und die Verkehrsführung geändert.


    Übrigens: Seit einigen Monaten sind Unternehmen in Berlin verpflichtet, den offiziellen Plan für die Verkehrsführung für jedermann zugänglich an der Baustelle auszuhängen. So kann jeder schnell kontrollieren, ob der Fehler in der Anordnung oder in der Umsetzung liegt. Normalerweise liegt der Fehler bei letzterem.

  • Seit einigen Monaten sind Unternehmen in Berlin verpflichtet, den offiziellen Plan für die Verkehrsführung für jedermann zugänglich an der Baustelle auszuhängen. So kann jeder schnell kontrollieren, ob der Fehler in der Anordnung oder in der Umsetzung liegt. Normalerweise liegt der Fehler bei letzterem.

    Daran sollte sich Hamburg ein Beispiel nehmen.

    Solange Dummheit als plausible Erklärung ausreicht, sollte man keinen Vorsatz annehmen.

  • Der Held der Straße steht an diesem Morgen neben dem Verkehrsminister. Lutz Kluge, 55, grauer Pferdeschwanz, erzählt im Lichthof des Ministeriums von dramatischen Minuten im August. Auf der A 13 Richtung Dresden wurde ein Auto in den Wald geschleudert. Kluge rannte hin und sah Flammen. "Da hat man 30 Sekunden, dann brennt es lichterloh", sagt er. Auch wegen des nahen Tanks. Kluges Hose fing Feuer. In letzter Minute löste er den Gurt, befreite den Fremden. Solche Leute braucht das Land. "Nicht einfach stehen bleiben. Durchstarten, Verantwortung übernehmen. Seid auch so!", sagt Andreas Scheuer in die aufgebauten Kameras. Gleich soll Kluge eine Belohnung für den Einsatz erhalten, etwas mit Symbolwert. Es könnte ein Feuerlöscher sein oder eine Bahncard 100. Was Scheuer überreicht? Einen 5000-Euro-Benzingutschein - gesponsert von Aral.

    […]

    Auch Lutz Kluge, der Mann mit dem Fahrradsymbol auf dem T-Shirt, lief auf allen Kanälen. Als "Held der Straße". Scheuer interviewte ihn, fragte nach Details der Rettung. Wirklich zugehört hat man dem Ingenieur allerdings nicht. Was er vom Preis für seinen Mut hält, verrät er später diskret: "Ich hatte dem Ministerium gesagt, dass mir ein Fahrrad lieber wäre."

  • Benzingutschein für 3000 EUR verkaufen und ein gescheites Rad erwerben?!

    „Zeigen wir dem staunenden Ausländer einen neuen Beweis für ein aufstrebendes Deutschland, in dem der Kraftfahrer nicht nur auf den Autobahnen, sondern auf allen Straßen durch den Radfahrer freie, sichere Bahn findet.“ (Reichsverkehrsministerium, 1934)

  • Habs gesehen. Der Arbeitsplatz der Kurierin machte auf mich den Eindruck der maximalen Ausbeutung. Selbstständig, trotzdem Arbeiten auf Abruf für zwei Firmen abwechselnd. Für 800-900 Euro netto. Lastenfahrrad, Arbeitsklamotten, Unfallrisiko alles Privatsache. Als Selbstständige dann höchstwahrscheinlich noch Krankenversicherung und Altersvorsorge.


    Den Lohn sparen müssen für die Reparatur des Arbeitsgerätes... Das kann doch kein Dauerzustand sein.

  • Für 800-900 Euro netto. Lastenfahrrad, Arbeitsklamotten, Unfallrisiko alles Privatsache. Als Selbstständige dann höchstwahrscheinlich noch Krankenversicherung und Altersvorsorge.

    Für's Alter wird wohl gar nicht vorgesorgt; brauchen Selbständige meistens nicht. Krankenversicherung muss natürlich, und die wird demnächst (oder ist schon?) deutlich günstiger für prekäre Selbständige, glaube um und bei 150€/Monat.

    Klamotten können so viel nicht kosten. Unfallrisiko wird nicht all zu hoch sein. Lastenrad 50-100€ / Monat inkl. alles?

    Kriegt man bei dem Einkommen noch Harz4? Ansonsten gibt's zumindest noch Wohngeld und bestimmt einen Haufen anderer Sozialleistungen. Aber wie man davon leben soll, gerade bei den Mieten heutzutage, ist mir schleierhaft.

    Rente ist dann "Grundsicherung im Alter".


    Ob man sich das ganze antun möchte oder lieber von Harz4 lebt, möge jeder selbst entscheiden.


    Mit BGE wäre hier alles besser. Dann bedeutet auch so ein Job ein echten finanziellen Gewinn im Vergleich zum Nichtstun.

    Solange Dummheit als plausible Erklärung ausreicht, sollte man keinen Vorsatz annehmen.

  • Genau das ist doch das Hauptargument gegen ein BGE. Die Unternehmen würden das in ihre Lohnfindung einrechnen und vom zu zahlenden Lohn abziehen. Sie wären nicht mehr dafür verantwortlich, einen auskömmlichen Lohn zu zahlen. Daher ist das BGE keine linke Wohltat, die von sozial denkenden Menschen erdacht wurde, sondern der feuchte Traum neoliberal Denkender, die das vor Jahrzehnten ausgedacht haben, um sich ihrer sozialen Verantwortung zu entziehen.


    Der Skandal ist nicht der niedrige Lohn, den die Kurierin erhält, sondern dass diese Form der selbstausbeutenden Scheinselbständigkeit überhaupt möglich ist. Bisher kann ein solcher "Selbständiger" sich noch seine Aufstockung beim Amt beantragen und beziehen. Mit einem BGE wäre praktisch jeder automatisch ein Aufstocker. Es würde nur nicht mehr so heißen.


    Das Finanzamt ist da radikaler. Wenn man ein Gewerbe anmeldet und darauf steuerliche Abschreibungen geltend macht, ohne nach wenigen Jahren wenigstens einen bescheidenen Gewinn vorweisen und versteuern zu können, wird das Gewerbe aberkannt und als Liebhaberei angesehen. Man kann so weitermachen, kann aber keine steuerlichen Abschreibungen vornehmen.

    Ähnlich müsste es mit den Kleinstunternehmern sein. Denen müsste man nach zwei oder spätestens drei Jahren mitteilen, dass sie sich entweder arbeitslos melden oder eine besser bezahlte Tätigkeit aufnehmen sollen, weil ihre Arbeit nicht als unternehmerische Tätigkeit angesehen wird. Sie müssen ihre Auftraggeber offenlegen und diese müssen sie in den Anteilen, zu denen sie für sie gearbeitet haben, als Beschäftigte nach Tarif nachentlohnen und die Steuern und Sozialabgaben nachzahlen. Würde man das so machen, wäre der Spuk bald beendet.

  • Kriegt man bei dem Einkommen noch Harz4?

    Ich bin mir vergleichsweise sicher, dass (in Bayern, wer weiß ob es da regionale Unterschiede gibt) das Limit bei Harz4 bei genau 100€ "dazuverdienen" liegt. Also wie in "kleiner, nicht gleich 100€".


    Das ist tauglich, wenn man abends als Pizzakurier gelegentlich herumfährt. Für den oben beschriebenen Job mit riesigen Ausgaben ist es eher untauglich.

  • Genau das ist doch das Hauptargument gegen ein BGE. Die Unternehmen würden das in ihre Lohnfindung einrechnen und vom zu zahlenden Lohn abziehen. Sie wären nicht mehr dafür verantwortlich, einen auskömmlichen Lohn zu zahlen. Daher ist das BGE keine linke Wohltat, die von sozial denkenden Menschen erdacht wurde, sondern der feuchte Traum neoliberal Denkender, die das vor Jahrzehnten ausgedacht haben, um sich ihrer sozialen Verantwortung zu entziehen.

    Das klingt so, als wärst du Anhänger der Phrase "sozial ist was Arbeit schafft". Meiner Meinung nach haben Unternehmen keine soziale Verantwortung. Sie sind aber verantwortlich, dass keine Umwelt zerstört wird, dass ihre Beschäftigten durch die Arbeit nicht krank werden und ein angenehmes Arbeitsumfeld haben, sie müssen Steuern zahlen, usw.

    Natürlich würden Unternehmen versuchen, ein BGE in den Lohn einzupreisen; finde ich auch in Ordnung. Anderereits, wenn die Arbeiter durch ein BGE in die Lage versetzt sind, "nein" zu einem oder gar zu allen Jobs zu sagen, müssen die Unternehmer auch angemesse Löhne bieten, damit jemand die Arbeit für sie erledigt.


    Wer derzeit im Niedriglohnsektor arbeitet, bekommt deutilch weniger als Mindestlohn, wenn man Sozialleistungen in die Rechnung einbezieht. Teilweise verlieren die Menschen sogar Geld dadurch, dass sie arbeiten. Arbeit lohnt sich für diese Menschen finanziell nicht, außer sie arbeiten schwarz.


    Wenn man Theorien glaubt, unser Land würde tatsächlich von Unternehmen regiert, warum haben wir dann nicht längst ein BGE, wenn doch diese Unternehmen so sehr davon profitieren würden?


    Mit einem BGE wäre praktisch jeder automatisch ein Aufstocker. Es würde nur nicht mehr so heißen.

    Finde ich nichts schlimmes dran.

    Solange Dummheit als plausible Erklärung ausreicht, sollte man keinen Vorsatz annehmen.

  • Ich bin mir vergleichsweise sicher, dass (in Bayern, wer weiß ob es da regionale Unterschiede gibt) das Limit bei Harz4 bei genau 100€ "dazuverdienen" liegt. Also wie in "kleiner, nicht gleich 100€".

    Jein. 100€ sind "anrechnungsfrei". Das darüberhinaus eigenständig erzielte Einkommen wird stufenweise angerechnet.

    Kriegt man bei dem Einkommen noch Harz4?

    Wahrscheinlich ja. Je nach Wohnort und dem sich daraus ergebenden Bedarf für "angemessenen" Wohnraum.


    hartz4hilfthartz4.de faßt das so zusammen:

    Vereinfacht gesagt: Aufstockern wird umgekehrt das Differenzgeld ausgezahlt, dass Hartz-4-Empfängern in der gleichen Lebenssituation zustünde, wenn diese gar nicht arbeiten würden. Aus diesem Grund ist auch ein umgekehrter Weg beim Zuverdienst zu ALG 2 möglich.

    Was auch nicht ganz stimmt, aber doch ungefähr. Sogenannte "Aufstocker" haben im Ergebnis mehr als nicht arbeitende ALG-II-Bezieher.

  • Edit: Sorry, ich hatte beim Artikeldatum 2019 nicht 2018 gelesen. Die Studienergebnisse wurden bereits Ende 2017 veröffentlicht.

    […] Darum stellte der Kasseler Verkehrswissenschaftler Prof. Dr.-Ing. Carsten Sommer jetzt in einem Forschungsprojekt die Frage: „Welche Kosten verursachen verschiedene Verkehrsmittel wirklich?“ und kam zu einer klaren Antwort: Der Radverkehr erhält die geringsten Zuschüsse. Der PKW-Verkehr in einer deutschen Großstadt kostet die öffentliche Hand und die Allgemeinheit etwa das Dreifache wie der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV).

    […]

    In die Studie flossen zahlreiche Faktoren ein. In der Gegenüberstellung von Kosten und Nutzen bringt der Rad- und Fußverkehr regelrecht einen Gewinn, da er wenig Infrastrukturinvestitionen voraussetzt, keine Emissionen und Lärm verursacht, mit wenig Unfallrisiken einhergeht und erheblich zur Gesundheitsprävention und damit zur Vermeidung von Krankheitskosten beiträgt.

    […]

    „Ich erhoffe mir aufgrund unserer Arbeit eine transparentere Verkehrs- und Infrastrukturplanung“, sagt Sommer: „Wir geben den Entscheidern in der Politik das Instrument an die Hand, sich faktenbasiert für oder gegen ein Projekt zu entscheiden. Wir betrachten dabei nicht ein Verkehrsprojekt isoliert, sondern das Gesamtsystem und die Effekte einer Einzelentscheidung auf das Ganze. Damit wollen wir die Diskussion versachlichen. Nach unseren Ergebnissen, die wir am Beispiel der Städte Bremen, Kassel und Kiel ermittelt haben, ist die Kostendeckung des PKW-Verkehrs für Kommunen deutlich geringer als die des ÖPNV. Osnabrück will unser Modell konsequent für die Verkehrsplanung nutzen. Andere Städte wollen dagegen gar keine Transparenz.“[…]

    NRVP 2020 - Welche Kosten verursachen verschiedene Verkehrsmittel wirklich?

    Zusammenfassung & Ausblick

  • Edit: Sorry, ich hatte beim Artikeldatum 2019 nicht 2018 gelesen. Die Studienergebnisse wurden bereits Ende 2017 veröffentlicht.

    NRVP 2020 - Welche Kosten verursachen verschiedene Verkehrsmittel wirklich?

    Zusammenfassung & Ausblick

    Einmal mehr das Märchen von den Radfahrern, die angeblich ach so geringe Infrastrukturkosten hätten, bloß weil die Extrawurst, die ihnen nebenher gebraten wird, viel kleiner ist als der fette Ochse, von dessen Verzehr sie willkürlich ausgeschlossen werden.


    Das Argument mit den geringeren Infrastrukturkosten glaube ich erst, wenn das erste Wohn-/Industriegebiet für KFZ gesperrt bleibt und ausschließlich durch 1,5 m breite Wegelchen im billigen Landstraßen-Radwegstandard erschlossen wird.