Woche 27 vom 2. bis zum 8. Juli 2018

  • Na ein Glück: Die Räder waren eh Schrott (keine Gangschaltung) und man musste soweit ich weiß eine Kaution zahlen.

    Wäre ein Jammer gewesen, wenn die sich am Markt durchgesetzt hätten.


    Nur schade, dass jetzt vermutlich die Städte die Dinger einsammeln müssen.

  • DIE ZEIT arbeitet nach einer ganzen Serie vernünftiger und ausgewogener Artikel über Mobilität wieder daran, den Radverkehr wieder niederzuschreiben: Nach unten treten, nach oben buckeln


    Die zugrundeliegende Motorik ist bekannt: Man muss die lieben Radfahrer nur konsequent mit allen negativen Aspekten der Mobilität in Zusammenhang bringen. Wenn man oft genug erklärt, dass Radfahrer rücksichtslos unterwegs sind, immer trotz Radweg mitten auf der Straße fahren und sich eh an keine Regeln halten, dann glauben’s die Leute halt irgendwann.


    Im Gegenzug muss natürlich das Automobil wieder romantisch verklärt werden, da stören solche Probleme wie Schadstoffausstoß, Flächenverbrauch und Kosten natürlich immens, die wird der Leser in einem solchen Artikel natürlich nicht mehr finden.

  • DIE ZEIT arbeitet [...] wieder daran, den Radverkehr wieder niederzuschreiben: Nach unten treten, nach oben buckeln


    Die zugrunde liegende Idee ist in diesem Satz zu finden:

    Zitat

    Muss nicht jeder, der begeistert einem Hobby nachgeht, ob Golfer, Angler oder Radler, sich den Gegebenheiten anpassen, die er vorfindet?

    Muss nicht jeder, der begeistert einem Hobby nachgeht, ob Golfer, Angler oder Radler, sich den Gegebenheiten anpassen, die er vorfindet

    Das Rad wird halt nicht als Verkehrsmittel, sondern als Hobby und Luxus angesehen. Die Kommentare sind allerdings ganz lesenswert.

  • Die zugrunde liegende Idee ist in diesem Satz zu finden:

    Muss nicht jeder, der begeistert einem Hobby nachgeht, ob Golfer, Angler oder Radler, sich den Gegebenheiten anpassen, die er vorfindet

    Das Rad wird halt nicht als Verkehrsmittel, sondern als Hobby und Luxus angesehen. Die Kommentare sind allerdings ganz lesenswert.

    So ist es. Wohingegen der Autofahrer sich bei seinem Ho - äh, hochwichtigen Tun - nicht den Gegebenheiten anpassen muss, die er vorfindet (Radweg, Gehweg, Parkverbot, Tempo 30 ...), sondern sich benehmen darf wie es ihm passt.

  • Als Autofahrer muss man sich auch nicht rechtfertigen, ob man damit zur Arbeit, zum Einkaufen, ins Kino oder nur zum Vergnügen fährt. Ein Autoproll, der nur aus Jux um den Block fährt, um mit seinem Geltungstriebwagen gesehen zu werden, ist immer noch wichtiger als ein Fußgänger oder Radfahrer auf dem Weg zur Arbeit oder zum Einkaufen.

  • Ein Autoproll, der nur aus Jux um den Block fährt, um mit seinem Geltungstriebwagen gesehen zu werden, ist immer noch wichtiger als ein Fußgänger oder Radfahrer auf dem Weg zur Arbeit oder zum Einkaufen.

    Das ist ja auch absolut nachvollziehbar, weil der 19-jährige autofahrende Harzter mit den vielen von ihm entrichteten Steuern und Abgaben schließlich die Straße bezahlt hat, während der 55-jährige radelnde Berufspendler bloß ein Schmarotzer ist, weil er außer der lumpigen Million, die er in seinem Leben bislang an Steuern und Abgaben für diverse KFZ sowie in Form von Lohn-, Mehrwert- und anderen Steuern bezahlt hat, so rein gar nichts zum Unterhalt der Straße beiträgt.

  • Hier noch mal ein besonders schönes Beispiel des so genannten Framings, was ja als Fachbegriff spätestens seit dem Aufstieg der AfD und der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten die Runde macht: Hälfte der Autofahrer schaut nicht beim Abbiegen


    Die Überschrift ist noch einigermaßen brauchbar, aber nach der Hälfte des Textes wird wieder mal versucht, den Radverkehr als möglichst rowdyhaft darzustellen:


    Zitat

    Besonders gravierend sei "die Geringschätzung" der Radfahrer gegenüber dem Rotlicht der Ampeln gewesen. Rund zehn Prozent der Radler seien bei Rot weitergefahren. Bei den Autofahrern sei der Anteil noch höher gewesen.


    Da stand der Autor also vor dem Problem, dass Autofahrer noch häufiger das rote Licht ignorieren als Radfahrer. Nun ist eben die Frage, wie man das im Text angemessen würdigt, so dass dann doch der Radfahrer der böse ist, also bedient er sich dieses sprachlichen Kniffs. Beim normalen Leser dürfte lediglich hängenbleiben, dass Radfahrer die bösen Regelbrecher sind.


    Tja: So funktioniert Sprache: Es wird einfach der Fokus auf die Regelverstöße der lieben Radfahrer gelegt, die eventuell noch viel erschreckenderen Zahlen der übrigen Verkehrsteilnehmer versteckt man heimlich in einem hinten rangeklatschten Nebensatz.

  • :)

    "Wissen macht nicht glücklich"

    oder

    "Selig sind die Unwissenden"


    Das ist mit allem so. Wisse um mehr §§ der StVO als der Durchschnitt und du fährst kopfschüttelnd durch die Stadt ob des Fehlverhaltens vieler Verkehrsteilnehmer. Nimm die VwV-StVO dazu und dein Kopfschütteln wandelt sich in Groll. Wenn du jetzt noch die RSA95 zumindest rudimentär kennst, wird dein Groll zu Wut.

    Jetzt dann aber bitte keine Zeitungsartikel mehr lesen ;)

  • Hier noch mal ein besonders schönes Beispiel des so genannten Framings, was ja als Fachbegriff spätestens seit dem Aufstieg der AfD und der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten die Runde macht: Hälfte der Autofahrer schaut nicht beim Abbiegen

    Ich habe den im Artikel erwähnten ACE-Pressesprecher angemailt und um Auskunft gebeten, ob die - auch von TSP-Lesern beanstandeten - Sätze von ihm oder vom Journalisten stammen. Außerdem habe ich ihn nach der baulichen Anlage der betroffenen Kreuzungen gefragt, insbesondere wie dort die Beampelung für Radfahrer aussieht - unter Verweis darauf, dass ich als ACE-Mitglied in der Mitgliederzeitschrift mehrfach erschreckende Unkenntnis des ACE über die Verkehrsregeln bezüglich Radfahrern festgestellt habe und mir vorstellen könnte, dass die Ehrenamtlichen die Fußgängerampeln gewertet haben, während der Radfahrer sich mangels Radfahrampel nach der Fahrbahnampel richtete.

  • http://fahrradbefragung.de/


    Man merkt alsbald, daß die Konstellation, ein Telefon während einer Radfahrt zu benutzen, ohne dieses in der Hand zu halten oder überhaupt zu berühren, nicht mitgedacht wurde. Das führt zu interessanten Fragestellungen wie z.B: "Warum haben Sie Ihr Telefon zur Navigation benutzt?" Immerhin konnte ich bei Sonstiges ausfüllen: "Um zu navigieren."

  • Ich habe den im Artikel erwähnten ACE-Pressesprecher angemailt und um Auskunft gebeten, ob die - auch von TSP-Lesern beanstandeten - Sätze von ihm oder vom Journalisten stammen. Außerdem habe ich ihn nach der baulichen Anlage der betroffenen Kreuzungen gefragt, insbesondere wie dort die Beampelung für Radfahrer aussieht - unter Verweis darauf, dass ich als ACE-Mitglied in der Mitgliederzeitschrift mehrfach erschreckende Unkenntnis des ACE über die Verkehrsregeln bezüglich Radfahrern festgestellt habe und mir vorstellen könnte, dass die Ehrenamtlichen die Fußgängerampeln gewertet haben, während der Radfahrer sich mangels Radfahrampel nach der Fahrbahnampel richtete.

    Heute früh (Sonntagmorgen!!!) um 7:41 Uhr war die Antwort da.

    Zitat

    Aus der beigefügten PM des ACE vom 06.07.18 können Sie den Wortlaut meines Zitates entnehmen. Ich habe ausgeführt, daß 27 Prozent der Radfahrer nicht regelkonform gefahren sind, bei den Autofahrern waren es deutlich mehr. Die 10 Prozent "Rotlichtfälle" bei Radfahrern sind eine Teilmenge der Gesamtverstöße ( 27 Prozent ), sodaß die Aussage das Kontrollergebnis richtig wertet. Die verkürzte Aussage im TAGESSPIEGEL kann zu Irritationen führen, da die Aussage zu den Autofahrern nicht auf die Gesamtfehlerquote Bezug nimmt, sondern auf die 10 Prozent Rotlichtverstöße der Radfahrer. Dieses ist aus der beigefügten ACE-Pressemitteilung jedoch nicht zu entnehmen.


    Und hier der Wortlaut der Presseerklärung. Ich hatte es geahnt: Es werden die Verstöße der Radfahrer aufgelistet, mit dem schlimmsten Radfahrerverstoß am Ende. Dann kommt »Und die Autofahrer sind noch schlimmer, denn ...« Und der TSP nimmt die Einladung zur Verkürzung dankend an.


    Krass:

    »Bei den Fahrradfahrern registrierten sie, wie häufig diese beim Queren der Kreuzung den Fußgängerüberweg anstatt der Straße nutzten bzw. ob sie trotz eines vorhandenen Radwegs auf der Straße fuhren


    Von benutzungspflichtig steht da nix. Und »Straße« statt »Fahrbahn« ...