Wintereinbruch in Hamburg

  • Gestern mal wieder das übliche Spielchen: Fahrbahnen geräumt, Radverkehrsinfrastruktur auf den Zentimeter genau von der Räumung ausgelassen, weil nicht im zu räumenden Straßennetz enthalten. Bedarf ist anhand der Streifchen im Schnee allerdings durchaus gegeben:



    Zweirichtungslieblingsradweg an der Kieler Straße:



  • Ich hatte gestern beinahe einen Dooring-Crash mit einem Räumfahrzeug. Das war so ein kleiner Trecker mit rotierender Bürste vorne und Salzstreuer hinten. Der räumte gerade den Gehwegteil eines [Zeichen 241-30] und als ich an ihm vorbei gefahren bin, riss er die Tür auf. Leider hatte ich meinen NICHT WITZIG Stempel gerade nicht dabei.


    Heute wurde hier aber nicht mehr geräumt. Das heißt, überall, wo gestern Abend noch nicht geräumt war, ist es jetzt immer noch nicht.

  • Ich hatte gestern Abend das Vergnügen, die Hoheluftbrücke überqueren zu dürfen. Als Fußgänger. Ich kam mir vor wie bei der Inspektion eines Eiskanals bei Olympia. Natürlich waren auch ein paar Radfahrer der Meinung, lieber in die Mischung aus Puderschnee und Glatteis fahren zu sollen anstatt auf der picobello Fahrbahn.

  • Lars Christiansen hat heute bei facebook dieses Foto von der Burgstraße veröffentlicht:


    Zitat

    Bei dem Sonnenschein heute freut man sich draußen zu sein, auch wenn die Radwege ziemlich glatt sind. Richtig gefährlich geht es derzeit auf der Veloroute 8 auf Höhe U-Bahn Burgstraße zu. Am Geesthang wurden auf der Veloroute Schikanen verbaut, die den Radverkehr an den Kreuzungen abbremsen sollen. Diese sind jetzt natürlich unter einer Schneedecke verborgen. Kann hier jeder die querlaufenden kantsteinhohen Verschwenkungen erkennen, die gerades Fahren auf der Veloroute an dieser Stelle verhindern sollen? Nein? Pech gehabt!


    Über das Ding hat sich DMHH auch schon regelmäßig geärgert, oder?

  • Die von Autos befreite Limmerstraße in Hannover-Linden. Zwar fährt hier die Straßenbahn, aber eben nur im 7,5 Minuten Takt. Und auch die besonders bei Schnee sehr glatten Schienen schrecken viele Radler nicht ab, wie man an den Spuren im Schnee sehen kann.


  • Über das Ding hat sich DMHH auch schon regelmäßig geärgert, oder?

    jopp. Aber ich fahr da nicht mehr längs. Aus Prinzip.

    Aber man erkennt deutlich, wo die Mängel bei der Umsetzung liegen. Schnee und auch Blätter können nicht maschinell geräumt werden, weil man die verschwenkung untern schnee nicht erkennt und diese auch zu schmal ist, um die Räumwägelchen da durchzusteuern.


    Aber eine "richtige Lösung" mit Brücke über die ganze Kreuzung Burgstraße ist eben nur in Ländern denkbar, die etwas für den Radverkehr tun. Nicht in Hamburg. Und so leben wir mit Krücken und Hindernissen, machen brav mit bei dem Spielchen, uns erzählen zu lassen, dass es anders nicht ginge.


    Ich bin eh gerade wieder maximal angepisst, weil diese Stadt nichts auf die Reihe bekommt. Der Trost, dass "andere" Städte es auch nicht besser machen, ist dabei nicht ausreichend.

  • Der Trost, dass "andere" Städte es auch nicht besser machen, ist dabei nicht ausreichend.

    Naja, doch.


    Ich war in der letzten Woche in Göttingen und Kiel unterwegs, dort gab es zum größten Teil eine einwandfrei geräumte Radverkehrsinfrastruktur. In Kiel bekommt man es offenbar sogar geregelt, den überflüssigen Splitt regelmäßig wieder von den Rad- und Gehwegen zu fegen, dort wird sogar der brandgefährliche Doorzone-Bummelradweg an der Holtenauer Straße geräumt, dort bin ich gestern ganz problemlos mit dem Rad zum Bahnhof gekommen.


    Und dann komme ich hier an der Elbgaustraße in Hamburg mit der S-Bahn an.


    Okay. Die Fahrbahn war einwandfrei geräumt und trocken, der Radweg unter einer Schnee- und Eiskruste begraben, der Gehweg hin und wieder ein bisschen frei. Zur Fahrbahnradelei mangelte es mir leider an Motivation, das hatte ich vor drei Wochen einmal praktiziert, das brauche ich in der Elbgaustraße erstmal nicht wieder. Also schob ich brav mein Rad auf dem Gehweg und maulte mich beinahe, weil es arschglatt war.


    Nun wird in Hamburg natürlich trotzdem mit dem Rad gefahren, aber natürlich nicht auf dem vereisten Radweg, sondern auf dem bemitleidenswerten Gehweg nebenan, und wenn da jemand sein Fahrrad schiebt, dann wird — Klingelingeling! — draufgehalten und gepöbelt. Ernsthaft: Ich möchte ja gerne Platz machen, um die wenigen tapferen Radfahrer durchzulassen, aber so ein vollgepacktes Fahrrad auf vereister Fläche hievt man eben nicht in zwei Sekunden plötzlich beiseite. Der Kraftverkehr hatte teilweise auch seine liebe Not und rechnete angesichts der Witterungsbedingungen wohl auch nicht mehr mit nichtmotorisiertem Verkehr.


    Tja. Und das alles auf nicht einmal einem Kilometer.


    Wenn ich mir andere Städte anschaue, dann sieht es für mich eher danach aus, dass ein gewisser Winterdienst auf Rad- und Gehwegen durchaus möglich wäre. Dass nicht jeder bummelige Radweg entlang einer kleinen Nebenstraße geräumt wird, klar, aber wenigstens entlang der Hauptverkehrsstraßen könnte man sich darum bemühen. Ich kann es mir eigentlich nur so erklären, dass Hamburg tatsächlich keinen Winterdienst für den Radverkehr anbieten möchte. Man hat zwar das bereits mehrfach verlinkte Netz von angeblich geräumten Radwegen geplant, aber offenbar klappt die ganze Sache ja von vorne bis hinten nicht.



  • Ich habe mir vorgestern in Norderstedt lieber die nichtgeräumten Wege ausgesucht - just for fun!


    Im Ernst: Norderstedt räumt jetzt teilweise die Radwege sogar VOR den Fahrbahnen.

    Ich weiche, wenn ich mit dem 3rad unterwegs bin, u. a. deswegen auf nichtgeräumte Wege (wie hier im Stadtpark) aus, weil ich meinem Rad das Salz ersparen möchte.

    Und: Es macht mit dem Pedelec mit Neigungstechnik wirklich riesigen Spaß, kontrolliert durch die Kurven zu sliden. ?


    Ja, andere Städte können es definitiv besser als HH!


    „Zeigen wir dem staunenden Ausländer einen neuen Beweis für ein aufstrebendes Deutschland, in dem der Kraftfahrer nicht nur auf den Autobahnen, sondern auf allen Straßen durch den Radfahrer freie, sichere Bahn findet.“ (Reichsverkehrsministerium, 1934)

  • Am Samstag war dieser Bauzaun auf gesamter Länge umgefallen und versperrte Fuß- und Radweg. Es blieb nur der an dieser Stelle immerhin sehr breite Sicherheitsstreifen von zwei Gehwegplatten (1 m) für Fußgänger und benutzungspflichtigen Radweg. Weil der Bauzaun, als ich dort zum zweiten Mal vorbeikam, nach drei Stunden immer noch dort lag, telefonierte ich mit dem PK27. Die sehr nette Mitarbeiterin musste dann auch lachen als ich darüber witzelte, dass seit mindestens drei Stunden keiner angerufen hatte. Hätte der Bauzaun auf der Straße gelegen, hätte es wohl keine drei Minuten bis zu einem Anruf gedauert. Sie rief dann sogar zurück, weil die dorthin geschickten Kollegen an der von mir genannten und etwa 30 m entfernten Kieler Straße 693 keinen Bauzaun entdecken konnten. Mal kurz aus dem blauem Auto aussteigen hätte vielleicht geholfen.


    Positiv für diese Baustelle an der Kieler Straße, Fußgänger und Radfahrer müssen (bisher) nicht zwangsweise die Straßenseite wechseln.


    Heute bin ich dort wieder vorbeigekommen. Der Bauzaun stand, aber der Weg war vereist. Warum sollte auch an einer Baustelle Winterdienst stattfinden, ist ja eh keiner verantwortlich. Also bin ich auf die wunderbar geräumte Fahrbahn ausgewichen.

    Und schon 10 Sekunden später ging das Gehupe los.

  • telefonierte ich mit dem PK27. Die sehr netteMitarbeiterin musste dann auch lachen als ich darüber witzelte, dass seit mindestens drei Stunden keiner angerufen hatte.

    Komisch. Ich habe PK 27 kurz vor meinem Urlaub noch darüber in Kenntnis gesetzt, dass der Zaun a) so ganz sicher nicht angeordnet wurde und b) nach meiner laienhaften Einschätzung nicht standsicher wäre. Entweder landen meine Mails dort gleich im Papierkorb oder ich schreibe seit Jahren an die falsche E-Mail-Adresse.

  • Die Mailadresse lautet wie überall in Hamburg PK??verkehr@polizei.hamburg.de, also in diesem Fall PK27verkehr@polizei.hamburg.de


    Welche Emailadresse zu nutzen ist, wenn es um akute Probleme wie einem Notfall geht? Keine Ahnung, würde immer zum Telefon greifen. Aber sollte erkundet werden.


    In den Belangen des Radverkehrs ist es oftmals sinnvoller zu telefonieren und persönlich zu sprechen. Habe sogar schon manchmal einen Rückruf erhalten.

    Vor zwei Wochen war ich dort auch vor Ort und habe ein längeres Gespräch mit dem zuständigen Beamten geführt. Aber die Herren haben wenig Zeit, weshalb nur ein Bruchteil der etwa 100 für mich für Radfahrer wichtigen Dinge im Zuständigkeitsbereich des PKs besprochen werden konnte. Das dort aus Autofahrer-Sicht argumentiert wird, verständlich für mich, aber ich versuche das zu ändern


    Und ein ganz wichtiger Punkt: jetzt findet da wieder ein Personalwechsel statt. Alle zwei Jahren wird das Revier oder die Aufgabe gewechselt. Dann dauert es wieder einige Zeit bis der Neue Ortskenntnis erlangt und Problemstellen bekannt sind. Und schwub, und ein paar Monate später kommt wieder ein Neuer.

    Ein Problem im System!