Woche 23 vom 07. bis 13. Juni

  • Es sieht so aus als fahre der Herr ein E-Bike.

    Ich vermute, dass die Bereitschaft mit dem Rad auf der Fahrbahn zu fahren, anstatt einen gleichzeitig angebotenen Fußweg mit Radverkehrsfreigabe zu benutzen, auch sehr stark davon abhängt, wie schnell jemand mit seinem Fahrrad fahren kann. Die zunehmende Verbreitung der E-Bikes wird meines Erachtens in jedem Fall dazu beitragen, dass zunehmend mehr Radfahrer*innen die Fahrbahn benutzen. Besonders dann, wenn das Fahrradfahren auf dem Gehweg ohnehin verboten ist oder nur durch ein Zusatzschild [Zeichen 239] + [Zusatzzeichen 1022-10] erlaubt ist.

    In Hamburg kann ich das bisher nicht beobachten. Die meisten E-Bike-Fahrer rasen nur so über die Gehwege, selbst wenn diese mit Z.239 als solche beschildert sind.

    Die Polizei könnte das doch mal in die Schwerpunktkontrollen aufnehmen :-)

    Solange Dummheit als plausible Erklärung ausreicht, sollte man keinen Vorsatz annehmen.

  • Bist du denn sehr regelmäßig in den Niederlanden und sprichst die Sprache gut?

    Ik versta het goed, maar ik kan het niet praten.


    Ich finde die Zeitungsmeldungen auch ohne Zuhilfenahme von Online-Übersetzern sehr gut verständlich. Geht auf jeden Fall leichter von der Hand als Dänisch, wobei auch das Verstehen der dänischen Unfallmeldungen nach ein wenig Einlesen kein unüberwindbares Hindernis ist, zumal man ja weiß, worum es geht und sich bestimmte Floskeln und Vokabeln stets wiederholen.

    Kapituliert habe ich erst bei Finnisch, als ich versucht habe, die im Netz kursierende "Vision-Zero"-Legende von Helsinki zu prüfen. :saint:


    Gut, um einen Eindruck des Berichterstattungsstils zu Verkehrsunfällen in NL zu bekommen, ist diese Unfall-Sammlung. Wer mag, kann mal versuchen, ob er Beiträge findet, in denen konkrete Unfallverursacher benannt werden oder in denen sogar ganze Verkehrsteilnehmergruppen an den Pranger gestellt werden.

  • Das sehe ich anders. Auf Radwegen kann eine Unaufmerksamkeit genau so schwere Folgen haben. (Stichwort: Abbiegeunfall)

    Bei einem Abbiegeunfall, bei dem ein Autofahrer den Vorrang des geradeaus fahrenden Radverkehrs missachtet, ist es allerdings primär die Schuld des Autofahrers. Im Prinzip kann der Fuß- und der Radverkehr darauf bauen, dass abbiegende Verkehrsteilnehmer dem Geradeaus-Radverkehr Vorrang gewähren.

    Beim Fahren auf der Fahrbahn kann es leichter zu gefährlichen Situationen kommen, z. B. wenn Autos am Fahrbahnrand halten und ein Ausweichmanöver zur Straßenmitte hin erforderlich machen. Dann wird voraussichtlich die Unaufmerksamkeit des Radfahrers einen höheren Stellenwert haben bei einem Unfall.

    Meines Erachtens stellt sich die Frage, ob es notwendig ist, die Radverkehrsteilnehmenden durch einen vorgeschriebenen Führerschein für das Fahren auf der Fahrbahn fit zu machen, wenn man sämtliche Radverkehrsanlagen wie Hochbordradwege, Fahrradstraßen, Radfahrstreifen usw. abschaffen wollte.

    Oder ob man es so belässt wie jetzt. Fahrradfahrer sind ähnlich wie Fußgänger, Verkehrsteilnehmer auf die "stärkere" Verkehrsteilnehmer besonders Rücksicht nehmen müssen. Ein Autofahrer der mit seinem Fahrzeug einfach so am Straßenrand auf einem Radfahrstreifen hält, verhält sich wenig rücksichtsvoll, und handelt darüber hinaus ordnungswidrig. Auch sehe ich Autofahrer in der Pflicht beim Abbiegen besondere Vorsicht walten zu lassen, wenn die Situation unübersichtlich ist und mit plötzlich auftauchenden Fußgängern oder Radfahrern zu rechnen ist. (Stichwort niedrige Abbiegegeschwindigkeit)

    "Die tatsächlich erreichte Verkehrskompetenz erweist sich aber im Endeffekt erst in der Alltagspraxis durch eine längere unfallfreie Verkehrsteilnahme, die den Regeln allgemeinen partnerschaftlichen Umgangs entspricht. Hierzu gehören über das Befolgen der Verkehrsvorschriften hinaus auch der faire Umgang und die Rücksichtnahme auf schwächere Verkehrsteilnehmer."

    https://de.wikipedia.org/wiki/Verkehrskompetenz

    Das bedeutet nicht, dass Autofahrer grundsätzlich immer und überall Radfahrern und Fußgängern Vorrang zu gewähren haben. Aber mit einer erhöhten Gefahr von Fehlverhalten ist zu rechnen.

    Das Problem dabei ist, dass sich durch diese besondere Verantwortung der Autofahrer zur Rücksichtnahme gegenüber Fußgängern und Radfahrern bei Autofahrern eine Art "paternalistische" Haltung gegenüber diesen "schwächeren" Verkehrsteilnehmern entwickeln kann, verbunden mit grenzwertigen bis verbotenen "Erziehungsversuchen". (Hupen und Anbrüllen.)

    Und für die Radverkehr-Teilnehmenden wäre es gut, wenn sie ihrer besonderen Verpflichtung der Rücksichtnahme gegenüber Fußgänger*innen noch stärker nachkommen. Leider wird dieses Thema gerne von Autofahrern missbraucht, um die angebliche Rücksichtslosigkeit von Fahrradfahrern zu skandalisieren. Obwohl gerade auch bei vielen Autofahrern ein Mangel an Rücksichtnahme gegenüber dem Fußverkehr erkennbar ist.

    Überhaupt halte ich es für gerechtfertigt ganz grundsätzlich die Frage zu stellen, ob die Verpflichtung zur Rücksichtnahme nicht auch beinhaltet, das Auto öfter mal ganz stehen zu lassen oder grundsätzlich autofrei mobil zu sein. So gesehen sind viele Fußgänger*innen, Radfahrer*innen und ÖPNV-Nutzer*innen ein ganz besonderes Vorbild für Rücksichtnahme.

  • Finnisch

    Das verwundert den Linguisten überhaupt nicht - ist sie doch eine der wenigen europäischen Sprachen, die nicht dem Konstrukt der indogermanischen Sprachfamilie zugehörig ist.

    „Zeigen wir dem staunenden Ausländer einen neuen Beweis für ein aufstrebendes Deutschland, in dem der Kraftfahrer nicht nur auf den Autobahnen, sondern auf allen Straßen durch den Radfahrer freie, sichere Bahn findet.“ (Reichsverkehrsministerium, 1934)

  • Ungarisch hab ich in den Neunzigern gelernt, weil es mich genervt hat, dass ich ü-ber-haupt nichts lesen/verstehen konnte. Die Sprache ist wirklich ganz anders aufgebaut als alles, was wir hier kennen. Aber wie meine Lehrerin immer sagte: Ist gar nicht schwer, das spricht in Ungarn jedes Kind.

    In meinem Leichtsinn habe ich dann später auch mal versucht, Finnisch zu lernen, als wir in Budapest (!) zwei Finnen kennengelernt haben. Aber das hat mich - obwohl es ähnlich strukturiert ist wie das Ungarische - echt an meine Grenzen gebracht.

  • Kyllä, mutta se ei tee kielestä yhtään helpompaa.

    Der Google-Übersetzer wirft aus: "Ja, aber es macht die Sprache nicht einfacher."

    Wenn das stimmen sollte: Natürlich nicht. Das macht sie so schwierig. Genau das habe ich mit meinem Kommentar impliziert oder implizieren wollen. Wenn Google überfordert war (wie regelmäßig bei Latein, das kann ich tatsächlich ein wenig beurteilen), dann bitte ich um Aufklärung.

    „Zeigen wir dem staunenden Ausländer einen neuen Beweis für ein aufstrebendes Deutschland, in dem der Kraftfahrer nicht nur auf den Autobahnen, sondern auf allen Straßen durch den Radfahrer freie, sichere Bahn findet.“ (Reichsverkehrsministerium, 1934)

  • Das passt schon mit der Übersetzung. Ich kann kein Finnisch. Ich spreche shcon Bayrisch, Englisch und halbwegs Deutsch, damit ist meine Sprachbegabung völlig aufgebraucht. Und wir sind da ja auch einer Meinung.


    Ich glaube wer nicht in Finnland für längere Zeit lebt, oder eine genetisch vorhandene Begabung hat, wird die Sprache nicht wirklich richtig lernen.

    Antero lacht immer heimlich, dafür freuen sich die allermeisten Finnen ungefähr genauso sehr wie die Polen, wenn jemand versucht, seine Semmeln in Landessprache zu bestellen.

  • Mir reicht ein Wort Finnisch: myrsky ("Sturm"). So heißt unser Hund. Ich spreche das allerdings immer russisch aus: mirski. Die Züchterin hat mir das mal in echt vorgeführt: mörskö. Wenn ich dem kleinen Hund mit der finnischen Aussprache komme, weiß er, dass er was ausgefressen hat ;-)