Tatütata, die neue StVO ist da

  • Ich fand es eigentlich auch eindeutig: "Radverkehr (...) zu rechnen ist " ist eine Eigenschaft der Kreuzung und nicht der konkreten Verkehrssituation.

    Damit ist innerorts an fast allen Kreuzungen Schrittgeschwindigkeit verpflichtend (die wesentlichen Ausnahmen sind Autobahnen, freie Rechtsabbieger und Abbiegerampeln).

    Ich könnte deine Auffassung teilen, stünde im Verordnungstext „wo mit Radverkehr zu rechnen ist“ — das bezöge sich dann auf den gesamten Kreuzungsbereich, auf das gesamte Stadtgebiet, auf was auch immer. Der Verordnungsgeber hat sich aber für die Formulierung „wenn mit Radverkehr zu rechnen ist“ entschieden und zielt in der Begründung überdies darauf ab, die Anzahl der Situationen, in denen Lkw-Fahrer langsam abbiegen müssen, im Interesse der Verkehrsleistung der Knotenpunkte zu reduzieren. Ich halte es weder für abwegig noch für eine böswillige Interpretation, dass im Winter oder nachts vielleicht nicht mehr so sehr vorsichtig abgebogen werden muss.

  • Das ist ja eine ganz neue Auslegung, die im VP nicht gebracht wurde.

    Wir haben also drei Auslegungen, wann kein Schritt nötig ist:

    1. Eigenschaft der Kreuzung
    2. "Lkw-Fahrer hat geguckt"
    3. "Um die Zeit kommt bestimmt kein Radfahrer."

    In der Begründung gibt es eine Aufzählung von Situationen, in denen die Begrenzung nicht gelten soll: Ampelschaltungen und Verkehrsverbote.

    Spatestens damit ist doch klar, dass Variante 1 gemeint ist.


    Und selbstverständlich ist auch im Winter und nachts mit Radfahrern zu rechnen. Oder muss man da etwa keinen Schulterblick machen?


    Edit: "wo mit Radverkehr zu rechnen ist" ist meines Wissens nach kein Hochdeutsch. Das kommt doch aus dem Schwäbischen, oder?

  • Edit: "wo mit Radverkehr zu rechnen ist" ist meines Wissens nach kein Hochdeutsch. Das kommt doch aus dem Schwäbischen, oder?

    "Wer ein Kraftfahrzeug mit einer zulässigen Gesamtmasse über 3,5 t innerorts führt, muss beim Rechtsabbiegen mit Schrittgeschwindigkeit fahren," "wo mit Radverkehr zu rechnen ist"

    Ich denke das ist nicht umgangssprachlich oder regional, da es sich tatsächlich auf einen Ort bezieht (im Gegensatz zu "Das Kind, wo Eis isst"). MMn Punkt 2a hier: https://www.duden.de/rechtschr…Fragewort_Relativpronomen

  • In der Begründung gibt es eine Aufzählung von Situationen, in denen die Begrenzung nicht gelten soll: Ampelschaltungen und Verkehrsverbote.

    Spatestens damit ist doch klar, dass Variante 1 gemeint ist.

    Gut, der Punkt geht an dich. Ich hatte irgendwie im Hinterkopf, dass in der Begründung etwas von „wo nach den Umständen entsprechend mit Radverkehr zu rechnen ist“ stünde, aber da habe ich mich wohl vollkommen verrannt.

  • Das Bundesverkehrsministerium feiert sich bereits für die neuen Regelungen der Änderungsverordnung. Ich halte die drei Komperative in der Überschrift für ziemlich übertrieben, aber beim Bundeskraftverkehrsministerium sieht man sich wohl in der Position, langsam mal für gute Nachrichten zu sorgen: Wir machen den Straßenverkehr noch sicherer, klimafreundlicher und gerechter

  • Das Bundesverkehrsministerium feiert sich bereits für die neuen Regelungen der Änderungsverordnung. Ich halte die drei Komperative in der Überschrift für ziemlich übertrieben, aber beim Bundeskraftverkehrsministerium sieht man sich wohl in der Position, langsam mal für gute Nachrichten zu sorgen: Wir machen den Straßenverkehr noch sicherer, klimafreundlicher und gerechter

    Typisches DDR-Sprech. Es wird unterstellt, X habe bereits die Eigenschaften a, b und c ...

  • Immerhin man hat bei dem Überholabstand auch an Fußgänger gedacht, dies sind dort auch aufgeführt. Finde ich gut. Hoffentlich wird die Einhaltung dieser Regel dann aber in Zukunft auch kontrolliert.

    1969: Ingenieure leiten ein Projekt und der erste Mensch betritt den Mond.

    Über 40 Jahre später: Juristen und Verwaltungsleute leiten Projekte und scheitern an einem einfachen Flughafen in Berlin.