Kommunaler Ordnungsdienst der Stadt Kiel

  • Die Stadt Kiel leistet sich seit gestern einen so genannten Kommunalen Ordnungsdienst, der die bisherige Ordnungsbehörde unterstützen soll: Kommunaler Ordnungsdienst nimmt den Streifendienst auf


    Aus der Pressemitteilung zum Einsatzgebiet der Streifen:


    Zitat

    Schwerpunkte der KOD-Arbeit sind die Innenstadt, das Areal am Hauptbahnhof sowie die Stadtteile Gaarden und Mettenhof. Zu den Aufgaben der KOD-Präsenzstreifen gehören:

    • Überwachung aller städtischer Satzungen und Verordnungen mit Ordnungswidrigkeitentatbeständen
    • Feststellung unerlaubter Abfallentsorgung (Stichwort: wilder Müll) oder der Verunreinigung von Grünanlagen (Stichwort: Grillsaison), von Spielplätzen und Straßen (wozu dann auch die achtlos weggeworfene Zigarettenkippe gehört)
    • Einhaltung der Räum- und Streupflicht auf öffentlichen Wegen und Plätzen
    • Überwachung der Anleinpflicht für Hunde
    • Ahndung aller Verkehrsordnungswidrigkeiten, die nicht mit Kraftfahrzeugen begangen werden (Stichwort: Radfahrer in der Fußgängerzone)
    • In Ergänzung zu den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Verkehrsüberwachung auch Ahndung gravierender Verstöße im ruhenden Verkehr (Stichworte: Blockade von Behindertenparkplätzen, Missachtung von Feuerwehrzufahrten)
    • Flankierende Begleitung städtischer Kontrollen im Bereich Jugendschutz, Gewerbe- und Gaststättenrecht.

    Ich habe nicht so das Gefühl, dass man sich wesentlich um die Entfernung falsch parkender Kraftfahrzeuge kümmern möchte und wird, wenn man nur bei „gravierenden Verstößen“ wie blockierten Behindertenparkplätzen oder Feuerwehrzufahrten tätig werden will. Das klingt für mich so, als werde man weiterhin dieses „irgendwo müssen die Leute ja parken“-Schild hochhalten und sich in Rücksicht gegenüber Falschparkern üben, auch wenn dadurch nichtmotorisierte Verkehrsteilnehmer, insbesondere Rollstuhlfahrer, Nutzer von Rollatoren, Menschen mit Kinderwagen oder Fahrrädern, erheblich behindert werden.


    Andererseits wird man sich laut der Pressemitteilung auf die Innenstadt, das Gebiet am Hauptbahnhof (ist das nicht mehr der Innenstadt angehörig?), Garden und Mettenhof kümmern, jeweils im Schichtbetrieb von 8 bis 23 Uhr. Wenn von den 16 Mitarbeitern auch mal welche krank sind oder ihren Urlaubsanspruch ausüben, stehen also ungefähr 12 bis 14 Personen zur Verfügung, die auch noch auf die einzelnen Schichten aufgeteilt werden müssen. Da kommt am Ende wohl nicht mehr viel mehr bei rum als insgesamt zwei, maximal vier Personen pro Schicht, aus denen sich dann eine oder zwei Streifen bilden lassen. Und zwischen 23 Uhr, beziehungsweise zwischen 20 Uhr und 8 Uhr morgens werden Falschparker ohnehin nicht behelligt, beziehungsweise außerhalb der genannten Areale ohnehin nicht.


    Das scheint mir dann so effektiv wie die bisherige Ordnungsbehörde, die je nach Quellenlage aus vier oder sechs Mitarbeitern besteht, der ich aber bislang nur ein einziges Mal begegnet bin — als mir ein Kraftfahrer mit Handy am Ohr beim Abbiegen die Vorfahrt nahm und das Ordnungsamt im Auto seelenruhig hinter ihm abbog.

  • Ohne jetzt Zahlen liefern zu können: Nürnberg leistet sich so was ähnliches schon länger.


    Anzeigen bei Falschparkern kann ich nicht einmal einschätzen. Ich vermute, dass so etwas gar nicht in deren Aufgabengebiet liegt - und ich parke halt nicht falsch. Mir sind die Damen und Herren aber schon in den Parks und Naturschutzgebieten begegnet. Unter anderen, weil ich auf der falschen Seite des Parks gegrillt habe (also: nicht allein - ganz so schlimm ist es mit der Vereinsamung noch nicht). Und so blöd das damals war, es ist natürlich sinnvoll. Ich könnte den ganzen Tag lamentieren, dass die Grillplätze nicht gut genug beschildert sind, aber wir haben halt auch nicht geschaut. Bassd scho.


    Und wenn ich mir die Grillplätze am nächsten Morgen auf dem Weg zur Arbeit ansehe: die Damen und Herren sind wichtig. Das Müllproblem in Nürnberg ist nicht zu unterschätzen. Die Stadt sieht teilweise furchtbar aus. Zusätzlich zur sonstigen Arbeit ist das aber nicht zu bewältigen, dafür braucht es extra Stellen. Und diese können dann durchaus auch andere OWis und Satzungsverstöße im Auge behalten.


    Aus dem Zitat oben klingt das auch eher nach einem "wir wollen, dass es schöner aussieht und sich die Leute in Parks sicherer fühlen" -Auftritt.

  • Und wenn ich mir die Grillplätze am nächsten Morgen auf dem Weg zur Arbeit ansehe: die Damen und Herren sind wichtig. Das Müllproblem in Nürnberg ist nicht zu unterschätzen. Die Stadt sieht teilweise furchtbar aus. Zusätzlich zur sonstigen Arbeit ist das aber nicht zu bewältigen, dafür braucht es extra Stellen. Und diese können dann durchaus auch andere OWis und Satzungsverstöße im Auge behalten.

    Das fände ich tatsächlich auch sehr wichtig — nur befinden sich die klassischen Kieler Grilllocations leider außerhalb des Wirkungsgebietes des kommunalen Ordnungsdienstes.


    Aber: Im Innenstadtbereich ist der Ordnungsdienst wirklich präsent, den sehe ich bestimmt an drei von fünf Tagen auf dem Weg zum Bahnhof oder wieder nach Hause. Gerade eben machten sechs Angehörige des Ordnungsdienstes gemeinsam Feierabend — Untätigkeit mag ich den Leuten nicht vorwerfen, allenfalls ein sehr kleines geografisches Wirkungsgebiet.


    Nun müssten wir nur noch mal erfahren, was denn ein „gravierender Parkverstoß“ ist. Das ständige Zuparken von Fahrrad- und Fußverkehrsinfrastruktur scheint bislang leider nicht darunter zu fallen.

  • Ohne jetzt Zahlen liefern zu können: Nürnberg leistet sich so was ähnliches schon länger.


    Anzeigen bei Falschparkern kann ich nicht einmal einschätzen. Ich vermute, dass so etwas gar nicht in deren Aufgabengebiet liegt -



    Die Zentrale Verkehrsüberwachung im Großraum Nürnberg ist nur für die Nürnberger Innenstadt zuständig (also Ring als Grenze). Alles andere ist Freiparken.



  • Die Zentrale Verkehrsüberwachung im Großraum Nürnberg ist nur für die Nürnberger Innenstadt zuständig (also Ring als Grenze). Alles andere ist Freiparken.

    So ist es fast überall. Der Ordnungsdienst hat seinen Überwachungsbereich, der fleißig bestreift wird. Alles was außerhalb liegt wird nicht etwa ab und zu bestreift, sondern gänzlich ignoriert.

  • Dieser kommunale Ordnungsdienst beginnt mir zu gefallen. Heute Abend hatten sechs Kraftfahrzeuge in der Fußgängerzone an der Kieler Hörn ein rotes Knöllchen am Scheibenwischer klemmen, zwei davon stehen weiter hinten:



    Mit dem Wagen, der dort hinter dem weißen Fahrzeug gerade die freie Parklücke ansteuern will, kam ich kurz ins Gespräch:


    „So wie Sie parken, kommt der Audi vor Ihnen nicht mehr raus, außer wenn er die Laterne absägt“, klugscheiße ich und gebe zu bedenken: „Außerdem ist das hier eine Fußgängerzone und die Kollegen hier drumherum haben sich schon ein Knöllchen eingefangen.“


    Die Beifahrerin steigt aus und guckt, ob das mit dem Knöllchen wirklich stimmt. Der Fahrer fragt: „Ja, scheiße, wo sollen wir denn parken?“


    „Zum Beispiel im Parkhaus“, klugscheiße ich fröhlich weiter, „50 Meter weiter dort vorne ist die Einfahrt, 1,50 Euro pro Stunde. Wenn Sie’s billiger mögen, fahren Sie für einen Euro pro Stunde ins Fördeparkhaus, dann müssen Sie aber noch fünfhundert Meter laufen. Ich glaube, beim Sophienhof ist heute geschlossen.“


    „Das ist mir zu teuer.“


    „Sie können auch hier parken, aber sehen Sie die beiden Herrschaften mit der Aufschrift Ordnungsamt dort hinten? Ich glaube, die finden das uncool.“


    Tja, das Fenster fuhr wieder hoch, man fuhr woanders hin. Hihi. Die besagten beiden Herrschaften hatten sich schon auf den Weg gemacht, um das Knöllchen anzubringen:



    Ich mag ein Denunziant und Misantroph sein, aber ich hatte meinen Spaß.


    Die Nummer mit den Knöllchen hat sich offenbar schnell unter den Haltern der höherpreisigen Fahrzeugen herumgesprochen, jedenfalls kamen die nächsten beiden Fahrer gleich aufgeregt bei rotem Licht über die Ampel gelaufen, um dann einigermaßen wutentbrannt das Knöllchen unter dem Wischer herauszurupfen und auf den Boden zu schmeißen.


    Tja.



    Dann kam ich noch mit den beiden vom Ordnungsamt ins Gespräch: Hier gilt nicht der Tarif für das Parken in der Fußgängerzone mit 30 Euro, das Gebiet wird als Hafengebiet behandelt und kostet gleich 50 Euro.


    Wenn jetzt auch noch außerhalb des Innenstadtbereiches mal gründlicher kontrolliert wird, könnte ich mich mit solchen Maßnahmen anfreunden. Rein vom Gefühl her hat die Belastung der Geh- und Radwege von Kraftfahrzeugen so langsam ein bisschen abgenommen.

  • Hier gilt nicht der Tarif für das Parken in der Fußgängerzone mit 30 Euro, das Gebiet wird als Hafengebiet behandelt und kostet gleich 50 Euro.

    Sehr geil. Kiel ist da echt kreativ. Oben am Strand ist das ja auch "Parken im Naturschutzgebiet" nach stadteigenem Bußgeldkatalog. :evil::thumbup:


    Das einzig blöde daran ist die fehlende Halterhaftung.

  • Ich kann nicht nachvollziehen, wie 1,50 EUR für eine Stunde Parken in bester Lage als zu teuer angesehen werden kann.


    Dass die Stadt Kiel die Möglichkeiten des Bußgeldkataloges ausschöpft, gefällt mir. Hier macht man es genau anders herum und schreibt immer den günstigsten Tarif auf. Ich wohne in der Altstadt in einem verkehrsberuhigten Bereich. Am Rand ist die Straße glatt gepflastert, damit Fußgänger (insbesondere solche mit Gehhilfe) oder Rollstuhlfahrer nicht über das historische Kopfsteinpflaster stolpern müssen. Es wird regelmäßig darauf geparkt, teilweise werden Hauseingänge durch parkende Fahrzeuge blockiert. Bei den Befahrungen durch die Feuerwehr wird regelmäßig festgestellt, dass die engen Straßen von den Einsatzfahrzeugen wegen Falschparkern nicht mehr passierbar sind. Aber hier gibt es Parken im verkehrsberuhigten Bereich außerhalb der gekennzeichneten Flächen immer zum Discountpreis von 10,- EUR, egal ob jemand behindert wird oder ob Rettungswege blockiert werden. Und nach 16:00 Uhr wird ohnehin so gut wie nie kontrolliert. Das hat sich auch herumgesprochen.

  • Da ich gestern neues Kind und Frau von der Frauenklinik abholen durfte, musste ich mal wieder das Auto nehmen und habe mich ins Parkhaus gestellt und bin die 600 Meter dann mit Kinderkutsche gelaufen. 1€ die Stunde, und da es dann ewig gedauert hat mit U2 und Laboruntersuchung der Blutprobe waren es am ende 5€.


    Die ganzen Gehsteigparker, die sich rechtswidrig direkt vor die Klinik gestellt haben, teilweise so dass die RTW-Zufahrt blockiert war, die sind den ganzen Tag unbehelligt geblieben. Konnte ich vom Fenster ganz gut sehen. Da kommste dir als Ehrlicher schon dumm vor. Und dann kann ich zumindest nachvollziehen, wie man bei 1,50€ pro Stunde von "zu teuer" spricht. Man ist es schlicht gewohnt, umsonst parken zu können. Egal ob legal oder nicht.

  • Ich kann es auch nicht verstehen. Ins Parkhaus fährt man rein und steht meistens so nah vor der Tür, wie es geht. Ganze Straßenzüge abzufahren, um sich dann irgendwo hinzuquetschen, kostet mich Zeit und Nerven. Wenn ich in der gesparten Zeit arbeiten und Geld verdienen würde, könnte ich das Auto locker den ganzen Tag dort stehen lassen. Aber gut, ich fahr ja auch mein Rad ins Parkhaus, wenn ich in der Stadt shoppen geh... :saint:

  • Glückwünsche zum Nachwuchs!

    Hier hatte ich bisher immer das Gefühl, dass man als Autofahrer nicht nur bei Einkaufsmärkten, sondern auch von Krankenhäusern besonders zuvorkommend behandelt wird. Da gab es dann einen kostenlosen 'Storchenparkplatz' oder auch mal eine Dauerkarte für das Parkhaus. Mit dem Fahrrad musste ich mich dagegen immer irgendwo dazwischen quetschen oder ein gutes Stück laufen...

    Sollte das mit dem Fahrrad im Parkhaus auch mal probieren, da ist eigentlich immer eine Ecke frei.

  • Und wenn man die Parkscheibe auf dem kostenlosen Supermarktparkplatz nicht einlegt (weil man es vergessen hat... oder wohl eher weil man da wie gewohnt den ganzen Tag parken wollte), und dann so eine 20€ Vertragsstrafe am Auto vorfindet, wenn man wiederkommt, dann ist natürlich die Hölle los. Dreiste Abzocke! Wie kann man nur! Hier kaufe ich nie wieder ein!


    Zum Glück macht das jetzt hier bei uns jeder Supermarkt, so dass die Leute gar nicht anders können ;)

  • Zitat von Yeti

    Und nach 16:00 Uhr wird ohnehin so gut wie nie kontrolliert. Das hat sich auch herumgesprochen.

    Ich habe abends einen Sprachkurs an der Volkshochschule. Beginn 18.30 Uhr. Parkraumbewirtschaftung läuft bis 19.00 Uhr. Die halbe Stunde macht doch nix!

    Denkste. Wie oft habe ich schon gesehen, dass ein Wagen vom Ordnungsamt um 18.25 Uhr um die Ecke biegt und alles abzettelt. Da freut man sich, dass man als Radfahrer keine Sorgen damit hat. (Aber dass die Madamen dort gern "kurz vor knapp" kontrollieren, hat sich mittlerweile auch rumgesprochen, es sind eigentlich nur Ortsfremde, die das Risiko eingehen.)