Fahrradklimatest 2018

  • Mag noch jemand bis zum 30. November am Fahrradklimatest teilnehmen?

    Ich habe langsam das Gefühl, jedes Mal die gleichen Punkte anzukreuzen: So richtig besser wird es eigentlich nicht, außer bei der Kommunikation des Fahrrades in den Medien — die wird dank Morgenpost und Abendblatt immer schlechter.

  • Hallo,

    man darf auf für mehrere Städte und Gemeinden mitmachen.

    Beim ADFC findet sich auch eine Auswertung, wie viele Personen pro Gemeinde teilgenommen haben. Interessant ist, dass die Teilnehmer pro Einwohner stark schwanken. Wohl entsprechend des Engagement des ADFC vor Ort. Schaut da mal durch ob bei einem Ort wo Ihr Euch auskennt nur noch wenige Fragebögen fehlen und macht da mit!

  • Ich bin von der Geschwindigkeit der Änderungen hier mal wieder gar nicht überzeugt. Bei allem Gemoser muss man der Stadt aber zu Gute halten, dass sie tatsächlich was machen. Vieles Schlecht, aber immer wenn ich in anderen Städten unterwegs bin stelle ich fest, dass die Stadt Nürnberg durchaus mehr tut.

    Die Baustellen waren dieses Jahr aber mal so richtig schlimm. So schlimm hatte ich das vorher nicht in Erinnerung (waren aber auch drei große auf meinem Weg zur Arbeit). Nicht mal so sehr die Absicherung: die ging meistens. Aber die Beschilderung?

    Den Winterdienst habe ich leider schon wieder verdrängt. Irgendwas war da - aber war das noch in diesem Jahr oder vielleicht schon vorher? So was ist irgendwie blöd.. ich hänge dann so oft an schlechten Erinnerungen und kann nicht mehr einordnen ob das noch passt. So was verfälscht die Statistik - andererseits ist ja nach dem "Klima" gefragt.

  • Ich bin echt nicht lernfähig: Ich habe es wieder versucht und wieder abgebrochen. Schon die Fragestellungen sind tendenziös und nach belieben auslegbar. So bekommt man Ergebnisse, wie man sie haben möchte. Man könnte die Umfage so verkürzen: Gibt es viele Extrawürste und wie schmecken sie?

    Beispiele:

    1) "Wie wichtig ist es Ihnen beim Radfahren entlang einer Straße getrennt vom Autoverkehr unterwegs zu sein?" Die Antwortmöglichkeiten reichen von sehr wichtig bis unwichtig (und Enthaltung). Dass es einem wichtig ist, dass man nicht getrennt wird, kann man gar nicht angeben. Das Ergebnis kann also nicht sein, ob Radwege gewünscht werden, sondern nur, wie sehr.

    2) "Bei uns...sind Radwege und Radfahrstreifen so angelegt, dass auch junge und ältere Menschen sicher Rad fahren können." Ja...wie soll das gehen? Der ADFC fragt noch nicht einmal mehr, ob man sich sicher fühlt. Es werden nicht einmal mehr die Fakten durch die Instrumentalisierung der "subjektiven Sicherheit" umgangen, sondern gleich gleichgeschaltet: Es ist der sicher, der sich sicher fühlt. So etwas nenne ich Alternative Fakten schaffen.

    3) "Wie wichtig sind die folgenden Aspekte für das Radfahren in Ihrer Stadt? - Konfliktfreiheit zwischen Radverkehr und Fußverkehr" Das kann doch nur wichtig sein, falls es einem wichtig ist, Fußgänger und Radfahrer zusammen einzusperren, diese Konfliktmöglichkeiten erst zu schaffen.

  • 3) "Wie wichtig sind die folgenden Aspekte für das Radfahren in Ihrer Stadt? - Konfliktfreiheit zwischen Radverkehr und Fußverkehr" Das kann doch nur wichtig sein, falls es einem wichtig ist, Fußgänger und Radfahrer zusammen einzusperren, diese Konfliktmöglichkeiten erst zu schaffen.

    Das verstehe ich anders: Wenn mir Konfliktfreiheit zwischen Radverkehr und Fußverkehr wichtig ist, bedeutet das, dass ich nicht auf oder dicht neben Gehwegen Fahrrad fahren will.

    Ansonsten stimme ich dir zu: "Konfliktfreiheit zwischen Radverkehr und Kfz-Verkehr" wird vermutlich als Wunsch nach Radwegen interpretiert, wobei ich die meisten Konflikte mit dem Autoverkehr auf eben diesen Radwegen erlebe. Ich möchte gerade nicht auf Radwegen fahren, auf denen mir an jeder Kreuzung und Einmündung die Vorfahrt genommen wird.

  • wobei ich die meisten Konflikte mit dem Autoverkehr auf eben diesen Radwegen erlebe.

    Das ist bei mir inzwischen anders:

    An Kreuzungen läuft inzwischen fast immer alles glatt.

    Im Fließverkehr gibt es aber ständig die üblichen Diskussionen und Belehrungsversuche.

  • Interessant. Großstadt vs. Kleinstadt? Die "Radwege" sind hier allerdings unter aller Kanone und an vielen Kreuzungen sind gar keine Furtmarkierungen vorhanden oder die Markierungen sind kaum noch zu erkennen.

    Ich habe im letzten Winter/Frühjahr 4 Monate lang alle kritischen Situationen notiert: 39 mal Radweg, 5 mal Fahrbahn. Seitdem ich die Radwege weitestgehend meide, hat sich die Zahl kritischer Situationen deutlich verringert. Belehrungen erlebe ich selten und auch knappe Überholvorgänge sind die Ausnahme. Ob das mit 10-15 km/h auch so problemlos laufen würde, wage ich allerdings zu bezweifeln und vermutlich haben dafür langsamere Radfahrer auf Radwegen an Kreuzungen seltener Probleme als ich.

    Beim Fragebogen des ADFC ist mir gerade noch aufgefallen, dass man nur gefragt wird, wie wichtig einem die Konfliktfreiheit zwischen Rad- und Autoverkehr ist, aber nicht die Konfliktfreiheit zwischen Rad- und Fußgängerverkehr.

  • Interessant. Großstadt vs. Kleinstadt?

    Berlin, hauptsächlich Mitte und Friedrichshain. Auf meinen Stammstrecken sind aber auch wirklich viele Radfahrer unterwegs. Da hat inzwischen praktisch jeder Autofahrer kapiert, dass er nicht auf der Radwegfurt rumstehen sollte.

    Auf der Fahrbahn wird trotzdem diskutiert, so lange ich ein einzelner Radfahrer bin. An einzelnen Stellen belegen Radfahrer bei schönem Wetter inzwischen die ganze rechte Spur. Da meckert dann auch kein Autofahrer mehr.

    Wenn ich mich von der Innenstadt entferne (wo weniger Radfahrer unterwegs sind), schaut es anders aus:

    An den Konflikten auf der Fahrbahn ändert sich nicht viel. Aber die Konflikte bei Radwegnutzung werden an Kreuzungen viel mehr.

  • Ich hatte mit dem Fahrrad-Klimatest auch so meine Probleme. Das einzig konstruktive konnte ich in den Freitext-Kommentaren am Ende loswerden.

    Meine Heimatgemeinde hat innerorts so gut wie null Radverkehrsführungen, und das ist auch kein Problem. Wo man es versucht hat, sind es meist Relikte aus früheren Zeiten, die mehr verwirren als helfen. Beispielsweise gibt es eine Bahn-Unterführung, die ziemlich steil ist. Von einer Seite ist der Hochbord klar (wenn nicht gerade zugewachsen) als Zweirichtungs-[Zeichen 240] ausgeschildert. Von der anderen Seite gibt es überhaupt kein Schild, was mich in dieser Richtung immer auf die Fahrbahn lockt (Tempo 30). Im Industriegebiet gibt es genau zwei Schilder [Zeichen 240], und zwar am Anfang und am Ende der Strecke (dazwischen etwa 1000 Meter und vier Einmündungen mit roten Furten). Selbst als 'anderer Radweg' geht das nur durch, wenn man das Hellgrau und Hellrosa der Pflastersteine nach 30 Jahren noch auseinanderhalten kann.

    Ansonsten läuft es aber relativ problemlos; wir haben sogar auf der kompletten Ortsdurchfahrt einer Bundesstraße Tempo 30 (Lärmschutz).

    Ach ja, ich habe auf mehreren Kanälen versucht, die dilettantisch ausgeführten Radwege anzusprechen, aber es ist halt niemand zuständig...

  • Ansonsten läuft es aber relativ problemlos; wir haben sogar auf der kompletten Ortsdurchfahrt einer Bundesstraße Tempo 30 (Lärmschutz).

    Durlach? :S

    Ich fands bemerkenswert, dass innerorts alles ok war - ab Einmündung Rommelstraße bis weiter nach Wolfartsweier war dann wieder Terz angesagt. Obwohl sich objektiv nichts geändert hat. Aber ja, KA ist schon eine oder zwei Runden entspannter zu fahren.

    Also bis auf Durchlacher Allee jetzt <X

    Autobahnabfahrt mit querendem Radweg. holla, da halte selbst ich als bekennender Kampfradler nicht drauf zu, wenn ein Auto an die Fahrradfurt herangerauscht kommt...

  • Fast, Weingarten. Lustiger Weise ist zwar die B3 praktisch komplett Tempo 30, aber nicht die einmündende L559 (Jöhlinger Straße). Begründet wurde dies damit, dass man hier wegen der Enge und der Parksituation sowieso nicht mehr als 30 fahren könne...

    An der Autobahnauffahrt bin ich auch eher zurückhaltend und jedes Mal froh, wenn ich sie passiert habe. In der Regel werde ich aber rechtzeitig wahrgenommen und korrekt durchgelassen.

  • Wenn ich mich von der Innenstadt entferne (wo weniger Radfahrer unterwegs sind), schaut es anders aus:

    An den Konflikten auf der Fahrbahn ändert sich nicht viel. Aber die Konflikte bei Radwegnutzung werden an Kreuzungen viel mehr.

    Berlin, Pankow: Es gibt immer mehr Radfahrer, auch ganzjährig. Am Rathaus und an der Kirche, wo ich täglich vorbeiikomme, sind morgens und abends ganze Horden auf dem Zweirad unterwegs.


    Ich nutze fast immer die Fahrbahn und selten den Angebotsradweg. in Nebenstraßen fahre ich bewusst mittig. Die Häufigkeit der Konflikte nimmt ab. Ausnahme sind Einbahnstraßen, die für Radfahrer freigegeben sind.

    Safety by numbers.

  • Das grundsätzliche Problem bei diesem Fahrradklimatest besteht darin, dass nicht nach den Visionen der Teilnehmer gefragt wird. Wenn es mir zum Beispiel sehr wichtig ist und ich mir das gut vorstellen kann, dass eine Stadt komplett befreit wird vom privaten KFZ-Verkehr, dann brauche ich keine seperaten Radwege, um am täglichen Autostau vorbeifahren zu können. Und wenn ich mir ein flächendeckendes Tempo 30 sehr gut vorstellen kann, das konsequent überwacht, bzw. durch verpflichtende Tempobegrenzungselektronik in den PKW gestützt würde, dann wären mir von den Autofahrbahnen sicher abgetrennte Radwege weniger wichtig. Aber leider gewinnt man beim Durchlesen der Fragen den Eindruck, als wollten die Initiatoren bloß keine Leute verschrecken, die es für normal halten, dass es viel zu viel Autoverkehr gibt.

  • Ich habe es wieder versucht und wieder abgebrochen. Schon die Fragestellungen sind tendenziös und nach belieben auslegbar.

    Ich teile die Ansicht zum Teil, aber ich werde es bis zum Ende durchziehen, weil es zumindest eine Frage gibt, wo man sich positiv dazu äußern kann auf der Fahrbahn zu fahren. Werde auch noch einen Kommentar am Ende da lassen. Ist halt blöd, wenn der Inhalt des Fragebogens schon so einen großen Einfluss darauf hat, wer den Fragebogen am Ende überhaupt abschickt.

  • Hallo,

    ich vermute, dass man auch einen Vergleich zu vorherigen Tests haben will und daher die Fragen nicht ändern möchte. Ich hatte auch so meine Schwierigkeiten mit den Bewertungen. Innerorts fahre ich lieber auf der Fahrbahn, außerorts lieber auf vernünftigen Radwegen, aber nur an viel befahrenen Straßen. Sowas kann man z.B. überhaupt nicht differenzieren.

    Stefan

  • Wenn ich mir die Ergebnisse für Stade aus dem Jahr 2016 anschaue, scheinen einige Radfahrer hier wohl eine komplett andere Sichtweise zu haben. Teilweise finde ich die Ergebnisse auch widersprüchlich.

    http://object-manager.com/om_map_fahrrad…/2016/Stade.pdf

    Verkehrsklima:

    -werden Radfahrer/innen als Verkehrsteilnehmer akzeptiert / nicht ernst genommen: 3,5 (entspricht dem Durchschnitt für Städte bis 50.000 EW)

    Sicherheit:

    -fühlt man sich als Radfahrer sicher / gefährdet: 3,6 (0,2 besser als der Durchschnitt)

    -gibt es selten / häufig Konflikte mit Autofahrern: 3,7 (0,1 besser als der Durchschnitt)

    -kann man auf der Fahrbahn zügig und sicher Rad fahren / wird man auf der Fahrbahn bedrängt und behindert: 4,3 (0,3 schlechter als der Durchschnitt)

    Was denn nun? Wird man ernst genommen und gibt es seltener Konflikte mit dem Autoverkehr oder wird man bedrängt und behindert? Meines Erachtens zeigt das nur die Stimmung in einer Kleinstadt, in der die Leute lieber auf Gehwegen fahren als auf der Fahrbahn und sich dort aber sicher fühlen. Auf der Fahrbahn zu fahren, gilt als gefährlich, obwohl man es noch nie ausprobiert hat.

    Schaut man sich die besonderen Stärken und Schwächen an, wird es aber schon interessanter: Radfahren ist hier nicht eine Angelegenheit einer bestimmten Altersgruppe, sondern alle fahren Fahrrad. Das Stadtzentrum ist zügig mit dem Rad erreichbar (alle Stadtteile liegen nunmal im Umkreis von 5km um die Innenstadt). Man kann zügig Radfahren (kaum Steigungen). Für all das kann die Politik und Verwaltung überhaupt nichts, sondern das ist der Leidensfähigkeit der Radfahrer und der Topologie zu verdanken.

    Schwächen: Führung an Baustellen gibt es nicht [Zusatzzeichen 1012-32]. Öffentliche Leihfahrräder auch nicht. Woanders in ähnlich großen Städten aber wohl ebenfalls nicht, denn obwohl dieser Punkt die schlechteste Bewertung erhält (4,6) steht Stade im Vergleich zu anderen Städten dabei immer noch 0,2 Punkte besser da :). Auch Werbung für das Radfahren gab es quasi nicht (seit 2017 nimmt Stade immerhin an der Aktion Stadtradeln teil).

    Ebenfalls sehr schlecht wurde das Fahren im Mischverkehr mit Kfz bewertet, aber auch die Breite und der Zustand der Radwege. Trotzdem hat Stade bei der Frage, ob Radfahren hier Spaß macht, die Note 3,0 erreicht. Das liegt vermutlich daran, dass man relativ schnell an der Elbe oder im Alten Land ist.

    An den Hauptstraßen bin ich vermutlich hier der einzige, der regelmäßig auf der Fahrbahn fährt und meine Erfahrungen damit schätze ich eigentlich positiv ein. Allerdings bin ich in der Stadt auch noch nie von einem anderen Radfahrer überholt worden, so dass ich wohl auch von der Geschwindigkeit her sowieso besser auf der Fahrbahn aufgehoben bin als auf Gehwegen mit [Zeichen 240].

  • Hallo,

    ich vermute, dass man auch einen Vergleich zu vorherigen Tests haben will und daher die Fragen nicht ändern möchte.

    Stefan

    Das hatte ich auch gedacht, aber Vergleichbarkeit um jeden Preis ist überhaupt nicht sinnvoll. Man verschenkt dann jedes Mal die Möglichkeit valide Aussagen über den aktuellen Zustand zu treffen und wenn man es mal halbwegs richtig macht, würde man sich zumindest in Zukunft mit der Gegenwart vergleichen können.