Fahrradwahn im ganzen Land? Hamburgs Antwort: Widerstand!

  • Ich war heute mit Patrick ein bisschen in den Wallanlagen unterwegs und es war warm und sonnig und laut: Gerade im südlicheren Teil im Bereich des Millerntorplatzes wurde un-ab-lässig gehupt, das habe ich sogar in Hamburg noch nicht erlebt.


    Es war nämlich warm und sonnig und die Leute wollten zum Dom und in die Wallanlagen. Die rechten beiden Fahrstreifen in diesem Bild werden von Kraftfahrern genutzt, die sich gleich artig hintereinander auf dem rechten Fahrstreifen einreihen werden, um von dort an den Parkplatz an der Glacischaussee anzusteuern. Von meinem Standort sind es noch etwa 700 Meter bis zur Glacischaussee, der Stau ging aber noch weitere fünfhundert Meter runter bis zum Rödingsmarkt.




    1,2 Kilometer Stau sind jetzt nicht so dramatisch, das toppt der Berufsverkehr jeden Tag zwei Mal überall in Hamburg, aber es ist halt so irre: Die Leute sitzen da im Auto und warten darauf, auf den Parkplatz fahren zu können.




    Das Freilassen der Kreuzungen klappt natürlich nur sehr mäßig, die Leute sind unablässig am Hupen und kämpfen sich geradezu durch den blockierenden Querverkehr:




    Wie gesagt: Ich bin ja einiges gewohnt, aber das war dann doch eine ganz neue Qualität. Es wird permanent gehupt, durchs offene Fenster gebrüllt, ausgestiegen und geschrien, das war wirklich irre. Klar, es ist der erste so richtig warme Tag dieses Jahres, alle wollen irgendwie an die frische Luft, aber für einen Großteil der Menschen führt dieser Weg an die frische Luft nunmal erstmal durchs Auto. Und dann steht man da im Stau, es geht nicht voran, am besten hat man noch den Nachwuchs auf der Rückbank sitzen, der sich auch schon misslaunig über die Gesamtsituation äußert, klar, da liegen die Nerven blank und wenn der Querverkehr die Kreuzung blockiert, dann steigt man eben aus und brüllt sich gegenseitig zusammen. Herrje, und hinten auf der Rückbank sitzen die Kinder und plärren, warum man seit einer Viertelstunde das Riesenrad sehen kann, aber der Wagen nur fünf Meter vorangekommen ist.


    Es stellt sich dann allerdings heraus, dass der Parkplatz an der Glacischaussee komplett belegt ist:




    Das gefällt natürlich nicht jedem, der warnwestenbewehrte Herr erzählte, er müsse sich Allerhand Unfreundlichkeiten anhören. Klar, er ist hier gerade der erste Ansprechpartner für all jene, die eine halbe Stunde lang für den Parkplatz anstanden und nun feststellen müssen, dass ebenjener Parkplatz wegen Vollbelegung geschlossen wurde. Nun kann man’s entweder am nächsten Parkplatz versuchen, insgesamt gibt’s für den Dom ja drei Stück, oder man schaltet den Motor aus und verschränkt trotzig die Arme.




    Warum es nicht mehr Parkplätze gäbe ist eine der freundlicheren Fragen, denen er sich heute stellen darf, viele Kraftfahrer hielten sich hingegen nicht mit Höflichkeiten auf und versuchten sich mit Hilfe ihres Kraftfahrzeuges Zugang zum Parkplatz zu verschaffen. Dreißig Meter von der Kreuzung entfernt bewachten zwei Polizeibeamte im klimatisierten Einsatzfahrzeug die Kreuzung und schauten sich das alles aus ruhiger Distanz an — ich weiß nicht, ich hab den Eindruck, es hätte womöglich geholfen, wenn die Staatsmacht direkt an der Kreuzung präsent gewesen wäre.


    Das war alles nämlich nicht so toll, Fußgänger und Radfahrer querten die Kreuzung, während der Verkehr noch innerhalb der Kreuzung feststeckte, der Querverkehr wiederum grünes Licht bekam und die blockierenden Verkehrsteilnehmer mit der Hupe durch die Fußgänger hindurchtrieb:




    Naja. Weiter geht’s zum nächsten Parkplatz. Der ist — Überraschung! — voll belegt:




    Man kommt hier und da ins Gespräch, wobei ich den Aufmacher ganz beeindruckend fand:


    Fahrer 1: „Warum fahren Sie denn nicht weiter? Wir wollen auf den Parkplatz!“

    Fahrer 2: „Der Parkplatz ist belegt, steht da.“

    Fahrer 1: „Aber wo sollen wir denn parken?“

    Fahrer 2: „Ja, keine Ahnung!“

    Fahrer 1: „Wir suchen seit einer Stunde einen Parkplatz, alles ist voll! So eine Verarsche!“

    Fahrer 2: „Ich steh hier seit ’ner Viertelstunde und es geht nicht voran. Vielleicht ist da hinten noch was frei?“ (deutet auf den Parkplatz auf der anderen Seite des Geländes)


    So geht es eine Weile weiter, man regt sich ein bisschen über das Parkplatzangebot auf („Man kann keinen Jahrmarkt machen und keine Parkplätze anbieten“), man regt sich über die Preise auf („Da soll ich 1,50 Euro pro Stunde zahlen, das ist ein Wucher“), man regt sich über „die da oben auf“ („Seit Stunden fahren wir hier rum und wollen nur parken“).


    Ich kann mich natürlich nicht mit klugen Ratschlägen zurückhalten, empfehle die fußläufigen Parkhäuser am Michel oder an der Rindermarkthalle oder bringe die Idee ins Gespräch, einfach in der Innenstadt zu parken und mit der U3 zurückzukommen, aber meine Vorschläge stoßen auf wenig Gegenliebe: Das wäre zu kompliziert und zu teuer.


    Aha? Beide Parkhäuser dürften jeweils günstiger sein als das Parken direkt am Dom, mutmaßlich wäre man auch schneller auf dem Jahrmarkt als jetzt hier noch lange zu warten, aber okay, es ist halt zu kompliziert. Nun ist man mit dem Auto da und so sehr darauf committed, nun gibt es kein Zurück mehr.


    Wohlgemerkt: Die Leute, sie sich hier beschweren, haben allesamt ein Hamburger Kennzeichen. Nun ist mir ja vollkommen klar, dass nicht jeder in den Genuss eines Schnellbahnanschlusses in einem Umkreis von einem Kilometer um seine Wohnung geraten kann und viele Besucher des Doms und der Wallanlagen auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen. Ich wundere mich eher über die Hartnäckigkeit, mit der man eine gefühlte Ewigkeit im Auto sitzt und mit Engelsgeduld darauf wartet, dass endlich der Parkplatz freigegeben würde. Klar, mit dem Auto kann man am heutigen Sonntag noch mehr erledigen, aber so viel mehr können die Leute ja noch nicht erlebt haben, wenn sie die Zeit finden, um über eine Stunde einen Parkplatz am Dom zu suchen.


    Ach, übrigens, ich beschwere mich eigentlich jedes Mal bei PK 15 über dieses „komische Ding“ auf der rechten Seite, a) dessen Zweck mir bislang noch nicht ganz klar wurde, aber b) die Sichtverhältnisse gegenüber den Nutzern des Parkplatzes einengt und c) bei Sturm auch mal auf den Radweg kippt, aber offenbar ist das Teil grundsätzlicher Bedeutung und kann nicht entbehrt werden:




    Weiter zu Parkplatz 3?




    Äh, ja:




    Die Schlange maß etwa dreihundert Meter, die vordersten Kraftfahrer warteten etwa seit 50 Minuten. Das war dem Nachwuchs im Auto natürlich schwer begreiflich zu machen, immerhin war man schon direkt am Dom angekommen, konnte sich aber nicht vergnügen, weil die Eltern noch das Auto wegbringen mussten. Da war die Stimmung sicherlich am Tiefpunkt, da hat die Wartezeit vermutlich nicht zur Besserung beigetragen.


    Das, worauf die wartenden Kraftfahrer stehen, ist eigentlich der Fahrstreifen für den Rad- und Busverkehr. Hier langzufahren dürfte mit dem Rad nunmehr lebensgefährlich sein, da die Wahrscheinlichkeit, dass hier plötzlich eine Tür geöffnet wird, relativ groß sein dürfte:




    Zurück zur Glacischaussee, eigentlich ist das hier ja das Radverkehrsforum, nicht das Autostauforum, also wollen wir Radfahren und das geht am besten… äh, ja.


    Das hier ist das berühmte Zeichen 240 am nördlichen Ende der Glacischaussee. Das Schild tauchte nach meiner Kenntnis im Frühjahr 2016 das erste Mal auf. Beim Aufbau des Jahrmarktes werden in der Glacischaussee die Lastkraftwagen der Schausteller geparkt und teilweise entladen, dann ist die Straße für den Durchgangsverkehr gesperrt. Richtung Norden darf der Radverkehr einen alten Buckelradweg und eine Nebenfahrbahn links im Bild nutzen, in Blickrichtung Süden wird man zum Befahren des Gehweges angehalten. Das Schild pflegte ein flottes Leben, war mal dort und wieder weg, tauchte plötzlich wieder auf und besuchte uns nicht nur zu Zeiten des Doms, sondern auch zwischendurch, wurde dann schließlich liegend gelagert und hin und wieder von betrunkenen Kiez-Besuchern oder von städtischen Mitarbeitern wieder aufgestellt.


    Damit wird natürlich erst einmal eines bezweckt: Niemand nimmt dieses Schild ernst, sofern es denn von der Fahrbahn oder vom Radfahrstreifen heraus überhaupt zu erkennen ist.




    Und manchmal kann man auch richtig tolle Dinge erleben, wenn während der Fotoaufnahme gerade der komplette Bauzaun auf einer Länge von Dutzenden Metern ob der Windlast herunterkracht. Aber klar, Radwege sind sicher, hahahaha, immerhin wird seit diesem Experiment von einer zusätzlichen Verdeckung der Bauzäune abgesehen, um die Windlast zu reduzieren:




    Auch für die Gegenrichtung hat man sich etwas neues überlegt, es soll ja schließlich nicht langweilig werden:




    Ich weiß nicht so richtig, was man hier beschildern sollte. War Zeichen 240 gerade nicht zur Hand, um einen gemeinsamen Fuß und Radweg auszuweisen? Zeichen 241, Radfahrer links, Fußgänger rechts hätte man ja auch ohne dieses Schild haben können, steht überdies im Widerspruch zu dem gesperrten Radweg, der ja kurz darauf ein weiteres Mal gesperrt wird:




    Aber vielleicht ist das so wie mit dem Autofahren zum Dom: Es geschieht nicht alles aus einem sinnvollen Grund, manche Dinge passieren auch einfach nur deshalb, weil sie schon immer so passiert sind.

  • Und ich habe mich gestern soooo geärgert, dass ich nicht teilweise mit'm Radl nach Uetersen gefahren bin... Bei dem Wetter gibt es nun wahrhaft Schöneres, als sich mit der Familie ins Auto zu setzen.


    Mann, mann, mann.


    Wobei ich gestehen muss: Genau das haben wir vorhin auch gemacht. Ich weiß nicht genau, wie – aber es stand völlig außerfrage, mit der Bahn von Uetersen nach Pinneberg zu fahren. Nicht mal mir ist das in den Sinn gekommen – es ist dort einfach etabliert. Für den Hinweg hätte nichtmal jemand was zahlen müssen, zwei Leute hätten für den Rückweg Tickets lösen müssen, billiger als eine Autofahrt wäre es also gewesen...


    Naja, vielleicht nächstes Mal ;)

  • Ich war heute auf der Oberhafenconnection, Entenwerder Park und weiter am Moorfleeter Hauptdeich unterwegs. Sehr viele Radfahrer unterwegs gewesen, vielen hat man aber auch angesehen, dass die erst heute mal wieder ihr Rad aus dem Keller geholt haben. So sollte es immer aussehen.

    Solange Dummheit als plausible Erklärung ausreicht, sollte man keinen Vorsatz annehmen.

  • War gestern auch auf dem Rad unterwegs gewesen: Erfreulicherweise waren sehr viele Radfahrer unterwegs, es gab allerdings auch überdurchschnittlich viele Geisterradler an den unübersichtlichsten Stellen. Zudem lockte das schöne Wetter auch die Anhänger der Lärmverbreitung auf die Straßen. Viele bis zur Schmerzgrenze dröhnende Lärmmaschinen auf zwei Rädern wurden ausgefahren, leider.

  • Was war denn heute wieder im Hamburger Nordwesten los? Extrem unentspannte Kraftfahrer und Stau ohne Ende. Stau auf der Kieler Straße, Stau im Wördemannsweg, Stau auf der Hagenbeckallee, Stau, Stau, Stau, Stau. War mal wieder der Elbtunnel dicht?


    2018-04-17 um 08-59-04.JPG


    Da kommt man in Ermangelung eines Radweges auch nicht besonders gut vorbei, es war ja echt alles dicht hier oben.

    Das ist irgendwie täglich so. Keine Ahnung was da los ist. Mein Kollege, der täglich aus Hinterkaltenkirchen mit dem Auto kommt, ist heute morgen um kurz vor sieben los - weil da die Straßen ja frei sind.

    Er hat trotzdem knapp 2 Stunden gebraucht. Gründe? Unbekannt.
    Vllt. werden ja die 60.000 zusätzlichen Autos jetzt alle losgelassen? Handelt es sich dabei evtl. um Sommerfahrzeuge?
    "Endlich nicht mehr im Sozialschlauch sitzen, der Winter ist vorbei. Ab ins Auto!"

  • Auf der Straße vor meinem Fenster haben sich in den letzten Tagen mal wieder sehr viele Autos gestaut, die vor dem Stauf auf dem Mittleren Ring zu flüchten versucht haben.

    Ich frage mich echt, warum man sich diesen Scheiß jeden Tag antut! Ich kenne genug Leute, die eigentlich Wahlmöglichkeiten hätten, aber trotzdem nicht aufs Auto verzichten wollen - schneller ist es auch nur wenn kein Verkehr ist (Hint: also quasi nie)

    Die Tage an denen ich mit dem Auto im Berufsverkehr unterwegs war kann ich an einer Hand abzählen und trotzdem wäre ich fast wahnsinnig geworden. Seitdem kann ich die Aggressionen im Straßenverkehr immerhin etwas besser nachvollziehen.

  • Vielleicht ist auch einfach unsere Grundannahme falsch?


    Ich ging bislang davon aus, dass bei schönerem Wetter mehr Leute mit dem Rad unterwegs sind. Die meisten der „Umsteiger“ stammen, das habe ich ja auch erstmal feststellen müssen, vorrangig aus dem ÖPNV, verhältnismäßig wenige steigen offenbar vom Auto aufs Rad um, weil die Sonne so schön scheint.


    Mit dieser Annahme kann ich aber nicht erklären, was momentan auf den Straßen los ist. Es ist ja unglaublich voll, deutlich voller als im Winter, während gleichzeitig der Radverkehrsanteil in den letzten beiden Wochen durch die Decke gegangen ist. Das kann nicht nur daran liegen, dass vielleicht die Oster- oder Frühjahrsferien vorbei sind, das muss auch noch andere Gründe haben.


    Was wäre zum Beispiel, wenn im Sommer viele Menschen plötzlich nicht in die Bahn, sondern ins eigene Auto stiegen, um nach der Arbeit noch mal einen kleinen Ausflug zu machen, um womöglich beim Baumarkt Sommermöbel für die Terrasse oder den Balkon zu kaufen, oder, soll’s ja auch geben, das Auto brauchen, um im Kofferraum die Joggingschuhe zu transportieren? Das erklärt meines Erachtens zwar immer noch nicht diesen ständigen Stau auf allen möglichen Straßen, aber… weiß nicht.


    Was meint ihr dazu?

  • Ich sitze größtenteils im Home Office, an manchen Tagen verlasse ich die Wohnung nicht. Bei gutem Wetter zieht's mich aber schon nach draußen.

    Auch wenn es nicht regnet sondert einfach nur kühl und grau ist, bleibe ich lieber drinnen.

    Autofahren macht bei Sonne auch mehr Spaß.


    Außerdem darf man nicht vergessen, dass in Deutschland nur 55% der Menschen erwerbstätig sind.

    Solange Dummheit als plausible Erklärung ausreicht, sollte man keinen Vorsatz annehmen.

  • In den letzten Tagen waren kleinere Hindernisse auf Wilhelmsburger Reichsstraße, A1, A7 angesagt.
    Ich habe beruflich (im weitesten Sinne) damit zu tun und darf das - so ich denn möchte - täglich verfolgen.


    Ist-Zustand: der Straßenverkehr in Hamburg befindet sich aktuell und unabhängig von Sommer/Winter/tralala an einem Kipp-Punkt.

    Hier reichen mittlerweile kleinste Störungen im System aus, um aus einem halbwegs fließenden Verkehr einen stehenden zu machen. Und wenn der Verkehr, gerade in Hamburg, einmal steht, sieht's zappenduster aus. Hat mit der Grundhaltung zu tun, dass Kreuzungen nicht freigehalten werden und der Querverkehr in bereits blockierte Kreuzungen fröhlich hupend einfach reinfährt und somit weiteres Räumen verhindert.


    Was sind nun diese Störungen im System?

    alles. Das kann ein 2. Reihe-Parker an der falschen Stelle sein, ein Feuerwehreinsatz, eine Polizeieinsatz, Müllabfuhr - aber auch eine Arbeitsstelle.

    Bei einer Spurverengung kommt das Egoistische des Durchschnittsverkehrsteilnehmers in Hamburg nochmal besonders zum Tragen:

    Weil in Hamburg Reißverschlusssystem in der Regel nicht funktioniert, weil die Lücke zum Vordermann brutal zugefahren wird, so dass niemand mehr in die Lücke passt, wird sich schon mehrere hundert Meter vor der Verengung einsortiert. Schöner Rückstau.


    Dann gibts es auf den Hamburger "Bypasses", also A1 und A7, die die Stadt wie Hosenträger einfassen, Abschnitte, auf denen ein Unfall/Sperrung recht folgenlos bleibt. Beispiel A1: Sperrt man hier die Fahrtrichtung Nord in Höhe Stillhorn, staut sich alles zurück und einige versuchen, über die Wilhelmsburger Reichsstraße auszuweichen.

    Oder A7: Sperrt man hier die Fahrtrichtung Norden südlich der Abfahrt zur Köhlbrandtbrücke, ist das wenig dramatisch: es steht einfach alles.


    Interessant wirds an der A1 zwischen den Anschlussstellen Dreieck HH-Süd und Kreuz Hamburg Ost. Ists hier wegen Unfall etc dicht, versucht eine signifikante Zahl KFZ-Führer, über das Stadtgebiet auszuweichen. A24-Horner Kreisel-Sievekingsallee-Bürgerweide-Heidenkampsweg-Elbbrücken. Oder Horner Rampe - B5 - Eiffestraße - Heidenkampsweg-Elbbrücken.

    Was passiert, wenn das Verkehrssystem, das bereits am Kipp-Punkt ist, mit weiteren KFZ belastet wird?

    Klar, es kippt. Und dann stehts auf der genannten Relation. Jetzt weicht eine Teilmenge der Autobahnumfahrer auf die Wohnstraßen aus. Wohnstraßen, die für die Verkehrsmenge nicht ausgelegt sind und einfach nur Umfahrungsverkehr aufnehmen müssen. Verkehr durch Leute, die einfach 1km weiter fahren, um das Gefühl zu bekommen, 20 Sekunden Staustehen gespart zu haben.

    Und schon erzeugt man mit diesem Ausweichverkehr zusammen mit Systemstörungen wie 2.Reihe-Parker auch in den NEbenstraßen einen herrlichen Stau mit Kreuzungsblockiererei.

    Das ist vergleichbar mit einem Kristallisationskeim, von dem ausgehend eine übersättigte Lösung (Straßenverkehr) letztendlich zu einem Kristallgitter (Stau) wird.

    Im Hamburger Westen gibts gleichfalls so neuralgische Punkte. Sperrung/Einengung der A7 nördlich Abfahrt Othmarschen z.B.


    Die 60.000 Kfz mehr sind auf der Gesamtfläche von Hamburg mit der durchschnittlichen Kilometerleistung per se nicht das Problem - wenn das System nicht schon seit Jahren am Kipp-Punkt wäre.

  • Klar, es kippt. Und dann stehts auf der genannten Relation. Jetzt weicht eine Teilmenge der Autobahnumfahrer auf die Wohnstraßen aus. Wohnstraßen, die für die Verkehrsmenge nicht ausgelegt sind und einfach nur Umfahrungsverkehr aufnehmen müssen. Verkehr durch Leute, die einfach 1km weiter fahren, um das Gefühl zu bekommen, 20 Sekunden Staustehen gespart zu haben.


    Und schon erzeugt man mit diesem Ausweichverkehr zusammen mit Systemstörungen wie 2.Reihe-Parker auch in den NEbenstraßen einen herrlichen Stau mit Kreuzungsblockiererei.

    Das ist vergleichbar mit einem Kristallisationskeim, von dem ausgehend eine übersättigte Lösung (Straßenverkehr) letztendlich zu einem Kristallgitter (Stau) wird.

    Aber wieso passiert das denn ausgerechnet in den letzten beiden Wochen in so einem extremen Maße? Oder ist mir das vorher einfach nicht aufgefallen?


    Und wir radeln einfach am Stau vorbei ...

    Dazu habe ich auch noch ein passendes Foto aus der Feldstraße von gestern:



  • Aber wieso passiert das denn ausgerechnet in den letzten beiden Wochen in so einem extremen Maße? Oder ist mir das vorher einfach nicht aufgefallen?

    - Garten- und Heimwerkersaison ist gestartet

    - Abends-noch-wegfahr-Saison geht los

    - nach-der-arbeit-noch-wohin-Zeit beginnt

    Das allein induziert gerade im Feierabendverkehr (und das ist die Stauzeit²) weitere uuuund längere Fahrten.


    Wenn dann noch n Arbeitsstellen mehr eingerichtet (Witterung lässt es zu), ist alles aus.


    kurz:

    besseres Wetter und länger hell = mehr Fahrten, längere Fahrten mit mehr Unfallpotential.

  • Aber wieso passiert das denn ausgerechnet in den letzten beiden Wochen in so einem extremen Maße? Oder ist mir das vorher einfach nicht aufgefallen?

    Das ist irgendwie täglich so. Keine Ahnung was da los ist. Mein Kollege, der täglich aus Hinterkaltenkirchen mit dem Auto kommt, ist heute morgen um kurz vor sieben los - weil da die Straßen ja frei sind.

    Er hat trotzdem knapp 2 Stunden gebraucht. Gründe? Unbekannt.
    Vllt. werden ja die 60.000 zusätzlichen Autos jetzt alle losgelassen? Handelt es sich dabei evtl. um Sommerfahrzeuge?
    "Endlich nicht mehr im Sozialschlauch sitzen, der Winter ist vorbei. Ab ins Auto!"

    Zur Hagenbeckalle und zum Wördemannsweg (und zur Lokstedter Grenzstraße) kann ich nur sagen, dass es sich da mehr staut als sonst seit etwa Januar, denn seitdem ist die Fahrbahn des Gazellenkamps zwischen Loksteder Grenzstraße und NDR gesperrt. Ich weiß jetzt nicht mehr, ob das schon von Anfang an eine Vollsperrung war, aber seitdem es das ist, sieht man eben sehr deutlich, was da sonst an Automassen langfährt. Die wollen dann halt alle auf die Koppelstraße oder von der Koppelstraße weg. Je nach Uhrzeit ist dann das Abbiegen Richtung Autobahn nicht möglich, weil voll, aber selbst wenn man nicht Richtung Autobahn möchte, ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass man nicht über die Kreuzug kommt, weil die mit Autos vollsteht. Es würde schon erstaunlich viel bringen, wenn die KfZ die Kreuzungen freihalten würden.


    Achja und dann gibt es noch den Kreisverkehr im Gazellenkamp. Wenn also Koppelstraße bis Gazellenkamp einschließlich Kreisverkehr vollsteht, kann auch keiner mehr in einen nicht blockierten Arm fahren (z.B. abends von Ost nach Süd). Ebenso verstärkt sich wahrscheinlich der Rückstau aufgrund der Linksabbieger vom Gazellenkamp in die Tierparkalle.


    Dann gibt es halt noch hier und da kleine Baustellen. Die Stresemannalle ist teilweise gesperrt. Ich glaube die Troplowitzstraße (?) ist oder war auch teilweise gesperrt. Jedenfalls gibt's dadurch z.B. im Veilchenweg und im Grandweg deutlich mehr Verkehr.


    Insgesamt vermute ich eine Mischung aus Umleitungs- bzw. Ausweichverkehr und Ich-brauch-ein-Auto-für-eine-Unternehmung-vor-oder-nach-Feierabend. Zumindest bei Loksteder Grenzstraße/Hagenbeckalle scheint mir das ganze aber hauptsächlich durch die Sperrung und die Unfähigkeit des Kreuzungfreihaltens zu kommen.

  • Die Stresemannalle ist teilweise gesperrt. Ich glaube die Troplowitzstraße (?) ist oder war auch teilweise gesperrt.

    Stresemannallee ist Einbahnstraße zwischen Lohkoppelweg und Grandweg. Troplowitzstraße ist an der Kreuzung zur Stresemannallee voll gesperrt.

    Machen irgendwas an den Stromleitungen soweit ich weiß.

    Solange Dummheit als plausible Erklärung ausreicht, sollte man keinen Vorsatz annehmen.

  • Stresemannallee ist Einbahnstraße zwischen Lohkoppelweg und Grandweg.

    Nur zum Teil Einbahnstraße oder? Vom Lohkoppelweg zur Stresemannalle und umgekehrt ist es keine Einbahnstraße oder? Dafür gibt's eine Baustellenampel mit sehr ungünstiger Schaltung. Da war ich dann doch froh über den Radweg (der ja zum Glück wegkommt). Ist auch wieder so eine Baustelle, wo die EInbahnstraße zuerst nicht für Radfahrer freigegeben wurde und dann doch. In irgendeiner Einfahrt stand später auch noch ein Schild, dass man nur in eine Richtung abbiegen dürfe, immer noch ohne Radfahrer frei.

  • Im Winter hatte ich mal nach einem Tag mit frischem Schneefall und Glätte die Zeitung gelesen in der nach solchen Tagen ja gerne vom Glätte-Chaos, vielen Unfällen usw. zu lesen ist. An dem Tag aber lies mir das keine Ruhe, so dass ich die Unfallstatistik bemühte und überrascht feststellte, dass nicht mehr Unfälle als im Durchschnitt, sondern sogar weniger Unfälle stattgefunden hatten. Obwohl man beim Lesen der Zeitung meinen konnte, es sei ein ganz schlimmer Unfälle-Tag gewesen. Unfälle mit schweren Personenschäden und Todesfällen waren sogar nocheinmal deutlich seltener.

    Deine ruhige Berichterstattung über das Autofahrer-Sommertag-Chaos find' ich gut. Bitte öfter! Vielleicht gelingt mir auch mal so was.

    Tja was mein ich dazu: Wenn das Wetter schön ist, dann wollen die Leute raus und wer sonst mit dem Auto raus will, der macht das auch an so einem Tag. Und das schöne Wetter verleitet zum Rasen. Deshalb weniger schwere Unfälle an Schlechtwetter-Tagen.


    Übrigens: Kürzlich war ja Streik bei den hannoverschen Verkehrsbetrieben. Die Leute, die ich an dem Tag auf dem Fahrrad ansprach (es waren deutlich mehr als sonst mit dem Rad unteregs) waren alle ÖPNV-Nutzer (also von denen die nicht sowieso immer mit dem Rad fahren sondern nur an dem Streiktag Rad gefahren sind).


    Kein einziger Autofahrer darunter. Dabei war doch klar, dass es auf der Straße so richtig voll werden würde. Bei Autofahrern darf man nicht mit Vernunft rechnen. Der österreichische Verkehrswissenschaftler formuliert es so: "Laut Knoflacher denken Autofahrer aber nicht für andere mit, sondern nur an sich selbst." https://youtu.be/SrNDw5L53wg ARD-Beitrag: Wiener Mut: Vorrang für Bus und Bahn, Minute 4:10

  • Ist-Zustand: der Straßenverkehr in Hamburg befindet sich aktuell und unabhängig von Sommer/Winter/tralala an einem Kipp-Punkt.

    Hier reichen mittlerweile kleinste Störungen im System aus, um aus einem halbwegs fließenden Verkehr einen stehenden zu machen.

    Samstag gegen 12 war der nördliche Teil des Grandwegs ein gutes Beispiel. An der dortigen Kirche war anscheinend Hochzeit, weswegen einige Autos aus "bei der Lutherbuche" kamen. Sofort hat sich alles verstopft, da (wie ebenfalls richtig bemerkt) niemand an den Hindernissen Platz gemacht gelassen hat.


    Ich habe mir das Schauspiel im Stau stehend angesehen. Autos mussten an jeder Engstelle rückwärts rangieren, andere mussten hupen, sehr tragisch alles. Nach zwei Minuten bin ich abgestiegen und habe alle auf dem Gehweg schiebend überholt. Und das alles wegen fünf bis sechs zusätzlichen Autos.


    Der Stau bleibt dann natürlich auch noch nachdem die ursprüngliche Ursache weg ist, da sich in der Zeit genügend neue Autos hinzugekommen sind, um den Zustand zu erhalten.