Die Gretchenfrage: Wie habt ihr’s mit dem Helm?

  • Ich durfte in den letzten Tagen einige Diskussionen per Mail führen, weil mittlerweile absehbar ist, dass der Bundesgerichtshof sich am 17. Juni mit dem so genannten Fahrradhelm-Urteil befassen wird. Eigentlich hatte ich ja gerade als Ersatz für solche E-Mail-Diskussionen dieses Forum eingerichtet :rolleyes:


    Darum stelle ich hier einmal die gefährlichste aller Fahrrad-Fragen: Wie haltet ihr’s mit dem Helm? Und ich bitte gleich zu Anfang sicherheitshalber schon mal darum, den guten Umgangston und den Respekt anderer Meinungen zu wahren.


    Persönlich bin ich da eher inkonsequent: Ich bin jahrelang ohne Helm gefahren und habe mir erst im Herbst 2012 einen zugelegt, um eine GoPro-Kamera vernünftig befestigen zu können. Das ging dann einige Zeit lang gut, dann fuhr ich doch lieber wieder ohne Helm, weil’s mich einerseits eher gestört hat, den ständig mitschleppen zu müssen, andererseits hatte ich aber auch nie so richtig das Gefühl, dass das Radfahren jetzt so gefährlich wäre, dass ein Helm notwendig wäre. Meine Inkonsequenz unterstreiche ich dadurch, dass ich beispielsweise bei Schnee und Eis nur mit Schutz aufs Fahrrad steige: Ich halte zwar die Schutzwirkung eines Fahrradhelmes nicht mal ansatzweise für so toll, wie es in der Öffentlichkeit immer wieder kommuniziert wird, halte aber einen gewissen Schutz für gegeben, wenn ich etwa trotz Spikereifen in der Kurve seitlich wegrutsche und wider Erwarten mit dem Kopf aufschlagen sollte.

  • Ich habe mich vor etwas über einem Jahr für einen Helm entschieden und trage diesen auch konsequent. Ausschlaggebend für meine Entscheidung waren die - subjektiven - Erfahrungen mit den Frankfurter Autlern, die ich überwiegend als ignorant und rücksichtlos erlebe und einige sich daraus ergebende unschöne Erlebnisse. Mir ist bewusst, dass der Helm keinen 100%igen Schutz bietet. Aber sollte mich tatsächlich mal ein Autler umnieten, weil er mich "übersehen" hat und/oder "belehren" wollte, dann möchte ich wenigstens einen Minimalschutz haben.

    Das Leben ist wie ein Fahrrad. Man muß sich vorwärts bewegen, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren. - Albert Einstein

  • Ich habe einen Helm, den ich auf dem Rennrad auch benutze. Mit diesem bin ich aber nur aus sportlichen Gründen unterwegs.


    Im täglichen Gebrauch habe ich noch nie einen Helm benutzt und beabsichtige das auch in naher Zukunft nicht. Die Unfälle/Stürze in den letzten 30 Jahren kann ich an einer Hand abzählen. Auf den Kopf gefallen bin ich dabei nie.

  • Ich habe mir vor ungefähr 4 Monaten tatsächlich einen Helm geholt, so einen Giro-BMX Helm (die sehen bisschen aus wie Bundeswehr-Helme).


    Nicht, weil ich an die Sicherheit der Dinger glaube (die größte Sicherheit bietet immer noch das antizipieren von Fehlern anderer, bevor sie passieren) - gerade letzte Woche hatte ich auch einen Fahrradunfall, bei dem es das Knie erwischt hat, der Helm hat dabei - wie zu erwarten war - gar nicht geholfen - sondern aus folgenden Gründen:


    1. Ich kann Critical Mass Hamburg Aufkleber rechts und links befestigen und zur Schau tragen. (Edit: das war wirklich der Hauptgrund)
    2. Meine Freundin wollte es so.
    3. Schaden wird der Helm mit Sicherheit auch nicht, die wenigen Fälle, bei denen ein Helm angeblich kontraproduktiv war, halte ich für vernachlässigbar.
    4. Der Helm sieht so schön nach Kampfradler aus.


    Den Helm trage ich eigentlich ziemlich konsequent, stören tut er auch nicht wirklich. Unterschiede bei meinem Fahrverhalten oder beim Überholverhalten von Autos habe ich nicht erlebt. Ich bin natürlich trotzdem gegen Helmpflicht.

  • Ich besitze keinen Helm und halte auch keinen für nötig. Ich wollte mir diesen Winter allerdings dennoch einen kaufen, einerseits um Kamera und Spiegel zu befestigen, andererseits weil im Winter bei Glätte die Gefahr eines Alleinunfalls nun mal höher ist. Daraus ist mangels Winter aber noch nichts geworden, auch weil ich mir nicht ganz schlüssig bin, welcher Helm es nun werden soll. Viel Geld ist mir die Sache auch nicht wert.


    Tragen würde ich ihn eh nur beim Pendeln zur Arbeit.

  • Helm trage ich bei längeren und/oder sportlichen Touren, nicht aber auf meinen alltäglichen Strecken. In erster Linie ist das einfach der Bequemlichkeit geschuldet, der ständige Gebrauch des Helms erfordert immer eine Sache mehr zu transportieren, zu verstauen etc. Wenn ich aber Radfahren überwiegend als Selbstzweck ausübe, bin ich zumeist ohnehin in radspezifischer Kleidung unterwegs, habe nur äußerst wenige Unterbrechungen und Kopfbedeckungswechsel und störe mich dann auch nicht an einem Ausrüstungsgegenstand mehr im Vergleich zu vielen anderen. Zudem ist die Konzentration bei stundenlangem Pedalieren etwas geringer, sodass eher mal eigene Fahrfehler von der Fahrbahn führen. Die Schutzwirkung siedle ich zwar eher im Bereich von Beulen und Kratzern an, aber auch die müssen ja nicht sein. Die von mir als gering eingestufte Schutzwirkung rechtfertigt aber den Verzicht im relativ konfliktträchtigeren Stadtverkehr, zumal absolut die Unfallwahrscheinlichkeit, davon nochmals die Wahrscheinlichkeit einer Kopfverletzung im Vergleich zu anderen unbehelmten Tätigkeiten nicht erheblich erhöht ist.

  • Ich trage von klein auf einen Helm, bin also daran gewöhnt und wenn ich mal 2 Minuten zur Dönerbude fahre und keinen anhabe, fehlt irgendwas. Und es zieht kalt...


    Im Alltag trage ich Helm, Brille (inzwischen wegen Kontaktlinsen und Zugluft Pflicht) und Handschuhe. Alles drei hat mich schon vor Verletzungen bewahrt. Der Helm nur einmal, dafür beim schwersten Unfall. Ich hab beim durch die Luft fliegen die Orientierung verloren und konnte so den Aufprall vom Kopf nicht verhindern. Aus 7cm wurden am Auftreffpunkt 4cm, dauerhaft. Deswegen gehe ich davon aus, dass der Helm in dieser konkreten Situation geholfen hat.


    Beim Motorrad bin ich auch einmal auf den Helm gestürzt. Da lag es aber am Gewicht vom Helm. Ohne hätte ich den Kopf halten können und es wär gar nichts passiert.

  • Ich bin bis 2006 unbehelmt gefahren.
    Hatte dann einen durchaus schweren Unfall, nachdem ein Fußgänger mich unsanft bei voller Fahrt zum Absteigen über den Lenker zwang. Hatte recht böse Verletzungen auch im Kopfbereich davongetragen, die - rückblickend betrachtet - ein Helm nicht verhindert hätte. Außer ein Fullface-Mountainbike-Helm.


    Nach dem Unfall legte ich mir doch einen Helm zu. Sogar einen guten. Hab den auch gefahren, bis sein Haltbarkeitsdatum (4-5 Jahre nach Herstellung) abgelaufen war.
    Ich bemerkte nur eines: Geisterradler wichen eher aus, wenn ich einen Helm trug.


    Aber sonst war das Teil nur lästig. Beim Einkaufen störts. Zu Hause liegt er rum. Im Winter zieht's und mann braucht wieder extra Mütze für den Helm. Im Sommer isses dadrunter trotz sportlicher Fahrweise und Megadurchlüftung wärmer. Im Wald verhaken sich tief hängende Äste in den Lufteinlässen, bei langen Touren ist die Nackenmuskulatur über die Maßen angestrengt, weil das mal eben 230g mehr aufm Kopf waren.


    Hätte ich ein Rennrad, trüge ich evtl. dort einen Helm. Andererseits fahr ich mit meinem Bike jetzt auch 35+ und manchmal im Ampelsprint auch 45+
    Weiß jetzt nicht, ob ein Helm da sooo viel bringt.



    Meine Meinung würde ich wohl ändern, wenn es eine belastbare Studie gibt, die den absoluten Nutzen von Fahrradhelmen belegt.

  • Das mit den Stürzen ist überhaupt ein interessantes Thema, ich bin in der jüngeren Vergangenheit eigentlich erst zwei Mal so richtig vom Rad geflogen.


    Das erste Mal war im Juni 2012 während der Hamburger Fahrradsternfahrt, als ich sozusagen „im Stand“ radelte und mit der rechten Hand die Kamera zum Fotografieren hochhielt. Dann wollte ich mit der linken Hand bremsen, war aber noch nicht die Kraft der hydraulischen Scheibenbremsen gewohnt und legte mich im Zeitlupentempo auf den Radweg. Witzigerweise erinnere ich mich tatsächlich noch recht genau, dass ich merkte, wie mir der Bremsvorgang entglitt und dann vor dem Problem stand, dass sowohl Kamera als auch Kopf den Sturz heil überstehen müssten, prioritätsmäßig auch in dieser Reihenfolge. Das mit dem Kopf war gar kein Problem, der war nicht mal ansatzweise in Gefahr, und die Kamera habe ich auch noch irgendwie hochgehalten. Das Fahrrad hat vorne links am Lenkergriff was abbekommen, was aber sowieso nicht schlimm war, weil ich das bröselige Gummi eh austauschen wollte, und von Harburg über die Köhlbrandbrücke habe ich dann bis zum Rathausmarkt alles vollgeblutet, weil’s mich am linken Ellenbogen erwischt hatte.


    Das zweite Mal hatte es mich als Zuschauer bei den Cyclassics erwischt. Da fuhr ich auch brav auf dem Radweg neben der für den Verkehr gesperrten Fahrbahn, als ich an so eine, äh, „Querungsstelle“ kam, bei der die Polizei die Kreuzung hin und wieder freigab, damit Kraftfahrzeuge die gesperrte Straße überqueren konnten. Ich näherte mich der Kreuzung leider gerade in dem Moment, als eine Polizeibeamtin einen Kraftfahrer hinüberwinkte, der das Angebot natürlich freudig annahm und sofort lospreschte, ohne auf den Verkehr auf dem Radweg zu achten. Es gab zwar keine Kollision, aber hingelegt habe ich mich trotzdem. Habe mir dann sogar von der Polizei noch angehört, ich hätte halt aufpassen müssen, hatte aber keine Lust auf weitere Streitereien und bis auf den obligatorischen Schaden am linken Lenkergriff ist auch nichts weiter passiert.

  • Ich habe mir meinen ersten Helm 2006 zugelegt. Meine damalige Lieblingsstrecke zum Inline-Skaten im Wald hatte prima Asphalt aber leider auch etliche Kreuzungen, die teilweise nur sehr mies einzusehen waren und insbesondere am WE von Freizeit-Radlern und Wanderern gern in Anspruch genommen wurden. Da Runterbremsen mit Skates bei Reisetempo (25+) extrem lästig ist, rechtzeitiges Klingeln nicht jeden zu besonderer Aufmerksamkeit animiert (wem sag ich das?) und ich für den Ernstfall wenigstens die Murmel halbwegs gegen Kratzer geschützt haben wollte, gab's halt einen Helm. Der Ernstfall trat nicht ein.


    Beim Radfahren in der City bin ich trotzdem weiter ohne Helm gefahren. Erst nachdem ich vor bald 5 Jahren das MTB als prima Freizeitgestaltung für mich entdeckt habe und mich bei längeren Geländetouren an das dauerhafte Helmtragen gewöhnte, fahre ich seither auch im Stadtverkehr nur noch mit Helm [und fast nur noch mit dem MTB, da die alte Rostlaube maximal bahnhofstauglich ist]. Ohne fühle ich mich irgendwie nackt. Aus ebensolcher MTB-Gewohnheit rührt das Tragen von (Vollfinger-) Handschuhen auch im Alltag. Im Gegensatz zum Helm haben letztere immerhin schon ein paar Blessuren im Stadtverkehr vermieden bzw. milder gestaltet. Der Helm hat bis dato nur im Gelände ein paar Äste abwehren müssen. Bei zwei Stürzen kam er bis dato nicht zum Zuge (einmal seitlich weggerutscht, einmal über den Lenker abgestiegen und instinktiv abgerollt).


    Was die Schutzwirkung des Helmes angeht, gebe ich mich - wie die Vorposter - ebenfalls keinen Illusionen hin. Wenn aber so irgendwann mal der ein oder andere Kratzer, eine Platzwunde oder Schlimmeres verhindert werden sollte, prima. Mich stören weder Gewicht noch Optik (Bell Sweep, 300+ g), die Belüftung im Sommer passt, dünne aber warme Mütze unten drunter im Winter ist auch kein Ding. Bei beidem profitiere ich zugegebenermaßen von ziemlich kurz gehaltenen Haaren ;-)

  • Ich habe noch nie einen Fahrrad-Helm besessen und plane auch nicht, mir einen zuzulegen, da Aufwand und Nutzen in keinem vernünftigen Verhältnis stehen. Die Schutzwirkung ist ja nach bisherigen Erkenntnissen eher gering - insbesondere bei höheren Geschwindigkeiten.


    Sollte es eines Tages einen Integralhelm geben, der für Radfahrer geeignet ist (ähnliche Schutzwirkung wie Motorrad-Integralhalm aber leichter und luft-durchlässiger), würde ich evtl. meine Meinung ändern (besonders im Winter wäre das echt praktisch, da das Visier auch gleich noch den Schnee von meinen Augen fern hält).

  • Konsequent trage ich einen Helm nur bei Inlineskating-Veranstaltungen (dort tlw. Helmpflicht) oder wenn ich mit dem MTB im Gelände fahre.


    Im Stadtverkehr habe ich bis vor ein paar Jahren auch öfters einen Helm getragen, habe es mir aber abgewöhnt weil es a) lästig ist, den Helm immer mit rumzuschleppen b) die Schutzfunktion bei Unfällen mit Kfz gering bis nicht vorhanden ist und c) die Helmpropaganda nervt.
    Einzige Ausnahme sind Fahrten bei Glatteis, dann trage ich aber auch Knie- und Ellenbogenprotektoren, denn diese Körperteile müssen bei einem Sturz als erstes leiden.

  • Das Fahrradfahren habe ich noch ohne Helm gelernt. Die waren halt noch nicht so verbreitet und kamen erst später. Trotz mehrerer Stürze habe ich mich aber nie ernsthaft am Kopf verletzt. Betroffen waren immer nur die oberen und unteren Extremitäten. Also hauptsächlich Hände und Knie. Das bestätigt so ja auch die Unfallstatistik: Bei leichten Verletzungen wie zum Beispiel Alleinunfällen, machen Kopfverletzungen weniger als ein Drittel aus. Später, als Jugendlicher, hatte ich dann mal einen von diesen "gefährlichen" Fahrradhelmen geschenkt bekommen, die außen eine raue, statt wie heute immer üblich, eine glatte Oberfläche haben, damit sie sich bei einem Sturz nicht im Asphalt verkantet und den Radfahrenden stranguliert. Schäden bekam dieser Helm nie durch ein Unfall, sondern lediglich durch typische Rempeleien beim Transport und Lagern, denn die Oberfläche war ja recht weich. Kaum widerstandsfähiger als das Styropor selbst.


    Während der Ausbildung bin ich im Allgemeinen ohne Helm gependelt. Heute besitze ich einen 'platzsparenden' Falthelm, passend zu meinem ÖPNV-liebenden Faltrad, den ich jedoch so gut wie nie benutze. Ästhetische Aspekte spielen dabei absolut keine Rolle! Wenn es denn tatsächlich(!) hilft, sehe ich auch gerne Scheiße aus. Das ist auch im Beruf nicht anders. Es zählt die reine Praxistauglichkeit und das Kosten-Nutzen-Verhältnis. Hier zählt einerseits in der Fahrradtasche jeder Kubikzentimeter, und natürlich der zeitliche Aspekt, der sich gerade auf kurzen Strecken stark bemerkbar macht. Natürlich kann ich einer persönlichen Schutzausrüstung, wie dem Fahrradhelm, auch einen tatsächlich Nutzen abgewinnen! Dieser dürfte die Kosten seiner Benutzung jedoch erst dann adäquat aufwiegen, wenn die Gefahrenlage allgemeinen stark erhöht ist. Mit den "Kosten" meine ich hier nicht primär die Monetären, sondern eher den logistischen und zeitlichen Aufwand, die Frage des Verstauens, der Diebstahlsicherung (denn mit dem Helm ist es wie mit dem Kfz: 95% am Tag nutzt man ihn nicht) und natürlich nicht zu vernachlässigen, der Komforteinbußen. Wenn beispielsweise das An- und Ablegen einer persönlichen Schutzausrüstung und die Logistik drum herum länger dauern würde, als zu Fuß zu gehen, wäre der Geschwindigkeitsvorteil des Fahrrads ad absurdum geführt. Eine solche "erhöhte Gefahrenlage", die diese Kosten rechtfertigen würde, wäre meines Erachtens immer erst dann gegeben, wenn ich mich beim Fahrradfahren bewusst an die körperlichen und mentalen Grenzen meiner Leistungsfähigkeit herantaste und das Material bis an seine Grenzen beanspruche. Also zum Beispiel bei einem Brevet einem Radrennen mit sehr vielen Teilnehmern (hohe Gruppen-Sturzgefahr!), oder einem 24 Stunden Zeitfahren. Beim Downhill, wo gegenüber dem normalen Alltagsradeln, die Sturzgefahr sicherlich tausendfach erhöht ist und man täglich eher mehrfach stürzt, macht nicht nur einen einfacher Helm sondern ein integral Helm plus Protektoren(!) Sinn. Wer hier auf die Protektoren verzichten kann, braucht eigentlich auch keinen Fahrradhelm! ;)


    Nicht umsonst ist es ja auch so, dass man im Auto-Motor-Sport wie selbstverständlich einen H.A.N.S.-Helm trägt, jedoch bei Alltagsfahrten zum Einkaufen nie! Das Unfallrisiko ist bei Autorennen einfach ungleich höher. Hier macht auch der "Autofahrerhelm" absolut Sinn. Ergo: weniger Risiko, weniger Schutzausrüstung!


    Mit dem Fahrradhelm halte ich es in etwa so, wie mit kugelsicheren Westen. Die Schutzwirkung einer Kevlarweste ist sicherlich besser erforscht und nachgewiesen als die eines Fahrradhelms. Trotzdem kann man in Deutschland kaum jemanden sehen, der dauerhaft und überall mit diesem in Kriegssituationen tatsächlich nützlichen Schutzutensil herumläuft. Und wenn doch, dann lediglich sehr Einsatzbezogen auf extreme Gefahrensituationen beschränkt, beispielsweise bei Polizei-Großeinsätzen mit hohem Randalepotenzial. Das ist insbesondere deswegen verwunderlich, weil laut statistischen Bundesamt, im Jahr 2011 nachgewiesenermaßen mehr als doppelt soviel Menschen durch Feuerwaffen den Tod gefunden haben, als Radfahrer auf dem Fahrrad verstorben sind. Doch selbst normale Polizeibeamte, die ja dauerhaft eine Dienstwaffe mit sich führen, tragen bei ihrer "normalen" Arbeit in den seltensten Fällen dauerhaft eine kugelsichere Weste. Und das ist auch absolut nachvollziehbar! Die Wahrscheinlichkeit in Deutschland erschossen zu werden ist, im Gegensatz zu einigen Krisengebieten, dann doch eher gering. In Deutschland sterben gerade einmal 4 % aller Menschen eines unnatürlichen Todes. Deutschland ist, was das angeht, ziemlich sicher! Und eine Kevlarweste hat, so hilfreich sie auch sein mag, halt eben doch eine ganze Menge nicht zu verleugnender Nachteile. Das leuchtet jedem bei rationaler Betrachtung sofort ein: Wenn ich bei Aldi einkaufen gehe, brauche ich so eine übertriebene persönliche Schutzausrüstung im Allgemeinen eher nicht! Dass die Rationalität uns, sobald es um Fahrradhelme geht, einen gewaltigen Strich durch die Rechnung macht, liegt gelinde gesagt daran, dass das menschliche Gehirn einfach nicht besonders gut darin ist, mit sehr großen oder sehr kleine Zahlen umzugehen und entsprechend Gefahren realistisch einzuschätzen. Die mangelnde Berichterstattung über Schussverletzungen einerseits und das starke Aufbauschen von Fahrradunfällen auf der anderen Seite, mit den schon fast übertrieben schlangenöl-artigen Wunderversprechungen eines bestimmten PSA-Artikels, tut ihr übriges, um ein subjektives, irreführendes Angstgefühl aufzubauen, das dann ohne nachzudenken kompensiert werden muss.


    Sollten wir nicht, bevor wir durch die Hintertür eine Helmpflicht in Deutschland einführen, lieber eine Mundschutzpflicht in Schulen und Kindergärten einführen? (Japan-Style :thumbsup: !!!) Es ist ja hinlänglich bekannt, dass sich die Kleinen dort dauernd gegenseitig mit allen möglichen grippalen Infekten anstecken und diese dann nach Hause in ihre Familien schleppen! Stellen wir uns nur einmal den Nutzen vor: Gegenüber von lediglich 40 geretteten Radfahrerleben (10 % weniger Tote durch Einführung einer Helmpflicht fände ich tatsächlich schon enorm optimistisch) könnten wir hier jährlich tausenden(!!!) Menschen das Leben retten! Es sterben in Deutschland ja bekanntlich jedes Jahr zwischen 10.000 und 18.000 Menschen an Grippe. Da ist so ein kleiner Einschnitt in die persönliche Freiheit doch absolut verkraftbar, oder etwa nicht? Und hohe Kosten verursachen diese lebensrettenden Papierdinger doch nun echt nicht. Und mit hübschen Motiven lassen die sich sicherlich auch noch bedrucken. Da kann also keiner behaupten, das sehe Scheiße aus!


    Aber ich will mal sehen wie da die Eltern auf die Barrikaden gehen, käme jemand mit so einem 'kranken' und völlig weltfremden Vorschlag! - Doch genug der hypothetischen Polemik. Zurück zu meinem persönlichen Trageverhalten.


    Einen von diesen seltenen Unfällen, bei denen der Fahrradhelm die Situation verschlimmbessert hätte, hatte ich persönlich bereits gehabt: bei Glatteis auf dem Rücken gelandet! Die typischen Aerodynamik-Knubbel hinten an den Fahrradhelmen, hätten mir sicher einen Kopf-Boden-Kontakt beschert, der 'ohne' jedoch dank Körperspannung nicht passierte. Ferner hätte dieser Knubbel eine unangenehme Strangulation beim folgenden über den Boden rutschen auslösen können! Inzwischen fahre ich aber im Winter mit Spikes und bin seitdem auch nicht mehr gestürzt.


    Auf langen Touren befindet sich mein Kopf aber eh nur etwa einen halben Meter über dem Asphalt. Und bei dieser Sturzhöhe braucht man keinen Fahrradhelm! Wer das Superpositionsprinzip und Vektorrechnung beherrscht, weiß dass dies stimmt, solange kein Baum oder Ähnliches kommt. Und bei Letzteren hilft ab einer gewissen Geschwindigkeit auch der Fahrradhelm rein physikalisch nicht mehr.


    @Malte die Kamera kann man übrigens auch problemlos an einer Schirmmütze befestigen.

  • Ich trage keinen Helm weil:
    1. Es ist nicht notwendig. Radfahrer haben kein höheres Kopfverletzungsrisiko als andere Verkehrsteilnehmer.
    2. Es ist nutzlos. Ein Helm mag zwar eine geringe, weit überschätzte, pysikalische Schutzwirkung haben. Aber diese wird laut den Erfahrungen, die nach Einführung von Helmpflichten gemacht worden sind, anscheinend durch andere Effekte ( wie z.B. Risikokompensation ) wieder zunichte gemacht. So das am Ende in der Summe keine Schutzwirkung zu beobachten war.
    3. Es ist zu befürchten, das jeder getragene Helm ein Schritt zur Helmpflicht ist.

  • Ich habe als Kind/Jugendlicher zeitweise ein Helm getragen, weil meine Eltern darauf bestanden haben.
    Aber seit ich > 10 Jahren fahre ich ohne Helm. Warum nicht?
    * Unbequem auf dem Kopf und Kinn
    * Wohl keine besonders hohe Schutzwirkung, wenn befangenen Diskussionen in Radfahrerforen vertraut werden darf
    * Unpraktisch. Ich benutze mein Rad meistens im Alltag und dann soll ich noch meinen Helm mitschleppen, wenn ich irgendwo rein will? Anschnallgurte kann man ja im Auto lassen ;-)
    * Geringe Unfallgefahr. Ich pack mich vielleicht alle 1-2 Jahre mal mit'm Rad hin. Im Winter fahre ich bisher ohne Spikes, aber dann auch sehr vorsichtig.
    * Bei Unfall geringe Gefahr, am Kopf verletzt zu werden, ist mir zumindest noch nicht passiert bei gut 10-15 Unfällen. Und wenn es dann doch mal passiert, dürften die meisten Verletzungen wieder verheilen.


    Also zusammengefasst: Die Wahrscheinlichkeit, eine schwere Kopfverletzung zu erleiden die ein Helm merklich vermindert hätte, schätze ich als so gering ein, dass mir die Bequemlichkeit vor geht.
    Ich fahre nicht häufig U-Bahn, aber warum sind die Türen so verdammt niedrig? Autsch! Eher sollte ich beim U-Bahn-Fahren einen Helm tragen!

    Solange Dummheit als plausible Erklärung ausreicht, sollte man keinen Vorsatz annehmen.

  • Andererseits fahr ich mit meinem Bike jetzt auch 35+ und manchmal im Ampelsprint auch 45+
    Weiß jetzt nicht, ob ein Helm da sooo viel bringt.


    Nur mal so, weil man im Kopf die Geschwindigkeit nicht so richtig mit der Verletzungsschwere zusammenbringt.
    Die "aquivalente Fallhöhe" gibt einem dafür ein Gefühl:
    30 km/h 3,5 m
    50 km/h 10 m
    70 km/h 19,3 m
    Springt hier einer freiwillig von der falschen Seite des Zehners?


    Aber zurück zum Helm: Ich hab damit angefangen weil ich meinem Sohn keinen Scheiß erzählen wollte. Ein anderer Vater aus dem Kindergarten hat seinen Kindern erzählt, das er keinen Helm braucht weil Erwachsene härtere Köpfe haben.


    Mit dem Moped bin ich auch schon so gestürzt, das ich die Schutzwirkung des Helmes ausnutzen durfe.


    Ich bin für eine Helmpflicht für Kinder, aber die Erwachsenen sollten einfach machen was sie persönlich für vernünftig halten.


    Bei mir heisst das 90% Helm.

  • Das mit dem Geschwindigkeit in Höhe umrechnen stimmt nur bedingt. Es stimmt dann, wenn man bei dieser Geschwindigkeit auf ein festes, stehendes Hindernis trifft (Baum, Laternenpfahl). Ansonsten schlittert man bei der entsprechenden Geschwindigkeit einfach über den Boden, bekommt ordentlich Schürfwunden aber ansonsten passiert nichts.


    Entscheidend für die Aufprallgeschwindigkeit ist die Höhe über dem Boden. Was denkst du warum bei Motorradrennen die Rennfahrer bei teilweise weit über 100 km/h einen Abflug machen können und trotzdem regelmäßig überleben? Hier kommt zum Tragen dass ich die Geschwindigkeiten vektoriell superpositionieren. Die Geschwindigkeit die vektoriell nach unten wirkt, ergibt sich aus der Fallhöhe und der Gravitationskraft, die Fahrgeschwindigkeit wirkt jedoch vektoriell nur in Fahrtrichtung. Anstelle von Schürfwunden nutzen sich hier aber lediglich die Protektoren ab.


    Etwas anderes ist es, wenn man auf ein Hindernis trifft. Hier zieht dein Beispiel wieder, und da kann man gut erkennen: Schon bei einer Geschwindigkeit von lediglich 30 km/h entspräche das, als ob man mit dem Fahrradhelm aus 3,50 m Höhe auf den Boden aufschlägt. Würdest du da springen wollen? Du hättest auf deinem Kopf ja immerhin ein Fahrradhelm! Da kann ja nichts passieren... ;)


    Ne, Spaß beiseite. Würde man den Melonen-Fall-Test aus 3,50 m (nur 30 km/h) machen, gäbe es keine heilen Melonen mehr - egal ob mit oder ohne Helm.


    Was lernen wir daraus? Mit dem Fahrrad auf den Boden stürzend, kann der Fahrradhelm den Kopf-Bodenkontakt oft ausreichend abmildern. Das entspricht dem typischen, leichten Alleinunfall, bei dem der Kopf zu etwa 30 % beteiligt ist. Die Kollision mit einem Hindernis oder einem schnellen Fahrzeug sollte man jedoch tunlichst vermeiden. Denn hier hilft auch sehr schnell der Fahrradhelm nicht mehr weiter! Den Grund dafür hast du oben selbst genannt.

  • Ansonsten schlittert man bei der entsprechenden Geschwindigkeit einfach über den Boden, bekommt ordentlich Schürfwunden aber ansonsten passiert nichts.


    Das erinnert mich an eine Szene der Critical Mass Hamburg im Oktober, als sich oben auf der Barmbeker-Ring-Brücke zwei Fahrradlenker verhakt hatten und die beiden Radfahrer den Weg nach unten schlitternd mit dem Kopf voran zurückgelegt haben. Das war echt schon ziemlicher Horror, da hätte ich dann auch lieber einen Helm zwischen Schädel und Fahrbahnoberfläche. Wobei die Sache wohl letztlich noch einigermaßen glimpflich abgelaufen ist, zumindest habe ich keine weiteren Hiobsbotschaften vernommen und sowas hätte sich sicherlich schnell herumgesprochen.

  • Auf der Critical Mass hatte ich auch mal einen Unfall mit dem Tandem. Ein Radfahrer links neben uns, der einen Motorroller sah, und diesen corken wollte, kreuzte ohne zu gucken unsere Spur. Bei der Gefahrsbremsung riss mein Bautenzug und eine Bremse alleine reichte nicht aus, so krachte ich in sein Hinterrad. Wir fielen im Zeitlupentempo. Ich verletzte mich an den Händen (Schürfwunden). Meine Mitfahrerin verletzte sich an den Händen, Ellbogen und am Kopf (das Kinn hat geblutet). Ein Fahrradhelm, den wir beide nicht aufhalten, hätte uns in diesem Fall, trotz Kopfverletzung also nichts genutzt!


    Auf mysteriöse Weise blieb die Weinflasche im Fahrradkorb aber heil, so dass wir auf das unerwartete Ende dieser Critical Mass und den Schreck erst mal anstoßen konnten. Denn an Weiterfahren mit nur einer Bremse war natürlich nicht mehr zu denken.


    Völlig anders sehe ich das mit dem Fahrradhelm übrigens, wenn ich mit meinem blinden Freund auf dem Fahrrad unterwegs bin. Da er selbst bei einem leichten und langsamen Sturz den Boden nicht kommen sehen kann, ist die Schutzwirkung des Fahrradhelms für ihn deutlich höher und sinnvoller.