Velo und Bahn ...

  • Ich will noch einmal meine Netzkarte ins Gespräch bringen.

    Mit meiner tollen Netzkarte kann ich ja auch in den HVV-Ringen A und B herumfahren. Wenn ich nach Süden weiter raus will, das hatte ich ja mal an der Bahn-Information am Hauptbahnhof erfragt, muss ich also die entsprechenden Ringe C oder D oder E hinzukaufen, je nachdem, wohin ich möchte.


    Nachdem das schon mehrmals problemlos im Metronom funktioniert hatte, flog ich gerade ein bisschen auf die Nase: Mit meinen beiden Fahrkarten kann ich nun also in den Ringen A und B sowie C bis E herumfahren — aber eben nicht von A bis E, weil ich über die Grenze zwischen B und C nicht rüberkomme. Urks. Der Zugbegleiter drückte noch mal ein Auge zu, für die Rückfahrt muss aber was neues her.


    Jetzt ist die bange Frage: Kann ich mir zu meiner Netzkarte für die Ringe A und B und meiner zehn Euro teuren Tageskarte für C bis E noch eine Einzelfahrkarte von Winsen bis Ashausen dazukaufen? Nee, geht ja auch nicht, weil der Regionalexpress, den ich auf der Rückfahrt nehmen werde, ja gar nicht in Ashausen hält. Es müsste also schon eine Fahrkarte von Winsen bis Harburg sein, um diese unsichtbare Grenze zwischen B und C zu überwinden. Uff. Und dann muss man auch noch an einen Zugbegleiter geraten, der dieses Späßchen mitmacht.


    Na gut, wieder was gelernt. Das ist halt die übliche Problematik: Wie sehr vertraut man auf die Auskünfte einzelner Angestellter der Verkehrsunternehmen, die das Überangebot der verschiedenen Beförderungsbedingungen auch nur mäßig überblicken können?

  • Ich bin ja auch nicht so ganz der Hellste. Weil ich auf der Rückfahrt eh ein neues Ticket buchen musste, wollte ich einfach den ICE 1574 nehmen, der just in diesem Moment in Lüneburg ankam. Ob ich nun 12,75 Euro für den Flexpreis oder noch mal 8,63 Euro für den HVV-Tarif (plus Ankunft 40 Minuten später in Kiel) bezahle, war mir dann auch egal.


    Blöd nur: Der Bahn-Navigator verkauft mir Fahrkarten nur bis drei Minuten vor Abfahrt — das teilte er mir aber auch erst ganz zum Schluss des Bestellprozesses mit, als ich schon alle möglichen Schritte durchgeackert hatte. Okay, also schnell das Bahnpersonal aufgesucht, „Verkaufen Sie mir noch schnell eine Fahrkarte?“ — „Ja klar! Aber Sie müssen Ihr Fahrrad einklappen“, jo, gar kein Problem, ab geht’s.


    Der Spaß kostete mich dann inklusive Bordzuschlag 31,75 Euro. Ohne BahnCard 25 wäre es noch mal teurer geworden. Und zu allem Überfluss bekomme ich nur Bonuspunkte auf den reinen Flexpreis, nicht auf die 19 Euro Servicegebühr. Whatever.



    Nachdem ich dann ordentlich gelöhnt hatte, kam noch ein zweiter Zugbegleiter vorbei, der sich wunderte, wer denn so blöd ist, für den Rest des kurzen Zuglaufes bis Hamburg noch ein Ticket beim Zugpersonal zu kaufen. Er gab mir dann einen finanziell wertvollen Tipp: Wenn der Navigator die Buchung verweigert, einfach einen späteren Zug buchen — beim Flexpreis gibt es schließlich keine Zugbindung, es zählt nur das Ticket.


    Leider kam dieser Tipp, haha, drei Minuten zu spät.


    Aber heute ist dennoch ein guter Tag, denn wer kann schon zwei Mal pro Tag von sich behaupten:

    Wieder was gelernt.

    Ich hätte es aber auch nicht schlecht gefunden, hätte mich die erste Zugbegleiterin gleich beim Einsteigen noch über den Bordzuschlag in Kenntnis gesetzt. Oder mir den Tipp mit dem späteren Flexpreis vorher mitgeteilt. Naja.

  • Wenn der Navigator die Buchung verweigert, einfach einen späteren Zug buchen — beim Flexpreis gibt es schließlich keine Zugbindung, es zählt nur das Ticket.


    Leider kam dieser Tipp, haha, drei Minuten zu spät.

    Vorsicht! Bei vielen Verkehrsunternehmen ist man für zwei Minuten nach Kauf des E-Tickets noch Schwarzfahrer. So u.a. beim HVV. So soll der Fahrkartenkauf nach Fahrtantritt unterbunden werden.


    Wie es bei der echten Bahn ist, weiß ich aber nicht. Die Drei-Minuten-vor Abfahrt-Schwelle wird aber wohl denselben Zweck haben.

  • Bei vielen Verkehrsunternehmen ist man für zwei Minuten nach Kauf des E-Tickets noch Schwarzfahrer.

    Für Berlin gab es mal eine ähnliche Meldung, die sich als Ente entpuppte. Auskunft der BVG dazu:

    Das Ticket ist ab dem Moment des Kaufs gültig. Allerdings zeigt die App in den ersten zwei Minuten nach dem Kauf noch ein zusätzliches Symbol auf dem Ticket. Dadurch sollen Kontrolleure erkennen können, wenn ein Ticket gekauft wurde, nachdem sie die Bahn betreten und sich zu erkennen gegeben haben.

    Vereinzelt gab es wohl auch Kontrolleure, die nicht richtig geschult waren oder es falsch verstanden haben.

  • Na gut, wieder was gelernt. Das ist halt die übliche Problematik: Wie sehr vertraut man auf die Auskünfte einzelner Angestellter der Verkehrsunternehmen, die das Überangebot der verschiedenen Beförderungsbedingungen auch nur mäßig überblicken können?

    Ich hatte vor ein paar Tagen mal beim HVV nachgefragt und von der Hochbahn, die wohl für die Betreuung der Website zuständig ist, die Antwort bekommen, dass die Ringe C bis E genügten. Leider ohne weitere Begründung und ohne Verweis auf die korrespondierenden Beförderungsbedingungen. Ich frage jetzt noch mal beim Metronom nach.

  • öhm - verzichtest du damit nicht auf Ansprüche im Falle einer Verspätung?

    Wir haben heute die Erstattung für die Verspätungen des ICE 705 bekommen, der aufgrund einer Verspätung von Hamburg nach Berlin über Uelzen und Stendal anstatt über Wittenberge gefahren ist. Die vorgestempelten Verspätungsformulare gab es schon im Zug, aber im Brief wird für Lischen-Radieschen s Erstattung eine Verspätung von 62 Minuten zugrunde gelegt, für meine Erstattung eine Verspätung von 72 Minuten. Das mag ein Tippfehler oder irgendwas anderes sein, aber bloß gut, dass wir auf diese Weise nicht unter die bereits abgestempelten 60 Minuten gerutscht sind :/


    Manchmal ist das alles sehr verwunderlich.

  • Nun habe ich gestern tatsächlich meine Monatskarte zu Hause vergessen. Kann ja mal passieren, in meinem Fall das erste Mal nach knapp fünf Monaten, damit kann ich wohl leben.


    Der Zugbegleiter sah das viel lockerer als ich, man kennt sich ja schließlich, ich bin nunmal Stammgast mit Brompti und Notebook auf Platz 106, Wagen 4, aber wir kamen dann überein, dass ich meine Monatskarte nicht einfach beim Kundencenter vorzeigen kann, weil meine Monatskarte übertragbar ist. Ich hätte also auch ganz frech meine Freundin damit herumfahren lassen können, während ich einen auf vergesslich mache.


    Ich kaufte mir also am Handy eine Tageskarte für Kiel–Hamburg. Den Zugbegleiter interessierte das gar nicht weiter, der war längst abgezogen, aber auf der Rückfahrt stand die nächste Kontrolle an. Und die App so:




    Herzlichen Dank — wer denkt sich denn sowas aus? Ich kann zwar Fahrkarten in der App kaufen, aber nicht anzeigen? Dann das nächste Problem: Auch die PDF-Datei der Fahrkarte bringt einen nicht weiter, denn wir sind ja nicht im Geltungsbereich des Fernverkehrs oder des HVV, sondern beim Schleswig-Holstein-Tarif, bei dem explizit steht:

    Zitat

    Um Ihr Online-Ticket zu nutzen, drucken Sie es auf einem DIN A4-Blatt aus. Bei der Fahrkartenkontrolle zeigen Sie das Online-Ticket sowie die bei der Buchung angegebene ID-Karte vor. Bitte beachten Sie, dass ein Vorzeigen des Online-Tickets in digitaler Form, z.B. auf dem Handy oder Laptop-Bildschirm nicht zulässig ist.

    Ah: Die PDF-Datei der Fahrkarte hätte mich sowieso nicht weitergebracht, denn wenn ich im DB-Navigator eine Fahrkarte buche, dann bekomme ich ja keine Mail mit PDF-Anhang, weil meine Fahrkarte ja im Navigator enthalten ist. Zum Glück war die Zugbegleiterin nicht so angespannt wie ich, man kennt sich ja schließlich, Platz 106, Wagen 4.


    Nun wundere ich mich ja schon: Mir ist klar, dass ich Fahrkarten mit Fahrradkarte, die ich irgendwie am Rad befestigen soll, nunmal schlecht aufs Handy laden kann, weil ich das Handy nunmal schlecht ans Fahrrad hängen kann, okay. Aber wie soll ich denn ahnen, dass eine stinknormale Tageskarte per Handy gekauft werden kann, dann aber spurlos hinter diesem Hinweisschild verschwindet, von wegen ich solle das Ticket ausdrucken, das ich aber gar nicht zum Ausdruck erhalten habe? Boah.


    Okay, ganz offensichtlich ein Fehler im System. Passiert vielleicht mal. Lag vielleicht an der Internetverbindung, vielleicht ist da irgendwas durcheinandergekommen, wer weiß. Vielleicht war das ominöse System irritiert, dass ich gleichzeitig mit meinem Benutzerkonto auf der Bahn-Webseite und im Handy zugange war, wer weiß das schon.


    Als Gelegenheitsfahrgast wäre ich aber vielleicht nicht so einfach davongekommen.

  • Das sind so Erfahrungen, die für Leute wie mich, die derartige Vorgänge gern berechenbar und planbar haben möchten -- das kafkaeske Grauen: Gefangen in den Klauen eines undurchschaubaren Systems, das aber unerbittlich gilt.

    O. K. Beim nochmaligen Lesen: Vielleicht ein bisschen übertrieben. Aber wie bitte schön soll das ein DAU dann erst hinkriegen, wenn man schon als Nerd (positiv gemeint!) scheitert?

    „Zeigen wir dem staunenden Ausländer einen neuen Beweis für ein aufstrebendes Deutschland, in dem der Kraftfahrer nicht nur auf den Autobahnen, sondern auf allen Straßen durch den Radfahrer freie, sichere Bahn findet.“ (Reichsverkehrsministerium, 1934)

  • Ich frage jetzt noch mal beim Metronom nach.

    Der Metronom sagt: Die Ringe C bis E reichen. Damit hätte ich dann eine durchgängige Fahrkarte.


    Das wäre nämlich genau das Prinzip dieser „Ergänzungskarte“, das der HVV in seinem Tarifsystem vorsieht: Man kann damit den Geltungsbereich seiner eigentlichen Fahrkarte um die gewünschte Anzahl von Ringen erweitern. Und das scheint nach Meinung der Deutschen Bahn, der Hochbahn und des Metronom auch mit meiner Fahrkarte aus dem Schleswig-Holstein-Tarif funktionieren.


    Ich werde mir die Rückmeldungen auf dem Smartphone zurechtlegen für den heutigen Ausflug nach Stade, Yeti .

  • Ein längerer, aber lesenswerter Text über die Deutsche Bahn — beziehungsweise das, was davon übrig ist: Kaputte Bahn


    Ich würde ja auch zu gerne mal so eine Lokomotive steuern :/


    Was mich überdies ja auch immer noch wundert: Wohin fährt eigentlich der im Artikel erwähnte Güterverkehr? Hier in Kiel gibt es am Westhafen wieder eine Güterverladung mit einem Portalkran, der in der Regel Lastkraftwagen aus den Fähren aus Skandinavien auf die Schiene verlädt. Die werden dann zum Rangierbahnhof Meimersdorf gezogen und tuckern dann irgendwann als Güterzug los.


    Das ist aber die einzig bekannte im Betrieb befindliche Ladestelle. Alle anderen mir bekannten Güterbahnhöfe sind meistens längst außer Betrieb, seien es große, „echte“ Güterbahnhöfe, von denen es in Kiel mal drei Stück gab, oder in Hamburg, Elmshorn, Lübeck, Rendsburg oder Eutin oder wo auch immer. Im besten Fall befindet sich dort nur ein Parkplatz, den man im Falle einer fortschreitenden Verkehrswende wieder in einen Güterbahnhof umbauen könnte, in der Regel befinden sich dort Supermärkte oder teure Wohnanlagen.


    Das heißt, die Güterzüge fahren dann ganz schön lange Strecken quer durch die Republik bis zu irgendeinem in Betrieb befindlichen Güterbahnhof, wo die Ladung dann für die letzten zehn bis zweihundert Kilometer noch mal auf Lastkraftwagen umgeladen wird?

  • Der Güterverkehr ist überwiegend Massenverkehr. Autos. Erz. Kohle. Chemie. Das geht in Ganzzügen von Ingolstadt oder Wolfsburg oder Rüsselsheim oder Ludwigshafen zum Großkunden. Oder vom See-/Binnenhafen zum Werk. Und dann natürlich Container. Durch halb Europa.

  • Ich wollte der Bahn und mir endlich mal wieder eine Chance geben. Nur sie und ich. Nach Leipzig. Mit dem ICE. 39.90 Eur mal zwei gehen durch. Na ja, Sitzreservierung noch dazu. Ach so, um 5.38 Uhr? Na, dann doch lieber um 10.00. Erste Klasse mit Ruhezone? Geil! Oh, jetzt schon 97 Eur. Na, was soll's! Ist ja ökologisch. Und bequem. Mit Familie wäre es schon zu teuer, es würde der Kleinwagen vor der Tür.

    DB-Navigator-APP: Umständlich, mehrfach abgestürzt. Auch bei der Zahlung. Habe nun 2 nicht stornierbare Tickets für denselben Zug zur selben Zeit. Service-Nr.: Freundliche und ganz offen einräumend inkompetente männliche Aushilfe verweist auf Onlineservice (hatte bereits 25 Minuten die FAQ und die Website studiert). Also Mail an Fahrkartenservice@bahn.de mit Bitte um Stornierung eines Tickets. Vor genau einer Woche. Ich fahre ja erst am 9. August ...


    Leihwagenbestellung? 3 Klicks. Kreditkarte. Modernes Fahrzeug steht pünktlich und sauber bereit. Brommi in Kofferraum und ab dafür. Antizyklisch fahren. Kein Stau. 70, 80 Eur inkl. Sprit. Kinder und Frau könnten auch noch mit. Und Schwiegerelterns Hund. Tja ...

    „Zeigen wir dem staunenden Ausländer einen neuen Beweis für ein aufstrebendes Deutschland, in dem der Kraftfahrer nicht nur auf den Autobahnen, sondern auf allen Straßen durch den Radfahrer freie, sichere Bahn findet.“ (Reichsverkehrsministerium, 1934)

  • Da hast Du grandioses Pech gehabt. Erstens wegen des Absturzes. (Ich ahne, warum ich lieber am Mac sitze und dort buche.) Zweitens wegen der inkompetenten Aushilfe. Ich hatte mal einen dran, der bei einer von mir »direkt nach dem Klick« gewünschten Änderung einfach sagte: »Okay, ich sehe ja, dass Sie das vor 5 Minuten gebucht haben, ich nehme das jetzt raus, Sie buchen jetzt sofort neu, das sehe ich auch, und der Fall ist erledigt.«

  • Ich habe bisher bei der Bahn auch noch keine Probleme beim Buchen gehabt, sowohl mit dem Handy als auch am Rechner. Einen Abbsturz der App hatte ich auch noch nie, vermutlich hattest du da einfach Pech.


    Was ich dagegen schon an Stunden verbracht habe um alleine die Versicherungsbedingungen bei Mietwagenanbietern zu kapieren (Mal ganz von den Regelungen bezüglich Benzin/Fahrstrecke abgesehen)... Der Größte Witz ist auch, dass man nur ein Mietwagen buchen kann, wenn man selbst der Fahrer ist, warum auch immer.


    Auch Flugbuchungen finde ich wesentlich umständlicher. Nachdem man erstmal x verschiedene Buchungsportale durchhat und dort immer auf die Gepäckfallstricke achten muss...


    Da finde ich Bus sowie Bahn viel entspannter und unaufgeregter, schneller auch.