Woche 46 vom 13. bis zum 19. November 2023

  • Warum hab ich eigentlich einen Führerschein gemacht, wenn gar nicht der Nachweis der Fahrtauglichkeit, sondern der Angewiesenheit auf ein Auto entscheidend ist 8o8o


    Externer Inhalt twitter.com
    Inhalte von externen Seiten werden ohne Ihre Zustimmung nicht automatisch geladen und angezeigt.
    Durch die Aktivierung der externen Inhalte erklären Sie sich damit einverstanden, dass personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu haben wir in unserer Datenschutzerklärung zur Verfügung gestellt.


    Autofahren ab 70: Volker Wissing lehnt Zwangsuntersuchungen ab
    Pläne der EU-Kommission, das Fahrkönnen älterer Führerscheinbesitzer zu prüfen, hält der Bundesverkehrsminister für falsch. Es mache die Gesellschaft…
    www.spiegel.de
  • Sterbenden fotografiert — Autofahrerin vor dem Amtsgericht
    Knapp eineinhalb Jahre nach dem Unfalltod eines Motorradfahrers in Düsseldorf hat am Montag der Prozess gegen die mutmaßliche Verursacherin begonnen. Die…
    www1.wdr.de
    Zitat

    Nach Überzeugung des Staatsanwalts hat die 41-Jährige den Unfall verschuldet, weil sie an dem Morgen um kurz vor sechs Uhr ihren SUV verbotenerweise auf der bekannten Verkehrsachse "Auf´m Hennekamp" im Düsseldorfer Stadtteil Bilk verbotswidrig gewendet hatte. (...) Noch am Unfallort hatte die Angeklagte den Sterbenden mit ihrem Mobiltelefon fotografiert und das Foto umgehend an ihren Chef geschickt. „Damit er mir glaubt, dass es später wird, weil es einen Unfall gab“, erklärte die 41-Jährige.

  • https://www.mopo.de/im-norden/schl…it-kinderwagen/

    Die Freiheit von senilen Greisen ist halt wichtiger als das Leben von Kindern :cursing:

    Sich hinterher selbstgerecht zurückzulehnen und "Habichsnichtgesagt?" zu rufen ist einfach. Die Kunst ist aber, bei einem Routinecheck vorab (nur) die Greise auszusortieren, die später auch einen Unfall verursacht haben werden. Das ist AFAICS mit vertretbarem Aufwand ganz offensichtlich unmöglich. Darüber hinaus gibt die Unfallstatistik auch nichts her, was darauf hindeutet, dass dieses "vertretbar" beim Aufwand dann eben ein entsprechend höheres (und damit notwendigerweise im Hinblick auf die Kosten erheblich teureres) Ausmaß annehmen müsste:


  • Es wird nicht möglich sein, vorab festzustellen, wer mal einen Unfall verursachen wird. Das ist einerseits richtig und spielt trotzdem aus meiner Sicht für die Frage nach medizinischen Checks keine Rolle. Es geht darum, dass man zur Teilnahme am Straßenverkehr, insbesondere als Lenker eines Kraftfahrzeuges bestimmte Fähigkeiten benötigt. Sind diese Fähigkeiten, seine Umwelt wahrzunehmen und darauf zu reagieren (Sehen, Hören, Beweglichkeit, Reaktionsvermögen) nicht mehr ausreichend vorhanden, ist jemand aus meiner Sicht zum Führen eines Kraftfahrzeuges ungeeignet.

    Aus diesem Grund gibt es bereits medizinische Checks für LKW-Fahrer ab dem 50. Lebensjahr. Beim Fliegen ist es nicht anders: Jeder, der eine Fluglizenz hat (oder eine Flugausbildung beginnt), muss regelmäßig zur Flugtauglichkeitsuntersuchung. Diese Forderung gilt von Anfang an, also auch für Jugendliche, die z.B. mit 14 Jahren mit dem Segelfliegen beginnen. Dabei wird das Intervall zwischen den vorgeschriebenen Untersuchungen mit zunehmendem Alter immer kürzer. Anfangs ist der Check alle fünf Jahre fällig, ab dem 40. Lebensjahr alle zwei Jahre und ab dem 50. Lebensjahr muss man bereits jährlich zum Doc für das Medical Klasse 2, oder weiterhin alle zwei Jahre für das Medical Klasse LAPL (Light Aircraft Pilot License). Das Medical erlischt mit sofortiger Wirkung, wenn bestimmte Erkrankungen bekannt werden.

    Ich wüsste nicht, was dagegen spräche, spätestens ab dem 70. Lebensjahr auch regelmäßig die Tauglichkeit zum Führen eines Kfz. zu überprüfen.

  • Ich wüsste nicht, was dagegen spräche, spätestens ab dem 70. Lebensjahr auch regelmäßig die Tauglichkeit zum Führen eines Kfz. zu überprüfen.

    1. es besteht kein pauschales spezifisches Risiko
    2. es kostet Geld
    3. es bindet kostbare ärztliche Kapazitäten
    4. das Potential für Augenblicksversagen kann (außer Nostradamus) keiner vorhersehen
    5. es besteht daher die enorme Gefahr, dass man unnötig viele "falsch positive" aussondert und dabei trotzdem künftige Unfallverursacher übersieht
    6. die diskutierten Intervalle (alle 5 Jahre) sind in Anbetracht der ggf. auftretenden Geschwindigkeit des Abbaus idR viel zu grobmaschig
    7. es hat schon im Ausland keinen messbaren Erfolg gegeben

    Im Endeffekt hätte man vielleicht einfach nur pauschal die Anzahl der PKW auf den Straßen geringfügig vermindert. Wenn das das Ziel ist, da gäbe es 1001 andere Alternativen, die wesentlich sinnvoller wären. Insbesondere im Hinblick auf die Klimaeffekte des KFZ-Verkehrs ist es unsinnig, die Sense (SCNR:evil:) ausgerechnet bei den Personen anzusetzen, die eh die geringste Fahrleistung haben.

  • 5. es besteht daher die enorme Gefahr, dass man unnötig viele "falsch positive" aussondert und dabei trotzdem künftige Unfallverursacher übersieht

    Magst du diese "enorme Gefahr" kurz begründen? Aus meiner Erfahrung mit den Flugtauglichkeitsuntersuchungen kann ich das nicht bestätigen.

  • Magst du diese "enorme Gefahr" kurz begründen? Aus meiner Erfahrung mit den Flugtauglichkeitsuntersuchungen kann ich das nicht bestätigen.

    Welche Erfahrung hast du denn? Dass du mal mitbekamst, dass jemand durchgefallen ist, ist ja gerade nicht das Kriterium, an dem sich der Erfolg der Checks messen lässt...

    Ich kenne von meinem Schwiegervater nur das Gegenbeispiel, nämlich dass ein guter persönlicher Kontakt zum ärztlichen Fliegerfreund lange Zeit Vieles möglich machte. Das Fliegen hat er erst aufgegeben, als ein TÜV-Ingenieur beim Test der ebenfalls in die Jahre gekommenen Maschine einschlief, und irgendwie das stehende Flugzeug bei laufendem Propeller im Hangar mit der Nase in den Boden rammte. Da die Maschine ein historisches Exemplar aus Holz und Segeltuch war, führten am Ende die nicht mit gängigen Ersatzteilen zu reparierenden Schäden an der Maschine zum Rückzug von der Fliegerei.

  • Aus diesem Grund gibt es bereits medizinische Checks für LKW-Fahrer ab dem 50. Lebensjahr.

    Nicht alle 5 Jahre? Hier in der Schweiz muss ich alle 5 Jahren wegen C1/D1 zu einem Kontrolluntersuch. Ab 50 alle 3 Jahre und ab 75 alle 2 Jahre.

    Th(oma)s Hier in der Schweiz kann ich mit 17 den ersten ärztlichen Kontrolluntersuch bestehen und muss dann bis und mit 75 Jahre nicht mehr beweisen, dass ich noch genügend sehe, höre oder meinen Körper dementsprechend bewegen kann, dass ein sicheres führen eines Fahrzeuges möglich ist. Und genau deshalb bin ich für periodische Untersuchungen wie bei C1/C/D und D1 ab bestehend der Prüfung alle 5 Jahre bis und mit 50 Jahre, danach öfters. Ja es kostet Geld, aber sehr wenig wenn man nur schon die Betriebskosten eines Autos in Betracht zieht. Ich zahle alle 5 Jahre ungefähr 200.- CHF für den Untersuch. Bei den hier üblichen Kosten von ~10'000 pro Jahr sind wir bei 4 Promille.

    Im gleichen Zug könnte man gleich auch noch eine Schulung über die Verkehrsregeln durchführen, insbesondere über die, die sich verändert haben oder neu dazugekommen sind.

    Jede Person, die ein Flurförderfahrzeug bedient, muss deutlich öfters einen Nachweis erbringen, als jemand, der ein 3.5t Fahrzeug mit >100 km/h bewegen darf.

    1. es besteht kein pauschales spezifisches Risiko
    2. es kostet Geld
    3. es bindet kostbare ärztliche Kapazitäten
    4. das Potential für Augenblicksversagen kann (außer Nostradamus) keiner vorhersehen
    5. es besteht daher die enorme Gefahr, dass man unnötig viele "falsch positive" aussondert und dabei trotzdem künftige Unfallverursacher übersieht
    6. die diskutierten Intervalle (alle 5 Jahre) sind in Anbetracht der ggf. auftretenden Geschwindigkeit des Abbaus idR viel zu grobmaschig
    7. es hat schon im Ausland keinen messbaren Erfolg gegeben

    Im Endeffekt hätte man vielleicht einfach nur pauschal die Anzahl der PKW auf den Straßen geringfügig vermindert. Wenn das das Ziel ist, da gäbe es 1001 andere Alternativen, die wesentlich sinnvoller wären. Insbesondere im Hinblick auf die Klimaeffekte des KFZ-Verkehrs ist es unsinnig, die Sense (SCNR:evil:) ausgerechnet bei den Personen anzusetzen, die eh die geringste Fahrleistung haben.

    Man kann das Thema natürlich in diese Richtung diskutieren, nämlich wie groß ist die tatsächliche Unfallgefahr, die von medizinisch ungeprüften Fahrzeuglenker*innen ausgeht. Man kann dann vielleicht zu dem Schluss kommen: Okay, die Unfallgefahr ist nicht so hoch.

    Aber aus eigener Erfahrung im Verwandtenkreis und vielen Gesprächen mit gleichermaßen Betroffenen weiß ich, dass es viel einfacher wäre, wenn es regelmäßige Gesundheitschecks gäbe und zwar von Anfang an. Man könnte die Intervalle mit zunehmenden Alter verdichten.

    Und auch alkoholkranken Autofahrer könnte man besser gerecht werden. In Neufahrzeugen ist bereits die Schnittstelle für die Alkoholwegfahrsperre Vorschrift.

    Wer es selbst mitbekommen hat, der weiß wie schwer es ist, einen älteren oder gesundheitlich eingeschränkten Verwandten oder Bekannten davon zu überzeugen, dass sie/er das Auto besser nicht mehr benutzt. Bei den letzten Beiträgen wurde immer so diskutiert, als ginge es nur um das Recht des Autofahrers und die Unfallgefahr. Es geht aber auch darum, Verwandte, Bekannte und professionelle Betreuung leistende Menschen zu unterstützen.

  • Aber aus eigener Erfahrung im Verwandtenkreis und vielen Gesprächen mit gleichermaßen Betroffenen weiß ich, dass es viel einfacher wäre, wenn es regelmäßige Gesundheitschecks gäbe und zwar von Anfang an. Man könnte die Intervalle mit zunehmenden Alter verdichten.

    Auch bei dir habe ich den Eindruck, dass du zufrieden wärst, wenn es hin und wieder nur irgendjemand erwischen würde, wodurch die Anzahl der PKW auf der Straße was abnähme. Ich finde hingegen, dass ein so willkürliches Vorgehen bei einem derart schwerwiegenden Eingriff vollkommen unangemessen wäre.

    Da könnte man sich den Pro-Forma-Test auch gleich schenken und stattdessen einfach nur die Führerschein-Abgeber auslosen.

  • Wieso wäre ein medizinischer Test, der bestimmte Eigenschaften abprüft, willkürlich?

    Prüfen kann man Vieles. Es gibt aber offenbar keinen mit halbwegs vertretbarem Aufwand durchführbaren Routinetest, der es mit der gebotenen Treffsicherheit erlauben würde, Risikokandidaten zu herauszufiltern.

    1. es besteht daher die enorme Gefahr, dass man unnötig viele "falsch positive" aussondert und dabei trotzdem künftige Unfallverursacher übersieht

    Wäre das so schlimm, wenn es denn tatsächlich in dem einen oder anderen Falle zuträfe?

    Umgekehrt geht es meines Erachtens auch gar nicht so sehr alleine darum, potenzielle Unfallgefahren zu vermindern.

    Vielmehr trägt die Auseinandersetzung mit dem Gedanken, dass es einmal aus ist mit der Autofahrerei, weil es gesundheitlich nicht mehr geht, dazu bei, dass sich Menschen ernsthaft darüber Gedanken machen, dass es wichtig ist, andere Formen von Mobilität wertzuschätzen und sich entsprechend einzurichten. Eine stark sehbehinderte bekannte, berichtete mir von ihrem Umzug in einen anderen Stadtteil und davon, dass sie von der neuen Wohnung aus sowohl verschiedene Einkaufsmöglichkeiten, als auch Ärzte und Kulturveranstaltungen bequem fußläufig erreichen kann und die Stadtbahnhaltestelle direkt vor der Haustür hat.

    Hoffentlich wird schon die Diskussion über ein Gesundheits-Check für Autofahrer dazu beitragen, dass sich viel mehr Menschen viel früher ernsthaft mit dem Thema Mobilität beschäftigen und dabei nicht dem Irrglauben verfallen, den eigenen Mobilitäts-Standard an der Zahl der PS des eigenen Autos festmachen zu können.

    Leider besteht aber auch die Gefahr, dass das Thema politisch instrumentalisiert wird von populistischen Parteien. Ich höre schon Sarah Wagenknecht und Alice Weidel raunen: Die "Systemparteien" wollen euch das Auto wegnehmen. lasst euch das nicht gefallen, wählt BSG und AfD. Dem will die FDP mit ihrer Kampagne, "Autofahren ist ein Grundrecht, dass alles andere übertrumpft," natürlich rechtzeitig zuvorkommen.

    Warum erinnert mich das bloß an diesen saublöden Witz, "Leute tragt mich mal eben zum Auto, ich will nach hause fahren und bin so besoffen, dass ich den Weg zum Auto nicht mehr gehen kann."?

  • Hat jemand eine Datenbasis, die die Forderung nach diesen Untersuchungen untermauert?

    Man bräuchte als eine Statistik, die Unfälle mit Verletzten/Toten pro 1 Mio km Fahrleistung in Abhängigkeit vom Alter darstellt.

  • Es ist sicher sehr hilfreich bei der Entscheidung zu der Frage, ob regelmäßige Gesundheitschecks für Autofahrer*innen durchgeführt werden sollen oder nicht auch Statistiken mit heranziehen zu können.

    Aber letztlich ist die Frage politisch zu lösen. Dasselbe gilt für vergleichbare Fragen, die in der Vergangenheit gelöst werden mussten.

    Nimm zum Beispiel die 0-Promille-Grenze, die einmal in der DDR gegolten hat. Es ist schwer alleine mit Statistiken zu dem Ergebnis zu kommen, das macht Sinn oder es macht keinen Sinn. Als die Wiedervereinigung kam, war die Null-Promille-Grenze weg. Eine politische Entscheidung. Ich vermute, dass damals nicht einmal ansatzweise versucht wurde, dazu Statistiken heranzuziehen, ob das Sinn macht oder nicht.

    In der gegenwärtigen Situation gibt es ein verbissenes Festhalten am Autowahn, der umso grenzenloser wuchert, je mehr die Einsicht reift, dass es vorsichtig formuliert keine gute Idee war, die Massenmotorisierung in Gang zu setzen. Nicht zuletzt die derzeit laufenden Kriege fokussieren die Wahrnehmung so vollständig, dass wenig Raum bleibt für Umweltthemen oder für das Thema nachhaltige Ressourcenbewirtschaftung.

    Um es mal ein bisschen polemisch zugespitzt zu formulieren: Die Frage ob es für ältere Führerscheinbesitzer*innen Gesundheitschecks geben soll wird derzeit überlagert davon, ob nicht auch 70-Jährige noch Panzer fahren können.

  • Auch bei dir habe ich den Eindruck, dass du zufrieden wärst, wenn es hin und wieder nur irgendjemand erwischen würde, wodurch die Anzahl der PKW auf der Straße was abnähme. Ich finde hingegen, dass ein so willkürliches Vorgehen bei einem derart schwerwiegenden Eingriff vollkommen unangemessen wäre.

    Da könnte man sich den Pro-Forma-Test auch gleich schenken und stattdessen einfach nur die Führerschein-Abgeber auslosen.

    Ich sage das mal als "Verwandtschaftsverwöhnter" Fahrradfahrer: Da gibt es Leute, die wider alle Vernunft darauf bestehen, mit dem Auto mobil zu sein, es aber ablehnen, einen Rollator zu benutzen, weil der nicht standesgemäß sei.

    Trotzdem geht es mir nicht darum, dass es irgend jemand bestimmten "erwischt" :evil: oder überhaupt irgendjemanden. Sondern es geht mir darum dass ein Verkehrswende stattfindet, weg vom massenhaften Autowahn. Vor allem deshalb, weil dann vieles einfacher und bequemer und weniger anstrengend wäre. Ja, ich gebe es zu, ich bin ein "Faulpelz". Warum soll das Argument "Bequemlichkeit" den Autofahrenden gehören?

  • Man bräuchte als eine Statistik, die Unfälle mit Verletzten/Toten pro 1 Mio km Fahrleistung in Abhängigkeit vom Alter darstellt.

    Die Altersgruppe 18-65 spult wahrscheinlich einen überproportional größeren Anteil ihrer jährlichen Kilometer auf der Autobahn ab (wo Radfahrer/Fußgänger gar nicht, und andere Verkehrsteilnehmer oder sie selber je Kilometer dramatisch weniger gefährdet werden).

    Selbst wenn man dann trotzdem noch ein altersbedingt erhöhtes Risiko in der Seniorenkohorte nachweisen könnte, beantwortet das immer noch nicht, ob und mit welchem Verfahren man künftige Täter *vorab* mit der gebotenen Zuverlässigkeit herausfiltern könnte.