Schwierige Stellen im hannoverschen Radverkehrsnetz für eine ansprechende (anspruchsvolle) Radverkehrs-Infrastruktur

  • Es gibt immer wieder Stellen im Radverkehrsnetz, die eine besondere Herausforderung für die Planer*innen darstellen.

    Zum Beispiel diese Stelle, an der Emslandstraße / Einmündung Alte Bemeroder Straße in Hannover Bemerode:

    Zum Überblick hier das Satellitenfoto auf Google-maps:

    Bemerode · Hannover
    Hannover
    www.google.com


    Das Andreaskreuz signalisiert die Stadtbahnstrecke.

    An der Stadtbahnstrecke entlang führt ein Zweirichtungsradweg (von links ins Bild kommen), der allerdings bei der Litfaß-Säule endet.

    Die beiden Radfahrenden auf den Elektrofahrrädern kommen daher und wollen jetzt in die Alte Bemeroder Straße einbiegen.

    Vermutlich fahren die beiden nicht ganz korrekt, denn sie fahren in die falsche Fahrtrichtung. Andererseits ist der Gehweg für den Radverkehr freigegeben, aber auch in Gegenrichtung?


    Überschaubarer ist die Aktion der radfahrenden Familie.

    Die kommen aus der Alten Bemeroder Straße und wollen auf dem Zwei-Richtunsradweg entlang der Bahngleise weiterfahren.

    Der Fußweg ist für den Radverkehr freigegeben und ermöglicht es, sich dort aufzustellen, um dann bei Grün die Fahrt auf dem Radweg entlang der Bahngleise zu starten.


    Versuchshalber habe ich auf dem folgenden Foto zusätzliche Bodenmarkierungen eingezeichnet.

      


    Und um noch deutlicher zu machen, dass der Geradausverkehr auf der Emslandstraße über die Bahngleise hinweg auf der Fahrbahn stattfindet, habe ich das blau auf die Fahrbahn markierte Rad weiß gefärbt und Pfeile dazu gezeichnet:

    Wer weiß, vielleicht ist das Ganze damit endgültig ein wenig "overdesigned".

    Andererseits ist es auch nicht ganz banal, sich in die Komplexität der Fahrtoptionen hineinzudenken und zusätzliche Markierungen sind hilfreich?


    Da wage ich kaum zu fragen, ob wer noch weitere Verbesserungsvorschläge hat. Oder ist da von mir schon zu viel dran herum gebessert worden?


    Hier noch mal das blaue Fahrrad-Fahrbahn-Piktogramm, umgefärbt in Weiß und mit Pfeilen:




    Ist das mit den blauen Fahrrad-Piktogrammen eigentlich eine hannoversche Besonderheit, oder gibt es die auch andernorts? Bei Tag sind die nicht so gut sichtbar. Bei Nacht, ist mir kürzlich aufgefallen, sind die im Scheinwerferlicht erstaunlich gut sichtbar, weil reflektierend.

  • Da wage ich kaum zu fragen, ob wer noch weitere Verbesserungsvorschläge hat

    Wie würde das aussehen, wenn KfZs dort links in eine "Zweirichtungs-Fahrbahn" abbiegen könnten?


    Die Markierungen zeigen an, dass du als Radfahrer entweder direkt nach links abbiegen kannst - nachdem du deine von den "Planern" vorgegebene Furt verlässt, mit allen Konsequenzen -, oder dich als Radfahrer mal eben zum Fußgänger machst.


    Ich vermute stark, diese Lösung entspringt einer gedanklichen Trennung zwischen Auto und "allem anderen" und nicht einer gedanklichen Trennung zwischen Fahrzeugen und Fußgängern.


    Ich behaupte nicht, dass das eine besser als das andere ist, aber der Unterschied ist da. Wenn ich was gelernt habe, dann das: Es gibt zwei "Strömungen":

    • Die "Zusammenlegung" von Radfahrer:innen und Fußgänger:innen und deren Trennung vom Autoverkehr und
    • die "Zusammenlegung" von Fahrzeugen und deren Trennung von den Fußgänger:innen

    Ersteres bedeutet eine gewaltige Anstrengung, für Fahrräder und Fußgänger eine gemeinsame störungsfreie Infrastruktur zu schaffen.

    Zweiteres bedeutet, eine gemeinsame störungsfreie Infrastruktur für KfZs und Fahrräder zu schaffen.


    Ich finde, man sollte sich mal auf eine Hauptrichtung einigen.

  • Die erste Strömung wird vor allem von Autofahrern und Auch-Radfahrern vorangetrieben, Denn Nutznießer davon sind vor allem Autofahrer.

    Die zweite Variante ist der in der StVO ( §2) vorgesehene Normalfall, der laut dem Stand der Unfallforschung auch vom Unfallrisiko für Radfahrer gesehen besser ist.

  • Die erste Strömung wird vor allem von Autofahrern und Auch-Radfahrern vorangetrieben, Denn Nutznießer davon sind vor allem Autofahrer.

    Die zweite Variante ist der in der StVO ( §2) vorgesehene Normalfall, der laut dem Stand der Unfallforschung auch vom Unfallrisiko für Radfahrer gesehen besser ist.

    Im Prinzip gibt es diese beiden Strömungen. Im konkreten Anwendungsfall jedoch gibt es nicht immer die Möglichkeit, konsequent entsprechend einer der beiden Strömungen zu planen.

    Im konkreten Fall finde ich aber, ist ein guter Kompromiss gefunden worden.


    Der Link führt zu Google-streetview von 2008:

    Google Maps
    Find local businesses, view maps and get driving directions in Google Maps.
    www.google.com

    Damals war es so:

    Auf der Emslandstraße (Tempo 30) gab es bereits den Hochbordradweg. Der war aber damals (2008) schon nicht als verpflichtender Radweg ausgeschildert gewesen.


    Die auf dem Google-streetview-Bild mit weißer Strichlinie markierte Furt führt von dem Angebots-Hochbordradweg auf den Fußweg mit Radverkehrsfreigabe.


    Der heutige Zustand mit der Rotmarkierung zeigt: Der Geradeaus-Radverkehr soll auf der Fahrbahn stattfinden. Die Markierung gibt für Radfahrer*innen keinen Anlass, auf dem Fußweg mit Radverkehrsfreigabe weiter geradeaus zu fahren und sich mit den Fußgängern durch das Drängelgitter zu quetschen. (Trotzdem kommt das vor, wie ich beobachten konnte. Allerdings nur selten.)


    Bemerkenswert ist auch, dass das Fahrrad-Symbol nur auf der fahrbahnseitigen Seite der rotmarkierten Furt aufgebracht wurde. Das geht dann eindeutig in Richtung §2, Abs 2 StVO.

    In §2, Abs 4 StVO ist geregelt, dass Fahrradfahrer*innen Radwege benutzen dürfen und auch Fußwege, die für den Radverkehr freigegeben sind. Das finde ich so erst mal nicht verwerflich. Problematisch ist jedoch der Benutzungszwang, der mit der entsprechenden Ausschilderung einhergeht.