• Also wenn es keine "offiziellen Quellen" gibt, dann gibt es keine Allgemeinverfügung und damit sind die Regeln schlicht nicht in Kraft gesetzt worden. Kann das jemand eigentlich mal quantifizieren: "wie viel (zusätzlich) bringt eine Einschränkung der Bewegungsfreiheit auf 15 km in Hinblick auf - sagen wir - den Reproduktionsfaktor?". Da die Maßnahme grundsätzlich geeignet und verhältnismäßig sein muss, sollte doch die jeweilige Landesregierung schon eine schlüssige Antwort auf so etwas haben, immerhin ist die Pandemie nun schon fast ein Jahr alt.

    Wobei ich beim bayerischen Ministerpräsidenten ja längst den Eindruck habe, dass der von den Grundpfeilern unserer Demokratie, wozu ich in diesen Tagen ganz besonders das verfassungsrechtlich garantierte Übermaßverbot zähle, schlicht noch überhaupt nie etwas gehört hat.

  • Kann das jemand eigentlich mal quantifizieren: "wie viel (zusätzlich) bringt eine Einschränkung der Bewegungsfreiheit auf 15 km in Hinblick auf - sagen wir - den Reproduktionsfaktor?".

    Dieser Anordnung liegt m. E. nicht so sehr ein quantifizierbarer Effekt zugrunde, sondern es ist eine Anordnung mit hohem Symbolgehalt, der auf die kleinen Wintersport-Events abzielt, die sich daraus ergeben, dass die Leute sich in ihr Auto setzen (Auto ist ja Corona-sicher, und ich muss beim Autofahren nicht mal Maske tragen, sagen die sich!) und dann mit dem Auto nicht irgendwo in die Natur fahren, sondern sich alle zusammen wiederfinden an den großen Parkplätzen und Rodelhängen in den Wintersportorten, wo sie sonst auch hinfahren. Und weil das nicht nur einige wenige so machen, sondern ganz viele, erwächst daraus die Übertragungsgefahr, der die 15 km-Regel vorbeugen soll.


    Dass auf die 15km Regel von einigen Zeitgenoss*innen so hyperempfindlich reagiert wird hat m. E. vor allem damit zu tun, dass viele von denen Autofahrer sind und die ihre "Freie Fahrt für freie Bürger" bedroht sehen.

    Wer vorwiegend zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs ist, der empfindet eine 15 km-Radius als weniger arg. Und wer regelmäßiger ÖPNV-Nutzer ist, der schränkt sich in Corona-Zeiten ohnehin stärker ein.

  • ...Nun deckt ein 15 Kilometer großer Radius immer noch ein großes Gebiet ab, aber mitunter gibt es in diesem 15-Kilometer-Radius dann gerade mal einen einzigen Supermarkt. Baumärkte und andere Geschäfte, die wenigstens eine Abholung nach Vorbestellung anbieten, sind in dieser ländlich geprägten Gegend deutlich weiter entfernt. ...

    Ich wohne hier sehr sehr ländlich, hätte im Umkreis von 15km (ums Haus) aber 5 Baumärkte, 2 Elektronikfachmärkte, Real, Kaufland, alle Discounter mehrfach, Edeka und Rewe mehrfach, 10+ Bäcker, 10+ Friseure usw. Mir fällt grade keine Region ein, wo dies so karg wäre wie von dir dargestellt.

  • https://osm.nkbre.net/radius.html

    Und wenn man dann bisschen mit https://overpass-turbo.eu/ rumspielt, findet man schnell ein Kaff, wo in 15km Radius kein Baumarkt ist.

    Zum Beispiel Stechow.

    Vielleicht fehlen bei OSM einfach paar Baumärkte. Aber ich könnte mir schon gut vorstellen, dass dort tatsächlich nix ist.

    Solange Dummheit als plausible Erklärung ausreicht, sollte man keinen Vorsatz annehmen.

  • Ich wohne hier sehr sehr ländlich, hätte im Umkreis von 15km (ums Haus) aber 5 Baumärkte, 2 Elektronikfachmärkte, Real, Kaufland, alle Discounter mehrfach, Edeka und Rewe mehrfach, 10+ Bäcker, 10+ Friseure usw. Mir fällt grade keine Region ein, wo dies so karg wäre wie von dir dargestellt.

    Konkretes Beispiel wäre Hankensbüttel.



    Da gibt’s zwar innerhalb des roten Kreises bei Google Maps drei Treffer für Baumärkte, von denen aber einer nur so eine nach meiner Kenntnis ohnehin geschlossene Resterampe ist und die anderen beiden eher Baustoffhändler, also ohne Gartenbedarf und ähnliches. Der nächste „richtige“ Baumarkt in der Kategorie von Hagebaumarkt ist in Uelzen — aber das ist weiter weg als 15 Kilometer. Und das sieht bei Elektronikfachmärkten ähnlich aus. Drüben in Wittingen gibt es noch einen Electronic Partner mit einem überschaubaren Angebot, aber der nächste Elektronikfachmarkt ist ebenfalls in Uelzen, sowas wie MediaMarkt erst in Lüneburg, Hannover oder Gifhorn.


    Und Hankensbüttel ist als Mittelzentrum noch nicht einmal das Ende der Welt, man kann beispielsweise auch in Steinhorst wohnen, da kommt man dann gerade noch zu einem nah & gut in Steinhorst oder zum Norma nach Groß Oesingen. Ansonsten ist da einfach überhaupt gar nichts mehr.


  • Ist doch eigentlich egal, denn wenn die 7T-Inzidenz so hoch ist, das die 15km-Regel gilt dann sollten Baumärkte für normale Kunden eh zu sein.

    Nur blöd, wenn dann irgendwas im Haus kaputtgeht, das man eigentlich auch ohne Handwerker reparieren könnte, aber ...

    Ich sage mal: Türschloss, Fenstergriff, Heizungsthermostat ...

  • Das ist dann echt blöd

    Zitat

    Bewegungsradius gilt in Niedersachsen ab Wohnsitz

    Niedersachsen übernimmt auch die von Bund und Ländern vereinbarte Beschränkung der Bewegungsfreiheit - allerdings mit einer Abweichung: Die für Corona-Hotspots mit einer Inzidenz von 200 oder darüber vorgesehene Maßnahme soll auf einen Radius von 15 Kilometern um den Wohnsitz, also die konkrete Adresse, gelten - und nicht um den Wohnort,

    Wenn man dann vor Problemen steht wie

    Nur blöd, wenn dann irgendwas im Haus kaputtgeht, das man eigentlich auch ohne Handwerker reparieren könnte, aber ...

    Ich sage mal: Türschloss, Fenstergriff, Heizungsthermostat ...

    Dann müsste ich 5 Sek nachdenken, Einkauf via click n collect und Kurier/Taxi der mir das dahin bringt wo ich hindarf (würde zwar schwachsinnig die Kontakte erhöhen, wäre aber im erlaubten Sinne der Verordnung), Ich hätte was ich brauch binnen einer Std egal wo in D. Wird zwar etwas teurer, ihr vergesst aber einen ganz wesentlichen Punkt, wer so weit draußen wohnt, hat einiges sowieso im Haus, was man selbst nicht hat, hat zu 95% ein Nachbar oder man wird kreativ und improvisiert, In Hamburg hingegen musste ich für alles loslaufen, da hatte ich zwei Zimmer. Mein Bestand an Werkzeug Schrauben und Co wächst hier stetig,

  • Während ihr hier noch mutmaßt, hat Söder schon was rausgehauen:


    § 2 regelt Ausgangsbeschränkungen tagsüber, § 3 nachts. Das bedeutet also: in Landkreisen mit mehr als 200 Neuinfektionen in 7 Tagen je 100.000 Einwohner...

    • ... dürfen dort wohnende Personen abgesehen von ihren sonstigen triftigen Gründen (Arbeit, Einkaufen, Besuche, Sport etc.) keine Tagesausflüge unternehmen, die mehr als 15 km von der Wohnortgemeinde stattfinden. Wird man dabei eindeutig überführt (z. B. weil man es zugibt), müsste man mit 500 EUR Bußgeld rechnen.
    • ... dürfen die lokalen Behörden ein Verbot von Tagesausflügen landkreisfremder Personen aussprechen. Wird man eines solchen Vergehens überführt, droht aber praktischerweise keine Strafe.

    Das wars. Es ist (mal wieder) infektionstechnisch sinnlos und nur ein "guck mal, was wir gegen volle Skipisten unternehmen!" als Reaktion auf die Bilder der vergangenen zwei Wochen. Die Gerichte dürfen dann im Einzelfall entscheiden, was ein "Tagesausflug" und was "Bewegung an der frischen Luft" ist. Dazu ergeben sich wieder amüsante Konstellationen, die in der Eile wohl nicht bedacht oder einfach ignoriert wurden:

    • Wenn in den Alpen alles über 200 ist, kann der Rest Bayerns trotzdem fröhlich dort Skifahren und die Seuche heimtragen - es ist zwar verboten, kann aber nicht sanktioniert werden.
    • Ein Nicht-Risiko-Landkreis in einem Ausflugsgebiet kann erstmal nichts verbieten, selbst wenn er wollte; um Touristen loszuwerden, muss man also erstmal in die roten Zahlen rutschen, präventiv gehts nicht.
    • Wenn ich einen anderen Hausstand besuche (erlaubt nach § 2) und dort übernachte (erlaubt/erzwungen nach § 3), dann bin ich kein Tagesausflügler mehr und kann mir den Rest aus § 25 auch schenken.
    • Je nach Gemeindegrenzen und Landkreisgröße kann ein Radius von 15 km ziemlich der ganze Landkreis sein: nämlich dann, wenn der Landkreis nicht allzu groß ist und die Gemeinde recht mittig liegt (z. B. LK Forchheim).
    • Umgekehrt gibt es auch Fälle, wo an Ecken von an Außengrenzen gelegenen Landkreisen lebende Personen in ungünstiger Konstellation plötzlich kaum noch irgendwohin können und dann sinnlos aufeinanderhocken (z. B. LK Lindau)
    • Personen mit mehreren Hausständen, abwechselnd bei getrennt lebenden Eltern lebende Kinder, Ferienhausbesitzer, Studenten etc. können sich dann das für sie jeweils günstigste raussuchen, denn gedacht wurde ganz sicher nicht an sie.
  • Dann müsste ich 5 Sek nachdenken, Einkauf via click n collect und Kurier/Taxi der mir das dahin bringt wo ich hindarf (würde zwar schwachsinnig die Kontakte erhöhen, wäre aber im erlaubten Sinne der Verordnung), Ich hätte was ich brauch binnen einer Std egal wo in D. Wird zwar etwas teurer, ihr vergesst aber einen ganz wesentlichen Punkt, wer so weit draußen wohnt, hat einiges sowieso im Haus, was man selbst nicht hat, hat zu 95% ein Nachbar oder man wird kreativ und improvisiert, In Hamburg hingegen musste ich für alles loslaufen, da hatte ich zwei Zimmer. Mein Bestand an Werkzeug Schrauben und Co wächst hier stetig,

    Ja, du und ich und viele andere Menschen würden das so machen, richtig. Aber das spielt einerseits keine Rolle, denn Einkaufen dürfte ja als triftiger Grund durchgehen und das Reparieren eines defekten Heizungsthermostates während der Heizperiode sowieso, aber andererseits ist das eben draußen auf dem Land: Einerseits wohnen da auch in stark wachsenden Dörfchen wie Hankensbüttel relativ viele alte Menschen, denen so etwas wie Click&Collect relativ fremd ist, andererseits weiß ich aus eigener Erfahrung, dass die Internetanbindung dort eine Katastrophe ist.


    Hankensbüttel als Mittelzentrum zwei große Schulen, aber nach meiner Kenntnis große Probleme im Frühjahr gehabt, die Schüler aus der Gegend gemeinsam auf eine Lernplattform zu bekommen. Ich habe es in den letzten Jahren versäumt, dort einen Geschwindigkeitstest durchzuführen, aber weder per Kabel noch per Mobilfunk kommt dort mehr als nur Getröpfel aus der Leitung. Wenn ich da mehrere stark bebilderte Seiten eines Onlineshops durchackern muss, kann ich mir vorstellen, dass das eher ein Hemmnis darstellt.

  • Gegenüber wurde der Bauernhof mit Ende Dezember vom Bauern nach ca. 2,5jähriger Sanierungszeit in 6 Wohneinheiten aufgeteilt. Nun ziehen die da ein. Es geht! Ist zwar weniger komfortabel als wenn wie üblich alle mit anpacken aber es geht. Man kann überall Probleme hinkonstruieren oder eben mit dem Vorhandenen arbeiten und Lösungen finden. Auch hier wird die Nachbarschaft immer Älter/Jünger. Unsere Eltern sind es die nun Ü70-Ü80 sind und so bekam Oma zum ersten Lockdown ein Smartphone und nach einer längeren Einweisung kommt sie nun klar damit. Die "Alten" wurden ja nicht hierher aufs Land verfrachtet sondern sind hier seit Jahrzehnten sehr gut sozialisiert. Kirche, Karnevalsvereine, Sportvereine, Schützenvereine bis hin zum Taubenzüchterverein. Den "vereinsamten hilflosen Alten" gibt es hier eher nicht.


    Das Internet läuft hier gut sowohl die DSL Anbindung (<100Mbit) als auch UMTS/LTE - das ist in der Tat ein Problem, das betrifft dann aber die Jüngeren die dann trotz allgemeiner Bitte der Unternehmensleitung im Home Office zu arbeiten, nicht im Home Office arbeiten können, oder Schüler bei denen das deswegen nicht mit E-Learning klappt. Kollegen geht das so, diese müssen dann halt ins Büro (betrifft hier in einem 170Leute Betrieb insgesamt 3 Mitarbeiter),

    Ansonsten weiß ich wo ich was bekomme und das Telefon funktioniert auch noch.

    Wenn das Telefon auch nicht bis dahin kommt, kommen Brieftauben oder Buschtrommeln zum Einsatz ;)

  • Nun ziehen die da ein. Es geht! Ist zwar weniger komfortabel als wenn wie üblich alle mit anpacken aber es geht.

    Ich bin ja gespannt, wie unser Umzug von Kiel nach Lüneburg ablaufen wird. Wir hatten extra ein Umzugsunternehmen beauftragt, weil wir davon ausgingen, dass allen Lockerungsbeteuerungen zum Trotze Ende Februar bestimmt keine hinreichende Bewegungs- und Kontaktfreiheit bestehen wird, um mit Freunden und Bekannten einen Umzug zu stemmen (außerdem habe ich die Befürchtung, dass Gefrierschrank und der 150 kg schwere Waschtrockner Schaden nähmen oder womöglich noch jemand verletzt wird, wenn Waschtrockner und Umzugshelfer auf der Treppe stürzen). Mal gucken, ob das alles einigermaßen glatt über die Bühne geht. Eigentlich wollten uns meine Schwiegereltern unter Einhaltung der Hygieneregelungen beim Streichen helfen, aber da dürfte mittlerweile nur eine Person anreisen und eventuell dürften die ja nicht aus ihrem 15-Kilometer-Radius raus.


    Man kann überall Probleme hinkonstruieren oder eben mit dem Vorhandenen arbeiten und Lösungen finden. Auch hier wird die Nachbarschaft immer Älter/Jünger. Unsere Eltern sind es die nun Ü70-Ü80 sind und so bekam Oma zum ersten Lockdown ein Smartphone und nach einer längeren Einweisung kommt sie nun klar damit.

    Ich wollte hier auch gar nicht auf Teufel komm raus Probleme konstruieren. Der ursprüngliche Aufhänger war eher, dass ich mich wunderte über diesen niedersächsischen Versuch, Stadt und Land möglichst ähnlich zu behandeln und darum ab dem Wohnsitz, nicht ab der Ortsgrenze diesen 15-Kilometer-Radius abzustecken. Während es in der Stadt aber weiterhin innerhalb dieses Radius’ alles gibt, findet sich in der niedersächsischen Provinz womöglich nur ein einziger Supermarkt. Dass sich das mit Onlinehandel oder Lieferanten alles irgendwie regeln lässt ist ja klar.


    Die "Alten" wurden ja nicht hierher aufs Land verfrachtet sondern sind hier seit Jahrzehnten sehr gut sozialisiert. Kirche, Karnevalsvereine, Sportvereine, Schützenvereine bis hin zum Taubenzüchterverein. Den "vereinsamten hilflosen Alten" gibt es hier eher nicht.

    Jain, da bin ich mir nicht so sicher. Einerseits gibt es auf dem Dorf viel festere Strukturen wie Sportvereine oder den allgegenwärtigen Schützenverein, innerhalb derer man sich gegenseitig viel öfter und intensiver hilft als ich das hier in der Stadt kenne, andererseits hat es nach meinem Empfinden gerade der älteren Generation doch sehr zugesetzt, dass binnen weniger Jahre das Dorfzentrum quasi ausgestorben ist. Früher fuhr man selbst einfach zum Klempner ins Dorfzentrum und kaufte den Heizungsthermostaten dort, nun ist der Klempner im Ruhestand und man muss mindestens bis Uelzen fahren oder es wird im Internet bestellt.

    Das Internet läuft hier gut sowohl die DSL Anbindung (<100Mbit) als auch UMTS/LTE - das ist in der Tat ein Problem

    Beim Internet gibt’s ja auch Fortschritte, einige Umlandgemeinden dort in der Gegend haben ja gerade im letzten Jahr eine Glasfaserleitung bekommen. In Hankensbüttel selbst tut sich diesbezüglich noch nichts — angeblich war man dort vor ein paar Jahren der Meinung, so etwas wie schnelles Internet brauche man hier nicht. Ich bin ja gespannt, ob sich solche Entscheidungen irgendwann als Standortnachteil bemerkbar machen werden.

  • Eigentlich wollten uns meine Schwiegereltern unter Einhaltung der Hygieneregelungen beim Streichen helfen, aber da dürfte mittlerweile nur eine Person anreisen und eventuell dürften die ja nicht aus ihrem 15-Kilometer-Radius raus.

    Ich habe die Hoffnung, dass die Zahlen in Niedersachsen unter den neuen, noch strengeren Maßnahmen zumindest nicht weiter steigen und wir hier von lokal begrenzten Hotspots durch Ausbrüche in Altenheimen oder bestimmten Betrieben unterhalb der 200er-Marke bleiben werden und somit die 15-Kilometer Regel nicht zur Anwendung kommen muss.


    Insbesondere in ländlichen Gegenden sollten die Maßnahmen auf dem derzeitigen niedersächsischen Infektionsniveau auch ausreichen, die Zahlen zu senken. Jedenfalls dann, wenn die Leute nicht im privaten Umfeld tun und lassen, was sie wollen, sondern sich an die Auflagen halten.


    Wenn ich mich damit irren sollte, hätten wir ein ganz ernsthaftes Problem, möglicherweise aufgrund der ansteckenderen Virusmutation, die sich auch unter den neuerlichen Beschränkungen schneller ausbreitet.


    Leider läuft die Impfung in Niedersachsen nur schleppend an. Ich kann nicht einschätzen, ob das ein organisatorisches Problem ist oder ob derzeit andere Regionen bei der Impfung höher priorisiert werden und das Land Niedersachsen momentan weniger Impfdosen bekommt als Länder mit höherem Inzidenzwert.


    Na ja, ich persönlich darf vermutlich noch lange auf einen Impftermin warten. Da sind andere auf jeden Fall vor mir dran.

  • Na ja, ich persönlich darf vermutlich noch lange auf einen Impftermin warten. Da sind andere auf jeden Fall vor mir dran.

    Und darüber bin ich einerseits ganz froh, denn als Angehöriger der Gruppe 6 habe ich offenkundig keine nennenswerten gesundheitlichen Einschränkungen. Andererseits: Darauf hat mich ja auch nie jemand untersucht, abgesehen davon, dass ich mit Untergewicht aus dem Zivildienst rausgeflogen bin.


    Und ich hätte schon gewisse Bedenken, wenn ich als Angehöriger der Gruppe 6, der zudem von zu Hause arbeiten kann, erst als allerletzter, womöglich erst 2022 in den Genuss einer Impfung gerate und im Sommer dann tatsächlich gewisse Privilegien für geimpfte Personen durchgesetzt werden. Dass solche Ideen bislang abgelehnt werden, muss angesichts der Brüchigkeit politischer Haltung ja nichts bedeuten. Nicht dass ich fordern möchte, als Nicht-Geimpfter während einer Pandemie ins Kino oder ins Restaurant zu gehen oder öffentliche Verkehrsmittel über Gebühr zu nutzen, aber ich hätte eigentlich auch ganz gerne eine Impfung.


    Wenn ich mir aber durchlese, dass etwa in meiner Heimatstadt Büdelsdorf 300 Impfdosen pro Tag verabreicht werden sollen, dann dauert es allein vier Monate, bis Büdelsdorfer Bevölkerung von 12.000 Einwohnern zwei Impfungen bekommen hat, vom Rest des Landkreises Rendsburg-Eckernförde mal ganz abgesehen. Und irgendwie reden wir jetzt alle davon, dass der Lockdown vom 10. Januar auf den 31. Januar verlängert wurde, aber geht denn irgendwer ernsthaft davon aus, dass ab dem 31. Januar irgendwas in Ordnung sein wird, wenn gleichzeitig die Corona-Mutation B.1.1.7 die Zahlen in die Höhe schießen lässt?

  • Was die Privilegien nach einer Impfung angeht, muss man wohl zwei Dinge unterscheiden: Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen und Menschen, die sich impfen lassen wollen und noch auf einen Impftermin warten müssen.


    Die erste Gruppe verhält sich aus meiner Sicht unsozial, profitiert aber vom Schutz der anderen, die sich impfen lassen. Dass es eine gewisse Zeit braucht, 50-60 Millionen Menschen zu impfen, ist eine andere Sache. Die spannende Frage wird sein, was wir tun, wenn die Zahl derer, die sich freiwillig impfen lassen, nicht ausreicht, um eine ausreichende Herdenimmunität herzustellen.


    Das wird auch ganz entscheidend eine Frage der Kommunikation: Wie kann der ganze Prozess ausreichend transparent gestaltet werden, um Impfskeptikern die Sorgen zu nehmen, ohne dass man Probleme und Fehler unter den Teppich kehrt? Richtige Impfgegner erreicht man sowieso nicht mehr mit sachlicher Information, aber man muss dem Geschrei dieser Leute etwas entgegensetzen, damit bei denen, die nur verunsichert sind, kein falsches Bild aufkommt.

  • Noch eine Ergänzung: Privilegien für geimpfte Personen können ja auch helfen, die wirtschaftlichen Folgen des Lockdowns zu mildern. Wenn Kinos, Restaurants, etc. wieder für Gäste öffnen dürften, die bereits geimpft sind, wäre es für die betroffenen Betriebe besser als nichts. Auf der anderen Seite birgt das natürlich auch jede Menge sozialen Sprengstoff, wenn Leute davon ausgeschlossen sind, weil jemand entschieden hat, dass die noch nicht dran sind, geimpft zu werden. Das würde dann sicherlich nicht zur dringend notwendigen Versachlichung der Impfdebatte beitragen.