Der Tote Winkel lebt

  • Kennt ihr den Verein "Aktion Kinder-Unfallhilfe e.V."?

    https://www.kinder-unfallhilfe-online.de/startseite/

    Zitat

    Etwa alle 15 Minuten verunglückt ein Kind im Straßenverkehr – als Fußgänger, Radfahrer oder Beifahrer im Auto. Damit der Straßenverkehr sicherer für unsere Kinder wird, haben Unfallverhütungs-Projekte eine zentrale Bedeutung in unserer Vereinsarbeit. Gemeinsam mit Verkehrsgewerbe-Unternehmen klären wir beispielsweise Schulkinder über die Gefahren des toten Winkels bei Lkw auf und verteilen Sicherheitsartikel an Kindergärten und Schulen oder Trost-Teddys an Rettungskräfte.

    Wie "Aufklärungsarbeit" über den Untoten Winkel aussieht, wurde hier ja bereits des Öfteren diskutiert. Wichtig ist dabei vor allem, möglichst viele Spiegel abzudecken

    https://www.myheimat.de/edewec…-produziert-d2969993.html

    Damit der Straßenverkehr sicherer für unsere Kinder wird, verteilt der "Aktion Kinder-Unfallhilfe e.V." Trost-Teddys an die Opfer. Die Täter können sich kostenlos Aufkleber bestellen, um Radfahrer und Fußgänger vor dem Untoten Winkel zu warnen. Geht es noch perfider? Ich glaube nicht.

    Die Aufkleber gibt es gleich in 4 Varianten für Silo- und Tankauflieger, Busse, Kasten/Auflieger und Transporter, toll!

    https://www.kinder-unfallhilfe…ber-achtung-toter-winkel/


    Es lohnt sich durchaus, mal einen Blick ins Impressum der "Aktion Kinder-Unfallhilfe e.V." zu werfen. https://www.kinder-unfallhilfe-online.de/Impressum/

    Da ich viele Jahre in Braunschweig gelebt habe, bin ich beim Namen des Vorsitzenden aufmerksam geworden. Es handelt sich dabei offensichtlich um den Braunschweiger Spediteur Adalbert Wandt

    Zitat

    Geschäftsführender Gesellschafter Wandt Spedition und Transportberatung GmbH, Braunschweig, Deutschland

    Präsident des Bundesverbandes Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL), Frankfurt

    Präsident des Gesamtverbandes Verkehrsgewerbe Niedersachsen (GVN)

    https://www.logisticshalloffam…emien/jury/adalbert-wandt


    Ich überlege gerade, 500 solcher Aufkleber zu bestellen und dem "Aktion Kinder-Unfallhilfe e.V." zu spenden, die dann zusammen mit den "Achtung, Toter Winkel" Aufklebern an die Speditionen verschenkt werden. Die könnte man prima auf die Innenseite der Windschutzscheibe von LKW kleben.


    *edit: Dazu noch einen großen "Ich bin nicht mehr ganz bei Trost"-Teddy für Adalbert Wandt und seine Schergen.


    Manchmal kann man nicht so viel essen wie man kotzen möchte. <X

  • "Seit 2009 sind mehrere Spiegel für Lastwagen vorgeschrieben, die den Bereich vor dem Fahrzeug sowie rechts und links weitgehend einsehbar machen. Einen sogenannten toten Winkel, also einen nicht sichtbaren Bereich, gibt es nach Spörers Einschätzung deshalb nur noch hinter dem Wagen. Dennoch ist das aktuelle System nicht sicher, betont der Ehrenamtliche des ADFC. „Wenn ein großer Lkw nach rechts abbiegt, muss der Fahrer zunächst nach links ausholen und gleichzeitig sechs Spiegel beachten“, schildert Spörer die Situation." Dieser Absatz ist aus einem HAZ-Artikel von heute, der noch nicht im Inbternet zu lesen ist. Der Titel:

    "Aus der Sicht eines Brummi-Fahrers - Radfahrer testen in Lkw-Fahrschule, was von ihnen beim Abbiegen wirklich zu sehen ist"

    Endlich wird einmal in einem HAZ-Artikel korrekt darauf hingewiesen, dass der tote Winkel tatsächlich tot ist. Aber leider wird in dem Artikel einmal mehr an viel zu vielen Stellen lamentiert, der LKW-Fahrr könne doch gar nicht alle diese Spiegel beachten usw.

    Immerhin wird am Ende des Artikels an die Hersteller und Logistikfirmen apelliert schon vor der elektronischen Abbiege-Assistenten-Pflicht freiwillig entsprechende Systeme einzubauen. Nötig wäre jedoch deutlich mehr Druck auf Scheuer und die EU.

    Und der Aspekt, dass deutlich mehr Güterverkehr von der Straße auf die Schiene und auf Güterschiffe verlegt werden muss, der fehlt völlig.

  • Aber leider wird in dem Artikel einmal mehr an viel zu vielen Stellen lamentiert, der LKW-Fahrr könne doch gar nicht alle diese Spiegel beachten usw.

    Leider korrekt. Es werden aber die falschen Konsequenzen gezogen, weil man nicht infrage stellt, dass LKW-Fahrer dann einfach ohne ausreichend zu gucken abbiegen.

  • Es werden aber die falschen Konsequenzen gezogen, weil man nicht infrage stellt, dass LKW-Fahrer dann einfach ohne ausreichend zu gucken abbiegen.

    Bei diesem Todesfall in London war der eingebaute Totewinkel-Warner kaputt (aus dem Zeitungsbericht geht allerdings nicht hervor, ob durch den akustischen Warner der LKW-Fahrer oder der Radfahrer gewarnt werden sollte...).

    Bei diesem Todesfall in Kopenhagen haben weder ein Gatter aus "PBL"-like Plastikzäunen noch eine Totewinkel-Kamera im LKW was genutzt.

    Bei diesem Todesfall in Odense nutzte auch die getrennte Grünschaltung für Rechtsabbieger und Radweg nichts.


    Ganz schön viel Holz, obwohl die diversen Optimierungsanstrengungen bislang eigentlich nur eine Minderheit aller Konflikte betreffen dürften.

  • Wie willst du das von dir beschriebene "Grundproblem" denn lösen? Es besteht nur die Möglichkeit, den Radverkehr auf der Abbiege-Autospur zu führen und zu hoffen, dass alle Radler dann mittig auf dieser Autospur fahren. (Mit einem 40t im Rücken?)

    Hier ein Beispiel aus Stadthagen. Dort hat man so versucht die Situatiuon zu verbessern: Das erste Bild zeigt dunkelrot eingetragen die alte Verkehrsführung für den Radverkehr. Heute ist das vermutlich immer noch für den Fußverkehr so gedacht. (Obwohl der Fußverkehr eigentlich auch die Radfahrfurt benutzen können dürfte?)

    Das zweite Bild zeigt, dass vor einigen Jahren die Radfurt dichter an die Längs-Straße herangerückt wurde, so dass der Radfahrer gar nicht erst aus dem Blick des abbiegenden Autofahrers herausfährt. Der grün markierte Kantstein-Abschnitt ist deutlich erkennbar neueren Datums. Diese Absenkung in dem grün markierten Kantsteinabschnitt gab es dort früher nicht.

    Ich würde die Kurvenradien für Abbieger noch deutlich verengen. Aber dann kommt natürlich gleich wieder das Gemeckere der Autrofahrer. Und das hält nicht jeder Entscheidungsträger aus.


    Ergänzung: Link zu googlemaps: https://www.google.de/maps/pla…!3d52.3252099!4d9.1998226

    Einmal editiert, zuletzt von Ullie () aus folgendem Grund: Link zu googlemaps eingefügt

  • Von so: https://www.google.com/maps/@4…itch%3D0%26thumbfov%3D100


    nach so:


    https://www.google.com/maps/@4…874407,137m/data=!3m1!1e3


    Selbe Stelle. Das erste Bild zeigt die alte Situation mit "geradeaus" rechts neben "rechts abbiegen". Die neue Variante verlängert den Schutzstreifen (oder was auch immer das da ist).


    Mich persönlich stört die weitere Führung auf der östlichen Seite auf dem Hochboard noch. Die Fahrbahn ist da wegen der Straßenbahnhaltestelle verengt. Es ist aber halt Nürnberg.. da hupt keiner, wenn man einfach auf der Fahrbahn bleibt und den Hochboardradweg ignoriert.

  • Das sieht dann im Extremfall so aus. Ist auch keine Lösung.


    Hier ist auch so eine Lösung. Da steht man dann als kleiner Radfahrer vorne an der Ampel, während rechts daneben in nichtmal 50 cm Entfernung ein 40-Tonner bei Rechtsabbieger-Grün abbiegt. Ich habe jedesmal Sorge, dass ich vom Heck abgeräumt werde und stelle mich deshalb schon links auf den Streifen.


    Ist beides nicht so der Knüller, oder? Bitte frag mich nicht nach besseren Lösungen. Ich habe auch keine.

  • „Fahrradweichen“ sollten zwar in der Theorie (mit perfekten Kraftfahrzeuglenkenden!) weniger fehlerträchtig sein, aber eine Ideallösung sind sie sicher nicht:

    https://changing-cities.org/pr…rutal-und-gef%C3%A4hrlich

    https://twitter.com/radentscheid/status/1106132369319313408

    https://twitter.com/dwachsmu/status/1066375361783611392

  • Es besteht nur die Möglichkeit, den Radverkehr auf der Abbiege-Autospur zu führen

    Warum sollten geradeausfahrende Radfahrer auf der Abbiegespur fahren? Um sich anschließend wieder in den Geradeausverkehr einzufädeln, der von der Geradeausspur kommt?

    Und warum ist das eine Abbiege-"Autospur"? Es ist eine Rechtsabbiegespur auf der Fahrbahn. Für Fahrzeuge. Zum Beispiel Fahrräder.

    Warum bräuchte man überhaupt noch eine Abbiegespur, wenn rechts daneben kein Radweg mehr wäre, gegenüber dem man eine separate Ampelschaltung für Rechtsabbieger einrichten müsste?

  • Für den Radverkehr ist das eine Lösung, zumindest für die RadfahrerInnen, die mutig genug sind, sich auf die Geradeausspur zwischen die Autos zu wagen. Hier ein entsprechendes Beispiel aus Hannover. Für die rechtsabbiegenden RadfahrerInnen gibt es einen Hochbordradweg. Auf der Querstraße, das Leibnizufer gibt es ebenfalls einen Hochbordradweg. Links abbiegen geht für den Autoverkehr gar nicht. Für den Radverkehr nur "über Eck". Also erst mal die Querstraße überqueren. Und dann noch mal über die Straße.

    Leider löst eine solche Lösung bei weniger routinierten RadfahrerInnen keine große Begeisterung aus. Viele fühlen sich unwohl zwischen den PKW. Im gezeigten Beispiel gibt es aber auch die Alternatibve, auf dem Hochbordradweg (rechts im Bild) weiter zu fahren.

    Das googlemaps-Satellitenbild zeigt die Baustellenphase dieser recht neuen Anlage. https://www.google.de/maps/@52…,90h,39.91t/data=!3m1!1e3

  • Ich finde das spannend. Ich fand die Nürnberger Neu-Lösung bisher gut. Das Beispiel von Epaminaidos zeigt, dass es gar furchtbar auf die Umgebung ankommt. Und eben nicht direkt übertragbar ist. So viele LKW (gar noch in einer Reihe) habe ich dort in Nbg. noch nie gesehen. Die fahren scheinbar woanders.


    Diese "Rad links neben Rechtsabbieger"-Variante scheint mir immer noch Vorteile im fließenden Verkehr zu haben. Der frühere Radlerstart (vor den KFZ) mit einer großen Aufstellfläche gefüllt mir an roten Ampeln gut.


    Vielleicht eine Kombination von beidem? Und bitte den Radstreifen breit genug, dass man da auch bei deppert angehaltenem LKW noch durch kommt.

  • Warum sollten geradeausfahrende Radfahrer auf der Abbiegespur fahren? Um sich anschließend wieder in den Geradeausverkehr einzufädeln, der von der Geradeausspur kommt?

    Und warum ist das eine Abbiege-"Autospur"? Es ist eine Rechtsabbiegespur auf der Fahrbahn. Für Fahrzeuge. Zum Beispiel Fahrräder.

    Warum bräuchte man überhaupt noch eine Abbiegespur, wenn rechts daneben kein Radweg mehr wäre, gegenüber dem man eine separate Ampelschaltung für Rechtsabbieger einrichten müsste?

    Wenn man auf einer sehr engen Einbahn-Straße fährt, auf der Radfahrer nicht überholt werden können und die sich dann vor einer Kreuzung aufweitet für eine Rechtsabbiegerspur, dann funktioniert das mit dem weiter geradeaus fahren. Wenn die Straße aber etwas breiter ist, dann wird man als Radfahrer oft überholt. Und wenn dann eine Rechtsabbieger-Fahrspur kommt, dann kommt die Angst, dass man jetzt geschnitten wird von einem Auto, das rechts abbiegen will. Der fette rot angelegte Radfahrstreifen ist mindestens anzulegen, wenn man will, dass der Radverkehr, der gerade ausfährt, nicht von rechts abbiegenden Autofahrern beeinträchtigt wird. Und trotzdem fühlen sich viele Radler auch bei einem so fetten und zusätzlich rot markierten Geradeaus-Radfahrstreifen noch unsicher.

  • Warum bräuchte man überhaupt noch eine Abbiegespur, wenn rechts daneben kein Radweg mehr wäre, gegenüber dem man eine separate Ampelschaltung für Rechtsabbieger einrichten müsste?

    Ich bin mir nicht sicher, ob ich dich richtig verstehe. Rechtsabbieger haben ja in der Regel keine separate Ampelschaltung. Eine separate Spur haben sie trotzdem, und zwar aus einem einzigen Grund: Der Geradeaus-Verkehr darf nicht aufgehalten werden. Rechts neben der Fahrbahn befindet sich, auch wenn kein Radweg vorhanden ist, ja meistens noch ein Gehweg. Der gewissenhafte Abbieger lässt die auf der Furt befindlichen Fußgänger vor dem Abbiegen durch und würde dabei den gleichzeitig freigegebenen Geradeaus-Verkehr "behindern", wenn er nicht mit einer separaten Spur zu Seite beordert würde.

  • Das sieht dann im Extremfall so aus. Ist auch keine Lösung.


    Hier ist auch so eine Lösung. Da steht man dann als kleiner Radfahrer vorne an der Ampel, während rechts daneben in nichtmal 50 cm Entfernung ein 40-Tonner bei Rechtsabbieger-Grün abbiegt. Ich habe jedesmal Sorge, dass ich vom Heck abgeräumt werde und stelle mich deshalb schon links auf den Streifen.


    Ist beides nicht so der Knüller, oder? Bitte frag mich nicht nach besseren Lösungen. Ich habe auch keine.

    Dein erster Link zeigt, dass diese Protestaktion unter Beteiligung von LKW-Fahrern stattgefunden hat. Oder irre ich mich da? Bis auf ein absolutes notwendiges Minimum gehört LKW-Verkehr durch weniger gefahrenträchtige Transportsysteme ersetzt. Ich befürchte, dass die Logistikbranche sich freut über solche Protestaktionen, denn so wird endgültig klar gestellt, das Straßen zuallererst für LKW da sind. Dann spart man sich dann auch den "Abbiege-Assistenten". Genau wie die sechs statt früher mal zwei Rückspiegel sind auch die Abbiegeassistenten "nur" eine gute Verbesserung, aber keine wirkliche Lösung. Aber ein auf Brummiverkehr optimierter Straßenausbau ist erst recht keine Lösung. Du sagst, dass du keine bessere Lösung hast. Dann lass uns doch die guten Lösungen nehmen. Das Bessere ist ohnehin oft der Feind des Guten.