Woche 30 vom 24. bis zum 29. Juli 2018

  • Das Problem ist, dass das heutige Verbot von zu lauter Musik in der Praxis nicht kontrollierbar ist.

    Vor ein paar Tagen habe ich mal versucht, einen Radfahrer anzusprechen. Ich fuhr direkt neben ihm und auch beim zweiten Anlauf mit erhöhter Lautstärker meinerseits hat er überhaupt nichts verstanden.


    Nun kann man über ein Verbot diskutieren. Die wesentlichen Argumente sind ja schnell aufgezählt:

    - Praktisch keine zusätzliche Gefährdung Dritter

    - Sicherheitsgurte sind ja auch Pflicht


    Da wird man wohl zu keinem objektiven Ergebnis kommen.

  • 10% ist also fast jeder?

    Das ist die gleiche Wahrnehmung, mit der "fast jeder" Radfahrer über rot fährt :)


    Aber mal zu Gunsten des Autors: Die Aussagen widersprechen sich ja nichtmal.

    Aussage 1:

    Rein subjektiv "scheint" kaum einer von allen Radfahrern ohne Kopfhörer zu fahren.

    Aussage 2:

    10 % der Jugendlichen fahren mit Kopfhörer.


    Also selbst wenn man die rein subjektive Aussage ernst nimmt, könnte es ja sein, dass praktisch alle Radfahrer die "nicht jugendlich" sind, mit Kopfhörern fahren. Und dann stimmen beide Aussagen.


    Aber irgendwie glaube ich nicht, dass der Autor das so detailliert betrachtet hat und als Beispiel für besonders negatives Verhalten ausgerechnet die Gruppe anführt, die nach seinen Aussagen am wenigsten Kopfhörer tragen :)

  • Ist doch eine gute Idee, das Hörvermögen ist wichtig für die Verkehrssicherheit. Da bestehende Reglungen für Verkehrsteilnehmer wohl nicht aus reichen (da nicht beachtet werden) und man auf Vernunft auch nicht setzen kann muss man halt verbieten.


    Kopfhörer dann aber konsequenter weise für alle Fahrzeuglenker verbieten und nicht nur für Radfahrer. Genau so taub sind Autofahrer aber auch wenn diese ihr Radio zu laut stellen, also bitte auch Autoradios verbieten.

    Doomsday: It's nature's revenge for what we've done (Chris Pohl)

  • Es hat schon Versuche gegeben mit Kofphörer beim Radler versus geschlossenes Auto mit und ohne laufendem Motor. Ohne Radio.


    Bei der Erkennbarkeit einer üblichen Fahrradklingel direkt hinter dem Fahrzeug hat das Auto gegen den Kopfhörer klar verloren, egal, ob der Motor an war oder nicht. Kommt dann noch ein Radio dazu, ist es sowieso vorbei.

    Da müsste man den Kopfhörer schon in Bereiche aufdrehen, die auf Dauer zu Hörschäden führen, um schlechter zu hören als im geschlossenen Auto. Gut, mag es geben.

    Aber man zeige mir das Auto, bei dem man als Radler den Fahrer ohne Blickkontakt ansprechen kann, auch lauter, und der das auch hört. In Fahrt.


    Das ist das gleiche Problem wie mit den Radhelmen. Für Radfahrer Helme verlangen, dabei gibt es in KFZ mehr Kopfverletzte als auf dem Rad. Und im KFZ mit Klimaanlage und ohne körperliche Anstrengung ist ein Helm auch erträglicher als auf dem Rad. Trotzdem wird nur der Radler ins Visier genommen. Sogar die Rettungsdienstler und Chirugen, die regelmäßig dafür plädieren, scheinen die erheblich mehr Kopftraumata bei Insassen von KFZ völlig auszublenden. Die liegen wohl in einer anderen Schublade.

    Und hier bei der akkustischen Verkehrsteilnahme wieder das Gleiche. Dass Führer von KFZ oft schon das Martinshorn schon erst hören, wenn der Rettungswagen bis auf eine Wagenlänge aufgeschlossen hat, wird als gegeben hingenommen. Der Radler aber, der eventuell den Zuruf eines Polizeibeamten aus 15m Entfernung im Verkehrslärm nicht aussortiert bekommt, dem muss man den Kopfhörer abnehmen. Dabei hört der das Martinshorn auf wenigstens 50m Abstand.

    Hintergrund ist wohl eher, dass der Radler mit Kopfhörer eventuell nicht mehr rechtzeitig das Motorengeräusch des KFZ hört, dass ihn gleich darauf zu eng und damit gefährdend überolt oder beim Rechtsabbiegen abschießt. Er kann also nicht mehr für andere aufpassen, dass ihm selber nix passiert, auch wenn er nix falsch macht. Da liegt doch der Hase im Pfeffer. Anstatt an die tatsächlichen Gefährder zu gehen, verlangt man verstärkten präventiven Selbstschutz beim Opfer. Am liebsten noch strafbewehrt. Geht es noch?

  • Aber man zeige mir das Auto, bei dem man als Radler den Fahrer ohne Blickkontakt ansprechen kann, auch lauter, und der das auch hört. In Fahrt.

    Einfach laut genug brüllen, das funktioniert.


    Ich meine aber auch, dass man das Gehör im Straßenverkehr braucht; egal welches Verkehrsmittel.

    Solange Dummheit als plausible Erklärung ausreicht, sollte man keinen Vorsatz annehmen.

  • Gerade als Fußgänger ist man oft nicht auf Sicht, sondern nach Gehör unterwegs. Autos wird immer automatisch Platz gemacht, mit dem Rad dagegen wird man oft einfach überhört (sofern man nicht klingelt oder ruft). Dafür braucht es nicht einmal Kopfhörer. Andererseits geht von Fußgängern in der Regel keine allzu große Betriebsgefahr aus...

  • Gerade als Fußgänger ist man oft nicht auf Sicht, sondern nach Gehör unterwegs. Autos wird immer automatisch Platz gemacht, mit dem Rad dagegen wird man oft einfach überhört (sofern man nicht klingelt oder ruft). Dafür braucht es nicht einmal Kopfhörer. Andererseits geht von Fußgängern in der Regel keine allzu große Betriebsgefahr aus...

    Bin schon wegen eines Fußgängers, der urplötzlich "blind" die Mönckebergstraße querte (ohne sich umzuschauen), vom Rad gestürzt, und hatte eine Prellung behalten.

  • Es werden natürlich viel mehr Kilometer mit dem KFZ als mit dem Rad gefahren.

    Ich würde mal schätzen, mindestens das 20-fache (vielleicht 10% am Modal Split, mittlere Wegstrecke aber wesentlich länger).

    Das ergibt nach der Quelle grob das 20-fache Risiko einer Kopfverletzung auf dem Rad verglichen mit dem Auto.

  • Es sollte aber auch darum gehen, die absoluten Zahlen runterzukriegen. Da ist dann relativ unwichtig, wie viel mit welchem Verkehrsmittel gefahren wird, sondern alleine, wie viele Verletze / Tote es bei dem Verkehrsmittel gibt.


    Und da ist bei den Automobilinsassen einfach das meiste zu erreichen. Die paar Radfahrer und Fußgänger fallen nicht ins Gewicht ;)

    Solange Dummheit als plausible Erklärung ausreicht, sollte man keinen Vorsatz annehmen.

  • Es sollte aber auch darum gehen, die absoluten Zahlen runterzukriegen.

    Jede Maßnahme sollte nach ihrem Aufwand-Nutzen-Nebenwirkungs-Verhältnis bewertet werden. Und die mit dem besten Verhältnis sollten umgesetzt werden.

    Das ist ganz sicher kein einfacher Prozess, aber zumindest einer, bei dem bei guter Ausführung die Zahl der Verkehrstoten zu möglichst geringen gesellschaftlichen Kosten reduziert wird.


    In der aktuellen postfaktischen Landschaft ist das aber natürlich leider nur eine Träumerei, sollte aber die Richtschnur für politisches Handeln sein.