Verkehrsclub Deutschland

  • Ich war mal ein paar Jahre Mitglied, ist aber schon lange her. Bin damal nur deshalb raus, weil m.E. das Thema Radverkehr zu wenig Raum bekam. Welche Art von Erfahrungen meinst Du?

    "Terrorismus ist der Krieg der Armen und der Krieg ist der Terrorismus der Reichen" 
    Peter Ustinov

  • Naja, in der Selbstdarstellung nimmt der Radverkehr viel Raum ein.


    Welche Erfahrungen mich interessieren würden: Meinen die es ernst, was sie schreiben (die Frage meine ich durchaus wohlwollend)? Ist da eine poltische Partei überrepräsentiert? Laufen da viele Spinner rum? Oder Leute, die hauptsächlich ihr ökologisches Gewissen beruhigen wollen (aber mit dem SUV zum Stammtisch fahren)?


    Naja, ich werde das wohl nur durch Selbstversuch herausfinden...

  • Meine Erfahrung mit dem VCD:
    Zu viel Schmusekurs mit der Autolobby. Aber Bitteschön für meinen Geschmack. Es ist gut, dass wer auch diese Position vertritt, die der VCD vertritt (so eine Art Kretschmer-Haltung), aber die VCD-Haltung ist stets auch davon motiviert, bloß nicht allzu deutlich gegen den "Fetisch Auto" Stellung zu beziehen, denn man will ja die autofahrenden Mitglieder nicht all zu sehr verschrecken.
    Und mir ist es allemal lieber, wenn wer beim VCD mitmacht, als wenn wer beim ADAC Mitglied ist.
    Die Verbandszeitschrift fairkehr ist lesenswert!

  • Ich bin da auch im VCD Mitglied. Ich habe die Arbeit die der VCD gegen Stuttgart21 gemacht hat für sehr wertvoll und sachlich gehalten. Das Magazin ist in der Regel tatsächlich lesenswert. Die Ansichten sind eher "Realpolitisch" und der Fokus liegt, wie ich finde, sehr auf "Vernetzter" Mobilität. Viele Themen sind Bahnlastig. Das finde ich persönlich aber auch ganz gut.
    Der VCD ist befürwortet "Realpolitisch" z.B. die blauen Plakette und so. Ich halte das für Augenwischerei und finde es auch ein wenig zu kurz gedacht (Meiner Meinung nach gehört Befahren von Ballungsräumen grundsätzlich und massiv mit einer Maut belegt und die Steuern auf Kraftstoffe für KFZ und LKW drastisch erhöht um ÖPNV und Schienengüterverkehr massiv zu fördern) aber ist eben umsetzbar. Von daher finde ich die Arbeit zumindest unterstützenswert. Ganzheitliche Verkehrskonzepten gehören hoffentlich die Zukunft.

  • Ich bin nun auch seit einigen Monaten im VCD Mitglied, habe allerdings außer der Mitgliederzeitschrift und den üblichen Pressemitteilungen, die man so im Internet lesen kann, noch nichts mitbekommen. Rein vom Gefühl her, ohne dass ich das konkret benennen könnte, halte ich deren Standpunkte für sinnvoller als die des ADACs.

  • Um der Konkretheit auf die Sprünge zu helfen:


    Für eine umwelt- und sozialverträgliche, sichere und gesunde Mobilität

    Der VCD arbeitet seit 1986 als gemeinnützige Organisation für eine umwelt- und sozialverträgliche, sichere und gesunde Mobilität. Dabei wird von über 55.000 Mitgliedern und Spender/-innen unterstützt, die seine Arbeit für eine zukunftsfähige Verkehrspolitik ermöglichen. Als ökologischer Verkehrsclub konzentriert er sich nicht allein auf einen reibungslosen Autoverkehr, sondern fördert ein sinnvolles Miteinander aller Verkehrsmittel.


    https://www.vcd.org/themen/radverkehr/

  • Ich bin nun auch seit einigen Monaten im VCD Mitglied, habe allerdings außer der Mitgliederzeitschrift und den üblichen Pressemitteilungen, die man so im Internet lesen kann, noch nichts mitbekommen. Rein vom Gefühl her, ohne dass ich das konkret benennen könnte, halte ich deren Standpunkte für sinnvoller als die des ADACs.

    Ich hätte dich ja eher im ADFC vermutet.

    Der ADAC-Standpunkt ist doch eigentlich ganz klar: Zuerst kommt das Auto, dann kommt gaaaaaanz lange nichts und dann kommt vielleicht irgendwo unter ferner liefen und Sonstiges auch noch so ein bisschen das Fahrrad. Aber eigentlich nur deshalb, weil der ADAC damit so tun will, als ob er auch die Interessen anderer Verkehrsteilnehmer verträte.

    Der ADFC hat zumnindest vom Namen her einen entgegengesetzten Ansatz. Allerdings vermisse ich häufiger dann den Kampfgeist, wenn es konkret wird.


    Der VCD versucht beiden gerecht zu werden, Autofahrern und Radfahrern, was meines Erachtens nicht wirklich möglich ist. Aber natürlich im Alltag kommen beide vor und außerdem auch noch Fußgänger und ÖPNV-Nutzer, da ist der VCD breiter aufgestellt als der ADFC.

  • Es kann kein "sinnvolles Miteinander" von Autoverkehr im herkömmlichen Sinne mit dem Rad- und Fußverkehr und dem ÖPNV geben. Dazu beansprucht der herkömmliche Autoverkehr einfach viel zu viel Platz.

  • ADFC fällt flach wegen Mitgliederstruktur und verbissenem Kampf für noch mehr Radwege, egal, wie schlecht, Beibehaltung bisheriger Radwege, egal wie schlecht, und bloß keine Radfahrer auf der Fahrbahn.

    Und wegen Schwanz einziehen, wenn der Wind von Vorne kommt. In Berlin mussten sie imho zum Jagen getragen werden.

  • Ich bin seit Jahren im ADFC und kann diese Einschätzung nicht komplett teilen.

    Bin aber auch mangels Zeit nur passiv.

    „Zeigen wir dem staunenden Ausländer einen neuen Beweis für ein aufstrebendes Deutschland, in dem der Kraftfahrer nicht nur auf den Autobahnen, sondern auf allen Straßen durch den Radfahrer freie, sichere Bahn findet.“ (Reichsverkehrsministerium, 1934)

  • Doch der ADFC ist als "der" Fahrradverein nicht mehr haltbar. Es hat angefangen, als Syberg sein Verkehrspolitisches Programm durchgedrückt hat. Als Indiz nur soviel: Auf gut 30 Seiten Programm kommen die Begriffe Fahrbahn und Mischverkehr nur an 2 Stellen vor. Einmal ging es um Kinder, die ja den Fussweg nehmen müssen und an der anderen Stelle wurde es auch geschafft, den Bogen zu Radwegen zu finden. Es war auch ein hartes Stück Arbeit, die Ablehnung der Benutzungspflicht überhaupt da rein zu bekommen.


    Das Bild hat sich auch danach konsistent geschärft:

    Es wurde begrüßt, dass die Hürden für die Benutzungspflicht gesenkt wurden. Genuagenommen haben sich Syberg und Konsortien für ihre Unterstützung dafür gefeiert.

    Das Fahren im Mischverkehr gilt als jahrzehntelang überholte Ideologie.

    Die Gefahren der Radwege werden bewusst nicht thematisiert, um die eigene Linie nicht zu gefährden.


    Alles in Allem ist der ADFC eher als Gefahr für Radfahrer und den Radverkehr zu sehen.

  • In diesem VC-Fahrbahn-Promoter-Forum bist du mit dieser Ansicht sicher in der Mehrheit. ;-) Ich teile meinen früheren pauschalen Fahrbahn-Enthusiasmus schon lange nicht mehr und sehe das Ganz etwas differenzierter. Es geht mir um die Steigerung der Radfahrer_innen-Quote. Und dann kann ich nicht ignorieren, dass eine große Mehrheit nicht gern auf der Fahrbahn fährt. Und ja, auch wenn es für einige hier ein rotes Tuch ist: Seit ich mit eigenen Kindern fahre und auch die Ängste älterer Menschen kenne, hat sich meine Ansicht ausdifferenziert. Siedle mich meinetwegen in der Mitte an zwischen Kai Ammer ( bettercycling ?) und der Mehrheitsmeinung hier.


    Was mich stört: Anstatt an einem Strang zu ziehen gegen MIV-Primat und Co., beharken sich die Mini-Fraktiönchen lieber selbst in endlosen Debatten, anstatt die Kräfte zu bündeln.

    Ich finde den Dogmatismus (so erlebe ich es öfter) auf beiden Seiten (sind im Grunde ja grob 2) manchmal einfach nur noch ermüdend, destruktiv und nervend.

    Und bitte, bitte, jetzt nicht mit Argumenten und Statistiken pro Fahrbahn kommen. Ich bin mir sicher, ich kenne sie. Wer mir ein neues nennt, dem gebe ich einen aus.

    Und nein, ich mag deshalb nicht alternative Fakten, bin aber der Ansicht, dass die Steigerung des Radverkehrsanteils oberste Priorität haben muss, da dieser bewiesenermaßen signifikant die Sicherheit für "Radlinge" steigert. Sekundär ist dann die Frage, wo Rad gefahren wird.


    Und vor diesem Hintergund trete ich eben in den einzigen Fahrradclub ein, den es gibt, bzw. bleibe Mitglied.

    „Zeigen wir dem staunenden Ausländer einen neuen Beweis für ein aufstrebendes Deutschland, in dem der Kraftfahrer nicht nur auf den Autobahnen, sondern auf allen Straßen durch den Radfahrer freie, sichere Bahn findet.“ (Reichsverkehrsministerium, 1934)

  • Es ist ja zu begrüßen, wenn mehr ordentliche Radwege geschaffen werden, um unsichere und ängstliche Menschen auf das Rad zu bringen.

    Traurig ist es dann aber, wenn pro Jahr ne ordentliche Strichliste der Radwegnutzer von abbiegenden KFZ an den unsicher gestalteten Knotenpunkten plattgefahren werden. Das dämpft den Enthusiasmus, es doch mal mit dem Radfahren zu probieren, auch etwas ein.

    Und völlig Banane ist es, sichere Fahrbahnradler auf unsichere Radwege zwingen zu wollen.


    Letztlich ist der ADFC dominiert von Freizeitradlern. Die Radler, die einfach schnell und sicher von A nach B radeln wollen, sind unterrepräsentiert und imho untergebuttert.


    In der Tat ist es auch schade, dass sich die Fraktionen untereinander bekriegen. Der MIV schaut zu und grinst.

  • In diesem VC-Fahrbahn-Promoter-Forum bist du mit dieser Ansicht sicher in der Mehrheit. Ich teile meinen früheren pauschalen Fahrbahn-Enthusiasmus schon lange nicht mehr und sehe das Ganz etwas differenzierter. Es geht mir um die Steigerung der Radfahrer_innen-Quote. Und dann kann ich nicht ignorieren, dass eine große Mehrheit nicht gern auf der Fahrbahn fährt.

    Ich gebe hier nochmals wie schon vor Jahren irgendwie in diesem Forum meine These zu bedenken, dass in autogerechten Städten ohne nennenswerte Radverkehrsanlagen, wie z.B. Bochum, Essen, Hagen, usw., wo mangels Radverkehrsanlagen und daher wegen alternativlosem Fahrbahnbenutzungszwang nur sehr geringe Radverkehrsanteile im niedrigen einstelligen Bereich zu verzeichnen sind. Alle Extrem- VC-Liebhaber sollten vielleicht dorthin ziehen und den Radverkehrsanteil dort erhöhen, damit sich das Verkehrsklima zugunsten der Radfahrer dort verbessert.

  • Es geht mir um die Steigerung der Radfahrer_innen-Quote. Und dann kann ich nicht ignorieren, dass eine große Mehrheit nicht gern auf der Fahrbahn fährt.

    Diejenigen, die schon fahren, kannst Du nicht meinen. Mit denen kann man die Quote nicht mehr steigern. Also meinst Du diejenigen, die noch nicht fahren. Radverkehrspolitik für Nichtradfahrer also.

    Und was passiert, nachdem Radwege gebaut wurden? Dann ist das Wetter zu schlecht, der Weg zu weit, ... Wer will, findet Wege; Wer nicht will, findet Gründe.

    Denkst Du auch an die Radfahrer? Die sterben nämlich auf den Radwegen.

    Was mich stört: Anstatt an einem Strang zu ziehen gegen MIV-Primat und Co., beharken sich die Mini-Fraktiönchen lieber selbst in endlosen Debatten, anstatt die Kräfte zu bündeln.

    Du meinst, wenn man gemeinsam in die falsche Richtung rudern, kommt man schneller an?

    Und nein, ich mag deshalb nicht alternative Fakten, bin aber der Ansicht, dass die Steigerung des Radverkehrsanteils oberste Priorität haben muss, da dieser bewiesenermaßen signifikant die Sicherheit für "Radlinge" steigert. Sekundär ist dann die Frage, wo Rad gefahren wird.

    Dann quantifiziere doch mal den Safety in Numbers Effekt und den der Radwege und überschlage, welchen Radverkehrsanteil man bräuchte, um den Sicherheitsgewinn von Radwege auszugleichen.

    Und schätze auch mal, wie viel Radverkehr man mit Radwegen gewinnt.


    Letztlich ist der ADFC dominiert von Freizeitradlern. Die Radler, die einfach schnell und sicher von A nach B radeln wollen, sind unterrepräsentiert und imho untergebuttert.

    In der Präsybergzeit haben sich die Fraktionen im ADFC gegenseitig praktisch ignoriert. Da konnte man noch vernünftige Verkehrspolitik machen. Der Schwund an Fachwissen im ADFC ist jedoch zur Zeit enorm. Die letzten Aktionen von Syberg & Komplizen haben selbst hartgesottene zum Ausstieg veranlasst.

    In der Tat ist es auch schade, dass sich die Fraktionen untereinander bekriegen. Der MIV schaut zu und grinst.

    Der freut sich am meisten, wenn auf die ADFC-Linie eingeschenkt wird.

    Zu Kaisers Zeiten wurden Radwege noch für Radfahrer gebaut, dem Komfort wegen.

    Mit Einsetzen der Massenmotorisierung hat sich das entscheidend geändert. Und zu Beginn wurde auch der Grund noch offen kommuniziert: Die Leichtigkeit der Kraftverkehrs. Radwege und die Benutzungspflicht (also die ADFC-Linie) dienen den Kraftfahrern.

    Manche Radfahrer mögen Radwege mögen, aber sie nutzen Radfahrern nichts. Sie nutzen den Kraftfahrern.

  • Und da haben wir sie wieder - die angesprochene (billige) Polemik. Q. e. d. Und EOD für mich hier.

    „Zeigen wir dem staunenden Ausländer einen neuen Beweis für ein aufstrebendes Deutschland, in dem der Kraftfahrer nicht nur auf den Autobahnen, sondern auf allen Straßen durch den Radfahrer freie, sichere Bahn findet.“ (Reichsverkehrsministerium, 1934)

  • Mit dem Bauen von Radwegen ist es nicht getan. Das allein sorgt nicht für höhere Radverkehrsanteile wie man an diesem Beispiel aus England sieht.


    Was bei bei Radverkehrsanlagen vor allem stört, ist die damit Üblicherweise verbundene Benutzungspflicht. Selbst die laut Gesetzestext nicht benutzungspflichtigen Schutzstreifen werden durch autofahrende Rechtsverdreher wegen Rechtsfahrgebot zu benutzungspflichtigen Wegen erklärt.


    Des Autorasers liebstes Feindbild sind dann auch nicht die Radwege benutzende Radrennfahrer.