Die Gretchenfrage: Wie habt ihr’s mit dem Helm?

  • Herrje... :rolleyes:

    Zitat

    Immer häufiger müssen sich Radfahrende, zu Fuß Gehende und Autofahrende den Straßenraum teilen.

    Immer häufiger? War das mal anders? Wurden zuletzt Kraftfahrstraßen und Autobahnen aufgehoben oder zurück gebaut, so dass sich Autofahrer den Straßenraum jetzt mit Fußgängern und Radfahrern teilen müssen? Oder wurden Fußgängerzonen aufgehoben und als Shared Spaces für den Rad- und Autoverkehr freigegeben?

    Zitat

    Die Sicherheit aller am Straßenverkehr Beteiligten steht im Fokus unserer Kampagne Radverkehr. 2025 setzen wir den Fokus auf "Abstand" und "Helm tragen".

    Es geht also wieder einmal nicht um Sicherheit, sondern um scheinbare und gefühlte Sicherheit. Die eigentlichen Probleme werden nicht adressiert, dass Radfahrer auf ungeeignete und unsichere Wege gezwungen werden oder massenweise freiwillig dort fahren. Thema verfehlt, liebe Verkehrswacht.

  • Immer häufiger? War das mal anders?

    Vorsicht, billiger Sprachtrick. Das war tatsächlich mal anders, so vor 110 Jahren.

    Natürlich unterschlägt der Sprachzerstörer, das Radfahrer und Fußgänger sich „den Straßenraum teilen“ müssen, zudem noch einen viel zu kleinen Straßenraum, zudem noch einen von Jedermann für jeden beliebigen Zweck okkupierten Straßenraum.

    Übersetzung: „Immer häufiger müssen sich Angezogene, Nackte und Hunde den Badestrand teilen.“, als wenn der FKK-Abschnitt, stets minderer Qualität, nicht sowieso schon von den Textilträgern genutzt würde. Wie bei „Radwegen“ beschweren sich letztere mitunter auch noch über die anwesenden Nackten. Unterschied: Nur bei einer Gruppe werden die Beschwerden und das „Teilen“ regelmäßig medial breitgetreten. Wahrscheinlich, weil Hunde kein Sprachrohr haben.

    Nur wer resigniert hat, benutzt noch Radwege.

  • Ich hatte bei der Verkehrswacht nachgefragt, und unter anderem dafür plädiert, dass sich die Verkehrswacht stärker für ein generelles Tempo 30 innerorts einsetzen möge, anstatt eine Helm-Kampagne mit sexistischen Frauenbildern zu garnieren.

    In der Antwort heißt es, die Helmkampagne sei nicht sexistisch und als Beleg wird auf zwei weitere Fotos hingewiesen, die angeblich immer zusammen gezeigt würden mit dem Foto, auf das ich speziell hingewiesen hatte. Außerdem sei die Frau nicht in Unterwäsche dargestellt worden, so wie das damals bei Scheuers Helm-Kampagne geschehen sei.

    Dieses Foto hatte ich besonders kritisiert:

    https://www.landesverkehrswacht.de/fileadmin/user_upload/LVW/Projekte_Kampagnen/2025/908_040_010_WM_Banner_Sexy.jpg

    „Mit Helm mehr Boah“, das ist das hier:

    https://www.landesverkehrswacht.de/fileadmin/user_upload/LVW/Projekte_Kampagnen/2025/908_040_010_WM_Banner_Boah.jpg

    und „Oben ohne ist Out“: Habe ich auf der Verkehrswacht-Internetseite nicht gefunden, aber auf einer facebook-Seite:

    Bei Facebook anmelden

    Mein Eindruck ist, die Verkehrswacht ist selbst auch nicht so recht glücklich über das, was die beauftragte Werbeagentur geliefert hat, will das aber nicht rundheraus zugeben.

    Ach ja: Zu Tempo 30 Regelgeschwindigkeit innerorts sagt die Verkehrswacht in ihrer Antwort-E-Mail, dass das klare Beschlusslage sei und bereits gefordert würde, aber die Umsetzung außerhalb ihres Einflussbereiches sei.

    Hat denn noch wer die Verkehrswacht, Landesverband Niedersachsen, angeschrieben und Antworten erhalten?

  • Die niederländische Regierung hat einen formellen Vorschlag zur Helmpflicht für alle E-Bike-Fahrer unter 18 Jahren angekündigt. Dieser Gesetzesvorschlag folgt dem wachsenden öffentlichen und politischen Druck, die steigende Zahl von Verletzungen im Zusammenhang mit sogenannten „Fatbikes“ anzugehen. Dabei handelt es sich um E-Bikes mit schweren Rahmen und breiten Reifen, die oft so umgebaut werden, dass sie ohne Tretunterstützung und mit Geschwindigkeiten über dem E-Bike-Limit von 25 km/h fahren – wodurch sie faktisch zu illegalen Motorrädern werden.

    Ein zentrales Anliegen der Regierung ist die Schwere der Vorfälle; Statistiken zeigen, dass traumatische Hirnverletzungen bei jungen E-Bike-Fahrern rapide zugenommen haben.

    Europäischer Verkehrssicherheitsrat vom 29.1.2026

    Dutch government proposes mandatory helmets for e-bike riders under 18
    The Dutch government has announced a formal proposal to mandate helmet use for all electric bicycle riders under the age of 18. This legislative move follows…
    etsc.eu

    Wenn es so kommt, wie es in der angegebenen Quelle berichtet wird, dann kommt die Helmpflicht dadurch zustande, dass Pedelecs manipuliert werden. (Höheres Tempo als für Pedelecs zugelassen, Fahren ohne Tretunterstützung):(

    Warum ist es so schwer, diese unzulässigen Manipulationen zu unterbinden? Und hilft stattdessen eine Helmpflicht? Das bezweifle ich sehr.

  • Und hilft stattdessen eine Helmpflicht? Das bezweifle ich sehr.

    Helmpflicht tötet Zweiradnutzung, wie man am abrupten Rückgang der Mofanutzung nach Beschluss der Helmpflicht erkennt und was auch der Grund dafür ist, dass Speedpedelecs kaum genutzt werden. Also ja, die Helmpflicht würde die frisierten Fatbikes wieder aus dem Markt drängen. Ob das allerdings der Verkehrssicherheit dienen würde, ist fraglich. Da es sich um Mofaflüchtlinge handelt, wäre („wenn schon Helm, dann auch gleich richtiges Kraftrad“) eher der Aufstieg in die viel gefährlicheren Moped- und Motorradklassen wahrscheinlich.


    Einmal editiert, zuletzt von Th(oma)s (5. März 2026 um 08:11)

  • Es ist also so, dass potentielle Nutzer von Fatbikes eher die Helmflicht befolgen würden als das Frisieren Ihrer Fahrzeuge zu unterlassen?

    Die jüngeren Nutzer werden zum weiter helmlosen "gewonde fiets" (herkömmliches Fahrrad) zurückkehren, die älteren werden aber weitgehend zum Kleinkraftrad wechseln. Dann hat man zwar weiter den blöden Helm an der Backe, ist aber dafür erstmal legal mit 45 unterwegs, und frisieren kann man die Dinger ja dann auch immer noch...

  • Die jüngeren Nutzer werden zum weiter helmlosen "gewonde fiets" (herkömmliches Fahrrad) zurückkehren, die älteren werden aber weitgehend zum Kleinkraftrad wechseln. Dann hat man zwar weiter den blöden Helm an der Backe, ist aber dafür erstmal legal mit 45 unterwegs, und frisieren kann man die Dinger ja dann auch immer noch...

    Deine Vermutung wird in diesem NRZ-Artikel, "Gefährliche E-Bikes - Terror auf dem Radweg: Amsterdam verbannt Fatbikes aus bekanntem Park", vom 3.3.26 bestätigt: "Eine Hoffnung ist nun, dass eine Helmpflicht dem Fatbike-Hype ein Ende bereiten könnte. Viele verweisen auf gute Erfahrungen mit der Helmpflicht für Mofafahrer. Mit einer Helmpflicht könnte das Fatbike nicht mehr hip sein, vermutet auch der Verkehrsjurist Groenewegen: „Ein Helm bringt die Frisur durcheinander, das kann für junge Leute eine Hürde sein.“ (dpa)

    Terror auf dem Radweg: Amsterdam verbannt Fatbikes aus bekanntem Park
    Immer mehr niederländische Fahrradfahrer steigen auf rasante Fatbikes um – und werden zum Sicherheitsrisiko. Jetzt greift die Stadt Amsterdam durch.
    www.nrz.de

    In dem Artikel wird aber nicht erwähnt, dass die Helmpflicht nur für die unter 18-jährigen gelten soll. Ältere Jugendliche und Erwachsene würden weiterhin Pedelec ohne Helm fahren können. Mir gefällt es ganz und gar nicht, dass anscheinend nichts unternommen wird, um die eigentliche Ursache für die manipulierten Pedelecs und daraus resultierende Helmtrage-Initiative zu bekämpfen. Pedelecs, besonders solche mit breiten Reifen, werden in den Niederlanden offensichtlich beliebig manipuliert und die Manipulationen bleiben unentdeckt und es wird nicht versucht durch Kontrollen diese Fehlnutzung einzustellen oder durch technische Entwicklungen die Manipulationsmöglichkeiten zu unterbinden.

    Leider habe ich auch in Hannover schon mehrfach solche Pedelecs beobachtet, die ohne Tretbewegung mit hoher Geschwindigkeit gefahren werden (über 25 km/h). Damit meine ich keine Speed-Pedelecs, sondern solche Pedelecs, für die man kein Nummernschild braucht und die eigentlich nicht schneller als 6 km/h mit der Schiebehilfe fahren können dürfen, wenn nicht pedaliert wird.