Woche 24 vom 13. bis zum 19. Juni 2022

  • Ich fürchte, dass die aus dieser Vollbremsung resultierenden politischen, sozialen und ökologischen Verwerfungen keineswegs geringer sein werden, als wenn wir uns von der Kontrollillusion verabschieden, gar nichts machen und den Dingen einfach ihren Lauf lassen. Was uns bevorsteht, wenn wir ernst machen würden mit dem CO2-Sparen, kann man gerade dank der Ukraine-Krise und der gegenseitigen Wirtschafts- und Rohstoff-Embargos erahnen.

    Es ist richtig, dass wir keine Chance mehr haben, gut aus der Sache herauszukommen. Aber muss man deshalb 100m vor der Mauer noch weiter Vollgas geben, weil man es nicht mehr schafft, davor unbeschadet zum Stehen zu kommen?


    Die Vorstellung, dass wir irgendwie mit den Folgen des Klimawandels klarkommen könnten, ist illusorisch. Die globale Temperatur wird weiter steigen, solange wir mehr CO2 in der Atmosphäre anreichern. Es geht dabei nicht um die Frage, wie hoch das Wirtschaftswachstum künftig ausfallen wird, sondern ob wir es schaffen, unter diesen Bedingungen die menschliche Zivilisation zu erhalten.


    Wenn wir so weitermachen wie bisher, landen wir am Ende dieses Jahrhunderts eher bei +4°. Das wird im wahrsten Sinne des Wortes apokalyptisch. Nicht, weil man in unseren Breiten dann nicht mehr überleben kann, sondern weil man es in anderen Regionen nicht mehr kann, darunter mit Indien und Pakistan zwei Atommächte, zwischen denen es schon seit langem Spannungen gibt. Auch in anderen Regionen wird der Klimawandel bereits bestehende Konflikte weiter verschärfen oder neue Konflikte, Kriege und Fluchtbewegungen hervorrufen. Das wird unser eigentliches Klimawandel-Problem, das sich jetzt bereits abzeichnet und das sich in den kommenden Jahren immer weiter verschärfen wird.


    Dass der Verteilungskampf um Rohstoffe weiter zunehmen wird, ist davon unberührt und keine Frage von Klimawandel oder Klimaschutz. Auch wenn wir zumindest bei der Energieversorgung unsere Abhängigkeiten reduzieren (nicht vollständig aufheben) können, wird das aber auch auf der anderen Seite zu einem Verteilungskampf der Förderländer führen, ihr Öl und Gas weiter loszuwerden.


    Der Anstieg des Meeresspiegels wird im Vergleich dazu in diesem Jahrhundert vermutlich noch ein geringeres Problem sein, aber langfristig sind die tiefliegenden Küstenregionen bereits jetzt dem Untergang geweiht, da auch bei der schon erreichten Erwärmung der Meeresspiegel langfristig um 4-5m steigen wird (umso schneller und höher, je wärmer es wird). Bitte mal kurz nachdenken, welche wirtschaftlichen Folgen das haben wird.


    Schön wird das alles nicht werden.

  • Ich fürchte, dass die aus dieser Vollbremsung resultierenden politischen, sozialen und ökologischen Verwerfungen keineswegs geringer sein werden, als wenn wir uns von der Kontrollillusion verabschieden, gar nichts machen und den Dingen einfach ihren Lauf lassen.

    Die Wissenschaft ist sich ziemlich einig, dass die Folgen des Klimawandels wesentlich teurer werden als dessen Vermeidung. Das Problem ist mMn ein anderes:

    Jeder einzelne Mensch hat nur einen verschwindend geringen Anteil am Klimawandel. Und deshalb kann jeder hoffen, dass jemand anderes das Problem löst.

  • Jeder einzelne Mensch hat nur einen verschwindend geringen Anteil am Klimawandel. Und deshalb kann jeder hoffen, dass jemand anderes das Problem löst.

    Das ist eine der Schwierigkeiten: Der individuelle Anteil ist gering und daher kann es niemand alleine aufhalten. Wenn aber alle darauf warten, dass erst einmal alle anderen handeln, handelt niemand.


    Die Denkweise lässt sich dann auch auf einzelne Sektoren übertragen, deren Anteil geringer ist als bei anderen. Es gibt aber nicht den einen einzigen Hebel, mit dem man das komplette Problem lösen kann und daher müssen alle Sektoren ihren Beitrag leisten.


    Darüber hinaus gibt es Dinge, die man als Individuum nicht beeinflussen kann (allenfalls -und wenn überhaupt- indirekt durch Wahlen), sondern wo sich Rahmenbedingungen ändern müssen. Das wurde viel zu lange und wird immer noch versäumt und daher wird es immer schwieriger, weil sich immer mehr in immer kürzerer Zeit ändern müsste, was dann vor allem wegen der Kurzfristigkeit für Verwerfungen sorgt. Wenn man jetzt am besten sofort wegen des Ukraine-Krieges von russischen Öl- und Gasimporten unabhängig werden möchte, ist das natürlich etwas anderes, als wenn man spätestens 1997 nach Abschluss des Kyoto-Protokolls damit begonnen hätte, die Treibhausgasemissionen zu senken.


    Ein weiteres Problem besteht darin, dass die Folgen des Klimawandels zeitlich und räumlich weit entfernt scheinen und man glauben möchte, dass es einen selbst nicht betreffen wird, sondern andere. Oder dass es reicht, Gegenmaßnahmen zu ergreifen, wenn das Problem groß genug geworden ist, dass es sich nicht mehr leugnen lässt.


    Dann kommt hinzu, dass sich Viele das Ausmaß der Folgen einfach nicht vorstellen können. Die Klimakatastrophe wird ja auch kein singuläres Ereignis sein, bei dem auf einmal alle Meere über die Ufer treten und alle Wälder gleichzeitig brennen wie in einem Hollywood-Blockbuster. Das wird in Zukunft nur immer häufiger passieren. Wir werden uns immer mehr daran gewöhnen und uns einreden, dass das ja schon immer passiert ist und ohnehin nicht zu ändern war. Spätestens, wenn die ersten Kipppunkte überschritten sind, würde das zum Teil sogar stimmen.


    Die größte Blockade dürfte aber bei vielen Menschen darin bestehen, Gewohnheiten nicht ändern zu können. Ich gebe der Menschheit daher keine große Chance und bin froh, dass ich keine Kinder habe, denen ich das mal erklären müsste.

  • Abzocke! Absichtliches Parken auf dem "Radweg" kostet 55,- EUR.

    Bonn: Baskets-Fan fühlt sich wegen Knöllchen von der Stadt abgezockt (ga.de)

    Drei Herzchen für die Antwort der Stadt:


    Zitat

    „Wie den Aussagen des Lesers zu entnehmen ist, war diesem bekannt, dass er dort nicht parken darf. Daher bedarf es keiner Ankündigung, denn ein Vertrauen im Unrecht kann es nicht geben. Es muss und soll zu jeder Zeit mit entsprechenden Kontrollen gerechnet werden.“

  • Es geht dabei nicht um die Frage, wie hoch das Wirtschaftswachstum künftig ausfallen wird, sondern ob wir es schaffen, unter diesen Bedingungen die menschliche Zivilisation zu erhalten.

    Der ökologische Umbau erfordert gigantische Investitionen. Am Ende dieses Umbaus muss das Ende der zins- und investitionsorientierten Geldwirtschaft stehen, denn Kapital kann nur durch "dreckige" Mehrwertschöpfung aus dem Nichts erzeugt werden. All die staatliche Zuschüsse und Steuererleichterungen zur Lenkung der industriellen Entwicklung, direkte staatliche Investitionen, Investitionen durch die Unternehmen selbst, Kredite, Forschungsgelder etc. sind zwingend auf sprudelnde (Steuer-)Einnahmen angewiesen. Leider wird die Beschaffung dieser Mittel um so schwieriger, je größer und je rascher der Erfolg der Maßnahmen im Hinblick auf den ökologischen Umbau eintritt, und je geringer durch den vollzogenen Wechsel zur Kreislaufwirtschaft die Generierung von weiteren Überschüssen ausfällt.

  • Abzocke! Absichtliches Parken auf dem "Radweg" kostet 55,- EUR.

    Bonn: Baskets-Fan fühlt sich wegen Knöllchen von der Stadt abgezockt (ga.de)

    Der Stellungnahme der Stadt ist nichts hinzuzufügen, finde ich sehr gut:


    "Vom Presseamt heißt es zu dem Vorfall in einer E-Mail: „Das Parkverhalten wurde nicht geduldet, aber natürlich können Kontrollen nicht immer und überall stattfinden.“ Es gebe auch keine geänderte Handhabung. „Wie den Aussagen des Lesers zu entnehmen ist, war diesem bekannt, dass er dort nicht parken darf. Daher bedarf es keiner Ankündigung, denn ein Vertrauen im Unrecht kann es nicht geben. Es muss und soll zu jeder Zeit mit entsprechenden Kontrollen gerechnet werden.“


    Quelle: a. a. O.

    „Zeigen wir dem staunenden Ausländer einen neuen Beweis für ein aufstrebendes Deutschland, in dem der Kraftfahrer nicht nur auf den Autobahnen, sondern auf allen Straßen durch den Radfahrer freie, sichere Bahn findet.“ (Reichsverkehrsministerium, 1934)

  • Drei Herzchen für die Antwort der Stadt:

    Wir hatten denselben Gedanken. Tut mir leid; habe geantwortet, ohne den Strang zu Ende zu lesen.

    „Zeigen wir dem staunenden Ausländer einen neuen Beweis für ein aufstrebendes Deutschland, in dem der Kraftfahrer nicht nur auf den Autobahnen, sondern auf allen Straßen durch den Radfahrer freie, sichere Bahn findet.“ (Reichsverkehrsministerium, 1934)

  • Am Ende dieses Umbaus muss das Ende der zins- und investitionsorientierten Geldwirtschaft stehen

    Wie soll denn deiner Meinung nach die zins- und investitionsorientierte Geldwirtschaft auf einem um 3-4° wärmeren Planeten funktionieren, wenn es in Indien, wo derzeit schon über 1 Milliarde Menschen leben im Jahr >200 potenziell tödliche Hitzetage gibt?


    Oder noch grundsätzlicher und unabhängig vom Klimawandel: Wie soll ein System, das auf ständiges Wachstum ausgerichtet ist, mit begrenzten Ressourcen dauerhaft funktionieren? Es führt doch auf Dauer kein Weg an einem nachhaltigen System vorbei und je länger man den notwendigen Wandel verzögert, desto schwieriger wird er.

  • Wie soll denn deiner Meinung nach die zins- und investitionsorientierte Geldwirtschaft auf einem um 3-4° wärmeren Planeten funktionieren, wenn es in Indien, wo derzeit schon über 1 Milliarde Menschen leben im Jahr >200 potenziell tödliche Hitzetage gibt?

    Ich habe ja nicht behauptet, dass das funktioniert. Ich sage: das Gegensteuern ist entweder nutzlos oder aber zwar im Hinblick auf CO2 wirksam, aber von den Folgen für die Menschheit betrachtet letztlich genauso katastrophal. Um im Bild mit dem auf eine Wand zurasenden Auto zu bleiben: bremsen wir zu spät oder zu zögerlich, zerschellt das Auto an der Mauer. Bremsen wir so stark, dass das Auto rechtzeitig vor der Wand anhält, werden Auto und Insassen durch die negative Beschleunigung zerstört...

  • bremsen wir zu spät oder zu zögerlich, zerschellt das Auto an der Mauer. Bremsen wir so stark, dass das Auto rechtzeitig vor der Wand anhält, werden Auto und Insassen durch die negative Beschleunigung zerstört...

    Und wer genau hat jetzt versäumt, "rechtzeitig" zu bremsen? Die Mauer war ja über hunderte Kilometer weit sichtbar? Und etliche haben geschrien: "Brems!"


    Aus Erfahrung vermute ich folgende Antwort: "Schuldzuweisen sind nicht nützlich, wir müssen jetzt gemeinsam nach vorne sehen" :D

  • Rein statistisch betrachtet ist bisher noch JEDE (Hoch-)Kultur untergegangen.

    Wie kommen wir auf den abwegigen Gedanken, dass ausgerechnet wir die allererste Ausnahme dieser Regel sein werden?

    Wir werden nur unseren Untergang viel fulminanter und globaler gestalten, einfach weil wir das nun endlich können ...

    Aber nicht zu früh freuen, so schnell wird die Erde den Mensch nicht los, wenige 1000 reichen zum Arterhalt ...