Woche 23 vom 07. bis 13. Juni

  • Der Punkt ist m.M.n. eher, dass der Autofahrer bei dem Crash laut Bericht "mind. 79 km/h" drauf hatte und später wieder erwischt wurde "wie er erneut mit über 70 Kilometern pro Stunde durch die Stadt raste". Die Geldstrafe kommt meines Erachtens einer Aufforderung gleich, so weiterzumachen.

    Zitat

    Die Richterin sprach von einem tragischen Fall,

    Da kommt einem die Galle hoch.

  • betrifft! - gefährliche Fahrt, wie kann der Radverkehr sicherer werden?

    Der SWR hatte ja vor ein paar Wochen mal wieder das Framing zum gefährlichen Radfahren ausgepackt, jetzt die "doku" dazu. joa, ist "okeee".


    die Kindersendung PUR hat auch einen halbstündigen Beitrag produziert.

    "Der gefährlichste Fahrradweg"

    was darf natürlich nicht fehlen? genau, der obligatorische Melonentest (Min 13:10)

    Eric (der durch die Sendung führt) zeigt hervorragend, wie man in der Stadt nicht Rad Fahren sollte. ultra-rechts, alles "unwohl" und "gefährlich".

    Wer wird interviewt? ein Fahrradkurier, der auftritt wie Darth Vader. gruselig.

  • die Kindersendung PUR hat auch einen halbstündigen Beitrag produziert.

    "Der gefährlichste Fahrradweg"

    Ohje. Der eine Bursche ist 7 und dürfe damit auf den Bürgersteig ausweichen. Falsch! Da er noch keine 8 ist, muss er sogar da fahren. Radfahrstreifen, Schutzstreifen und Fahrbahn sind tabu.

    Dann sind da welche 10 und die dürften auch auf den Bürgersteig ausweichen. Auch falsch, ab 10 ist das verboten.


    Interessant sind aber schon so manche "Radwege". EInseitiger zwei-Richtungs-Radfahrstreifen? Ist es überhaupt zulässig sowas zu bauen, und das in der Breite?


    Radkurier der 12.2km/h im Schnitt fährt, wie ist denn das passiert? Dass der Moderator das nicht hinbekommt, ist ok. Radfahren in der Stadt braucht etwas Übung.


    Platz-Vergleich "50 Menschen mit Autos" vs. "50 Menschen mit Fahrrädern" ist auch Quatsch. In Autos sitzen 1.3 Menschen. Also fairerweise nur 39 Autos aufmalen. Und die Menschen in die Autos bzw. auf die Räder raufsetzen statt davor. Dazu noch die nötigen Sicherheitsabstände zwischen den Fahrzeugen.


    Das Bild mit dem LKW und den Lastenfahrrädern ist auch Müll. Wenn man einen Radfahrstreifen und rechts davon ne Ladezone hat, können die doch ruhig aus/ein-laden wann sie möchten?!


    Kurz: Das Video ist kompletter Schrott. Aber alles positiv sehen: Ich habe mit meinen Rundfunksteuern dafür bezahlt ;(

    Solange Dummheit als plausible Erklärung ausreicht, sollte man keinen Vorsatz annehmen.

  • So schlecht ist der Film von PUR+ nun auch wieder nicht. Warum allerdings nicht darauf hingewiesen wird, dass es oft sicherer ist, innerhalb von dem Straßenbahn-Gleispaar zu fahren als rechts daneben, kann ich nicht verstehen. Andererseits ist für sehr viele RadfahrerInnen zumindest in Westdeutschland und im ländlichen Raum das Verkehrsmittel Straßenbahn ohnehin ein "unbekanntes Wesen".

    https://www.zdf.de/kinder/purp…ahrrad-radfahren-100.html


    Die vielen gezeigten "Radinfrastruktur-Bausünden" sind ja nun mal leider vorhanden. Es ist doch gut, dass darauf aufmerksam gemacht wird.

  • doch, der ist schlecht.

    allein der Melonentest disqualifiziert den gesamten Beitrag.


    Man muss sich ja nun schon fragen, warum dann in Holland, keine 10sek nach dem Melonentesteinspieler, nicht massenweise leute mit zerplatzten Köpfen auf den Radwegen herumliegen. Denn zum hinfallen brauch ich dann doch nicht zwingend einen Unfallgegner "auto", da reicht ein Bordstein...

  • doch, der ist schlecht.

    allein der Melonentest disqualifiziert den gesamten Beitrag.


    Man muss sich ja nun schon fragen, warum dann in Holland, keine 10sek nach dem Melonentesteinspieler, nicht massenweise leute mit zerplatzten Köpfen auf den Radwegen herumliegen. Denn zum hinfallen brauch ich dann doch nicht zwingend einen Unfallgegner "auto", da reicht ein Bordstein...

    Immerhin kommt in dem Film die 12-jährige Dunja aus den Niederlanden sehr ausführlich zu Wort (ab 16:20) und begründet, warum man zum Fahrradfahren keinen Helm tragen muss. Das ist dann eingebettet in die "Legende" vom vorbildlichen Fahrrad-Paradies Niederlande, wo nach den Erfahrungen von meinen wenigen Reisen in die Niederlande allerdings längst nicht überall diese oft gepriesenen paradiesischen Verhältnisse für den Radverkehr vorherrschen.


    Was vermutlich zum Thema Helmtragen bei vielen hängen bleiben wird:

    Radfahren in Deutschland ist so gefährlich, dass man besser einen Fahrradhelm trägt. Es könnte allerdings mit der notwendigen Kraftanstrengung der Verkehrsplaner der Radverkehr sicherer gemacht werden, so dass man auch hierzulande wie in den Niederlanden ganz selbstverständlich ohne Helm Fahrrad fährt.

    Auch wenn ich nicht mit allem zufrieden war, was ich in den Niederlanden diesbezüglich vorgefunden habe, das Radfahren hat dort einen erkennbar höheren Stellenwert.

    Und in dem PUR+ Film wird nicht nur das Helm tragen vorgestellt, sondern auch das Fahrradfahren ohne Helm.

    Da sag ich mal das Glas ist halbvoll und nicht halbleer.

  • die Kindersendung PUR hat auch einen halbstündigen Beitrag produziert.

    "Der gefährlichste Fahrradweg"

    Bei 4:39 wundert es mich, dass selbst ein professioneller Fahrradkurier seine Opferrolle damit beschreibt, er wäre "übersehen" worden. Also hat der Unfallgegner geguckt.


    Und bei 8:59 begeht der Moderator einen qualifizierten Rotlichverstoß, denn der Richtungspfeil des Signalgebers für den Fahrverkehr war eindeutig rot. Dafür beschwert er sich, dass ihm die Fußgänger in die Quere kommen.


    Und überhaupt: Wer permanent so weit rechts fährt, dass es pures Glück ist, dass er keine Außenspiegel mitnimmt, braucht sich nicht darüber beschweren, dass auch Kraftfahrer nicht mehr Platz zu ihm lassen.

  • Das ist dann eingebettet in die "Legende" vom vorbildlichen Fahrrad-Paradies Niederlande

    Soweit ich das verstanden habe, ist der Unterschied zwischen Niederlande und Deutschland in erster Linie:


    • In Holland ist jemand, der täglich mit dem Fahrrad fährt, ein ganz normaler Mensch und ein ernstzunehmender Verkehrsteilnehmer.
    • In D ist jemand, der täglich mit dem Fahrrad fährt, entweder ein Schüler, oder er hat keinen Führerschein, oder er hat Zeit wie Heu, oder er ist ein vegetarischer Öko-Spinner, der Deutschlands Wirtschaft zerstören will.

    In Holland gibt es für Radfahrer m.W. zwar auch eine Radwegbenutzungspflicht, aber kein Pendant zur deutschen Gehwegbenutzungspflicht.

  • aber kein Pendant zur deutschen Gehwegbenutzungspflicht.

    ?

    NL-StVO

    Darin "§ 1. Plaats op de weg"

    Zitat

    Artikel 4

    • 1 Voetgangers gebruiken het trottoir of het voetpad.
    • 2 Zij gebruiken het fietspad of het fiets/bromfietspad indien trottoir en voetpad ontbreken.
    • 3 Zij gebruiken de berm of de uiterste zijde van de rijbaan, indien ook een fietspad of een fiets/bromfietspad ontbreekt.
    • 4 In afwijking van het eerste en het tweede lid gebruiken personen die zich verplaatsen met behulp van voorwerpen, niet zijnde voertuigen, het fietspad, het fiets/bromfietspad, het trottoir of het voetpad. Zij gebruiken de rijbaan indien een fietspad, een fiets/bromfietspad, een trottoir of een voetpad ontbreekt.

    Google Translate macht daraus:

    Zitat

    Artikel 4 1 Fußgänger benutzen den Geh- oder Fußweg. 2 Sie benutzen den Radweg oder den Rad-/Mopedweg, wenn kein Geh- und Fußweg vorhanden ist. 3 Sie benutzen den Randstreifen oder die äußerste Seite der Fahrbahn, wenn auch kein Radweg oder ein Rad-/Mopedweg vorhanden ist. 4 Abweichend von Absatz 1 und 2 benutzen Personen, die sich mit anderen Gegenständen als Fahrzeugen fortbewegen, den Radweg, den Fahrrad-/Mopedweg, den Geh- oder Fußweg. Sie benutzen die Straße, wenn es keinen Rad-, Rad-/Moped-, Geh- oder Fußweg gibt.

    NL hat kein "VZ 240", das "Vz 237" gilt bei Abwesenheit eines Gehwegs als solches, vieleicht daher der Irrtum?

  • Und bei 8:59 begeht der Moderator einen qualifizierten Rotlichtverstoß, denn der Richtungspfeil des Signalgebers für den Fahrverkehr war eindeutig rot. Dafür beschwert er sich, dass ihm die Fußgänger in die Quere kommen.

    Das ist kein Rotlichtverstoß, den Eric da begeht, denn das Rotlicht mit dem Richtungspfeil nach Rechts gilt für den Autoverkehr.

    Für den Radverkehr auf dem Radweg, den Eric benutzt, gilt das Rotlicht nicht, denn die Ampel steht links vom Radweg und auf dem Radweg ist an der Stelle keine Haltelinie markiert.


    Das ist die Stelle bei google-Satellitenbild:

    https://www.google.com/maps/pl…!3d50.9359904!4d6.9474874

    Und hier bei google-street-view:https://www.google.com/maps/@5…hTtNnA!2e0!7i13312!8i6656

    Sehr spannend ist der Rollkoffertransport rechts im Bild der googlestreetview-Aufnahme!


    Allerdings hat Eric nun wirklich keinen Grund sich über die Fußgänger zu beschweren, denn auf die muss er natürlich Rücksicht nehmen. Es ist meines Erachtens eine unklare Verkehrssituation, in der gilt, dass der Stärkere, bzw. derjenige von dem die größere Gefahr ausgeht auf die Schwächeren Rücksicht nehmen muss. Und diese Rolle des Stärkeren hat der Radverkehr.

    In Hannover gibt es auch an mehreren Stellen an solchen Hochbordradwegen wie im Film Ampeln, die links von dem Radweg stehen. Wenn dort eine Haltelinie auf dem Radweg markiert ist, dann muss bei Rot auch der Radverkehr halten. Wenn dort keine Haltelinie markiert ist und die Ampel links vom Radweg steht, dann muss der Radverkehr nicht anhalten. Das ist sehr praktisch, denn so kann der Radverkehr auf dem Hochbordradweg an vielen Stellen weiterfahren, an denen der Autoverkehr auf der Fahrbahn anhalten muss. Kompliziert wird es immer dann, wenn Fußgänger mit Fußgänger-Grün nach dem Queren der Fahrbahn auch den Radweg queren. So wie in dem Film bei der von dir ausgewählten Stelle. Ich sehe an der Stelle den Radverkehr in der Pflicht im Falle von Fußverkehr auch dann zu halten, wenn keine Haltelinie auf dem Radweg markiert ist.

    Manche Fußgänger warten aber trotzdem. Andererseits ist diese Regelung meines Wissens nicht sonderlich unfallträchtig. Und ich hoffe, dass sich alle Radfahrer hinreichend defensiv verhalten, so dass an der Regelung nichts geändert werden muss.

    Auf jeden Fall ist es ein gutes Beispiel für eine Verkehrssituation, bei der nicht sofort jedem 100%ig klar ist, was gilt. Und auch darauf will der Film ja aufmerksam machen.

    Hier ein Beispiel aus Hannover für einen Hochbordradweg mit einer roten Ampel, die links von dem Radweg steht. Der Radfahrer mit dem blau-weiß karierten Hemd ist trotz der roten Ampel nicht wartepflichtig. Wenn allerdings Fußgänger*innen den Radweg kreuzen um die Fahrbahn zu queren, oder nachdem sie gerade die Fahrbahn gequert haben, dann hat der Radverkehr darauf Rücksicht zu nehmen.

  • Das ist kein Rotlichtverstoß, den Eric da begeht, denn das Rotlicht mit dem Richtungspfeil nach Rechts gilt für den Autoverkehr.

    Für den Radverkehr auf dem Radweg, den Eric benutzt, gilt das Rotlicht nicht, denn die Ampel steht links vom Radweg und auf dem Radweg ist an der Stelle keine Haltelinie markiert.

    Es ist soweit ich's verstanden habe auch relevant, ob die Fußgänger noch eine Aufstellfläche zwischen Fußgängerfurt und Radweg haben. Die gibt es hier.

    Ergo: Kein Rotlichtverstoß. Die Verkehrsführung ist trotzdem ne Katastrophe. Einfach auf der Fahrbahn fahren...

    Solange Dummheit als plausible Erklärung ausreicht, sollte man keinen Vorsatz annehmen.

  • Das ist kein Rotlichtverstoß, den Eric da begeht, denn das Rotlicht mit dem Richtungspfeil nach Rechts gilt für den Autoverkehr.

    Für den Radverkehr auf dem Radweg, den Eric benutzt, gilt das Rotlicht nicht, denn die Ampel steht links vom Radweg und auf dem Radweg ist an der Stelle keine Haltelinie markiert.

    Das bedeutet, wenn ich bei grün eine Kreuzung überquere, habe ich einfach Pech gehabt, wenn mir von rechts ein Radfahrer in die Rippen fährt?

  • Es ist soweit ich's verstanden habe auch relevant, ob die Fußgänger noch eine Aufstellfläche zwischen Fußgängerfurt und Radweg haben. Die gibt es hier.

    Ergo: Kein Rotlichtverstoß. Die Verkehrsführung ist trotzdem ne Katastrophe. Einfach auf der Fahrbahn fahren...

    Das mit dem "einfach Fahrbahn fahren" ist eine Sache, die du in einem Kika-Fernsehbeitrag so nicht bringen kannst.

    In Minute 12:16 fährt Eric zunächst auf der Fahrbahn. Erlaubterweise, denn es gibt keinen benutzungspflichtigen Radweg. Dann wechselt er von der Fahrbahn auf den Radweg.

    Das was Eric und der Fahrradkurier dazu sagen ist nicht ganz eindeutig. Man könnte meinen, dass sich Radfahrer an dieser Stelle aussuchen können, ob sie weiter auf der Fahrbahn fahren oder auf den Radweg wechseln.

    Allerdings ist der Radweg benutzungspflichtig. Man kann das in dem Film sehen bei der angegebenen Zeit. Eine echte Wahl gibt es also nicht für den Radverkehr. Und in einer Kika-Sendung macht es sich nicht gut, ein ordnungswidriges Fahrverhalten zu propagieren.

    Auch wenn die ganze Problematik mit benutzungspflichtigen Radwegen und Angebotsradwegen nicht dargestellt wird, wird doch immerhin das Problem angesprochen, dass viele Radwege nicht in Ordnung sind.

    Der Fahrradkurier fährt sogar mindestens in einer Straße unerlaubterweise auf der Fahrbahn. Unerlaubt, weil ein benutzungspflichtiger

    Hochbordradweg vorhanden ist.

    Das ist bei Minute 10:30 bis 10:32

    Da fährt der Fahrradkurier durch die Lindenstraße auf der Fahrbahn und passiert unter anderem die Spielothek "Spiel-Kiste". Auf den googlestreetview-Bildern von 2008 kann man sehen, dass der Radweg benutzungspflichtig ist. Kann natürlich auch sein, dass dort inzwischen die Benutzungspflicht aufgehoben wurde.

    Hier der Link zu googlestreetview von 2008:

    https://www.google.com/maps/@5…bt39vg!2e0!7i13312!8i6656

    Vorne rechts im Bild kann man das blaue Radwegschild sehen [Zeichen 241-30] . Und links im Bild das Schaufenster mit dem Schriftzug Spiele-Kiste.

    Und noch eine Sache ist mir aufgefallen:

    In Minute 14:10 zupft Eric an seinem neongelben Radfahrer-Trikot und betont, dass es wichtig ist, Signalfarben anzuhaben.

    Das Outfit des Fahrradkuriers jedoch widerspricht dem, was Eric sagt. Der Fahrradkurier ist komplett in Schwarz gekleidet und er trägt einen schwarzen Helm. (Erics Helm dagegen ist wie sein Trikot neongelb.)

  • Das mit dem "einfach Fahrbahn fahren" ist eine Sache, die du in einem Kika-Fernsehbeitrag so nicht bringen kannst.

    doch!

    immer und immer wieder zu betonen, wie fürchterbar gefährlich doch die Fahrbahn ist, führt dann zu

    - Gehwegradeln

    - unsicherem Fahren

    - Forderungen nach Radwegen allüberall

    - Festigung des Recht des Stärkeren


    man kann sehr wohl erklären, dass Fahrbahnfahren prinzipiell für jeden geeignet ist, man aber vielleicht besser in wohnstraßen damit anfängt und wer gut Radfahren kann, für den ist das problemlos auch auf dem kölner ring möglich.


    aber klar, da würde der elternzorn kochen, wenn jemand die Kinder "in den Tod schicken will!!!"

  • Das bedeutet, wenn ich bei grün eine Kreuzung überquere, habe ich einfach Pech gehabt, wenn mir von rechts ein Radfahrer in die Rippen fährt?

    Warum sollte dir ein Radfahrer in die Rippen fahren? Fährst du, wenn du mit dem Rad unterwegs bist, Fußgänger an?


    Ampeln sind doch vor allem zu dem Zweck gebaut, Autoverkehr mit möglichst hohen Geschwindigkeiten zu ermöglichen. Das funktioniert dann, wenn ich Fußgängern klar mache, dass die Fahrbahnen für sie komplett tabu sind, sozusagen Todesstreifen.

    Am perfektesten verwirklicht auf Autobahnen. Gelegentlich habe ich den Verdacht, dass manche Autofahrer nur deshalb Autobahnen ohne Tempolimit wollen, weil sie meinen, mit den unbegrenzt hohen Geschwindigkeiten noch effektiver Eindringlinge abwehren zu können als das bei Tempo 130 oder 120 oder 100 ohnehin schon der Fall ist.

    Da geht es nicht um rationale Erwägungen oder Umweltschutz-Fragen, da geht es in Wirklichkeit um Revierverhalten. Autofahrer verhalten sich wie Tiere, die "Artfremde" nicht den Zutritt gestatten.

    In Ortschaften und Städten funktioniert das nicht so ohne weiteres. Die Anzahl der Fußgänger*innen ist zu hoch. Ampeln werden deshalb gebaut, damit Fußgänger*innen verdeutlicht wird: Ihr seid tot, wenn ihr es wagt außerhalb der Ampelfurt, außerhalb der Grünphase die Fahrbahn zu betreten. Und wenn einer von euch Fußgänger*innen es trotzdem wagt und bei dem Versuch umkommt, dann werden alle sagen: Wie kann die Person auch nur so blöd sein, bei Rot über die Kreuzung zu gehen. Oder wie kann die Person nur so blöd sein, außerhalb der ampelgesicherten Fußgängerfurt die Straße überqueren zu wollen.

    Fahrradfahrer*innen sind deutlich langsamer unterwegs. Ein halbwegs gut trainierter Läufer ist so schnell wie viele Alltags-Durchschnittsradfahrer. Die Zeit zu reagieren ist länger, die Bremswege sind kürzer. Und die Gefahr bei einem Zusammenstoß mit einem Fußgänger sich selbst erheblich zu verletzen ist bei einem Radfahrer deutlich höher als bei einem Autofahrer. Und die Trefferfläche ist kleiner. Alles Gründe, warum ich mich nicht übermäßig davor fürchte, dass mir ein Radfahrer in die Rippen fährt. Auch dann nicht, wenn ich bei Grün auf einem Fußgängerüberweg über die Fahrbahn gehe und anschließend noch einen Radweg ohne Ampelsicherung quere.


    Eine Kombination aus Rad- und Fußverkehr kommt ohne Ampeln aus, auch bei einem recht hohen Verkehrsaufkommen. Wenn Autos dazu kommen, besonders dann, wenn die höhere Geschwindigkeiten fahren wollen oder fahren können sollen, dann werden Ampeln notwendig. Etwas Sorge bereitet mir die zunehmende Anzahl von Pedelecs. Möglicherweise ist 25 km/h eine zu hohe Geschwindigkeit bei der die Tretkraftunterstützung abgeriegelt wird.

    Für diejenigen Radfahrer*innen, die aufgrund ihrer körperlichen Fitness hohe Geschwindigkeiten fahren können, muss ebenso wie es für die Speed-Pedelec-Fahrer bereits jetzt die Möglichkeit geschaffen werden, die Fahrbahn zu benutzen. (=Aufheben der Radwege-Benutzungspflicht.) Jedoch darf das nicht auf Kosten der Radwege-Qualität gehen, dort wo Fahrradwege oder Radfahrstreifen weiter ihre Berechtigung haben.


    Wo alle Verkehrsteilnehmer zuverlässig (!) mit niedrigen Geschwindigkeiten (15 - 30 km/h max.) unterwegs sind, sind nur dort Ampeln und ggf. Fahrradwege notwendig, wo sehr hohe Verkehrsmengen zu managen sind.

  • und wer gut Radfahren kann, für den ist das problemlos auch auf dem kölner ring möglich.

    Mit der Fähigkeit, das Fahrrad sicher zu bedienen, ist es nicht getan. Es benötigt auch eine gewisse geistige Reife, um ständig ausreichend aufmerksam zu fahren.


    Daran hapert es.


    Keine Ahnung, ab wann ich meine Kinder auf eine entsprechend dicht befahrene Fahrbahn lasse. Mit 10 jedenfalls noch nicht.

  • https://www.ardmediathek.de/vi…3ci5kZS9hZXgvbzE0NzU3NzA/

    Gefährliche Fahrt - Wie kann der Radverkehr sicherer werden?

    09.06.2021, SWR Fernsehen


    "Immer mehr Menschen steigen um: aufs Fahrrad, Pedelec oder E-Bike. Gut fürs Klima. Die Kehrseite des Booms: Es verunglücken auch immer mehr Radfahrende im Straßenverkehr, viele sogar tödlich. Woran liegt das? Wie liesse sich der Radverkehr sicherer machen?"


    Vorgestellt wird unter anderem der Einsatz eines "Sensobikes" mit dem Daten gesammelt werden, die über Gefährdungen für Radfahrer.


    Tenor des Filmes: Es würden deutlich mehr Menschen Fahrrad fahren, wenn eine sichere Radverkehrsinfrastruktur zur Verfügung steht.

  • Trotzdem kannst du nicht in einer Kika-Sendung dazu auffordern, benutzungspflichtige Radwege einfach zu ignorieren.

    Im übrigen wird in dem Film darauf aufmerksam gemacht, dass Radwege kritisch zu bewerten sind.

    Es werden auch nicht Radwege überall gefordert.

    Das ist ganz gut gelungen, indem der Fahrradkurier in den Film eingebaut wurde, der zeigt, dass Fahrbahn-Radfahren möglich ist.