Trump oder Biden?

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    1. Trump (10) 56%
    2. Biden (8) 44%

    In einer Woche wird in den Vereinigten Staaten gewählt, unter anderem der künftige Bewohner des Weißen Hauses. Ich lese mir seit Wochen und Monaten jeden Tag gegenteilige Artikel durch, warum Biden quasi nicht verlieren kann oder Trump locker gewinnen wird oder der Supreme Court die Wahl gerne an Trump verschenken möchte und so weiter und so fort.


    Angesichts des Systems der Wahlleute repräsentiert der Wahlsieger ohnehin nicht den Wunsch des Wählers, aber ich habe immer mehr den Eindruck, dass der Ausgang der Wahl mittlerweile geradezu entkoppelt wird vom Wählerwillen, sondern stattdessen mit der Schließung von Wahllokalen in blau zugeneigten Wahlkreisen, der zeitlichen Begrenzung der Auszählung, so dass die zumeist blauen Briefwählerstimmen nicht mehr gewertet werden können, mit Gerrymandering oder Entscheidungen des seit heute noch konservativer orientierten Obersten Gerichtshofes.


    Während wir vor vier Jahren mit Umfragen hantierten, die mit einer Wahrscheinlichkeit von 89 Prozent (?) einen Sieg von Hillary Clinton prognostizierten, haben wir dieses Mal Umfragen an der Hand, die in den meisten wichtigen Staaten einen wesentlichen Vorsprung für Biden berechnet haben, der zudem deutlich komfortabler ist, weil sich die meisten Wähler wohl schon recht eindeutig für einen Kandidaten entschieden haben.


    Aber wenn ich dann Analysen zur Briefwahl lese, dann habe ich nicht den Eindruck, als dieser Vorsprung etwas zu bedeuten hat, wenn beispielsweise die Auszählung abertausender blauer Briefwahlstimmen um Mitternacht gestoppt werden muss.


    Andererseits bin ich bekanntermaßen auch nur ein Pessimist — aber was meint ihr denn eine Woche vor der Wahl, wer da drüben die ehemalige Weltmacht USA künftig leiten wird?

  • Ich befürchte Trump wird sich da durchschummeln.


    Nur um den schlechten Wortwitz zu recyclen: Einer von Biden wirds.


    Im Grund genommen halte ich beide dafür zu alt. Kann man nicht eine Obergrenze von z.B. 65 Jahren einführen?

    Ich habe das Gefühl, Biden wird auch nur gewählt damit Trump es nicht wird. Einen richtigen Enthusiasmus rund um Biden gibt es aber auch nicht, oder?

  • Biden wird gewinnen. Es wird diesmal keinen "E-Mail-Skandal" geben, Biden ist nicht so verhasst wie Clinton, und niemand macht sich mehr Illusionen über Trump.


    Es wäre so einfach gewesen für Trump zu gewinnen... ein bisschen Mitleid mit den Covidopfern, kein Frauenhass mehr. Das ist ist so einfach... es ist schlicht unfassbar, dass er selbst diese Minihürde nicht übersprungen hat.

  • Ich habe das Gefühl, Biden wird auch nur gewählt damit Trump es nicht wird. Einen richtigen Enthusiasmus rund um Biden gibt es aber auch nicht, oder?

    Nein, nach meiner Beobachtung nicht. Man hat wohl wirklich nur die Wahl zwischen „Katastrophal“ und „Nicht ganz so schlimm“.


    Zur Wahl stehen auch noch Jo Jorgensen von der Libertarian Party und Howie Hawkins von der Green Party, die ja quasi dermaßen chancenlos sind, dass eine Stimme für diese Kandidaten tatsächlich verschenkt ist. Das Wahlsystem mit im Endeffekt nur zwei Parteien ist noch nachteiliger als unsere komische Fünf-Prozent-Hürde.

  • Das ist ein anderes Thema, aber die Fünf-Prozent-Hürde ist äußerst wichtig für stabile Regierungen und aus den Erfahrungen in Weimar ins GG eingegangen.

    „Zeigen wir dem staunenden Ausländer einen neuen Beweis für ein aufstrebendes Deutschland, in dem der Kraftfahrer nicht nur auf den Autobahnen, sondern auf allen Straßen durch den Radfahrer freie, sichere Bahn findet.“ (Reichsverkehrsministerium, 1934)

  • Das ist ein anderes Thema, aber die Fünf-Prozent-Hürde ist äußerst wichtig für stabile Regierungen und aus den Erfahrungen in Weimar ins GG eingegangen.

    Das ist richtig, ja, und ich will die Hürde auch gar nicht grundsätzlich in Abrede stellen. Mit unserem Wahlrecht haben wir momentan größere Sorgen, die unsere Bundesregierung in diesem Sommer leider nicht so richtig ernst angegangen ist.


    Dennoch empfinde ich es als Teil derjenigen Generation, die nicht primär festgelegt ist auf CDU oder SPD, als schwierig, wenn ich eine der jüngeren, aber kleineren Parteien wähle: Möchte ich bei der Bundestagswahl 2021 noch einmal die Grünen wählen oder vielleicht doch eine der Klimalisten?


    Die Grünen machen nach meinem Dafürhalten zwar sehr viel Werbung mit Umwelt- und Klimaschutz und der Verkehrswende, stellen als Bestandteil der Regierung dann aber sehr schnell fest, dass A 20, A 26 und A 49 dummerweise doch noch durch ökologisch wertvolle Gebiete hindurch fertiggebaut werden muss und das mit der Verkehrswende doch nicht so einfach ist und im Endeffekt wird’s dann die CDU mit einer Sonnenblume drauf. Ich kann auch eine Klimaliste wählen, weiß aber auch: Die werden es niemals über die Fünf-Prozent-Hürde schaffen.


    Gerade wenn ich von der Position einer kleineren Partei überzeugt bin, ist es fatal, sie aus taktischen Erwägungen doch nicht wählen zu können.

  • Gerade wenn ich von der Position einer kleineren Partei überzeugt bin, ist es fatal, sie aus taktischen Erwägungen doch nicht wählen zu können.

    Das stimmt durchaus. Aber, einerseits und am wichtigsten: In meinen Augen hat da Staatsraison Vorrang, zumal in Deutschland. Zum anderen: Der Weg führt über die Landesparlamente. Die Piratenpartei stimmte mich da zwischenzeitlich recht hoffnungsvoll. Und nachdem nun die Linksradikalen und vor allem das Nazi-Geschmeiß, die/das diese Partei fast zerlegt hätten, nun in ihre Stammgefilde abgewandert sind, beobachte ich die wieder mit verstärkter Aufmerksamkeit. Die gefallen mir erneut ganz gut. Mal sehen. Leicht wird es nicht, aber das ist der Preis, den man für versäumte/verspätete Klärungen zu zahlen hat.


    Update: noch zum Thema: Trump verliert, fraglich ist allerdings, ob dies auch de jure so umgesetzt oder wie bei der ersten "Wahl" von Bush junior einfach das Ergebnis zu Trumps Gunsten (z.B. per Gerichtsbeschluß) gefälscht wird.

    Sollte es zu einem offiziell anerkanntem Sieg Bidens kommen, rechne ich fest mit regional bürgerkriegsähnlichen Zuständen durch Trumps faktenallergische und nazistische Anhängerschaft.

  • Ich glaube es wird Trump. Zum einen, wurde ja schon erwähnt, ist das Wahlsystem in USA mit den Wahlmännern, na ja, etwas renovierungsbedürftig.

    Dann ist es in der Realität ein 2-Parteien-System wenns um den Bund geht. Und die Stimmung drüber ist echt schlecht bzw. aufgeladen. Es gibt fast nur entweder für Trump, oder gegen Trump. Was für Biden ein Vorteil sein kann, denn er wird von allen gewählt werden die Trump nicht wollen, und die dürfen.


    Zum anderen wählen viele Reps Trump, weil er der Kandidat ist.

    Dann ist es bei weitem nicht so, das es jeder realisiert hat das Trump gerne mal nicht unbedingt die Wahrheit spricht. Und auch nicht wenige leugnen es, auch vor sich selbst.

    Und momentan spitzt sich der Wahlkampf ja auch noch zu und die Trumpseite versucht hauptsächlich Biden persönlich anzugreifen. Kann schon sein, das da noch was aus dem Hut gezaubert wird, vielleicht auch noch mal was Familiäres, was nicht unbedingt zutreffen muss aber doch verfängt.

    im Gegensatz zu Trump, Schätze es gibt fast nix, was seine Wähler größer verwundern oder abschrecken würde, außer er hätte früher mal als Arzt Abtreibungen gemacht, aber das ist wohl zu 100% auszuschließen.

  • Trump wird sich zum Sieger erklären und es kommt zu sehr blutigen Auseinandersetzungen auf der Straße. Am Ende wird das Militär Trump aus dem weißen Haus schmeißen und dann gibt es Neuwahlen Pence vs. irgendwer außer Biden.


    Hoffentlich liege ich falsch, Biden gewinnt die Wahl klar und Trump geht freiwillig.

    Solange Dummheit als plausible Erklärung ausreicht, sollte man keinen Vorsatz annehmen.

  • Trump geht freiwillig

    Das ist der Teil, den ich mir noch nicht so richtig vorstellen kann.


    Nicht vergessen: Der Typ hat seine Amtszeit mit einer offenkundigen Lüge zu den Teilnehmerzahlen bei seiner Vereidigung begonnen. Er war absolut faktenresistent. Seine Pressesprecher mussten sich alle möglichen Lügen ausdenken, um Trumps Sicht auf die Dinge zu begründen.


    Wer so etwas tut, der räumt niemals eine Niederlage ein oder verlässt das Weiße Haus offiziell freiwillig. Andererseits wird er auch keine Bilder wollen, wie er aus dem Weißen Haus eskortiert wird.


    Vielleicht läuft es wie folgt: Er verlässt das Weiße Haus gar nicht offiziell. Von der Wahl bis zur Amtsübergabe schimpft er über den Wahlbetrug. Und an dem Tag, an dem er sein Amt übergeben muss, ist er zufällig beim Golfen oder bei irgendeinem wichtigen Besuch im Ausland. Biden übernimmt dann das Weiße Haus in Trumps Abwesenheit. Trump kann sich dann weiter über die korrupten Eliten aufregen, die das Weiße Haus in seiner Abwesenheit illegal übernommen haben.

  • Vielleicht läuft es wie folgt: Er verlässt das Weiße Haus gar nicht offiziell. Von der Wahl bis zur Amtsübergabe schimpft er über den Wahlbetrug. Und an dem Tag, an dem er sein Amt übergeben muss, ist er zufällig beim Golfen oder bei irgendeinem wichtigen Besuch im Ausland. Biden übernimmt dann das Weiße Haus in Trumps Abwesenheit. Trump kann sich dann weiter über die korrupten Eliten aufregen, die das Weiße Haus in seiner Abwesenheit illegal übernommen haben.

    die Version halte ich für gut möglich

  • Gerade mal die alten Umfragen angeschaut. Da hatte Clinton so 2 - 4 % Vorsprung, es wurden 2,1% Vorsprung bei fast 2,8 Mio Wählern mehr pro Clinton.

    Bei den Staaten hatte Clinton 216 Wahlmänner ganz oder halb sicher, Trump 184, 134 waren offen, die nötige Mehrheit von 270 lag also im Graubereich.

    Aktuell liegt der Vorsprung deutlich höher und Der 270er Zeiger liegt im blauen Bereich und die bisher hohe Briefwahl lässt auf eine gute Mobilisierung für die Demokraten schließen.

    Das lässt doch hoffen und es könnte sogar sein, dass es für Biden nicht nur knapp, sondern deutlich ausfällt ...

    Die Frage ist nur, wie lange er durchhält ... Und wie gut die Vize dann sein wird ... Und wie man Trump aus dem White House raus kriegt ...

  • Gerade wenn ich von der Position einer kleineren Partei überzeugt bin, ist es fatal, sie aus taktischen Erwägungen doch nicht wählen zu können.

    Das ist fraglos so und ich befinde mich diesbzgl. schon seit einigen Jahren in diesem Dilemma. 1998 habe ich große Hoffnungen in Rot-Grün gesetzt. Mittlerweile bin ich zunehmend enttäuscht von beiden Parteien. Ich meine also nicht, dass das unbedingt eine Generationenfrage ist. Die Gesellschaft an sich hat sich gewandelt. Die EInteilung in "konservativ" und "progressiv", "links" und "rechts" usw. will in einer postmodernen und zunehmend unüberischtlichen und damit im doppelten Wortsinne "chaotischen" Welt (minimale Änderung der Anfangsbedingungen bei radikal anderem Ergebnis) nicht mehr so funktionieren.

    Was war es in den 60ern, 70ern, 80ern dagegen noch einfach: Freund und Feind schienen klar.


    On topic: Bei der letzten Wahl sagte ich zu meinen KollegInnen an der Schule: "Seid euch da mal nicht so sicher [dass Clinton gewinnt]. Seine [Trumps] Ansichten sind furchtbar, aber viele denken so und sprechen es nur nicht offen aus." Ich bin mir - nicht zuletzt aufgrund der von dir geschilderten US-spezifischen Wahlmodalitäten - auch jetzt überhaupt nicht sicher, ob wir Trump dann nicht doch noch einmal im Weißen Haus sehen. So nach dem Motto: Lieber einen (scheinbar) starken dreisten Mann als einen zurückhaltenden müden und schwachen.


    Um den Bogen wieder allgemein zur Politik zu spannen: Ich wähle schon seit Jahren das geringste Übel - und nein: Nicht-Wählen ist nicht die Lösung und erst recht kein Protest.

    „Zeigen wir dem staunenden Ausländer einen neuen Beweis für ein aufstrebendes Deutschland, in dem der Kraftfahrer nicht nur auf den Autobahnen, sondern auf allen Straßen durch den Radfahrer freie, sichere Bahn findet.“ (Reichsverkehrsministerium, 1934)

  • Es gibt fast nur entweder für Trump, oder gegen Trump. Was für Biden ein Vorteil sein kann, denn er wird von allen gewählt werden die Trump nicht wollen, und die dürfen.

    Oder aber: Seine Anhänger wählen ihn, seine erbitterten Gegner auch, der Rest wählt lieber gar nicht, bevor sie Sleepy Joe wählen, der im Zweifel als Oberbefehlshaber der Streitkräfte die Codes vertüddelt.

    Ich muss an das Referendum zum "Brexit" denken. Verkürzt: Alte Säckinnen und Säcke wählen, die jungen haben "gar kein Bock" und bleiben zu Hause - und schwupp: Tschüß Europa!

    „Zeigen wir dem staunenden Ausländer einen neuen Beweis für ein aufstrebendes Deutschland, in dem der Kraftfahrer nicht nur auf den Autobahnen, sondern auf allen Straßen durch den Radfahrer freie, sichere Bahn findet.“ (Reichsverkehrsministerium, 1934)

  • Leider wählen die Leute Trump nicht, obwohl, sondern weil er so ist. Lieber eine angenehme Lüge als die unbequeme Wahrheit.

    Taking the blue pill

    „Zeigen wir dem staunenden Ausländer einen neuen Beweis für ein aufstrebendes Deutschland, in dem der Kraftfahrer nicht nur auf den Autobahnen, sondern auf allen Straßen durch den Radfahrer freie, sichere Bahn findet.“ (Reichsverkehrsministerium, 1934)

  • Die Frage ist nur, wie lange er durchhält ... Und wie gut die Vize dann sein wird

    Ich rechne eh damit, dass Biden recht schnell abtreten würde und dann Frau Harris übernehmen wird.



    Sleepy Joe wählen, der im Zweifel als Oberbefehlshaber der Streitkräfte die Codes vertüddelt

    https://www.dailymail.co.uk/ne…eapons-easy-00000000.html


    es wurden 2,1% Vorsprung bei fast 2,8 Mio Wählern mehr pro Clinton


    Vielleicht machen sich die Dems mal ran, das Wahlrecht in Ordnung zu bringen. Das dürfte ihnen dann die nächsten Wahlen deutlich erleichtern :-)

    Aber ob man so eine Änderung durch den Supreme Court bekommt?

    Solange Dummheit als plausible Erklärung ausreicht, sollte man keinen Vorsatz annehmen.