Corona

  • Mit dem Impfen scheints schon vorwärts zu gehen.

    Ich hab mal nachgezählt, von meinem Bekanntenkreis sind inzwischen bissl über 50% das erste Mal geimpft, Ende der Woche sollten davon 15% 2x geimpft sein.

    Davon haben 70% eine Indikation, also Alt, Krank, Beruf. Es sind also 30% dabei, die nach eigener Aussage so nebenbei geimpft wurden, weil übrig, AZ oder zufällig reingestolpert in die Spritze.

  • Bei mir sieht es immer noch so aus, dass ich mittlerweile auf der Warteliste für neue Patienten bei einem Hausarzt stehe, vielleicht sogar schon in ein paar Wochen aufgenommen werde und so es Gott will dann auf eine Warteliste für eine Impfung rutsche. Wenn ich mich bei anderen Menschen in meinem Alter mit meinem Gesundheitszustand umhöre, sind die Wartelisten für Impfungen mehrere Kilometer lang und es wird in Aussicht gestellt, dass Angehörige der Gruppe 4 realistisch gesehen im Herbst oder im Winter dran sind. Der kalendarische Winter beginnt übrigens am 21. Dezember, das heißt, gemeint ist dann schon das Jahr 2022.

    Big News: Ich habe seit heute einen Hausarzt und bin von der einen Warteliste auf die nächste gerutscht.

    Mir wurde allerdings auch deutlich gemacht, dass ich vor August nicht mit einem Anruf rechnen brauche. Und da die tatsächlichen Liefermengen seit Wochen hinter den Erwartungen zurückbleiben und mitunter auch mal nur fünf Patienten pro Woche geimpft werden, ist eigentlich dieses Jahr überhaupt nicht mehr realistisch.

    Zumal ja jetzt die Erstimpfungen zugunsten der Zweitimpfungen zurückgefahren werden. Und ab dem 7. Juni die Priorisierung aufgehoben wird und nun ein Vorgriffsrecht für junge Menschen diskutiert wird. Und bei Biontech offenbar kurzfristige Lieferengpässe auftreten. Und die Menschen, die bereits Anfang des Jahres geimpft wurden, brauchen ihre Booster-Impfung. Und für eine sichere Durchführung der Olympischen Spiele sendet die Europäische Union 100 Millionen Impfdosen nach Japan.

    Mit Ausnahme der Olympischen Spiele finde ich das alles auch durchaus richtig und berechtigt, denn nach wie vor gilt: Als gesunder Angehöriger der Gruppe 4 kann ich bis zum Ende aller Zeit Teleheimarbeit von zu Hause praktizieren.

    Es gibt da allerdings einen Haken.

    In meinem Umfeld aus Fahrrad-, Internet- und Linksgrünen-Menschen liegt die Impfquote nach meiner groben Schätzung deutlich über der bundesweiten Quote von 41,5 %. Einige Menschen aus meinem Umfeld bekommen die Impfung aufgrund ihrer Tätigkeiten aus Gruppe 3, die in anderen Bundesländern wohl früher geöffnet wurde als in Niedersachsen, hier und da wurden welche mit Resten geimpft, als sie ihre Großeltern zur Impfung gefahren haben, bei einigen war’s Vitamin B, aber bei einer nicht unerheblichen Anzahl von Menschen womöglich auch die beharrliche Nutzung des Telefons, um täglich einige Praxen auf freie Impftermine abzuklopfen. Und vielleicht sind auch einige in Gruppe 1 oder 2 einpriorisiert, die entsprechenden Vorerkrankungen sieht man den Leuten ja nicht an.

    Und so trägt es sich zu, auf welche Wege auch immer, dass in meinem Team bei meinem Arbeitgeber mittlerweile nur noch einer nicht geimpft ist, nämlich ich. Und die Frage, wie ich das jetzt wohl wieder hinbekommen habe, hinterlässt mich geradezu fassungslos, denn abseits meiner Weigerung, jeden Tag bei mehreren Praxen den Leuten an der Rezeption auf die Nerven zu gehen, habe ich auch einfach kein Glück.

    Als am Pfingstwochenende in meiner Heimat zweitausend Menschen ohne Termin geimpft wurden, hieß es zunächst, das Angebot gelte nur für Personen mit Wohnsitz in Schleswig-Holsten (kennt man ja). In der Zeitung lese ich nun, dass sogar Menschen aus Bayern angereist sind. Und die Impfstation, bei der sich einige meiner Kolleginnen mit einem kurzfristig vereinbarten Termin impfen ließen, möchte keinen Impftourismus und lehnt Termine von Menschen außerhalb Hamburgs ab. Und so weiter und so fort.

    Aber ich sehe es schon kommen, dass wir irgendwann jedenfalls hin und wieder mal ins Bureau kommen sollen und ich dann schön wieder mit der Bahn durch die Gegend gondeln kann. Klar, im Sommer bei Inzidenzwerten von unter 20 wohl eher halb so wild, zumal dann im Bureau schon Herdenimmunität besteht, aber ein bisschen komisch fühle ich mich schon dabei.

    Aber gut, so warte ich dann eben ab. Was anderes bleibt mir ja nicht übrig. Aber ich wundere mich, was denn wohl passiert, wenn ich tatsächlich erst im nächsten Jahr mit der Impfung dran sein sollte — womöglich haben wir uns dann schon wieder eine neue Variante des SARS-CoV-2 herangelockert, gegen die bisherige Impfstoffe nur bedingt wirken, so dass die ganze Impfkampagne mit einem neu entwickelten Vakzin noch mal von vorne loslegen muss und dann stehe ich mit meiner Gruppe 4 ein weiteres Mal hinten an?

  • Aber ich wundere mich, was denn wohl passiert, wenn ich tatsächlich erst im nächsten Jahr mit der Impfung dran sein sollte — womöglich haben wir uns dann schon wieder eine neue Variante des SARS-CoV-2 herangelockert, gegen die bisherige Impfstoffe nur bedingt wirken, so dass die ganze Impfkampagne mit einem neu entwickelten Vakzin noch mal von vorne loslegen muss und dann stehe ich mit meiner Gruppe 4 ein weiteres Mal hinten an?

    Es ist ziemlich wahrscheinlich, das es in absehbarer Zeit Varianzen geben wird, wo die Impfung deutlich weniger wirksam sein wird.

    Es ist auch nicht unwahrscheinlich, dass es im nächsten halben Jahr Impfstoffvarianten der jetzigen geben wird, die wirksamer sein werden gegen die aktuellen Mutationen.

    Ob das gegen Ende des Jahres schon so sein wird, wohl nicht, aber irgendwann wird sich das mit dem Impfen einpendeln wie bei der Grippe. Es wird dann wohl jedes Jahr eine Impfung geben und den Risiko-Gruppen nahelegen, sich Impfen zu lassen.

    Ich bin auch schon am überlegen, wenn es bis September dauert, bis es einen Termin gibt, dann vielleicht einfach zu warten, bis es die nächste Generation Impfstoff gibt.

  • Bei uns gibt es Planungen, über die Betriebsärzte zu impfen. Ich bin gespannt, wann das losgeht.

    In der Familie (Mutter, Schwiegereltern) und im Bekanntenkreis haben auch schon viele die erste Impfung erhalten. Meine Sorge, dass ich das Virus einschleppe und andere gefährde, wird dadurch geringer. Aber auch wenn ich nicht zu einer Risikogruppe zähle, möchte ich diese Krankheit einfach nicht bekommen oder mich darauf verlassen, dass sich bei mir schon nur ein harmloser oder asymptomatischer Verlauf zeigen würde.

    Ich glaube auch nicht, dass die erforderlichen Auffrischungsimpfungen mit den Grippeimpfungen vergleichbar sein werden. Solange die Pandemie nicht weltweit eingedämmt ist, werden wir weiter mit Virusmutationen zu tun haben, gegen die der Impfschutz in der Gesamtbevölkerung nicht ausreichend groß ist und es immer wieder zu größeren Ausbrüchen kommen wird.

  • Ich habe nun ganz überraschend einen Impftermin nächste Woche bekommen. AstraZeneca auf eigenes Risiko (U40) in einer Arztpraxis.

    Über http://www.doctolib.de gebucht. Freitags werden neue Impftermine eingestellt.

    Damit bin ich nun tatsächlich der letzte Erwachsene in meiner Familie, der geimpft wird. Im engeren Freundeskreis ebenso. Ein paar Arbeitskollegen sind die letzten ungeimpften Kontakte momentan.

    Man spürt schon, dass das Impftempo anzieht, finde ich.

  • Ich denke, es kommt jetzt in der Mitte der Gesellschaft an.

    Man soll ja nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen. Und ich will dich damit gewiss nicht verunken, der Satz hätte auch von mir sein können. So was rutscht dann mal raus. Aber es zeigt eben auch: Bewohner*innen von Altenwohnheimen und das dort arbeitende Pflegepersonal, die mit als erste geimpft wurden, müssen viel stärker in die Mitte der Gesellschaft rücken, so dass sie nicht länger als Randgruppen gelten.

  • Familie+Freunde sind teilweise geimpft, halt entsprechend der Risikogruppe.

    Ich weiß auch noch nicht, wo ich meine Impfungen herkriegen soll.

    Hatte auf Betriebsarzt spekuliert, aber denen ist wohl der Aufwand zu hoch.

    Mir ist auch irgendwie nicht danach, viel Aufwand zu treiben, um an Astra zu kommen. In ner Woche soll ja die Impfprio fallen, also hab ich dann auch Chancen auf den besseren Stoff.

    Nach meiner Rechnung schiebt sich das Datum für "Erstimpfung von 75% der Einwohner Deutschlands (inkl. Kinder) gerade weiter raus auf Mitte August, weil es halt mehr zweit-Impfungen gibt. "75% 2x geimpft" komme ich aber immernoch auf Mitte September.

    Dritt-Impfungen sind da nicht mit eingerechnet. Die Leute sollen sich jetzt gerne hinten anstellen. 2x geimpft+länger her ist sicher immernoch besser als gar nicht geimpft?

    Ich spekuliere auch noch darauf, dass Produktionskapazitäten noch steigen werden und erste Länder demnächst weniger Impfstoff brauchen, das also auf andere Länder umverteilt wird.

    Solange Dummheit als plausible Erklärung ausreicht, sollte man keinen Vorsatz annehmen.

  • Das stimmt so nicht ganz. Also was die Wirksamkeit angeht hast du schon recht. Was das Nebenwirkungsprofil angeht ist 2x mRNA die mit Abstand beste Option.

    Gibt es schon Studien, die die bessere Wirksamkeit belegen?

    Und wie würde das ablaufen? Kriegt man überhaupt bei der 2. Impfung Biontech oder ist man dann auf Astra festgelegt?

    Solange Dummheit als plausible Erklärung ausreicht, sollte man keinen Vorsatz annehmen.

  • Gibt es schon Studien, die die bessere Wirksamkeit belegen?

    Und wie würde das ablaufen? Kriegt man überhaupt bei der 2. Impfung Biontech oder ist man dann auf Astra festgelegt?

    Eine Bekannte (sehr früh mit AstraZeneca geimpft aufgr. Berufsgruppe) berichtete mir davon, dass sie bei der zweiten Impfung auswählen konnte zwischen AstraZeneca und Biontech-Impfstoff. Darüber hat sie sich dann ziemlich viel informiert und letztlich für AstraZeneca entschieden.

    Unter anderem spielte bei der Entscheidung eine Rolle, dass sie die Chance auf eine dritte Impfung sah, beziehungsweise die Notwendigkeit einer dritten Impfung befürchtete. Aber da gibt es wohl keinen Automatismus, deshalb hat sie die Zweitimpfung auch mit AstraZeneca machen lassen.

  • zum Thema warten auf einen "überarbeiteten" Impfstoff: Im Corona-Virus-Update wurde das bezogen auf bestimmte Mutationen schon besprochen. Mir ist also Fazit in Erinnerung geblieben, dass man nicht auf einen überarbeiteten Impfstoff warten braucht (lieber jetzt nicht schwer erkranken als später evtl. gar nicht).

  • Gibt es schon Studien, die die bessere Wirksamkeit belegen?

    Es gibt Studien, die eine höhere Anzahl von Antikörpern nach der Zweitimpfung belegen.

    Und es gibt Studien, dass die Anzahl der Antikörper mit der Wirksamkeit korreliert.

    Bei mehreren anderen Krankheiten ist es auch normal, dass verschiedene Impfstoffe eingesetzt werden. Da merkt man es als Patient gar nicht mehr. Man bekommt halt einfach "Dosis 1" und "Dosis 2".

  • Zitat

    Auch wenn Sie einen festen Termin erhalten, rechnen Sie mit Wartezeiten. Je nach Größe des Impfzentrums werden bis zu mehrere hundert Menschen zur selben Uhrzeit einbestellt. Daher kann es, wie bei Arztterminen auch, zu Wartezeiten kommen.

    Es soll tatsächlich niedergelassene Ärzte geben, die nach ein paar Jahren Praxisbetrieb überrascht feststellen, dass ihr Vorzimmer-Höllenhund seinen persönlichen Erfolg daran misst, dass das Wartezimmer immer randvoll ist und die Schlange der Wartenden bis ins Treppenhaus oder bis auf die Straße reicht.

    Bei der lebenslangen Ärztewahl gilt es herauszufinden, welche von diesen Ärzten im erreichbaren Umfeld irgendwann mal auf den Trichter kamen, dass es irgendwie eine Zumutung ist, wochenlang vorher einen Termin zu vereinbaren, nur um dann festzustellen, dass zum gleichen vereinbarten Termin ca. 10 andere "Geladene" antanzen - mit genau dem gleichen Termin.

    Wohl dem, der das schafft.

  • Darüber berichtet die HAZ heute in ihrer Printausgabe:

    "Erstaunlich viele Junge melden sich als Wahlhelfer

    Mit dem Amt als Wahlhelfer ist diesmal eine Covid-19-Impfpriorisierung verbunden. Die Ehrenamtlichen können sich eine Bescheinigung für die Gruppe drei ausstellen lassen. Das wirkt sich in den Städten und Gemeinden offenbar auf die Zahl vor allem junger Freiwilliger aus."

    In Niedersachsen findet im September nicht nur die Bundestagswahl statt, sondern bereits 14 Tage zuvor, am 12. September sind außerdem Kommunalwahlen. Der 26. September, der Tag der Bundestagswahl, soll dann für Stichwahlen mit genutzt werden, die absehbar in vielen Kommunen fällig werden zum Beispiel bei den Bürgermeister*innen-Wahlen.

    Dem HAZ-Bericht zu Folge ist es ungewöhnlich, dass sich bereits so früh unaufgefordert relativ viele junge Menschen bereit erklären, als Wahlhelfer*innen tätig zu werden. Laut HAZ ist die Impfpriorisierung für Wahlhelfer*innen ein Grund für die ungewöhnlich hohe Anzahl von jungen Leuten, die sich für das Wahlhelfer*innen-Ehrenamt melden.

  • Darf ich fragen warum? Sorge um deine eigene Gesundheit, oder irgendein anderer Grund?

    Das ist eigentlich eine sehr interessante Frage.

    Angst um meine Gesundheit habe ich eigentlich nicht. Ich bin ja nun wahrlich kein Querdenker oder Coronaleugner, aber tief in mir drin, in meiner Seele, in meinem Herzen (mein Gott, was für ein Geschwafel), da hatte ich bislang nie Angst davor, mich zu infizieren, zu erkranken, womöglich mit einem schweren Verlauf im Krankenhaus zu liegen. Das war für mich eher eine abstrakte Gefahr, denn ich ging davon aus, dass wir die Pandemie mit wissenschaftlicher Herangehensweise und entsprechenden Maßnahmen zur Eindämmung schon wieder in den Griff bekämen.

    Das änderte sich dann am Donnerstag vor Pfingstmontag, als plötzlich die Rede davon war, die Maskenpflicht im Einzelhandel quasi sofort aufzuheben. Da lag ich tatsächlich die halbe Nacht wach vor Angst, dass für mich jetzt eine Infektion unausweichlich wäre. Von Außengastronomie und anderen Menschenansammlungen kann man sich in der Regel fernhalten, aber Einkaufen muss man nunmal, da kommt man nicht drumherum. Damals war die Inzidenz mit 32 auch noch so hoch, dass ich es einfach nicht für den richtigen Zeitpunkt für eine solche Lockerung hielt. Nun sind wir in Lüneburg bei 12, Tendenz stark fallend, nun kann man das meinetwegen mal wieder ins Gespräch bringen, wenn es denn unbedingt sein muss. Aber in dieser einen Nacht hatte ich den Eindruck, dass wir diesen wissenschaftlichen Ansatz zur Pandemiebekämpfung eben überhaupt gar nicht mehr verfolgen, sondern alles nur noch Wahlkampfgetue und Taktiererei wird.

    Mein viel größeres Problem ist aber, dass ich einfach in einer absolut seltsamen Situation stecke. In meinem privaten und beruflichen Umfeld sind alle Menschen, mit denen ich regelmäßiger etwas zu tun habe, nach meiner Kenntnis jetzt geimpft. Donnerstag hatten die letzten beiden Ungeimpften ihre Termine, Stand Freitag bin ich also der letzte, der noch keine Impfung hat, der noch keinen Termin hat, der noch nicht einmal die Aussicht auf einen Termin hat.

    Ich glaube, ich hatte es in den vorigen Beiträgen bereits erwähnt, sehr viele dieser Menschen sind mit Priorität 2 oder 3 an ihre Impfung bekommen, aber ein nicht unerheblicher Teil sitzt gesund ohne Vorerkrankungen in Gruppe 4 und war dennoch in der Lage, sich einen Termin zu organisieren.

    Ich hingegen habe mit Mühe einen Hausarzt gefunden, der mich dann auf seine Warteliste gesetzt hat. Reale Chancen auf eine Impfung habe ich bei ihm aber nicht, denn er hat noch nicht einmal genügend Impfstoff bekommen, um seine eigenen Patienten aus Gruppe 2 zu versorgen. Er hat mir ja das Impfzentrum nahegelegt, da käme ich früher dran.

    Im Impfzentrum brauche ich es gar nicht mehr versuchen, denn nachdem die Pläne zur zeitnahen Schließung momentan wohl wieder vom Tisch sind, werden in Niedersachsen und auch in anderen Bundesländern nach meiner Kenntnis erst einmal ausschließlich Zweitimpfungen durchgeführt. Ab morgen darf ich mich dann mit allen anderen Angehörigen der Gruppe 4 um einen Termin prügeln, der dann nach Auskunft der Impfhotline wohl eher im Spätsommer liegen wird (und natürlich mit der Auskunft, es beim Hausarzt zu versuchen, da käme ich früher dran).

    Dann war da noch die Sache mit dem Betriebsarzt, die eigentlich morgen losgehen sollte, aber trotz aller Bemühungen wird es auch dort wohl eher August oder später — erst einmal sind nämlich (verständlicherweise) Betriebsärzte dran, die Angehörige des Energiesektors oder anderer systemrelevanter Bereiche aus Gruppe 3 versorgen sollen.

    Und es ist halt so absurd, dass alle anderen in der Lage waren, sich eine Impfung zu organisieren — nur ich mal wieder keinen Millimeter weiterkomme. Das ist es, was mir so sehr zu schaffen macht.

    Wenn ich bei einem anderen Haus- oder Facharzt anrufe, bekomme ich verständlicher- und verdienterweise die schlechte Laune der Arzthelfer*innen ab, die um 10 Uhr morgens schon zum 30. Mal erklären mussten, dass keine Impfstoffe übrig sind. Und dann wird’s lustig: Meine Kolleg*innen wohnen und arbeiten in Hamburg und bekommen dort auch noch kurzfristige Termine bei Fach- und Hausärzten. Ich bekomme keine, denn entweder wäre ich als Niedersachse dort nicht impfberechtigt oder man wolle keinen Impftourismus oder man habe andere Vorbehalte.

    Bei einem Arzt in Mecklenburg-Vorpommern, quasi in mit dem Fahrrad erreichbarer Nähe von meiner Wohnung, könnte ich wohl Termine bekommen, dürfte aber angeblich nicht nach Mecklenburg-Vorpommern einreisen. Und in meiner Heimat in Schleswig-Holstein gäbe es noch AstraZeneca und Termine bei Hausärzten, die den Kram nicht an ältere Patienten losschlagen können, aber da ist man sich wieder nicht sicher, ob sie mich impfen dürfen, wenn ich aus einem anderen Bundesland komme.

    Ich glaube, das ist eher das Problem: Dieser gesellschaftliche Druck, sich irgendwie an der Priorisierung vorbei, mitunter auch auf Kosten der Gemeinschaft eine Impfung zu sichern — und ich scheitere an so vielen Stellen auf so vielen Ebenen damit, während andere Menschen in meinem Umfeld einfach in Hamburg bei ihrem Orthopäden anrufen und — Zack! — eine halbe Stunde später geimpft sind. Mir wird im Zuge dieser Impfkampagne jeden Tag vor Augen geführt, dass ich wieder und wieder an etwas scheitere, das alle anderen aus meinem Umfeld offenbar problemlos erreichen.

    Und ich muss dann schon froh sein, wenigstens im August vielleicht mal langsam die Chance auf einen Termin zu haben.

  • Stand Freitag bin ich also der letzte, der noch keine Impfung hat, der noch keinen Termin hat, der noch nicht einmal die Aussicht auf einen Termin hat.

    Mir geht's auch nicht anders. Ich muss aber zugeben, dass ich bisher noch keine Ärzte belästigt habe. Glaube ich probier das morgen früh einfach mal. Bei der Praxis, die ich am ehesten als meinen "Hausarzt" bezeichnen würde, heißt's nun auf der Webseite, man solle anrufen und nachfragen. Warteliste gibt's da aber nicht.

    Ich rechne aufgrund der Zahlen weiterhin damit, dass alle Impfwilligen bis Mitte September vollständig geimpft sein werden. Im Moment kriegt man zwar kaum Termine für die Erstimpfung, aber das wird bald wieder klappen, sobald weniger Zweitimpfungen nötig sind.

    Ich überlege immernoch, ob Astra für mich ok wäre. Man kommt vielleicht einfacher an die Erstimpfung, muss dann aber 12 Wochen auf den 2. Termin warten und am Ende schützt der Kram schlechter als Biontech. Paar Wochen länger auf Erstimpfung warten, dann aber die Zweitimpfung früher haben? Zudem wird eh 4x soviel Biontech verimpft wie Astra.

    die USA kommen langsam zu dem Punkt, wo alle Impfwilligen geimpft sind. Von Österreich hatte ich auch schon sowas gehört. Vermutlich also noch weitere Industriestaaten. Dann dürfte also schlagartig für alle übrigen Impfwilligen in den anderen Industriestaaten ein Überangebot existieren. Erst wenn "wir" durchgeimpft sind, folgen die restlichen Staaten der Welt.

    Solange Dummheit als plausible Erklärung ausreicht, sollte man keinen Vorsatz annehmen.