Infrastruktur: gelungene Lösungen und positive Beispiele

  • Noch eine Lösung die ich so noch nie gesehen habe, hier in den Niederlanden aber wohl keinen vom Hocker haut. Mich aber irgendwie schon denn das wäre sicher eine Lösung wie man sie auch in Hamburg gebrauchen könnte.

    Was macht man, wenn der Platz zwischen Brücke und Wasseroberfläche nicht für einen Radweg reicht? Man baut den Weg halt unter die Wasseroberfläche.


    Ja, der Weg geht wirklich niedriger als das Wasser. Unten ist ein Ablauf, so dass ich vermute, dass Regenwasser etc. abgepumpt wird.

  • Warum kann die BASt oder sonst eine Forschungseinrichtung nicht einfach mal eine langfristige Studie machen: Man sucht sich ein paar kleinere Städte mit sehr niedrigen Radverkehrsanteilen (und wenigen Radwegen). Und macht es dort mal genau andersrum, als üblich: Man verzichtet völlig auf jede Extrawurst - sondern fährt intensive Kampagnen und klärt die Verkehrsteilnehmer entsprechend auf. Man bringt den schon sehr jungen Radfahrern z. B. durch Kurse / eine "Fahrrad-Fahrschule" bei, wie man sich sicher und gleichberechtigt im Straßenverkehr bewegen kann.

    *Ich* fände das durchaus vernünftig. Und dann stelle ich mir vor, was das "kraftfahrende Establishment", also die Allianz aus empörten autofahrenden Eltern, ADAC, ADFC, VCD, DVR, Autopartei1, Autopartei2, Elektroautopartei1, Elektroautopartei2, Stiftung Warentest, autofahrenden Vertretern der Schulbehörden und autofahrenden Redakteuren in den Medien dazu sagen wird: "Keine Experimente auf dem Rücken von radfahrenden Kindern, Frauen und Senioren!!!", und weiß, dass so etwas niemals möglich sein wird.

  • Problematisch wird es nach meinen Erfahrungen, wenn du mit der Aufforderung doch bitte schön die Straße zu benutzen auf eingefleischte als "Radfahrende Verkehrsteilnehmer nicht die Straße benutzen Zeitgenossen" stößt. Neulich hatte ich mal wieder das Vergnügen: Da kam dann: "Auf der Straße geht gar nicht da wirste vom Trecker und seinen anhängenden Landmaschinen ausfgeschlitzt." Nach weiterer Erörterung des Themas: "Auf dem Bürgersteig geht das Radfahren auch nicht, der ist ohnehin schon zu schmal. Die Parkplätze müssen bleiben." Nach etwas längerer Erörterung: "Ich habe auch keine Lösung." Und mich beschleicht das Gefühl, dass es Leute gibt, die Radfahren für eine komplette mobilitäts-technsiche Fehlentwicklung halten und es lieber heute als morgen verbieten wollen.

    Wenn es tatsächlich mal eine Verkehrsverwaltung wagt, den Radfahrern das Benutzen der Fahrbahn gemeinsam mit Autos als wünschenswert nahezulegen, dann kommt der Vorwurf: "Die wollen doch nur die Radfahrer dazu "missbrauchen" den Autoverkehr zu bremsen." Auch die im Beispiel vorgestellte Anlage wurde ja bereits modifiziert. Vielen Dank für deinen Link. Bin übrigens tatsächlich auf "Pfalz-Safari". Auf deinem googlemaps-Satelliten-Link sieht man: Ursprünglich waren die beiden von mit gesichteten und fotografierten Radfahrstreifen nur mit weißen Linien markiert. Auf meinem Foto sieht man deutlich die Rot-Markierung. https://www.google.de/maps/@49…3.61t/data=!3m1!1e3?hl=de

  • *Ich* fände das durchaus vernünftig. Und dann stelle ich mir vor, was das "kraftfahrende Establishment", also die Allianz aus empörten autofahrenden Eltern, ADAC, ADFC, VCD, DVR, Autopartei1, Autopartei2, Elektroautopartei1, Elektroautopartei2, Stiftung Warentest, autofahrenden Vertretern der Schulbehörden und autofahrenden Redakteuren in den Medien dazu sagen wird: "Keine Experimente auf dem Rücken von radfahrenden Kindern, Frauen und Senioren!!!", und weiß, dass so etwas niemals möglich sein wird.

    Das ist das, was die von dir beschriebene Allianz sagen wird. Und die ist ziemlich breit. Leider sorgen diese Leute aber auch dafür, dass es im Verkehr tatsächlich ziemlich brutal zugeht. Interessanter als eine Kommune ohne gesonderte Radverkehrsinfrastruktur wäre eine Kommune ganz ohne Autos. Aber dann käme diese Allianz mit noch ganz anderen Vorwürfen daher!

  • Oft wollen die Anwohner von gepflasterten Straßen in Gründerzeit-Vierteln, dass bei einer Renovierung wieder gepflastert wird. Das ist jedoch keine gute Radfahrbahn.

    Das Beispiel Yorkstraße in Hannover zeigt, wie ein Kompromiss aussehen kann:


    Hier ein Link zu einer älteren googlestreetview-Aufnahme, das dieselbe Straße aus etwa derselben Perspektive zeigt:

    https://www.google.de/maps/@52…2x2x5g!2e0!7i13312!8i6656

  • Lübzer Straße, Halstenbek:

    Ein Radweg, den ich wirklich gerne benutze. Lediglich der Belag könnte an manchen Stellen mal erneuert werden. Ansonsten hat er diese Breite durchgehend auf den 1,8 km. Da stört dann auch das [Zeichen 240] + [Zusatzzeichen 1000-31] überhaupt nicht.


    Die Kreuzung Kellerstraße/Gärtnerstraße ist durch Tunnel unterfahrbar, während sich oben die Autos weit zurück stauen. Das seltsame Kreuzungskonstrukt am anderen Ende hat dafür nichtmal richtig abgesenkte Bordsteine...

  • Wäre möglich.

    In der Google-Earth App kann ich die Satellitenbilder bis 2000 sehen. Da war es auch schon in diesem Zustand. Halstenbek ist ein Freilichtmuseum der autogerechten Vorstadt. Ich vermute, die Lübzer Straße ist so breit gebaut worden damals, damit man die Fahrbahn schnell um ein paar Fahrstreifen erweitern kann, was dann nie passiert ist. Dann wäre wahrscheinlich auch eine Rechtsabbiegespur (und eine Ampel) gebaut worden an der Einmündung. Die anschließende Brücke über die Autobahn (Kellerstraße) ist ja auch breiter als die eigentliche Fahrbahn.

  • Durchgezogene Mittellinie + Schutzstreifen = Engüberholen

    Nicht unbedingt. Wenn man alles, was die (ja aus den Fingern gesogenen) 1,5 m um ein paar cm unterschreitet, als "Engüberholen" bezeichnet, braucht man sich nicht wundern, wenn man zukünftig noch wesentlich häufiger von Straßen / Fahrbahnen verbannt wird. "Engüberholen" fängt bei mir bei < 50 cm an. Und wenn rechts frei ist, wüsste ich auch nicht, was dagegen spräche, als Radfahrer dann auch ganz rechts zu fahren.

    Bedeutet die weiß gestrichelte Markierung in Frankreich nicht eigentlich Parkstreifen?

    Nicht, dass ich wüsste. Es dürfte auf jeden Fall schwer werden, sein Auto auf so einem Streifchen abzustellen. ;)

  • Ich hatte mal den Flyer eines Mietwagenverleihers zum Thema "Autofahren in Frankreich" in der Hand. Da stand irgendwie sowas drin, dass man auf weiß gestrichelten Linien am Fahrbahnrand parken darf, ggfs. aber nur für eine bestimmte Zeit gegen Parkgebühren. In Gelb und Blau hat das auch irgendeine Bedeutung. Und dann noch lustiges Straßenseite wechseln in geraden und ungeraden Wochen. So genau hab ich mir das allerdings nicht gemerkt, da ich ganz bestimmt nicht das Auto für eine Fahrt von Norddeutschland nach Frankreich wählen würde...

    Wenn man alles, was die (ja aus den Fingern gesogenen) 1,5 m um ein paar cm unterschreitet, als "Engüberholen" bezeichnet,

    Alles, was nicht meinen Lenker berührt, ist mir tatsächlich total egal. Der Threadtitel lautet aber "gelungene Lösungen und positive Beispiele". Das auf dem Bild ist für mich aber leicht unter dem Mindeststandard, was Fahrradinfrastruktur angeht. Deshalb wunderte ich mich.

  • Naja, da ging es in einem anderen Thread um das Radfahren in Frankreich. Ich fand gerade solche Straßen sehr angenehm, allerdings nicht nur, weil es da keine separat geführten Umwege und genug Platz gab, sondern weil die Kfz-Fahrer extrem rücksichtsvoll und entspannt waren. Was nicht allein am Tempolimit von 90 statt 100 km/h gelegen haben kann. In Deutschland wäre statt des Randstreifens ein separater Radweg mit mindestens doppelter Länge durch die Wälder geführt worden (etwa zwischen Maximilansau und Lauterbourg). Wenn man eine lange Tour vorhat, ist eine derart direkte Führung wie im Elsass schon etwas wert.

    Ich sehe gerade, die Ecke sieht heute noch so aus. Und es ist tatsächlich ein Radweg, wenn auch mit eckigem Schild.

  • Wenn man eine lange Tour vorhat, ist eine derart direkte Führung wie im Elsass schon etwas wert.

    Ich sehe gerade, die Ecke sieht heute noch so aus. Und es ist tatsächlich ein Radweg, wenn auch mit eckigem Schild.

    Wobei die Führung am Kreisverkehr etwas weiter dann schon wieder unter aller Kanone ist. Ich hoffe, dass der "Blumengruß" auf der Mittelinsel nichts damit zu tun hat:cursing:.


    Gruß

    Christoph

    "I've noticed that the majority of traffic 'safety' campaigns seem to focus on everything except the bull in the china shop - the automobile." copenhagenize.com

  • Lübzer Straße, Halstenbek:

    Da Ulli den Heideweg angesprochen hat: Der ist (westlich der T-Kreuzung) auch mit abgetrenntem gemeinsamen Zweiwege Fuß- und Radweg versehen. Kann man sehr gut nutzen. Früher musste man von Lübzer Straße kommend direkt vor oder nach der Kurve Heideweg-Lübzer Straße die Straßenseite wechseln und auf einem unterirdischen schmalen "Weg" fahren.


    Bei der Erneuerung war es der CDU dann extrem wichtig, dass der Heideweg (westlich Lübzer Straße) begradigt werden soll. Seht euch da mal diese zwei fiesen Haarnadelkurven an, da kann man ja nicht Auto fahren! Mit dem Anliegen ist die CDU wie man sieht gescheitert. Lübzer Straße ist dank ihrer kompletten Gradheit so eine Strecke, bei der gerne gedrängelt wird, wenn man nur 60 statt der erlaubten 50 fährt.

  • Seitdem ich vor ein paar Monaten die Arbeitsstelle gewechselt habe, fahre ich regelmäßig durch die Münchner Possartstraße.


    Google Streetview

    Open Street Map


    Es herrscht - im Vergleich zu den umliegenden größeren Straßen - weniger Autoverkehr, aber es ist keine ruhige Anwohnerstraße; es fährt mind. eine Buslinie durch. Keine 30er-Zone, es gilt Tempo 50. Die Possartstraße ist eine gute Verbindung vom Prinzregentenplatz in Richtung Norden.


    Das Erstaunliche ist, dass hier der Mischverkehr wirklich gut funktioniert. Kein Anhupen, kein Aggro-Dicht-Überholen, kein Verweis auf den "von meinem Steuergeld bestens ausgebauten Radweg" etc. Dieselben Verkehrsteilnehmer würden sich (so meine Vermutung) ein paar hundert Meter weiter ganz anders benehmen.


    Hier funktioniert etwas, das woanders nicht geht. Warum?

    • Keinerlei "Radverkehrs-Infrastruktur".
      Es gibt außer der Fahrbahn nichts, das so aussehen würde als könnte oder sollte man es mit dem Fahrrad befahren.
      Der Straßenaufbau ist: Breite Gehwege auf beiden Seiten, Grünstreifen mit Bäumen, Auto-Parkplätze, Fahrbahn.
    • Die Fahrbahnbreite ist (nach meiner Google-Earth-Messung) 3,20m pro Richtung, mit gestrichelter Mittellinie.
      Bei Gegenverkehr kommt man mit dem Auto nicht an einem Radfahrer vorbei, der außerhalb der Dooringzone fährt. Da kann es kein Missverständnis geben.
      Ohne Gegenverkehr können Autos aber entspannt überholen.


    Das wars schon, ich glaube mehr steckt nicht dahinter.

  • Es herrscht - im Vergleich zu den umliegenden größeren Straßen - weniger Autoverkehr


    Bei der Anführung der Gründe hast du das nicht genannt. Alle kommen zügig voran, weil sie überholen können, falls nötig. Zumindest in Hamburg würde die Stimmung kippen, sobald zu viele Autos unterwegs sind.

  • Zweimal Basel. Beim ersten gibt es links 5 Meter Rad- und Fußweg, den nur Anlieger mit dem Auto nutzen dürfen (ist immer wieder mit einem Poller unterbrochen so dass das funktioniert), dann Straßenbahn, dann rechts für Autos. War sehr angenehm zu fahren.



    Dann Parkplätze neben breitem Radstreifen, aber mit Abstand. Dann ist man auf dem Streifen in der linken Hälfte aus dem Dooringbereich.



    Danach in Lörrach dann fast in ein Bushaltestellenwartehäuschen auf dem benutzungspflichtigen Radweg gerasselt ...