Beiträge von Christian F

    Warum sind sehr viele Verkehrsteilnehmer nicht selbst in der Lage, sich das Wissen "abzuholen"? Wenn ich mich mit den Vorschriften nicht auskenne, habe ich eine Hol-Schuld. Nicht der Staat die Bring-Schuld (abgesehen von der Führerscheinprüfung). Es sei denn, ich WILL es gar nicht wissen.

    Oft wünsche ich, dass ich die Regeln genau wie die meisten Anderen nicht so gut kennen würde. So gehe ich meinen Mitmenschen mitunter sehr auf den Senkel - Schrittgeschwindigkeit im Verkehrsberuhigten Bereich, Tempo 30 in der 30er Zone, Anhalten bei roter Ampel (weil ich weiß welche gilt), Abstand von parkenden Autos etc. Ich kann jeden verstehen, der darauf keine Lust hat; es macht das Leben kompliziert.

    In Berlin sind beispielsweise nur gut 10% der Verkehrstoten Autofahrer, aber 30% Radfahrer.

    In München ist das nicht so ausgeprägt (für 2018, in Klammern für 2017):

    4 Fußgänger (2017: 9), 5 Motorradfahrer (5), 7 Pkw-Insassen (8), 10 Fahrradfahrer (5)



    (Zur Validierung: nach der Berechnung oben bedeuten 10 tote Radfahrer, dass 100 Millionen Stunden Rad gefahren wurde.

    Bei 1,45 Millionen Einwohnern bedeutet es, dass jeder Einwohner in 2018 im Schnitt 69 Stunden Rad gefahren ist, also ca. 6h pro Monat, oder 11 Minuten pro Tag.)

    Und jetzt folgender Vergleich: Laut ADAC ist das Getötetenrisiko beim Fahrradfahren pro 100 Millionen Perdsonenkilometer knapp 1 Person. Beim Autofahren sind es knapp 0,2 Personen. https://www.adac.de/_mmm/pdf/s…_1_unfallrisiko_42782.pdf

    [...]

    Dagegen ist das Radfahren nur 5 mal tödlicher als das Autofahren.

    Bei Statistik bin ich ja nicht der große Spezialist, aber wäre es nicht sinnvoller, statt der "Personenkilometer" die im Verkehrsmittel verbrachte Zeit als Grundlage zu nehmen?

    Dann würde es nämlich ganz anders aussehen. Auf die Gefahr hin eine Milchmädchenrechnung aufzumachen:


    Annahme: Durchschnittsgeschwindigkeit Autofahren: 44,8 km/h

    Durchschnittsgeschwindigkeit Radfahren: 10,3 km/h

    Quelle : https://www.adac.de/_mmm/pdf/s…eutschland_0111_46603.pdf Seite 11

    (dass ein KFZ im Schnitt ca. 4 mal schneller ist als ein Radfahrer scheint plausibel)


    100 Millionen Kilometer im Auto dauern also 2,2 Mio Stunden; Tote in dieser Zeit: 0,19

    100 Millionen Kilometer auf dem Rad dauern 9,7 Mio Stunden; Tote in dieser Zeit: 0,98


    Das heißt weiterhin:

    Mit dem KFZ 0,85 Tote in 10 Mio Stunden

    Mit dem Fahrrad 1,01 Tote in 10 Mio Stunden


    Bei aller Vorsicht: Die Zahlen sind in derselben Größenordnung. Radfahren ist also ungefähr genauso sicher wie Autofahren.

    Und eine Stunde zu Fuß gehen mehr als halb so tödlich wie eine Stunde Autofahren.



    Dr. Erlinger hat im SZ-Magazin mal dazu geschrieben:

    https://sz-magazin.sueddeutsch…/die-gewissensfrage-78544


    Persönlich fahre ich keinesfalls im Dooring-Bereich; wenn auf meiner normalerweise gewählten Fahrlinie die Trambahnritze ist, fahre ich zwischen den Schienen.


    Das Problem sind weder die Radfahrer, noch die Straßenbahnen, sondern die geparkten Autos am Rand.

    Eine Lösung hat München in der Fraunhoferstraße umgesetzt. (In dem Artikel steht noch "Visualisierung", inzwischen ist es so gemacht).

    Da sind jetzt rote Radfahrstreifen, die es m.Mng. nach nicht bräuchte. Man braucht nur: ein Halteverbot, das auch durchgesetzt wird.

    Ich hatte ja selber erst vor kurzem die "Zehn Pflichten" hier verlinkt, ein Dokument von 1938. Diese "zehn Pflichten" kann man durchaus als einen Ausdruck einer faschistischen, menschenverachtenden Grundüberzeugung sehen. Ich bin erschrocken wie gut dieses üble Gedankengut heute noch in den Köpfen Vieler erhalten ist. Die "Tradition" so etwas zu leugnen liegt mir also fern - auch wg. eigener Familiengeschichte. Dennoch: Das Wort "Untermensch" ist von den Nazis auf furchtbare Weise mit Bedeutung besetzt worden, und wer dieses Wort für andere Zwecke benutzt, relativiert die Untaten. Die heutige "Entmenschlichung und Herabsetzung von Radfahrern und Fußgängern" kann man einfach nicht mit einem Vernichtungskrieg und Völkermord mit vielen Millionen Toten auf eine Stufe stellen.

    Dort dürfen sich die Fahrbahnparanoiker dann mit den anderen nicht-automobilen Untermenschen ihr vermeintlich exklusives Wegelchen teilen...


    Aber sonst ...

    Ja. Nein. "Untermensch" geht hier nicht. Tut mir leid.


    Untermensch ist ein Begriff aus dem Sprachgebrauch der Nationalsozialisten und der Eugeniker. In der Ideologie des Nationalsozialismus galten die „Arier“, also besonders die germanischen Völker, den übrigen als überlegen.


    https://de.wikipedia.org/wiki/Untermensch

    Auf Twitter wird gerade dieses Bild geteilt:


    https://twitter.com/ADFC_MS/status/1158325158463098880


    https://twitter.com/ADFC_MS/st…58325158463098880/photo/1


    Es stammt wohl aus der Ausstellung "Alles auf Leeze", die grad in Münster zu sehen ist.


    Diese Regeln von 1938:

    * Erste Pflicht: Scharf rechts am Rand der Fahrbahn fahren

    * Zweite Pflicht: Grundsätzlich nicht neben anderen Radfahrern fahren

    * Dritte Pflicht: Immer die Radwege benutzen

    * Siebente Pflicht: Kraftfahrzeuge [...] vorfahren lassen [...]


    Und die abschließenden Ermahnungen (inkl. der darin enthaltenen Androhung von Gewalt):

    "Halte dich streng an diese Gebote! Wer sie übertritt, versündigt sich an der Gesundheit und am Wohlstand seines Volkes"


    sind in den Köpfen von Vielen fest verankert.


    Wir brauchen keine geschützten Kreuzungen oder mit "Leitboys" abgetrennten Radfahrstreifen, vielleicht brauchen wir nicht mal Abbiege-Assistenten in LKWs.

    Die Verkehrswende muss in den Köpfen stattfinden. Der Rest ergibt sich.


    Dieser Radschnellweg würde praktisch vor meiner Haustür vorbeiführen... Bin gespannt.

    Seitdem ich vor ein paar Monaten die Arbeitsstelle gewechselt habe, fahre ich regelmäßig durch die Münchner Possartstraße.


    Google Streetview

    Open Street Map


    Es herrscht - im Vergleich zu den umliegenden größeren Straßen - weniger Autoverkehr, aber es ist keine ruhige Anwohnerstraße; es fährt mind. eine Buslinie durch. Keine 30er-Zone, es gilt Tempo 50. Die Possartstraße ist eine gute Verbindung vom Prinzregentenplatz in Richtung Norden.


    Das Erstaunliche ist, dass hier der Mischverkehr wirklich gut funktioniert. Kein Anhupen, kein Aggro-Dicht-Überholen, kein Verweis auf den "von meinem Steuergeld bestens ausgebauten Radweg" etc. Dieselben Verkehrsteilnehmer würden sich (so meine Vermutung) ein paar hundert Meter weiter ganz anders benehmen.


    Hier funktioniert etwas, das woanders nicht geht. Warum?

    • Keinerlei "Radverkehrs-Infrastruktur".
      Es gibt außer der Fahrbahn nichts, das so aussehen würde als könnte oder sollte man es mit dem Fahrrad befahren.
      Der Straßenaufbau ist: Breite Gehwege auf beiden Seiten, Grünstreifen mit Bäumen, Auto-Parkplätze, Fahrbahn.
    • Die Fahrbahnbreite ist (nach meiner Google-Earth-Messung) 3,20m pro Richtung, mit gestrichelter Mittellinie.
      Bei Gegenverkehr kommt man mit dem Auto nicht an einem Radfahrer vorbei, der außerhalb der Dooringzone fährt. Da kann es kein Missverständnis geben.
      Ohne Gegenverkehr können Autos aber entspannt überholen.


    Das wars schon, ich glaube mehr steckt nicht dahinter.

    Die Wendungen der Fahrradpiktogrammdiskussion hier haben zumindest einen gewissen Unterhaltungswert ;-)


    Bezüglich "Klima und Planet"-Diskussion vs. "mwd"-Diskussion: Das Bemühen um einen zivilisierten Umgang mit uns und der Welt hat verschiedene Aspekte. Der Schutz von Minderheiten ist enorm wichtig für eine aufgeklärte und gerechte Gesellschaft. Ebendiese aufgeklärte und gerechte Gesellschaft kann und wird für die Erhaltung der Lebensgrundlagen kämpfen. Da sehe ich keinen Widerspruch. Es ist nicht so, dass hier Kräfte gebunden werden, die man anderswo dringender bräuchte.


    Um den Bogen zum Radverkehr zu spannen: Verwendet man das Fahrrad als Verkehrsmittel und nicht als "Spielzeug für Fußgänger", wird man regelmäßig erheblich diskriminiert (Anhupen bei Fahrbahnbenutzung, Schuldzuweisungen/Victim Blaming in der Öffentlichkeit, absichtliches Dicht-Überholen, massive Lebensgefährdung durch gedankenlos geplante Infrastruktur usw.).

    Nun ist das für die meisten freiwillig und man könnte sich ja auch ÖPNV oder MIV nutzen. Ich tue mir das freiwillig an, weil ich Radfahren toll finde und für mich der Nutzen weit stärker zählt als diese Lästigkeiten. Wenn man aber "divers" wäre, oder dunkelhäutig, oder homosexuell, dann könnte man das gar nicht ändern und leidet unter den alltäglichen Diskriminierungen. Wenn da ein Extra-Klo hilft, dann ist es ein kleiner Preis um das zu beheben.

    Wenn ich mich also mit einem Falschparker auf dem Radweg anlege, tue ich das erstens, weil ich selber gerne freien Weg hätte. Zweitens, um die Gefährdung für andere, schwache Verkehrsteilnehmer zu beenden, z.B. Kinder die Verkehrssituationen noch nicht so gut einschätzen können. Drittens setze ich damit auch ein Signal gegen Diskriminierung von Schwächeren im Allgemeinen.

    Das könnte die "moralische Überlegenheit" sein, von der manche gerne sprechen - damit wäre ich einverstanden.

    Diese Kreuzung, sowie Abbiegeunfälle im Allgemeinen waren gestern auch Thema in der Sendung "quer" im Bayerischen Fernsehen

    https://www.br.de/br-fernsehen…0606-quer-themen-100.html

    (gleich am Anfang)


    Meine Güte wenn ich den Herrn Andreas Scheuer reden höre, wird mir immer ganz anders. Nicht zu glauben dass dieser Mann als Bundesverkehrsminister auch für die Sicherheit von Kindern im Straßenverkehr an wichtiger Stelle verantwortlich ist. Er steht in unguter Tradition - Ramsauer - Dobrindt - Scheuer.

    Was könnte er erreichen? Öffentlichkeitsarbeit für Verkehrssicherheit. Flächendeckende Nachrüstung von Abbiegeassistenten - es wäre schon etwas gewonnen, wenn er es zumindest ernsthaft versuchen würde. Handreichungen für die Planer im Verkehrswegebau. usw.

    Was macht er: PKW-Maut einführen und Autokonzerne schonen. Und manchmal in die Kameras für das ADFC Mitgliedermagazin reinwinken.

    </rant>



    Edit - kann heute gar nicht aufhören mich aufzuregen. Und dann sieht man noch was für ein handwerklicher Mist im Verkehrsministerium gemacht wird: Man ändert die Regeln zur Fahrradbeleuchtung, und vergisst den Bußgeldkatalog entsprechend anzupassen. Siehe anderer Thread hier.


    Edit 2-

    Soll noch einer sagen, Schimpfen im Internet bringt nichts:



    https://www.bmvi.de/SharedDocs…minister_jQmuZaMugg4.html

    Daher bin ich wohl der einzige, der auch dort legal das sichere Fahrbahnradeln praktiziert.

    bist du nicht :-)


    Ich hab schon länger den Gedanken, die Durchfahrt an solchen Stellen zweimal zu filmen: Einmal auf dem Rad, einmal mit dem KFZ, und diese Videos dann nebeneinanderzulegen. Ich glaube dass man damit gut argumentieren könnte, um die Situation nachhaltig zu verbessern (und evtl. sogar die Belange des Radverkehrs besser in die Köpfe der Planer reinzukriegen.)


    Das wäre eine schöne Stelle um damit anzufangen. Allein ists aber langweilig. Zu zweit könnte man auch z.B. einen korrekten Überholvorgang zeigen, aus beiden Perspektiven. Falls Du mal ein paar Stunden investieren möchtest, schick mir doch hier eine Nachricht.

    Wenn man sich da nicht schon vorher gut auskennt ist man verdammt. Ich bin genau dort (aus Jesenwang kommend) neulich mit dem Rennrad gestrandet, wollte in die Buchenau weiter und hab den Weg erst nach mehreren Minuten Landkartenstudie auf dem Handy gefunden.


    Das Fahrradsymbol am Zebrastreifen ist heftig, hatte ich nicht gesehen.


    In 2013 hatte der ACE zu "Radfahrern und Zebrastreifen" die Lüge verbreitet, dass Radfahrer absteigen müssen, wenn sie an Zebrastreifen die Fahrbahn queren.

    Tatsächlich dürfen sie drüberfahren, genießen aber kein Vorrecht vor dem Fahrbahnverkehr.


    https://radverkehrspolitik.de/…e-ein-erklaerungsversuch/

    https://blog.zeit.de/fahrrad/2…zebrastreifen-falschinfo/


    Wie soll man das einem Kind erklären, wenn nun plötzlich ein Fahrradsymbol vor dem Zebrastreifen ist?