Beiträge von Christian F

    wenn er denn geschaut hätte

    Hier ist schon wieder Tagesordnung: Weiter oben hatte ich ja den Artikel aus der Abendzeitung zitiert, in dem Abbiegeassistenten für LKWs heftig gefordert werden.


    Dieses Wochenende in der Papierausgabe gab es dann einen weiteren Artikel über den Unfall und seine schrecklichen Folgen. (Nur zur Erinnerung: Vor einer knappen Woche wurde ein Mädchen auf dem Weg zur Grundschule völlig schuld- und grundlos mit Hilfe eines LKW auf brutale Weise umgebracht, einfach so.)


    Darunter ein vierspaltiger Artikel mit der Überschrift "Defensiv fahren ist der beste Schutz".

    Gute Idee; aber es ist hier nicht der LKW- oder PKW-Fahrer gemeint, sondern der Radfahrer soll defensiv fahren.

    Kostprobe: "Viele unterschätzen den toten Winkel. Drei von fünf Radlern starben 2017, weil Auto- oder LKW-Fahrer sie im Rückspiegel nicht gesehen hatten".

    Nein - sie starben weil Auto- oder LKW-Fahrer nicht ausreichend geschaut haben.

    Das ist eine aktive Handlung des KFZ-Führers. Es ist kein Schicksal.


    Und unten rechts ein Kasten "Gscheid radeln!"

    Ich möchte wissen, ob das Mädchen nicht gscheid geradelt ist an jenem Montagmorgen, als seine Ampel grün zeigte.


    Täter-Opfer-Umkehr vom Feinsten: Irgendwie werden die Radler schon selber schuld sein, dass sie sich ständig zamfahren lassen.

    Unfallforscher Hell sagt fast schon resignierend: "Jeden Tag sterben durchschnittlich zehn Menschen [auf deutschen Straßen]. Das ist, als würde alle vier Wochen ein Jumbojet abstürzen. Wären 400 VIPs in einem Jumbojet gefährdet, dann wäre schnell eine Lösung da. Und wenn acht Leute an Vogelgrippe sterben, dann werden Millionen in die Impfforschung gepumpt. Aber Unfalltote gehören hier offenbar zum Alltag dazu."


    Tatsächlich fügt sich das Zaudern beim Thema Abbiegeassistenten perfekt in das Bild, das das Verkehrsministerium stets abgibt: Egal ob es um den Dieselskandal oder das Verlagern von Transporten von der Straße auf die Schiene geht - das traditionell unter CSU-Führung stehende Ministerium scheut jeden Schritt, der Auto- oder Speditionsindustrie gegen sich aufbringen könnte.



    Es wäre einfach zu lösen,man brauch keinen Sensor man muss einfach die zeit zwischen Rot für fahrer und Grün für Fußgänger länger machen. So hätten die zeit abzubiegen und die kinder müssen auf grün warten.

    Das ist jetzt keine leichte Kost.


    Heute im Polizeibericht gesehen:


    Am Montag, 07.05.2018, gegen 07.40 Uhr, fuhr ein 43-Jähriger aus dem östlichen Münchner Landkreis mit seinem Lkw die Schleißheimer Straße stadteinwärts. An der Kreuzung zur Moosacher Straße wollte er nach rechts abbiegen und fuhr nach derzeitigem Stand bei Grünlicht in die Kreuzung ein, musste jedoch verkehrsbedingt halten.

    In der Zwischenzeit zeigte die Fußgängerampel Grün und eine 9-jährige Schülerin [den Rest
    kann dort lesen wer sich das antun möchte]


    Wie kann es passieren, dass an so einer Kreuzung, mit Grünem Pfeil ein tödlicher Abbiegeunfall geschieht?

    Grüner Pfeil: „Nur in Richtung des Pfeils ist der Verkehr freigegeben“.


    Ich bin heute Abend dort vorbeigefahren. Es ist eine Trauerstelle mit vielen Blumen und Grablichten eingerichtet und viele Leute waren dort.


    Ich habe zwei Ampeldurchläufen zugesehen.


    Beim ersten Mal ist ein großer Tank-LKW rechts abgebogen. Er stand als erster an der roten Ampel und hat die beiden rechten Spuren belegt. Er ist ziemlich langsam abgebogen, und hat die ganze Grünphase benötigt - kein Problem. Man sieht wie lange so ein großer LKW braucht, um die Ecke zu bewältigen.


    Dann wurde es gelb und rot und ein Auto ist rasch hinterhergefahren.


    Und noch ein Auto ist rasch hinterhergefahren.



    Beim zweiten Mal stand ich selber auf dem Radweg an der roten Ampel. Ein paar Autos biegen ganz zivilisiert ab, nicht zu schnell, alles gut.

    Dann wird die Ampel gelb - hoppla was kommt denn da?



    Dann wird es rot - scheißegal der Bus fährt



    (Wenn man auf die Vorschaubilder klickt sieht man auch die Fahrbahnampel)


    Und genau so ist heut morgen das Kind auf seinem Kinderrad getötet worden (starke Vermutung):

    Der Bus ist langsam ums Eck gefahren und hat dann endlich an der Fußgängerfurt angehalten. Das geht oft gut und dann geht es nicht gut.


    So.

    Renata- Ecke Hirschbergstraße ist ebenfalls eine solche Furt (ohne rote Farbe jedoch) an einer RvL-Einmündung neu markiert worden.

    Das ist schon cool: neben der Furt gibts einen Zebrastreifen. Hat man als Radfahrer auf dem nicht-benutzungspflichtigen Radweg jetzt Vorrang vor einem Auto das von rechts kommt? Nein. Als Fußgänger auf dem Zebrastreifen: Ja klar. Man sieht ja was gemeint ist. Super dass das direkt neben einer Grundschule ist.


    In Google Street View (von vor ein paar Jahren) gabs die Furt aber auch schon; ziemlich abgenutzt.

    (Ist also weder neu noch aus Stade.)

    Vier Teile á 500kg krachen aus einer Höhe von 20m auf den Radweg knapp vor eine Person.


    Das stand als Winzig-Meldung in der Druckausgabe der Süddeutschen, Lokalteil. Online konnte ichs nur im Polizeibericht finden:


    Zur gleichen Zeit befuhr eine 25-jährige Münchnerin mit ihrem Fahrrad den dortigen Radweg. Die Schalungsteile krachten unmittelbar vor ihr auf den Boden. Sie konnte nicht mehr bremsen und prallte mit ihrem Rad gegen das Hindernis, wodurch sie zu Sturz kam.


    Zum Glück war nicht der richtige Verkehr betroffen - wäre ja noch schöner wenn ein Auto beschädigt worden wäre.


    Es wird derzeit davon ausgegangen, dass die Ladung nicht richtig gesichert war.

    Man könnte darüber hinaus auch noch vermuten, dass der Radweg nicht richtig gesichert war. Aber - siehe oben - der richtige Verkehr war ja nicht betroffen. Hauptsache die Radfahrer benutzen nicht die gefährliche Straße. Die Bauarbeiter passen schon auf.

    Ist ja egal, weitermachen.


    Sarkasmus Ende.

    Weil Radwegfurten den Verlauf von Radwegen im Zuge von Vorfahrtstraßen, aber nicht über Vorfahrtstraßen hinweg markieren. Daher darf es auch keine Furtmarkierungen an Kreuzungen geben, wo die rechts-vor-links-Regel gilt, weil die Furt den Eindruck erwecken könnte, dass der Radverkehr Vorrang hat.

    Hättest Du eine Quelle dafür? Im Münchner Olympiapark gibts eine nagelneue feuerrote Radwegfurt bei einer Rechts vor Links Kreuzung; daher interessiert es mich

    Danke für die ganze Arbeit. Die Suche funktioniert gut; im Lexikon hat es die Einträge wieder zerhauen und sie sehen so aus


    <p>Die Entscheidung, welche Ampel für einen Radfahrer nun eigentlich gilt, ist in der Praxis nicht immer einfach zu beantworten.</p>

    <p><br></p>

    <p><br></p>

    <p><span style="font-size: 14pt;">

    Wenn ein gewisser Anteil selbstfahrender Fahrzeuge auf den Straßen unterwegs ist, erwarte ich einen großen Fortschritt in der Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer [...]

    O Mann! Ich hätte nicht gedacht, dass so bald deine optimistischen Einschätzungen so hart auf die Probe gestellt werden würde, wie jetzt nach dem Unfall in Arizona, wo ein selbstfahrendes Auto eine Fußgängerin totfuhr.

    Nachdem ich das Video von dem Unfall (wohl von der lokalen Polizei bereitgestellt) gesehen habe, bin ich ziemlich erschrocken - die Fußgängerin kam ja nicht aus dem Busch am Straßenrand gehüpft, sondern schob das Fahrrad langsam von links kommend über die Fahrbahn - da gab es kein Sichthindernis außer der Dunkelheit. Und diese Dunkelheit war in dem Uber-Video sehr sehr dunkel, ganz anders als in dem anderen Video von derselben Straße, das auch nachts aufgenommen wurde.

    Da kann man schon die Frage stellen ob das Video aus dem Uber Auto nachträglich künstlich verschlechtert wurde, um den Unfall als unvermeidbar darzustellen.

    Heise berichtet heute von massivem internen Druck in dem Roboterwagenprogramm bei Uber, und auch von den sehr lockeren Vorschriften in Arizona. Beides zusammen ist eine ungute Ausgangslage für die Sicherheit.

    Und zusätzlich erhöht das Geschäftsgebaren von Uber nicht unbedingt das Vertrauen in dieses Unternehmen.

    In dem Uber-Video wird im zweiten Teil die "Sicherheitsfahrerin" gezeigt, die im Wagen sitzt und falls nötig eingreifen soll. Tut sie aber nicht, weil sie gar nicht auf die Straße schaut. Aus Langeweile?

    Der Vorfall ändert nichts an meiner Einschätzung, dass autonome Fahrzeuge gut für die Verkehrssicherheit sind. Blind voranstürmen darf man nicht; strenge Sicherheitsregeln sind notwendig.

    Der Unfall und die Videos dazu zeigen, dass die Anwesenheit eines Menschen im selbstfahrenden Fahrzeug bei überraschenden Situationen nichts für die Sicherheit bringt. Es sei denn, derjenige ist extrem gut ausgebildet und reaktionsschnell. Aber Uber will ja mit den Dingern Personalkosten sparen und keine Pilotengehälter bezahlen.

    München bekämpft endlich Radwegparken:

    Man beachte die platzsparende Aufstellung - aus Fahrtrichtung sieht man nur einen senkrechten Strich (wenn überhaupt).

    Etwas übermütig - bis es ihn mal erwischt und seine Knochen oder sein Leben hin sind . . .

    Jedenfalls nicht zur Nachahmung empfohlen: Tödlicher Unfall 2011 in München nachdem sich der junge Radfahrer durch den zweispurigen Autoverkehr schlängelte. An der Stelle gibt es einen Radweg, aber der wird von der Fahrbahn weggeschwenkt, die Breite ist lächerlich und der Weg wird regelmäßig zugeparkt so dass die Rechtmäßigkeit der Benutzungspflicht sehr fraglich ist.

    Neues Vokabular aus der Süddeutschen Zeitung: Strampelnazi.


    Radfahren, das kann man gar nicht genug betonen, könnte abgesehen von allen gesundheitlichen und ökologischen Vorteilen etwas Herrliches sein in der angenehm flachen Stadt Berlin - wenn man sich dabei nicht so oft als Teil einer ideologischen Massenbewegung wiederfinden müsste, umgeben von tourettesyndromhaft in den Verkehr hineinfauchenden Strampelnazis. Ein emissionsfrei in 2,6 Sekunden auf 100 km/h beschleunigter Tesla S sollte der Atemluft eigentlich keinen Abbruch tun; aber es geht ja offensichtlich um noch etwas anderes.

    Wow - das hat gesessen. Mir ist beim Frühstück die Breze aus der Hand gefallen, als ich das gelesen habe.


    ich fühle mich da ja durchaus angesprochen und angegriffen, als jemand der in der Großstadt das Fahrrad als Verkehrsmittel nutzt und sich auch regelmäßig bei anderen Verkehrsteilnehmern über Behinderungen und Gefährdungen beschwert.


    Und - ja es geht um etwas anderes. Ein Tesla ist immer noch eine Riesenkiste, in Fahrt wie jedes andere Auto meist mit nur einer Person besetzt, und steht den größten Teil des Tages unbewegt herum, oft auf öffentlichem Grund. Verbraucht Platz für nix, und Platz ist knapp. Vernünftige und effiziente Mobilität ist das sicher nicht.


    Und dann spricht der Autor noch von der


    Zitat

    Idee von großstädtischer Urbanität als Ballung von Tempo, Ambition, Vielfalt, Spannung und Differenz.


    Schön, ja, gute Idee. Aber nicht mit Autozentrierung zu schaffen, die die Stadtplanung jahrzehntelang beherrscht hat. In der Stadt sehe ich oft nur Autos, Autos, Autos, meist als Technikballast im Weg herumstehend.


    Der letzte Absatz (mit den "biodeutschen Bürgertum" vs. Menschen aus Hanoi und Saigon) ist auch lustig, da fällt mir gar nix mehr dazu ein.

    Danke fürs Upgraden. Das war ja schon viel Arbeit.


    Was ist denn mit den Lexikoneinträgen - die Formatierung ist (wie oben schon erwähnt) flöten gegangen. Ich finde auch keinen Link zum Bearbeiten. Ich kann mich um die Formatierung kümmern (sind ja bisher nicht so viele Seiten), aber bitte schalte doch mal die Bearbeiten-Funktion frei.

    Geht schon los. Ich bin am "Überholabstand" und versuche Gerichtsurteile zum Thema aufzuführen.

    • Wie verweise ich richtig auf Gerichtsurteile, so dass es eindeutig ist keine Copyright-Verletzung ist o.ä.?
    • Darf ich z.B. den "Leitsatz" und das Aktenzeichen aus der ADFC Rechtsdatenbank (nur für Mitglieder zugänglich) zitieren?
    • Es gibt auch andere kostenpflichtige Rechtsdatenbank (z.B. juris) aber es macht ja keinen Sinn darauf zu verlinken.



    Gar nicht so einfach, einen Artikel möglichst genau zu schreiben, ohne dass es unlesbar wird.


    Ich habe kein Urteil gefunden das die (mir bisher bekannte??) Regel:

    • Mindestens 1,5m Seitenabstand,
    • ab 90 km/h oder falls Kinder dabei sind: mindestens 2m Seitenabstand

    belegt. Der Leitsatz zum oft angeführten Urteil vom OLG Hamm lautet lt. ADFC Datenbank:


    Beim Überholen von Radfahrern ist für einen ausreichenden Sicherheitsabstand stets deren mögliches Ausschwenken zu berücksichtigen, vor allem falls die Umstände der Verkehrssituation auf eine solche Möglichkeit hindeuten. Angesichts einer nahen Einmündung ist es nicht ausgeschlossen, dass sich der Radfahrer nach hinten orientiert, um eventuell nach links abzubiegen, und dabei nach links in die Fahrbahn schlenkert. Der Sicherheitsabstand zum rechten Fahrbahnrand muss in solchen Verkehrssituationen 2,80 m betragen.
    Datum: 1992-11-10 / Gericht: OLG Hamm / AZ: 9 U 66/92


    Geht zwar in die gleiche Richtung, die 1,5 und 2m werden aber nicht genannt.


    Woanders wird es anders zitiert z.B. hier

    ein paar Leute finden, die das eben für eine sinnvolle Sache halten und auch länger am Ball bleiben
    [...]
    ... Lexikon-Plugin ...

    Das Lexikon-Plugin hier fände ich gut für eine Wissenssammlung zum Radverkehrsrecht, und die Kriterien wären erfüllt (öffentlich, Rechtekonzept, Historie)


    Welche Art von Mitarbeit stellst Du Dir vor?
    Inhaltlich (also Artikel schreiben, gegenlesen und korrigieren)?
    Auch technisch - also den Betrieb sicherstellen, Systemadministration, Backups, ... ?


    @Epaminaidos hat ja im Eröffnungsbeitrag in diesem Thread schon eine Gliederung vorgeschlagen, die man gut als Startpunkt nutzen könnte.