Beiträge von Christian F

    "Der Grünpfeil für Radfahrer ist eine Luftnummer"


    findet die Süddeutsche Zeitung:


    Statt hier neue, innovative Lösungen zu präsentieren, zeigt das Pilotprojekt Grünpfeil für Radfahrer nur die bekannte Strategie vieler deutscher Verkehrspolitiker: zögern, abwarten, niemandem wehtun. Aber am Ende behaupten, man tue doch was. Ob das eine Mehrheit der Stadtbewohner das noch lange akzeptiert? Es sieht nicht danach aus.

    Yeti das Vergleichsvideo ist spitze. Es wird sehr deutlich, was die unterschiedlichen Verkehrsführungen bedeuten. Auch dank der eingeblendeten Texte. Im zweiten Video rüttelt es einen beim Betrachten förmlich mit durch.

    Vergleichsvideos wären auch zwischen KFZ- und Fahrradverkehrsführung interessant.

    Die Süddeutsche Zeitung hat am Freitag einen langen Text über LKW Rechtsabbieger-Unfälle prominent platziert - auf den Titelseiten der Zeitung und des "SZ-Magazin".



    Das Thema wird anhand des Beispiels einer Frau, die 2016 in München an ihrem dreißigsten Geburtstag totgefahren wurde, ziemlich umfassend dargestellt:

    Wie schrecklich für alle Beteiligten das ist, und mit welchem Gleichmut Gesellschaft, Wirtschaft und Politik das geschehen lassen.

    Es kommen zu Wort:

    • der LKW-Fahrer (der tief bereut und den Beruf gewechselt hat),
    • sein Chef (der noch nicht weiß ob er für einen neuen LKW die 2500 Euro für den Abbiegeassistenten ausgeben will),
    • der Vater der Toten
    • ein Unfallforscher (mit guten Ideen die nicht umgesetzt werden),
    • ein Studienautor im öffentlichen Auftrag (dessen Arbeit die langwierigen Entscheidungswege für internationale Verkehrsregeln zeigt)

    Auf der Titelseite des Magazins und im Text dann auch eine längere kommentarlose Liste, die sich ähnlich beklemmend liest wie die Statistik die Th(oma)s führt.

    Die beiden tödlichen Unfälle vom 7. Mai in Hamburg und München, die hier im Forum ausführlich besprochen wurden, sind auch dabei.


    Der Text ist nur gegen Bezahlung verfügbar:

    https://sz-magazin.sueddeutsche.de/heft/2018/51

    https://sz-magazin.sueddeutsch…winkel-86538?reduced=true


    Wer sich (oder jemand anderen) darüber informieren will legt das Geld gut an.

    Heute ist der Unfall, bei dem das Schulkind in München starb, genau ein halbes Jahr her. Bin den kleinen Umweg gefahren und habe die Kreuzung besucht.

    Es steht ein Ghostbike dort


    Es scheint als ob die Ampelschaltung etwas verändert wurde... Nachdem die Rechtsabbieger-Ampel auf rot schaltet, scheinen jetzt ungefähr 2 Sekunden mehr zu vergehen, bis die Fußgänger- und die Fahrradampel auf grün schaltet. Die Räumzeit für den Kraftverkehr wurde also verlängert - vielleicht trügt der Eindruck auch.


    Ein Dankesbrief der Mutter ist in einem Blumenkübel angebracht


    Ich habe mir sechs Ampeldurchläufe angesehen. Bei dreien gab es heftige Rotlichtverstöße von rechtsabbiegenden PKW. Einer hat zuerst vor der inzwischen roten Ampel heruntergebremst, die Lage sondiert und ist dann noch rüber.


    Mal sehen was das Bundesverkehrsministerium so macht - es sollte ja vor einem halben Jahr jetzt aber wirklich der Abbiege-Assistent für LKWs eingeführt werden.


    Hey - schon 44 Firmen machen mit! Und das freiwillig

    • Nach dem Auftakt im Juli 2018 werden 33 weitere Unternehmen ausgezeichnet. Diese haben sich freiwillig dazu verpflichtet, vor dem Einführungsdatum auf EU-Ebene ihren Fuhrpark mit Abbiegeassistenten nachzurüsten oder Neufahrzeuge mit Abbiegeassistenten anzuschaffen oder auf ihre Vertragspartner entsprechend einzuwirken. Damit hat die "Aktion Abbiegeassistent" nun 44 Sicherheitspartner.



    Nun ja. Kann man schön zynisch sein und sarkastisch. Eine große Wut steigt in mir hoch. Wie geht das - einfach so werden Menschen aus unserer Mitte nach dem Zufallsprinzip rausgepickt und schwer verletzt oder getötet, man blickt kurz auf, dann wieder nieder und macht einfach weiter.


    Was tue ich dafür, dass im Straßenverkehr alle ohne Angst unterwegs sein können? Ok, ich halte mich an die Regeln. Ich suche das Gespräch mit denen, die es nicht tun und mich oder andere gefährden. Ich nehme als Radfahrer selbstbewusst meinen Platz ein. Ist mehr als nichts, aber nicht so viel.

    Wo wir bei seltsamer Autowerbung sind - ist zwar kein Youtube:


    Mit dem Titel "Gebaut um den Atem zu rauben" ist mir gestern ein Riesenposter des neuen 8er BMW aus der Süddeutschen gefallen.

    Ist bestimmt ein tolles Auto und passend zum Werbespruch hat er zwei riesige Auspuffe auf der Rückseite.

    Bin nicht der einzige dem die Doppeldeutigkeit aufgefallen ist - z.B. im "Tagesspiegel" - BMW irritiert mit Werbeslogan

    Danke für den Link. Weiter unten im Text:

    Zitat

    Wörter beeinflussen Meinungen. Und deshalb ist die Wortwahl ein großer Teil des Problems auf unseren Straßen.

    "Unfall";

    die Liste der Verharmlosungen auf Kosten der schwächeren Verkehrsteilnehmer lässt sich fortsetzen

    • "Übersehen" und "Toter Winkel" wurden in diesem Forum ja schon oft als Märchenwörter geoutet. "Fahrer hat nicht geschaut" ist meist näher an der Wahrheit.
    • "Radarfalle" hört sich an wie eine fiese Gemeinheit mit geheimen Strahlen gegen routinierte Fahrer; "Raserfalle" wäre ein besseres Wort
    • Radfahrer und Fußgänger die "sich verletzen". Tun sie das wirklich selber?
    • usw.

    Wir haben zu wenig Platz in den Städten - aber der Raum, den Transport in urbanen Gegenden beansprucht, nimmt stetig zu. Jedem Bürger sein eigenes Auto zuzugestehen, wird immer schwieriger. Ich spreche in diesem Zusammenhang gern von einem Hard- und einem Software-Problem. Tatsächlich gibt es rein physisch einfach nur begrenzt Platz für Transport in unseren Städten (Hardware). Aber wir stehen auch vor einer kulturellen Herausforderung (das wäre die Software): Wir müssen die Menschen davon überzeugen, dass man für seine individuelle Freiheit nicht unbedingt ein eigenes Auto haben muss. Aber es gibt noch ein zweites Problem. Oft mangelt es Städteplanern an innovativen, integrierten Designvorschlägen. Straßen müssen mehr sein als reine Transportwege für Autos.

    Wenn der mich mit 10m/s Differenzgeschwindigkeit überholt (~70km/h bei meinen ~30km/h .. das passt so in etwa), dann ist der Überschnitt irgendwas um eine halbe Sekunde.


    In diesem Moment immer der Gedanke: Was kommt danach? Hängt ein Anhänger dran? Falls ja: Ist der Anhänger breiter als das Zugfahrzeug? Oder kommt ein anderes Fahrzeug mit viel zu geringem (Längs-)Abstand hinterher, dessen Fahrer gar nicht anders kann als den Radfahrer zu "übersehen"?


    Die sinnvollste Reaktion, wenn es mal eng werden sollte, ist m.E. unter Beibehaltung der bisherigen Fahrlinie bremsen.

    Nach dem Dicht-überholt werden schwenke ich gerne deutlich weiter nach links in Richtung Fahrbahnmitte, falls ich den Folgeverkehr abschätzen kann und der Geschwindigkeitsunterschied nicht zu hoch ist. So kann man dem Fahrer freundlich in den Rückspiegel winken und verhindern dass nachfolgende Fahrzeuge hinterherschießen. Es scheint ja so ein Herdenverhalten zu sein: Wenn mich einer dicht überholt, machen die nachfolgenden Fahrer es gerne genauso

    Plädoyer für Protected Bike Lanes in der Süddeutschen:



    Die Vorteile liegen klar auf der Hand: Auf separaten Fahrradwegen kommen sich Radler und Autofahrer nicht mehr in die Quere. Das ist für beide Seiten sicherer und könnte Menschen dazu ermutigen, ihr Auto stehen zu lassen und aufs Fahrrad umzusteigen.



    ... sicherer aber nur solange es keine Kreuzung oder Einmündung gibt - eine PBL bietet doch nur genauso viel oder wenig gefühlte Sicherheit wie ein normaler Radweg.


    Eine eigene Spur für den Radverkehr ist nur so viel Wert wie das Verkehrskonzept, aus dem dann die Gestaltung von Kreuzungen und Ampelschaltungen folgen.

    An der Stelle des Überholvorgangs ist der Radstreifen/Sonderweg aber ja schon Geschichte, ob und wie man auf die Fahrbahn eingefahren ist spielt doch keine Rolle mehr. Hier geht es für den Radfahrer darum ausreichend Abstand von den geparkten Autos zu halten, um nicht in eine plötzlich geöffnete Tür reinzufahren.

    Der Radfahrer wurde vom KFZ gerammt; der rechte Außenspiegel ist eingeklappt und man sieht im Video deutlich die Wackelei durch den Stoß.


    Über die Fahrbahnradelei mag man diskutieren. Die Folge: man geht vielleicht einigen Mitmenschen auf die Nerven.

    Einen Radfahrer bewusst zu rammen, hat ungleich schlimmere Folgen. Es führt normalerweise und erwartbar zu Sturz und schweren Verletzungen.

    Nur ein sehr routinierter Radler übersteht so was ohne Sturz.


    boah regt mich das auf.

    Jeden Arbeitstag fahre ich diese Strecke, und seit dreienhalb Jahren warte ich bis endlich mal ein Mofa auftaucht. Heute war es dann soweit. Der ältere Herr auf seinem Motorfahrzeug hat konsequent den Zweirichtungs-Radweg in voller Breite genutzt und auf diese Weise verhindert dass man ihn überholt.

    Gelten für Mofas auf solchen Radwegen dieselben Ampelregeln wie für Radfahrer? Falls nicht, wird es ja auf dem Radweg noch komplizierter als es ohnehin schon ist.

    Wie wartest Du denn eine Kette, Christian F?

    Mit Schmiermittel + Lappen....Bei schönem Wetter ist es kein Problem, da geht es auch mehrere Wochen ohne Kettenpflege. Wenn es aber nass ist oder im Winter, mache ich das jedes Wochenende. Grade bei schlechtem Wetter würde ich dann lieber was anderes machen. Beim Riemen entfällt das ganz einfach.

    (Ist aber Jammern auf hohem Niveau.)

    Bin mit Riemenantrieb + Nabenschaltung sehr zufrieden.

    Nachteil:

    Riemenspannung einstellen ist hakelig. Ich habe mir dazu ein Messgerät gekauft, und damit kriegt man es sauber hin.

    Vorteil:

    1) Die wöchentliche Kettenpflege entfällt (bei ca. 200km/Woche bei jedem Wetter)

    2) Der Riemen hält deutlich länger als eine Kette. Ich bin den jetzt 15000 km gefahren, dabei zwei Winter, und er sieht immer noch gut aus.

    3) Riemen ist unempfindlich gegen Schlamm und Dreck.

    Neutral:

    Das Hinterrad aus- und einbauen ist genauso viel oder wenig lästig wie bei einer Kettenschaltung.

    Ich denke aber das hängt sehr von der Bauweise des Hinterbaus ab. Bei mir kann man das Hinterrad senkrecht nach unten rausnehmen, und die Einstellung der Riemenspannung erfolgt vorne über das Exzenter-Tretlager.

    Das ist ein Gates Centertrack - Riemen.

    Insgesamt hat sich für mich die Anschaffung gelohnt, weil der Wartungsaufwand für den Antrieb viel geringer ist als bei einer Kette.