Radwegebenutzungspflicht für Pedelecs

  • Auch bei den Leihfahrrädern nimmt die Zahl der E-Bikes zu, hier ist eines der ersten Modelle, dass ich 2021 in Hannover fotografiert habe:

    "Erstmals haben sich die Deutschen mehr E-Bikes als klassische Fahrräder zugelegt. Wie der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) heute mitteilte, entschieden sich im vergangenen Jahr 53 Prozent der Fahrradkäufer für ein Rad mit Elektromotor. Damit wurden 2,1 Millionen E-Bikes und 1,8 Millionen klassische Fahrräder verkauft. Im Jahr 2022 lag der motorisierte Anteil noch bei 48 Prozent." Das berichtet die tagesschau vom 13.3.2024.

    https://www.tagesschau.de/wirtschaft/unt…4der%20verkauft.

    Und jetzt? Für gewöhnliche Fahrräder verbreitet sich mittlerweile der Begriff "Bio-Bike" mehr und mehr.

    Siehe zum Beispiel hier:

    "Bio-Bike
    Radhaus Gemünden – Bio Bikes sind unsere coolen Bikes in die man noch richtig reintreten darf – OHNE E-MOTOR!"

    aus der Internetseite eines Fahrradgeschäftes: https://www.radhaus-gemuenden.de/produkt-kategorie/bio-bike/

    Nutzer*innen eines Bio-Bikes werden dadurch zu sogenannten "Bio-Biker*innen". Und die Pedelec-Nutzer und S-Pedelec-Nutzer heißen E-Biker*innen? Wird es bald keine Fahrradfahrer*innen mehr geben?

    Dass jetzt die 50%-Schallmauer beim Fahrrad-Neukauf geknackt wurde, könnte darauf hindeuten, dass in Zukunft auch deutlich mehr als die Hälfte der Fahrradfahrer*innen auf einem Pedelec fahren wird. Verbunden mit erfreulichen, möglicherweise aber auch weniger erfreulichen Folgen.

    Hier im Radverkehrsforum wurde zwar schon häufig über Fahrräder mit Hilfsmotor diskutiert, aber noch nicht so sehr unter dem Aspekt, dass möglicherweise die "Normal-Fahrradfahrerin" bzw. der "Normal-Fahrradfahrer" bald marginalisiert sein wird. Das fände ich bedauerlich. Das Fahrrad ohne Hilfsmotor ist eine so einfache und doch gleichzeitig eine technisch so geniale Konstruktion, dass es mit einem Elektromotor als Zugabe geradezu "verhunzt" wird. Weil aber im Kapitalismus zählt, was Kasse macht und mit Pedelecs fettere Gewinne möglich sind, wird der Trend zum Umstieg auf das Fahrrad mit Hilfsmotor vermutlich ebenso ansteigen wie die Verkaufszahlen.:(

    Oder werden die stolzen Neubesitzer*innen bald die Lust an ihren neuen Errungenschaften verlieren und wieder auf ihr altes und bewährtes Bio-Bike umsteigen, während der Neukauf, nachdem es zur "Steigerung des Bruttosozialproduktes"* beigetragen hat, im Keller vor sich hin rottet?:/

    * Hier auf You tube in einem Ausschnitt aus ZDF Hitparade 30.05.1983 mit Diether Thomas Heck:

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    Siehe auch Minute 2:00 "Die Gabentische werden immer bunter und am Mittwoch kommt die Müllabfuhr und holt den ganzen Plunder."

  • Nach meiner Erfahrung führen E-Bikes vor allem dazu, dass viel mehr Leute bereit sind, Wege von 10 km und (wesentlich) mehr mit dem Rad zurückzulegen, für die es bisher hieß "da muss man mit dem Auto fahren".

  • Den Begriff "Bio-Bike" lese ich gerade zum ersten Mal. Hoffentlich auch nie wieder…

    Einerseite begrüße ich E-Bikes, weil es neue Nutzergruppen erschließt, die aus welchen Gründen kein normales Fahrrad fahren können oder möchten.

    Anderseits sehe ich, dass es häufig diese Leute sind, die sich in Wahnweste und behelmt auf winzigen Radwegen bewegen, Fußgänger beseite klingeln… und das alles mit 25 km/h. Sowas gehört aber auf die Fahrbahn, aber die trauen sich nicht.

    Apropos E-Bikes: Es gibt immer mehr sehr große Lastenräder in Transporterform. Die fahren dann auch mit 25 km/h auf "Radwegen" rum. Als Fußgänger fühle ich mich von denen tatsächlich bedroht, weil die auch reine recht hohe Masse haben dürften, so dass ein Unfall entsprechende Folgen hätte.

    Und da wundern sich die Leute, dass die Zahl der Toten/Verletzten unter den Radfahrern nicht abnehmen...

    Solange Dummheit als plausible Erklärung ausreicht, sollte man keinen Vorsatz annehmen.

  • Nach meiner Erfahrung führen E-Bikes vor allem dazu, dass viel mehr Leute bereit sind, Wege von 10 km und (wesentlich) mehr mit dem Rad zurückzulegen, für die es bisher hieß "da muss man mit dem Auto fahren".

    Zumindest im Freizeit-Verhalten trifft das, meiner Beobachtung nach, durchaus zu, im täglichen Einerlei eher wenig.

    Im Alltag haben nicht wenige vom (Hallo Gerhardt) "Bio-Bike" zum E-Bike gewechselt, beim Großteil steht halt jetzt auch ein Radl mit Akku im Schuppen, das 3x im Jahr genutzt wird, zum Glück gibts ja auch das E-Auto, oder den Hybrid, mit dem der Rest der kurzen Wege zurückgelegt werden kann.

    Hab schon Bekannte, die sich wundern, wie das passieren kann, übern Winter das Radl nicht genutzt und schwupps, nah 6 Monaten ist der Akku schon mau.

  • Den Begriff "Bio-Bike" lese ich gerade zum ersten Mal. Hoffentlich auch nie wieder…

    Ich habe den Begriff zum ersten Mal in einem Stuttgarter Fahrradgeschäft gehört: "Wir verkaufen eigentlich fast nur noch E-Bikes, ganz selten mal ein Bio-Bike."

    In dem Artikel, "Wie nennt man ein Fahrrad?", vom 11.1.24, schreibt der Autor Rolf Bläsing (Jahrgang 1954):

    "Ich hab bisher von der Seite der Fahrradfahrer noch keine Position zu diesem schleichenden Prozess der „Umbenennung des Fahrrades“ gefunden, was ich schade finde, also wollt ich mal einen Standpunkt dazu loswerden. Natürlich gibt es Wichtigeres, und vielleicht ist es auch den meisten egal. Mir ist es nicht egal. Ich werde das Rad, mit dem ich unterwegs bin, niemals Bio-Bike, analoges Bike oder Muscle-Bike nennen. Im Moment komm ich noch ohne Motor über Berg und Tal, und es macht mich zufrieden, manchmal auch glücklich. Wenn ich das nicht mehr schaffe, kauf ich mir ein E-Bike und fahr damit über die Alpen oder auch nur bis zum Friseur oder zum Bäcker. Auch da freu ich mich drauf. Aber bis es so weit ist, nehm ich weiter das Fahrrad. So einfach ist das. So einfach könnte das sein…"

    Bio-Bike, Pushbike und Co.: Wie nennt man jetzt Fahrräder ohne Motor?
    Die Abgrenzung von Fahrrad und E-Bike wird offensichtlich immer schwieriger. Wie nennt man denn nun ein Fahrrad ohne Motor - wirklich Bio-Bike?
    www.radfahren.de

    Ist das jetzt die "Gnade der frühen Geburt"?, wenn man so schreiben kann? Müssen sich jüngere Menschen heute anhören: "Mensch, warum kaufst du dir denn kein E-Bike, damit tritt es sich doch viel leichter." Oder so wie es der Autor befürchtet: "Was hast du denn da für ein Fahrrad? Da ist ja gar kein Motor dran!"

    Ist die Einführung und Verbreitung des E-Bikes vergleichbar mit der Einführung und Verbreitung der Fahrrad-Gangschaltung? Die möchte doch auch kein "Bio-Biker" heute mehr missen. Oder doch? Schließlich gibt es Menschen, die stolz sind auf ihr "Fixie", was ja auch im Prinzip ein Fahrrad ist vor der Erfindung von Freilauf, Rücktritt und Gangschaltung. Und für einen Außenstehenden ist es auf den ersten Blick nicht unbedingt erkennbar, ob er vor einem "Fixie" steht. Ein "Fixie"-Fahrer jedenfalls wird nicht unbedingt darauf bestehen, dass sein Fahrzeug das einzig wahre und echte "Fahrrad" sei.

    Bedenklich finde ich den Begriff "Bio-Biker", weil der ähnlich klingende Begriff "Bio-Deutscher" in der rechten Szene verbreitet ist und von Deutschen mit Abstammungsdünkel als Selbstbezeichnung benutzt wird, um sich abzugrenzen von anderen Deutschen ohne Abstammungsdünkel. Andererseits, warum den "Schwurblern" und "Hetzern" die Definitionshoheit überlassen? Dann doch lieber den Begriff "Bio-" ein bisschen ironisch verwenden für ein Betätigungsfeld wie das Fahrradfahren mit einem "traditionellen" Fahrrad.

    Vielleicht ist es aber auch besser zumindest offiziell gar nichts anderes als den Begriff Fahrrad zu benutzen, egal ob es sich um eines mit Tretunterstützung handelt oder ohne daherkommt. Zumindest bei den Fahrrädern, die auch als Pedelecs bezeichnet werden. Und ein Speed-Pedelec darf gerne Mofa heißen oder E-Bike, denn es ist ja auch ein Motor-Fahrrad, bzw. Elektromotor-Fahrrad, jedenfalls sehr viel mehr als das, was früher mal als Mofa bekannt war, optisch aber eher wie ein Motorrad wirken sollte und bei dem die Pedale nicht wirklich zum Pedalieren benutzt wurden, sondern zum Füße abstellen.

    3 Mal editiert, zuletzt von Ullie (19. März 2024 um 08:07) aus folgendem Grund: Zitat durch kursiv und fett besser kenntlich gemacht.

  • Nach meiner Erfahrung führen E-Bikes vor allem dazu, dass viel mehr Leute bereit sind, Wege von 10 km und (wesentlich) mehr mit dem Rad zurückzulegen, für die es bisher hieß "da muss man mit dem Auto fahren".

    Dem halte ich entgegen, dass andere Fahrradfahrer*innen und auch viele Fußgänger*innen von den Pedelec-Fahrer*innen genervt sind:

    Anderseits sehe ich, dass es häufig diese Leute sind, die sich in Wahnweste und behelmt auf winzigen Radwegen bewegen, Fußgänger beseite klingeln… und das alles mit 25 km/h. Sowas gehört aber auf die Fahrbahn, aber die trauen sich nicht.

    Ich denke, dass viel mehr Pedelec-Nutzer*innen bei einem deutlich niedrigeren flächendeckenden Tempolimit innerorts (max. 25 km/h) deutlich häufiger die Fahrbahn benutzen würden, wo sie die Wahl dazu haben. Grundsätzlich Pedelec-Fahrer*innen die Fahrbahn-Nutzung so vorzuschreiben, wie das für S-Pedelcs gilt, davon halte ich wiederum nicht so viel.

    Solange jedenfalls der von Gerhart beschriebene Missstand besteht, werden sich Menschen auf "traditionellen Fahrrädern" ausgegrenzt fühlen von dem schnell dahinrollenden Pedelec-Fahrradverkehr. Und die Anzahl der Menschen, die das Pedelec als Pendler-Fahrzeug entdeckt haben, wird möglicherweise geringer sein, als diejenigen, denen die Lust am Fahrradfahren vergangen ist, weil ihnen die "Fahrradwelt" zu "schnelllebig" geworden ist.

  • Ich lese "Bio-Bike" hauptsächlich in einem anderen Fahrradforum. Mich stört der Begriff nicht.

    Selbst wenn irgendwann tatsächlich auch mehr E-Bikes im Alltag (und nicht nur für die drei Radtouren im Jahr bei schönen Wetter) genutzt werden, würde ich mich trotzdem nicht ausgegrenz fühlen.

    Und wenigstens finden diese drei Ausflüge dann auf Fahrrädern statt und nicht mit dem Auto.

    Vermutlich sind viele der verkauften E-Bikes auch Lastenräder, welche sozusagen als Zweit-Rad im Haushalt genutzt werden um das Zweit-Auto zu vermeiden.

  • Solange jedenfalls der von Gerhart beschriebene Missstand besteht, werden sich Menschen auf "traditionellen Fahrrädern" ausgegrenzt fühlen von dem schnell dahinrollenden Pedelec-Fahrradverkehr. Und die Anzahl der Menschen, die das Pedelec als Pendler-Fahrzeug entdeckt haben, wird möglicherweise geringer sein, als diejenigen, denen die Lust am Fahrradfahren vergangen ist, weil ihnen die "Fahrradwelt" zu "schnelllebig" geworden ist.

    Durch den von Gerhart beschriebenen Missstand werden sich wohl eher die Menschen davon abhalten lassen, zu Fuß zu gehen, solange das asoziale rücksichtslose Gehwegradeln nicht geahndet wird.

    Aber sonst teile ich die Sorge nicht. Hier in Stade bin ich meistens der Schnellste. Jedenfalls kann ich mich nur an sehr wenige Situationen erinnern, wo ich mal im Stadtverkehr von anderen Radfahrern überholt wurde. In anderen Städten passiert mir das aber regelmäßig, was darauf hindeutet, dass in Städten, in denen mehr Menschen das Rad nutzen, auch mehr Menschen schneller fahren. Da ich eher derjenige bin, der mit dem motorlosen Fahrrad die Pedelecs überholt, ist meine Beobachtung auch nicht durch den zunehmenden Anteil von Fahrrädern mit E-Unterstützung zu erklären.

    Eine brauchbare Infrastruktur erlaubt es auch, dass problemlos Radfahrer mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten unterwegs sind. Handtuchbreite "Radwege" sind dazu eher nicht geeignet, aber auf der Fahrbahn bin ich bisher immer an langsameren Radfahrern vorbeigekommen, auch wenn ich mal kurz langsamer werden musste, um eine Lücke abzuwarten.

    Wir haben aktuell wieder eines der Lastenräder unserer Lastenradinitiative bei uns zuhause, bzw. im Geschäft meiner Frau stationiert. Wenn das Rad gerade nicht ausgeliehen ist, nutzt meine Frau es auch gerne für Erledigungen und vor allem auch für Strecken um die 10km, die sie sonst mit dem Auto gefahren wäre. Zum Einen, weil sie auf dem Lastenrad alles mitbekommt, was auf ihrem normalen Fahrrad schon schwierig wird (z.B. Werkzeug) und zum Anderen sicherlich auch, weil das Lastenrad einen E-Motor hat. Ich beobachte auch im Freundes- und Bekanntenkreis, dass das Pedelec die Hemmschwelle, anstatt mit dem Auto das Fahrrad zu nutzen, deutlich herabsetzt. Insofern ist das keine Entwicklung, die ich mit Sorge betrachte, sondern die mir Hoffnung macht, dass das Fahrrad -egal ob mit oder ohne Motorunterstützung- weiter an Bedeutung im Alltagsverkehr gewinnt.

  • Meine Meinung: Das Pedelec ist die zweit-genialste Erfindung der letzten 30 Jahre. Gleich nach der Erfindung des Klimawandels.

    Ich denk ja gar nicht dran, ohne Motor rumzufahren. Wenn ich Sport machen wollte, würde ich Fußball gucken.

  • Durch den von Gerhart beschriebenen Missstand werden sich wohl eher die Menschen davon abhalten lassen, zu Fuß zu gehen, solange das asoziale rücksichtslose Gehwegradeln nicht geahndet wird.

    Das Problem ist das "rücksichtslose Gehwegradeln".

    Aber: Gibt es denn ein rücksichtsvolles Gehwegradeln?

    Ja, gibt es für bestimmte Fälle:

    Zum Beispiel dürfen in bestimmten Fällen Kinder auf dem Gehweg radeln.

    "Kinder von acht bis zehn Jahren dürfen den Gehweg benutzen oder fahren auf Radwegen oder der Fahrbahn. Ab zehn Jahren müssen sie Radweg oder Fahrbahn nutzen. Ein Elternteil oder eine andere Aufsichtsperson ab 16 Jahren darf das Rad fahrende Kind unter acht Jahren auf dem Gehweg begleiten." https://www.adfc.de/artikel/rechtl…-und-begleitung

    Und es gibt Gehwege, die für den Fahrradverkehr freigegeben sind. Dort ist ein gegenüber Fußgängern sehr rücksichtsvolles "Gehwegradeln" ausdrücklich vorgeschrieben.

    Bei älteren Verkehrsteilnehmerinnen sind Pedelecs sehr beliebt, weil mitunter altersbedingt die Fitness und/oder Gelenkigkeit nachlässt und andererseits je nach den persönlichen finanziellen Verhältnissen man sich so was leisten kann.

    Das sind dann Fahrradfahrer*innen, die noch in der Zeit aufgewachsen sind, als zum Beispiel ein so ausgeschilderter Gehweg [Zeichen 239][Zusatzzeichen 1022-10] benutzungspflichtig war für Fahrradfahrende. Und was man sich früh angewöhnt hat, das ist dann schwer, im Alter abzugewöhnen.

    Klar hat seit dem viel Aufklärung stattgefunden, aber eben auch viel Gegenpropaganda. Und es ist viel zu wenig getan worden, um das Fahrbahn-Fahrradfahren attraktiv zu machen und/oder für das Fahrradfahren geeignete Fahrradwege anzulegen. Deshalb halte ich wenig davon, die Keule auszupacken, um das Gehwegradeln zu unterbinden. Dafür aber sollte viel mehr darüber aufgeklärt werden, dass das Gehwegradeln in bestimmten Fällen erlaubt ist. Und dass in diesen Fällen besondere Rücksicht auf den Fußverkehr verpflichtend ist. Und stets herausstellen, dass es grundsätzlich verboten ist auf Gehwegen zu radeln.

    In eine solche Kampagne kann dann eingebettet werden, dass Pedelec-Fahrer*innen noch gründlicher und genauer überlegen müssen, ob es denn wirklich Not tut, einen für den Radverkehr freigegebenen Gehweg zu benutzen oder einen Angebotsradweg zu benutzen, von denen viele sehr schmal sind und dicht am Fußverkehr verlaufen. Auch wenn es gesetzlich kein Kraftfahrzeug ist, wie zum Beispiel ein Elektro-Tretroller, der auch ganz offiziell als Kleinstkraftfahrzeug eingestuft ist, so ist trotzdem der Motor eines Pedelec oft vergleichbar stark wie der eines E-Tretrollers. Und mit dem Pedelec kann man schneller fahren als mit dem E-Tretroller. Die Motorkraft wird erst bei 25 km/h abgeregelt. Der Tretroller fährt bis zu 20 km/h schnell.

  • "Keule durch die Hintertür":

    Nein. Gehwege sind zum Gehen (daher der Name) und nicht zum Radeln.

    Das würde, je nachdem, wie konsequent oder dogmatisch man es weiter denkt, bedeuten, dass man bei allen Gehwegen, für die eine Radverkehrsfreigabe angeordnet ist, das [Zusatzzeichen 1022-10] abbauen muss. Das Begleiten von auf dem Gehweg Rad fahrenden Kindern wäre Erwachsenen dann auch nicht mehr auf dem Fahrrad möglich. Für Kinder unter 10 Jahren gäbe es dann möglicherweise auch kein Fahrradfahren mehr auf dem Gehweg? Vielleicht müsste sogar das Benutzen eines Angebot-Fahrradweges verboten werden? Und eigentlich dürfte es dann auch keine gemeinsamen Geh- und Radwege mehr geben [Zeichen 240]?

    Kann man alles machen und würde ich auch befürworten, aber nur unter der Voraussetzung, dass das Fahrbahn-Fahrradfahren parteiübergreifend gefordert wird. Und wenn deutlich strengere Auflagen und Begrenzungen für den Autoverkehr gelten und auch umgesetzt werden.

    Realistischer wäre es m. E. wenn man die eben gegebene Beschreibung umformuliert für Fahrräder, die mit einem Hilfsmotor versehen sind. Radfahrer frei würde dann bedeuten Fahrradfahrer*innen (im Sinne von "Bio-Bike") dürfen weiter den Gehweg benutzen, wenn der mit einer Radverkehrsfreigabe ausgeschildert ist. Aber Pedelec-Fahrer*innen dürften dann nicht mehr auf einem solchen Gehweg fahren, der für den Fahrradverkehr freigegeben ist. Das ließe sich auch auf sogenannte Angebotsradwege übertragen. Diese sind ohnehin oft sehr schmal, weil häufig nach längst veralteten Mindeststandards gebaut, und deshalb nicht geeignet für Pedelec-Verkehr. S-Pedelec dürfen da ohnehin heute schon nicht fahren.

    Sollte sich tatsächlich die Entwicklung bei der Verbreitung der E-Bikes weiter so fortsetzen, dass sich die Verkaufszahlen von Jahr zu Jahr weiter steigern, dann werden die Fahrer eines Fahrrades im bisher herkömmlichen Sinne vermutlich immer mehr zur Ausnahme. So könnte man dann durch die Hintertür eine viel wirkungsmächtigere "Keule gegen das Gehwegradeln" einbauen, die dann auch die Gehwege deutlich entlastet, die für den Fahrradverkehr freigegeben sind.

    Aber es müsste sehr bald gehandelt werden. Noch gibt es viele Fahrradfahrer*innen (im Sinne von Bio-Bikern), die da erst mal kein Problem drin sehen würden, wenn Pedelec-Fahrer*innen per StVO die Nutzung von Angebotsradwegen oder für den Fahrradverkehr frei gegebenen Gehwegen untersagt wird.

    Wenn aber erst mal so gut wie alle auf Pedelec umgesattelt haben, dann würde es schwieriger werden, das Fahrradfahren mit einem Pedelec auf einem Angebotsfahrradweg oder auf einem gemeinsamen Geh- und Radweg grundsätzlich zu verbieten. Der jetzige Zeitpunkt, zu dem gerade die Verkaufszahl von Pedelecs die von Fahrrädern ohne Hilfsmotor übertrumpft, wäre der richtige Zeitpunkt in die von mir vorgeschlagene Richtung zu gehen. Es ist einfacher Privilegien zu entziehen, wenn viele von diesen Privilegien bislang noch gar nicht profitieren. Das Privileg, mit einem Fahrrad mit Hilfsmotor auf einem Fußweg zu fahren, der für den Fahrradverkehr freigegeben ist, das ist ein solches Privileg.

    Umgekehrt kann das Privileg mit einem Fahrrad auf einem Gehweg zu fahren, der für den Fahrradverkehr freigegeben ist, unproblematisch erhalten werden, denn wenn die Entwicklung so weitergeht, dass das Pedelec das neue Standard-Fahrrad wird, dann wird es immer weniger Fahrradfahrer*innen geben, die dann noch auf einem Gehweg fahren dürfen, der für den Fahrradverkehr freigegeben ist.

  • Und eigentlich dürfte es dann auch keine gemeinsamen Geh- und Radwege mehr geben [Zeichen 240]?

    Meiner Einschätzung nach dürfte es an mindestens 95% der damit beschilderten Wege dieses Verkehrszeichen in der Tat nicht geben, wenn sich Verkehrsbehörden an geltendes Recht halten und die technischen Regelwerke beachten würden.

    Umgekehrt kann das Privileg mit einem Fahrrad auf einem Gehweg zu fahren, der für den Fahrradverkehr freigegeben ist, unproblematisch erhalten werden

    Warum sollte man das tun?

  • "Keule durch die Hintertür":

    Das Symbol im reinmontierten Zz hat nicht die Bedeutung "Pedelec", sondern laut § 39 "Einsitzige zweirädrige Kleinkrafträder mit elektrischem Antrieb, der sich auf eine bauartbedingte Geschwindigkeit von nicht mehr als 25 km/h selbsttätig abregelt – E-Bikes –", also im Prinzip sowas wie E-Mofas ...

    Ob das Original-Zz so zulässig bzw. verbindlich ist oder ignoriert werden kann, wäre eine interessante Frage ... Wo ist das?

  • Warum sollte man das tun?

    Was vermutest du denn, warum Fahrradfahrer*innen auf einem Gehweg Fahrrad fahren, wenn der Gehweg für den Fahrradverkehr freigegeben ist? Hier ein Hannover-Beispiel:

    Hier auf streetview:

    Google Maps
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    www.google.com

    Bei diesem Beispiel aus Hannover vermute ich, dass Fahrradfahrer*innen ungern die Fahrbahn benutzen, weil darauf die ortsüblichen 50 km/h gefahren werden dürfen und manche Autofahrer*innen noch schneller fahren. Außerdem weitet sich die Straße nach ca. 150 m auf und es gibt dann drei Fahrspuren wegen einer Kreuzungssituation:

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    Und direkt danach werden es vier Fahrspuren wegen einer abermaligen Kreuzungssituation:

    Google Maps
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    Häufige Selbstversuche zeigen mir zudem immer wieder, dass man damit rechnen muss, von Autofahrern beschimpft oder angehupt zu werden, wenn man in der Blumenauer Straße auf der Fahrbahn fährt. Da kann ich es gut verstehen, dass Fahrradfahrer*innen lieber den Gehweg mit Radverkehrsfreigabe benutzen. Mache ich auch hin und wieder. Alleine schon, um die Nerven zu schonen.8) Und besonders schnell bin ich ohnehin nicht unterwegs. Jedenfalls nicht so schnell wie du, der nach deiner Beschreibung auf dem "Bio-Bike" mühelos Pedelec-Fahrer*innen selbst dann abhängt, wenn die am Unterstützungs-Limit fahren. Da bin ich raus, das würde ich vielleicht gerade noch so eben für ein paar wenige Meter schaffen. Trotzdem behaupte ich mal so ganz dreist von mir, dass ich da fahrradtempotechnisch noch deutlich über dem Durchschnitt liege, besonders wenn man die vielen Gelegenheitsfahrradfahrer*innen und "Selten-oder-nie-Fahrradfahrer*innen" aller Altersstufen mit einbezieht.

    Allerdings erlebe ich gerade, dass die zunehmende Zahl der Pedelec-Nutzer*innen mich häufig "alt" aussehen lässt. Es geht mir hier aber nicht darum, es denen irgendwie heimzuzahlen oder ein Revanchefoul zu begehen. Ich bin auch selbst schon bei manchen Gelegenheiten mit dem Pedelec gefahren.

  • Was vermutest du denn, warum Fahrradfahrer*innen auf einem Gehweg Fahrrad fahren, wenn der Gehweg für den Fahrradverkehr freigegeben ist?

    Das ist mir egal. Ich vermute nämlich auch, dass Leute, die ihr Auto in der Feuerwehrzufahrt parken, einfach nur zu faul sind, ein paar Schritte mehr zu Fuß zu gehen. Erlauben würde ich das deswegen trotzdem nicht.

  • Das Symbol im reinmontierten Zz hat nicht die Bedeutung "Pedelec", sondern laut § 39 "Einsitzige zweirädrige Kleinkrafträder mit elektrischem Antrieb, der sich auf eine bauartbedingte Geschwindigkeit von nicht mehr als 25 km/h selbsttätig abregelt – E-Bikes –", also im Prinzip sowas wie E-Mofas ...

    Ob das Original-Zz so zulässig bzw. verbindlich ist oder ignoriert werden kann, wäre eine interessante Frage ... Wo ist das?

    Das habe ich bei beiden Fotos einfach mal so reinmontiert:

    Diese Beschilderung gibt es meines Wissens nicht in echt. Dass das Schild mit dem Fahrrad mit Kabel dran nicht Pedelec bedeutet, finde ich verwirrend. Da es das Zeichen für E-Mofas ist, die also ohne Tretunterstützung bis zu 25 km/h fahren, hat es natürlich keine Bedeutung, denn so was darf ohnehin nicht auf einem innerstädtischen Fahrradweg fahren.

    Im Original sieht das übrigens so aus:

    streetview-Link: https://www.google.com/maps/@52.33563…i8192?entry=ttu

    Und das gibt es in der Göttinger Chaussee auch noch an anderen Stellen:

    streetview-Link: https://www.google.com/maps/@52.33728…i8192?entry=ttu