Radfahren in...Dingenskirchen

  • So, nachdem es ja recht oft zu Schilderungen aus den unterschiedlichsten Ecken der Republik - mit einem deutlichen Schwerpunkt im Bereich einer unbedeutenden Provinzstadt mit Hafen 8) - kommt, und auch ich ab und an gerne einmal berichten würde, ohne dazu jedesmal ein neues Thema zu eröffnen, dachte ich mir, warum nicht ein eher allgemeiner Thread zu euren Erfahrungen in verschiedenen Orten der Welt. Oft ist es ja auch so, dass man über die meisten Orte nicht unbedingt themenfüllend berichten kann, einfach weil nichts passiert oder sich nichts ändert. So war ich z.B. über Ostern in meiner Heimatstadt Mönchengladbach unterwegs. Die Wettervorhersage klang vielversprechend - auf jeden Fall besser als die für München - also habe ich nach ca. 15 Jahren mal wieder mein Rad eingepackt und mich auf den Weg gemacht. Wetter war dann leider doch nicht ganz so prall, böiger kalter Wind und mehr Wolken als Sonne. Trotzdem habe ich eine 15km Runde durch die nördlichen Stadtbezirke und die Innenstadt gemacht. Woah! Rückblickend verwundert es mich nicht, dass mir auf den 15km lediglich 7 Radfahrer begegnet sind. Allgemein sind die Straßen in einem üblen Zustand, aber die größtenteils beblauten Rad"wege" (eigentlich müsste man sie an vielen Stellen als Pfad bezeichnen) unterbieten diesen Zustand noch. Überhaupt fällt im Vergleich zu München auf, dass es noch immer ca. 50% der Lollys in der alten Form gibt. Ich bin teilweise meinen alten Schulweg abgefahren. Da hat sich in 20 Jahren wirklich gar nichts verbessert, es ist nur noch übler geworden. Der Modal Split liegt in MG aktuell bei ca. 5% Radfahreranteil. Das spürt man dann auch am Verhalten der Autofahrer. Für die sind Radfahrer Aliens. Und leider werden auch neue Radwege in meinen Augen schlecht geplant und gebaut. Wobei das vielleicht eine persönliche Einschätzung ist, aber ich finde dieses rote Verbundpflaster als Radwegbelag einfach scheiße. Vor allem, wenn es keine "richtige" (kleine Kante o.ä.) Abtrennung zum Gehweg gibt. Rollwiderstand, Vibrationen, Fußgänger...nervt. Schön ist in MG auch oft, dass aus einem Handtuchradweg im Bereich der Furt ein deutlich breiterer Weg wird, nur um dann hinter der Furt wieder so ein Pfad zu werden. Oder auch Furtmarkierungen, die Radfahrern suggerieren, dass der Radweg jetzt auf dem Hochbord weiterführt, es sich in der Realität aber nur um einen reinen Gehweg ohne Freigabe handelt. Achja, Fotos habe ich leider keine gemacht, ich war vermutlich noch im Schockzustand und habe es vergessen :D .


    Highlights: Hohenzollernstraße, Zeppelinstr. Ecke Krefelderstr. (letztere auch ganz allgemein)

  • Neulich in EMMERICH.
    Entlang einer Bundesstraße (Ausfallstraße vom Stadtkern zur Rheinbrücke) hat es [Zeichen 241-30] . Die Unterteilung erfolgt mittels weißer Linie auf dem Gehweg. Die Breite des eigentlichen Gehwegs misst aber nur 0,8 Meter :!: . Das Begegnen von Fußgängern und Überholen oder nebeneinander Gehen ist dadurch verboten. Achja, da an einigen Stellen Parkbuchten vorhanden sind, radelt es sich dort in der Dooringzone - neben dem Supergehweg in Bonsaiformat.


    Achja, noch etwas: An einer Kreuzung an einer Ecke ist der Radweg auf dem vorhandenen Hochbord derart "aufgebläht", dass der Gehweg nur noch eine Restbreite von 0,5 Metern hat. Und das um eine Ecke herum (hohe Grundstückseinfriedung).

  • Neulich in VIERSEN (nicht weit von MG ;-)


    Zunächst hatte ich schnell den Eindruck, dass ich dort nicht leben möchte! Trotz der Nähe zu den Niederlanden, das platten Landes und der kompakten Stadtgröße spielt der Radverkehr kaum eine Rolle. Kaum verwunderlich, denn für ganz "normale" Radler scheint es so unattraktiv für nur möglich gemacht. Im Zentrum gibt es einen langen Geschäftsstraßenzug, der zur Hälfte Fußgängerzone ist (Radlern natürlich verboten) die andere Hälfte Einbahnstraße ohne Freigabe für Radelfans. An querenden Hauptstraßen fehlen sinnvolle Übergänge für Radler, die Straßenprofile dieser Hauptstraßen sind eng mit starkem MIV - ohne Radverkehrsanlagen, aber mit maximaler Zahl Stehzeuge. Da möchte kaum jemand freiwillig radeln.


    Entlang der langen Geschäftsstraße fuhr mal eine Straßenbahnlinie, der Straßenraum ist also ausreichend breit. Aber leider haben es die Viersener verstanden, den Radverkehr dort so weit wie möglich auszuklammern. Die Fußgängerzone wurde derart hässlich und unglücklich mit Niveausprüngen, Treppchen, Beulen, Plastiken, Brunnen, Bäumen, und anderem Gedöhns möbliert, dass eine mittlere Fahrgasse für Radler unmöglich ist. Allerdings ist der Lieferverkehr von 18/18.45-10 Uhr frei.



    Der Teil mit der Einbahnstraße ist beidseitig vollgestopft mit Stehzeugen. Es gibt in die vorgegebene Fahrtrichtung starken MIV (u.a. auch Linienbusse, Lieferverkehr, Parksuchverkehr), das entgegen der Fahrtrichtung das Radeln wohl kaum erlaubt werden könnte, ohne eine Reihe Stehzeuge zu eliminieren.


    Naja, zudem habe ich selten so eine Häufung von TEDIs, 1-Euro-Shops, usw. im Stadtzentrum gesehen . . . :|


    Dann gibt es da noch eine fette vierspurige Hauptstraße Richtung MG. Die hat allerdings einen einseitigen [Zeichen 240] mit Radgegenverkehr. Beim Übergang von der einseitigen auf beidseite Radverkehrsführung nahe Bahnhof gab es dann Probleme. U.a. gab es eine markierte Radspur auf der Fahrbahn mit Fahrradpiktogramm, auf dem Gehweg stand aber gleichzeitig [Zeichen 240] . Ein legaler Seitenwechsel vom linken [Zeichen 240] (wo dieser endete für den Gegenverkehr) auf die rechte Straßenseite war nicht vorhanden.


    Zwischen Bahnhof und Innenstadt wurde dann noch relativ frisch eine Bresche in das frühere Straßenraster durch eine fette Umgehungsstraße gebolzt, wodurch dem Stadtbild erhebliche Schäden zugefügt wurden.


    Auf meinen Bildern habe ich lediglich zwei Radler gefunden.

  • Neulich in VENLO:


    Nicht sehr weit entfernt von Viersen liegt Venlo. Von Stadtzentrum zu Stadtzentrum 25,8 km per Auto laut googlemap. Doch in Venlo ist alles anders als in Viersen. Die Altstadt hat enge Straßen und Gassen, fast ausnahmslos für den Radverkehr freigegeben. Die Altstadt ist für MIV mit elektrischen Pollern abgeriegelt. Es wimmelt nur so an fietsern. Überall parken die fiets. Auf allen Ausfallstraßen aus dem Zentrum gibt es regen Radverkehr, z.T. gibt es Radschnellwege. Aber auch die älteren Radwege, die straßenunabhängig geführt sind, sind sehr breit dimensioniert.


    Im Stadtteil Blerick gibt es auch eine Fußgängerzone, vom Charakter her (Breite, Bebauung, Linienführung) ähnlich der Viersener Hauptstraße. Es gibt mittig die Fahrgasse für Radler, niemand regt sich über Radler in der Fußgängerzone auf, wie natürrlich auch nicht im Altstadtkern von Venlo, wo es natürlcih auch regen Fußgängerverkehr hat. Aber ist es selbstverständlich, dass Radler und Fußgänger sich die Straßen und Sträßlein teilen. Es scheint weder Kampfradler zu geben, noch erschrockende Fußgänger. Alle fahren Rad durch die Innenstadt, Alt und Jung.


    Irgendwie schade, dass mit den Grenze, die im vereinigten Europa ja eigentlich nicht mehr vorhanden ist, schlagartig das Verkehrsklima, die Verkehrsmittelwahl, die Verkehrskultur derart umschlagen. Selten liegen zwei so unterschiedliche Welten so dicht beieinander . . . .

  • So, nachdem es ja recht oft zu Schilderungen aus den unterschiedlichsten Ecken der Republik - mit einem deutlichen Schwerpunkt im Bereich einer unbedeutenden Provinzstadt mit Hafen 8) - kommt,(letztere auch ganz allgemein)


    Da ich, während ich diese Charakterisierung lese, gerade in der Bayerstraße in einem Ort im Voralpenraum sitze, würde ich mich der Subsumierung dieser Gemeinde unter »Dingenskirchen« anschließen. Gerne erinnere ich mich an einen Hinweis desjenigen Hamburger Fußballclubs, der seine Heimspiele nicht neben einer Müllverbrennungsanlage austrägt, dass der Gegner aus diesem anderen Ort seine Heimspiele in einer Art Schwimmreifen austragen müsse, man ihn aber trotzdem nicht unterschätzen solle. Aber da der Schweinebraten gut geschmeckt hat, der eine Knödel doppelt so groß war wie zwei Knödel und die Spezi nur halb so teuer war wie in diesem Hafenstädtchen, komme ich gerne wieder hierher. Außerdem ist dieser Ort neben Schwarzach-St. Veit das einzige Kaff, in dem ich mir mal ein Fahrrad ausgeliehen habe: vom Hbf bis zum Feringasee - es war eine sehr schöne Tour und das Radeln im Englischen Garten ein Traum verglichen mit dem Radeln entlang der Alster ...
    Außerdem sehe ich hier dauernd Hochbordradwege, die direkt an der Bordsteinkante entlangführen, das heißt, der abbiegewillige Autofahrer hat die geradeaus fahrenden Radler voll im rechten Außenspiegel im Blick, während in Hamburg wegen der normalerweise um rund anderthalb Meter zurückgesetzten Radfurten der Autofahrer mit seinem Auto schräg in der Abbiege steht und über die Spiegel nichts sieht - und dank der B- und C-Säulen in seinem Auto per Schulterblick so gut wie nichts.

  • und das Radeln im Englischen Garten ein Traum verglichen mit dem Radeln entlang der Alster ...


    Nun ja, in manchen Hafenstädten soll es ja so richtige Parks geben, z.B. einen, der den früheren Namen des Stadions neben der MVA trägt, oder den "Stadtpark". Da liegen zwar keine Nackedeis rum, Wildwassersurfer hat es da auch keine, aber radeln geht da auch. Und soll es nicht auch den "Bürgerpark" in einer Hafenstadt geben, wo Radeln sehr beliebt ist?


    Übrigens habe ich von Einheimischen der Stadt mit der Bayerstraße vernommen, dass das Radeln auf dem Zweirichtungsradweg entlang des Flusses da nahe dem Stadtzentrum zuweilen recht chaotisch sein soll. Ich glaube das entsprcht in etwa den Verhältnissen der Radwege entlang der Außenalster :rolleyes:

  • ich finde dieses rote Verbundpflaster als Radwegbelag einfach scheiße

    Das wird hier in Wismar (Ostsee) von der Planungsbehörde als Stand der Technik verkauft, das muss so sein, weil im Radweg ja so viele Medien liegen, die leicht zu errecihen sein müssen *grmpf*
    ERA was ist die ERA? Die ist doch nur dafür da, um Radwegbenutzungspflichten zu begründen *BINGO*

  • Hi
    ich denke, dass es billiger ist, Asphalt aufzuflexen, wegzunehmen und nach Baustellenende neu drüber zu ziehe, als die Verbundsteine von Hand einzeln aufzunehmen, zu säubern und nach der Bauphase noch mal neu von Hand zu legen.
    Abgesehen davon, dass die Erstellung in Asphalt für den ganzen Weg so viel billiger ist, dass man von dem gesparten Geld viele Baumaßnahmen auf diesem Weg durchführen kann.


  • Abgesehen davon, dass die Erstellung in Asphalt für den ganzen Weg so viel billiger ist, dass man von dem gesparten Geld viele Baumaßnahmen auf diesem Weg durchführen kann.


    Das Geld stammt halt oft aus verschiedenen Töpfen. Wenn die Stadt den Radweg aus Fördermitteln baut, hat sie wenig von eventuellen Kostenersparnissen, wenn sie im Nachinein höhere Baukosten hat, die aus dem eigenen Etat gestemmt werden müssen.

  • Dingenskirchen hieß für mich am Wochenende Malente. Leider habe ich keine Fotos gemacht. Ich versuche es mal textlich.
    Da gibt es also die L 174, die von Nordosten kommend in den Ort hineinführt. Das Gelände ist hügelig (daher »Schweizer Straße«), es gibt keine Blauschilder und nichts, was irgendjemand für einen Radweg halten könnte.

    Also müssen Radfahrer auf der Fahrbahn fahren, ganz wie es die StVO vorsieht. Trotz Steigungen, Kuppen, Kurven.


    Und dann biegt man in der Ortsmitte

    in die Bahnhofstraße ab. Der Verkehr fährt langsam, es ist eine Art Einkaufsstraße - und was passiert? Blauschilder auf der Nordseite und Fahrradsymbole auf dem Rotklinker. In beiden Richtungen. Also die Symbole auf dem Klinker. Die Schilder stehen zwar auch in beiden Richtungen, aber auf keinem dieser Schilder wird per Zusatzschild vermerkt, dass in beiden Richtungen Benutzungspflicht bestehen soll. Wer also ab der L 174 den für ihn rechtsseitigen Radweg benutzt, erhält keinen Hinweis darauf, dass er mit Gegenverkehr zu rechnen hat.


    Was für ein Unfug.
    In mehrfacher Hinsicht.

  • Eigentlich wollte ich hier (Sicher geradeaus! Leitfaden des Berliner Senats zur Sicherung des Radverkehrs vor abbiegenden Kfz) posten, wäre aber wohl doch zu off topic.

    Hat mich auch erstaunt. Von dem was man so hört, dachte ich eigentlich, Hannover sei nicht besser als Berlin oder gar Hamburg.

    Naja, Hannover hat seine guten Ecken, man merkt auch, dass sie sich Mühe geben die Infrastuktur für Radfahrer zu verbessern. Allerdings merkt man auch stark, dass die Priorität nach wie vor auf dem KFZ liegt und viele Dinge für Radfahrer nur dort gemacht werden, wo Platz ist.
    Ebenso haben einige Maßnahmen nur symbolischen Charakter. So ziemlich jede Fahrradstraße hier gehört zum Beispiel dazu (ist in den meisten Städten wohl nicht anders). Diese bewirken eigentlich keine nennenswerten Vorteile, wenn Kraftfahrzeuge weiterhin freigegeben sind und das Verhalten der entsprechenden Fahrer sich nicht anpasst.
    Die Fahrradstraßen kenne bieten ja nicht einmal Vorteile in der Route. In der Nähe der (recht stark befahrenen) Sallstraße gibt es zwei Fahrradstraßen, die auch nur semi parallel zu der Sallstraße führen. Teils auch ganz woanders hinführen (was je nach Ziel halt auch gut sein kann ; ) ). Schneller ist man jedenfall dort nicht unterwegs, da an jeder Kreuzung rechts vor links gilt und man gerne mal abbremsen muss um sich in den relativ engen Straßen doch mal mit entgegenkommenden KFZ arrangieren muss.
    Einzig die lange Laube ist mri bekannt, die vom Zweck der Fahrradstraße nicht völlig überflüssig ist. KFZ sind auch hier freigegeben, allerdings nur für Anlieger. Für alle anderen auch nicht sinnvoll zu befahren, da baulich für gesorgt wurde, dass für mehrspruige Fahrzeuge kein Durchgangsverkehr stattfinden kann. Am Ende der langen Laube folgt eine Bettlerampel, die über eine ebenfalls einigermaßen stark befahrene Straße führt. Einige Meter vor der Ampel gibt es eine Fläche mit Induktionsschleife oder so, die Bettlerampel schon in der Fahrt auslöst. Nähert man sich der Ampel mit etwa 15 km/h kriegt man auch rechtzeitig grün, wenn man dort angekommen ist. Außer natürlich, wenn gerade schon grün war, dann muss man etwa 30 Sekunden warten.
    Meiner Meinung nach ein guter Kompromiss an dieser Stelle.


    Wenig verwunderlich ist, dass die Radwege an den beiden ganz großen Hauptverkerhrsstraßen Hildesheimer und Vahrenwalder Straße besonders beschissen sind. 80 bis 100cm breit, nah an parkenden Autos, buckelig, auch Schilder teils sehr nah am Radweg, benutzungspflichtig. Vermeide ich nach Möglichkeit. Manchmal nachts, dann aber auf Fahrbahn. Gelangweilte Polizisten haben mich deswegen aber auch schon zweimal angehalten... (jeweils mit mündlicher Verwarnung).
    Diese Straßen haben aber auch nie wirklich Umgestaltungen erfahren und man könnte sagen: War schon immer scheiße, wird auch ohne sehr teuren Umbau scheiße bleiben.


    ABER:
    Auch neugestaltete Straßenzüge verbessern den Radverkehr nur minimal oder verschlechtern diesen sogar.
    Die Sallstraße wurde vor wenigen Jahren stellenweise komplett erneuer, von Hauswand zu Hauswand.
    Aber weiterhin benutzungspflichtiger Radweg. Immerhin nun 1,50 breit, aber großteils im Türbereich der parkenden Autos.
    Ne Radspur auf der Fahrbahn oder Schutzstreifen seien zu gefährlich, würden von vielen nicht benutzt. Absenkung auf 30km/h käme auf keinen Fall in Frage.
    Paar Parkplätze mussten weichen für Bäume und paar Fahrradbügel auf einer Seite des Baumes (zwischen Parkplatz und Baum). Frage mich immernoch, warum nicht noch paar Tausend Euro für weitere Fahrradbügel über waren? Auf der anderen Seite der Bäume. Benötigt werden die. Aber darf wohl nicht sein, dass mehr Fahrradstellplätze vorhanden sind als Parkplätze.
    Der Radweg ist wie gesagt alles andere als optimal, was dafür aber recht nett geworden ist, ist, dass Radfahrer (und Fußgänger) bei Kreuzung von Nebenstraßen auf einer Ebene bleiben und Fahrzeuge aus der Nebenstraße eine Erhöhung rauf und runter müssen. Der Radweg ist dadurch auch optisch durchgängig und wie sonst oft tyisch wird nicht der Radweg für die Nebenstraße unterbrochen, sondern die Nebenstraße für den Radweg. Autos tasten sich gefühlt auch eher an die Kreuzung ran (die Erhöhung wirkt ja auch wie ein Geschwindigkeitspoller) und preschen nicht immer sofort an den Rand der Kreuzung ran. Dennoch stehen einen sehr oft Autos im Weg.



    Noch schlimmer ist die Neugestaltung der Brücke am schwarzen Bären über der Ihme. Die Straßenbahnhaltestelle liegt nun genau auf dieser.
    Kompromiss. Auf beiden Seiten ist so ein Mischmasch aus getrennten ung gemeinsamen Fuß- und Radweg. Oder der Radweg hört einfach auf. Durch Dönerbuden und Kneipen mit Stühlen und Tischen, oder Werbetafeln bleiben an einer Stelle etwa 1,20 für Radfahrer und Fußgänger.
    Aber wichtig ist, dass der KFZ zwei spuren je Richtung haben. Ein eigener Rechtsabbieger ist halt wichtig...
    Genau diese Dinge hat auch der eine recht berühmte Kopenhagener Verkehrsplaner bemängelt ; )


    Ätzend ist auch, dass viele Radwege in zwei Richtungen freigegeben sind, obwohl nicht sonderlich breit oder nicht nötig. Soll als Service dienen. Ein paar Stellen sind nur sehr kurz (50 bis 100m) und sollen die Erreichbarkeit von bestimmten Nebenstraßen ermöglichen, da man sonst nur über unnötig große Umwege hinkommt. Akzeptabel, habe eine Stelle auch fast täglich genutzt, da wäre ich auch illegal im Gegenverkehr gefahren, da ich nicht für 100m zweimal eine viersprurige Straße mit mittigen Straßenbahnschienen gekreuzt hätte.
    Zu häufige Erlaubnis züchtet aber leider auch Geisterradler...


    Inakzeptabel sind teilweise auch Ampelphasen für Radfahrer. Kreuzung Friedrichswall / Willy-Brandt-Allee ist da ne große Spezialität.
    Geteiltes Piktogramm für Radfahrer und Frußgänger. 12 Sekunden früher gibt es hier rot im Vergleich zur Fahrbahnampel.
    Wenn sich nicht gerade ein rechtsabbieger von hinten nähert fahr ich hier auch bei rot rüber, wenn auf der Fahrbahn noch grün ist. Das ist mir sonst schlicht zu blöd.


    Manche nervige Straßen und Ecken in Hannover kann man aber zum Glück oft genug durch sehr schöne Wege ersetzen.
    Hannover hat sehr viele Wälder, Grünanlagen, Parks, Seen, Flüsse, Kanäle etc. Kleine Umwege lohnen sich oft für eine schönere Strecke, die nicht einmal zeitlich länger dauern muss.
    Mein Arbeitsweg ist mittlerweile von ursprünglich 11km auf 13km gewachsen.
    Dafür sind nur noch 2,5 bis 3km tatsächlich auf Straßen. Und nur etwa 1000 davon bieten wirklich Konfliktpotential (kann ja schon genügen).
    Der Rest ist einfach Strecke im Grünen. Ein paar kleine Abschnitte sind zwar ruppelig, andere hingegen hervorragend asphaltiert. Dafür eben insgesamt recht gemütlich und vor allem schön : )

  • So, ich war die letzten Tage familiär bedingt mal wieder in MG. Meine Eltern leben am Stadtrand und ich bin dann am Samstag mal die 3 oder 4km bis in die Innenstadt gefahren. Auf der Krefelderstr. (Abschnitt zw. Zeppelin-/Alsstr.) ist der Radweg seit vermutlich 40 Jahren unverändert. Breite knapp in Ordnung, er ist sogar asphaltiert (mag ich deutlich lieber als Betonpflaster), aber der Zustand...Obwohl dort keinerlei Bäume stehen ist das eine ganz schöne Rüttelpiste inkl. unzähliger Ausfahrten, die mit grobem Pflaster ausgeführt wurden. Außerdem gibt es dort - offenbar geduldet - illegales Gehwegparken. Dann Hindenburgstraße. Die wurde Ende der 80er komplett neu gestaltet. Die benutzungspflichtigen Hochbordradwege sind erheblich zu schmal (ca. 80cm + 50cm Sicherheitsstreifen zu den Längsparkern). Jetzt folgt ein Abschnitt über eine nagelneue Straße, für die man ein ganzes Viertel niedergemäht hat. Wieder Hochbordradwege (gepflastert) und wieder nicht mehr als nötig. Auch hier abschnittsweise wieder parkende Autos auf dem Geh-/Radweg. Ampeln fast alle nur mit gemeinsamen Piktogrammen. Steinmetzstraße Ecke Albertusstraße. Haha. Bergab fährt man dort Slalom um Ampelmasten, Poller, Verkehrszeichen und Betonstützen. Teilweise kein Durchkommen, weil Fußgänger gar keine Aufstellflächen an den Ampeln haben. Die Straße dort ist auch noch nicht sooo alt. Dafür hat man an der Tiefgaragenzufahrt des neuen Einkaufszentrums versehentlich(?) das Fahrradverbot der Fußgängerzone aufgehoben. [Zeichen 242][Zusatzzeichen 1022-10]
    Steht sonst an keiner anderen Zufahrt zur Fußgängerzone. Verglichen mit München sind in MG extrem wenig Radfahrer unterwegs. Spürt man auch an Baustellen. Ich bin an mehreren kleineren vorbeigekommen, aber an keiner wurde irgendwie an Radfahrer "gedacht".

  • Wegen eines Radlers aus "Dingenskirchen" ist demnächst Radwegprozess vor dem Verwaltungsgericht in Schwerin, ich bin gespannt, ob das mit den 50 Jahren später dort zutrifft, oder ob die Richter dort schon Anschluß an das moderne Netz der Justiz haben 8)

  • Hatte gestern ein unangenehmes Erlebnis mit Feindkontakt. =O
    An einer baustellenbedingt verengten Straße bin ich (in korrekter Fahrtrichtung) durch die nur noch in einer Richtung befahrbare Restgasse gefahren, als ein in verkehrter Richtung entgegen [Zeichen 267] eingefahrener BMW mit hoher Geschwindigkeit auf mich zukam, abbremste und als ich mit einem Bein auf dem Bordstein gehalten hatte zügig weiterfuhr. Dabei berührte sein Fahrzeug wohl mein linkes Pedal, zumindest fühlte sich das Ruckeln am Rad so an und das Geräusch passte auch. Hatte der ein Glück, dass ich nicht mehr die Klickpedale aus Stahl dran hatte sondern nur so weiche Kunststoff-Dinger!
    Ich war völlig schockiert, wie hemmungslos der Fahrer sich da durchboxte.
    Da er unmittelbar danach in ein Parkhaus einfuhr, konnte ich ihm folgen und darauf hinweisen, dass er gerade versucht hatte, mein Rad umzuschubsen. Er stammelte etwas davon, dass er sehr in Eile sei und es ihm leid tue - aber so richtig echt wirkte das nicht.
    Dann telefonierte er kurz, und während er noch das Smartphone in der Hand hielt machte er kehrt und fuhr wieder aus der Parkhauseinfahrt heraus - diesmal in der richtigen Richtung durch die Baustellengasse.


    Da es von dem Vorfall ein Video gibt (weiß im Nachhinein gar nicht mehr, ob ich da wirklich schon geahnt habe, dass es Probleme geben könnte, als ich die Aufnahme startete), hätte ich eine komfortable Beweislage, um dem Fahrer Verstöße gegen mindestens ein Vz 209, ein Vz 250 [Zeichen 250] und ein Vz 267 [Zeichen 267] zusätzlich zu dem Unfall mit versuchter Unfallflucht nachzuweisen - und das Handy am Steuer ist vielleicht auch gerade noch erkennbar.
    Trotzdem hadere ich noch damit, Anzeige zu erstatten.
    An der Unfallstelle war ich auf dem einzigen Fahrstreifen entlang der Baustelle unterwegs. Direkt links davon hätte es einen durch wenige Leitbaken und eine durchgezogene gelbe Linie getrennten untermaßigen beiderseitigen Zweirichtungs-Behelfs- [Zeichen 240] -Geh-und-Radweg gegeben, der aber nur auf den linken Gehweg führt und mir nicht das Überqueren der nachfolgenden Kreuzung (ich wollte geradeaus weiter) ermöglicht hätte. Das gibt bestimmt eine lustige Diskussion darüber, ob ich da hätte fahren sollen/dürfen, vor der ich mich allerdings nicht fürchte.


    Was würdet Ihr tun? Einen Schnaps trinken und die Sache verdrängen? Oder nachhaken und Anzeige mit ein paar einschlägigen Tatbeständen?

  • Trotzdem hadere ich noch damit, Anzeige zu erstatten.

    Warum?

    Was würdet Ihr tun? Einen Schnaps trinken und die Sache verdrängen? Oder nachhaken und Anzeige mit ein paar einschlägigen Tatbeständen?

    Letzteres. Aus Versehen in ein Einbahnstraße (gehen wir mal wohlwollend davon aus...) kann vielleicht mal passieren - aber so dicht an einem Radler vorbei, dass man ihn berührt und dann noch viel zu schnell... :cursing:
    Nach erstatteter Anzeige dann den Schnaps trinken! :)

    "Terrorismus ist der Krieg der Armen und der Krieg ist der Terrorismus der Reichen"
    Peter Ustinov