Woche 18 vom 2. bis zum 8. Mai 2022

  • Der ADFC fokussiert sich dabei meiner Meinung nach zu sehr auf die Hauptverkehrsstraßen, aber ein attraktives und sicheres Radverkehrsnetz verläuft meiner Meinung nach abseits davon

    Das Problem dabei ist, das sich Straßen zu Hauptverkehrsstraßen entwickelt haben, weil sie die schnellste/kürzeste Verbindung zwischen der Orten, die sie verbinden, sind.

  • Ja, schon richtig. Aber es lassen sich oftmals auch Strecken finden, auf denen der Umweg marginal ist. In Braunschweig gibt es z.B. parallel zum äußeren Ring durchgängige Fahrradstraßen, auf denen man mit dem Rad schneller zum Ziel kommt, als wenn man an der Hauptstraße an jeder Kreuzung an roten Ampeln ausgebremst wird. Die Strecke ist die selbe. Auch hier in Stade gibt es Verbindungen, die mit dem Auto nicht nutzbar sind und wo man mit dem Fahrrad einen kürzeren Weg hat. Solche Puzzlestücke muss man zu einem Netz verbinden, denn alle Puzzlestücke alleine machen kein Netz aus.


    Das Ziel der Netzplanung muss sein, dass die Fahrradrouten die kürzere Verbindung darstellen. Dafür muss man den Durchgangsverkehr von den Hauptstraßen runter bekommen, wo immer es möglich ist, indem man solche Verbindungen mittendrin kappt und/oder für das Auto unbequem macht. Das ist das Konzept in Utrecht: Man kann mit dem Auto vom äußeren Ring in die Stadt fahren, aber nicht durch die Stadt. Damit wird das Fahrrad zur besseren Alternative auf kurzen Strecken, weil die innerstädtischen Wege für das Auto mit großen Umwegen verbunden sind. In Deutschland hält man das für zu radikal, aber ohne radikale Maßnahmen wird sich nichts großartig ändern.

  • Die spannende Frage ist, wann tatsächlich ein attraktives Netz zum Radfahren besteht, das dazu führt, dass Leute bereit sind, vom Auto auf das Fahrrad umzusteigen.

    Dieses Netz kann es IMO grundsätzlich nicht geben; dafür sind die Ansprüche der Zielgruppen an Reichweite und Komfort viel zu verschieden. Radverkehrsförderung bewirkt maximal eine Umschichtung im Umweltverbund, also aus dem Fuß- und Öffentlichen Verkehr.


    (Anmerkung: wir reden hier nicht über den ökologisch, raumplanerisch und städtebaulich irrelevanten Ersatz von ein paar Hundert Auto-km durch Radfahren, sondern über einen echten "Umstieg", also Auto zugunsten des Fahrrades verkaufen/stilllegen/gar nicht erst kaufen).

  • 1 Jahr und 9 Monate, ausgesetzt auf Bewährung, für den Autofahrer, der im letzten November die Rennradfahrer auf der Landstraße gejagt hat:

    Autofahrer bedroht Radfahrer - Prozess in Bad Berleburg
    Es sind Jagdszenen, die selten so zu sehen sind. Im November letzten Jahres versucht ein Autofahrer mehrmals, zwei Radsportler auf einer Landstraße bei Netphen…
    www1.wdr.de


    Edit: "Zu seinen Gunsten wertete der Richter, dass er nicht vorbestraft ist (...)"

    Der Mann war vorher auffällig, aber die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren eingestellt.

    Dann kann man natürlich auch nicht vorbestraft sein.

  • Also wenn du als Radfahrer devot im Rinnstein fährst, dann gewährt dir der leere Beifahrersitz zur Belohnung mehr Seiten-Abstand.


    Was viele gar nicht wissen: Die leeren Beifahrersitze haben längst die Welt-Macht übernommen. Die Reptilienmenschen sind längst in der Unterzahl.

  • Angenommen Jäger A gerät im Wald mit den Radfahrern B und C aneinander. Nach einem erfolglosen Versuch B vom Rad zu ziehen, gibt er einen Schuß vor das Rad des C ab um es diesem "mal so richtig zu zeigen."

    Ich vermute, dass A sein Jagdschein entzogen werden würde und er sämtliche Waffen abgeben müsste.

    Die waffenrechtliche Zuverlässigkeit wäre auch nach zwei oder vier oder 10 Jahren nicht gegeben.

    Wo ist der Unterschied zum Tatmittel Auto, dass die Konsequenzen hier milder sind?

    Ich radle durch die Heide, ich pflüge durch die Saat, hurra ich verblöde, für mich bezahlt der Staat.

    (Frei nach Rötger Feldmann)

    Einmal editiert, zuletzt von krapotke ()

  • Radverkehrsförderung bewirkt maximal eine Umschichtung im Umweltverbund, also aus dem Fuß- und Öffentlichen Verkehr.

    Das sehe ich nicht so pessimistisch und empfehle das Buch von Katja Diehl "Autokorrektur". Darin kommen Menschen zu Wort, die auf das Auto angewiesen sind, es aber gar nicht sein wollen. Es mag sein, dass die Autoabhängigkeit vielen gar nicht bewusst ist und sie es sich gar nicht vorstellen können, dass es auch anders ginge. Aber die Zahl derer, die wirklich glücklich damit sind, ihre Wege vorwiegend mit dem Auto zurückzulegen, dürfte marginal sein. Im Prinzip sind doch alle genervt von unserem Verkehrssystem.


    Unser Verkehrsproblem ist einzig und allein ein Auto-Problem, das man nicht dadurch löst, den Autoverkehr weiter zu optimieren, sondern indem man die Alternativen zum Auto attraktiver macht.

  • Das sehe ich nicht so pessimistisch und empfehle das Buch von Katja Diehl "Autokorrektur". Darin kommen Menschen zu Wort, die auf das Auto angewiesen sind, es aber gar nicht sein wollen.

    Dieses "Angewiesensein" besteht doch nur darin, dass sich diese Menschen aus Gründen einen größeren Aktionsradius antun zu müssen glauben als sie mit einem Fahrrad bewältigen können. YMMV.


    Wenn du die Notwendigkeit für Fahrten jenseits des 5-10km "Fahrradhorizonts" senken willst, musst du die Ziele näher rücken. Das geht wenn überhaupt nur raumplanerisch und braucht Jahrzehnte. Mal eben von jetzt auf gleich durch Radwegebau den Fahrradhorizont spürbar auszuweiten ist aber so vergeblich wie mit der schieren Kraft deines Willens gegen die Schwerkraft zu kämpfen.

  • Wenn du die Notwendigkeit für Fahrten jenseits des 5-10km "Fahrradhorizonts" senken willst, musst du die Ziele näher rücken. Das geht wenn überhaupt nur raumplanerisch und braucht Jahrzehnte.

    Auch das sehe ich nicht so pessimistisch :) Ich habe aber auch nicht den Anspruch, dass künftig niemand mehr Auto fährt, sondern mir geht es im ersten Schritt um das vorhandene Potenzial. Auch auf dem Land gibt es kurze Wege, für die man kein Auto benötigt.


    Der zweite Schritt ist bereits im Gange, z.B. in Form Home-Office, Co-Working Spaces, ... Ja klar, kann auch nicht jeder im Home-Office arbeiten, muss auch nicht jeder. Aber es sind heute viel mehr als noch vor 2 Jahren.


    Die Nahversorgung im ländlichen Raum ist zusammengebrochen, weil die Leute bereit waren, mit dem Auto auch weitere Strecken zu fahren (oder weil sie sowieso für den Weg zur Arbeit weitere Wege in Kauf genommen haben und ihre Besorgungen da mit erledigt haben). Wenn der nächste Supermarkt zu weit entfernt ist, kann der Supermarkt aber auch zu den Leuten kommen. Auch sonst lassen sich die Leute ja alles liefern.

  • Der RA des Angeklagten: KotzSmiley

    „Zeigen wir dem staunenden Ausländer einen neuen Beweis für ein aufstrebendes Deutschland, in dem der Kraftfahrer nicht nur auf den Autobahnen, sondern auf allen Straßen durch den Radfahrer freie, sichere Bahn findet.“ (Reichsverkehrsministerium, 1934)