Das 9-Euro-Ticket kommt

  • zwischenfrage: wer hier ist auch ab und an der Meinung, dass wir es als Menschheit vielleicht gar nicht "verdient" haben, zu bestehen?

    In the Year 2525 – Wikipedia

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    SCNR :)

  • Mein persönliches Fazit:
    - ich habe in den 3 Monaten gut 150 Liter Sprit weniger verbrannt

    - ich habe einige Ecken in Hamburg entdeckt, die mir sonst verborgen geblieben wären

    - ich bin deutlich weniger Rad gefahren

    - ich habe mein tägliche Schrittanzahl mehr als verdoppelt

    - ich habe mich irgendwie ziemlich - hm - frei gefühlt


    Unter Strich war es auch für mich ein interessantes Experiment. Dass ich wirklich deutlich weniger Rad fahre hätte ich nicht gedacht.
    Dass das Auto hingegen noch viel öfter stehen bleibt war mir aber von Anfang an klar.
    Meine "ÖPNV Skills" sind mittlerweile auf Profi-Level. Ich kenne nun fast alle Fallstricke und weiß sie zu kompensieren.

    Ob ich mir ein 365 Euro Ticket zulegen würde? Bin ich echt unsicher.

  • Ich werde das 9 Euro Ticket auf jeden Fall dazu nutzen jede Buslinie in Hamburg von Anfang bis Ende zu fahren.
    Also habe ich mir vorgenommen.
    ;)

    Und, hast es geschafft? ^^


    Ob ich mir ein 365 Euro Ticket zulegen würde? Bin ich echt unsicher.

    Ich überleg auch, wo meine Schmerzgrenze wäre. 9€/Monat ist in etwa die Grenze, wo es sich finanziell lohnt. Alles darüber wäre Bequemlichkeit + Solidarität.


    Längste Tour mit dem 9€-Ticket war Fehmarn. Bei längeren Strecken würde ich doch lieber den ICE nehmen.


    Mein Fazit: Für die Verkehrswende brauchen wir nicht nur einen zuverlässigen (Elbbrücke... :cursing: ), dichten (Abstände+Takt) und schnellen ÖPNV, sondern auch einen dauerhaft günstigen. Jetzt wurden 3 Monate lang viele Autos stehen gelassen. Aber nicht abgeschafft, weil das Ende der Aktion abzusehen war.

    Solange Dummheit als plausible Erklärung ausreicht, sollte man keinen Vorsatz annehmen.

  • Hat zwar nicht wirklich was mit dem 9-Euro-Ticket zu tun, aber indirekt schon, weil mal was positives zur Bahn.

    Und voll ist auch ohne 9 Euro Ticket. Gut, Streik der Lufthansa war ja auch noch.


    Musste relativ spontan Donnerstag/Freitag nach HH. Erst am Montag gebucht, erstaunlicherweise war für Freitag Nachmittag für die Heimreise von HH nach München Warnung hohe Auslastung, und ich konnte auch keine zusammenhängende Sitze für meinen ältesten Sohn, den ich mitgenommen habe, und mich reservieren, nur zwei Gangsitze hintereinander. Aber kein Problem, Kind ist 14 und wird sowieso nur in Mobilteil glötzeln.


    Am Donnerstag früh gestartet, um 5 mit der Sausebahn zum HBF-München, dann los nach HH mit dem Sprinter über Berlin. Und ...... pünktlich in HH-Altona, Sohn lostrappeln lassen und mit dem Bus zum Ziel.

    Freitag zurück, Zug in HH-Altona geentert, fährt sogar pünktlich los und das bis Berlin-HBF. Gut, man soll das Glück nicht überstrapazieren, in Berlin werden noch Wagen angekoppelt, kurz später die Durchsage: Technische Probleme, Weiterfahrt unklar, sollen auf andere Züge ausweichen.

    Da ich so bissl Angst hatte um die letzte Sausebahn Richtung Bruck, wollte morgens mit dem Kind nicht zum HBF radln, hatte es mir schon überlegt wegen Unabhängigkeit von der S-Bahn, aber irgendwie bin ich schon noch deutlich flotter, habe ich zwar den Ersten von dreien, die wegen eigener Verspätung zur Verfügung standen, fahren lassen, den Zweiten nicht, denn derweil war unser ICE schon halb leer,

    Also diesen geentert, (ICE801). Komischerweise war der fast nur 1.Klasse, die Türräumen der 2. waren alle schon belegt, also haben wir uns in der 1. Klasse in einem solchen auf den Boden gesetzt, als Ab -und An-Bahnfahrer ist mir das schon seit Jungendzeiten nicht ganz fremd.


    Tatsächlich kam dann eine Zugbegleiterin an, hatte wohl Mitleid mit meinen Kind, oder Angst dass er mit seinem dürren Hintern Löcher in den Boden stanzt, hat zuerst diesem einem Platz zugewiesen. Kurz später kam sie zurück und hat uns zusammen in ein (1. Klasse!) Abteil verfrachtet, indem sie die drei Insassen dazu genötigt hat, die Sessel vom Handgepäck zu befreien.

    Insofern bin ich der Dame sehr dankbar gewesen, wir haben am Schluss auch nur erstaunlich geringe 30 Minuten Verspätung gehabt am HBF-München.

  • Kurz später kam sie zurück und hat uns zusammen in ein (1. Klasse!) Abteil verfrachtet, indem sie die drei Insassen dazu genötigt hat, die Sessel vom Handgepäck zu befreien.

    Da sind meine diesbezüglichen Erinnerungen aus den 1980ern anders: Von der wabernden Masse der "Fahrgäste" der 2-Klasse-Wägen in den Gang des 1-Klasse-Wagen gedrängt, wurden wir vom Schaffner aufgefordert, wieder in den Gang der 2-Klasse-Wägen "zurückzudrängen". Unter Androhung von Konsequenzen. Währenddessen wir von den einzelnen Fahrgästen der wenigen besetzten Abteile des 1-Klasse-Wagen mitleidig angeglotzt wurden.


    Damals gabs noch keine Großraum-Abteile, nur Gang (mit Ausklappsitzen) oder Abteil mit Schiebetür.


    Ich hab mir dann ein altes Auto gekauft (bzw. eingetauscht gegen eine Gibson Les Paul-E-Gitarre) und war froh, nicht nie mehr Bahn fahren zu müssen. ^^

  • Ja, früher war das anders. Deswegen war ich auch erstaunt. Vielleicht hatte sei auch nur Mitleid mit dem Knäblein, das neben mir so aussieht als ob der Vater alles wegfrißt.


    Der ICE bestand auf der einen Seite vom Gourmet-Tempel wohl auch nur aus 1. Klasse. So viel fahre ich nicht, aber das war ungewöhnlich, wir sind durch drei 1. Klasse Wagen gestapft.

  • Nein. Aber ich war tatsächlich viel im Hamburger Osten und Umland unterwegs. Da traue ich mich mit dem Rad nicht hin ;)

    In der Bahn kann man aber im Gegensatz zur Fortbewegung auf dem Rad nicht flüchten.

    „Zeigen wir dem staunenden Ausländer einen neuen Beweis für ein aufstrebendes Deutschland, in dem der Kraftfahrer nicht nur auf den Autobahnen, sondern auf allen Straßen durch den Radfahrer freie, sichere Bahn findet.“ (Reichsverkehrsministerium, 1934)

  • "Das deutschlandweite Nahverkehrs-Ticket verkaufte sich 50 Millionen Mal und gilt als großer Erfolg. Die Einnahmeausfälle der Verkehrsunternehmen glich der Bund mit 2,5 Milliarden Euro aus. Diskutiert wird nun unter anderem über ein 49-Euro-Ticket, das laut Schäfer* jährlich drei Milliarden Euro zusätzlich kosten würde."

    Quelle: "Nachfolger für 9-Euro-Ticket - Einigung soll Mitte Oktober stehen", tagesschau.de vom 19.09.2022

    9-Euro-Ticket: Bund und Länder peilen Einigung im Oktober an
    Seit Wochen wird über eine Anschlusslösung für das 9-Euro-Ticket diskutiert. Nun ist offenbar ein Ende in Sicht: Bund und Länder wollen sich bis zum 12.…
    www.tagesschau.de

    *Maike Schäfer (Grüne) ist die Bremer Verkehrssenatorin und Vorsitzende der Länder-Verkehrsministerkonferenz.
    Im Gespräch sind auch 29 Euro, 59 Euro und 69 Euro-Tickets.

    Zum Vergleich:

    Die preisgünstigste Monatskarte in Hannover für das gesamte Stadtgebiet kostet 59,80 Euro im Jahresabo.

    (Ohne Jahresabo kostet die Karte 70,30 Euro. Das ist zwar 10,50 Euro teurer, kann sich aber lohnen, wenn man z. B. an mehreren Monaten im Jahr fast ausschließlich das Fahrrad benutzt.)

    Unsere Preisübersicht
    In unserer Preisübersicht finden Sie die Fahrkarten des GVH übersichtlich dargestellt. So können Sie schnell das passende Angebot finden. Mehr erfahren.
    www.gvh.de

  • 2.500 Befragte in 3 Wochen.

    Der VDV hat 78.000 Leute in 13 Wochen befragt ... Da würde ich mich eher dran halten. Krassestes Ergebnis: 1% der Befragen sagten zum Thema Preis "9 Euro ist immer noch zu teuer".

    Kommt darauf an, wie es gemeint ist.

    Für jemanden, die/der ein sehr geringes Einkommen hat und die/den derzeit die absehbar steigenden Energiekosten auf den Geldbeutel und das Gemüt drücken, mag diese Antwort vordergründig auf der Hand liegen.


    Andererseits kann ich mich sehr gut daran erinnern, dass zuzeiten von Dieselgate und Fahrverboten kostenloser ÖPNV vehement gefordert wurde und zum Teil auch umgesetzt wurde, und zwar von Autofahrenden:

    "Dem Lärm, der Luftverschmutzung durch Stickstoffdioxidbelastung und nicht zuletzt den verstopften Straßen durch Autos könnte durch das kostenlose Nutzen von Bus und Bahn wirklich etwas entgegengesetzt werden."

    Wochenanzeiger vom 16. Februar 2018: "Wer finanziert den kostenlosen ÖPNV?"

    Wer finanziert den kostenlosen ÖPNV?
    „Das Thema ist zu groß und zu wichtig, um in einem halbherzigen Feldversuch, wie ihn die geschäftsführende Bundesregierung zum kostenfreien ÖPNV vorlegte, zu…
    www.lokalkompass.de

    Die Forderung, der ÖPNV dürfe gar nichts kosten, kann also auch sehr gut von Autofahrer*innen stammen, die hoffen, dass so weniger Autoverkehr auf den Straßen ihnen freie Fahrt beschert. Das ist dann allerdings wirklich "krass".