Musk kauft Twitter

  • Sowas ist ja noch leicht zu durchschauen. Ich meine die fieseren Verdrehungen.


    Es gibt leider immer mehr verdrehte Wahrheiten in diesen Netzwerken. Nimm mal die "Twitter-Files", deren Veröffentlichung Elon Musk angestoßen hat.

    Ich habe mal stichprobenartig reingeschaut und vielleicht ein gutes halbes Dutzend der Vorwürfe gelesen. Und an keiner Stelle empfand ich das Handeln von Twitter als unangemessen. Ich fand viel mehr die konstruierten Vorwürfe lächerlich.

    So geht es mir seit dem ersten Teil der Veröffentlichungen. Aber aus jedem Aspekt wird ein riesiger Skandal herausgearbeitet, was sich dann noch ein weiteres Mal potenziert, weil wir auch Empfänger adressiert werden, die sich noch nie auf Twitter aufgehalten haben und überhaupt nicht wissen, wie dieses Netzwerk eigentlich funktioniert.

    Und trotzdem taucht dann irgendwo ein Kommentar auf, dass Twitter vom FBI für das Unterdrücken von Meinungen bezahlt wurde.

    Und der verlinkte "Beleg"?

    Das FBI stellt natürlich ständig irgendwelche rechtlichen Anfragen an Twitter. Genauso wie die Bundepolizei sicherlich auch. Und Twitter hat die dafür zulässigen Gebühren genommen.

    Ende der Geschichte.

    Der Typ hat ja immerhin noch mitgekriegt, dass mit der deutschen Übersetzung „Bundesbehörde“ vermutlich das FBI oder andere us-amerikanische Behörden gemeint sind. In irgendeinem Telegram-Kanal las ich gestern, dass sich deutsche Bundesministerien wöchentlich zum Austausch mit Twitter getroffen hätten, um zu besprechen, welche Konten gesperrt werden sollten. Das ist so eine hanebüchene Interpretation und von vorne bis hinten so falsch, dass ich glatt behaupten möchte: Wer das glaubt, ist einfach wirklich doof.

    Solche Geschichten halte ich für ziemlich gefährlich. Denn sie verbreiten unwahre Vorwürfe. Und nicht alle sind mit einem Klick widerlegt. Und wie an den Likes zu sehen ist, macht sich auch nicht jeder die Mühe.

    Dieses ständige „Flood the zone with shit“ sorgt halt auch dafür, dass diese Erzählung eben doch hängenbleibt. Selbst bei Menschen, die ich politisch eher links der Mitte einordnen möchte, hat sich mittlerweile die Überzeugung eingestellt, dass die „ReGIERung“ höchstselbst in Auftrag gegeben hätte, unbotmäßige Informationen über die Corona-Pandemie zu sperren.


    Ich hatte ja so manche Befürchtung mit der Musks Twitter-Übernahme verbunden, aber ich hatte nicht damit gerechnet, was für ein Beschleuniger diese ganze Thematik für die abstrusesten Verschwörungsmythen sein würde. Die ganze Debatte im Netz ist mittlerweile dermaßen vergiftet, dass ich mich wirklich wundere, wie wir als Gesellschaft eigentlich noch funktionieren sollen, wenn ein nicht unerheblicher Teil der Leute in einer Parallelwelt lebt und tatsächlich den lieben langen Tag derartige Halbwahrheiten oder komplette Lügen konsumiert. Mit diesen Twitter-Files scheint mir Musk jedenfalls der Durchbruch gelungen zu sein, um Leute auf der anderen Seite des politischen Spektrums einzusammeln und für seine Verschwörungsmythen zu begeistern.

    Heute erreichen sie oft ein Millionenpublikum. Und kein Mensch hat mehr Zeit, diese ganzen Lügen und Halbwahrheiten einem Faktencheck zu unterziehen.

    Eben, ja. Das Aufdecken von solchen Lügen ist immer eine Größenordnung teurer als das Verbreiten. Wenn ich jetzt beim Verwandtschaftsbesuch mit dem Thema Twitter konfrontiert würde, wie soll ich denn dort am Kaffeetisch überhaupt irgendeine Gegenrede praktizieren? Für meinen Standpunkt wird nämlich erwartet, dass ich ihn mit ernsthaft recherchierten Fakten untermauern kann, während die Gegenseite einfach alles in den Ring werfen kann, was Telegram hergibt. Ich kann ja schlecht argumentieren, alles, was Elon Musk dort verbreitet, wäre einfach eine dreiste Lüge. So einfach ist es ja nunmal nicht.

  • wie soll ich denn dort am Kaffeetisch überhaupt irgendeine Gegenrede praktizieren?

    Ich kenne das.

    Da ballert irgendeiner eine verrückte Verschwörungstheorie in die Runde. Und selbst wenn ich zufällig eine gute Antwort parat habe, will die meist schon keiner mehr hören.


    Und selbst wenn, dann ist der Dschungel aus Halbwahrheiten meist so dicht, dass ich ihn nicht mit vernünftigem Aufwand lichten kann.