Die Waffen nieder - ziviler Widerstand gegen Putins Angriffskrieg

  • Ich hatte Sie kurzzeitig von meiner Ignorierliste gelöscht. Das war wohl ein Fehler.

    Lasst uns doch wenigstens hier friedlich bleiben. :)

    Ich gestehe, dass ich im Dezember 2021 und im Januar 2022 nix mitgekriegt habe. Da hat sich wohl ziemlich viel abgespielt zwischen NATO und Russian Federation. Kennt sich da wer aus? Ich nicht.

  • Na ja, der Konflikt hat sich ja ab Herbst langsam abgezeichnet. Russland hat Truppen an die Grenze zur Ukraine verlegt.

    Es gab dann ein Treffen Ende November? der NATO Außenminister in Riga, weil die Balten schon ganz nervös rumgehüpfft sind, da hat die NATO Schulterschluss gezeigt.

    Da gab es auch die ersten Warnungen vor dem Konflikt. Ton war recht offensiv.

    Dafür hat Belarus angeboten Atomwaffen für Russland zu stationieren.

    Mitte Dezember hat Russland einen Maßnahmen-Katalog an die NATO/USA gesendet mit Forderungen.

    Danach gabs PingPong wegen weiterer russischen Truppen, die ja nur eine Übung mit Belarus abhalten wollte.

    Der Rest ist dann wohl bekannt.

  • ultima ratio

    Selbst ziviler Widerstand braucht ein Verhandlungsmasse. Und wenn es die Selbstachtung des anderen ist. Nur kann ich nicht erkennen, dass für Putin ethische oder wirtschaftliche Aspekte ein Rolle spielten. Selbstredend kann man weiter an der Sanktionsschraube drehen. Aber auch da sehe ich die Wirksamkeit nicht als hinreichend schnell an. Die Katastrophe findet jetzt statt.

    Solange mir keine plausibel wirksamen Alternativen genannt werden, bin ich bei der ultima ration angekommen. Mir fällt nämlich nichts Brauchbares ein. Die Ukraine so lange zu unterstützen, bis Putin sein militärischen Ressourcen verbrannt hat, mag zynisch sein, aber die Ukraine zu opfern, einen weiteren Holodomor in Kauf zu nehmen, erscheint mir als schlimmere Alternative. Lieber hunderttausende Kriegstote als millionen Hungertote.

  • Für Christen ist es wohl das Idealbild des schuldlosen Opfers: So wie Jesus ohne Schuld gekreuzigt wurde, soll sich die Ukrainische Bevölkerung von der russischen Armee abschlachten lassen. Wer geschlagen wird, soll bibelgemäß auch die andere Wange hinhalten. Wer selbst vor der Wahl steht, soll das meinetwegen tun. Aber vom warmen weichen Sofa aus zu fordern, dass andere sich ohne Gegenwehr vernichten lassen, ist nicht die Lösung sondern Teil des Problems.

    Das erklärt vielleicht unsere Untätigkeit bei der Annexion der Krim, bei den Kriegsverbrechen in Syrien oder bei der Zerstörung von Grosny: Das war für uns alles zu weit weg und schien uns nicht direkt zu betreffen. Nun geht es aber um die Ukraine und in der nächsten Reihe um die EU-Mitgliedsstaaten und Nato-Partner Litauen, Lettland, Estland und Polen. Das war der letzte Weckruf, dass uns das Treiben von Putin eben doch schon längst betroffen hat. Aber anstatt schon vor Jahren damit zu beginnen, sich aus der Abhängigkeit zu befreien, haben wir unsere Abhängigkeit bis zuletzt immer weiter erhöht. Ohne den russischen Angriff würde jetzt Nord Stream 2 in Betrieb gehen und unsere Abhängigkeit von Russland noch weiter steigen.

  • Für Christen ist es wohl das Idealbild des schuldlosen Opfers: So wie Jesus ohne Schuld gekreuzigt wurde, soll sich die Ukrainische Bevölkerung von der russischen Armee abschlachten lassen. Wer geschlagen wird, soll bibelgemäß auch die andere Wange hinhalten. Wer selbst vor der Wahl steht, soll das meinetwegen tun. Aber vom warmen weichen Sofa aus zu fordern, dass andere sich ohne Gegenwehr vernichten lassen, ist nicht die Lösung sondern Teil des Problems.

    Es gibt auch andere christliche Traditionen, etwa die, dass Christen die verdammte Pflicht haben, im Heiligen Krieg ihr Leben dran zu geben, schließlich habe ja auch Jesus sein Leben hergegeben. "Gott will es", war das mittelalterliche Kreuzzug-Motto mit dem andere Menschen abgeschlachtet wurden. Bibel-gemäß war das so wenig, wie der von Ihnen beschriebene Wohlstand-Pazifismus.

    Vom warmen Sofa aus zu fordern, dass andere sich abschlachten lassen sollen, dass es einem selbst weiter gut geht, hat nichts mit Pazifismus zu tun.

    Und wenn ich mir dann die Brandreden von FDP-Politikern anhöre, denen einerseits die Aufrüstung nicht weit genug gehen kann, und die andererseits ein Tempolimit radikal verneinen, obwohl es dazu beitragen könnte, Energie-Importstopps möglich zu machen, dann frage ich mich, mit welcher Berechtigung ein Alexander Graf Lambsdorff die Teilnehmer am Ostermarsch als "Fünfte Kolonne Putins" beschimpft. https://www1.wdr.de/nachrichten/la…kraine-100.html

    Ich hatte schon weiter oben an Simone Weil erinnert. Vielleicht ist das ein bisschen untergegangen?

    "1936 geht Simone Weil nach Spanien, um sich dem Kampf sozialistischer Truppen gegen die Putschisten unter General Franco anzuschließen. Sie kämpft nicht selbst an der Front (dazu fehlt ihr die als notwendig erachtete Körperkraft), erlebt jedoch aus nächster Nähe, wie die Erfahrung von Gewalt und Tod die Menschen verändert. Weil beschreibt die Kraft der Gewalt in ihren Schriften als „Verdinglichung“ und hebt hervor: Diese Wandlung könne nicht nur jene treffen, die Gewalt erleiden – im extremsten Fall sogar sterben und nurmehr wie ein lebloses Objekt erscheinen mögen –, sondern sie betreffe in gewisser Weise auch jene, die sie ausüben.

    In diesem Sinne habe Gewalt „einen Doppelaspekt der Entmenschlichung“, so Eilenberger. Weil habe die Beobachtung gemacht, „dass es einen dunklen Sog im menschlichen Wesen gibt, der diese Gewalt auf Seiten des Ausführenden in eine Form der Blindheit übergehen lässt, dass man den, dem man Gewalt antut, überhaupt nicht mehr als Menschen in seiner Verletzlichkeit wahrnimmt und sich damit auch selbst als Mensch vergisst und entfremdet“."

    Philosophin Simone Weil - Eine Denkerin der radikalen Hoffnung
    Sie prophezeite den Sieg der Nationalsozialisten, erlebte die Gräuel des Spanischen Bürgerkriegs und schuftete in der Fabrik, um die Not der Arbeiter zu…
    www.deutschlandfunkkultur.de

    Und solche Gedanken können denen nicht durch den Kopf gegangen sein, die voll Freude aufgesprungen sind von ihren Parlamentssitzen als Scholz seine großkalibrige Bundeswehrfinanzspritze angekündigt hat. Und die sich jetzt das Maul darüber zerreißen, dass die Menschen immer noch und in diesem Jahr deutlich mehr Menschen als im letzten Jahr zu Ostermärschen gehen, wo die Ostermarschierer*innen ganz gewiss nicht in warmen Sesseln zusammengehockt haben.

    Einmal editiert, zuletzt von Ullie (21. April 2022 um 20:57) aus folgendem Grund: (Ergänzung in Klammern von mir)

  • Vielleicht meint der Toni Hofreiter mit seiner Forderung nach schweren Waffen (Panzer) ja alles ab Audi Q8? Fänd ich gut, kann alles weg, hat auf öffentlichen Straßen eh nichts verloren.

    A' Hund is' er scho', der Toni.

  • Erich Vad, eine Stimme von Rechtsaußen:

    „In einem seiner Texte kritisierte er, dass in der damaligen Wehrmachts-Ausstellung „nicht hinreichend erkennbar (sei), dass vieles, was damals – insbesondere im Partisanenkrieg und bei Repressalien sowie Geiselerschießungen – geschah, vom damaligen Kriegsrecht gedeckt war“

  • Erich Vad, eine Stimme von Rechtsaußen:

    Weiter oben hatte ich bereits angemerkt:

    Es ist schon ein bisschen kurios, dass ausgerechnet von Politiker*innen an der Spitze der Grünen, dort ein verstärktes militärisches Eingreifen eingefordert wird, an der ein Bundeswehrgeneral a. D. und langjähriger Berater von Bundeskanzlerin Merkel davor warnt. Laut dem General a. D, Vad würde sich durch die Lieferung schwerer Waffen in die Ukraine die Lage zusätzlich zuspitzen.

    Steckt politisches Kalkül hinter Vads Forderung, jetzt keine schweren Waffen an die Ukraine zu liefern, weil er einerseits tatsächlich befürchtet, dass damit das Leid für die Ukrainer nicht wie erhofft gemildert wird. Meint Vad, dass eine russische Besetzung, die nicht mit einer maximalen Gegenwehr bekämpft wird, weniger Schaden anrichtet. Sieht er entsprechende Chancen in Waffenstillstandsverhandlungen? Vermutlich ja.

    Geht es Vad möglicherweise außerdem darum, so Zeit zu gewinnen, sodass die Nato-Staaten die gewonnene Zeit nutzen können, ihre militärische Ausrüstung deutlich zu verbessern?

    Wie dem auch sei, bisweilen scheint es so, dass die Ukrainer den von Putin ihnen aufgezwungenen Krieg mit maximaler Gegenwehr bis zur Selbstvernichtung führen wollen. Und gleichzeitig wird eine Scheidewand aufgebaut nach dem Schema hier die Guten, die Putin bekämpfen und da die Bösen, die angeblich bereit seien, vor Putin zu kuschen. Die Möglichkeit zu differenzieren geht damit verloren.

    Dass Vad Geiselerschießungen als vom Kriegsrecht gedeckt beurteilt, dazu fehlt eine klare Quellenangabe. In welcher seiner Texte hat er das geschrieben? Dass der im Kriegsrecht verbriefte Schutz von Zivilisten nicht für solche "Zivilisten" gilt, die aktiv ins Kampfgeschehen eingreifen, ist allerdings richtig.

    Einmal editiert, zuletzt von Ullie (22. April 2022 um 22:07) aus folgendem Grund: Waffenstillstandsverhandlungen muss es heißen.

  • Manchen hier im Forum ist er noch als Radsport-Mäzen bekannt:

    Tinkov wünscht schnelles Ende des Krieges

    Zitat

    Mr Tinkov wrote: "Dear 'collective West' please give Mr Putin a clear exit to save his face and stop this massacre. Please be more rational and humanitarian."

    Bloß, wie soll so ein "clear exit" aussehen? Wenn Putin meint, nur dann sein Gesicht wahren zu können, wenn Krim, Donbass und das Land dazwischen de-facto zu Russland gehören.

    Da macht das hier einen realistischeren Eindruck. Leider.

    Meine Oma hätte gesagt: "Da hilft nur noch beten."

  • Ich frage mich, warum immerzu von "Führung" gesprochen wird, wenn es um die Aufgabenbeschreibung von Politikern in wichtigen Ämtern geht. Ist das ein Produkt der aktuell sich ausbreitenden militärischen Geisteshaltung?

  • Frage:

    Was hätte den Grenzschützern gedroht, oder womit haben sie gerechnet, für den Fall, dass sie der Aufforderung sich zu ergeben, nachgekommen wären?

    Das erinnert mich ein bisschen an die vielen frühen christlichen Märtyrer-Geschichten. Ich bin "katholisch genug", um so was irgendwann hinterfragt zu haben. Kann es sein, dass solche Märtyrer-Geschichten in einem neuen Kontext stehend, eine neue Konjunktur erleben?

    Vom Heiligen Laurentius beispielsweise wird berichtet, dass er auf einem Rost gebraten wurde, um ihn zu töten. Dabei soll der Sterbende dann gescherzt haben, er sei jetzt auf der einen Seite schon ganz gut durchgebraten und es sei an der Zeit, ihn zu wenden.

    Einmal editiert, zuletzt von Ullie (23. April 2022 um 11:15) aus folgendem Grund: Rechtschreibung

  • Klar erschien auch mir manches Verhalten von ukrainischer Seite überheblich. Aber die Bedrängnis ist auch extrem.

    Wenn ich bedenke, wie ich brüllen kann, wenn mir im Straßenverkehr jemand näher als 30 cm kommt. .. Ich wage kein moralisches Urteil.

    Nächsten Montag werde ich mit meiner Tochter mal 2 Stunden in der neuen Kleiderkammer mithelfen, die einige Ukrainerinnen und andere Ehrenamtliche mit Hilfe unserer Stadt auf die Beine gestellt haben: Kleiderkammer Jena: Kleidung für Bedürftige | MDR.DE

    Vielleicht bekomme ich dort nebenbei etwas mit, wie die nun oftmals getrennten Familien den Krieg emotional bewältigen. Obwohl einige Männer auch mitgekommen sind. Ab 3 Kindern hat es die Ukraine auch Männern erlaubt, mit ihrer Familie das Land zu verlassen.

  • Vielleicht bekomme ich dort nebenbei etwas mit, wie die nun oftmals getrennten Familien den Krieg emotional bewältigen. Obwohl einige Männer auch mitgekommen sind. Ab 3 Kindern hat es die Ukraine auch Männern erlaubt, mit ihrer Familie das Land zu verlassen.

    "Selbstverständlich gibt es ein Recht auf Verteidigung. Das gilt für jede angegriffene Person. Und auch für einen Staat wie die Ukraine. Sie darf sich mit allem, was sie hat, dem russischen Überfall­ entgegenwerfen. Aber resultiert daraus eine Pflicht zur Verteidigung? Nein.

    In der Ukraine aber gibt es sie, wie in vielen anderen Staaten auch. Seit dem Angriff Russlands dürfen männliche Staatsbürger zwischen 18 und 60 Jahren das Land nicht mehr verlassen, um für die Verteidigung herangezogen werden zu können. Wer es doch versucht, dem droht die Festnahme. Der ukrainische Grenzschutz meldete wiederholt, dass Mobilisierungsverweigerer an der Grenze festgenommen und den Militärbehörden überstellt wurden. Wer Nein sagt, ist illegal."

    Quelle: taz vom 14.3.22

    Deserteure in der Ukraine: Das Recht, Nein zu sagen
    Männer im wehrpflichtigen Alter dürfen die Ukraine nicht verlassen. Doch das Recht, nicht zu töten, muss auch und gerade im Krieg gelten.
    taz.de

    Die Haager Landkriegsordnung und die Genfer Konventionen bestimmen, dass alle Personen eines besetzten Landes als Kämpfer ihres Landes, das sie verteidigen, agieren dürfen und als sogenannte Kombattanten denselben Bestimmungen unterliegen wie reguläre Soldaten, wenn die Kombattanten sich durch Uniform oder mindestens eine Armbinde als solche kenntlich gemacht haben.

    Das heißt aber auch, dass sie dann von den Angreifern bekämpft werden dürfen wie Soldaten, während Zivilisten zu schonen sind.

    Aber das bedeutet nicht, dass alle Menschen eines angegriffenen Landes von ihrer Regierung dazu verpflichtet werden dürfen zu kämpfen.

    Leider ist in dem taz-Artikel kein Hinweis darauf, wie das genau in den Genfer Konventionen und der Haager Landkriegsordnung geregelt ist, mit der Wehrpflicht, bzw. der Verpflichtung zum Kriegsdienst. Immerhin scheint es so zu sein, dass Väter mit drei Kindern von der Ukraine nicht an der Ausreise gehindert werden. Du schreibst das und ich hatte es auch wo gelesen. Allerdings steht in dem zitierten taz-Artikel: "Denn kein Staat, nicht einmal der theoretisch perfekte, sollte Menschen zwingen dürfen, ihr Leben für ihn aufs Spiel zu setzen. Und erst recht nicht, für ihn zu töten." Aber da gibt es ja viele "Spielräume". In der ehemaligen DDR etwa wurden junge Männer, die keinen Kriegsdienst leisten wollten, als sogenannte Bausoldaten verpflichtet.

    Noch ein anderer Aspekt ist wichtig: Die Kriegspartei, die ein anderes Land besetzt hat, darf nicht die Bevölkerung zum Kriegsdienst zwingen. Es gab in den letzten Tagen entsprechende Berichte, dass das russische Militär versucht haben soll, in den von ihm besetzten Gebieten Soldaten mit Zwang zu rekrutieren.

  • Bloß, wie soll so ein "clear exit" aussehen? Wenn Putin

    Putin? Wir sollten über einen "clear exit" von Russland reden. Und das geht nur ohne Putin. Alle die Putin decken bzw. nicht aktiv gegen ihn vorgehen sind in meinen Augen Kriegsverbrecher und sollten entsprechend behandelt werden.

    Genauso hätte man vor 80 Jahren fragen können, wie man Hitler einen "clean exit" geben könnte.

    Solange Dummheit als plausible Erklärung ausreicht, sollte man keinen Vorsatz annehmen.

  • Putin? Wir sollten über einen "clear exit" von Russland reden. Und das geht nur ohne Putin. Alle die Putin decken bzw. nicht aktiv gegen ihn vorgehen sind in meinen Augen Kriegsverbrecher und sollten entsprechend behandelt werden.

    Genauso hätte man vor 80 Jahren fragen können, wie man Hitler einen "clean exit" geben könnte.

    Mit Hitler-Vergleichen sollte man besser sparsam umgehen. Nicht zuletzt deshalb, weil es die ungeheuerlichen Verbrechenden des Naziregimes relativiert.

    Aber was vielleicht noch problematischer ist an dem Vergleich:

    Hitlers Macht und die des Nazi-Regimes wurde erst gebrochen, nachdem Deutschland 1945 von den Alliierten vollständig besetzt wurde. Damals (zu Beginn des Ersten Weltkriegs 1939) war Deutschland ein Land mit einer Fläche von rund 600.000 km² und mit rund 80 Millionen Einwohnern.

    Liste der Volkszählungen in Deutschland – Wikipedia

    Dagegen ist Russland mit etwa 17 Millionen Quadratkilometern der größte Staat der Welt und umfasst etwa ein Neuntel der Landmasse der Erde. Mit 144,5 Millionen Einwohnern (2019) steht es an 9. Stelle der bevölkerungsreichsten Staaten.

    Das heißt, das heutige Russland ist etwa 30x größer als Deutschland 1939 und hat etwa doppelt so viel Einwohner (sehr grob gerechnet).

    Obwohl die Alliierten im Zweiten Weltkrieg deutlich mehr Einwohner hatten, als Deutschland, hat es mehrere Kriegsjahre gedauert, bis Deutschland kapitulierte. Man könnte einwenden, dass mit Japan ein größerer Verbündeter an der Seite Deutschlands stand, als zum Beispiel Belarus, das an der Seite Russlands steht. Vielleicht ist es auch so, dass die schiere flächenmäßige Größe eines Landes militärisch eher von Nachteil ist, wenn es um die Landesverteidigung geht und man könnte sicher noch weitere Spekulationen anstellen.

    Aber ganz sicher reicht der ganz einfache Zahlenvergleich am Anfang aus, um die Dimensionen aufzuzeigen, die sich daraus ergeben, wenn man das Ernst nähme, dass Hitler und Putin einfach mal eben so gleich gesetzt werden müssten.

    Um noch auf einen anderen Umstand hinzuweisen: Amerika hatte 1945 die Atombombe, während die Achsenmächte keine Atombombe hatten. Derzeit meinen manche, man müsse das ganz einfach ignorieren, denn Putin würde ja nicht ernsthaft auf die Idee kommen ...

    Gleichzeitig wird eben diesem Putin vorgeworfen, dass er völlig unberechenbar geworden sei und man sich bei Russland auf nichts mehr verlassen könne usw.

    Ich hoffe sehr, dass es doch noch einige rote Linien gibt. Und wenn ich mir den Überbietungswettbewerb Hofreiter gegen Scholz anhöre, dann frage ich mich, ob es nicht reichlich unsinnig ist, dass sich die beiden, Hofreiter und Scholz, einen solchen Überbietungswettbewerb mit umgekehrten Vorzeichen leisten. Immerhin arbeiten sie in derselben Regierungskoalition zusammen.

    Scholz warnt vor dem Atomkrieg, und plädiert deshalb für ein vorsichtiges Vorgehen bei der Unterstützung der Ukraine mit schweren Waffen.

    https://www.spiegel.de/politik/olaf-s…73-fbcd0bd8791c (Spiegel-Artikel vom 22.4.2022: Bundeskanzler Scholz im SPIEGEL - »Es darf keinen Atomkrieg geben«)

    Hofreiter warnt umgekehrt davor, zu zögerlich bei der Unterstützung der Ukraine mit schweren Waffen vorzugehen und befürchtet in diesem Zusammenhang, dass dadurch ein Dritter Weltkrieg droht.

    https://www.tagesspiegel.de/politik/deutsc…g/28262936.html (Der Tagesspiegel vom 20.4.22: Deutsches Zögern bei Waffenlieferungen - Hofreiter warnt Regierung vor einem „De-facto-dritten-Weltkrieg“)