Woche 47 vom 22. bis 28. November 2021

  • Ach wie sorglos konnte ich als Kind noch auf der Fahrbahn fahren. Heute darf man sich da keinen Fehler mehr erlauben. Nicht mal auf dem Dorf:

    LPI-J: Auseinandersetzung auf offener Straße
    Saale-Holzland-Kreis (ots) - Weil sein 6-jähriger Sohn am Dienstagnachmittag ausversehen auf die Straße fuhr, landete ein 34-Jähriger auf dem Asphalt. Der Mann…
    www.presseportal.de


    Nach dem Polizeibericht muss es sich um die Dorfstraße im Ortskern handeln, die Vater und Sohn von Ost nach West befuhren. Auf dem touristisch angepriesenen Kirchenradweg Jena-Thalbürgel:

    Google Maps
    Find local businesses, view maps and get driving directions in Google Maps.
    www.google.com


    Was soll man dazu sagen?


    Kinder müssen die Dummheiten der Erwachsenen ertragen,
    bis sie groß genug sind, sie selbst zu machen.
    -- Jean Anouilh

    Und wir Erwachsene müssen lernen, wie man Konflikte im Straßenverkehr deeskaliert. Bzw. immer vollkommener darin werden.

  • Konsequenz: Überall ausnahmslos Shared-Place einrichten. Somit würde der vorhandene Verkehrsraum dynamisch verwendet und niemand kann sich mehr beschweren, der andere würde verbotenerweise in sein Revier eindringen. Keine Radwege, keine Gehwege, keine Blauschilder. Einfach nichts.

  • Genau das habe ich vor 15 Jahren in Nepal gesehen, Tiere inklusive - Kühe haben die höchste Priorität.

    Dazu kommen schadhafte und kurvenreiche Straßen. Je schneller man fährt, umso lauter muss man hupen. Weder Revierkämpfe noch Berührungsängste habe ich dort erlebt. Allerdings gibt es viele Unfälle und auch vergleichsweise viele Verkehrstote, besonders außerorts.


    In Deutschland lernen wir wieder neu - "Sicheres Radfahren in einem gemeinsam genutzten Straßenraum":

    https://bast.opus.hbz-nrw.de/files/2506/A44.pdf

    Hierbei stehen folgende Forschungsthemen im Fokus:

    • Verkehrskultur, -klima und rücksichtsvolles Miteinander
    • Gefahrenwahrnehmung und -bewertung
  • Unsere Polizei-Pressestelle gibt ihren Lesern in der Tat immer wieder Rätsel auf. Ich muss da morgen mal anrufen.

    Sie wissen die genaue Stelle auch nicht. Der meldende Beamte hat es nicht aufgeschrieben. Zumal es ja kein Unfall war, sondern § 223 StGB - Körperverletzung. Da kommt es auf die Breite des Gehwegs sowieso nicht mehr an.

  • Sie wissen die genaue Stelle auch nicht. Der meldende Beamte hat es nicht aufgeschrieben. Zumal es ja kein Unfall war, sondern § 223 StGB - Körperverletzung. Da kommt es auf die Breite des Gehwegs sowieso nicht mehr an.

    Hab nochmal bei Maps nachgeguckt: Irgendwie heißen in diesem Großlöbichau alle Strassen Dorfstrasse. Kann praktisch überall gewesen sein.

    Aber immerhin wird dem "kleinen Mann" ein "Fahrfehler" unterstellt. Er hat also was falsch gemacht. Erste Lektion gelernt: Irgendwie bist du immer schuld, sozusagen die Ursache dafür, dass ein anderer ausrastet. Schon mal dran gewöhnen, "kleiner Mann"...

  • shared space funktioniert in einem weitgehend altruistisch oder zumindest deutlich weniger egoistisch geprägten Land.

    Hier in Deutschland heisst das nichts anderes als "Recht des Stärkeren".


    Einfach mal in einem der deutschlandweit anzutreffenden "Verkehrsberuhigten Bereich aus der Hölle" probieren.


    Wenn ich mehr Elan hätte, würd ich dazu eine eigene WebSite aufbauen, wo jeder dieser Un-Orte einen kleinen Steckbrief bekommt und man nachgucken kann, wie so ein vbB eben gerade NICHT aussehen sollte. X/

  • Dem kommt bei uns wohl "Spielstraße" am nächsten. Tatsächlich komm ich oft an welchen vorbei, manchmal fahr ich sogar durch. Spielende Kinder seh ich da aber überhaupt nicht. Und dass bei der Ausfahrt aus einer Spielstraße kein rechts-vor-links gilt, weiß m.E. so gut wie niemand.

  • Spielstraße ist das häufig genutzte Wort für einen VbB.

    Du wohst ja vielleicht sogar in einem, wenn man von A nach B fährt hat man verständlicherweise weniger Kontakt, Als Radler finde ich die nicht attraktiv, als Vater natürlich schon.

  • Erste Lektion gelernt: Irgendwie bist du immer schuld, sozusagen die Ursache dafür, dass ein anderer ausrastet. Schon mal dran gewöhnen, "kleiner Mann"...

    Die Pressemeldung wurde übrigens von einer Frau geschrieben. Und ja, der "kleine Mann" ist derjenige, bei dem sich der Ausgerastete am meisten entschuldigen muss. Das wäre sehr wichtig.


    Leider sind heute nicht mehr so viele Passanten zu Fuß unterwegs wie zu meiner Kindheit gegen Ende der DDR. Da geschah es, dass ich, 11-12 Jahre, mit dem Rad zum Schachtraining fuhr, den Arm links raushielt, Richtung Straßenmitte fuhr und links abzubiegen begann. Wollte sich ein Mopedfahrer noch links vorbeidrängeln und es kam zur Kollision. Ob jemand gestürzt ist, weiß ich nicht mehr. Aber der Mopedfahrer gab mir die Schuld, schließlich war er der Stärkere. Das beobachtete aber ein Passant, der uns entgegen kam und knöpfte sich den Mopedfahrer vor: "Was fällt Ihnen ein, sich so aufzuführen? Der Junge ist im Recht! Er hat den Arm ordentlich und rechtzeitig rausgehalten. Entschuldigen Sie sich gefälligst bei dem Jungen!"


    Das war eine ganz wichtige Erfahrung für mich auf dem Weg zum selbstbewussten Radfahrer.

    Sich für Kinder einzusetzen, ist immer eine Investition in die Zukunft.