Woche 1 vom 4. bis zum 10. Januar 2021

  • und heise.de verharrt im letzten Jahrtausend, schließt Radfahrerinnen und Fußgängerinnnen aus :whistling:


    steht nicht viel drin.

    höchstens interessant:

    Zitat

    Das Verkehrsministerium arbeite am nächsten Verkehrssicherheitsprogramm für den Zeitraum 2021 bis 2030, hieß es. Insbesondere auf die Städte und Gemeinden komme es an, wenn es zum Beispiel um mehr Schutz für Fußgänger und Radfahrer gehe.


    was auch immer damit gemeint ist: ausführlicher erläutert wird das im Artikel nicht.

  • was auch immer damit gemeint ist: ausführlicher erläutert wird das im Artikel nicht.

    Doch. Herr Scheuer setzt auf "automatisiertes und vernetztes Fahren", um "Unfallsituationen frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden".

    Technikglaube anstatt einfach mal das Tempo zu senken.

    Solange Dummheit als plausible Erklärung ausreicht, sollte man keinen Vorsatz annehmen.

  • bei Automatisierung kommt es aber nicht auf Städte und Gemeinden an. :/

    Naja, schon irgendwie. Die könnten zum Beispiel mehr eigene geschützte Flächen für den Rad- und Fußverkehr bauen, so dass die automatischen Autos freie Bahn auf der Autostraße haben.

    Solange Dummheit als plausible Erklärung ausreicht, sollte man keinen Vorsatz annehmen.

  • Dazu passt das hier:

    "Niedersachsen will mit digitaler Verkehrslenkung Staus vermeiden

    Niedersachsen setzt als erstes Bundesland auf weitgehend digitale Verkehrslenkung. Von den Echtzeitdaten aus Hannover sollen Autofahrer, Polizei und Veranstalter im ganzen Land profitieren. Die kostenlose Navigations-App der Verkehrsmanagementzentrale berechnet sogar, wo in Kürze Staus entstehen – und lotst Nutzer um sie herum." (HAZ-Printausgabe vom 8.1.2020)


    Hauptsache digital und Auto.


    In der Pressemeldung, auf der der Artikel fußt, heißt es: "Erstmals erhalten wir mit dem neuen System einen ganzheitlichen Überblick der Verkehrslage für Niedersachsen. Hieraus ergeben sich vollkommen neue Möglichkeiten für Verkehrslenkung und Verkehrsmanagement insgesamt."

    https://www.mw.niedersachsen.d…niedersachsen-196007.html

    Weder in der Pressemeldung noch in der HAZ wird angesprochen, dass es am intelligentesten wäre, wenn die KI (Künstliche Intelligenz) in dem neuen Verkehrslenkungssystem, von Leuten programmiert würde, die sanfte Mobilität in Form von ÖPNV, Fahrrad- und Fußverkehr stärken möchten. Entsprechend könnte bei zunehmendem Autoverkehr sofort dazu angeraten werden, auf sanfte Mobilität umzusteigen.

    Zu befürchten ist jedoch, dass das Verkehrslenkungssystem gleichzeitig benutzt wird (oder vielmehr dazu missbraucht wird), den nächsten Autobahn-, Bundesstraßen- und sonstigen Straßenausbau zu legitimieren.

  • Dieser Mercedes Benz-Imagefilm lässt keine Stereotype aus, um das Automobil als fortschrittliches Verkehrsmittel anzupreisen.

    Besonders raffiniert gemacht: Es gelingt dem Filmteam

    Frauenemanzipation und Autonutzung gleich zu setzen.

    Die Dorfbevölkerung wird in einer Art und Weise dargestellt, als habe man es durchweg mit Menschen mit geistiger Behinderung zu tun.

    Die Anfangsszene, in der 10 Frauen einen Pflug ziehen (fehlt nur noch, dass der Bauer, der den Pflug lenkt, mit der Peitsche auf die Frauen eindrischt) entbehrt vermutlich jeglicher historischen Grundlage.

    Religion wird darin als Hexenglaube definiert. Und die Dorfbevölkerung wird als mordlüsternde Meute dargestellt, die kurz davor steht, die Protagonistin zu lynchen.:thumbdown:

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  • Dieser Mercedes Benz-Imagefilm lässt keine Stereotype aus, um das Automobil als fortschrittliches Verkehrsmittel anzupreisen.

    Finde das Video echt gut gemacht.


    Was ich mich frage: Wie hoch war der Verbrauch von dem Automobil, bzw. wieviel PS hatte das?


    Gerade die heutigen tonnenschweren komplett übermotorisierten Merzedes-OMG (sic!) wickeln sich ja häufiger mal um Bäume rum (mit den Bäumen hab ich Mitleid). Vielleicht sollte sich Merzedes mal wieder auf die Anfänge zurückberufen und Technik sinnvoll einsetzen.

    Solange Dummheit als plausible Erklärung ausreicht, sollte man keinen Vorsatz annehmen.

  • Historisch betrachtet war das Automobil meines Erachtens seinerzeit ein gleichermaßen fortschrittliches Verkehrsmittel wie das Fahrrad, das zu der Zeit ja auch gerade erst jene praktische Form angenommen hatte, die wir heute kennen. Wäre es bei der Nutzung des Autos für gelegentliche Fernfahrten und für das Erreichen "entlegener" ländlicher Gebiete geblieben, wäre es auch heute unproblematisch. Dass die Entwicklung anders verlief, würde ich nicht der Erfindung an sich oder der heutigen Marke anlasten.


    Dass die Rahmenbedingungen im Film des Dramas wegen überspitzt dargestellt werden, finde ich weniger empörend als du. So lassen Länge und Art der Darstellung doch eindeutig erkennen, dass es sich um einen Imagefilm und nicht um eine historisch informierte Dokumentation handelt. Was das Frauenbild angeht, trafen auch radfahrende Frauen seinerzeit auf wenig Akzeptanz und es wurde bis hin zu medizinischen Erklärungen kaum ein Mittel ausgelassen, ihnen das Radfahren zu verbieten.


    Und ob die Leute heute tatsächlich anders reagieren würden, wenn sich vor Ihnen ein Erfinder materialisieren würde, der sich gerade das erste mal erfolgreich von einem Ort zum anderen gebeamt hat, wage ich zu bezweifeln. Religion, Hexenglaube oder Zauberei taugen einfach zu gut als Erklärung für die Dinge, die man nicht versteht ;)

  • Der beste aller Imagefilme ist nicht vom Daimler autorisiert:


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  • Dass die Rahmenbedingungen im Film des Dramas wegen überspitzt dargestellt werden, finde ich weniger empörend als du. So lassen Länge und Art der Darstellung doch eindeutig erkennen, dass es sich um einen Imagefilm und nicht um eine historisch informierte Dokumentation handelt. Was das Frauenbild angeht, trafen auch radfahrende Frauen seinerzeit auf wenig Akzeptanz und es wurde bis hin zu medizinischen Erklärungen kaum ein Mittel ausgelassen, ihnen das Radfahren zu verbieten.

    Es gibt da eine Erzählung von Peter Rossegger, das ist der Autor unter anderem von der Erzählung "Als ich Christtagsfreude holen ging". Sie wird regelmäßig in der Weihnachtszeit im Fernsehen als Film gezeigt.

    In der Erzählung, die ich meine, erzählt der Autor Erlebnisse aus seiner Kindheit. Rossegger ist 1843 geboren. Etwa mit 10 bis 12 Jahren hat er mit seinem Paten, den Knierutscher-Jochem eine Wallfahrt unternommen. Und dabei lernt er die Eisenbahn kennen. Ebenso sein Pate. Das war immerhin rund 35 Jahre vor 1888, als Bertha Benz ihre Autofahrt unternahm. Diese Geschichte im Hinterkopf hat der Mercedes-Imagefilm auch als Image-Film einfach zu weit überzogen.

    Zum Vergleich hier ein Link zu der Rossegger-Erzählung "Als ich das erstemal auf dem Dampfwagen saß" auf einer Seite von Projekt Gutenberg.de

    https://www.projekt-gutenberg.…er/waldbaur/waldb141.html

  • Dein Beispiel hinkt aus meiner Sicht aber arg. Die Eisenbahn gab es zum Zeitpunkt der Geschichte schon einige Jahrzehnte, die Charaktere wissen um ihre Existenz und haben ferner sogar recht konkrete Vorstellungen davon: "Und wahrhaftig, wenn wir sonst gedacht hatten, an das Lokomotiv wären ein paar Steirerwäglein gespannt, auf denen die Reisenden sitzen konnten, so sahen wir nun einen ganzen Marktflecken mit vielen Fenstern heranrollen, und zu den Fenstern schauten lebendige Menschenköpfe heraus, und schrecklich schnell ging's, und ein solches Brausen war, daß einem der Verstand stillstand."

    Überrascht sind sie nur, weil alles viel größer und schneller ist, als in ihrer Vorstellung.

    Den Patent-Motorwagen gab es dagegen erst seit rund zwei Jahren vor der großen Fahrt und hatte wohl kaum überregionale Bekanntheit.


    Die Reaktion des Paten mit Anrufungen des "Herrgotts" und "Jessas" unterscheidet sich nicht wesentlich von der ersten Dame im Film, die auf die Knie geht und wahrscheinlich innerlich ihren Herrn aufruft. Auch sonst werden die beiden in der Geschichte mit z.B. "So hielt der Jochem den lieben Gott für einen gutherzigen, einfältigen Alten (ganz wie er, der Jochem, selber war)" und "Wie ein Huhn, dem man das Hirn aus dem Kopf geschnitten, so stand der Pate da, und so stand ich da." nicht wesentlich "heller" dargestellt als die Bevölkerung im Film. Formulierungen wie "Wenn der Mensch aber hergeht und den Blitzableiter oder gar den Telegraphen erfindet, so ist das gar nichts anderes als eine Anfechtung des Teufels." lassen die "Offenheit" gegenüber Neuem ahnen.


    Wenn du in dem Filmchen noch das Haar in der Suppe finden möchtest, dann vielleicht darin, dass ganz offensichtlich ein Patent-Motorwagen Nummer I mit Stahlspeichenrädern wie beim Hochrad gezeigt wird, die Fahrt von Bertha Benz aber mit einem Motorwagen Nummer 3 (mit Holzspeichenrädern und einer vis-a-vis-Sitzbank überm Vorderrad) unternommen wurde.

  • Der beste aller Imagefilme ist nicht vom Daimler autorisiert:

    Was wollen die Studenten uns damit sagen? Fahrerassistenzsysteme bremsen für die "Guten" und überfahren die "Bösen"?


    Glaube, ich habs jetzt verstanden... Soll wohl den Werbeslogan soweit überhöhen, dass man ihn vielleicht mal in Frage stellt? Sorry, war in "Deutsch" immer ne Niete, hab nie was kapiert. Mathe/Physik war immer mein Fach, hab wohl nicht das, was man unter Verkäufern "emotionale Intelligenz" nennt....

  • Nach einem Haar braucht man in diesem Imagefilm nicht suchen, da steckt ja ein kompletter Flokati drin. Zumindest wenn man ihn unter historischen Aspekten betrachtet. Nun ja, ein Imagefilm hat ja auch nicht die Aufgabe, historische Aufklärungsarbeit zu betreiben, sondern er soll Werbung für Mercedes machen. Und so gesehen ist er geschickt inszeniert.

    Vielen Dank, dass du so aufmerksam die Rossegger-Erzählung gelesen hast. Tatsächlich gibt es da Ähnlichkeiten, was die erstaunliche Wirkung eines scheinbar selbstfahrenden Fahrzeuges angeht. In der Rosseger-Erzählung ist es aber ein um ein vielfaches größerer Eisenbahnzug. Und das war rund 35 Jahre vor Bertha Benz's Autoausflug von rund 100 km, für die sie rund 12 Stunden benötigte.

    Vor dem ersten Weltkrieg lag die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit der Eisenbahn bei 60 km/h. Die Gesamteisenbahnstrecke in Deutschland betrug 1885 übrigens rund 40.000 km.

    Damit steht die Frage im Raum, warum Bertha Benz nicht einfach die Eisenbahn genommen hat, um von Mannheim nach Pforzheim zu gelangen. Die Eisenbahnstrecke verläuft übrigens nicht weit entfernt von der von Bertha Benz gefahrenen Strecke. Und Bertha Benz hat die Eisenbahnstrecke vermutlich mindestens einmal irgendwo gekreuzt auf ihrer Fahrt.

    Was im Film noch fehlt, vermutlich weil es nicht im Mercedes-Firmeninteresse ist, diesen Appell in einem Imagefilm bekannt zu machen: "Noch als 90-Jährige appellierte Bertha an alle Autofahrer: „Bitte, fahrt nicht so schnell. Ihr bringt nicht nur Euer eigent Leben, sondern auch das Eurer Mitmenschen in Gefahr.“" aus: DLF Kalenderblatt vom 5.8.2018 https://www.deutschlandfunk.de…ml?dram:article_id=424664

    Bertha Benz wurde 1849 geboren, es war also 1939, als sie das sagte. Im selben Jahr baute Mercedes an einem Rekordrennwagen (T80) mit 3500 PS (sic!) der 600 km/h schnell fahren und einen neuen Geschwindigkeitsweltrekord für Landfahrzeuge aufstellen sollte.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Mercedes-Benz_T_80

    Ob das wohl der 90-jährigen Auto-Pionierin bekannt war?