eine ganze Stadt mit mehr als 25.000 Einwohnern ist zur 30-km/h-Zone erklärt worden

  • weil die Strassenverkehrsordnung noch keine Stadtbeschlüsse erlaubt! Restlos alle Ortszugänge tragen jetzt das Schild. Damit sind alle Radwege vermutlich auch automatisch hinfällig. Kannst Du Dir das bei uns auch vorstellen und würdest Du zustimmen oder gar vor Freude hüpfen? Ort? Bègles (Partnerstadt von Suhl, Thürigen) in F.

  • Muss nix heißen. In Frankreich gibt es auch (runde) blaue Schilder in Tempo-30-Zonen:


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    Die OD Weiler (D 334) bei Wissembourg (direkt an der deutschen Grenze) ist auch komplett Tempo-30-Zone. In der deutschen StVO sind ja vor allem die klassifizierten Straßen (als Kreisstraße aufwärts) ausdrücklich ausgenommen und 30er-Zonen dort nicht zulässig. In Hohenecken hat das die Stadtverwaltung Kaiserslautern aber auch nicht interessiert, als sie die durchgehend mit [Zeichen 301] beschilderte, immer noch als Kreisstraße 3 gewidmete OD zur [Zeichen 274.1] ausgewiesen hatte...


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  • Ich musste erst mal suchen, über was hier diskutiert wird. Ich habe dazu diesen Artikel auf Spiegel online vom 8.7.2019 gefunden: https://www.spiegel.de/auto/ak…auf-30-kmh-a-1276311.html


    Was ich nicht so ganz verstanden habe: "Zudem kämpft Bègles wie viele Orte gegen den "Navi-Effekt": Navigationssysteme geben die Kleinstadt als Alternative für die verstopften Ein- und Ausfallstraßen ins benachbarte Bordeaux aus und sorgen so für mehr Verkehr.", heißt es in dem Text. Ich muss zugeben, dass ich mit der Benutzung von Navis kaum praktische Erfahrungen habe. Warum sollte denn eine Ort mit Tempo 30 Straßen davon verschont bleiben, dass die Straßen des Ortes von Navi-Geräten als Ausweichstraßen empfohlen werden?


    Rechnet der Bürgermeister von Bègles damit, dass die Navi-Geräte eine Tempo-30-Straße nicht als Ausweichroute empfehlen? Vielleicht weil die vom Navi-Gerät errechnete Fahrtdauer dann länger ist, als für eine Route durch einen anderen Ort, auf dem Tempo 30 noch nicht gilt? Oder arbeiten die Navi-Geräte grundsätzlich so, dass Tempo 30 Straßen nicht als Ausweichstrecken angezeigt werden, weil diese Straßen in der Regel Wohngebietsstraßen sind, durch die kein Autoverkehr rollen soll?


    In seinem Buch "Totalschaden" hat Gietinger darüber berichtet, dass die Anfänge der Massenmotorisierung durchaus auch von Gegenaktionen begleitet waren. So gab es Ortschaften, in denen Drähte über die Fahrbahnen gespannt wurden, um Autofahrer zu schädigen. Nicht für die geschilderte Maßnahme an sich, aber durch aus für den Willen seinen Wohnort autofrei zu halten, habe ich ein gewisses Verständnis. Ist der Versuch der französischen Stadt Bègles so zu verstehen, dass sie quasi durch die gezielte Beeinflussung der Navi-Basisdaten eine Art elektronischen Autofahrer-Abschreckungsdraht über ihre Straßen spannt?


    Hier ein Link zu einer Leseprobe aus Gietingers Buch: http://www.verkehrswende-darms…/leseproben/totalschaden/

  • Zitat von Uli

    Rechnet der Bürgermeister von Bègles damit, dass die Navi-Geräte eine Tempo-30-Straße nicht als Ausweichroute empfehlen?

    Also, wenn ich mal mit meinem Auto unterwegs bin, versucht das Navi immer, mich auf dem Weg nach hause in einem riesenbogen um die 30-Zone herumzuleiten, obwohl die Strecke dadurch fast 2 km länger ist. Tja, Renault: "Autos zum Leben" (so hieß mal der Werbeslogan).

  • Da kommt vermutlich das Navi aufgrund der ihm zur Verfügung stehenden Daten zum Schluss, das du über den Umweg schneller am Ziel bist. Z.B. es nimmt an das du auf der Umgehungsstrecke eine deutlich höhere Durchschnittsgeschwindigkeit erreichst, wie auf der kürzeren Strecke. Was durchaus falsch sein kann. Insbesondere dann, wenn das Navi nur statische Kartendaten und keine Echtzeitverkehrsdaten hat und damit Staus nicht berücksichtigt.

    Hast du mal versucht, in Google Maps mit deiner Route zu spielen ? Im ersten Schritt nur Anfangs- und Endpunkt angeben. Und die errechnete Zeit merken . Anschließend durch Setzen von Wegpunkten die Zeit für entfernungsmäßig kürzere Strecken ermitteln lassen.

  • Also, wenn ich mal mit meinem Auto unterwegs bin, versucht das Navi immer, mich auf dem Weg nach hause in einem riesenbogen um die 30-Zone herumzuleiten, obwohl die Strecke dadurch fast 2 km länger ist. Tja, Renault: "Autos zum Leben" (so hieß mal der Werbeslogan).

    Wenn ich mit dem Auto unterwegs bin vermeide ich es auch tunlichst, viel in 30er Zonen herumzufahren und nehme immer den direkten Weg zur Hauptstraße. In den 30er Zonen mag zwar weniger Verkehr sein, aber der ist deutlich gefährlicher meiner Meinung nach. Viele unaufmerksame Kinder, Schlechte Sicht überall durch zugeparkte Gehwege usw..

  • Ich finde es richtig, den Durchgangsverkehr aus verkehrsberuhigten Zonen rauszuhalten. Wer sich besser auskennt, soll halt selbst navigieren.

    Der Trick im Falle der Stadt Bègles besteht ja darin, den Durchgangsverkehr herauszuhalten, der daraus entsteht, dass die Straßen in Richtung Bordeaux oft verstopft sind, so dass dann der Ort Bègles auf Empfehlung der Navis durchfahren wird, um den Staus auszuweichen.

    Das heißt der Verkehr insgesamt wird dadurch nicht weniger, sondern er wird entweder:

    a) zu längeren Staus auf den Hauptstrecken führen, oder

    b) durch die Navi-Empfehlungen auf Durchgangsstraßen durch andere Ortschaften umgeleitet, wo noch Tempo 50 km/h gilt.

    Wenn diese Ortschaften dann auch beschließen auf Tempo 30 zu reduzieren, dann wird das langfristig dazu führen, dass die Navi-Programmierer sich dem anpassen und dann kommt der ganze Durchgangsverkehr wieder zurück.

    Immerhin fährt er dann nur mit Tempo 30 durch die Ortschaften.

    Und mit ein bisschen Glück gelingt es, die Autofahrer des Ortes mitzunehmen, anstatt dessen Protestgeschrei zu provozieren. Denn der Autofahrer in Bègles fíndet es ja vielleicht blöd, nur 30 km/h fahren zu dürfen. Nimmt das aber gerne in Kauf, wenn es mit der Maßnahme gelingt, die Autofahrer aus anderen Ortschaften aus dem eigenen Ort herauszuhalten.


    Bemerkenswert finde ich unter anderem diesen Artikel in der in Frankreich weit verbreiteten Zeitung "20 Minutes": "Gironde: La ville de Bègles généralise la vitesse à 30 km/h dans ses rues à partir de lundi" vom 8.7.2019. Darin heißt es unter anderem:

    Il s’agit finalement « d’une mesure de bon sens » conclut la municipalité, « lorsque l’on sait qu’en milieu dense, la vitesse moyenne de circulation d’un véhicule quatre roues n’est réellement que de 19 km/h. À 30 km/h, cette vitesse moyenne passe à 17 km/h. (...)»"

    Mit Hilfe meiner eigenen rudimentären Französischkenntnisse, dem google-Übersetzer und dem Wörterbuch übersetze ich das mal so:

    "Es geht letztlich darum, "den gesunden Menschenverstand walten zu lassen", stellt die Gemeindeverwaltung fest.

    Bei dichtem Autoverkehr beträgt die Durchschnittgeschwindigkeit 19 km/h. Bei dichtem Autoverkehr und einer vorgegebenen Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h beträgt die Durchschnittsgeschwindigkeit 17 km/h."

    https://www.20minutes.fr/borde…-30-kmh-rues-partir-lundi


    Leider habe ich nichts dazu gefunden oder spreche dafür zu wenig französisch, dass es notwendig ist, bauliche Maßnahmen zu treffen, um Tempo 30 auch wirklich zum Durchbruch zu verhelfen.

    Hier noch ein Video-Link:

    https://www.youtube.com/watch?v=i8FDw-Jz52c

    In dem Video sprechen sich auch Autofahrerinnen und Autofahrer für die Tempo-30-Lösung aus! Siehe u. a. Minute 0:48 von 1:31

    In diesem und anderen Videos sieht man auch etwas von den Straßen vor Ort.

  • Den Stau bei Bordeaux gab es zur Ferienzeit schon vor Jahrzehnten, damals noch ohne Navi.

    So bin ich damals auch schon mal mit dem Auto durch Bègles gefahren. Lang ist es her.

    Gut, dass man sich da inzwischen wehrt.

    Ob Tempo 30 da aber wirklich hilft, wage ich zu bezweifen.


    Wenn hier in Hamburg Stellingen die Kieler Straße dicht ist, weil unterm" Stellinger Deckel" die Polizie (mit Atemschutz?) einen Unfall aufnimmt, dann merke ich das auch in meiner 30er Straße. Da wird dann mit dem Auto schon mal über Fußwege gefahren, wenn auch nicht immer mit Tempo 50.


    Deshalb finde ich den Ansatz von Österreich genial:


    Tiroler Straßensperren: Hier ist seit heute dicht


    Und von wo kommen Kommentare wie "krass europarechtswidrig" und "diskriminierend"?