"Fridays for future" fordert die Verkehrswende

  • Heute gesehen bei der "Fridays for future"-Demo in Hannover:

    radverkehrsforum.de/attachment/10317/


    Und beim Klicken durch die Neue Presse Fotogallerie hab' ich gleich noch ein tolles Plakat gefunden:

    https://www.neuepresse.de/Mehr…-Demo-in-Hannover#chart=8

    DON'T BE BESCHEUERT


    Außerdem setzen die Veranstalter*innen beim Transport der Musik und Lautsprecheranlage voll auf's Rad:

    radverkehrsforum.de/attachment/10318/


    Es galt immerhin 2000 (laut Zeitungsangaben) Demo-Teinehmer*innen zu beschallen!


    Ein Zitat aus der Berichterstattung von der Seite "MADS" = Medien an der Schule:

    "Auf die Ziele der Bewegung ging der 23-jährige Medizinstudent Julian näher ein. Es gehe nicht nur um internationale Umweltabkommen. „Wir können auch lokal mit einem Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, mehr Radwegen und Elektrobussen viel tun“, sagte der junge Mann."

    https://mads.de/fridays-for-fu…ng-rueckt-enger-zusammen/


    Und noch ein schönes Plakat, gefunden auf der selben Seite:

    https://mads.de/wp-content/upl…25768-FILED-1024x683.jpeg

    Text: "Weniger Autos, mehr Räder auf die Straße."


    Vielleicht besuchen ja auch andere Besucher des Radverkehrsforums die örtlichen "Fridays for future"-Veranstaltungen? Dann schickt doch einfach mal ein paar Berichte und Bilder in diesen Themen-Strang!

  • Diese Tage gesehen an einem Papierkorb in Linden-Süd. Sieht vielleicht nicht so professionell aus das Plakat. Aber dafür absolut authentisch und die Botschaft kommt voll gut rüber!


    Und das hier habe ich beim Bootsverleih in Marburg a. d. Lahn gesehen:

    MARCH NOW OR SWIM LATER!


    Und so sieht die Steuerbordseite aus:


  • Die Fridays for Future Aktivist*innen laden in Hannover am 14.6.2019 um 16:30 zur Fahrrad-Demo!

    Das zeigt, dass die Fridays for Future Aktivist*innen das Fahrrad als alternatives Mobilitätskonzept zu schätzen wissen. Anders als manche Politiker und Entscheider, von denen viele immer noch das Fahrrad von den Fahrbahnen verbannen wollen, um den Autoverkehr zu begünstigen.

    Auf der Seite:

    fridaysforfuture-hannover.de

    heißt es:

    Am 14.06. geht es weiter! Nach einer super Demonstration am 24.05. schwingen wir uns jetzt aufs Rad. Die zweite Fahrraddemo in Hannover startet um 16:30 am Opernplatz. Wir fahren von da aus durch die Stadt und beenden unsere Demonstration im Georgengarten. Dort wird es auch wieder ein veganes Picknick geben. Jede*r ist willkommen! Kommt einfach mit eurem Fahrrad vorbei und bringt eure Freund*innen und Familie mit.

    https://fridaysforfuture-hanno…4/faharrad-demo-am-14-06/

  • Die Fridays for Future Aktivist*innen laden in Hannover am 14.6.2019 um 16:30 zur Fahrrad-Demo!

    Das zeigt, dass die Fridays for Future Aktivist*innen das Fahrrad als alternatives Mobilitätskonzept zu schätzen wissen. Anders als manche Politiker und Entscheider, von denen viele immer noch das Fahrrad von den Fahrbahnen verbannen wollen, um den Autoverkehr zu begünstigen.

    Zusätzlich fordern wir einen massiven Ausbau der Fahrradinfrastruktur und von Carsharingangeboten , um die Menschen weg vom automobilen Individualverkehr zu bekommen.

    :?:

    Genauso wie manche Politiker und Entscheider, von denen viele immer noch das Fahrrad von den Fahrbahnen verbannen wollen, um den Autoverkehr zu begünstigen.


    So richtig viel Ahnung scheint man auch freitags nicht zu haben.

  • Ein massiver Ausbau der Fahrradinfrstruktur kann zum Beispiel bedeuten, dass eine zweispurige Hauptverkehrsstraße (je Richtung) auf einer Spur zum Fahrradstreifen umgewandelt wird. Und die andere Spur für den Omnibusverkehr, den reinen Wirtschaftsverkehr (Lieferungen, Handwerker, Ver- und Entsorgung), sowie Rettungsfahrzeuge reserviert wird. Autoprivatverkehr darf dort nicht mehr fahren.

    Problematischer finde ich, dass viele Fridays for future Aktivistinnen meinen, es müssten Angebote wie Carsharing oder gar "shuttle on demand services" ausgebaut werden. Bei solchen Gesprächen höre ich dann manchmal heraus, dass eine sehr große Unzufriedenheit mit dem ÖPNV besteht. Einerseits wegen der Preisstruktur (die hat sich erst seit einem Jahr in Hannover etwas gebessert durch die 15 Euro Schüler-Monatskarte). Andererseits gibt es oft ein blödes Verhalten der Fahrkartenkontrolleure. Oder zumindest ein als blöd empfundenes Verhalten. Wenn zum Beispiel der Busfahrer keinen mehr zusteigen lässt und die Tür schließt und abfährt, weil der Bus ganz einfach voll ist, dann wird das schnell mal missverstanden. Und leider gibt es keine institutionalisierte Dialog-Kultur, wo über solche Vorgänge gesprochen werden kann.


    Ein Problem ist aber auch, dass Schülerinnen und Schüler den ÖPNV leider viel zu oft nur in Form von vollgestopften Omnibussen kennen, mit denen sie zur Schule "gekarrt" werden. Und leider wird dieses Problem nach meiner Beobachtung noch zu wenig beachtet. Die ÖPNV-Unternehmen müssten viel mehr Aufklärung im Dialog mit den Schülern betreiben was geht und was nicht geht. Stattdessen kommt es vor, dass ein Bus kommt und alle reinstürmen, obwohl der nächste nur wenige Minuten später kommt und dort dann noch viele Plätze frei sind. Manchmal weigert sich aber auch das ÖPNV-Unternehmen größere oder mehr Busse einzusetzen. Und manchmal könnte man in einem offenen Dialog auch darlegen, dass es bei den Kapazitäten Begrenzungen gibt. Wer einen Sitzplatz in den Verkehrsspitzen erwartet, der muss notfalls eine halbe Stunde früher fahren. Oder eben seine Erwartungen an das anpassen, was möglich ist. Statt Dialog aber setzen viele Verkehrsunternehmen einfach nur darauf, dass sie ja die Bestimmer seien und die Fahrgäste nichts zu melden haben. ("Beförderungsfälle", "Zwangskunden").


    Das begünstigt, dass manche Jugendliche zum Beispiel den shuttle on demand service Moja als eine brauchbare Alternative zum klassischen ÖPNV sehen. Bloß dass die dann nicht so weit denken, dass das nicht funktioniert, wenn statt 150 Schüler in einem Gelenkbus stattdessen diese 150 Schüler in rund 40 Moja-VW-Bussen zur Schule fahren würden. Leider schaffen es Moja und Co mit coolen Sprüchen und jugengerechtem Auftreten wenig nachhaltiges Angebot ansprechend zu präsentieren. Zumal sie ja auch damit werben, mit jugendgerechter Technologie zu arbeiten. (Bestellung per Handy-App)


    Und leider gibt es auch bei den Fridays for Future Aktivist*innen solche, die meinen, wenn in wenigen Jahren alle Elektroauto fahren, dann sei das Mobilitätsproblem ohnehin gelöst. Und die Politiker*innen sollten doch einfach endlich damit anfangen, die entsprechenden Ladesäulen aufzustellen. (Aber das sind wirklich nur wenige.)


    Aber: Hane, um das zu beeinflussen, musst du mit den Leuten reden. Und ich sag mal: Mit vielen Friday for Future Aktivist*innen kannst du da ziemlich gut drüber sprechen. Auf jeden Fall viel besser als mit den Leuten, die die Freitagsdemonstrationen mehr oder weniger scharf abqualifizieren oder gar verurteilen.

  • :?:

    Genauso wie manche Politiker und Entscheider, von denen viele immer noch das Fahrrad von den Fahrbahnen verbannen wollen, um den Autoverkehr zu begünstigen.


    So richtig viel Ahnung scheint man auch freitags nicht zu haben.

    Was schreibt man, wenn man besser Bedingungen für das Fahrrad haben möchte, aber keine separierten Radwege deutscher Bauart? Mir fällt da als allererstes der Begriff »Fahrradinfrastruktur« ein. Das ist meines Erachtens der Oberbegriff für Verbesserungen zwischen den Bordsteinen (Fahrradstraße, Fahrradstreifen, Schutzstreifen, Protected Bike Lane ...), Radschnellwege, meinetwegen auch ein paar Hochbordkonstruktionen, dazu Ampelschaltungen, Vorfahrtregelungen, Brücken, ...

  • Wie kompliziert das ist, sich darauf zu einigen, was eine erstrebenswerte Fahrradinfrastruktur ist, das ist doch oft Gegenstand der Diskussionen hier im Forum. Da wäre es wohl ein bisschen viel verlangt, eine "Klipp und klar Aussage" von den Fridays for Future Schüler*innen zu verlangen. Zumal es eine solche "Klipp und klar Aussage" oft gar nicht gibt.

    Mir scheint unter anderem wichtig, dass sich nicht der Gedanke einschleicht, wenn wir erst mal alle Autos von Verbrennungsmotoren auf Elektroantrieb umgestellt haben, dann haben wir die Verkehrsprobleme gelöst.

  • Ein anderer Punkt, der mir auffällt: Die Fridays for Future Schülerinnen fokussieren sich sehr stark auf die Nutzung von Kohle als Energieträger. Siehe auch diesen Demoaufruf für den 21. Juni 2019 in Aachen:

    "Am Freitag, den 21.06, findet der erste internationale, zentrale Streik von Fridays for Future in Aachen statt. Aus insgesamt 16 Ländern kommen Schüler*innen, Studierende, Eltern, Wissenschaftler*innen, Lehrer*innen, Künstler*innen und alle Anderen in die Kaiserstadt, um für eine gerechte und verantwortungsbewusste Klimapolitik zu demonstrieren.

    Hier hat Geschichte stattgefunden, und jetzt wollen wir die Zukunft schaffen.

    Aachen liegt direkt am rheinischen Braunkohlerevier, welches die größte CO2-Quelle in ganz Europa ist."

    Schon bei der Anti-AKW-Bewegung hat es mich oft gestört, dass ausgerechnet auf Autos Anti-AKW-Aufkleber pappten.

    Immerhin, Fridays for Future Aufkleber habe ich bisher noch nicht auf Autos pappen sehen.


    Entschuldigung ich hatte den Link vergessen: https://ac2106.fridaysforfuture.de/

    Dort gibt es auch einen Video mit der Einladung!

  • Was schreibt man, wenn man besser Bedingungen für das Fahrrad haben möchte, aber keine separierten Radwege deutscher Bauart?

    Ende der automobilen Gewalt? Eine echte Verkehrswende? Oder nur ein Rumdoktern an baulichen Details?


    Die übliche gegenwärtige Fahrradpolitik ist doch nur Common Sence, weil sich die einen gebauchpinselt fühlen können, andere können sich grüne Federn an den Hut stecken, weil alle es glauben wollen, dass es grün ist, sich im Grunde aber nichts ändert. Ansonsten wäre ja irgendjemand dagegen. Aber da selbst der ADAC Radwege unterstützt .... Das sollte Grund genug sein, genauer darüber nachzudenken.


    Es ist eine Sache, vergoldete Ghettos zu fordern, weil man selber gerne darin fahren würde. Jeder ist seines Unglückes Schmied.

    Aber seine Wünsche mit dem Allgemeinwohl zu begründen, damit deren Umsetzung wahrscheinlicher wird, ist an zwei Stellen fehlerhaft:

    1) Dass Radverkehrsförderung durch Radweg funktioniert, ist bisher nur behauptet und nicht belegt (Korrelation, Kausalität und anderer logischer Unfug). Aber auch hier gilt, es wird geglaubt, weil alle, die Geld oder Medienpräsenz haben, davon in verschiedener Form profitieren. Dass es nicht funktioniert, ist plausibler, weil Radwege keine handfesten Vorteile bieten.

    2) Mehr Radverkehr bedeutet nicht zwangsläufig weniger Autos. Aber auch das wollen alle glauben, weil es für sie bequem ist. Es ist eher zu vermuten, das es zu Lasten des ÖPNVs geht.


    Man muss sich halt zuerst klar machen, was man wirklich will! Klima retten? Mehr Fahrräder sparen kein CO2 ein, weniger Autos schon. Da muss man ansetzen, nicht bei irgendwelchen gefälligen, postfaktischen Alibimaßnahmen.

  • Natürlich bedeutet es auch weniger Autos. Bei 23km und Pendeln in eine andere Stadt stellt sich bei mir die Frage ob ich das Auto oder das Fahrrad nehme. ÖPNV ist da komplett außen vor, ich will ja nicht erst um 10 Uhr ankommen. Ich lehne für mich den ÖPNV komplett ab, komplett überteuert, auf seinen längsten Strecken braucht er ewig, er ist unzuverlässig und er ist hoffnungslos überteuert (3,25€ für eine Fahrt innerhalb einer Tarifzone? Geht's noch?), und ich bin da echt nicht der Einzige, den ich kenne.

    Kommst du aus einer Stadt mit gutem ÖPNV? ich jedenfalls nicht.

  • Karlsruhe wird eigentlich überall für den relativ guten ÖPNV gelobt. Es ist hier über Jahre gelungen, die Region an die Stadt anzubinden, indem man alte oder gar aufgegebene Bahnstrecken reaktiviert hat. Leider kam das Ganze etwa fünf Jahre zu spät für mich, sonst wäre ich vielleicht beim ÖPNV geblieben.

    In meinem ersten Jahr auf einer weiterführenden Schule war der 'direkte Weg' der Linienbus.

    Da gab es dann gelbe Busse von der Post oder rote von der Bahn. Letztere waren immer richtig dreckig und heruntergekommen, die gelben gingen so. Außerdem natürlich immer bis zum letzten Platz vollgestopft. Da lässt die Kundenbindung dann schon etwas nach.

    Im zweiten Jahr habe ich entdeckt, dass ich mit meiner Schüler-Monatskarte auch mit der Bahn fahren darf. Das habe ich dann ein paar Monate praktiziert, da war der Fußweg zur Schule nur unwesentlich weiter. Mangels Stadtbahn auf dieser Strecke waren das noch Nahverkehrszüge von der Bundesbahn. Jeden Morgen ein Hauch von Abenteuer: Kommt der Zug pünktlich? Bekommt man die Türen am Ziel wieder auf?

    Dann wurde zwischen meinem und dem Nachbarort die letzte Radweglücke geschlossen. Und seitdem bin ich eben chronischer Radfahrer. Und wenn ich doch mal die Bahn nehmen muss, staune ich jedes Mal, wie sehr die Fahrpreise wieder gestiegen sind: Für den Preis der günstigsten Dauerkarte kann ich mir auch jedes Jahr ein neues Fahrrad zulegen, dass dann vier Jahre hält.

  • Kommst du aus einer Stadt mit gutem ÖPNV?

    Berlin finde ich eigentlich ziemlich brauchbar: Einmal quer durch die Stadt für 2,8 €. Da ich die kurzen Strecken mit dem Rad fahre, passt das für mich ganz gut.


    Blöd wird es immer mit mehreren Personen. Denn die zusätzlichen Passagiere fahren praktisch kostenlos im Auto mit.


    Also für die ganze Familie sind es dann nicht 2,8 €, sondern gleich 9 € für eine Richtung. Aber scheinbar arbeitet der Senat auch daran und hat gerade ein kostenloses Schülerticket eingeführt.

  • 1) Dass Radverkehrsförderung durch Radweg funktioniert, ist bisher nur behauptet und nicht belegt (Korrelation, Kausalität und anderer logischer Unfug).

    Für mich heißt "Fahrradinfrastruktur" nicht gleich "Radweg". Auch wenn man dem Autoverkehr Platz wegnimmt, kostet das Geld. Und sei es für Grünstreifen und breitere Gehwege, damit du nicht gleich wieder in die Kerbe haust, dass ich dem Autoverkehr nur Platz wegnehmen möchte, um goldene Ghettos für Radfahrer zu schaffen.


    Ich glaube allerdings auch, dass man den Autoverkehr nicht alleine durch den Rückbau der Infrastruktur eindämmen kann, sondern dass es politische Entscheidungen braucht, den Autoverkehr bis auf wenige begründete Ausnahmen komplett aus den Städten herauszuhalten. Dann wäre in der Tat mehr als genug #PlatzfuersRad und auch für Fußgänger und E-Tretroller und für was weiß ich noch alles.


    Ich teile insofern auch überhaupt nicht die aktuelle Linie des ADFC oder der Radentscheide, dass "Protected Bikelanes" die Zukunft seien. Zum Einen halte ich diese abgepollerten Streifen an den entscheidenden Stellen (Kreuzungen) ganz und gar nicht für "protected" und zum Anderen festigen sie das Revierdenken. Am besten trennt man den Fahrradstreifen künftig noch mit einem Stacheldrahtzaun von der Fahrbahn ab, damit das noch klarer wird.


    Einfach nur zu fordern, dass alle Radfahrer bitte einfach überall auf der Fahrbahn fahren mögen, greift aber meiner Meinung nach auch zu kurz. Damit holt man niemanden vom Auto auf das Fahrrad. Immer wenn ich erzähle, dass ich hier auch an den "Hauptstraßen" (was man in einer Kleinstadt so nennt) auf der Fahrbahn fahre, schaue ich in völlig entsetzte Gesichter, als wäre ich ein Alien. Das wäre ihnen viel zu gefährlich, sagen alle, obwohl es noch niemand von denen mal ausprobiert hat. Und nur weil wir paar Hansel das machen, ändert sich im Großen und Ganzen gar nichts.


    Dann bleibt als weiterer Baustein der Fahrradinfrastruktur ein Netz aus Nebenstraßen. Auch dort kann man Geld gebrauchen, um diese Straßen für den Radverkehr zu ertüchtigen, indem man z.B. altes Kopfsteinpflaster gegen einen glatten Fahrbahnbelag ersetzt, Kreuzungen so umbaut, dass sie im Sichtbereich nicht mehr zugeparkt werden können, Parkplätze zurückbaut, Bäume pflanzt.


    Zuletzt zählen auch Abstellanlagen für mich zur Fahrradinfrastruktur, sowie Ladestationen für Pedelecs, Schließfächer für Taschen, u.s.w.


    Ich stehe insofern voll dahinter, mehr Geld für Fahrradinfrastruktur zu fordern und meine damit nicht mehr Geld für Radwege, schon gar nicht für neue Radwege.

  • Damit holt man niemanden vom Auto auf das Fahrrad. Immer wenn ich erzähle, dass ich hier auch an den "Hauptstraßen" (was man in einer Kleinstadt so nennt) auf der Fahrbahn fahre, schaue ich in völlig entsetzte Gesichter, als wäre ich ein Alien.

    Das nennt sich Phobie. Ist eine psychologische Erkrankung. Und in den meisten Fällen heilbar. Ist wesentlich einfacher - und kostet weniger Geld. ;)

  • Aus meiner Sicht sollte man vor allem investieren in den Ausbau von "Radwegen", die gar nicht an einer Straße liegen. Also den Ausbau von Abkürzungen, Querverbindungen die man mit dem Pkw gar nicht nehmen kann, den Radverkehr aber deutlich beschleunigen. Platt gesagt die Asphaltierung von für den Radverkehr günstig gelegenen Spazierwegen. Dazu sinnvolle Lückenschlüsse im Wegenetz (fiktives Beispiel, wo vielleicht 200m Weg fehlen...)

  • Und dazu Poller!


    Ich bin ein großer Fan von Pollern, die den mehrspurigen Kraftverkehr parallel zu großen Straßen unterbrechen und für Radler das Durchfahren ermöglichen. Blockweise nur noch Sackgassen für den KFZ-Verkehr. Das kostet im Vergleich zu anderen Umbaumaßnahmen wirklich wenig. Und gibt auch deutlich weniger Gegenwind, weil die Anwohner ihre geliebten Parkplätze behalten können. Wenn man die versenkbar/herausnehmbar gestaltet, kann auch Müllabfuhr, Rettungsdienst, Straßenreinigung weiter durch.


    Kiel baut so an vielen Stellen so (z.B. die "Premiumfahrradstraße" Hansastraße). Das hält Durchgangsverkehr wirklich effektiv fern. Und plötzlich ist Mischverkehr für keinen mehr ein psychologisches Problem. Hier in Hamburg hängt man in jeder noch so kleinen Nebenstraße immer vor oder hinter denselben 3 PKW über hunderte Meter, weil sie "Schleichwege" fahren, effektiv aber nicht voran kommen. Mit all den Nebeneffekten wie Drängeln, Hupen, Nötigen.

  • Wollen sie aber nicht, weil ihnen nicht bewusst ist, dass es eine Phobie ist.

    Naja, wenn'se nicht wollen, dann haben'se halt Pech...! 8o Ein derartiges Bewusstsein kann man ja durchaus schaffen; durch Aufklärungskampagnen und Gewöhnung bereits im Kindesalter. Wer schon als kleines Kind von den Eltern verrückt gemacht wird ("Radfahren auf der Straße ist viel zu gefährlich"), kann ja selber nur bekloppt werden...


    Mich faszinieren ja in dem Zusammenhang auch die kognitiven Dissonanzen. Es ist ja so, dass (leider) permanent in der Presse von tödlichen Rechtsabbiegeunfällen oder auch sonstigen schweren Unfällen im direkten Zusammenhang mit Radwegen berichtet wird. Aber die Leute wollen einfach nicht 1 + 1 zusammenzählen... :| Warum haben sie vor dem (extrem seltenen) Überfahrenwerden von Hinten trotz allem weiterhin deutlich mehr Angst, als vorm Zermalmtwerden auf einer Furt eines "sich sicher anfühlenden" Radwegs...!?


    Ich meine, dass liegt vor allem daran, dass sich die Leute selber als "Verkehrshindernisse" betrachten. Viele von denen haben ja auch ein Auto und fahren damit wohl auch die meisten ihrer Wege. Und auch deshalb werden dann halt unentwegt Radwege gefordert. ?(